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9 Wochen

Autor: Maurice Schuhmann 

 

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Die sehr erfolgreiche Verfilmung „9½ Wochen„ von Adrian Lyne gehört zu den Filmen, die die öffentliche Wahrnehmung von Sadomasochismus über lange Zeit maßgeblich geprägt haben. Dabei setzte die Verfilmung viele explizite Passagen des autobiographischen Romans, der als Vorlage diente, filmisch nicht um. Daher rief das Werk nicht nur Entsetzen moralischer Natur hervor, sondern auch filmkritischer: Der Film wurde für die goldene Himbeere nominiert. Das tat seinem Erfolg allerdings keinen Abbruch. Die Strip-Szene Kim Basingers zu Joe Cockers Coverversion von „You can leave your hat on„ ging in die Filmgeschichte ein. Ebenso bleibt die Fütterungsszene unvergessen, die ihre Persiflage in der Komödie „Hot Spots„ erlebte.

 

 

 

Im aus heutiger Sicht kitschig wirkender 80er Jahre-Flair erzählt der Film die destruktive Liebesgeschichte von Elizabeth, die in einer Galerie tätig ist, und John, einem Wallstreet-Börsenmarkler. John drängt Elizabeth in der Beziehung in eine devote Rolle, in die sie sich zeitweise ohne Proteste fügt. Die Steigerung reicht von kleineren Psychospielen, über eine öffentliche Zurschaustellung ihrer Person bis hin zur Demütigung durch eine hierfür bezahlte Prostituierte. John sieht einerseits in ihr eine Puppe, mit der es zu spielen gilt, andererseits stellt sich, wenn auch auf einer oberflächlichen Ebene, die Frage nach Gefühlen: Er will von ihr wissen, wie sich die Unterwerfung anfühlt. Damit spricht der Film eine psychologische Ebene des „Sadomasochismus„ an, den Aspekt, dass der dominante bzw. sadistische Part den Gefühlsausdruck des masochistischen benötigt, um eigene Lust zu empfinden. Leider unterlässt es der Film, dies näher zu beleuchten.

Aufgrund des großen Erfolges versuchte sich Lyne an einer Fortsetzung unter dem Titel „Love in Paris„, die gnadenlos scheiterte. Hier spielte zwar wie im Original Mickey Rourke die männliche Hauptrolle, aber nicht nur das Fehlen von Kim Basinger machte sich bemerkbar, sondern vor allem die äußert dünne und stupide Rahmenhandlung.



OT: (USA 1986, R.: Adrian Lyne) - nach dem gleichnamigen Roman von Elizabeth McNeill .

 

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