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Schreibworkshop

Über das Schreiben

Irena Böttcher 

in Zusammenarbeit mit www.circle.de

Kreatives Schreiben; oder vielmehr, kreatives erotisches Schreiben - der Titel eines Workshops.
Der allerdings leider mangels ausreichenden Interesses nicht stattfinden konnte ...
Ich bin jedoch sicher, dass sich für Ratschläge und Tipps in Zusammenhang mit erotischem Schreiben viele interessieren. Auch Menschen, denen dafür der Weg weg vom Computer und vor die Tür zu weit wäre.
Für diese habe ich einen Teil des geplanten Workshop-Konzepts hier zusammengefasst.
Natürlich lässt sich die Atmosphäre nur mit Worten kaum einfangen, die einen Workshop ausmacht, der vor Energie nur so knistert und so viele unterschiedliche Charaktere zusammenbringt.
Und natürlich sind die vorbereiteten Schreibübungen sinnvoll nur in einem entsprechenden Rahmen, in dem sie auch ausführlich besprochen werden können; nicht für den einzelnen.
Dennoch gibt es ein paar Dinge, die es auf jeden Fall nicht schaden kann, einmal gehört zu haben, wenn man erotische Geschichten schreiben möchte.
Schreiben kann man eigentlich nicht lernen; weil es einfach auch ein Talent ist.
Ein Talent aber, das in einem gewissen Grad jeder hat.
Und ein Talent, zu dem ein gewisses Handwerkszeug gehört, das man sich aneignen und das man verbessern kann.
Was das Schreiben betrifft, ist der Austausch mit anderen außerordentlich bereichernd. Deshalb sind Workshops ja auch so wertvoll.
Denn: Auch wenn man vielleicht zunächst noch gar nicht an eine Veröffentlichung denkt, ist Schreiben doch etwas, das man für andere tut. Man fasst seine eigenen Erfahrungen, Erkenntnisse, Gefühle zusammen; in der Hoffnung, dass sie anderen etwas geben können.
Daraus erklärt sich auch, dass Schreiben etwas ist, das man nur sehr schlecht theoretisch lernt, sondern am besten in der praktischen Anwendung. Wobei man dabei manchmal sogar aus eigenen und fremden Fehlern mehr lernen kann als aus einer fast perfekten Geschichte.
Was natürlich nicht heißt, dass man sich nicht von vornherein darum bemüht, eine gute Geschichte zu schreiben.
Dabei sollte man sich ein paar Dinge vergegenwärtigen, bevor man mit dem Schreiben überhaupt erst beginnt.

 

 

 

1.

Warum schreiben? Und für wen?

Notwendige Vorüberlegungen zu Zweck und Zielgruppe der Geschichte
Warum schreiben?
Weil es Spaß macht.
Weil man gerne eine Geschichte von sich veröffentlicht sehen will.
Weil man den Partner mit einem ganz besonderen Geschenk überraschen will.
Weil man sich über etwas klar werden will.
Oder auch - weil man geil ist und das gerne in Worten festhalten möchte.
Es gibt viele Gründe zu schreiben, und sie sind alle legitim. Keiner hat das Recht, einem anderen vorzuschreiben, dass nur bestimmte Dinge das Schreiben rechtfertigen. Wie beispielsweise das Schaffen von Literatur. Es muss nicht alles ein zweiter "Faust" sein, um als Geschichte eine Lebensberechtigung zu haben.
Allerdings: Je nachdem, was man mit der Geschichte vorhat, gibt es eben doch bestimmte Dinge, die man beachten muss.
Wer nur für sich selbst schreibt, weil es ihm Spaß macht, der ist natürlich am wenigstens Beschränkungen ausgesetzt. Er kann wirklich schreiben, was er will, und wie er will.
Wer einmal mit dem Schreiben begonnen hat, wird aber fast unweigerlich irgendwann auch daran denken, die Geschichten anderen zu zeigen. Freunden und Bekannten, oder auch Fremden. Der denkt an eine Veröffentlichung im Internet oder anderswo.
Und spätestens dann muss er gewisse Überlegungen für seine Geschichte anstellen.
Er muss sie vom Stil her und inhaltlich an das anpassen, wofür sie gedacht ist.
Dafür gibt es keine starren Regeln.
Und vor allem gibt es keine, die sich nicht mit ein wenig Nachdenken selbst erschließen.
Wer beispielsweise eine Geschichte als Geschenk für den Partner schreiben möchte, wird versuchen, vor allem seine liebevollen Gefühle für ihn darin auszudrücken. Vielleicht Situationen zu schildern, wie er sie sich wünscht - oder wie man sie gemeinsam bereits erlebt hat.
Wer für die breitere Öffentlichkeit schreibt, etwa für das Internet, muss natürlich vor allem darauf achten, dass die Geschichten handwerklich in Ordnung sind. Dass er Wortwiederholungen, holperige Sätze spätestens beim Korrekturdurchgang ändert.
Vor allem aber ist es so, dass jemand eine Geschichte nur liest, weil er sich etwas davon erhofft.
Und sei es ein wenig Unterhaltung, ein wenig sexuelle Erregung. Oder aber auch eine philosophische Aussage, einen Erfahrungsbericht anderer, ein bisschen Romantik.
Und diese Leser will man erreichen, will ihnen etwas sagen.
Es muss also über den direkten Spaß am Schreiben hinaus einen Sinn haben, eine Geschichte zu schreiben, wenn sie für andere gedacht ist.
Dieser Sinn kann nur darin liegen, dass man den Lesern etwas Bestimmtes mitzuteilen, etwas Bestimmtes zu geben hat.
Man sollte sich vorher entscheiden, welche der vielen möglichen Bedürfnisse der potentiellen Leser man erreichen und zufrieden stellen will; und dann entsprechend planen.
Man wird nie alle Leser erreichen können; und dann ist es sinnvoller, die Zielgruppe, die man gewählt hat, auch wirklich zu bedienen.
Geschichten in Mischform, eine philosophische Aussage, die mit pornographischen Details geschmückt ist, eine traurige Story, die locker-leicht geschrieben ist - all das ist ebenfalls möglich. Aber es ist sehr schwierig, diese Mischformen so zu gestalten, dass der Leser nicht abgestoßen wird durch die Widersprüchlichkeit darin.
Deshalb ist es vor allem zu Beginn einfacher, sich auf eine bestimmte Art der Geschichte festzulegen und diese auch durchzuhalten.
Und wenn man experimentieren möchte - warum nicht erst eine Form probieren, und dann die nächste?
Das schöne am Schreiben ist, man kann es fortsetzen, solange man Lust dazu hat. Keiner sagt, dass man nur eine einzige Art an Geschichten schreiben darf; nur weil die einzelne Geschichte sich besser an einer speziellen Art orientiert.

