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Vom Wert der Gerechtigkeit
Rosa war erwünscht an diesem Samstagabend, an dem Simon mit Carolin ausgehen wollte zu einem Treffen mit Patricia und Emanuel, guten Bekannten von ihm. Also suchte sie ihr einziges rosafarbenes Kleid aus dem Schrank. Es war knöchellang und mit Pailletten besetzt, hatte einen nicht allzu offenherzigen V-Ausschnitt und einen asymmetrischen Saum. Weiße Strümpfe und weiße elegante Schuhe passten gut dazu; festlich sah sie aus, als wolle sie zu einer Hochzeit gehen, nur ihre Gefühle fügten sich nicht so recht in den Rahmen … Kurz nach halb acht stand Simon vor ihrer Tür. “Rosa steht dir gut”, sagte er und nahm sie in den Arm. “Hast du auch sonst alles getan, was ich dir sagte?” – Ja, das hatte sie … Aufgewühlt umspielte ihr Schoß die Liebeskugeln, mit denen sie ihn hatte erwarten müssen, und ein Seufzen perlte von ihren Lippen. “Bist ein gutes Mädchen”, sagte er lächelnd, griff in die Jackentasche – und brachte ein schwarzes Hundehalsband hervor.
Sie wich einen Schritt zurück. Was hatte er vor, wollte er vor seinen Bekannten etwa mit seiner Sklavin prahlen? “Aber Simon … Damit kann ich mich doch nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen. Was ist, wenn ich eine Freundin treffe?”
“Du hast keine Freundin.”
“Na ja … Aber Bekannte und Kollegen.”
Ungerührt zuckte er mit den Achseln. “Sei nicht spießig. Halt still!”
Spießig? Sie? Seine Maßstäbe waren reichlich merkwürdig. Ohne weiteren Widerstand ließ sie sich das Halsband anlegen. Wozu sich sträuben? Es hatte ja doch keinen Zweck. Simon half ihr in den langen warmen Mantel. Immerhin führte er sie nicht an der Leine aus dem Haus und einem Nachbarn begegneten sie auch nicht; es lief alles bestens.
Ihr Ziel war ein Chinese. Helles Licht. Das Restaurant war vollbesetzt. Ob die Leute ihr Halsband beachteten, vielleicht belächelten, wusste sie nicht, da ihr Blick fest an Simons Kreuz geheftet blieb. Er schaute sich um, winkte erfreut und zog, nein geleitete sie zu einem Tisch, der halb versteckt hinter einem Aquarium mit bunten Fischen stand. Wahrscheinlich irgendein Zeichen für irgendeine Mafia. Nein, dieser Gedanke musste der Political Correctness zum Opfer fallen. Dahinter saßen eine Frau mit braunem halblangem Haar und kleinbusig schlanker Figur und ein ebenfalls schlanker Mann, der einen Nadelstreifenanzug trug, ein rosafarbenes Hemd ohne Krawatte – und ein schwarzes Hundehalsband! Scheu war sein Lächeln. Die Frau, Patricia, die ein schwarzes knielanges Kleid trug, nickte Carolin freundlich zu und begrüßte Simon mit einer Umarmung. “Schön, dich zu sehen.” Simon stellte Carolin den beiden vor, half ihr aus dem Mantel und rückte den Stuhl gegenüber des Mannes für sie zurecht. Vorsichtig ließ sie sich nieder. Wahrscheinlich, so dachte sie, konnte das ganze Restaurant das leise Klacken der Kugeln in ihrem Schoß hören und ihr die glühenden Gefühle ansehen.
