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Vor dem Napf
Flimmernd lastete die Hitze auf dem surrealen Platz, auf dem kein Laut zu hören war außer dem Zirpen der Grillen und einem leisen Schluchzen von Natalie, die mit ausgebreiteten Armen und gesenktem Kopf in der Sonne stand. Endlich vom Schlanken und dem kleinen Glatzköpfigen verlassen erhob sich Carolin von den Knien und ging zum steinernen Trog, formte die Hände zu einer Schale, hielt sie unter den fingerdicken Strahl, der unaufhörlich aus einem kupfernen Rohr herabplätscherte, und sog das kühle klare Wasser in den Mund. Ihre Nachbarin, eine kleine dralle Dunkelhaarige, sank vor einem älteren schwitzenden Herrn auf die Knie, nestelte seinen Penis hervor und schloss die Lippen darum. Funkelnd schauten ihre schwarzen Augen zu dem Mann hoch, der ihr langes lockiges Haar streichelte und ihr irgendwelche Worte zuflüsterte.Die beiden Aufseher stolzierten über den Platz zu Natalie, befreiten sie von den Säulen, umfassten ihre Oberarme und führten sie in ihrer Mitte in eines der Häuser. Sachte fiel die schlichte hölzerne Tür hinter ihnen ins Schloss. Carolin ließ sich auf den roten Plastikstuhl sinken und hob den Blick zum strahlend blauen Himmel, an dem kein einziger Vogel seine Kreise zog. Ein Glück, dass die Hauswand Schatten bot, der bis zum Rand des Bürgersteigs reichte; die Mädchen auf der anderen Straßenseite hatten sich hinter ihren Sonnenschirmen verschanzt.
Die Aufseher kamen wieder aus dem Haus — und direkt auf Carolin zu! Die Drohung des Kleinen brannte in ihrem Ohr: Du bist störrisch. Aber das werden wir dir austreiben … Erschrocken stand sie auf. »Was haben Sie vor?« Die beiden Männer verstanden ihre Worte nicht und sie waren ihnen auch egal. Der etwas kleinere und etwas stämmigere der beiden hatte einen kleinen Schlüssel in der Hand, öffnete damit die Öse ihres Halsbandes und nahm ihr die Kette ab. Starke Hände packten ihre Oberarme und zerrten sie zur Mitte des Platzes — zwischen die Säulen. Ihre Arme wurden ausgebreitet und festgekettet, hilflos stand sie in der prachtvollen Urlaubersonne. Die Türen der Häuser öffneten sich, Männer schlenderten nach und nach heraus, vielleicht ein Dutzend an Zahl, und umringten sie in sicherem Abstand wie eine Zirkusattraktion. — Warum nur? Warum musste sie hier stehen, warum konnte sie nicht einfach Urlaub machen wie alle anderen Leute auch? Ein feines Sirren durchschnitt die Luft, gefolgt von einem hässlichen Klatschen. Feuer loderte auf. Hart und wütend kamen die Hiebe, unter denen sich alles Bangen, alles Hoffen und alles Hadern mit dem Schicksal in brennendem Schmerz auflöste … Eine Hand legte sich unter ihr Kinn und hob ihren Kopf empor, schluchzend öffnete sie die Augen sah durch den Schleier der Tränen hindurch den Kleinen mit den abstehenden Ohren vor sich stehen. Sein Lächeln war ein Peitschenhieb für die Seele. »Süße Prinzessin, du weißt nun also, welche Folgen es hat, wenn du störrisch bist. Tust du nicht, was wir von dir wollen, stehst du wieder hier. Ist dir das klar?«
Sie nickte wimmernd.
»Schön. Und vergiss es nicht!« Er trat zurück und die Aufseher befreiten sie von den Säulen, führten sie zu ihrem Platz, ketteten sie an den eisernen Ring und entfernten sich, zufriedene Männer, die ihre Arbeit getan hatten. Noch immer brannte Carolins Haut, als konzentriere sich die Hitze des fremden Landes ganz auf sie. Mitfühlend ruhte der Blick der Dunkelhaarigen auf ihr, gleich aber senkte sie die Lider, als seien Gefühle hier verboten.
