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Therapie, Die Teil1

Ric 

Vincent wusste nicht, ob er richtig fühlte. Er wusste es schon lange nicht mehr, keine Ahnung wie lange schon. Doch obwohl er litt, so sehr, wie er es sich nie hätte vorstellen können, empfand er noch dieses andere, dieses unglaublich erregend Fremde. Durch die Zähne holte er zischend Luft und presste sie durch die Nase wieder heraus.
Er liebte seine Freundin, die vielleicht bald seine Frau sein würde, das zumindest war klar. Doch Vincent ahnte, dass es nicht so einfach war. Nichts an seinen Gefühlen war inzwischen noch einfach oder klar. Es hatte sich alles verändert, sein ganzes Leben. Und wahrscheinlich auch Sabinas.
Wenn er vielleicht versuchte objektiv und ruhig darüber nachzudenken, was Sabina ihm bedeutete …. Dann gab es keine Gewissheit. Vincent kniff die Augen zusammen und legte seinen Kopf verzweifelt in die Hände, die in seinem Schoß lagen. Er fror. Die Kälte war fast unmenschlich, er zitterte am ganzen Körper. Doch es stand ihm nicht zu, sich in Selbstmitleid zu verlieren. Das war nicht seine Rolle. Und das passte auch nicht zu ihm.
Langsam rieb er sich das Gesicht und hob den Kopf wieder aus seinen Händen. Er hatte sich inzwischen schon an die Dunkelheit gewöhnt, sodass seine Augen den schwachen Lichtschimmer, der aus einer Ecke des Raums kam, wahrnahmen. Dort war die Tür, das zumindest wusste er. Carla ließ sie immer einen winzigen Spalt offen, gerade genug, damit er hier nicht verrück wurde. Bisher war es so, sie hatte es versprochen. Eigentlich hielt sie sich immer an ihre Versprechen, doch oft kam es vor, dass ihre Rolle es verlangte sie zu brechen.
Und jedes Mal, wenn er den Raum betrat, hatte er Angst davor, heute würde sie es tun.
Vincent versuchte sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Schließlich war er aus genau diesem Grund hier, in dieser Kälte. Carla hatte es ihm in ihrer nüchternen, einfachen Art erklärt. Der Aufenthalt in diesen Temperaturen, hatte sie gesagt, werde es ihm einfacher machen, sich alles Geschehene besser vorstellen zu können. Obwohl sie damals versucht hatte, ihm die Mechanismen, die das Gehirn veranlassen würde in lebensbedrohlichen Situationen sozusagen auf Hochtouren zu arbeiten, erklärte, hatte sich Vincent nicht vorstellen können, wie so etwas funktionieren sollte. Doch schon beim ersten Mal, vor etwa zwei Monaten, überkamen ihn die Bilder in einer Heftigkeit, wie er es nie vorher erlebt hatte. Sie waren so überwältigend, dass er die Wolldecke, die neben ihm auf dem Boden lag und die ihn nach anfänglichem mulmigem Gefühl schließlich beruhigt hatte, noch nie in Anspruch genommen hatte. Bei all der Kälte war es das wert. Vincent schloss die Augen und konzentrierte sich auf seinen Atem, der stockend vor sich hin floss. Zitternd dachte er an Sabina, ihr hübsches Gesicht und ihren schönen, weichen Körper. In seiner Vorstellung bewegte sie sich mit dem Fremden wie zwei Teile einer Maschine, bei der die Zahnräder ineinander griffen, mit flüssigen, lockern Bewegungen. Während er nur mit herunter gezogener Hose auf der Bettkante sitzt, hat sie sich mit gespreizten Beinen auf seinem harten Schwanz nieder gelassen. Sie kniet förmlich auf ihm. Die Hände des Mannes streichen liebkosend über Sabinas Beine, die sich Oberschenkel an Oberschenkel an ihm reiben. Dann packt er plötzlich ihre Pobacken und hebt sie kraftvoll auf und nieder. Der Gedanke an eine Maschine drängte sich wieder in sein Gehirn und Sabinas Stöhnen mischt sich perfekt in das aneinander Klatschen der Körper. Trotz der Kälte spürt Vincent, wie sich sein Schwanz mit Blut füllt. Er weiß, was als nächstes kommt. Hat er erst einmal diesen Zustand erreicht, wünscht er sich immer das Gleiche. Dieser Fremde zu sein. Und das ist das brutalste an der Sache, denn obwohl er wusste, dass hier, in seiner Erinnerung, die Frau, die er liebte von einem anderen Mann gefickt wird, überkam ihn die geilste Erregung, die er sich vorstellen konnte. Vince ballte die Hände zu Fäusten und biss die Zähne aufeinander, bis sie weh taten. Alles in ihm drängte danach nach seinem Glied zu greifen und es zu reiben. Diese Phase war die Schlimmste und er war schon mehr als einmal nahe daran nachzugeben und sich der Anordnung zu widersetzten. Doch schon wenige Sekunden später spürte er, wie die Anspannung in seiner Leiste nach ließ und er sich entspannte.

