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Von den Musen geküsst
Prolog
Als Doris im Druckerraum vor ihm kniete und seine Hosen aufknöpfte, wusste Nick nichts von Melpomene. Auch von Thalia hatte er keinen blassen Schimmer, als er spürte, wie sie seine Short nach unten zog und begann, langsam seinen Schwanz zu massieren.
Euterpe? Nie von ihr gehört.
Im diesem Moment machte das aber nichts. Denn Nick lehnte mit dem Rücken am großen Vierfarbdrucker, und vor ihm kniete eine Frau, die nicht vorhatte, Fragen zu stellen.
Doris nahm seinen Schwanz und leckte langsam von unten bis zur Eichel. Und wieder zurück. Nick legte den Kopf nach hinten und schloss die Augen.
Da waren übrigens noch Erato und Urania.
Aber Nick wusste auch nichts von diesen Damen. Alles, was er in diesem Moment wusste, war, dass Doris – die Frau, der die ganze männliche heterosexuelle Belegschaft der Agentur nachstellte – seinen Schwanz tief in den Mund nahm und unglaubliche Dinge mit ihrer Zunge anstellte. Er sah ihre dunklen Locken zwischen seinen Beinen und fühlte, wie alles von ihm abfiel: Die vier Stunden dauernde New-Business-Präsentation heute, die vielen Nachtschichten, die er deswegen in den letzten Wochen gearbeitet hatte, die vielen Meetings – alles war aus seinem Kopf verschwunden. Hätte man Nick jetzt gefragt, wer Klio sei, hätte er geantwortet: „Ein Auto, das ich nicht fahren will." Was wusste er schon … nichts! Absolut nichts wusste er. Abgesehen davon war jetzt wirklich nicht die Zeit für seltsame Fragen. Die Agentur, für die er arbeitete, hatte heute einen wichtigen neuen Kunden gewonnen, und Nicks Marketingstrategie war ausschlaggebend daran beteiligt.
Es war definitiv die Zeit, um zu feiern.
Und Nick feierte.
Oder besser gesagt: Er lies sich feiern.
Doris umfasste ihn mit beiden Armen, krallte ihre Hände in seinen Hintern und drückt ihn nach vorne, näher an sich heran. Er spürte ihre Zunge überall an seinem Schwanz; schneller, immer schneller bewegte sie sich jetzt. Mit beiden Händen klammerte sich Nick an den Farbdrucker und atmete schwer. Aus dem großen Besprechungsraum am anderen Ende der Agentur hörte er entfernt Musik und seine Kollegen. Sie lachten und feierten den neuen Kunden. Und ich habe ihn gewonnen, dachte Nick, ich alleine!
Er zog Doris nach oben, drückte sie rücklings auf den Kopierer und schob ihren Rock nach oben. Sie trug ein Nichts von einem schwarzen Spitzenhöschen. Langsam strich Nick mit beiden Händen an den schwarz glänzenden, halterlosen Strümpfen nach oben, bis er Haut spürte. Doris lies ihren Kopf nach hinten fallen und stöhnte leise, als Nick zwischen ihre Beinen glitt und das Höschen zur Seite schob.
Doris lag unter ihm, und bei jedem Stoß bewegten sich ihre Brüste unter der hellgrauen Satinbluse. Sie trug keinen BH, und so konnte Nick deutlich ihre harten Brustwarzen sehen. Er konnte es spüren, ja, er konnte es schon spüren! Tiefes, schweres Atmen, diese Hitze plötzlich, überall diese Hitze … Schnell zog er zurück und dann kam er – sein Sperma spritzte auf Doris, auf den Vierfarb-Drucker, auf die Schneidemaschine … und auf Kalliope, die letzte der neun Musen. Aber die kannte Nick natürlich auch nicht.