Die Unterhaltung, die sich erst ums kalte Wetter, dann um den Schrecken der Weihnachtszeit drehte, wurde von Emanuel mit ironischen Bemerkungen angereichert. Er machte einen recht sympathischen Eindruck, wie Patricia auch. Ein eiliger Ober brachte das Essen, streifte die Halsbänder mit einem ahnenden Blick und wünschte guten Appetit. Patricia wandte sich an Emanuel. “Wolltest du mir nicht etwas geben?” Verlegen schaute er auf. “Ja, doch …” Auffordernd reckte sie das Kinn nach vorn. “Dann tu es auch. Und rede mich an, wie es sich gehört.” Zögernd griff er in die Hosentasche und zog einen länglichen Gegenstand aus rosafarbenem Kunststoff hervor, einen Batteriebehälter vielleicht, denn er hing an einem dünnen Kabel, das in seiner Hose verschwand. Verstohlen schob er ihn Patricia zu und zum kaum vernehmbaren Hauch dämpfte er die Stimme: “Bitteschön … meine Herrin.” Röte puderte seine Wangen und scheu huschte sein Blick zu Carolin. Sie lächelte ihm zu, so unbefangen es ging. Ein Schicksalsgenosse. Irgendwie beruhigend, dass es diese auch beim männlichen Geschlecht gab. Ein leises Summen erklang und er zuckte zusammen, seine Lippen öffneten sich zu einem Seufzen, sein Körper spannte sich. Wieder drehte Patricia am rosafarbenen Rädchen und das Summen verklang. Während sich Emanuel neu zu ordnen versuchte, beugte sich Patricia zu Simon herüber und fragte mit Blick auf Carolin: “Hat sie die Kugeln drin?” Er nickte und sie lächelte. “Man sieht’s ihr an. Aber hast du ihr keine Sitzhaltung beigebracht?” Bedauernd hob er die Schultern. “Doch. Aber mit dem Kleid? Und hier? Ist schon in Ordnung, wenn sie sich ausnahmsweise mal nicht dran hält.” Carolin liebte ihn.
Nach dem Essen blieben sie nicht lange. Patricia bezahlte für alle und begleitet von einigen pikierten Blicken verließen sie das Restaurant, um zu Patricia und Emanuel nach Hause zu fahren. Sie wohnten in einem Häuschen im Neubauviertel. Schön warm war’s im Wohnzimmer, an dessen Wänden einige großformatige abstrakte Bilder hingen. Von Emanuel gemalt, erfuhr Carolin. Sie legten die Mäntel ab und Patricia reckte das Kinn nach vorn. “Wollt ihr uns nicht begrüßen, wie es sich gehört?”
Oh. Unwillkürlich tauschten Carolin und Emanuel einen scheuen Blick, dann ließen sie sich auf die Knie nieder, Emanuel vor Patricia und Carolin vor Simon, alles hatte seine Ordnung. Sie holte Simons Penis hervor und schloss die Lippen darum, sah dabei aus den Augenwinkeln, wie Emanuel Patricias Kleid hochschob, das Gesicht zwischen ihre Schenkel drängte und ihre Muschi leckte. Dann sank sein Kopf an ihren schwarzumhüllten Beinen hinab und er leckte ihre Schuhe, erst den linken, dann den rechten. – Der war aber gut erzogen … Simon schob ihren Kopf zurück und sie verstaute den Penis in der Hose mit einem Lächeln zu ihm hoch. Sie erhob sich von den Knien und auch Emanuel stand auf. “Zieht euch gegenseitig aus”, sagte Patricia. Erneut begegneten sich ihre Blicke, als wollten sie sich gegenseitig um Entschuldigung bitten. Sie konnten ja nichts dafür … Emanuel trat hinter sie, zog den Reißverschluss des Kleides herab und zerrte es ihr vom Leib, enthüllte die nackte Haut und den rosafarbenen Strapsgürtel, den sie auf Simons Geheiß extra für diesen Abend hatte kaufen müssen. Patricia musterte sie anerkennend. “Sie ist wirklich sehr schön.”
Simon lächelte stolz. “Ja. Sie ist ein Engel.”
Beide betrachteten sich andächtig, wie sie Emanuels Hemd aufknöpfte, es ihm auszog, dann vor ihm auf die Knie ging, seine Hose öffnete und sie herunterstreifte. Ein rüschenbesetzter rosafarbener Damenstring kam zum Vorschein, kaum konnte das bisschen Stoff sein schwellendes Geschlecht bedecken. Er klemmte das rosafarbene Kästchen unter den Bund und zog sich die schwarzen Socken aus, während sich Patricia und Simon nebeneinander auf dem Sofa niederließen. Carolin musste vor ihnen niederknien und Emanuel holte ein Tablett mit einer Flasche Sekt und zwei hochstieligen Gläsern aus der Küche. Auch er ließ sich auf die Knie nieder und schenkte die Gläser halb voll. Lächelnd stießen Patricia und Simon miteinander an. “Die beiden geben ein hübsches Pärchen ab”, sagte Patricia. “Ich denke, sie könnten uns ein bisschen von ihrer Lust zeigen.” Simon nickte zustimmend und sie lächelte den beiden zu. “Also, geniert euch nicht voreinander. – Macht euch gegenseitig heiß!”