 

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Schwer atmend stand er auf und wankte in Richtung des Lichtscheins. Er presste die eisige Tür mit dem Arm auf und ging unsicher den Gang entlang zur Garderobe. Immer noch zitternd nahm er seine Kleider vom Bügel und sah den Zettel. Er lag wie immer unschuldig weiß auf dem roten Samtbezug des Stuhls, der neben der Tür stand. Auf der rechten oberen Ecke prangte das Zeichen, die schwarze Eule auf rotem Grund. Während er sich anzog, las er in Carlas fein geschwungener Schrift das Datum. 24. 10. Sabinas Geburtstag. Vincent musste schlucken. Dann nahm er das Papier, steckte es in die Innentasche seines Jacketts und verließ das Haus.

Vincent und Sabina waren schon seit einem knappen Jahr ein Paar. Kennengelernt hatten sie sich auf einer Jubiläumsfeier des Werbegrafikers bei dem Sabina arbeitete. Vincent war Geschäftsführer einer großen Apotheke in der Innenstadt und ließ in regelmäßigen Abständen Werbebriefe drucken. An diesem Tag hatte er eigentlich nur widerwillig die Einladung der Werbefirma angenommen, da die Feier an einem Freitagnachmittag stattfand und er sich für das Wochenende mit Freunden zu einem Segeltörn verabredet hatte. Natürlich hatte Sabina als Sekretärin viele Kundenkontakte, doch Vincent kannte sie nur aus Telefongesprächen. Und als er diesem Abend in zwangloser Runde Sabina vorgestellt wurde, konnte er dieser erotisch-weiblichen Stimme endlich eine Frau zuordnen. Es war Spätsommer und sie trug ein rückenfreies Kleid, das ihre schmale Figur und die langen Beine betonte. Doch das Aufregendste war unbestritten ihr hübsches Gesicht, umrahmt von brünetten, langen Locken, die bei jeder schnellen Bewegung wie ein Cape über ihre Schultern strichen. Vince konnte nicht den Blick von Sabinas Augen lassen und jedes Mal, wenn sie ihn dabei ertappte, wie er sie ansah, musterten sie ihn keck mit einem Lächeln. Vincent war kein Aufreißer-Typ und es war im Laufe der nächsten Wochen nicht einfach für ihn Sabina für sich zu begeistern, doch er hatte Glück. … Mit den Wochen wurde ihre Beziehung immer stabiler. Wenn sie miteinander schliefen, war es für Vince jedes Mal so, als ob er sein bisheriges Leben verschenkt hätte. Sexuell jedenfalls. Sabina war leidenschaftlich, manchmal erregend devot, manchmal fordernd. Doch eins war schnell klar. Sie mochte Sex. Und zwar so oft wie möglich. Vincent dachte lange darüber nach, ob diese Traumfrau tatsächlich Wirklichkeit sein konnte. Dann wieder überlegte er, ob es wohl nur dieser verdammt gute Sex war, der ihn auf sie fixierte, denn er konnte inzwischen nicht mehr leugnen, dass er seine Traumfrau gefunden hatte.
Doch Sabina passte auch sonst in vielen Dingen zu ihm. Sie hörte sogar seine Musik, nur dass sie eher Herb Flemming mochte, er dagegen auf Chet Baker schwor. Vincent begann unwillkürlich Zukunftspläne zu schmieden. Mit dieser Frau konnte er sich ein ganzes Leben vorstellen.
Als er nach einem halben Jahr vorsichtig von Hochzeit sprach, winkte sie jedoch lachend ab. Es sei noch zu früh und sie habe schon so viele gescheiterte Beziehungen hinter sich, da müsse man noch abwarten. Er machte sich Vorwürfe zu voreilig gewesen zu sein und beschloss geduldig darauf zu warten, dass sie wiedermit dem Thema Heiraten anfange, doch die Zeit verging. Und dann veränderte sich alles. Waren sie anfangs fast jeden Tag miteinander im Bett, wurden die Anstände langsam aber sicher immer größer. Auch Sabina veränderte sich. Äußerlich war sie immer noch die gleiche attraktive, junge Frau. Doch innerlich zog sie sich immer mehr zurück, hatte weniger Zeit und ging oft ohne Vince aus. Wenn sie sich trafen, lag eine unausgesprochene Spannung zwischen ihnen.