 

2. a)

Woher nehme ich die Ideen für eine Story?
Meistens kommt die Lust am Schreiben, nachdem eine bestimmte Idee für eine Geschichte im Kopf bereits geboren wurde.
Wenn es anders ist, oder wenn die erste Idee sich bei der Ausarbeitung als nicht brauchbar herausstellt, kann es natürlich sein, dass man ein wenig überlegen muss.
Keine Angst - das, was man gemeinhin Schreibblockade nennt, die völlige Ideenlosigkeit, die trifft vorwiegend Menschen, die sehr viel und regelmäßig schreiben. Und sie ist meistens nur sehr vorübergehend.
Eigentlich ist es so, dass jeder Mensch einen unerschöpflichen Fundus an Ideen bereits in sich trägt. Und während er eine Geschichte schreibt, lebt er weiter - es kommen also ständig neue Ideen hinzu.
Ja, Sie haben richtig verstanden - der erste Ideenlieferant ist das eigene Leben.
Nicht umsonst heißt es, man soll beim Schreiben mit etwas anfangen, das man kennt. Weil man das einfach viel besser und lebendiger beschreiben kann und nicht erst die Details recherchieren muss.
Überlegen Sie sich, welche wunderschönen erotischen Situationen Sie überlebt haben. Verändern Sie ein paar Details - denn schließlich wollen Sie ja kein Tagebuch schreiben, sondern sich nur inspirieren lassen durch die eigenen Erlebnisse. Ändern Sie vor allem auch die Namen, entfremden Sie sich selbst das Erlebte, damit Sie es auch als Betrachter von außen schildern können und nicht als hilflos darin gefangener Teilnehmer. Spinnen Sie das Erlebte fort; beginnen Sie mit dem, was wirklich war, und wählen Sie bewusst ein anderes Ende.
Eine weitere unerschöpfliche Quelle ist die eigene Phantasie.
Schreiben Sie über Situationen, die Sie gerne einmal selbst erleben möchten, aber nie erlebt haben. Sie werden sehen - es ist nie ganz so erfüllend wie die Realität - aber es ist wunderschön.
Achten Sie dabei allerdings darauf, dass Sie realistisch bleiben. Kontrollieren Sie Ihre Phantasie. Denn durch das Schreiben tritt etwas aus der Phantasie hinaus in die Realität. Und in dieser, beim Schreiben ebenso wie beim Erleben, existieren Grenzen. Wer will, kann natürlich auch ohne Rücksicht auf diese Grenzen hemmungslos drauflos schreiben. Nur sollte er sich dabei sehr bewusst sein und bleiben, dass es unrealistisch ist, was er schreibt.
Viele Menschen träumen beispielsweise davon, von einem anderen entführt zu werden, der nachher alle möglichen erotischen Dinge mit ihnen anstellt. Sie können das beschreiben - aber Sie müssen wissen, dass es jeglicher Realität entbehrt.
Nichts schlimmer als ein Autor, bei dem die Grenzen zwischen irrealen Wünschen und Realitätsschilderung verschwimmen.
Wenn Sie schreiben, lösen Sie bei Ihren Lesern etwas aus.
Wollen Sie wirklich, dass ein Leser glaubt, eine echte Entführung könne romantisch oder erotisch sein?
Sie tragen eine große Verantwortung; machen Sie sich das sehr klar.
Schildern Sie Träume als Träume.
Wenn es realer werden soll, wenn etwa die Entführung nur ein Spiel eines miteinander vertrauten Paares für ein Wochenende ist, beschreiben Sie die Dinge so, wie sie wirklich geschehen könnten; ohne übertriebene Phantastereien.
Phantasie und Phantasterei - das eine braucht ein Schriftsteller; das andere ist mehr als gefährlich.
Und wenn Sie wirklich pure Träume beschreiben wollen, weil es Ihnen Spaß macht - was selbstverständlich erlaubt ist -, verwenden Sie doch einen Trick: Betten Sie die Träume in eine reale Rahmenhandlung ein.
Ein Paar verbringt einen Urlaub miteinander, und während dieses Urlaubs erzählen Sie sich gegenseitig ihre intimsten Wünsche.
Aber zurück zu den Ideen für eine Geschichte.
Viele Autoren klauen hemmungslos - und ich halte das für erlaubt.
Solange - man nicht die Geschichten selbst bei anderen stiehlt.
Aber ein kleiner Satz eines anderen, eine bestimmte Situation in einem Buch, das man liest, eine Filmszene können wie ein Funke sein, der ein Feuer an eigenen Ideen entfacht. Alles das wird dadurch zu einer eigenständigen Geschichte, dass es verändert wird. Dass lediglich die Idee "entlehnt" wird, aus der nachher eine ganz neue Geschichte wird.
Ideen sind also überall.
Sie liegen sozusagen auf der Straße.
Man muss nur die Augen aufmachen.

 

2. b)

Was macht speziell eine erotische Geschichte aus?
Nun - die Erotik natürlich; die erotische Grundstimmung.
Und zwar einmal die, die der Autor spürt während des Schreibens, aber vor allem auch die, die beim Leser entsteht.
Wobei Erotik und Sex nur bedingt etwas miteinander zu tun haben.
Erotik kann Sex einschließen, muss das aber nicht. Es besteht aus mehr, und dieses Mehr ist das Entscheidende. Das Kribbeln, das Prickeln, die warmen und aufregenden Gefühle. Das macht Erotik aus.
Ob Sex überhaupt stattfindet, ist dabei zweitrangig. Eher schon geht Erotik in Richtung Liebe.
Wobei es sich dabei nicht um die lebenslange große Liebe handeln muss, die es ohnehin nicht gibt. Auch ein One-night-stand kann dieses Prickeln auslösen.
Natürlich kommt es auch darauf an, weshalb und für wen man schreibt.
In ganz bestimmten Situationen kann auch die pure mechanische Beschreibung sexueller Vorgänge reizvoll sein. Allerdings - wer Wichsvorlagen schreibt, sollte sich dann auch nicht wundern, wenn sie von anderen genau so genannt werden. Sie haben ihren Platz - aber eine große Kunst sind sie nicht.
Wer vom Lesen und vom Schreiben etwas mehr erwartet als das, was jedes Sexhandbuch ausführlicher und lehrreicher schildern kann, der soll sich darauf konzentrieren.
Wobei - ich denke, wir sind gerade bei diesem Satz auf den entscheidenden Unterschied zwischen Sex und Erotik gestoßen.
Noch die simpelste Wichsvorlage ist allemal erregender als ein nüchternes Handbuch.
Und warum?
Weil eben doch ein wenig mehr drinsteckt als Sex.
Ein paar Gefühle, ein wenig Rahmenhandlung, Romantik.
Und je mehr davon eine Geschichte enthält, desto eher ist sie eine erotische Geschichte.
Sie kann daneben auch eine erregende Geschichte sein - doch das muss sie keinesfalls, um erotisch zu wirken.
Wenn Sie eine Geschichte lesen, und diese in Ihnen diese ganz gewisse Sehnsucht weckt, nach einem Abend am Kaminfeuer, nach einem Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst, nach diesem ganz bestimmten inneren Aufruhr, der noch den trübsinnigsten Regentag verlockend macht, weil es IHN gibt, oder weil es SIE gibt, nach einer Nacht, die den nächsten Tag zum Märchen macht, obwohl man tierisch müde ist - dann haben Sie eine erotische Geschichte vor sich.

