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In Memorian
Böse Mösen nachts um halb zwölf
Unvergessen, die bösen Mösen. Diese Kolumne hatte es mir seinerzeit angetan. Was hatte ich mich amüsiert, über Schoeningers herrlichen Einstand auf kostenpflichtigen Internet-Porno-Seiten.
Männer auf der Suche nach dem sexuellen Kick, der zumindest bei Herrn Schoeninger in stinknormaler Masturbation gipfelte, befriedigend allemal.
Was aber tun Frauen in der gleichen Situation, wenn sie sich durch die Weiten des www ackern, von plötzlichen niederen Instinkten angetrieben?
Tee trinken und Socken stricken? Däumchen drehen? Die Hände in den Schoß legen? Jaa, das schon eher. Also losgegoogelt. Doch wonach speziell suchen, welches ist das richtige Stichwort? Schnell langweilte es mich, Seite für Seite durch den Sexdschungel zu surfen. Die knackigen Boys, zumeist Gays, vermochten mir nicht so recht zu irgendwelchen Höhenflügen zu verhelfen.
Um kostenlose Amateur-Sexhotlines machte ich einen großen Bogen, zu traumatisch war das Erlebnis mit Udo aus Köln. Sie erinnern sich an den kölschen Jung?
Das jedenfalls sollte mir nicht noch einmal passieren. Bei diesem Gedanken allerdings fiel mir ein kleiner Eintrag im EzN-Forum ein, dessen Wortlaut mir immer noch in den Ohren „klang“:
>>...wenn Lust Langeweile vertreibt und T6 eine Option...Udo aber nicht hitverdächtig ist...empfehle ich VOX von Nicholson Baker, hundertneunzig Seiten, die man einschließlich Nebentätigkeiten locker bis zur Rückkehr des Gatten durchkriegt...<<
Lesen, einschließlich Nebentätigkeiten. Lesen. Hm. Die Nebentätigkeiten interessieren mich dabei mehr, eine im Besonderen. Warum nur hatte der Verfasser nicht gleich seine Telefonnummer dabei geschrieben? Welch prickelnde Vorstellung, sich in die Protagonisten Abby und Jim hinein zu versetzen und sich gegenseitig vorzulesen, welche Wünsche, Träume und intime Geheimnisse sich die Zwei anvertrauen, bei ihrem bis tief in die Nacht reichenden Telefonat.
Bei derartiger Choreographie bliebe mir solch ein Desaster wie mit Udo aus Köln sicherlich erspart, und ich könnte sogar noch einer angenehmen Nebentätigkeit nachgehen.
Aber – keine Telefonnummer. Dann muss ich wohl mal wieder alles alleine machen – lesen, einschließlich Nebentätigkeit.
Das Leben ist bunt – bleiben Sie neugierig.
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