In seinen Armen wirkte sie gehemmt, fast gelangweilt. Es war offensichtlich – sie hatte keinen großen Spaß mehr am Sex. Vincent spürte dass etwas geschehen musste, wollte er diese Frau behalten.
Er nahm sich vor es zuerst mit vorsichtigen Gesprächen zu versuchen. Am Wochenende, mit einem Glas Wein in ihrer Lieblingskneipe. Noch Jahre später konnte er sich noch gut an den Strudel der Gefühle erinnern, in dem er damals steckte. Eine Mischung aus grenzenloser Angst vor der Wahrheit und dem schrecklichen Gefühl der Hilflosigkeit. Doch als sie endlich auf der großen Terrasse des Restaurants saßen, kam Sabina ihm zuvor. Sie eröffnete ihm, dass auch sie im Moment eine Welle der Verwirrung durchmache und Zeit zum Nachdenken brauche. Als er sie fragte worüber, kam ihre Antwort überraschend schnell. Ganz offen bekannte sie ihre verlorene Leidenschaft. Die Chemie stimme einfach nicht mehr.
Doch vorerst brauche sie einfach nur Zeit zum Nachdenken. Entscheiden könne sie jetzt nichts. Im Grunde klang sie, als wollte sie ihm eine schlechte Nachricht schonend beibringen. Vincent trafen ihre Worte wie ein Schlag. Lange Zeit sagte er nichts. Dann stellte er mit trockendem Mund die alles entscheidende Frage.
„Und es soll hier und jetzt mit uns enden? Ist es das was du willst?“
Sabinas Gesicht war seltsam unbekümmert.
„Vincent, ich weiß es doch selbst nicht“, sagte sie mit ihrer unbeschreiblich weichen Stimme, die jetzt einen leicht ungeduldigen Unterton hatte und strich sich mit der Hand über ihre langen Haare. Dann sah sie nachdenklich in ihr Glas. In Vincents Kopf begann inzwischen ein hektisches Notfallprogramm zu arbeiten.
„Es gibt doch noch so viele Möglichkeiten. Wir versuchen es mit Urlaub. Oder … vielleicht einem Tantra Kurs!“, setzte er leiser nach. Doch sie schüttelte nur langsam mit unbewegter Miene den Kopf. Dann sah sie ihn an und schlug ihre langen Beine übereinander, sodass sich der lange Schlitz in ihrem Rock öffnete und einen Blick auf ihren Oberschenkel freigab. Plötzlich kam er sich vor wie ein Schuljunge.
„Du meinst, es gibt nichts mehr…“, seine Stimme versagte ihm den Dienst. Sabina holte tief Luft und nippte kurz an ihrem Cocktail. Dann zog sie die zögernd Augenbrauen hoch.
„Na ja, ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass wir es irgendwie noch schaffen.“ Ihr Gesicht war steinhart. „Vielleicht…“

 

Porno Royal ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeberin ist Tanja Steinlechner und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"

„Vielleicht … was?“, stürzte er sich sofort auf diesen zerbrechlichen Strohhalm. Er hasste sich sofort für den bemitleidenswert kindlichen Blick, mit dem er sie jetzt wahrscheinlich ansah.
„Ich hab mit einer Freundin darüber gesprochen“, erzählte sie weiter. „Sie meinte, wenn ich mir nicht ganz sicher bin … ich meine mit unserer Trennung.“ Sie ließ das schreckliche Wort für einen Augenblick zwischen ihnen stehen und sah ihn scharf an. „Dann gäbe es schon noch eine Möglichkeit.“
„Eine Möglichkeit“, wiederholte er monoton und kam sich wie ein Idiot vor. „Was für eine Möglichkeit?“
Sabina wirkte unschlüssig. „Ich weiß nicht, ob das etwas für uns ist. Es ist so …“, sie suchte nach einem Wort. „So ungewöhnlich.“ Vince hing an ihren rotgeschminkten Lippen.
„Sag schon, bitte“, bettelte er mit brüchiger Stimme. Er hoffte für einen Augenblick dass keiner der anderen Gäste in ansah und diese lächerliche Hoffnung in seinen Augen las.