 

3.

Einfach drauflos schreiben oder Arbeiten nach Konzept?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Es gibt keine patentierte Methode, eine gute Geschichte zu schreiben - es gibt nur Empfehlungen.
Viele fühlen sich sicherer, wenn sie das Skelett einer Story bereits auf Papier festgehalten haben; die handelnden Personen, den Zeitrahmen, den Spannungsbogen, die innere Logik, den Ablauf der Geschehnisse. Daran kann man sich wunderbar orientieren und muss lediglich noch die einzelnen Szenen, das "Muskelfleisch" ausfüllen; sich aber keine Gedanken mehr darüber machen, was wann passieren soll.
Der Nachteil ist, dass man sich selbst dabei womöglich so sehr einengt, dass man zu wenig in die Tiefe geht; die Personen nicht lebendig genug werden, sondern hölzern agieren. Weil man eben einem Drehbuch folgt und auf ihren Charakter dabei wenig Rücksicht nehmen kann.
Man zwängt die Geschichte praktisch in ein Korsett. Das macht eine gute Figur - aber es beengt auch.
Andere bevorzugen es, sich einfach hinzusetzen und sich von der Geschichte selbst führen zu lassen.
Was jedoch keineswegs bedeutet, dass man auf innere Logik, Spannungsbogen etc. verzichtet - nur entsteht das alles nicht in einem greifbaren Konzept, sondern im Kopf.
Mir ist die zweite Form lieber.
Wie im Leben auch, können in Geschichten Personen ihre ganz eigene Logik und Situationen ihre eigene Dynamik entwickeln, die ich so besser fassen kann.
Außerdem bin ich viel zu faul, für jede Geschichte ein solches ausführliches Konzept auszuarbeiten.
Das Arbeiten so ist freier - aber schwieriger.
Am besten probiert man aus, was einem selbst besser liegt.

 

4.