Kalliope klebte zu diesem Zeitpunkt als Anzeigenmotiv auf einer schwarzen DIN-A0-Präsentationspappe. Neben ihr auf der Anzeige sah man einen Becher mit Wodghurt, dem neuen, mit Wodka angereicherten Trend-Yoghurt. Als Headline stand darüber: Wodghurt – Gesund und munter! Insgesamt gab es neun Pappen mit neun Motiven und ebenso vielen Musen: Die Sieger-Kampagne der heutigen Präsentation. Nick hatte mit dieser Kampagne und seiner Marketingstrategie die anderen Agenturen, die sich auch um den Wodghurt-Etat beworben haben, aus dem Rennen geschlagen. Ein Riesenerfolg!
Hätte Nick in eben diesem Moment zu Kalliope hingesehen, der ein dünner Spermafaden über die rechte Backe lief, anstatt seinen Schwanz am Vorhang der Belichtungskammer abzuwischen, hätte er gesehen, dass sie ihre linke Augenbraue leicht nach oben zog.
Aber er hatte es nicht gesehen.
Auch nicht, dass Sonja, die süße neue Grafik-Praktikantin, die ganze Zeit hinter einem Regal getanden hatte.
(Aber noch einmal ganz langsam: Wir haben die neun Musen (eine mit Sperma im Gesicht), Töchter des griechischen Göttervaters Zeus und der Mnemosyne, als Werbeträger für Wodghurt, den neuen mit Wodka angereicherten Trendyoghurt – und Nick, den nun sehr entspannten Management-Supervisor des Bereichs Strategische Planung der aufstrebenden Werbeagentur Leuchtfeuer & Söhne. Und eine Grafik-Praktikantin, die sich hinter einem Regal versteckte.
Wo soll das nur hinführen?
Noch ein Prolog
Dann wollen wir doch einmal sehen, wo das hinführt.
Zunächst einmal zurück in die Kleider. Doris versuchte, ihren Rock und ihre Bluse zu ordnen, ihr Höschen gerade zu zerren und ihre Frisur in einen annehmbaren Zustand zu bringen. Nick hatte es da vergleichsweise leicht: er zog sich einfach die Hosen wieder hoch. Dabei verlor er allerdings das Gleichgewicht und krachte mit seinem nackten Hintern mitten ins Gesicht von Klio, einer der neun Musen, die nun für Wodghurt warben.
Was zur Folge hatte, dass die Präsentationspappe, auf der Klio klebte, einen Knick auf Gesichtshöhe bekam und Klio nun aussah wie Angela Merkel.
„Scheiße", war alles, was Nick dazu einfiel.
„Egal", sagte Doris, „Die Präsentation ist ja schon gewonnen. Die Pappen brauchen wir nicht mehr."
Das war nur teilweise richtig, wie sich noch herausstellen sollte.
Die beiden gingen – natürlich mit einer fünfminütigen „Nein-wir-haben-gerade-nicht-wild-miteinander-rumgevögelt"-Zeitdifferenz – zurück zu den anderen und feierten weiter. Beiden fiel nicht auf, dass Sonja, die süße neue Grafik-Praktikantin, nirgendwo zu sehen war.
Diese kam, als sie hörte, wie sich die Tür des Besprechungszimmer zweimal öffnete und erst Nick und dann fünf „Wir-haben-nicht-gefickt" Minuten später auch Doris mit einem „Ihr-habt-doch-bestimmt-gefickt!"-Gelächter begrüßt wurden, hinter dem Regal hervor. „Meine Herren…", flüsterte sie und stemmte beide Arme in die Hüften. Sie starrte noch ein paar Sekunden auf den Vierfarbdrucker, fing sich dann und schüttelte sich kurz.
Sonja nahm die Pappen mit den neun Musen und platzierte sie neben zwei Paletten Wodghurt auf der Schneidemaschine.
Sonja (laut): „Okay, Mädels, da hat euch also so ein Kerl aus dem Schlaf gerissen, um euch auf Pappen zu kleben, die für einen alkoholisierten Yoghurt werben. Wie findet ihr das?"
