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Tschau Mr. E.

Kate H. 

Cool, ein ganzes Abteil, allein für mich. Ich öffne die Schiebetür. Es riecht muffig. Egal. Ich lege meinen Rucksack auf den Gepäckhalter, setze mich auf einen der vergilbten Sitzplätze und schaue nach draußen. Leute winken. Ich winke zurück. Sie schauen erstaunt, als sie mich winken sehen. Ich grinse vor mich hin. Der Zug fährt los und ich hole die trockenen Butterkekse und ein Buch aus meiner Handtasche. Das Buch ist nicht leicht zu lesen. Immer wieder muss ich Textpassagen wiederholen. Auch beim zweiten Mal verstehe ich sie nicht. Doch ich will das Buch durchlesen, zum Ende bringen so schnell wie möglich. Ich denke ganz pragmatisch an das Gewicht meines Rucksackes. Der Rucksack ist schwer und er wird leichter je mehr ich an Inhalt abwerfe. Dazu gehört dieses Buch. Ich denke nur das Buch nimmst du nicht mit nach Hause, auf keinen Fall. Meine Gedanken werden unterbrochen, denn die Schiebetür des Abteils öffnet sich. Ein gutaussehend mitte zwanziger Mann betritt das Abteil.
„Ist hier noch frei?“ fragt er.
Ich schaue auf und antworte mit einem knappen „Ja.“
Er setzt sich auf den Fensterplatz, genau gegenüber.
Das muss doch nicht sein, denke ich. Ich bin ein wenig irritiert. Ich versuche mich mehr in mein Buch zu vertiefen und so zu tun als wäre er nicht anwesend. Ich ertappe mich dabei wie ich zu ihm hinschaue. Auch er hat inzwischen seine Reiselektüre herausgeholt und es macht den Anschein als würde er sich dem sehr intensiv hingeben. Er sieht nicht besonders aufregend aus. Er trägt eine Brille, T-shirt und geradewegs unattraktiv sind die weißen Tennissocken. Ich bin beruhigt. Kein Kandidat der in meiner Sexualbiographie Platz findet. Weiße Tennissocken haben mich noch nie angezogen. Nach geraumer Zeit fragt er: „Hast du etwas dagegen, wenn ich das Fenster ein bisschen aufmache?“
„Nein, ist ok.“
„Danke.“ Er öffnet das Fenster und setzt sich zurück auf seinen Platz. Inzwischen habe ich das Buch beiseite gelegt und mich meinen Butterkeksen zugewendet.
„Willst du einen?“, frage ich ihn.
„Ja, warum nicht.“ Er nimmt einen und beißt ab. „Lecker.“
„Gar nicht so schlecht, oder?“, sage ich. „Wo fährst du eigentlich hin?“
„Nach Köln. Ich habe da Freunde, die ich besuche. Und du?“
„Ich fahre nach Hause, nach Leipzig. Kennst du Leipzig?“
„Ja, schon mal gehört. Ist es schön da?“
„Ja, Leipzig ist sehr schön, schön grün und ruhig. Und du? Wo lebst du?“
„Neapel.“
„Ach echt. Da war ich fünf Tage. Die Straßen etwas düster, aber ansonsten ganz ok.“
„Meistens liebe ich die Stadt, aber es gibt Tage da hasse ich Neapel.“
Ich zucke mit den Schultern. Wir schweigen, bis mir einfällt, dass ich ihn nach seiner gegenwärtigen Tätigkeit fragen könnte.
„Was machst du in Neapel?“, folge ich meinen Gedanken.
„Ich studiere Medizin. Naja, mein Spezialgebiet ist die Gynäkologie. Da möchte ich hin. Da verdienst du am meisten Geld.“
„Echt?“, frage ich ihn erstaunt, „du meinst mit weiblichen Vaginas und deren Deformitäten machst du die meiste Kohle?“
„Ja, zumindest in Italien.“
„So, so.“ Ich schüttle den Kopf und lache. Er lacht auch. Dabei kann ich seine weiß aufblitzenden Zähne sehen. Ich vergleiche sie mit den Tennissocken. Die Zähne bekommen zehn Pluspunkte während die Tennissocken sich nicht aus der Nullerecke hinaus bewegen.
„Ich lese noch ein bisschen“, sagt er.
„Ja, natürlich. Ich auch.“
Ich schlage mein Buch auf und vertiefe mich in den Textpassagen. Er liest eine italienische Tageszeitung. Für mich als Leserin die Stille benötigt, ist das ein erhöhter Schwierigkeitsgrad. Das Rascheln unterbricht immer wieder meinen Lesefluss. Gott sei Dank beendet er seine Lektüre nach einer halben Stunde. Draußen ist es Dunkel geworden. Der Zug fährt gleichmäßig dahin. Ich liebe es, wenn es draußen dunkel ist, du sitzt in einem Zug und fährst durch die Landschaft, die du nicht sehen kannst. Ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit macht sich breit.