Wie ist ein Spannungsbogen aufgebaut, der das Interesse der Leser bis zum Schluss wach hält?
Eigentlich gilt für Geschichten grundsätzlich nichts anderes als für Sachartikel.
Erstens: Man schreibt sie nur, wenn man inhaltlich wirklich etwas zu berichten hat.
Und zweitens: Sie bestehen aus Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Die Unterschiede zwischen beiden Formen sind allerdings gravierend.
Ein Artikel beschäftigt sich mit Fakten und Schlüssen, eine Geschichte mit Fakten und Gefühlen.
Während es durchaus erlaubt und manchmal auch nötig ist, längst bekannte Dinge schlicht noch einmal zusammenzufassen, ist eine Geschichte ganz ohne Überraschungen im Zweifel stinkelangweilig.
Auch der Aufbau der drei einzelnen Teile ist völlig verschieden.
In einem Sachartikel wird in der Einleitung kurz ins Thema eingeführt und oft das Ergebnis des Nachfolgenden kurz zumindest angedeutet. Während bei einer Geschichte natürlich niemand gleich das Ende verrät.
Außerdem darf eine Einleitung zwar auch weiter ausholen, jedoch nie weitschweifig sein.
Die ersten Sätze einer Geschichte, eines Romans sind jedoch entscheidend.
Es gibt Leser, die legen alles beiseite, wenn der Anfang sie nicht fesselt.
Bringen Sie deshalb Spannung bereits in die ersten Sätze.
Sie können eine Geschichte aus der Sicht einer der Hauptfiguren beschreiben, also in der Ich-Form, oder aus der Sicht eines neutralen Beobachters.
Ersteres ist oft einfacher zu schildern, allerdings besteht die Gefahr, dass man sich wiederholt, zu oft "ich", "mich", "mir" schreibt. Insofern muss man beim Korrekturlesen sehr genau auf interessante und abwechselnde Formulierungen achten.
Bei einer Geschichte aus neutraler Sicht jedoch kann es passieren, dass man den roten Faden verliert, die Geschichte verwirrend wird.
Probieren Sie beides aus, experimentieren Sie.
Es kann ungeheuer reizvoll sein, sehr intim die Sichtweisen mehrerer Personen zu schildern - und dazu müssen Sie in jede hineinschlüpfen, während Sie sich normalerweise auf eine konzentrieren.
Zurück zum Spannungsbogen.
Welche Form der Erzählung man auch wählt - halten Sie sich nicht lange mit Vorreden auf.
Wie alt die Person ist, was sie beruflich macht, was sie vorher erlebt hat - all das spielt vielleicht sehr wohl eine Rolle, aber Sie schreiben keinen Lebenslauf.
Führen Sie die entscheidenden Dinge nach und nach eher beiläufig ein, nicht in einer langen Vorrede.
Stürzen Sie sich sehr schnell in medias res.
Packen Sie die Informationen in Nebensätze, und lassen Sie die Personen zunächst einmal handeln.
Ein Beispiel:
"Sie warf einen Blick auf die Uhr. Verdammt, schon wieder so spät. Der Schriftsatz ans Gericht war noch längst nicht fertig, und einkaufen musste sie auch noch. Schließlich kam Peter heute Abend."
Diese ersten Sätze sagen uns, dass die weibliche Hauptperson Anwältin ist, voll im Stress.
Sie lebt allein, hat aber anscheinend einen Freund.
Alles Dinge, die der Leser wissen muss.
Nur - wie langweilig, wenn wir sie einfach so erklären würden. Wer würde dann noch weiterlesen wollen?
Deuten Sie in der Einleitung, noch während sie so interessant wie möglich die nötigen Fakten einführen, bereits das an, was die Geschichte ausmacht.
Beginnen Sie mit dem Spannungsbogen.
Etwas vereinfacht, können Sie das Wort Spannungsbogen mit "Konflikt" gleichsetzen.
Eine Geschichte beschäftigt sich mit einem Konflikt.
Das kann ein äußerer sein, ein Streit zwischen zwei Personen, eine drohende Gefahr, Probleme von außen.
Oder aber ein innerer - wenn die Protagonisten sich über etwas unsicher sind und einen Weg aus der inneren Unsicherheit suchen.
Mit diesem Konflikt beschäftigt sich der Hauptteil.
Während die Einleitung sich auf Andeutungen beschränkte, wird der Konflikt nun nach und nach dem Leser vollständig enthüllt.
Der Begriff Hauptteil ist dabei wörtlich zu nehmen.
In dem geschickten Führen des Lesers durch verschiedene Wege, die manchmal auch bewusste Irrwege sein können, bis er schließlich den Konflikt in seinem vollen Ausmaß vor sich sieht, besteht die eigentliche Kunst des Schreibens.
Wenn Sie hier nur in drei Sätzen beschreiben, worum es geht, können Sie sich die Geschichte auch sparen.
Geben Sie sich Mühe mit den Details, und vor allem: Verlieren Sie nie den roten Faden aus dem Auge.
Lenken Sie den Leser bewusst durch "falsche" Informationen ab, um die Spannung zu steigern - aber verlieren Sie sich nicht darin.
Orientieren Sie sich selbst immer an dem wahren Konflikt, um den es in der Geschichte geht.
Behalten Sie den Überblick - auch wenn dieser dem Leser bewusst noch versagt wird.
Alles andere ist eine Sache Ihrer Phantasie.
Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich ein Spannungsbogen aussehen kann, auch wenn es um dasselbe Thema geht.
Nehmen wir das Thema Eifersucht, das beim erotischen Schreiben eine große Rolle spielt.
Der Konflikt kann hier einmal ein Außenkonflikt sein; darin liegen, dass ein Partner nicht weiß, ob der andere ihn betrügt.
Die Geschichte wird deshalb bereits in der Einleitung seine ersten Zweifel zeigen, und sich dann damit befassen, was er alles auf der Suche nach der Wahrheit anstellt.
Auch seine Gefühle werden geschildert, die Betonung liegt jedoch auf der quasi Detektivarbeit.
Die abgeschlossen ist, wenn definitiv feststeht, ob es einen Seitensprung gibt oder nicht.
Dieselbe Situation kann jedoch auch von innen beleuchtet werden.
Der Seitensprung wird dabei als Fakt sehr schnell eingeführt, und der herauszuarbeitende Konflikt besteht in den Problemen des Partners, damit fertig zu werden. Seine Ängste und Unsicherheiten, seine Wut werden geschildert.
In jedem Fall endet der Konflikt natürlich mit der Auflösung.
Dies ist der Schluss der Geschichte.
Anders als bei einem Artikel wird hier allerdings das Wesentliche, das vorher längst alles gesagt worden ist, nicht noch einmal zusammenfassend und ausblickend dargestellt.
Der Schluss einer Geschichte ist vielmehr ein ganz eigenständiger Bestandteil, der, obwohl er viel kürzer ist, in der Bedeutung dem Hauptteil wenig nachsteht.
Geben Sie sich deshalb Mühe mit der Auflösung des Konflikts.
Machen Sie einen richtigen Höhepunkt daraus.
Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie ein Happy-End als Abschluss wählen, ein trauriges Ende, oder ob Sie bewusst das Ende offen lassen.
In jedem Fall muss der Leser eine gewisse Befriedigung an genau dieser Form der Konfliktauflösung empfinden.
Versuchen Sie, wenigstens in den Details überraschend zu sein.
Einfache Lösungen können nur selten wirklich fesseln.
Kommen wir zurück zu unseren beiden Beispielen.
Der Hobbydetektiv entdeckt entweder, dass sein Partner ihn wirklich betrogen hat, oder dass er unschuldig ist. Er macht eine Szene - oder er behält alles für sich. Das allein reicht aber nicht aus. Ein etwas mehr überraschender Schluss könnte beispielsweise der Beginn eines neuen Konfliktes sein. Auf der Suche nach Beweisen hat der Detektiv sich selbst verliebt, und die ganze Wut, die er vorher spürte, schlägt um in Beschämung. Oder aber es kommt zu der Entdeckung, dass der Partner wirklich fremdgeht - aber erst jetzt, nachdem der andere, vertieft in seine Suche, ihn vernachlässigt und verletzt hat.
Ebenso kann die Hauptfigur auf der Forschungsreise in ihr Inneres am Ende den untreuen Partner verlassen oder ihm verzeihen. Wenigstens eine unerwartete Erkenntnis sollte allerdings die Faszination dieser Auflösung vertiefen. Vielleicht die Entdeckung, dass man sich die Erotik zu dritt gut genug vorstellen kann, um ein gemeinsames Treffen in die Wege zu leiten.

Kurz zusammengefasst sieht demnach ein Spannungsbogen sieht so aus:

 

  • In einer Einleitung werden die Fakten eingeführt, die zum Verständnis der Erzählung nötig sind. Soweit man sie nicht aus Gründen höherer Spannung zurückhält. Gleichzeitig wird der Konflikt, der die Geschichte beherrscht, bereits angedeutet und angelegt.
  • Im Hauptteil der Geschichte wird dieser Konflikt herausgearbeitet, vertieft, zugespitzt. Vielleicht werden Zwischenlösungen gefunden, die sich als unzureichend herausstellen und letztlich den Konflikt doch nur verstärken.
  • Der Schluss bringt dann die Auflösung des Konflikts.

 

Ganz wichtig ist dabei: Beschränken Sie sich auch bei einer erotischen Geschichte nicht auf die Erotik.
Aus Erotik allein lässt sich nämlich kaum ein interessanter Spannungsbogen gestalten.
Legen Sie eine Rahmenhandlung an.
Schreiben Sie wie das Leben.
Und das besteht nun einmal nicht nur aus Sex; auch wenn Sex unzweifelhaft viel wichtiger ist, als manche dies zugeben mögen.
Lassen Sie Ihre Hauptpersonen nicht im luftleeren, beziehungslosen Raum ausschließlich erotisch agieren.
Das allein will keiner lesen, denn dabei geht es doch schließlich immer wieder um dasselbe. Und Wiederholungen können eine Geschichte kaum so fesselnd machen, dass andere sie gerne lesen.
Beschreiben Sie etwas, das über die Erotik hinausgeht.
Das den Lesern auch wirklich etwas sagt.

 

5.