Musen (erwachen auf den Präsentationspappen und antworten im Chor): „Wunderbar!"
Sonja: „Dem nicht genug. Er hat euch aus dem Schlaf gerissen, um euch auf Pappen zu kleben, die für einen alkoholisierten Yoghurt werben, führt euch in die sündige Welt einer… (Kurze, aber dramatische Pause) Werbeagentur! Wie findet ihr das?"
Musen (im Chor, aufheulend): „Großartig!"
Sonja (atmet tief ein, dann laut): „OK, meine Damen: Er hat euch aus dem Schlaf gerissen, um euch auf Pappen zu kleben, die für einen alkoholisierten Yoghurt werben, führt euch in die sündige Welt einer Werbeagentur – und diese Werbeagentur liegt auf der (steigert die Lautstärke) … na, meine Damen, wo liegt diese Werbeagentur – diese verdammte Werbeagentur liegt auf der … GOTTVERDAMMTEN ERDE! Wir sind zurück!" (Sehr sehr laut) „Wie? Findet? Ihr? Das?"
Musen (infernalisch durcheinander keifend): „Sehr schön … endlich wieder mal was zu sehen … was ist dieser Scheiss-Olymp langweilig nach ein paar tausend Jahren … her mit den Jungs…!"
Sonja (beruhigend): „Iat ja gut, Mädels, alles zu seiner Zeit. Wie findet ihr eigentlich diesen Nick?"
Musen (durcheinander, nachdenklich): „Och, ganz süß … netter Arsch … da wollte man direkt mal … lecker … Riesending…"
Sonja (dazwischengehend): „Eben, das dachte ich mir auch. Wie wärs, wenn wir den guten Nick ein wenig … na sagen wir mal … entführen und…"
Erato (laut): „Ficken?"
Musen (durcheinander, genervt): „Mein Gott, die schon wieder … Denkt immer nur an das Eine … Die hat das Feingefühl einer Brotschneidemaschine … bestimmt ein Kuckucksei, die Pute")
Sonja (eindringlich, fortfahrend): …und ein wenig belohnen, dafür, dass wir wieder mal auf die Erde dürfen?" Was meint ihr?"
Musen (begeistert): „Ja entführen … ein bisschen Spaß haben … ein bisschen verreisen … ein bisschen vögeln …
Thalia (summend): …Ein bisschen Frieden …")
Musen (aufgebracht): „Thalia, bitte nicht singen", … „Komm schon, einmal ohne singen", … „Und auf keinen Fall diese Ralph Siegel-Scheisse…"
Klio (unterdrückt): „Hihihihi …"
Kalliope (langsam, drohend): „Wer war das?"
Klio (prustet los): „Hahahahaha …!"
Kalliope (noch drohender): „Natürlich, Klio. Halt bloß den Rand da drüben!"
Klio (kann nicht mehr an sich halten, laut lachend): „Der spritzt ihr doch glatt mitten ins Gesicht … hahahha, ich fass das nicht …"
Kalliope (verzweifelt brüllend):„Schnauze! Außerdem siehst du aus wie …"
Klio (sich fangend): „Vorsicht, ja!"
Kalliope (Oberwasser gewinnend): „… du siehst aus wie …"
Die anderen Musen (jubelnd, im Chor): „Schlagt euch, schlagt euch, schlagt euch …"
Klio (keifend): „Wehe …!"
Kalliope (immer mehr Oberwasser gewinnend, brüllend): „… die Merkel!"
Klio (hyperventilierend): „Oh … Oh … Oh!" (brüllend) Ich mach dich alle, du vollgespritzte Kuh! Macht mich von dieser Pappe los, verdammt noch mal!"
Kalliope (provzierend): „Na kömm döch, Lady Töpfschnitt, kömm döch!"
Die anderen Musen (im Chor): „Ausziehen, ausziehen, ausziehen!"
