Am eisernen Ring


Am Sonntagmorgen gingen die Männer des kleinen Dorfes auf Treib­jagd, wie immer in der Hoffnung, das letzte Wildschwein der Re­gion zu erlegen, das seit drei Jahren den Häschern entkam. Katzen und Hun­de wurden von den Bewohnern eingesperrt, da es nur noch wenig Wild gab und die Männer auf alles schossen, was sich bewegte. Am Nachmittag tele­fonierte Simon vom öffentlichen Telefon, das in einer Nische der Kir­chen­fassade eingelas­sen war. Danach berichtete er, dass ihr Urlaub ein an­de­res Gesicht bekäme, denn der Bekannte des Bürgermeisters suche ein Mäd­chen für drei Tage.Oh. Skepsis wuchs in Carolin. »Wofür? Für seinen Lieferwagen?«
»Lieferwagen? Nein. Für seine Ferienkolonie im Süden, sehr exklusiv, sehr no­bel, wie er mir versicherte.«
»Dann war der Abend mit ihm sozusagen ein Eignungstest?«
Verträumt schaute Simon in den hohen blauen Himmel.
»Willst du wirklich, dass ich das tue?«
»Er holt dich morgen Vormittag um zehn Uhr ab.«
Ach, so war das! Er hatte bereits alles arrangiert, musste um ihre Zustim­mung gar nicht buhlen, nahm ihr das Ringen darum fürsorglich ab. Schwei­gend hob auch sie den Blick zum wolken­losen Himmel. Die Jä­­ger kehrten mit großem Getöse und bel­­­lenden Hunden, aber ohne Beute zu­­rück, wieder hat­te das Wildschwein über­lebt, sie gönnte es ihm.
Auch der Montagmorgen war sonnig und leidlich warm. Wenige Minuten nach zehn rollte ein weißer Lieferwagen auf den Dorfplatz, es war der, den Carolin kann­te. Am Steuer saß der Schlanke, auch heute mit einem weißen Leinenanzug be­kleidet, das Haar sorgsam zurückgekämmt. Simon begleitete sie ins Innere des Wa­gens und konsterniert hielt Carolin an der Schiebetür inne. Zwei Sitze waren im Kas­ten nebeneinander montiert, in einem saß ein hübsches Mädchen mit langem dunk­lem Haar und üppigen Formen. Sie war nackt, ihre Arm- und Handgelenke wur­den von metallenen Bändern um­schlossen, eine Kette verband den hinteren Ring ihres metallenen Halsban­des mit der blechernen Decke. Verstört schauten ihre gro­ßen dunkelbraunen Augen, verschämt bedeckten ihre Hände den Schoß. Der Schlanke sprach mit Simon und dieser gab die Anweisungen an Carolin weiter. Sie musste ihr kur­­zes weißes Kleid ausziehen, ließ es zögernd auf den Boden fallen ne­ben das rote Kleid der Dunkelhaarigen. Unter dem Beifahrersitz stand ein Korb, dar­in lagen solche Bänder, wie das Mädchen sie trug, jedes mit zwei zier­lichen Rin­gen versehen. Reglos ließ Carolin es geschehen, dass Simon sie mit einem Zenti­me­ter­band vermaß und stumm schaute sie zu, wie er pas­sen­de Schellen für sie heraus­suchte. Sie ließen sich aufklappen, kühl legte sich das Metall um ihre Haut, silber­hell rasteten die Schlösser ein, ließen sich ohne Schlüssel nicht mehr öffnen. Sie musste auf dem freien Sitz Platz neh­men und Simon schloss eine Kette an ihrem Hals­­band und der Decke an. Er war zum Handlanger des Fremden geworden.
»Sorgst du dafür, dass mir nichts Schlimmes geschieht?«, flüsterte sie. Aber sie zweifelte daran, dass er für sie sorgen und sie behüten konnte, glaubte nicht, dass er Einfluss hatte auf diesen fremden Mann, der ungedul­dig auf die Armbanduhr schaute.