Die Qual der Wahl: Der Titel

Viele wirklich gute Schriftsteller haben mit einer Sache Probleme: Mit der Wahl des Titels.
Wobei die Bedeutung des Titels gar nicht genug betont werden kann; viele Leser entscheiden zunächst einmal danach, ob sie mit dem Lesen einer Geschichte überhaupt beginnen.
Um es in einer banalen Plattheit zusammenzufassen: Der Titel sollte knapp und aussagekräftig sein.
Damit ist gleichzeitig alles und nichts gesagt.
Letztlich ist hier die Phantasie gefragt.
Manchmal ist es dabei einfacher, den Titel zuletzt zu wählen, wenn die ganze Geschichte bereits steht, weil er sich vielleicht daraus ergibt.
Wobei der Titel "Gezeitenwechsel" für eine Pornogeschichte ebenso unpassend ist wie der Titel "Ein wunderschönes Wochenende" für eine halb-philosophische Abhandlung.
Ich selbst habe oft genug auch Schwierigkeiten, einen guten Titel zu finden.
Ich mag hier gerne Wortspielereien; z.B. "schimmernde Momente" als Titel für einen SM-Roman - aber die können auch schlicht gekünstelt klingen.
Fragen Sie notfalls Freunde und Bekannte - die haben oft bessere Ideen als der Autor selbst.
Falls gar nichts anderes hilft, kann man einer Geschichte immer noch den Namen der Hauptfigur als Titel verpassen.
Damit vermeidet man auf jeden Fall eine ungeschickte Wahl - auch wenn man dafür sehr wenig aussagt.

 

6. a)

Wie überwinde ich die innere Hemmung, so sensible, intime Dinge zu beschreiben wie eine Liebesszene?

Es gibt kaum eine Form des Schreibens, bei der der Autor sich zum Teil so sehr selbst überwinden muss wie das erotische Schreiben.
Man schildert intimste Handlungsabläufe, intimste Gefühle - und gibt sie, sofern sie veröffentlicht werden, den Augen anderer preis.
Das ist überhaupt nicht einfach.
Und zwar ist es gleich in doppelter Hinsicht schwierig.
Schwer ist es schon, diese Dinge zu Papier zu bringen.
Mindestens ebenso schwer ist es allerdings, sie anderen zu offenbaren.
Kommen wir zuerst zum zweiten Punkt - denn hier ist die Lösung einfacher: Man kann die Geschichten unter einem Pseudonym veröffentlichen.
Das ist nicht nur im Internet gang und gäbe.
Man verhindert damit, dass Bekannte und Freunden, vor denen einem das unangenehm wäre, von der eigenen Urheberschaft dieser Geschichten erfahren.
Und man verhindert, dass völlig fremde Leser Rückschlüsse auf einen selbst als Person und das eigene Liebesleben ziehen können.
Wie aber schaffen wir es nun, diese intimen Dinge in eine Geschichte zu fassen? Es ist wirklich schwer.
Man schämt sich ein wenig - Sex ist in unserer Gesellschaft noch immer ein wenig unanständig.
Man hat Probleme, dieses ganz besondere, unnachahmliche Prickeln wirklich zu beschreiben.
Jetzt ist es aber ja so, dass wir darüber schreiben wollen; die Lust am Schreiben überwindet manches.
Und da gibt es nur eins: Sich hineinstürzen ins kalte Wasser und zu schwimmen versuchen.
Mit Übung kommt dabei immer auch größere Sicherheit.
Falls es gar nicht gelingen will, ist das kein Beinbruch; man muss keine Geschichten schreiben, und man muss schon gar keine erotischen Geschichten schreiben.
Versuchen wir einfach, ganz offen zu sein.
Zensieren und die Geschichte nachher doch lieber in der Schublade verschwinden lassen statt sie zu veröffentlichen können wir ja immer noch.
Zunächst aber müssen wir versuchen, an diesen Kern heranzukommen, der erotische Situationen - ob erträumt oder erlebt - so genau kennt, und wiederzugeben, was sich darin befindet.
Vergessen Sie die Scham - noch liest ja keiner, was wir schreiben.
Es ist einfach wie Denken und Träumen; nur in einer etwas haltbareren Form.
Und das ist ja genau auch das Reizvolle daran - was wir aufschreiben, das können wir immer wieder genießen. Wir können es lesen, wenn uns an einem kalten, nassen Novemberabend die Depression gepackt hat, und uns daran freuen.
Machen Sie sich auch von dem Gedanken frei, dass Sie einen Partner verraten, wenn Sie Dinge schildern, die Sie mit ihm erlebt haben.
Es ist kein Verrat, schöne Dinge festhalten zu wollen.
Und selbst wenn die eine oder andere Kritik einfließt - auch damit verraten Sie den Partner nicht.
Womöglich schaffen Sie es erst durch das Schreiben, ein Problem in Ihrer Partnerschaft zu entdecken und anzugehen, mit dem Partner gemeinsam.
Falls es sich um einen Ex-Partner handelt, auf den Sie vielleicht sogar noch immer sauer sind: Auch das ist erlaubt, diese Emotionen zu haben, und sie in Worte zu fassen. Ich persönlich halte es sogar für erlaubt, als kleine Rache, wenn er sich daneben benommen hat, dafür zu sorgen, dass er die Geschichte liest - und sich gründlich ärgert.
Aber diese moralische Frage kann natürlich nur jeder für sich selbst beantworten.
Jedenfalls: Erotische Situationen zu schildern ist nichts, dessen man sich schämen müsste; und auch nichts, mit dem man einen anderen Menschen verrät.
Vor allem nicht, da Sie im Zweifel ohnehin kein Tagebuch einer Beziehung führen - falls Sie dies tun, muss selbstverständlich bei einer eventuellen Veröffentlichung Ihr Partner zustimmen -, sondern sich allenfalls ein wenig durch das tatsächlich Erlebte inspirieren lassen.


 

6. b)

Und wie erreiche ich den Schulterschluss zwischen tiefen, intimen Gefühlen und der Rationalität ihrer Schilderung?