Sonja (beschwichtigend an Klio und Kalliope): „Ja ja, ist ja gut Mädels." (lauter) „MÄDELS! Ich kann diese Streitereien langsam nicht mehr hören. Seit Jahrtausenden immer dasselbe mit euch beiden, jetzt vertragt euch doch mal …"
Kalliope (quengelig): „Aber die blöde Schnepfe hat angefangen …"
Klio (keift): „Von wegen, du hast angefangen …!"
Die anderen Musen (frohlockend im Chor): „Jetzt geht’s lo-ho-s, jetzt geht’s lo-ho-s, jetzt geht’s lo-ho-s …"
Sonja (laut, energisch): „Ruhe, alle miteinander!"
Alle Musen (gemeinsam im Chor): „Hmmlrrmmmldibrmmmlbrztldibrzlgrrrrldbrrrr."
Sonja (fragend): „Okay, die Damen, was können wir Nick Gutes tun?"
Kalliope (finster grummelnd): „An die Wand stellen …"
Thalia (fröhlich wie immer): „Hast’ im Gesicht ein’ Spritzer Sperma, wird dir gleich ein wenig wärma …"
Kalliope (explodierend, keifend): „Wenn ich dich kriege …"
Die anderen Musen (lachend im Chor): „ … zeigt dir mein Zauberstab die Liebe …"
Kalliope schweigt, ihre Pappe vibriert leicht.
Polyhymnia (im leichten Singsang):„Wir könnten ihm doch was vorsingen. So wie damals den Sirenen. Das war
paßig!"
Alle Musen (durcheinander, genervt): „Beim Zeus!", „Die schon wieder!", „Immer diese bescheuerte Singerei …", „Dass die nur ans Singen denken kann!", „Nicht schon wieder Singen … wenn die nicht pro Jahrhundert einmal singt, dann …", „Sing doch alleine, du plumpe Kuh!"
Polyhymnia (sichtlich beleidigt): „Dann halt nicht! Pfff ..."
Sonja (bestimmend): „Mädels, sonst noch irgendwelche Ideen – und Nick sollte Spaß haben dabei, ja…"
Klio (eifrig): „Wie wär’s, wenn ich ihm die Odyssee vorlese und dann auch noch den Ilias hinterher!"
Alle Musen (einstimmig, laut): „Das macht verdammt noch mal überhaupt keinen Spaß!"
Kalliope (hysterisch dazwischenbrüllend): „Töten, wir sollten diese Sau töten, töten, TÖTEN!"
Stille, dann Getuschel.
Sonja (etwas beunruhigt): „Alles okay bei dir, Kalliope …?"
Kalliope (erst schnaufend, dann schließlich Herz zerreißend schluchzend und brüllend): „Schaut mich an, Schwestern! Diese kleine Testosteron-Schwuchtel hat mir ins Gesicht gespritzt, seht ihr das, mitten ins GESICHT, VERDAMMTE SCHEISSE NOCH MAL!!!"
Alle Musen (durcheinander nörgelnd): „Meine Güte, ja … dieses Sensibelchen …", „Das soll doch auch ganz gesund sein!", „Genau, viel Eiweiß.", „Dass die sich immer so hat …", „Krieg dich mal wieder ein!"
Kalliope (sich überschlagend): „Einen Scheißdreck werde ich mich wieder einkriegen. Die Sau mach ich fertig!"
Sonja (ruhig, aber dröhnend): „Kalliope! Es reicht!"
Stille. Nur Kalliopes Pappe vibriert ein wenig.
Kalliope (verzweifelt): „Aber, aber, aber …"
Sonja (bestimmt): „Nichts aber."
Polyhymnia (leise singend): „Soll ich dir ein Lied vorsingen, Kalliope, das beruhigt ganz …"
Kalliope (brüllt): „Ich stopf dir beschränkter Singdrossel gleich so was von die Musen-Fresse, dass du in deinem ganzen verfickten Scheiß-Musen-Dasein nicht noch einmal auf die Idee … hmlllgrrrmmlllbrmpfff!!!!!!!"
