Es klappte alles (was dieses »alles« war, das klappen musste, wusste Carolin nicht, sie fragte auch nicht danach), jedenfalls wollte der Bürgermeister sie wieder sehen, dieses Mal aber nicht zu Hause, wie Carolin ihre Ferienwohnung inzwischen nannte, sondern in der größten Stadt der Region, fast dreißig Kilometer entfernt. Tief stand die Sonne über den schroff aufsteigenden Kalksteinwänden, steil und in vielen engen Windungen führte die Straße ins Tal hinab. Simon saß am Steuer ihres Autos, fuhr schnell über den holprigen Belag und sagte beiläufig, dass der Bürgermeister noch einen Bekannten mitbringe. Im nächsten Moment fuhr er fast in den Straßengraben, da er einem rasant entgegenkommenden Transporter ausweichen musste. »Das war knapp«, murmelte er und stellte den Fuß wieder aufs Gaspedal. Kurz huschte sein Blick zu ihr herüber. »Heute kann ich leider nicht mit dabei sein. Sie wollen es nicht.«Oh. Wollte er sie wirklich alleine lassen? Das hatte er bei einem solchen Rendezvous noch nie getan. Ihr wurde noch etwas flauer ums Herz. So vieles hätte es dagegen einzuwenden gegeben und ihr fiel nur das Banalste von allem ein: »Wie soll ich sie verstehen? Du weißt doch, dass ich kein Französisch spreche.« Ein Lächeln huschte über seine Miene und sie begriff, wie ungeschickt diese Bemerkung gewesen war, erhielt die nahe liegende Antwort postwendend: »Sie werden sich schon verständlich machen und vermutlich mehr Interesse an deinen anderen Französischkenntnissen haben.« Seine Hand legte sich auf ihren Schenkel, kehrte aber gleich zum Lenkrad zurück. Es war besser so, denn vor ihnen tat sich eine der vielen Spitzkehren auf, dahinter klaffte ein schaudernd tiefer Abgrund, von keiner Leitplanke gesichert. Sie kamen wohlbehalten in der Stadt an, Simon parkte in einer Seitenstraße vor einer Markthalle, erbaut im Stil der Moderne. Eine kleine Gasse führte zu einer belebten Einkaufsstraße mit einem kleinen Supermarkt, einem Fotogeschäft, einem Laden für Tabak und Zeitschriften und natürlich einer Boulangerie. Weiter oben gab es einen Kreisverkehr, auf dessen Rondell üppige Staudenrabatten gelb leuchteten. Carolin wurde zu einem Straßencafé mit runden Tischen und roten Plastikstühlen unter dem dichten Dach einer weit ausladenden Platane geführt. Der Bürgermeister war nicht zu entdecken, offenbar hatte Simon mit seinem abenteuerlichen Fahrstil einigen Vorsprung herausgeholt. Sie ließen sich an einem der freien Tische nieder und sie raffte so unauffällig wie möglich den langen schwarzen Rock mit den seitlichen hohen Schlitzen, zeigte viel Bein, von schwarzen Strümpfen umhüllt; rechtzeitig war ihr blauer Strapsgürtel trocken geworden, den sie auch heute tragen musste. Simon bestellte einen Espresso für sie, für sich selbst nichts, denn er konnte nicht bleiben. »Bis dann«, sagte er so beiläufig, als ließe er sie für einen Friseurtermin alleine. Er streichelte über ihr Haar, wandte sich ab und schlenderte die Straße hinauf, entschwand beim Rondell ihren Blicken. Da saß sie wie ein Schaf auf der Opferbank. Aber nein, sie war kein Opfer, sie tat nur, wozu ihr Inneres sie trieb. Wenn schon Schaf, dann eines, das den Weg zur Opferbank selbst gegangen war, weil es keinen besseren für sich kannte. Aber gab es wirklich nichts Besseres, als hier inmitten fremder Menschen, deren Sprache sie nicht verstand, auf zwei fremde Männer zu warten wie eine ¼ ? Sie unterbrach den Gedanken und zupfte den Rock