„Also, da gibt es eine Frau. So was wie eine Beraterin. Sie soll sehr gut sein. Aber die Sache hat einen Hacken. Eigentlich zwei.“
Vincent sah sie erwartungsvoll an. „Was meinst du?“
„Erstens ist sie teuer. Sehr teuer.“
„ Und zweitens?“
„Man muss ihr versichern, sich ganz auf sie einzulassen. Vertraglich und so. Das ist ihre Bedingung.“
Es verstrichen ein oder zwei Minuten, dann nickte Vince. „Dann lass uns das machen, bitte. Und wegen dem Geld, mach’ dir keine Gedanken.“

Zwei Wochen stand Vincent vor einem großen Geschäftshaus in der Fußgängerzone. Im ersten Stock befand sich das Büro der Beraterin und er hatte heute seinen ersten Termin. Vor drei Tagen hatte Sabina angerufen und ihm klar gemacht, dass die Therapie in der Vorbereitungsphase, wie sie es nannte, zuerst einmal getrennt durchgeführt werden würde. Ihr Termin war schon vor einer Woche gewesen, er hatte seinen heute. Auf einem glänzenden Schild am Nebeneingang stand

Carla Hegemann , Paarberatung.
Termine nach Vereinbarung


und Vincent betrat das Haus mit einem mulmigen Gefühl. In den vergangenen Tagen hatte sich er sich einen Plan überlegt. Eigentlich hielt er nichts von Psychogerede mit Fremden. Doch da Sabina anscheinend empfänglich dafür war, musste er versuchen diese sogenannte Fachfrau für sich zu gewinnen. Falls er es schaffen würde sie mit seinem Charme zu beeindrucken, rechnete er sich die besten Chancen dafür aus, dass Frau Hegemann Sabina dazu raten würde ihre Beziehung fortzusetzen.
„Zuerst einmal, haben Sie irgendwelche Fragen zur Therapie?“, begann die große, schlanke Frau sofort, als Vincent ihr gegenüber Platz genommen und die Papiere unterschrieben hatte. Sie war Anfang dreißig und ihr kurzes, dunkelblondes Haar passte ausgezeichnet zu ihrem schmalen gebräunten Gesicht und den strahlend blauen Augen, mit denen sie ihn ausgiebig musterte. Vince fiel auf, wie unpassend es war, dass sie Kaugummi kaute und dabei ihre mit glänzendem Lipgloss überzogenen Lippen immer wieder leicht mit der Zunge befeuchtete.
„Ja, wie viel Zeit muss ich einplanen? Ich habe aus beruflichen Gründen nur wenig Zeit und muss schon wissen, was auf mich zukommt.“
„Das kommt ganz auf den Fall an. Bei manchen geht es ganz schnell, manche brauchen etwas länger“, erklärte sie mit einem unverbindlichen Lächeln. „Das Wichtigste ist, dass sie sich selbst nicht so viel Druck machen.“ Sie beugte sich über ihren Schreibtisch und er sah, wie sie sich mit einem Füllfederhalter auf einem Blatt Notizen machte. Unter ihrer leicht schimmernden Baumwollbluse, zeichnete sich vage die Form ihres BHs ab. Ein leichter Moschusduft erfüllte die Luft. Vince rutschte unruhig auf seinem Stuhl herum.
Mein Gott, ging es ihm durch den Kopf. Ich würde sie am liebsten hier und jetzt ficken. Ohne ein weiteres Wort. Natürlich kamen ihm die Worte nicht in diesem Satzbau und so durchdacht in den Sinn. Es war eher ein Ficken und ein Jetzt, schnell.
„Sie arbeiten nach einem bestimmten Konzept?“, wollte er wissen und versuchte nicht auf das Ziehen in seinen Lenden zu achten. Es war Wochen her, dass Vincent den letzten Sex gehabt hatte und das nächtliche Wichsen vor dem Schlafen empfand er auf Dauer als verdammt unbefriedigend.
Sie sah ihn an und er fürchtete fast, sie ahne, wie es in ihm aussah, denn ein leicht spöttisches Lächeln huschte kurz über ihren Mund.