Carolin tauchte die Hände in den Trog, aus dem Wasser durch eine Öffnung knapp unterm Rand ebenso beständig ablief, wie er aufgefüllt wurde. Sie kühlte das heiße Gesicht, wusch die Tränen ab und löschte den Durst mit einigen Schlucken. Verlassen ragten die Säulen in der Sonne auf, lautlos hatte sich das Publikum zerstreut. Nur nicht ein zweites Mal dort stehen, alles war besser als das. — War es das wirklich? Sollte sie jedem der Männer hier zu Diensten sein, so wie die große schlanke Frau mit den üppigen Brüsten und dem glatt rasierten Schoß, die auf der anderen Straßenseite vor einem korpulenten Mann niederkniete und seinen Schwanz in den Mund nahm, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres auf der Welt? Sollte wirklich jeder sie haben können? Aber ja, denn wenigstens tat das nicht weh …
Allmählich ließ der schlimmste Schmerz nach, doch regte sich nun eine andere Sorge. Noch immer nicht war sie auf der Toilette gewesen und nun wuchs der Drang. Was sollte sie tun? Irgendwie einen der Aufseher auf ihr Bedürfnis aufmerksam machen, wenn sie wieder erschienen? Aber war das nicht schrecklich peinlich? Verstört ging sie auf und ab, soweit die Kette es zuließ. Sie reichte bis zur Hausecke und vorsichtig wagte Carolin einen Blick um sie herum. Hinter dem Haus gab es einen kiesbestreuten Platz, darauf parkten im Schatten ausladender Platanen die Wagen der Herren, überwiegend schwere Limousinen, dazwischen einige Sportwagen. Sie kamen fast alle aus dem Norden, viele aus Paris, so verrieten die Nummernschilder; ein bäuerlicher Bürgermeister aus dem Süden war hier wohl nicht zu finden. Sie musste jetzt wirklich zur Toilette, es wurde quälend, verdrängte sogar den Schmerz. Verzweifelt kniff sie die Beine zusammen. Gäbe es doch nur diese verdammte Kette nicht, dann könnte sie um die Ecke huschen, sich hinter ein Auto setzen und dort ihr Geschäft verrichten, genau wie ein Tier, als das man sie hier sehen wollte. Wie schön es wäre …
Was machte denn die Frau mit dem rötlich schimmernden glatten Haar und dem dunklen Teint? Sie ging am Rand des Bürgersteigs in die Hocke und — war es denn wahr? — urinierte einfach auf die Straße, erhob sich dann und wusch den haarlosen Schoß mit Wasser aus dem Trog, wozu sie nichts anderes als die Hand benutzen konnte. So also wurde dieses Problem hier gelöst? Oh Gott, es war zutiefst entwürdigend. Doch gab es keine Wahl. Carolin überwand die Scham und ging ebenfalls in die Hocke mit gespreizten Schenkeln. Die Tür »ihres« Hauses wurde geöffnet und ein massiger Mann mit mächtigem Bauch und faltigem Stiernacken kam heraus. Er sah sie, grinste und kam zu ihr her. Ausgerechnet jetzt! Irgendwie musste sie versuchen, es noch länger zurückzuhalten, denn natürlich hatte das Bedürfnis des Mannes Vorrang. Sie wollte sich aufrichten, um auf die Matte zu knien, doch legte sich die Hand des Mannes auf ihre Achsel und hielt sie in der Hocke. Er sagte einige französische Worte, die sie nicht verstand, öffnete mit der freien Hand flink seine Hose und sein Penis schob sich in ihren Mund. Sie saugte beiläufig an ihm, da in den Kampf gegen ihren Drang verwickelt — den sie verlor. Ihr Widerstand brach, die Schleuse öffnete sich, und endlich, endlich, war sie erlöst. Heißes Sperma quoll in ihren Mund und sie schluckte es keuchend hinunter, wurde ähnlich wie der Wassertrog zugleich entleert und aufgefüllt. Das sollte wirklich besser als die Peitsche sein, diese Demütigung? Aber ja, natürlich, es verhütete den Schmerz, und zudem … tief in ihrem Innern erwachte ein unbegreifliches schaurig schönes Kribbeln … Grinsend ließ der Mann von ihr ab und verzog sich wieder ins Haus. Sie stand auf und ging zum Trog, hatte einiges an sich zu waschen. Ein alter Mann in Arbeitskluft erschien mit einem Wasserschlauch und spritzte schläfrig die Straße ab. Er kam noch zweimal im Laufe des unendlich langen Nachmittags, an dem noch einige Herren bei den Mädchen auftauchten, zwei auch bei Carolin, die ohne Zögern vor ihnen auf die Knie ging und sie ergeben empfing.