über den Saum der Strümpfe. Aber nein, das durfte sie nicht. Gleich glitt der geschmeidige Stoff wieder herab. Die Knie zu schließen wagte sie ebenfalls nicht, hatte ja ihre Anweisungen ¼ Ein älteres Paar am Nachbartisch schaute irritiert herüber und ein junger Mann zwei Tische weiter versuchte mit ihr zu flirten; ihr Blick wich vor ihm zur Seite. Da kam er herangeschlendert, der Bürgermeister, endlich, hätte sie beinahe gedacht. Er war gekleidet wie vor zwei Tagen, trug das blaue Sakko, das ihm Würde verleihen sollte, begrüßte sie von weitem schon mit einem vorfreudigen Grinsen. An seiner Seite schritt ein jüngerer, schlanker Mann, einen Kopf größer als er, dazu eleganter in seinem weißen Leinenanzug und dem zartblauen Hemd mit offenem Kragen. Seine Erscheinung war städtisch, seine Miene wirkte abgeklärt, das Gesicht war glatt und schmal, das Haar dunkel, fast schwarz, nach hinten gekämmt, schmale braune Augen betrachteten sie prüfend. Sie ließen sich rechts und links von ihr am runden Tisch nieder und wechselten einige Worte, aus denen sie nur ihren Namen heraushörte. Der Fremde musterte sie aufdringlich und kaum verborgen vom herabhängenden weißen Papiertischtuch schob sich seine Hand zwischen ihre Schenkel. Wie dreist er doch war. Sie rutschte näher an den Tisch heran, was aber auch nichts daran änderte, dass jeder sehen konnte, was er da tat. Seine Hand zurückzuhalten wagte sie nicht, spürte sie über den Saum der Strümpfe gleiten und an den Strapsen entlang zum nackten Schoß. Sie blieb auch dort, als die Bedienung erschien, ein pummeliges Mädchen mit rundlichem Gesicht und schulterlangem blondem Haar. Ohne sich um ihren verstörten Blick zu scheren, gab er die Bestellung auf — und ein Finger stieß in Carolins Schoß. Überrumpelt seufzte sie auf. Das Paar nebenan tuschelte aufgeregt, der junge Mann starrte entgeistert herüber, die Bedienung wandte sich abrupt ab wie auf der Flucht. Carolin wäre am liebsten im Boden versunken, sie fühlte Wärme übers Gesicht kriechen, lief rot an und spürte, wie sich der Finger in ihr bewegte, versuchte die aufkeimende Erregung einzudämmen. Endlich zog sich die Hand zurück und aufatmend blieb sie ganz ruhig sitzen, während die Bedienung fast furchtsam die beiden bestellten Pernod brachte und der Schlanke ihr mit großer Geste einige Münzen in die Hand drückte. Die Männer tranken in kleinen Schlückchen und redeten mit gedämpften Stimmen wie Verschwörer miteinander, tauchten Carolin dabei in verlangende Blicke. Es dauerte nicht lange, bis sie sich erhoben. Auch Carolin musste aufstehen, wurde vom Bürgermeister am Arm gehalten, als fürchte er, dass sie weglaufen wolle. Wie eine Angeklagte wurde sie von den Blicken der Bedienung und der Umsitzenden ins Visier genommen. (Weshalb sie, warum nicht der Mann? Er war es doch, der für das Schauspiel gesorgt hatte.) Vergebens suchte sie sich einzureden, dass es absurde Gestalten seien, Komparsen eines unwirklichen Spiels ohne Bedeutung. Doch war es echt. Wie in Trance schlängelte sie sich in der Mitte der beiden Männer durch den schmalen Streifen, den die parkenden Autos den Fußgängern auf dem Bürgersteig ließen. Vor einem hohen alten hässlichen Kastenwagen hielten sie inne. Der Schlanke schloss die Fahrertür auf und schob Carolin hinein. Durch eine offene Schiebetür gelangte man nach hinten ins Innere des Kastens, der so hoch war, dass Carolin aufrecht stehen konnte. Der Boden und die Decke waren