Erotik-Verleger und Buchhandlungen in Paris

In der Vergangenheit

Im Jahre gründete Sylvia Beach mit ihrer späteren Lebensgefährtin Adrienne Monnier die Buchhandlung englischsprachige „Shakespeare and Companie“ in der Rue Dupuyter Nr. 8. Später zog man in die Rue d’Odéon Nr. 12, wo heute noch eine Gedenktafel an jene berühmte Buchhandlung erinnert Zu den Stammkunden gehörten u.a. James Joyce, Henry Miller und Ernest Hemingway. Als Hommage an jene Buchhandlung, die während der deutschen Besetzung geschlossen wurde, wurde 1962 die Buchhandlung Le Mistral in der 37, Rue de la Bûcherie, ebenfalls in „Shakespeare and Company“ umbenannt.

Mehr noch als, als Buchhandlung ging Shakespeare und Company als Verlag in die Literaturgeschichte ein. Sylvia Beach hat – nachdem James Joyce’s Roman „Ulysses“ in den USA wegen anzüglich-sexueller Darstellung lediglich in gekürzter Fassung erscheinen konnte, eine ungekürzte Version publizierte.

Im Jahre 1947 gründete der ehemalige Gallimard-Lektor Jean-Jacques Pauvert seinen eigenen Verlag. Pauvert machte sich als Verleger erotischer Literatur einen Namen. Bei seiner Auswahl wurde er u.a. von Georges Bataille beraten. In seinem Verlag erschienen die Klassiker der erotischen Literatur wie z.B. Marquis de Sade sowie auch zeitgenössische Literatur wie Pauline Reagés „Geschichte der O“. Mehr als einmal stand er dafür auch vor Gericht – u.a. zwischen 1954 und 1956 wegen der Veröffentlichung einer Sade-Gesamtausgabe. Als Zeugen zu seinen Gunsten sagten Georges Bataille, Jean Cocteau und auch Jean Paulhan von der Academie Française aus.

Der Sohn des Schriftstellers Jack Kahan, Maurice Gioridas, gründete 1953 den Verlag Olympia Press, dessen erster Verlagssitz sich in der Rue Jacob befand. Später teilte er sich die Räume in der Rue Nesle Nr. 8 mit Jean-Jacques Pauvert. Der englischsprachige Verlag war spezialisiert auf englischsprachige Erotika. Er veröffentlichte u.a. als Erstausgabe „Lolita“ von Nabokov sowie Werke von Henry Miller. Neben seinem Verlag betrieb er auch noch ein kleines, heute als Restaurant weiterbestehendes Theater namens „La Grande Séverine“ (7, Rue Saint-Séverin). Das 1959 gegründete Theater wurde Mitte der 60er Jahre wegen der Aufführung einer Bühnenadaption von Sades „Philosophie dans le Boudoir“ zeitweilig auf eine polizeiliche Verfügung hin geschlossen.

In der Gegenwart

Mit erotischer Literatur werden in Frankreich vorwiegend zwei Verlage assoziiert: der englischsprachige Verlag „Olympia Press“ (u.a. die Erstveröffentlichungen von Nabokovs „Lolita“, Henry Millers „Plexus“), dessen deutsches Pendant der März-Verlag war, sowie die legendäre „Édition Jean-Jacques Pauvert“ („Geschichte der O“, diverse de Sade-Ausgaben). Beide Verlage beeinflussten die Entwicklung der erotischen Literatur in Frankreich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich und auch über Ländergrenzen hinweg. Mittlerweile existieren beide Verlage nicht mehr. Pauvert ist jedoch noch immer als Herausgeber und Autor aktiv, u.a. bei den Verlagen Flammarion und bei La Musardine, wo er vorrangig Sammelbände erotischen Inhalts veröffentlicht.

Der wichtigste Verlag im Genre der französischen Erotikliteratur ist mittlerweile La Musardine, der aus der gleichnamigen Pariser Buchhandlung hervorging. Jährlich publiziert der Verlag ca. 20 Neuerscheinungen, die die gesamte Bandbreite erotischer Literatur abdecken - von Ratgebern und Sachbüchern über Comics und Cartoons bis hin zu klassischer und zeitgenössischer Belletristik. Dabei veröffentlicht der Verlag sowohl hetero- als auch homo- und transsexuelle Literatur. Unter einem Sublabel, „Media 100“, erscheint moderne Ein-Hand-Literatur.

Der zweite Verlag, der für die hiesige Branche maßgeblich ist, ist Éditions Tabou. Verleger Thierry Plée bietet ebenso wie La Musardine eine große Bandbreite von erotischer Literatur aller Sparten; im Unterschied zu La Musardine veröffentlicht Tabou auch eine Reihe von Übersetzungen aus dem angelsächsischen Raum. Auffällig ist auch der hohe Anteil an erotischen Comics (Bandes Dessinées) im Verlagsprogramm, die über die Hälfte des Sortiments ausmachen.
Mittlerweile etwas an Bedeutung verloren hat Éditons Blanche, der älteste, noch existierende Verlag in diesem Genre. Auch sein Programm deckt die gesamte Bandbreite erotischer und sexueller Literatur ab, jedoch mit einem klaren heterosexuellen Schwerpunkt.

Ein weiterer, ganz besonderer Verlag ist Edition Astarte. Dieser Verlag hat sich auf qualitativ hochwertige Kunst- und Photobände aus dem erotischen Bereich spezialisiert und betreibt daneben eine kleine Galerie und Antiquariat in Paris.

Darüber hinaus präsentieren mehrere größere Verlage eine eigene Erotikreihe (z.B. Bruno – Le Prince, Edition Grasset, Editions Publibook); auch der kleine Independent-Verlag L'Archange-Minotaure leistet sich eine solche Reihe, in der neben Klassikern des Genres wie Casanovas Memoiren auch moderne Texte erscheinen. Hier lohnt es sich immer mal wieder einen Blick ins Verlagsprogramm zu werfen.

Bislang fehlt es noch an einem adäquaten Blog oder Magazin, das sich mit Neuerscheinungen in diesem Bereich beschäftigt. Einen Überblick über besonders interessante Neuerscheinungen auf dem Gebiet der erotischen Literatur bietet am ehesten der alljährlich verliehene Prix Sade da: Die Liste der hierfür nominierten Buchtitel lässt sich als eine Empfehlungsliste für innovative Erotikliteratur (nicht nur) aus Frankreich lesen.

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Autor:

Maurice Schuhmann

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