 

Erotische Kunst von Desperado Maria Eros 

„Hast du etwas dagegen, wenn ich die Sitze ausziehe?“, fragt er mich.
„Nein. Kein Problem.“
Er zieht die Sitze aus, so dass eine Art Riesenbett entsteht. Ich lege mein Tasche an das Kopfende und hole meinen Schlafsack aus dem Rucksack. Ich lege mich hin und bedecke mich mit dem Schlafsack. Er zieht die Gardinen zu, löscht das Licht und legt sich mit einem Abstand von dreißig Zentimetern neben mich.
„Gute Nacht.“, sagt er.
„Gute Nacht.“
Ich schließe die Augen und öffne sie wieder. Ich kann nicht schlafen. Ich drehe mich zu ihm und lege meinen Arm auf seinen Bauch. Plötzlich spüre ich wie seine Hand zu meinem Schultern gleitet. Er dreht sich zu mir und während er mit seiner Hand mir über den Rücken streicht, fühle ich im selben Moment seine Lippen auf meinen Lippen. Er küsst mich. Er küsst mit einer Intensität die mich dahin schmelzen lässt. Seine Zunge bewegt sich in meinem Mund hin und her, bis sie mit meiner Zunge Kontakt aufnimmt. Es ist wie eine Art Kampf. Beide Zungen ringen miteinander. Ich spüre eine Lust in mir, die zunehmend stärker wird. Ich atme schneller und lauter. Ich schiebe meine Hand unter sein T-Shirt und berühre damit seinen Rücken. Es fühlt sich gut an. Muskeln und glatte Haut. Ich wandere mit meiner Hand von seinem Rücken, über den Bauch zu seinem Penis. Ich spüre die Schwellung. Aha, hot, denke ich. Ich versuche den Gürtel seiner Hose zu öffnen. Es ist schwierig. Er schiebt meine Hand zur Seite und öffnet mit einer grazilen Handbewegung den mechanischen Verschluss. Ich versuche mich an dem Hosenknopf, der Gott sei Dank leicht nachgibt. Den Reißverschluss ziehe ich mit einer ebenso raschen Handbewegung nach unten. Meine Hand fühlt Stoff. Weg damit, denke ich und ziehe die Unterhose ein Stück nach unten. Ich berühre seinen Penis. Von Oben nach Unten gleite ich langsam hinab bis ich an der Spitze verweile. Mit meiner Handinnenfläche umfasse ich die Eichel. Mit unterschiedlicher Intensität drücke und reibe ich. Er liegt einfach da, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und er stöhnt. Ich denke an den Schaffner. Was ist wenn er plötzlich zur Tür hineinkommt. Ich verscheuche den Gedanken. Jetzt bloß nicht zwanghaft werden. Es ist einfach zu schön. Und während ich versuche gedanklich den Weg zu meiner und seiner Lust zu bahnen liegt er schon auf mir und küsst mich. Er küsst mich am Hals, an den Ohren und auf den Mund. Ich spüre sein Gewicht und weiß er ist schwer, so richtig schwer. Mir ist als würde er mit seinem ganzen Körper versuchen in mich hineinzukommen. Seine Zunge umringt meine Zunge und raubt mir fast vollständig den Atem, sein Ober und Unterkörper bedeckt meinen Körper. Sein Penis ist hart und fest auf mein noch bedecktes Schambein gepresst. Und jetzt, er geht in eine etwas gelockerte Haltung und schiebt den Unterteil meines Kleides nach oben. Er nähert sich dem Tanga den ich trage, hakt sich mit dem Mittelfinger ein und zieht ihn sanft zu den Füßen. Mit Hilfe der Füße streife ich den Tanga ganz von mir ab. Gleichzeitig zieht er seine Hose und Unterhose aus. Ganz langsam legt er sich auf mich. Er küsst mich und ich spüre ich seinen Penis am Eingang meiner Vagina. Ich ziehe mein rechtes Bein ein wenig zur Seite. Ich winkle es an und denke los, mach schon, schieb ihn rein. Er hält inne. Was ist los, was macht er, warum zögert er?
„Ich kann nicht“, höre ich ihn sagen.
„Warum nicht, was ist los?“
„Ich weiß nicht, meine Freundin oder vielleicht hier im Zugabteil, ist irgendwie komisch. Keine Ahnung.“
„Das hatte bis vor wenigen Sekunden aber ganz anders ausgesehen. Und nun? Was machen wir jetzt?“
„Du machst es mir mit dem Mund.“
„Du meinst ich soll dir einen Blasen?“
„Ja.“
Er beugt sich zu mir und küsst mich. Er greift mit seinen Armen unter meine und zieht mich ein wenig nach oben. Ich sitze. Ich habe keine Lust ihm einen zu blasen. Warum? Er hat meiner Lust eine Abfuhr erteilt und nun soll ich ihm den Sonderzuschlag, die Sahne auf dem Eis als Sahne ohne Eis servieren.
„Nein, mach ich nicht so gern“, sage ich.
„Ja, wenn das so ist, schade.“ Er legt sich neben mich und schweigt. Die Situation ist merkwürdig. Ich spüre meine noch nicht verloschene Lust und die Hitze seines Körpers.