Sonja geht auf Kalliope zu und legt die Pappe nach vorne um.
Polyhymnia (eingeschüchtert, leicht singend): „Meine Güte, was ist denn mit der los?"
Sonja (entnervt): „Ich will’s gar nicht wissen. So Mädels, die Sonne scheint, wir sind wieder auf der Erde – lasst uns Spaß haben." Sonja blickt in die Runde. „Polyhymnia?"
Polyhymnia (nachdenkend, leicht singend): „Na ja, ich hab da so was läuten hören, dass dieser Nick keinen Vater mehr hat …"
„Mudddaaa dööödnn, Mudddaaa aaach dööödnn, alle dööödnn…!", brummelte es unter Kalliopes Pappe hervor, aber keiner reagierte darauf.
Alle Musen (nachdenklich, im Chor): „Hmmm …"
Sonja (verwirrt): „Ähem, und was hat das mit Spaß zu tun…?"
Polyhymnia (im Singsang vorsichtig nachfragend): „Na ja, ich könnte ein bisschen Singen… So zum Trost, wisst ihr und dann…"
Alle Musen (durcheinander, entnervt): „Ich wusste es doch!", „Die gibt nicht auf.", „Die müsste mal wieder so richtig …", „Warum darf die eigentlich immer wieder mitspielen?" „Gebt mir einen Stein …"
Sonja (bestimmt): „Also gut Polyhymnia, ein bisschen Singen, ja? Hast du die Bedeutung von ein bisschen Singen verstanden?"
Polyhymnia (nölig, leicht singend): „Ja, habe ich…"
Sonja (erleichtert): „Okay, das hätten wir also. Aber, Mädchen, was noch? Was können wir dem Bürschchen noch Gutes tun?"
Thalia (grinsend): „Och, der Nick ist doch kein Kostverächter. Ich nehm ihn auf ein Fest mit und dann, dann schick ich ihn … (geheimnisvoll) direkt in die Sünde…"
Sonja (bestimmt): „Ja, das ist doch prima. Lasst uns den Kerl hübsch in die Sünde schicken!"
Sonja (überlegend): „Ja, wunderbar … Thalia, machst du das?"
Thalia (grinsend): „Da kannst du Gift drauf nehmen!"
„Väääägifffdn! lsss unss diii Saaau vääägifffdn …!", brummelte Kalliopes Pappe.
Sonja (mahnend): „Kein Gift, Thalia, ja?"
Thalia (vorsichtig fragend): „Auch nicht so ein bisschen Gift …?"
Alle Musen (im Chor): „Gift, Gift, Gift…!"
Sonja (einlenkend): „Na, okay. Ein bisschen Gift – aber nur, wenn’s ihn nicht umbringt. Ist das klar?"
Thalia (geheimnisvoll, rezitierend): „Ein Pillchen für den Geist /
Ein Trank, der ihn benebelt / Auf dass er schließlich reist / Wohin noch keiner ward gesegelt …"
Sonja (fragend): „War’s das schon? Haben wir noch was für den Kerl?"
Euterpe und Melpomene: „Aber Hallo!"
Sonja: „Ich höre."
Euterpe und Melpomene: „Der steht doch nur auf Mädels!"
Sonja (nachdenklich, zu sich selbst): „Na ja, zum Glück…"
Euterpe und Melpomene (lauter): „Na ja, und da dachten wir, wir könnte ihm mal zeigen, was noch so alles geht…!"
Sonja: „Aha. Soso. Und was wollt ihr da machen?"
„Nnn dnn Aaaasch fiii…", zischt es von unten.
Sonja (energisch): „Kalliope, jetzt halt endlich den Rand oder ich werf’ dich in der Schredder!"