Als die Sonne tief über den Hügeln stand, wurden die Mädchen von den beiden Aufsehern eingesammelt. Sie ersetzten die Ketten durch Hundeleinen und trieben das Rudel der Mädchen in das größte Haus am Platz, in dem es köstlich nach Essen duftete. Carolin nahm mit den anderen zusammen in einem großen blau gekachelten Raum eine Dusche, dann mussten sie sich schminken. Gesprochen wurde kein Worte, die Lider blieben gesenkt, begegneten sich doch einmal zwei Blicke, wichen sie sich gleich wieder aus, nur selten erblühte in einer Miene der Anflug eines Lächelns. Nackt wurden sie in einen kleinen Raum ohne Möbel geführt. Durch das schmale hohe Fenster sah man die Sonne golden am Horizont versinken. Die Mädchen knieten auf dem roten flauschigen Teppichboden nieder und ihre Armbänder wurden eng an die Bänder der Fußgelenke gekettet. Fast feierlich öffneten die Aufseher eine Schiebetür und dahinter tat sich ein großer Raum auf mit einer weiß gedeckten u-förmigen Tafel, an der etwa zwanzig Herren saßen. Angetrieben von den Aufsehern krochen die Mädchen auf den Knien vor ihre Augen. Drei junge Frauen, darunter Natalie, trugen in knöchellangen, weißen, durchscheinenden Gewändern die Speisen für die Männer auf.
Eine der dreien nahm zwei Blechnäpfe, einer mit einer gelben Flüssigkeit, der andere mit Speisen gefüllt, von einem Servierwagen und stellte sie in der Mitte des Raumes auf den Boden. Zart und rauchig klang ihre Stimme. »Claire.« Die Frau mit dem blonden, lockig langen Haar kroch auf den Knien zu ihr hin und beugte den Kopf zu den Näpfen hinab, begann die Flüssigkeit aufzusaugen und das Essen zu vertilgen. Wie ein Tier! Als beide Näpfe leer waren und sie sich aufrichtete, war ihr Gesicht verschmiert und Tropfen gelber Flüssigkeit rannen über ihr Kinn. Sie säuberte ihre Lippen, so weit die Zunge reichte, und die anderen Mädchen kamen ihr zu Hilfe, krochen zu ihr und leckten die Essensreste von ihrem Gesicht und die Flüssigkeit von ihrem Hals und den Brüsten. Eines der Mädchen kroch hinter sie, küsste ihren Po und drängte den Kopf zwischen ihre Beine, liebkoste ihren Schoß. Während sich Claire seufzend unter den Zärtlichkeiten aalte, bekam das nächste Mädchen die Näpfe vorgesetzt. »Christine!« Christine war die kurzhaarige Blonde, auch sie machte sich über ihr Abendmahl her. Noch während sie aß (oder fraß?), kroch Claire auf sie zu, umringt von den anderen Mädchen, die noch immer an ihr leckten und sie küssten, schmiegte das Gesicht zwischen die geöffneten Beine und liebkoste sie zärtlich.