rot gepolstert, es roch nach süßlichem Parfüm. Was um Himmels willen wurde mit diesem Fahrzeug angeliefert, war es etwa ein rollendes Bordell? Der Schlanke, der dicht vor ihr stand, musste sich ein bisschen unter dem leicht gewölbten Dach bücken, was ihn nicht zu stören schien. Er lächelte dünn, und fast schien es, als würde er unmerklich mit den Achseln zucken, dann griff er nach ihrer Bluse und knöpfte sie mit ruhigen Fingern auf. Angeregt schaute der Bürgermeister zu, der hinter dem Steuer Platz genommen und sich ächzend halb nach hinten gedreht hatte. Hatten sie denn keine Sorge, dass jemand vorbeikommen und durch die Windschutzscheibe hereinschauen könnte? Reglos hingen Carolins Arme herab und atemlos ließ sie den Mann gewähren. Er schob die Bluse wie einen Vorhang auseinander und streifte sie ihr ab, sanft wie ein Hauch glitten seine Finger über ihre steifen, leise bebenden Knospen. Auch ihr Rock wurde aufgeknöpft und sank ergeben zu Boden. Der Mann musterte anerkennend ihren nackten Körper und hieß ihr mit seinem Blick, sich hinzusetzen, dann wandte er sich ab und ließ sich auf den Beifahrersitz sinken. Der Motor jaulte wie ein wild gewordener Rasenmäher auf, der Wagen wurde aus der Parklücke rangiert und schaukelte wie ein Schiff in Seenot durch die Stadt. Carolin hielt sich an den Griffen rechts und links des Kopfes fest, um nicht wie eine Puppe umhergeschleudert zu werden. Sie konnte durch die offene Schiebetür nach vorn schauen, sah, dass sie die Stadt verließen und in die Dämmerung des Landes fuhren, einige Serpentinen hoch, es gab in dieser Gegend keine geraden Straßen. Der Wagen rumpelte über einen Feldweg und kam zum Stehen, der Motor erstarb. Es war totenstill, nur einige Regentropfen platschten dick aufs blecherne Dach. Die Männer kletterten von den Sitzen und kamen zu ihr nach hinten, ließen sich rechts und links von ihr nieder. Geflüsterte Worte aus heiseren Kehlen, schlängelnde Finger überall an ihrem Körper, warme Lippen auf ihrer Haut, Carolin konnte sie nicht zurückweisen, wollte es umso weniger, desto zudringlicher sie wurden. Zupackende Hände wälzten sie auf den Bauch und drängten ihre Beine auseinander, aufreizende Finger trieben ihren Unterleib empor, dick und heiß rammte ein Penis in ihren Schoß, gleichzeitig wurde ihr Kopf nach oben gezwungen und der harte Schwanz des Bürgermeisters schob sich in ihren Mund. Er hielt sie am Schopf gepackt und murmelte unverständliche Worte unter den Liebkosungen ihrer Lippen. Beide Männer pumpten ihre Flut in sie hinein, ließen von ihr ab, lehnten sich ans rote Polster und zündeten schwarze stinkende Zigaretten an. Carolin wurde auf den Rücken gerollt, damit man mehr von ihr sehe, sie lauschte dem Regen, der nun wütend aufs Dach prasselte, und fühlte sich geborgen wie in einer warmen dunklen Höhle. Das Lächeln, das der Bürgermeister herabsandte, fast liebevoll, vielleicht mit einer Spur Mitleid angereichert, erwiderte sie vage. Unter dem Blick seines Begleiters fühlte sie sich taxiert, als prüfe er ihre Eignung für seinen mobilen Puff. Wenn dieser Mann tatsächlich ein Zuhälter war, was ihm ohne weiteres zutraute, dann ein seltsamer, denn welcher Zuhälter hatte es schon nötig, sich weibliche Gunst zu kaufen? Aber vielleicht, so beschwichtigte sie sich, reizte ihn einfach nur mal eine Ausländerin. Natürlich begnügten sich die Männer nicht mit dem einen Mal. Für weitere Taten aber wurde ihre Hilfe benötigt. Es