„Wenn Sie es so nennen wollen. Aber die wichtigsten Punkte möchte ich Ihnen gleich sagen.“ Sie beugte sich über den Tisch zu ihm herüber und sah ihn scharf an. „Sie müssen sich mir voll und ganz anvertrauen, mich als ihre Freundin akzeptieren. Deshalb werden wir von heute ab etwas mehr Zeit miteinander verbringen. Sabina hat mir sehr viel über Sie erzählt aber ich muss mir natürlich ein eigenes Bild von der Situation machen. Außerdem brauchen Sie einen Freund, einen Vertrauten, der Ihnen hilft, denn die Therapie baut auf Vertrauen. Ich gebe Ihnen ein bis zwei Wochen Zeit jemanden zu finden, denken Sie das funktioniert?“
„Ja, sicher“, nickte er ohne eine bestimmte Person im Kopf zu haben. “ Und wie darf ich mir das Weitere vorstellen?“
„Ganz einfach. Ich habe vor ein paar Tagen ein langes Gespräch mit Sabina geführt. Sie sagte mir, dass sie durchaus noch bereit ist eine weitere Partnerschaft mit Ihnen zu führen. Allerdings müsste sich dafür schon einiges ändern. Vor allem bei Ihnen.“
Vincent nickte ohne zu wissen, was sie meinte.
„Ich persönlich kenne das Phänomen übrigens auch aus anderen Fällen, insofern stellt Ihr Fall nichts Exotisches dar. Die Partner richten ihre jeweiligen Bedürfnisse zu Beginn der Partnerschaft völlig auf den anderen aus. Aber nach einiger Zeit reicht das einfach nicht mehr, zumindest einem von beiden. In ihrem Fall trifft das auf ihre Freundin zu. Allerdings schon nach bemerkenswert kurzer Zeit, wenn ich das richtig verstanden habe.“ Sie machte eine rhetorische Pause um ihm Gelegenheit zu geben etwas zu sagen, doch sein Kopf war plötzlich leer. Also nickte er ihr nur zustimmend zu.
„Gut. Ich habe Sabina im Vorfeld gebeten etwas für mich zu besorgen. Wenn Sie damit einverstanden sind, werden wir es uns jetzt zusammen ansehen. Damit ist es möglich verschiedene Aspekte gleichzeitig zu klären. Ist das in Ordnung für Sie?“ Sie löste sich von ihrem Stuhl und kam auf seine Seite des Tischs. Dann bedeutete sie ihm mit seinem Stuhl etwas von der Tischkante abzurücken und gab ihm einen Umschlag im Din A5 Format.
Vince nahm ihn und sah sie fragend an. „Was ist das?“
Frau Hegemann stand noch vor ihm und nickte ihm aufmunternd zu. „Öffnen Sie es“, forderte sie ihn auf und wartete.
Der braune Umschlag war nicht verklebt, die Lasche war nur eingeschlagen und als Vince sie umbog und er sich öffnete, sah er, dass sich ein Stapel großformatige Fotos darin befand. Das glänzende, dicke Papier bog sich, als er es heraus zog und vor sich auf den Tisch legte. Auf dem ersten Bild war ein Paar in einer eindeutigen Position zu sehen. Ein leicht fülliger Mann mit Schnauzbart und eine schlanke Frau. Beide waren nackt, nur die Frau, die man nur von Hinten sah, hatte einen winzigen, schwarzen Slip an. Der Mann lag mit geschlossenen Augen ausgestreckt auf einem Bett und sie saß neben ihm auf der Bettkante. Ihre rechte Hand schien seinen großen erigierten Penis zu massieren.
Vincents Mund wurde trocken. Obwohl ihm das Gesicht der Frau verborgen blieb, ahnte er um wen es sich handelte.
„Ist das Sabina?“, fragte er mit erstickter Stimme und spürte eine Enge in der Brust. Er konnte den Blick nicht von ihrer Hand nehmen. Überhaupt verengte sich sein Blickfeld ganz auf das Foto.
„Was glauben Sie? Sehen Sie sich doch die anderen Bilder an“, klang Frau Hegemanns Stimme wie durch ein Kissen an sein Ohr. Wie auf Kommando zog er das erste Foto weg und betrachtete nun das nächste. Der Fotograph hatte wohl seinen Platz gewechselt, denn das Paar war nun von der Seite zu sehen. Nun war klar, dass es sich tatsächlich um Sabina handelte. Sie saß inzwischen auf dem Schoß des Mannes und hatte verzückt das Gesicht verzogen. Ein heißer Ritt auf dem Riesenschwanz des Fremden. Genau so hatte er Sabina bisher gekannt. Vincent sah sich das Gesicht des Mannes genauer an. In seinem Gehirn durchsuchte er eine imaginäre Datei. Doch erst beim nächsten Foto machte es Klick. Es war Tim, einer ihrer Arbeitskollegen. Er war einer der Grafiker und Vincent hatte einmal persönlich mit ihm zu tun gehabt. Auf diesem Bild hatte Sabina ihre langen Beine weit gespreizt und Tim hatte seine Zunge in ihren Schlitz geschoben. Vincent musste tief Luft holen, eine Welle der Empörung erfasste ihn. Fast automatisch wanderte seine Hand an seinen Schritt und er fühlte erschrocken, wie hart sein Glied geworden war. Schnell zog er sie wieder zurück und rutschte unruhig zur Seite.