Machen wir uns nichts vor - so romantisch und gefühlvoll der Inhalt einer Geschichte auch sein mag, das Schreiben selbst ist immer auch ein sehr rationaler, kontrollierter Vorgang.
Wir stellen Vorüberlegungen an, wir planen den Ablauf, wir feilen an den Formulierungen.
Ist das beides nicht in gewisser Weise unvereinbar miteinander?
Scheinbar ja.
Aber: Gefühle in der Realität sind nur selten rein und scharf - meistens vermischen sich hier viele Dinge, wichtige und unwichtige, zu einem ganzen Komplex an Empfindung.
Beim Schreiben jedoch werden Emotionen kanalisiert, verschärft und sozusagen geordnet.
Im wahren Leben geschehen Dinge, die einem in einer Geschichte kein Mensch glauben würde. Das Lebens schert sich keinen Deut um Wahrscheinlichkeit, Logik und Ordnung. Impulsiv findet es einfach statt und reißt uns mit.
Aber wenn wir darüber schreiben, müssen wir eine gewisse Wahrscheinlichkeit, Logik und Ordnung schaffen, um unsere Aussagen zu transportieren.
Das Faszinierende ist, dass wir gerade durch das eigentlich unrealistische Herausarbeiten einer gewissen konzentrierten Schärfe die von uns selbst erlebten, wirren, überwältigenden Gefühle von der Emotionalität über die Rationalität beim Leser wieder in Emotionalität überführen können. Die Vernunft, die wir beim Schreiben einsetzen, ist ein Mittel, um etwas durch den Verstand eigentlich gar nicht Fassbares dennoch zu übermitteln.
Und der Grund dafür ist die Vertrautheit dieser Gefühle.
Jeder Mensch, jeder Leser kennt sie.
Er weiß also, wovon die Rede ist.
Die eigentlich unzureichenden Worte setzen deshalb seine eigene Phantasie in Gang und seine Erinnerung an ähnliche Situationen; holen die dabei erlebten Gefühle wieder hervor.
Gefühle selbst kann man überhaupt nicht direkt kommunizieren. Man kann sie lediglich durch die Ausdrucksformen versuchen, indirekt zu übermitteln, die uns Menschen zur Verfügung stehen; nämlich Worte und Gesten. Die dem anderen dennoch verständlich sind, weil er sie ebenfalls irgendwann einmal selbst erlebt hat.
Das, was auf den ersten Blick so unmöglich erscheint, ist folglich nur etwas, an das wir im täglichen Leben ohnehin gewöhnt sind.
Das wir konstant üben und tun.
Dies ist allerdings nur die eine Seite der Medaille des scheinbaren Widerspruchs.
Die andere ist die enorme Herausforderung an einen Autor, Worte zu finden, die diesen Wiedererkennungseffekt in Gang setzen.
Er muss es schaffen, das von Natur aus unvollkommene Transportmittel der Vernunft so vollkommen wie möglich auszunutzen.
Das bedeutet nicht, dass er beim Schreiben allein den Verstand einsetzt. Nein - eigentlich kann man Gefühle nur schildern, wenn man zumindest einen Abglanz davon beim Schreiben selbst erlebt; wenn man selbst sehr intensiv empfindet.
Nur wird diese reine Empfindungsebene überlagert von einer Beschreibungsebene, die analysiert, definiert, formuliert.
Wie man den Schulterschluss dieser beiden Ebenen erreicht, das kann grundsätzlich nur jeder für sich herausfinden.
Es gibt allerdings ein paar kleine Hilfsüberlegungen, die den Vorgang oft etwas erleichtern.
Durchschreiten Sie diese beiden Ebenen zunächst einmal getrennt voneinander. Je öfter man dies geübt hat, desto leichter fällt es irgendwann, sie zusammenzuführen.
Stellen Sie sich vor, Sie führen ein Tagebuch. Bei diesem Medium haben Menschen am wenigsten Schwierigkeiten, auch ganz intime Dinge offen zu beschreiben. Achten Sie dabei noch nicht auf Wortwahl, Formulierung und Stil - schreiben Sie einfach drauflos. Sie werden sehen - so schwer ist es gar nicht, über intime Gefühle zu schreiben.
Lassen Sie dann das Geschriebene mindestens einen Tag lang unbeachtet, noch besser eine ganze Woche.
Danach stellen Sie sich vor, Sie hätten die Aufgabe, aus einem fremden Tagebuch eine Geschichte zu machen, die veröffentlicht wird. Versuchen Sie zu vergessen, dass es Ihre eigenen Gefühle sind, über die Sie lesen. Stellen Sie die Gefühlsebene überhaupt weitgehend ab und gehen Sie sozusagen wissenschaftlich an die nötigen Korrekturen heran.
Vielleicht haben Sie an einigen Stellen damit zu kämpfen, dass es Ihnen geradezu lächerlich vorkommt, was Sie vorfinden.
Nein - Gefühle sind nicht lächerlich.
Wenn Ihre Schilderung lächerlich ist, dann ist sie einfach nur noch nicht perfekt genug.
Feilen Sie also daran herum.
Wiederholen Sie dieses Experiment ruhig ein paar Mal.
Schon bald werden Sie beginnen, direkt beim ersten Schreibvorgang auch rationale Überlegungen anzustellen und Ihre Sprache so zu verbessern, dass die Gefühle deutlicher werden.

 

7.

Direktheit - oder lieber romantische Umschreibungen?

Was ist wo wirkungsvoller?
Die Antwort darauf kann natürlich nur sein: Das kommt darauf an.
Worauf?
Darauf, was für eine Art Geschichte man schreibt.
Was man damit erreichen will, und vor allem auch, wen man damit erreichen will.
Beides hat seinen Platz; die Direktheit ebenso wie die Umschreibung.
Es spricht nichts dagegen, einfach ganz direkt und offen darüber zu schreiben, was sie etwa alles mit seinem Schwanz anstellt.
Andererseits bieten Umschreibungen den Vorteil, dass die Phantasie der Leser angeregt wird.
Sie denken sich dazu, was nicht geschildert wird. So hat mancher mehr von einer Geschichte, weil sie in ihm selbst fortwirkt.
Eigentlich muss das jeder selbst für sich entscheiden, welche Art des Schreibens ihm eher liegt. Und wie auch an anderen Stellen, spricht hier ebenfalls nichts gegen Experimente mit verschiedenen Stilformen - in verschiedenen Geschichten.

 

8.

Wie kann man ständige Wortwiederholungen vermeiden? Wie die Benutzung leerer Klischees?

