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Traum eines Betriebsblinden
Die Frauen des Betriebs sind alle nackt. Nur die Gesichter sind durch kunstvolle Masken verdeckt.
Er schaut sich alle Leiber ganz genau an. Denn er sucht einen bestimmten. Den Leib, der für ihn bestimmt ist. Einen Körper, auf den er schon lange ein Anrecht zu haben glaubt. Auch die nackten Männer tragen ihn eingeschlossen alle Masken. Die kleine Madame mit den rosigen Brustwarzen, und dem viel zu großen Hintern ist nichts für ihn. Er sucht Fräulein Böltz. Seit langem schon liebt er sie. Sie hat so hübsche, feste Beine. Kräftige Oberschenkel, und einen hervorstechenden Hintern, der jedoch nicht zu groß wirkt. Es ist nicht schwer, sie sich nackt vorzustellen. Er hat sie auch bald gefunden. Sie scheint ihm zuzuwinken. Betont langsam geht er auf sie zu. Dann nimmt er sie bei der Hand, und kaum liegt sie auf dem Futon, da spürt er schon sein Verlangen, und nimmt sich ihren Arsch vor. Immer schon wollte er es ihrem Arsch zeigen. Und sie stöhnt gefällig. Was für eine Freude. Links und rechts und vor ihm und hinter ihm. Überall treiben es die Pärchen, und er ist einer der Männer, die es besonders hart lieben. Bald sinkt er erleichtert zusammen, und die Frau lüftet ihre Maske, wie es nach der Begattung üblich ist. Zu seinem Entsetzen muss er zur Kenntnis nehmen, dass es nicht Fräulein Böltz ist, deren Arsch er so großartig aufgerissen hat. Es ist stattdessen eine kleine Nummer aus dem Personalbüro; eigentlich unscheinbar, und mit viel zu großen Augen. Er wendet sich gleich von ihr ab. Sein Irrtum ärgert ihn ziemlich. Aber noch ist ja genug Zeit, das betriebliche Treiben durch eigenes Zutun zu unterstützen. Er findet es gut, dass die Frauen nach dem Akt kurz ihre Gesichter zeigen. Die Männer dürfen anonym bleiben. Dieses Spiel gefällt ihnen. Es ist eine Männerphantasie, die sich erfüllt. Und er ist einer der Männer, die keine Chance auslassen wollen. Noch etwas verärgert von der Enttäuschung ist er sich noch sicherer als beim ersten Versuch, Fräulein Böltz als Sexualpartnerin auszuwählen, als er eine großärschige, mit riesigen Brüsten, und sehr kräftigen Oberschenkeln ausgestattete Frau ohne Vorwarnung von hinten nimmt, und gezielt durchrammelt. "Fräulein Böltz, Sie verdammte Hure; Sie großärschige Fotze", schreit er ständig, bis er endlich seinen kleinen Höhepunkt hat. Sein Schrecken kennt keine Grenzen, als sich dieses weibliche Wesen schließlich zu erkennen gibt. Es ist die Frau des Direktors, die von ihm in die Hölle der Lust entführt worden war. "Nein, nein", schreit er, und läuft davon. Niedergeschlagen holt er sich ein Gläschen Sekt an der Bar. Ihm ist, als gäbe es keine Rettung für seine Seele. So sehr hatte er von Fräulein Böltz geschwärmt. Und war es nicht eine bloße Einbildung, dass sie die Frau seines Herzens sei? Bald schon stürmt er wieder den Saal. Nirgends ist eine Frau zu sehen, die auch nur annähernd seiner Traumfrau ähnelt. Ein Frauchen ist jedoch unverkennbar. Das "Kleinchen", wie sie von den Männern des Betriebs gehänselt wird. Sie ist tatsächlich von sehr kleinem Wuchs. Und als er sie ansieht, wirkt sie auf ihn wie eine nackte Puppe, die zerbrechen könnte, wenn sie mit seinen Händen in Berührung kommt. Er denkt an Fräulein Böltz, und deren wunderbar kräftige Oberschenkel, den unglaublichen Arsch, und die Riesenbrüste, als er zwischen den Beinchen des Kleinchens mit voller Kraft arbeitet. Er schüttet sich endgültig aus, wie er sich nachher eingesteht. Diesmal kann es keine Überraschung geben, und es ist auch keine Überraschung. Das "Kleinchen" lüftet die Maske, und sagt, dass sie erfreut sei, ihn kennen zu lernen. "Ja, ja", sagt er, und geht wieder an die Bar, um sich dem Suff zu ergeben. Fräulein Böltz wird er nicht mehr finden. Dessen ist er sich sicher. Aber wen sieht er da plötzlich herumstolzieren? Als einziges Wesen in dem riesigen Saal ohne Maske, und auch nicht nackt? Fräulein Böltz! Sie trägt das Kostüm einer Kellnerin und wirkt unnahbar. Wenn er sich nicht ausgepumpt hätte, wäre er über sie hergefallen, hätte sie ausgezogen, und sich an und mit ihr vergnügt. So steht er nur träge an der Bar, und nuckelt an einem Strohhalm, der ihn mit Whisky versorgt. "Fräulein Böltz, wenn Sie wüssten", sagt er noch, bevor ihn ein Wecker aus dem Schlaf reißt.
Copyright Jürgen Heimlich 2004
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