Näher rutschten sie aufeinander zu und zögernd streckte Carolin die Hand aus, befühlte den zarten String und streichelte das schwellende Geschlecht darunter, während sich Emanuels Hand zwischen ihre Beine schob und neugierig nach den Kugeln in ihrem Schoß tastete. Ihre erregten Seufzer vereinten sich.
“Sie scheinen Gefallen aneinander zu finden”, sagte Patricia zu Simon. “Weißt du, er hat sich sehr danach gesehnt, mir einmal vor fremden Augen zu Füßen zu kriechen. Als ich ihm dann auch noch sagte, dass er eine hübsche Sklavin zur Gesellschaft bekommen würde, war es für ihn wie Weihnachten. Nicht wahr, Emanuel?” Sein Blick huschte zu ihr hoch. “Ja, meine Herrin.” Sie lächelte wohlwollend. “Und weil ich dir eine gute Herrin bin, kannst du heute das ganze Programm haben. – Bring mir die Peitsche.”
Augenblicklich ließ er von Carolin ab und wollte sich erheben, doch nagelte ihn ihr Blick auf den Knien fest. Ihr Zeigefinger wies auf den Boden und er koch auf allen vieren zum Schrank hinüber, öffnete eine Schublade und brachte eine kurze Peitsche mit mehreren Riemen hervor. “Bring sie mir so, wie ich es dir beigebracht habe!” Sein Blick huschte zu Carolin herüber, als wolle er sie um Vergebung für seine Unterwürfigkeit bitten – ausgerechnet sie! –, dann steckte er sich den Peitschengriff quer in den Mund und kroch zu seiner Herrin zurück. Vor ihr angekommen hob er den Kopf, um ihr die Peitsche zu reichen, doch rührte Patricia sie nicht an. “Gib mir erst das Rädchen.” Mit einem ebenso bangen wie erwartungsvollen Blick zu ihr hoch fummelte er das rosa Kästchen unter dem Bund des Strings hervor und reichte es ihr mit beiden Händen. “Es soll dir heute an nichts fehlen”, sagte sie fürsorglich und das Summen erklang. Ein Stöhnen brach von seinen Lippen und sein Körper bewegte sich wie ein Treibholz auf Meereswellen. Sachte drehte Patricia noch etwas mehr am Rädchen. “Das bleibt jetzt an”, sagte sie und gab ihm das Kästchen zurück. Seufzend brachte er es wieder an seinen Platz zwischen dem Hüftknochen und der leichten Wölbung des Bauches. Patricia nahm die Peitsche aus seinem Mund und wies auf den Boden. “Geh schon mal in Position. Ich komme gleich.”
Er drehte sich auf den Knien um, kroch ein Stück weit von ihr weg, stützte sich auf die Unterarme und bettete das Gesicht auf den blauen flauschigen Teppich. “In die richtige Position! Sei nicht so geniert.” Seine Knie gingen weiter auseinander und sein Po reckte sich in die Höhe. Seine Seufzer übertönten das leise Summen und sein Unterleib pulsierte aufgewühlt. Carolin hätte nicht geglaubt, einmal einen Mann so erniedrigt dargeboten zu sehen.
“Ich werde es nie verstehen, aber er sehnt sich immer wieder danach”, sagte Patricia zu Simon. Sie trank einen Schluck Sekt, ließ Emanuel noch einen Moment mit seiner Erregung alleine und trat dann neben ihn. “Du sagst mir doch immer, dass auch ein artiger Sklave hin und wieder die Peitsche braucht, einfach zur Förderung des Respekts vor der Herrin, nicht wahr?” Noch bevor er etwas erwidern konnte, klatschten die Riemen auf seinen Po. Wie viele Hiebe Patricia ihm versetzte, zählte Carolin nicht. Acht oder neun oder zehn vielleicht. Und jeden beantwortete er mit einem schmerzvollen Stöhnen. Sein Hintern war gerötet, als sie die Hand sinken ließ, und sein Gesicht lag auf dem Unterarm, in den er die Zähne grub.