war der Schlanke, der sie am Haar packte und ihren Kopf zu seinem Schoß dirigierte. Fügsam schlossen sich ihre Lippen um den kraftlosen Penis. Ihre Lust, längst erwacht, vom Pfahl in ihrem Schoß vorhin nicht gestillt und von hilfreichen Fingern an ihren Brüsten und zwischen den Beinen jetzt weiter geschürt, machte ihr die Aufgabe angenehm. Sie liebkoste auch den Schwanz des Bürgermeisters, weckte neue Energie mit der Zärtlichkeit ihres Mundes, die sich die beiden Männer brüderlich teilten. Mit stolz aufgerichtetem Penis wälzte sich der Bürgermeister schließlich auf den Rücken und sie folgte seinen ausgestreckten Händen, kniete über ihn mit gespreizten Beinen, wurde erfüllt von seinem neu erstarkten Geschlecht, ritt auf ihm. Seine Arme schlangen sich um ihren Nacken, zogen ihren Kopf zu sich hinab, er keuchte ihr seinen schlechten Atem ins Gesicht und brachten sie in geeignete Position für den Schlanken, der hinter sie kniete, ihre Hüften packte, sie an sich presste. Was tat er denn, das ging doch nicht! Doch, es ging. Dick bohrte sich sein Penis in ihren Po, wild schluchzte sie auf, doppelt gepfählt, sie glaubte zu zerspringen. Beide drangen noch tiefer mit behutsamen Stößen, unerbittlich aufeinander abgestimmt. Nie zuvor war sie so zum Bersten gefüllt gewesen. Ihr Stöhnen, ihr Schluchzen, ihre erstickten Schreie drangen durchs Blech des Wagens hinaus in den Regen, wäre draußen jemand gewesen, hätte er geglaubt, sie würde schrecklich gequält, und das wurde sie ja auch. Des Denkens beraubt verlor sie sich im Reich der Sinnlichkeit ¼ Tief atmend blieb sie auf dem Boden liegen, als sich die Männer in sie ergossen hatten und ihrer überdrüssig waren. Schweigend zogen sie sich an und ließen sich auf die Sitze sinken, das Auto fuhr los. Carolin streifte Rock und Bluse während der Fahrt über und versuchte sich in einen halbwegs geordneten Zustand zu bringen, was kaum gelang. Noch immer wühlten die Gefühle in ihr wie mit glühenden Fingern. Wie abgeschnitten hörte der Regen plötzlich auf. Nach erstaunlich kurzer Zeit, wie ihr schien, erreichte das Auto die Stadt und hielt direkt vor dem Straßencafé an. Simon stand unter der Platane und nahm Carolin zur Begrüßung in den Arm, unterhielt sich noch kurz mit den beiden Männern. Das Gespräch nicht zu verstehen war für Carolin vermutlich besser. Sie roch nach ihnen, fühlte ihre Spuren in sich und auf ihrer Haut. Der Strapsgürtel und die Strümpfe waren schon wieder reif für die Wäsche. Mit heulendem Motor fuhr der Lieferwagen davon und sie ging in Simons Arm zu ihrem Auto, fröstelte, denn es war kühl geworden. Simon schaltete die Heizung ein und sagte während der Fahrt durch das dunkle Land: »Der Bekannte des Bürgermeisters ist sehr zufrieden mit dir.« »Und du?« Fragend huschte sein Blick herüber und sie wurde konkreter: »Bist du zufrieden, wenn er zufrieden mit mir ist?« »Es könnte ungeahnte Möglichkeiten eröffnen.« Das war es nicht, was sie hatte hören wollen, doch beantwortete es ihre Frage trotzdem. Es schien keine Eifersucht in Simon zu geben, auch dann nicht, wenn er ihrer Schändung nicht zuschauen konnte. Er war stolz auf sein Geschöpf, die Komplimente der Freier schmeichelten auch ihm. »Was für Möglichkeiten?«, fragte sie bang. »Genaues weiß ich noch nicht. Wir werden sehen«
Copyright Jürgen B. Greulich 2005
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Jürgen B. Greulich
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