Auf den Spuren der „Geschichte der O“ in Paris

Einer der grössten Literaturskandale der Nachkriegszeit in Frankreich stellte fraglos die Veröffentlichung des sadomasochistischen Liebesromans „Geschichte der O“ dar. Er behandelt die freiwillige, sexuelle Unterwerfung einer Frau. Die Story spielt über weite Strecken in einem Chateau in Roissy, einem nördlichen Vorort in Paris. Pauline Reagé (Dominique Aury) schrieb diesen Roman als literarischen Liebesbrief an Jean Paulhan, ein Mitglied der Academie Française (23, Quai de Conti). Jean Paulhan wohnte damals in der Rue Arlenes Nr. 5. An dem Haus hängt noch eine Tafel, die an ihn erinnert. Darauf steht zu lesen : « Jean Paulhan 1884-1968 vecut dans cette Maison de 1940 a sa mort ». Er schrieb auch das Vorwort und suchte einen Verlag für den Roman.

Dem legendären Verlag, Gallimard (5, Rue Gaston-Gallimard), war das Thema zu heiss. Der ehemalige Verlagslektor Jean-Jacques Pauvert, der 1947 seinen eigenen Verlag gegründet hatte, erklärte sich schliesslich bereit, ihn zu veröffentlichen. Allerdings auch erst nachdem ihm sein Kollege Maurice Girodias („Olympia Press“), mit dem er sich ein Büro in der Rue de Nesle 8 teilte, dazu überredete. Girodias selber publizierte dann auch die erste englische Übersetzung des Romans in seinem Verlag.

Kurz nach der Publikation des Romans, über dessen Urheberschaft jahrzehntelang spekuliert wurde, erhielt die bis dato anonym Autorin auch im Jahr 1955 den Literaturpreis Prix de Deux Magots, der im gleichnamigen Café (6, Place Saint-Germain des Prés) vergeben wird. Der Prix Cazes wurde im Januar 1955 an den Roman Geschichte der O in der Brasserie Lipp vergeben.

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Neben jenem Roman und dessen Fortsetzung – „Rückkehr nach Roissy“ bezüglich dessen sie die Urheberschaft verneint hat, existiert in Deutschland wenig bekannt eine Sammlung erotischer Märchen aus ihrer Feder.

„Ihr Geliebter führt eines Tages in einem Stadtviertel spazieren, das sie sonst nie betraten, im Parc Monsouris, im Parc Monceau.“

Beginnt der Roman. Der Park im Süden Frankreichs existiert immer noch. Heute ist der Park Monceau aber vor allem von internationalen Studenten der nahegelegenen Cité Universitaire, einer großen Studentensiedlung, bevölkert. Das Restaurant Le Pavillon de Monsouris, wo sich die beiden Liebenden treffen, ist auch noch da – mittlerweile ein klassisches Ausflugslokal. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Lenin hier Stammgast, zu Zeiten von Réage waren es hingegen die Existenzialisten wie Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, die hier verkehrten.

Der Wohnort von O ist die Seine-Insel Ile Saint-Louis.

„Das Appartement, das O bewohnte, lag auf der Isle Saint-Louis, unter dem Giebelwerk eines alten Hauses, das nach Süden, über die Seine, blickte.“

Es war damals bereits eine noble Wohngegend im Zentrum der Stadt und daran hat sich nichts geändert.

Ebenfalls sehr nobel wohnt Sir Stephen.p

„Sir Stephens Wohnung lag in einem Vorhof, im Flügel eines ehemaligen Palais“ zwischen der Rue de l’Université und der Rue de Lille - genauer gesagt: Rue de Poitiers.

Der wohl wichtigste Ort im Roman ist das Chateau in Roissy. Sie beschreibt es als ein „kleines Palais, ähnlich den kleinen Palais am Faubourg Saint-Germain“.

Bei Franzosen ruft dies immer ein Schmunzeln hervor. Die Ortschaft Roissy ist der Sitz des Flughafens Paris-Orly und wirkt alles anders als ein romantischer Rückzugsort. In der Nähe jenes Ortes stehen aber noch die Ruinen Chateaus Roissy-en-France mit einem kleinen Park, den man auch besichtigen kann.

Ebenfalls südlich von Paris gelegen ist ein weiterer Ort der Handlung - das Haus, in dem O ausgebildet wird. Es befindet sich am Rande des Waldes von Fontainebleau.

Literatur:
Girodias, Maurice: „Das farbige Banner der Pornographie“. Die Geschichte der Olympia Press, Olympia-Press: Darmstadt, 1969.
Reagé, Pauline: Die O hat mit erzählt, Hamburg: Black Label, 2000.
Dies.: Contes pervers, Paris: Fayard, 1980.

Verfilmung:
Die Geschichte der O, F 1975, R.: Just Jackin.

Autor:

Maurice Schuhmann

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