»Es geschieht dir nichts, was du dir nicht im Grunde deines Herzens wünscht«, er­widerte Simon tröstlich. Aber es klang nicht tröstlich, es klang wie eine Drohung. Er hauchte einen Kuss auf ihre Lippen und ging nach vor­ne, die Schiebetür fiel scheppernd wie eine Gefängnistür zu, die Zelle ver­sank im Halbdunkel, nur durch zwei kleine runde Fenster oben fiel ein bisschen Licht herein. Die Beifahrertür wur­de zugeschlagen, Simon war of­fen­­bar ausge­stiegen, stand wahrscheinlich dicht ne­ben ihr, nur durch das Blech ge­trennt, unerreichbar. Der Motor wurde gestartet, rollte an, schau­kel­te bald durch die engen Kurven der holprigen Straße. Scheu schweifte Ca­ro­lins Blick zu ihrer Mitfahrerin. Diese hatte ein weiches volles Ge­sicht, einen sinnlich großen Mund, feste runde Brüste, ihre dunkle Haut war glatt wie ei­ne Statue, völlig enthaart, auch am Schoß, den die Hände beharrlich zu ver­bergen suchten.
»Sprichst du deutsch?«, fragte Carolin.
»Allemand?« Das Mädchen schüttelte den Kopf. »Non.«
Also war auch von ihr nichts über das Kommende zu erfahren. Aber vermutlich wusste sie selbst nichts und vielleicht war das besser so, denn das Wissen konnte Furcht bergen, das Nichtwissen aber barg sie sowieso, vielleicht noch mehr. Die Fahrt dauerte lange, einige Stunden, wie es Ca­rolin schien, und es wurde immer wär­mer im Blechkasten, je wei­ter sie nach Süden ka­men. Immerhin hatte das Schau­keln aufgehört, das Au­to fuhr schnurgerade da­hin, vermutlich auf einer Au­to­bahn. Natalie hieß die Dun­­kel­haarige, we­nigs­tens ihre Namen hatten sie sich mit­geteilt, als wäre das wichtig, sie saß ebenso apathisch im Sitz wie Carolin, ihre Haut glänzte vor Schweiß. Hin und wieder nickten sie ein für einige Minuten ein, seliges Ver­ges­sen, aber auch der flache Schlummer war unruhig, sorgenvoll, und zu­gleich mit dem Geist erwachte auch wieder das Bangen. Die gleichmäßige Fahrt fand ihr Ende, wieder rumpelte der Wagen durch enge Kurven eine Stra­ße steil bergauf, dann kam er zum Stehen und der Motor erstarb. Die Schie­be­tür wurde aufge­sto­ßen, blendend helles Licht fiel herein. Der Schlan­ke löste die Kette von ihrem Hals­band und sie stiegen aus, wurden von zwei Män­­nern in seltsamer Kluft in Empfang ge­nommen. Sie trugen weiße kurze Ge­wänder wie altrömische Soldaten, am brei­ten Gürtel hing eine kurze Peit­sche mit gedrungenem Griff, wie gebannt klebte Ca­ro­lins Blick daran und auch Natalie beäugte sie furchtsam. Dann schauten sie sich beide um. Sie be­fan­­den sich auf einem hohen Hügel, weit schweifte der Blick über ein welli­ges Land mit Weinbergen und hohen schlanken Bäumen; der Horizont ver­­lor sich in blauem Dunst, man hätte meinen können, man sehe von hier aus das Mit­telmeer, und vielleicht war es ja so. Das Auto stand an der Rückseite einer me­di­terranen Villa mit hohen schmalen Fenstern und flachem Dach, da­hinter er­streck­te sich ein Garten mit Palmen und rot blühenden Sträu­­chern, Grillen zirpten in der Hitze. Es war ein paradiesisches Fleckchen Erde, hätte das jedenfalls sein können unter anderen, angenehmeren Umständen.