„Wissen Sie wie alt diese Fotos sind?“ Seine Stimme war nurmehr ein Flüstern.
„Sie hoffen sie stammen aus der Zeit vor Ihnen. Nein, da muss ich Sie enttäuschen. Sabina hat sie extra für mich anfertigen lassen.“ Frau Hegemann war inzwischen näher an Vincent heran getreten und schaute ihm über die Schulter. Ihr Gesicht war ganz nahe an seinem.
„Zeigen Sie mal, da ist auch irgendwo ein kleiner Stempel mit dem Datum.“ Sie beugte sich über die Bilder und zeigte auf die Zeichen an der linken, unteren Seite. „Sechster Juli“, las sie vor. „Vor zwei Tagen.“ Langsam hatte sich Vincent wieder unter Kontrolle. Mit unbewegter Miene deckte er die Fotos nacheinander auf und sah sich das Paar in verschiedenen Posen an. Eins der Bilder packte ihn besonders. Es zeigte Sabina auf dem Bett liegend. Sie lächelte und ihr Freund hatte sich über sie gelehnt. Mit seiner rechten Hand hielt er seinen langen, harten Schwanz und ein heller Strahl ergoss sich über ihren Bauch und ihr Gesicht. Die glänzende Masse war über ihren Körper verteilt und Sabina hatte die lackierten Finger der anderen Hand ihn ihren Mund gesteckt. Man ahnte, wie gut es ihr schmeckte. Vincent fühlte sich gedemütigt. Seine Freundin gab einem anderen das, was eigentlich ihm war, den Sex, den er seit Wochen vermisste. Die letzten Minuten hatten ihn völlig betäubt, doch jetzt spielten seine Gedanken verrückt. Es war zum Heulen.

 

Innerlich fühlte er sich zwar leer und verzweifelt, doch sein Körper hatte anscheinend ein Eigenleben.
Eine immer drängendere Enge im Schritt hatte mit jedem Foto, das er sich angesehen hatte, zugenommen. Vince wusste, dass ihn eigentlich nichts mehr durcheinanderbringen sollte als diese Bilder. Doch gleichzeitig spürte er ein immer größer werdendes Verlangen zu vöglen. Sabina zu vögeln. Auch in ihren Mund zu spritzen. Den Blick immer noch auf den samenverschmierten Mund seiner Freundin gerichtet, fühlte er plötzlich eine Berührung an seinem Bein. Er drehte langsam den Kopf und sah, dass Frau Hegemann unbemerkt neben ihm in die Hocke gegangen war. Mit einer Hand hielt sie sich am Tischbein fest, mit der anderen streichelte sie sanft seinen Oberschenkel. Ihr glattes Haar fiel in ihr Gesicht, als sie sich nach Unten beugte und er öffnete überrascht den Mund. Doch er brachte keinen Ton heraus. Der Druck in seiner Hose verstärkte sich sofort und Vincent stöhnte leise auf. Die blonde Frau nahm, ohne den Blick von seiner ausgebeulten Jeans zu lassen, seine Hand und schob sie in ihre halbgeöffnete Bluse. Er fühlte sofort ihre harten Brustwarzen unter seiner Hand. Sie waren größer als Sabinas und als Vincent sie vorsichtig streichelte, sah er, wie sie kurz die Augen schloss. Mit flinken Fingern hatte sie schnell seinen Reißverschluss geöffnet und versuchte nun vorsichtig das harte Ding zwischen seinen Beinen aus der engen Jeans zu holen. Ohne nachzudenken zog Vince seine Hand aus der Bluse, griff an seinen Hosenbund und half ihr. Sein Schwanz schnellte steif heraus. Schwer atmend legte er sofort seine Hand darum und schob die Haut zurück. Er schloss die Augen und begann zu wichsen. Vergessen, sagte eine Stimme in ihm. Vergiss wo du bist und mach’s dir einfach!
