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Nikolai
de Treskow ist der einzige
moderne Minnesänger im deutschsprachigen Raum. Als
Musiker arbeitet er seit vielen
Jahren daran, die mittelalterliche
Musik mit modernen Musikstilen zu
verbinden. 1997 schaffte er es
sogar mit einer
Mittelalter-Pop-Produktion bis in
die deutschen Dance-Charts und
1995 bis ins Guinnessbuch der
Rekorde. Als Minnesänger ist er
ein Botschafter neuer (alter!)
Formen der Höflichkeit und des
Werbens um eine Frau. Seit 1995
lebt er auf Burg Ziesar in
Brandenburg. Von dort startete er
einen romantischen Siegeszug, der
ihn als Musiker wie auch als
Experte für die Hohe Kunst der
Verführung bekannt machte.
Krischan
Schoeninger im Gespräch mit
Deutschlands einzigem Minnesänger
Nikolai de Treskow über seine
Ausstellung Tausendundein
Liebesbrief,
seinen Liebestrank,
seine Tour de Gral in Südengland,
seine Suppenküche in Goa,
über Heinrich von Morungen
in Indien
und seiner erfolgreiche
Flirtschule in der Mark
Brandenburg.
Als Service natürlich die Projekt-Kontaktadessen
Tausendundein Liebesbrief
Nikolai,
über nunmehr ein Jahrzehnt öffentlichen
Bemühens um die Gunst des Weibes
haben sich viele Dinge
angesammelt. Die Dinge eines
Lebens, das der Hohen Minne
huldigt und der Niederen Minne frönt.
Was ist Minne? Wer ist dieser Mann
der mit seinen 3 Frauen, die er
"Gespielinnen" nennt?
Einer, der sich jeden Tag von
Neuem um seine Freundin bemüht,
als wäre es der erste Tag...! Das
ist Minne hautnah. Die wirklich
HOHE Kunst der Verführung ist es
doch, die Angebetete nicht nur für
sich zu gewinnen, sondern sie zu
halten, sie immer und immer wieder
für sich zu begeistern!
Zugegebenermaßen hat das eben
auch bei mir nicht immer geklappt
aber es hat meine Ausstellung
entstehen lassen!
... mit
der du ja einen ganz besonderen
Voyeurismus gestattest. Die Tür
zu deinem ganz persönlichen
Lebens- und Liebensarchiv steht da
ja schließlich mehr als nur einen
Spalt breit offen hier sind
Sammelstücke des Begehrens als
Einblicke in Intimitäten eines
professionellen Frauenbetöreres
zu sehen und zu spüren...! Was
war für dich selbst das
Faszinierendste bei der
Erarbeitung der Ausstellung?
Dass sich ein 3 Jahre alter
Liebesbrief beim heutigen Lesen
ganz genauso präsent anfühlt wie
ein 15 Jahre alter! Ich lese den
Brief, und plötzlich ist er
absolut nichts Vergangenes, ist er
nah und unmittelbar und hat nichts
von seiner Kraft verloren.
Komisches Gefühl!
...und
das tausendundeinmal?! Der Titel
Deiner Ausstellung, die durch die
Deutschen Bundesländer reist, lässt
offen gesagt an eine öffentlichkeitswirksame
Form der selbstverliebten
Darstellung des Minnesängers
denken, suggeriert er doch, dass
es sich bei der Ausstellung um
eine Sammlung privater Huldigungen
an den Künstler und an den
Menschen de Treskow handelt!
Dass es sich um an mich
gerichtete Briefe handelt, steht für
den Voyeur nicht im Vordergrund.
Jeder wird insgeheim sich und
seine persönliche Geschichte
wiederfinden. Liebesbriefe sind
Metaphern für Lust und Schmerz
und wir alle sind unheilbare
Objekte der Begierde!
Ich denke, dass
"Tausendundein
Liebesbrief" in einem sehr
viel weiteren Rahmen gesehen
werden muss. Es geht eben nicht um
eine Beweihräuerung des Minnesängers,
nicht einmal um mich selbst, denn
nicht meine Person, an die die
Briefe sich richten, steht hier im
Vordergund, sondern eben jene
Briefe.
Indem sie die verschiedensten
Liebesbriefe und -geschenke zeigt,
macht die Ausstellung die
Mannigfaltigkeit der Facetten
deutlich, in denen sich Liebe
artikuliert.
Also,
soweit ich das gesehen habe,
artikuliert sich da aber oft auch
alles andere als Liebe! Und dann
diese überaus süßen,
minneglichen Nacktfotos, die es
auch mir zugegebener maßen recht
angetan hatten, die Liebespfänder
und Gerüche von Deinen
Verflossenen...?!
