4. Advent

Skorpion 

Oh Du wundervolle Weihnachtszeit! Hatte ich dagegen gewettert? Ach ja, ich erinnere mich, der weihnachtliche Zierrat. Tja, auf den habe ich nu ja auch tatsächlich verzichtet.
Dafür findet man in unserem Hause (für Besucher nicht sichtbar ;-)) allerlei anderen Zierrat. Angefangen bei Plätzchen-Ausstechformen in Penisformat, über diverse Sex-Toys, bis hin zu interessanten „Stofffetzen“.
Während dieser letzten Adventstage habe ich mich mit dem Schreiben von kleinen Zettelchen beschäftigt, genau genommen waren es Anweisungen für meinen Schatz. Es bereitete mir ein diebisches Vergnügen, dafür zu sorgen, dass auch der vierte Advent zu einen unvergesslichen Erlebnis würde.
Unter dem Vorwand dringend bei Simone vorbeischauen zu müssen (die Ärmste hatte schließlich ganz heftigen Liebeskummer...), verabschiedete ich mich mittags von meinem Mann. In der Hoffnung, dass er zwischenzeitlich nicht im Bad war, schickte ich ihm eine SMS:
Schau im Bad auf den Spiegel...
Nicht mehr und nicht weniger.
Da mein Schatz am Ende dort war, wo ich ihn haben wollte, kann ich Ihnen also sagen, dass es geklappt hat. Schatzi ging nach Erhalt der SMS ins Bad und fand eine Nachricht am Spiegel:
Zieh’ bitte noch einmal den String für mich an...
Keine weitere Erklärung.
Wie ich später erfuhr, hatte er sämtliche Schubläden durchwühlen müssen, um auf besagtes Teil zu stoßen. Doch – er hat ihn gefunden. Und somit auch die nächste Mitteilung:
Fahre zu dem Ort, an dem wir erstmalig der Liebe im Schoße der Natur frönten
Nun, ich muss Ihnen gestehen, ein wenig befürchtete ich, sein Gedächtnis würde ihn im Stich lassen, sagt man doch den Männern im Allgemeinen solche Gemeinheiten nach. Aber weit gefehlt. Wie könnte man auch ein amouröses Abenteuer auf einem Hochsitz vergessen? Eben. Hier fand mein Gatte einen Korb mit Orangen, nebst Messer und einer Schale (Tupper lässt grüßen) und der Anweisung, die Orangen in Scheiben zu schneiden und sich auf den Weg zur Köhlerhütte zu machen.
Wohlwissend, was die die Köhlerhütte war, jedoch nicht wissend, was ihn dort erwartete, ließ sein Herz allmählich schneller schlagen. Eine letzte Anweisung bekam Schatzi mit dem Schlüssel für die Umkleide:
Ich möchte Dich in nichts als dem süßen String sehen...I’m waiting
Wie verabredet hatte Yanka mir ein Zeichen gegeben, so dass ich mich dorthin begab, wo ich meinen Liebsten in Empfang nehmen wollte.
Als die Tür zur Sauna aufging, trat mir ein strahlender Mann in einem sexy Jingle-Bell-String entgegen, in der Hand jenes wundervolle Massageöl, das uns schon in der letzten Woche so viel Freude bereitet hatte. „Meine kleine verrückte.“, raunte er mir ins Ohr und legte sich zu mir auf die Saunabank. Nach all der Aufregung und Umherfahrerei hatte Schatzi sich eine „entspannende“ Massage verdient, der Duft des Öls mischte sich erotisierend mit dem Geruch der Sauna. Da es Sonntag war, zudem Advent, hatten wir die Sauna für uns alleine und konnten tun und lassen, was wir wollten. Dachte ich doch letzte Woche noch, der Adventssonntag sei nicht mehr zu toppen, so wurde ich heute eines besseren belehrt.
Gerade als wir uns auf den Weg machten, unsere erhitzten Gemüter mit Eis abzukühlen und uns über die Orangen herzumachen, nahm ich einen Mann im Kaltwasserbecken wahr, der die gesamte Szenerie beobachtet haben musste. WIE kalt das Wasser in einem solche Becken ist, kann sich jeder Saunagänger lebhaft vorstellen. Als unser stiller Genießer sich endlich aus dem Becken traute, war davon aber beileibe nichts zu sehen!
Schmunzelnd nickten wir einander zu und ich konnte nicht umhin ihm „sinnliche Weihnachten“ zu wünschen.

(C) Skorpion 2005

 

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