In seinem Kopf drehten sich die Eindrücke von erregten Körperteilen und dem harten, endlich spritzenden Schwanz, die er auf den Bildern gesehen hatte. Und von Sabinas erregtem Körper. Er rieb immer fester und schneller und erwartete schon fast das Ende, als er plötzlich spürte, wie sich etwas Weiches, feuchtes um seinen harten Penis legte. Als er überrascht die Augen öffnete, sah er Frau Hagemann hingebungsvoll an seinem Schwanz saugen. Sie kniete vor ihm und bewegte ihren blonden Kopf rhythmisch auf und ab. Dabei ließ sie es zu, dass seine Schwanzspitze jedesmal tief in ihren Rachen stieß. Er nahm seine Hände weg, begann ihre Haare zu streicheln und gab sich ganz seiner Geilheit hin. Noch einmal nahm sie ihn kurz aus dem Mund um seine Eichel mit ihrer spitzen Zunge zu verwöhnen, dann verschwand sein steinhartes Glied wieder in ihrem Mund. Ihr Saugen wurde immer schneller und ihre Hand massierte fordernd seine Eier. Vince hatte schon einen Punkt erreicht, an dem er sich wünschte es würde kein Ende nehmen und er schloss die Augen um sich diesem Gefühl völlig hinzugeben. Dann kam es ihm in festen, langen Stößen. Einen Augenblick holte er tief Luft und spürte sofort die leichte Schwäche in seinen Muskeln. Dann wurde ihm bewusst, dass er gerade einen tiefen, grunzenden Laut von sich gegeben hatte. Blinzelnd öffnete er die Augen und sah, dass Frau Hagemann seinen Schwanz, der für ihn inzwischen schlaff und klein anfühlte, noch im Mund hatte. Mit der rechten Hand fixierte sie ihn an ihren Lippen, die ihn wie ein Vakuum in ihren Mund saugten. Ein leichtes, angenehmes Kitzeln, das bis in seine Hoden zog, verriet ihm, dass sie noch immer dabei war, langsam, fast liebevoll, seine Eichel zu lutschen. Anscheinend hatte sie alles geschluckt, denn an ihrem Mundwinkel schimmerten nur einige schleimig, verschmierte Tropfen. Es dauerte nur einen Augenblick, dann spürte Vince wie sein Schwanz wieder fester und größer wurde. Er schluckte, spannte seine Beine und holte tief Luft. Überrascht stellte er fest, dass er ohne Weiteres bereit war noch einmal zum Höhepunkt zu kommen, doch Frau Hegemanns Mund wurde weicher und entspannter, dann öffnete er sich. Vincents Glied kam feucht, glänzend zum Vorschein. Mit einem leisen schmatzenden Laut rutschte er heraus und hing halb steif in ihrer Hand. Noch ein letztes Mal führte sie ihn an ihrem Mund und leckte zärtlich mit der Zunge darüber, dann richtete sie sich ohne ihn anzusehen auf und ging wieder zu ihrem Platz auf der andren Seite des Tischs. Vincent empfand die Situation plötzlich unpassend. Er schob seinen Penis in die Jeans und schloss den Verschluss der Hose. Als er zu ihr herüber sah, notierte sie etwas in einem Bogen Papier. Dann legte sie den Stift hin und sah auf. Vincent hatte das Gefühl, die Luft zwischen ihnen knistern zu hören.
„Ähm…, können Sie mir verraten, was sie vorhaben?“, versuchte er die Situation zu entspannen. Obwohl in der letzten Viertelstunde, jeglicher persönlicher Abstand gewichen war, waren sie jetzt wieder Welten voneinander entfernt. Ein Klient und seine Therapeutin, zwei völlig Fremde. „Ich dachte Sie machen eine Paartherapie. Wie, um alles in der Welt, soll das denn funktionieren, wenn sie mir gleichzeitig den Schwanz lutschen?“ Er schmunzelte, als Frau Hegemann sich die kurzen Haare, die er in Unordnung gebracht hatte, hinter das Ohr strich. Doch sie sah ihn nur lächelnd an. „Oh, das war tatsächlich in Ihrem Fall notwendig. Und ich denke Ich habe Sie ja jetzt ein wenig besser kennen gelernt. Ich glaube, ich kann Ihnen aus meiner Erfahrung heraus schon ein wenig Hoffnung machen. Sie sind kompromissbereit, neugierig und was am wichtigsten ist, bereit, etwas von sich zu geben. Das war also unser erster Test und da ich versuchen muss, mir ein klares Bild von Ihnen zu machen, werden wir uns von nun an ab öfter sehen.“
„Test?“, fragte Vince ungläubig. „Was glauben Sie denn herausgefunden zu haben? Dass ich ein Mann bin? Oder ging es darum zu erfahren, wie ich schmecke?“
Frau Hegemann legte den Kopf schief und sah ihn mit aufreizendem Wimpernschlag an.