Der Schlanke sagte etwas zu den beiden Männern, Carolin hörte aus seinen Wor­ten »Allemande« heraus und die beiden nickten verstehend. Verstohlen suchten Ca­rolins Hände die Nähe des Schoßes, um die Blicke abzu­weh­ren, un­verblümter tat es Natalie, ihre Hände lagen eng verschränkt vor dem nahtlos gebräunten Drei­eck. Die Männer sahen es grinsend und führten die Mäd­chen ins Haus. Sie gelang­ten in einen blauen luftigen Raum und von dort in ein Ba­dezimmer. Sie durften du­schen, Carolin zuerst, kühles, erfri­schendes Was­­ser und reinigende Seife, danach trock­nete sie sich vor den Augen der Män­­ner ab und schlüpfte wieder in ihre wei­ßen hochhackigen Sandaletten, Klei­dung gab es keine. Auch ei­ne Toilette suchte ihr Blick vergebens, sie wagte nicht danach zu fragen, ob­gleich die Blase allmählich drückte. Wäh­rend Natalie unter die Dusche ging, wurde Carolin vom einen der Auf­seher (wie hätte sie diese beiden muskulösen Männer um die dreißig sonst nen­nen sol­­len?) in den großen Raum zurück und von dort zum Vorderausgang ge­führt. Die schwere Tür aus dunklem Holz schwang auf — und Carolin glaub­te nicht richtig zu sehen, entgeistert stockte ihr Schritt. Ihren Augen bot sich eine sur­reale Szenerie: Sechs Häuser aus dickem grauen Stein umstanden ei­ne Art Dorf­platz, der an den ihres Ferien­ortes erinnerte. Neben jeder Haus­­tür war ein eiserner Ring in die Wand gemauert, der dem Festbinden von Pferden diente. Aber es wa­ren keine Pfer­­de festgebunden, sondern Frau­en! Jede war jung, jede war hübsch, je­de war nackt, jede trug Sanda­let­ten mit hohen Absätzen, an den Gelenken metal­lene Schellen und am Hals ein metallenes Band, daran eine lange Kette, die sie mit dem Ring in der Mau­er verband. Nur der Platz vor einem Haus schräg ge­gen­über war leer, die Kette aber hing schon vom Ring herab, auch ein Son­nen­­schirm war auf­­ge­spannt, ein roter Stuhl stand bereit und auf dem Pflas­ter des hohen Trot­toirs lag eine rosafarbene weiche Matte. Dorthin wurde Ca­ro­lin geführt un­ter den Bli­cken der Mädchen und einiger Männer, die in den Türen der Häu­ser erschienen. Der Auf­­seher schloss die Ket­te an ihrem Halsband an, der Ver­schluss rastete ein, sie konn­te sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien, ein Frös­teln rieselte über ihre Haut trotz der trockenen Hitze. Starr stand sie da, wie aus Stein gemeißelt, als der Auf­seher von ihr ging. Sie sah aus den Au­­gen­win­keln her­aus, wie eines der Mäd­chen, eine Schlanke mit kleinen Brüsten und kurzem blondem Haar vor einem Mann auf der Mat­te niederkniete und an sei­ner Hose nestelte. Carolin wandte den Blick zur Seite, sehnte sich nach Si­mon. Kä­me er doch nur, um sie zu befreien. Aber natürlich kam er nicht, wie sollte er auch, er hatte sie ja dieser seltsamen Siedlung aus­gelie­fert. Ob er wusste, dass man sie ankettete wie ein Pferd?
Natalie wurde aus der Villa gebracht, die größer war als die anderen Häu­ser. Die beiden Aufseher führten sie zur Mitte des Platzes und spannten sie zwischen die zwei steinernen Säulen, die dort in der prallen Sonne manns­hoch aufragten, ket­te­ten die seitlich ausgestreckten Arme an metallenen Rin­gen fest. Furchtsam schaute sie sich um, dann sank ihr Kopf herab. Noch mehr Män­ner kamen aus den Häu­sern, jeder trug einen An­zug aus weißem Lei­­nen, die meisten waren Mitte vier­zig oder älter, vermut­lich vermögende Her­ren. Manch einer trat vor Natalie hin oder hin­ter sie, betrachtete ihren Kör­per, den die Hände nicht mehr schützen konn­ten, neu­gierige Finger glit­ten über ihre Haut, über die Brüste, zwischen ihre Beine, entlockten den zit­tern­den Lippen aufgewühlte Seufzer.