Euterpe und Melpomene (vorsichtig): „Also … da haben wir schon so eine Idee …"
Sonja: „Äh ja… zu was jetzt genau?"
Euterpe und Melpomene: „Na, lass uns mal machen."
Sonja: „Ah ja, okay. Aber er wird nicht in den … verstanden?"
Euterpe und Melpomene (geheimnisvoll): „Nein, das nun nicht, aber …"
Sonja (streng): „Was aber?"
Euterpe und Melpomene (geheimnisvoll, fröhlich): „Och, lass dich überraschen …"
Sonja (stirnrunzelnd auf die beiden blickend): „Ihr wollt doch nur wieder …"
Euterpe und Melpomene (kleinlaut): „Na ja, nur so ein bisschen … Hast du seinen Arsch gesehen?"
Sonja (sinnierend): „Ja … ich habe seinen Arsch gesehen."
Klio (spitz, provozierend): „Ich finde ja, Kalliope hatte ihren Teil schon. Die sollte nicht mehr dürfen …"
„Wrrrmmmm stpppffft dsssrrr Schlllmmmpe knnnrr dsss Maulll!"
Sonja (entnervt und laut zu Klio und Kalliope): „Das gibt’s doch nicht … jetzt reicht’s mir endgültig mit euch beiden, ihr seid diesmal nicht dabei!"
Klio und Kalliope (schreiend): „Die hat angefangen, zum Henker!" „Chchch mchchc dchch zrrr minnna …", „Niveaulose Schlampe, du …", „Tpppfffschnttt, tpppfffschnttt …", „Schluckspecht, Schluckspecht!"
Sonja (sehr laut): „Verdammte Höllenbrut, jetzt haltet endgültig eure Schnauze, ihr verfluchten Rotzgören!"
Klio und Kalliope (verschreckt): „Was denn…?"
Sonja (noch lauter): „Nichts da! Jetzt ist Schicht! Immer dasselbe mit euch! Fünf Minuten wenn ihr zusammen in einem Raum seid – was passiert dann? Was passiert? Häää? Ihr keift euch an, wie nichts Gutes!!"
Stille. Sonja schnauft schwer, die Musen sind schwer eingeschüchtert.
Sonja (wieder ruhig, salomonisch): „Eure Strafe wird sein, dass ihr beide zusammen das folgende Schauspiel beobachtet – und so lange zusammenbleibt, bis es vorbei ist."
Klio und Kalliope (sehr eingeschüchtert, sprachlos, fassungslos): „…", „…"
Sonja (wieder zu den Musen): „Okay, Mädels: weiter, wir wollen Spaß haben – was können wir noch anstellen?"
Terpsichore: „Ich könnte ihn auf die Probe stellen. Ein kleines Spiel, ein kleiner Tanz – und denkt er wieder nur an Sex, verliert er seinen …"
„Chwwnnnz, gnnnz gnnnau, chwwnnnz abbbb!!"
Sonja und alle Musen zusammen: „Schnauze!"
Terpsichore (genervt): … seinen Kopf, dumme Kuh…"
Erato (fröhlich): „Ich weiß was, ich weiß was …!"
Sonja: „Ja, Erato, bitte?"
Erato (freudig vortragend): „Also, wenn er wieder nur an Sex denkt bei Terpsichore und seinen Kopf verlieren muss – dann hab ich mir gedacht, dann mach ich das halt einfach."
Sonja: „Willst du ihn köpfen oder wie darf ich mir das vorstellen?"
Erato (kichernd): „Nein, nein – nicht köpfen! Ich mach ihn einfach total wahnsinnig. Und zwar hinter mir. Oder heißt das nach mir? Na, wurschti. Aber das kann ich total gut!"
Alle Musen (durcheinander): „Stimmt, das kann sie … wenn sie auch sonst nichts kann … das Luder!", „So ein Luder!", „Was für ein Luder!", „Hat jemand schon erwähnt, dass sie ein Luder ist?"