 

Erotische Kunst von Desperado Maria Eros 

„Nicht so schlimm“, sagt er und streicht mir über die Wange. Er schiebt seine Zunge in meinen Mund. Wir küssen uns lang anhaltend. Ich stöhne. Dabei streicht er zärtlich über meine Brüste. Er richtet sich auf und plötzlich, ich kann es nicht fassen befindet sich die Spitze seines Schwanzes in meinem Mund. Wie hat er das nur gemacht? Ich will ihn von mir abschütteln, doch gleichzeitig merke ich dass es Spaß macht die Eichel mit der Zungenspitze zu kitzeln.
„Geht es?“, fragt er mich.
Wie beim Zahnarzt antworte ich mit einem mehr oder weniger unaussprechlichem „Ja, ist gut.“ Es schmeckt ein bisschen salzig. Gut, Neapel liegt am Meer. Wenn er öfters mal baden geht, kann schon sein, dass es dann zu Salzablagerungen kommt. Ich finde langsam Gefallen. Ich gehe mit der Zunge von der Spitze bis zum Ansatz und wieder zurück. Ich lecke und schließe meine Lippen. Ich höre ihn tief atmen. Sein gesamter Körper bewegt sich und ebenso kommt sein Penis in Fahrt. Er schiebt ihn rein, dann zieht er ihn raus. Niemals ganz. Kurz bevor er meinen Mund verlassen könnte, gibt es einen Umkehrmechanismus und der Penis gleitet mit begleitendem Stöhnen in meine Mundhöhle. Ich komme auf absurde Gedanken wie erwärmte Gefäße für Männer die mit einer Art Schleimhautmasse staffiert sind, mit den sich die Schwänze dieser Welt morgens und abends oder wann immer sie wollen Lust verschaffen können. Wahrscheinlich gibt es die schon längst.
Er beschleunigt seine Bewegungen. Er wird schneller und auf einmal ist sein Penis nicht mehr in meinem Mund. Ich sehe Umrisse. Er selbst hat Hand angelegt. Er macht es by himself. Er schiebt, zieht, reibt und drückt bis sich sein Gesicht zu einem schmerz erfüllendem Ausdruck verzehrt. Mit einem tiefen Ahhh entleert er sich. Der Samen spritzt über alle Erwartungen hinaus. Plötzlich spüre ich Feuchtigkeit, kleine Tropfen auf meinem Oberkörper. Ich fahre mit dem Zeigefinger über den Stoff des Kleides. Auch da, verteilte Samenflüssigkeit. Ich bin irritiert. Ich suche die Handtasche. Ich klappe das Handy auf. Handylicht. In einer Seitentasche finde ich die Tempotaschentücher mit denen ich mir das Sperma vom Kleid wische. Ich ziehe die Träger meines Kleides nach oben und schaue zu ihm. Er liegt selbstvergessen auf der Pritsche und starrt nach oben in die Dunkelheit.
„Toll“, sagt er.
Ich lege mich zu ihm und sage nichts.
Ich fühle mich komisch, unausgelastet. Als hätte ich acht Stunden gearbeitet, eigentlich aber nichts gemacht. Ich schließe die Augen und denke über Gleichheit, Gerechtigkeit und Emanzipation nach. Dann schlafe ich ein.