Die sind mir doch geschenkt
worden, meist als Briefbeigaben!
Da gibt es eben auch sehr, sehr
leidenschaftliche Briefe, vor
allem aber zarte, fast
unschuldige, schüchterne und nüchterne.
Da gibt es Briefe voller Sehnsucht
und andere, in denen die
Schreiberinnen ihre Verachtung
oder Enttäuschung mitleidlos klar
machen.
"Tausendundein
Liebesbrief" ist somit ein
anschauliches Beispiel für eine
Ausstellung, die sich mit Liebe
befaßt, jedoch nie betont sexuell
wird, sondern sich auf das Gefühl
an sich, auf Herz, Freude und
Kummer konzentriert.
Was gibt
es noch zu sehen?
Objekte, die die oft künstlerische
Gestaltung der Briefe
unterstreichen, auch wird mit Klängen
und Bildern gearbeitet.
Am
eindrucksvollsten fand ich den großen
runden begehbaren Irrgarten mit
Liebesbriefen!
... eine begehbare
Spirale nach unserem Sonnensystem
... eine
Glücksspirale!?
... sagt nur der Zyniker! Denn
darunter sind auch einige
Abschiedsbriefe zu finden, wo mir
mächtig einer eingeschenkt wird!
Aufgelockert
wird Deine Auswahl der Exponate
durch interaktive Objekte, in
denen Liebesgeschichten des Minnesängers
verarbeitet wurden so z.B.
diverse private Anrufbeantworter,
die der Besucher abrufen darf,
... private Kurzfilme
... sehr
intime!
...die natürlich zum Teil noch
auf Super 8 gedreht wurden
... und
via Knopfdruck digital auf Monitoren
eindrucksvoll wiedergegeben werden
... mit so mit allen Sinnen
erlebt werden können.
Die Klänge!
und Objekte in Deiner
multimedialen Ausstellung nicht
ganz jugendfrei, wie mir schien!
...ich meine, auch Fetische
und "Jagdtrophäen" gehören
zur Liebe. Und
Anrufbeantworter-Sprüche, die im
wahrsten Sinne des Wortes Lust auf
das darauffolgende Treffen machen,
das sind im Grunde mündliche
Liebesbriefe!
Von der
anregenden Wirkung deiner Exponate
für den Betrachter bin ich überzeugt,
und wir werden sie auf unserer
Internetseite www.erotisches-zur-nacht.de
noch diesen Monat veröffentlichen!
Buch
"Die Hohe Kunst der Verführung",
Campus-Verlag
Frankfurt/M. / New York, 1997
kontakt@okbuero.de
Morungen
Nikolai,
gibt es ein Projekt, das dir
derzeit ganz besonders am
HERZEN liegt?
Ein Abenteuer und echte
Herausforderung für uns alle!?
Wenn Du
es sagst!
... ist die Suppenküche
"Morungen" für die Straßenkinder
der indischen Hafenstadt Vasco da
Gama (indisch Goa).
...die
wohl nach Heinrich von Morungen
benannt ist, dem abenteuerlichsten
aller Minnesänger, der diese
legendäre Indienfahrt unternommen
hat?
Ich sehe, Krischan, du hast
deine Hausaufgaben gemacht!
Wenn mich
jemand wirklich interessiert!
Auf den Spuren Morungens bin
auch ich 1999 nach Indien gereist
und habe dabei in Vasco da Gama
Dr. Desai kennengelernt, einen
beeindruckend engagierten,
charismatischen indischen Arzt,
der dieses Hilfsprojekt ins Leben
gerufen hat und den Kindern in
seiner Heimatstadt zumindest
einmal täglich eine richtige
Mahlzeit ermöglicht. Ich habe
selbst zwei Kinder ja, die Früchte
der niederen Minne! und es hat
mich zutiefst berührt, wie wenig
die Straßenkinder die Chance
haben, eine auch nur annähernd so
kindliche Kindheit verleben zu können
wie die meinen und das allein
durch Umstand und Ort ihrer
Geburt.
Unsere
Redaktion wird Dich unbedingt bei
Deinem Projekt unterstützen!
Das finde ich überaus
minneglich von Euch!!!
Suppenküche "Morungen"
in Goa
mobil:
0170 2 46 46 38
minnegliche Spenden unter:
Bankverbindung:
Nikolai de Treskow
Deutsche Bank 24
Kontonummer: 973 88 08
BLZ 100 700 00
Bitte immer im Betreff
Spenden für "MORUNGEN"
angeben!
zum
2.Teil des Interviews
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