Sonja: „Aha. Ja, warum nicht. Und was machen wir, wenn er davor bei Terpsichore nicht an Sex denkt und seinen Kopf behalten dürfte?"
Terpsichore (cool): „Das wird nicht passieren, meine Lieben. Sicher nicht. Der Junge wird an nichts anderes mehr als an Sex denken können, wenn ich tanze, das versprech ich euch. Und dann …"
Urania (Genießerstimme): „…Und dann komm ich. Ich wird ich ihn ein wenig … sagen wir ‚verwöhnen’, und dann schick ich ihn dann wieder zurück. Geht das…?"
Sonja (unruhig, eifersüchtig): „Aber nicht zu viel, ja…?"
Urania (besänftigend): „Neiiin… wo denkst du hin…"
Erato (fällt ein): „… Haha… ich werde ihn wahnsinnig machen! Jahaa! Den Kopf wird er verlieren!" (Sehr stolz hinterherschickend) „Er wird sich total verehren nach mich."
Alle Musen (durcheinander): „Verehren nach mich?", „Ich glaub’s ja nicht!", „Was ist bei der eigentlich schief gelaufen?", „Die war aber ganz bestimmt ein Kuckucksei!", „Soviel Titten, so wenig Hirn … Verschwendung …"
Klio (spitz): „Och, von irgendwem muss sie es ja haben, nicht wahr…"
Sonja geht zu Klios Pappe und legt sie neben Kalliopes Pappe: „So meine zwei Hübschen, ihr könnt schon mal anfangen, euch aneinander zu gewöhnen. Denn ihr werdet eine ganze Menge Zeit miteinander verbringen."
Klio und Kalliope (gleichzeitig):
„Hmmmgrlllbrmmmmpffftlrrrrrr!"
Sonja (etwas ermüdet): „Also, wo waren wir?"
Alle Musen (einstimmig): „Fertig, es kann losgehen!"
Sonja (zufrieden): „Schön. Und übrigens …" (an alle gerichtet) „Mädels, ich bin natürlich auch dabei und werde immer mal wieder ein wenig nach dem Rechten sehen …"
Alle Musen (laut murrend): „Meine Güte…"
Sonja (beruhigend): „Ist ja gut, ist ja gut, ich halte mich im Hintergrund und ihr könnt machen, was ihr wollt." (Nachdenkend, in die Runde blickend) „Dann wäre ja soweit alles klar. OK Mädels, noch irgendwelche Fragen?"
Musen (zusammen): „Keine Fragen!"
Sonja (Noch lauter): „Können wir Ladies?"
Musen (zusammen, laut): „Und wie wir können!"
Sonja (hebt beide Hände zum Himmel, geheimnisvoll und unverständlich brabbelnd): „…………….."
Ein leises Rauschen, und plötzlich strich ein kühler Lufthauch durch den Druckerraum der Werbeagentur Leuchtfeuer & Söhne und ließ alle neun Musen mit ihren Pappen leicht erzittern. Dann hörte man ein leises Kichern aus den Pappen dringen, das langsam aber unaufhaltsam zu einem dröhnenden Gelächter anschwoll und den kleinen Raum energetisch derart strapazierte, bis sich nacheinander alle Drucker von alleine anschalteten und die letzten Motive der Wodghurt-Kampagne in die britzelnde Luft spiehen.
Währenddessen feierten Nick, Doris und der Rest der Agentur ausgelassen ihren neuen Kunden. Sie hatten ja keine Ahnung. Vor allem Nick nicht.
In Nicks beschränktem Dunstkreis gehörte dieser Abend Wodghurt, dem Laster und dem Alkohol. Aber jedem Abend folgt bekanntlich ein Morgen…
Sonja (leise für sich): „Na, dann wollen wir dich da mal rausholen. Sorry Schätzchen, das wird ein bisschen wehtun…"
Copyright Ralf Kratzert 2003
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