Carolin hielt sich mitten im Getümmel auf, ohne sich am Knabbern, Küssen und Lecken zu beteiligen. Noch nie hatte sie sich einer Frau intim genähert, nein, das wollte und konnte sie nicht. Eine Peitsche klatschte auf ihren Hintern und sie schluchzte auf. Einer der Aufseher stand hinter ihr, holte erneut aus, wieder trafen die Riemen ihren geschundenen Po, gleich noch ein drittes Mal. Seine Worte verstand sie nicht, dafür aber die Geste seiner Hand, die auf Claires Unterleib wies. So viel Überwindung kostete es gar nicht, es ging ganz einfach. Sie drängte den Kopf zwischen Claires Beine, schmeckte die feuchte, weiche Muschi, beleckte sie sanft und hörte das Mädchen stöhnen.
»Carolin.«
Oh. Um ein Haar hätte sie ihren Namen überhört, da er anders als gewohnt ausgesprochen wurde, eleganter und melodischer. Das aber änderte nichts. Dort standen die Blechnäpfe auf dem Boden und warteten auf sie! Sie kroch hin und beugte sich hinab, verlor fast das Gleichgewicht, beinahe wäre ihr Kopf haltlos in die gelbe Flüssigkeit geplatscht, die sich als kühler Orangensaft entpuppte. Was hier verlangt wurde, erforderte fast akrobatisches Geschick — und das Abstreifen auch des allerletzten Stolzes. Die Näpfe waren großkreisig und nicht sehr tief. Die Speise, klein gehacktes Gemüse, Nudeln und Fleisch, war nur mäßig warm, damit man sich nicht daran verbrenne, und zu fest, um sie aufzusaugen. Sie musste das Gesicht hineintauchen, spürte, wie Nase, Wangen und Kinn verklebten, verschluckte sich fast, brachte den Happen nur mit Mühe hinunter. Es schmeckte gut und sie hatte Hunger, hatte ja den ganzen Tag noch nichts gegessen. Trotzdem hätte sie eine Fastenkur diesem schändlichen Auftritt vor all den Männeraugen vorgezogen, doch gab es diese Entscheidung ja nicht. Nur nicht schon wieder die Peitsche provozieren … Erneut tauchte ihr Gesicht in den Napf. Warme Lippen glitten über ihren Po und eine Zunge streichelte ihre Schenkel, während sie Bissen um Bissen, Schluck um Schluck nahm, bis beide Näpfe endlich leer waren und sie sich aufrichtete durfte. Nun spürte sie die Liebkosungen der Mädchen überall, im Gesicht, am Hals, an den Brüsten und zwischen den Beinen; wohlige, aufregende Glut breitete sich aus, es war erregend, zärtlich und wunderschön, ihre Seufzer stiegen zur Decke auf, als seien sie hier heimisch … Man brauchte keine Peitsche mehr, um sie den fremden und doch vertrauten Frauen nahe zu bringen, lustvoll gab sie weiter, was sie empfing; lächelnd und aufmerksam schauten die Herren zu ihnen herab wie Besucher eines Zoos, die sich am Treiben putziger Tierchen erfreuten …
Als das letzte Mädchen gefüttert war, trieben die Aufseher den Knäuel der Leiber auseinander und zerrten sie an den Leinen aus dem Raum. Es wurde ihnen in einem vergitterten Zimmer eine Erholungspause gegönnt. Ohne Fesseln saßen sie auf unbequemen Stühlen mit hohen Rückenlehnen beieinander und wagten sich kaum anzuschauen, als müssten sie sich voreinander schämen. Dunkelheit breitete sich über die Hügel, die still und verlassen bis zum rötlichen Horizont im Osten reichten, fast hätte man meinen können, dass es dort draußen kein Leben mehr gab. Carolin seufzte schwer. Hätte sie gewusst, was hier auf sie wartete, hätte keine Macht der Welt sie herbekommen. Die kleine Dunkelhaarige, die draußen ihre Nachbarin gewesen war und Madeleine hieß, sandte ein scheues Lächeln herüber, das Carolin zaghaft erwiderte. Aber vielleicht … Vielleicht war es manchmal besser, nicht zu wissen, was einen erwartete, da man dann manches nicht erleben würde, das doch einen tiefen geheimen Reiz in sich barg …
Copyright Jürgen B. Greulich 2005
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