Die Antwort ist ebenso simpel wie kompliziert: Indem man an den Worten feilt.
Oft ist es allerdings ganz geschickt, das erst beim Korrekturlesen zu tun und nicht bereits beim Aufschreiben der Geschichte, um den Inspirationsfluss nicht zu unterbrechen.
Schreiben Sie ruhig anfangs in jedem Absatz fünfmal "er küsste sie", wenn Ihnen zunächst nichts anderes einfällt.
Aber merzen Sie diese Formulierung, die ebenso Wortwiederholung ist wie leeres Klischee, gnadenlos aus, sobald Sie den ersten Durchgang beendet haben und mit den Korrekturen beginnen.
Wenn Sie damit Schwierigkeiten haben, betreiben Sie es als eine Art Denksportaufgabe.
Für die Sie sich ruhig auch ein paar Stunden oder sogar Tage Zeit nehmen sollten.
Schreiben Sie die abgegriffene Formulierung auf ein Blatt Papier und überlegen Sie sich Alternativen dazu. Sie werden erstaunt sein, was Ihnen alles einfällt.
Hier zwei Beispiele dafür, wie man eine ausgelutschte, millionenfach gehörte und dadurch fast bedeutungslos gewordene Formulierung zumindest wieder mit ein wenig Leben füllen kann:
"Er küsste sie" - "seine Lippen berührten ihren Mund, während sein warmer Atem ihre Wange streifte"
"Er küsste sie" - "sein Gesicht kam immer näher, und mit einem kleinen Schauer dachte sie daran, was geschehen würde."
Sie merken, es hilft, wenn man sich das, was man mit einem Klischee beschreibt, in den Details vorzustellen versucht; der warme Atem beispielsweise.
Beschreiben Sie einfach eines dieser Details - jeder Leser weiß dann ebenso, was gemeint ist, aber er liest es lieber, weil es interessanter klingt.
Vermischen Sie eine Beschreibung der Gefühle, die bei einer bestimmten Handlung aufkommen, mit der Schilderung der Handlung selbst. Auch das weckt viel größere Faszination.
Finden Sie ungewöhnliche, ruhig auch altmodische Worte, die Sie neu kombinieren mit modernen - oder ruhig auch Teilen der Klischeebeschreibung.
Suchen Sie nach ungewöhnlichen Vergleichen.
Überlegen Sie viel.
Das ist mit die schwerste Aufgabe eines Autors.
Aber gleichzeitig ist es die, bei der nicht überragendes Talent gefragt ist, sondern die Fähigkeit zu denken und zu kombinieren.
Also etwas, das man auf jeden Fall in den Griff bekommen kann; auch wenn es gewiss nicht immer leicht ist.
Dies ist ein Bereich, in dem echte, teilweise wirklich mühsame Arbeit steckt.
Aber wer sein Handwerkszeug in dem Punkt zu beherrschen lernt, hat anderen viel voraus, die auf solche Dinge nicht achten.
Einem Leser fällt womöglich anfangs gar nicht auf, wie sehr an einer Geschichte herumgefeilt worden ist.
Er spürt nur, wie er mitgerissen wird von dem, was er liest.
Während er ansonsten bei der x-ten Wiederholung der Formulierung "er küsste sie" irgendwann anfängt zu gähnen und die Geschichte weglegt.
Denn Klischees können keine Gefühle wecken, die ihn fesseln.

 

9.

Welche stilistischen Mittel hat ein Autor, in anderen Emotionen lebendig werden zu lassen?

Leider gibt es insofern keine Patentrezepte, die den Autoren immer und auf jeden Fall helfen.
Vor allem hat auch jeder seinen eigenen Stil und seine eigenen Mittel, das Geschriebene lebendig werden zu lassen.
Zu diesem eigenen Stil findet man eigentlich nur durch Übung; immer wieder Übung.
Allerdings gibt es ein paar Vorschläge, die man sich bei einer Geschichte durch den Kopf gehen lassen kann, um die Wirkung der eigenen Worte zu verbessern.
a) Häufig verwendet werden Vergleiche.
Wer erotische Aufregung, Verliebtheit, Erregung, Lust beschreibt, kann versuchen, andere Situationen zu finden, die ähnliche Emotionen hervorrufen.
Was sich beispielsweise bei der Beschreibung des Gefühlsaufruhrs in einem devoten Partner anbietet, ist der Vergleich mit einer beschämenden Situation in der Schule. "Ich fühlte mich wie damals, als mein Physiklehrer mich beim Mogeln erwischte."
b) Möglich ist es auch, das Ausmaß der erfassten Gefühle deutlich zu machen, indem man ihre körperlichen Auswirkungen beschreibt.
Zitternde Knie, schweißnasse Hände, Herzklopfen.
Nur Vorsicht: Viele dieser Stilmittel wurden in der Literatur inzwischen so oft verwendet, dass sie nur mehr als inhaltsleere Worthülse vom Leser aufgenommen werden und damit ihre Wirkung verloren haben.
Um solche Beschreibungen wirklich zum Leben zu erwecken, kann allerdings eine Kombination mit Vergleichen hilfreich sein.
Vor allem dann, wenn man sich mit der Wahl Mühe gibt und etwas ungewöhnlichere Vergleiche heranzieht.
"Mein Herz hämmerte", das ist eine Formulierung, die flach klingt.
"Mein Herz hämmerte wie ein Pressluftbohrer, der sich durch die Asphaltdecke meiner Lustlosigkeit arbeitete" ist zwar keineswegs ideal, klingt aber zumindest erheblich interessanter.
c) Sehr wirkungsvoll kann es sein, Gefühle überhaupt nicht ausführlich zu beschreiben, sondern sich auf die Schilderung der Tatsachen zu beschränken; also dessen, was geschieht.
Wer das lebendig tut, wird im Leser manchmal genau die Gefühle wecken können, auf die es ihm in der Situation ankommt; ohne sie auch nur mit einem Wort zu erwähnen.
Allerdings ist dies ein Stilmittel, das nur in geringer Dosis seine Wirkung entfaltet; eine pure Beschreibung von Aktion und Reaktion ist schlicht langweilig.
d) Wenn es gelingt, neue, weniger abgegriffene Worte für ein bestimmtes Gefühl zu finden, steigert dies ebenfalls die Emotionalität einer Beschreibung.
Statt "ich verliebte mich auf der Stelle in sie" könnte man vielleicht ein wenig anders beschreiben: "Ich sah sie an, und auf einmal erschien sie mir als der Inbegriff all dessen, was die schmerzhafte Leere in meinem Inneren füllen könnte."
e) Übertreibung ist ein weiteres wichtiges Stilmittel.
In der Realität ist nur selten etwas so überwältigend, wie der Kopf es sich am liebsten vorstellt.
Auch verlaufen die Gefühlswellen und der Ablauf der realen Geschehnisse nicht immer synchron. Mitten in der schönsten Umarmung fällt einem die Steuererklärung ein, zum Beispiel, oder der Gedanke an das Lob eines Vorgesetzten schürt das positive Feuer.
In Geschichten ist dies anders. Sie beschreiben oft Realität, zumindest mögliche Realität. Aber selbst dann ordnen sie alles - anders, als dies im wirklichen Leben der Fall ist. Die vielen Zufälle, die ganzen unterschiedlichen und zum Teil widersprüchlichen Schichten des Denkens und Fühlens werden eliminiert, jedenfalls aber bewusst als Stilmittel eingesetzt, nicht als etwas, das halt nun einmal im Leben so stattfindet.
Dadurch können Emotionen viel klarer, deutlicher und schärfer hervortreten und vom Leser aufgenommen werden.
Nutzen Sie dieses Phänomen, betonen und verstärken Sie es.
Solche Übertreibungen sind nicht nur erlaubt, sondern sogar notwendig.
f) Ganz wichtig: Spielen Sie mit dem Leser; regen Sie seine eigene Phantasie an.
Lassen Sie ihm Raum - schreiben Sie ihm nicht alles vor.
Keiner will in allen Details wissen, was in den Hauptfiguren vorgeht.
Bestimmen Sie den Rahmen, sichern Sie ihn so, dass der Leser nicht ausbrechen kann - aber lassen Sie ihn innerhalb des Rahmens mitagieren.