 

Die Schokospalte ist ein Storyband mit erotischen Geschichten unserer Autorin Anita Isiris.

Es klopft an die Tür. Ich öffne die Augen und stelle fest es ist Tag. Der Schaffner tritt ein.
„Fahrkarten bitte!“ Ich stehe auf und suche die Handtasche. Sie liegt am Fußende. Ich fische die Fahrkarte heraus und drücke sie dem Schaffner in die Hand. Er stempelt ab. Ich höre es Rascheln. Mr. Ejaculatio oder besser abgekürzt mit Mr. E sucht seine. Ich nenne ihn so, da ich seinen Namen nicht weiß. Es wird mir bewusst, ich habe ihn nicht danach gefragt. Dann fallen mir all die Dinge ein, die ich in dieser Nacht getan habe. Ich werde rot. Der Schaffner, mein Kleid. Ich neige den Kopf zur Brust. Ich sehe winzige Flecken auf dem blauen Kleid. Kann der Schaffner diese sehen und kann er erahnen, was ich und Mr E. weiß. Oder bin ich hier die einzige die sich an die Ejakulationsrichtung erinnern kann. Ganz ehrlich glaube ich, dass Mr E. vergessen hat in welche Richtung sein Sperma gespritzt ist. Vielleicht hat er es auch gar nicht gewusst, denn in diesem Moment ging es ihm nur um das Tun und nicht um die Richtung. Der Schaffner steht geduldig in der Tür und wartet. Endlich Mr. E hat die Fahrkarte gefunden. Der Schaffner stempelt ab, bedankt sich und wünscht gute Weiterreise.
„Danke“, sagen er und ich gleichzeitig. Wir schauen uns an und wissen nicht was wir sagen sollen. Nach einer Schweigeminute eröffnet er das Gespräch.
„Alles ok?“, fragt er mich.
„Ja, alles bestens.“
„Bei dir?“
„Ja gut, alles gut. In einer Stunde sind wir in Köln. Dann.....“ Er macht eine Pause. Also dann sehen wir uns nicht mehr. Gib mir doch deine Email. Dann kann ich dir schreiben!“
„Wirklich, meinst du das ernst?“
„Ja natürlich. Also, ich schreibe dir wenn ich zurück bin in Italien.“
Ich zweifle an seiner Aussage. Ich erinnere mich an den Beweggrund keinen Sex mit mir zu haben. Hat er nicht das Wort Freundin in den Mund genommen, bevor ich dasselbe mit seinem besten Stück tat. Na gut. Ich nicke ihm wohlwollend zu.
„Ja klar, wenn du willst.“
Die letzten fünf und vierzig Minuten verbringe ich mit Lesen, aus dem Fenster starren und an Butterkeksen herumknabbern. Das Riesenbett hat Mr. E in Windeseile zu Sitzplätzen umgebaut. Ich habe meinen Schlafsack eingepackt. Er auch. Das Abteil sieht wieder genauso aus wie zu Beginn der Fahrt. Als der Zug den Bahnhof erreicht, wirft er sich Jacke und Rucksack über. Er nimmt meine Hände gibt mir einen Kuss auf die linke und einen auf die rechte Seite der Wange.
„Tschau“, sagt er. Er öffnet die Tür des Abteils. Noch einmal dreht er sich um. Er lächelt. Ich warte noch ein wenig. Die Ersten verlassen den Zug. Hier ist Endstation. Ich habe es nicht eilig. Ich erhebe mich von meinem Sitzplatz, nehme den Rucksack, öffne die Abteiltür und schaue zurück.
„Tschau“, sage auch ich.

 

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1 Kommentar

11.05.2011 00:50 Geumelbär
Kenne ich in umgekehrter Richtung. Zürich- Köln... Sie zum Hecheln geleckt wie ein Weltmeister... sie sich geziert mein Schwanz anzufassen.


 

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