Die Haustür hinter Carolin wurde geöffnet und der Schlanke trat heraus, hinter ihm ein kleiner älterer glatzköpfiger Mann mit abstehenden Ohren, auch er trug ei­nen leichten hellen Anzug und ein weißes Hemd mit offenem Kragen. Er blieb vor ihr stehen und schaute zu ihr auf, war gut einen halben Kopf kleiner als sie. »Du bist Allemande?«, fragte er in Deutsch mit aus­ge­prägt französischem Ak­zent. Sie nick­te. »Du bist sehr schön«, verkündete er mit kratzig hoher Stimme. »Nur leider ist das schlecht für dich, denn wir verachten schöne Frau­en. Wenn ein Mann in deine Nähe kommt, musst du vor ihm nieder­knien!« Sie mochte ihn nicht, die­sen Zwerg mit der un­an­ge­nehmen Stimme, hätte in der Frei­heit einen Bo­gen um ihn geschlagen, hier aber stand er di­rekt vor ihr und neben ihm der Schlanke, den sie fürchtete, außerdem gab es die Aufseher. Ihre Knie sanken auf die weiche Matte. »Schau mich an«, be­fahl er und sie hob den Blick, schau­te zu ihm auf, nicht mehr zu ihm herab.
Er lächelte zufrieden. »Hübsche Frau­en wollen verwöhnt werden wie Prin­zes­sin­nen, sie verlan­gen, dass man sie auf Händen trägt. – Hier aber ist es an­ders. Für uns seid ihr keine lieb­liche Geschöpfe, sondern trieb­hafte Wesen, nicht besser als Tiere. Und wie Tiere werdet ihr behandelt. Wir verlangen hün­dische Ergebenheit. Wenn ein Mann bei dir weilt, dann hast du ihn zu ver­ehren, so wie sie es tut.« Seine Hand wies zur Blonden mit dem kurzen Haar, deren Lippen am Penis des Man­nes auf und ab glitten »Wie nennt man das in Allemagne, ihn pusten?«
Carolin wollte es nicht sehen. Rasch wandte sie den Blick wieder ab.
Ungeduldig wischte der Kleine eine Haarlocke aus ihrer Stirn. »Willst du mir nicht verraten, wie das bei euch heißt?«
»Blasen …« Fast versagte ihr die Stimme. »… ihm einen blasen.«
»Ja, richtig. Aber du sollst es nicht nur sagen, sondern auch tun!«
Zaghaft hob sie die Hände und zerrte den Reißverschluss der Hose herab. Sie war nicht in Stimmung dafür, hatte keine Lust darauf. Wen aber interessierte das schon. Widerwillig nestelte sie den kleinen, aber vor Erwartung schier berstenden Penis hervor, sah ihn wie eine gegen sie gerichtete Waffe dicht vor sich.
Sanft streichelte die Hand des Mannes ihre Wange. »Du bist störrisch. Aber das werden wir dir austreiben, sobald wir mit ihr fertig sind.«
Mit »ihr« meinte er Natalie. Hinter dieser stand einer der Auf­seher mit einer lan­gen Pfer­de­peit­sche in der Hand und einige Herren in hel­len Anzügen umringten sie in sicherem Abstand. Der Aufseher hob die Hand, sirrend durchschnitt der lan­ge Lederriemen die Luft, landete mit einem hässlichen Klatschen auf Natalies Rü­cken. Gepeinigt bäumte sie sich auf.
Carolin sog den Penis des Kleinen in den Mund und lutschte ihn innig. Nein, sie war nicht störrisch, sie war anschmiegsam und ergeben, liebkoste ihn umso leiden­schaftlicher, je gequälter sich Natalie unter der Peitsche wand und je durchdrin­gender ihr Wimmern, ihr Stöhnen und schließlich ihr Weinen den Platz erfüllte. Heiß und salzig quoll das Sperma des Schlanken in ihren Mund, der Beweis seines Sieges, den sie in der Hoffnung auf Gnade hinunterschluckte, die sie nicht ernst­haft erhoffen durfte. Er trat zur Seite und der Schlanke nahm seinen Platz ein. Sie schloss die Lippen auch um seinen Penis, »verehrte« ihn, wie man es von ihr ver­langte, und wurde von seiner klebrigen Flut überschwemmt, während nun endlich die Peitsche von Natalie ließ. In dieser unwirklichen Kolonie, so musste Carolin be­grei­fen, würde das Maß aller bislang erlebten Demütigungen gesprengt werden …

Copyright Jürgen B. Greulich 2005


Jürgen B. Greulich

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