 

10.

Die erotische Story ist fertig. Und nun?

Tipps für Veröffentlichungsmöglichkeiten.
Zunächst einmal: Den Traum, dass man irgendwann einmal das eigene Buch in Händen hält, schminkt man sich besser ab.
Die Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin sind so groß, dass man sonst nur verzweifelt.
Besser sind geringere, dafür aber realistische Erwartungen.
Überall im Netz gibt es Magazine, die ständig auf der Suche nach Kurzgeschichten sind. Die dabei auch nicht unbedingt nur hohe Literatur erwarten.
Dort sollte man versuchen, seine ersten Geschichten unterzubringen. Adressen sind dabei www.erozuna.de, www.schattenzeilen.de; dann natürlich www.bd-ds-sm.de, www.nachtwaertz.de.
Auch www.domantik.de sucht, soweit ich weiß, immer nach erotischen Geschichten.
In diesem Zusammenhang ein Rat: Verschenken Sie sich nicht.
Auch wenn wir Schreiberlinge alle nicht Goethe sind - unsere Werke sind etwas wert.
Sie sind mit Gefühl geschrieben, und es hat Zeit und Mühe gebraucht, sie zu schaffen.
Natürlich kann man nicht erwarten, dafür gleich bezahlt zu werden. Aber es muss auch nicht sein, dass man es kostenlos hergibt dafür, dass die Betreiber anderer Seiten damit Geld verdienen.
Ich persönlich würde deshalb nichts für Member-Seiten herschenken oder Seiten hinter AVS. (Adult Verification System)
Etwas anderes ist es allenfalls, wenn die Geschichte so handfest wird, dass sonst die Jugendschützer einschreiten könnten.
Hat man auf diese Weise die ersten Veröffentlichungen vorzuweisen, kann man langsam damit beginnen, etwas höher zu greifen.
Zum Beispiel nach den Schlagzeilen, die Geschichten bezahlen.
Nur, Vorsicht: Die Wartezeit hier ist sehr lang; wenn man überhaupt genommen wird.
Und irgendwann kann man dann auch an ein Buch denken; ein eigenes, oder eines, zu dem man einzelne Geschichten beisteuert.
Die Probleme mit den Verlagen allerdings sind so komplex, dass dies einen eigenen Artikel wert ist; und der könnte ganze Bände füllen ...
Wichtig ist: Senden Sie nichts unverlangt ein, und verlassen Sie sich auch nicht auf Mails.
Rufen Sie an, wenn Sie glauben, einen passenden Verlag gefunden zu haben.
Bestehen Sie darauf, mit dem Lektor selbst zu sprechen.
Und seien Sie dann schnell, schicken Sie Ihr Exposé und eine Leseprobe (nie das gesamte Manuskript; es sei denn, es wurde verlangt) unmittelbar nach dem Telefonat.
Wappnen Sie sich mit viel Geduld - und seien Sie nicht enttäuscht, wenn es viele Ablehnungen hagelt.
Das Verlagswesen ist wirklich ein mühsames, frustrierendes Geschäft.
Wer keine Lust hat, sich mit all dem herumzuschlagen, und seine Werke durch Menschen prüfen und kritisieren zu lassen, die im Zweifel alle auch nicht besser schreiben können als er, der kann sie natürlich auch auf einer eigenen Seite im Netz veröffentlichen.
Viele Netzzugangsprovider bieten eine kostenlose private Homepage.
Die man auf den großen SM-Seiten verlinken lassen kann.
Und HTML-Tools gibt es viele, auch ganz einfache und kostenlose.
Natürlich ist das nicht ganz unproblematisch.
Man muss vor allem an den Jugendschutz denken. Aber das ist ein Thema für einen gesamten eigenen Artikel. Erste Hilfe bietet insofern mein Leitfaden für SM-Webmaster, erhältlich als Download bei Lustschmerz.
Wie auch immer man es erreicht - sobald man etwas von sich veröffentlicht hat, muss man sich im Zweifel mit einem anderen Problem herumschlagen.
Womit wir beim letzten Punkt wären:


 

11.

Schreiben, Kritik - und der Umgang damit

Es gibt man schlichten, altbekannten Satz, den man sich als Autor nicht oft genug sagen kann: Man kann es nicht allen Recht machen.
Oder, mit anderen Worten: Es gibt keine Geschichte, an der nicht eine Menge Leute etwas zu meckern haben.
Nicht, dass man sich nicht ständig bemühen sollte, seinen Stil zu verbessern.
Das Handwerkszeug, das ist der Teil des Schreibens, der als quasi Technik auch rationaler Prüfung und Bewertung offen steht; bis zu einem gewissen Grad.
Aber man darf der Anerkennung nicht hinterher hecheln, sonst macht man sich selbst kaputt.
Man muss sich bewusst machen, dass Kritik oft genug von allen Seiten kommt.
Der eine will etwa mehr handfeste Erotik, der andere weniger.
Und das bezogen auf ein- und dieselbe Geschichte.
Das zeigt ja bereits, dass man der Kritik nicht blind folgen kann.
Man kann nichts anderes tun als so schreiben, wie es aus dem eigenen Inneren herauskommt.
Zuhören, wenn jemand Vorschläge für die Verbesserung des Handwerkszeugs macht.
Auch sonst der Kritik zuhören - vielleicht folgt daraus die eine oder andere Anregung für eine neue Geschichte.
Aber man darf sie nicht zu wichtig nehmen.
Darf sie vor allem nicht persönlich nehmen.
Dabei hilft eine kleine Weisheit: Die harscheste Kritik, die oft genug wirklich persönlich wird, kommt nicht selten von Menschen, die einen schlicht um die Fähigkeit zu schreiben und die erreichte Veröffentlichung beneiden.
Wer schreiben kann, der tut es. Wer es nicht kann, der wird Kritiker - oder Lehrer ...

Copyright Irena Böttcher

 

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