“Reicht dir das?”
“Ja, meine Herrin. Es war viel.”
Erneut traf ihn die Peitsche und mahnend klang Patricias Stimme. “Ob es viel ist oder nicht, steht dir zu beurteilen nicht zu.” Ihr Blick schweifte zu Simon und die Peitsche wies auf Carolin. “Sie auch?”
Er überlegte einen Moment, dann erblühte in seiner Miene ein Lächeln. “Dafür, dass sie vorhin im Restaurant nicht richtig saß, hat sie eigentlich fünf Hiebe verdient.”
Was? Das konnte er doch nicht machen. “Aber Simon … Hast du nicht selbst gesagt, dass es mit meinem Kleid und in diesem Restaurant nicht möglich ist?”
“Jetzt sind es sechs.” Sein Zeigefinger wies auf den Boden. Er wollte sie in der gleichen Position wie Emanuel sehen.
“Simon, bitte … Das ist ungerecht …”
“Sieben. – Willst du weiterdiskutieren?”
Sie ließ sich auf die Unterarme nieder, bettete das Gesicht auf den Teppich und reckte den Po empor.
“Sie ist richtig süß”, sagte Patricia. – Na ja, diese Häme hatte sie sich verdient, dachte Carolin, denn seit wann gab es für eine Sklavin Gerechtigkeit? – “Schau mal diesen Hintern. Er ist viel zu schön, um nicht geschlagen zu werden. Findest du nicht auch, Emanuel?” Auf seine Antwort hätte man ein Vermögen setzen können. “Doch, meine Herrin.” – Gewonnen! – “Komm hoch. Das darfst du tun.” Etwas ungelenk erhob er sich von den Knien und näherte sich Patricia mit gesenkten Lidern. Die Macht des Geistes … Er war einen halben Kopf größer als sie und gewiss viel kräftiger. Das aber spielte keine Rolle. Herausfordernd schaute sie ihn an. “Willst du nicht ein artiger Sklave sein?” Wortlos beugte er die Knie zu einem Knicks. Mit einem lobenden Lächeln reichte sie ihm die Peitsche und mahnend hob sie den Zeigefinger. “Aber sei nicht zu zaghaft!”
Wie still es plötzlich war. Nur das unbeirrte Summen war zu hören und Emanuels aufgewühlte Seufzer. Dann klatschten die Riemen auf Carolins Hintern. Nein, zu zaghaft war Emanuel ganz sicher nicht. Anscheinend bereitete es ihm Lust, zur Abwechslung mal Schmerz zuzufügen anstatt ihn zu erleiden und einen wehrlosen Po unter den Riemen zucken zu sehen. Feuer brannte auf ihrer Haut und ihr Stöhnen füllte das Zimmer. Sieben Hiebe waren nicht wenig; jeder von ihnen tat weh und sie alle waren unverdient. Die reine Willkür. Warum nur ließ sie das alles immer wieder mit sich geschehen? – Endlich war es überstanden. Kein neuer Hieb klatschte auf sie herab, sie konnte aufatmen.
Simon rief nach ihr und sie kroch zu ihm hin, bettete das Gesicht in seinen Schoß. Zärtlich streichelte er ihr Haar. Ihre Hand rieb den brennenden Hintern, wohlig umspielte ihre Muschi die drängenden Kugeln. Durch die Hose hindurch spürte sie das pralle Geschlecht und hauchte einen Kuss darauf. Eigentlich, so merkte sie, wollte sie gar keine Gerechtigkeit haben, sondern lieber einen strengen Herrn, der nach seinem Belieben mit ihr umsprang. Das war viel aufregender … “Ich liebe dich”, flüsterte sie mit einem Lächeln zu ihm hoch.
Copyright Jürgen B. Greulich 2007
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