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Streicheldienste

Streicheldienste - Ein erotischer Service für Behinderte

 

Ein großes Problem, vor dem Behinderte stehen, ist das Ausleben sexueller Bedürfnisse mit sich selbst, die Selbstbefriedigung also, denn es ist gesetzlich verboten, daß ein Betreuer einem zu Betreuenden zeigt, wie man sich sexuell befriedigen kann, indem sie ihn selbst berührt. Das Schlagwort in diesem Zusammenhang heisst "erlaubte Vergewaltigung". Eine mögliche Alternative heißt Streicheldienst und ist ein erotischer Service, wie er zum Beispiel von dem in Wiesbaden ansässigen Verein Sensis angeboten wird. 
Diese Körperkontaktservices bieten im Vergleich zur Prostitution oder der Selbstbefriedigung erhebliche Vorteile für diejenigen, die diesen Dienst in Anspruch nehmen. Zunächst einmal hat man es hier mit Profis zu tun. Das klingt zwar nach professioneller und emotionsloser Distanz, die Mitarbeiter von Streicheldiensten unterliegen aber glücklicherweise nicht denselben Restriktionen wie die Betreuer. Die Mitarbeiter von Streicheldiensten werden, laut Sandra Senger, der Koordinatorin des Wiesbadener Vereines "Sensis", auf den Umgang mit jeder Art der Behinderung vorbereitet. Ob Inkontinenz oder Spastik, man hat die Gewissheit, das die Person mit der man hautnah in Kontakt tritt, den Umgang sowohl mit dem einen wie auch mit dem anderen gewöhnt ist. Und das kann, zumal bei den ersten Schritten ins Sexualleben, überaus hilfreich sein. 
Weiter bieten diese Menschen ihre Dienste völlig freiwillig an. Das will nicht heißen, dass Prostituierte das nicht auch tun. Aber sicherlich kann man davon ausgehen, dass Menschen, die sich für die Mitarbeit bei einem Streicheldienst entschieden haben, sich eben auch für die aktive sexuelle Assistenz entschieden haben. Nachdem die Mitarbeiter auf Herz und Nieren geprüft werden, kann das Risiko eines sexuellen Missbrauchs, den vor allem Frauen fürchten, zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber wenigstens minimiert werden. Auch den Mitarbeitern von Streicheldiensten geht es darum, die eigenen Grenzen und die der anderen zu wahren und niemanden zu überfordern. Beischlaf, sprich der sexuelle Akt an sich, findet laut Sandra  Senger nicht statt - dies zumindest die offizielle und sinnvolle Verlautbarung von Sensis. Wer es also einfach nur "gemacht kriegen will", der ist hier an der falschen Adresse. Der Schwerpunkt liegt wohl eher darin, etwas über den eigenen Körper, die eigenen Grenzen oder Berührung zu erfahren und dann, na ja wer weiß......... 
Einen gravierenden Nachteil haben die Streicheldienste allerdings. Sie sind nicht ganz billig. Eine Stunde kostet 67 Euro und das können sich nur wenige leisten. Trotzdem ist die Nachfrage riesengroß und so auch die Sehnsucht. So groß, das inzwischen auch in Deutschland der Ruf nach professionellen Sexualbegleitern laut wird, die es sie in anderen Ländern schon gibt. Und natürlich genauso der nach einer Grundrente für Behinderte, mit der diese in der Lage sind, ihre alltäglichen Grundbedürfnisse eigenständig zu sichern.


Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit www.wheel-it.de

 


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