„Ich habe sicherlich zwei Erkenntnisse gewonnen. Zum einen sind sie nicht impotent.“
Das Blut schoss Vince in den Kopf. „Impotent? Hat Sabina das behauptet?“
„Nein, natürlich nicht. Aber Frauen tun sich oft schwer zu akzeptieren, dass ihr Freund ein Problem damit hat. Die meisten suchen den Grund für Probleme beim Sex bei sich selbst. Außerdem weiß ich jetzt, wie sie auf – ich sage mal, besondere Situationen – reagieren. “
„Sie meinen in Ihrer Praxis von Ihnen befriedigt zu werden.“
„Nein. Ich meine die Fotos. Immerhin zeigen sie ihre Freundin beim Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann.“
„Und wie habe ich, ihrer Meinung nach, reagiert?“
„Na ja, es hätte auch sein können, dass sie mir die Bilder auf den Tisch knallen und den Raum verlassen. Sie müssen doch zugeben, dass die Stellungen schon etwas … besonders waren. Stattdessen habe ich gesehen, dass Sie die Bilder erregt haben. Mit etwas Hilfe meinerseits sogar sehr erregt. Und so bestehen die besten Voraussetzungen für einen Erfolg meiner Therapie.“
Vincent holte tief Luft und zog die Augenbrauen hoch. „Und wie soll es jetzt weiter gehen?“
„Sie denken jetzt noch einmal über alles nach, dann werde ich Ihnen den nächsten Termin zukommen lassen.“
„Werden Sie mich anrufen?“
„Sie werden schon sehen.“
Die nächsten Tage waren schwer. Er hatte einige Male versucht Sabina anzurufen, doch sie ging nicht ans Telefon. Vielleicht war sie verreist. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als allein über die Dinge nachzudenken.
Zuerst hatte sich Vincent fest vorgenommen, diese sogenannte Therapie sausen zu lassen. Die Fotos sprachen ja wohl für sich. Noch am selben Abend betrank er sich symbolisch mit Freunden um den Abschluss ihrer Liebe zu vollziehen. Was sollte es noch für einen Wert haben eine Beziehung zu retten, die auf Seitensprüngen und Exzessen am Arbeitsplatz gründete. Er musste sich Sabina aus dem Kopf schlagen. Außerdem erschienen ihm die Methoden dieser Therapeutin äußerst fragwürdig. Es war klar, dass das, was er bei ihr erlebt hatte, gegen die guten Sitten verstoß. Vincent wurde das Gefühl nicht los, für irgendein böses Spiel missbraucht zu werden. Und dazu wollte er sich nicht hergeben, das stand fest. Doch seine Sicherheit bröckelte schon am nächsten Morgen, als er aufwachte und merkte, dass ihm das gewohnte, allmorgendliche Reiben seines Glieds keine wirkliche Befriedigung mehr brachte. Und noch einen Tag später musste er sich schließlich eingestehen, dass er Sabina sogar so sehr wollte wie noch nie. Trotz der demütigenden Bilder, die anklagend auf dem Schreibtisch gelegen hatten. Und auch das Gesicht der blonden Therapeutin ließ nicht mehr los, er bekam die Sache einfach nicht aus seinem Kopf. Besonders den Anblick ihrer glänzenden, rosa Lippen, die sich an seinem Glied festsaugten, hatte er ständig vor Augen. Und als er nach zehn Tagen eine SMS bekam, die nur von Frau Hagemann stammen konnte, beschleunigte sich sein Herzschlag sofort. Carla, wie er sie insgeheim nannte, denn eigentlich Siezten sie sich ja noch, bestellte ihn für den nächsten Abend zu einer Adresse am Rande der Stadt. Neben der Bitte noch ein paar aufrichtige Zeilen, in denen er seine Gefühle erklärte, für Sabina zu schreiben und diesen Brief mitzubringen, erinnerte sie ihn noch einmal daran, einen Vertrauten zu bestimmen. Wenn möglich sollte er auch an diesem Abend dabei sein. Das Treffen sollte der Klärung gegenseitiger Erwartungen dienen und klarstellen, inwiefern sich die Gefühle der Partner voneinander unterschieden. Ob Sabina auch anwesend sein würde, wurde allerdings mit keinem Wort erwähnt.
Vincent war unschlüssig und gespannt zugleich. Die Sache mit dem Vertrauten war unangenehm, doch er beschloss das nicht so wichtig zu nehmen. Insgeheim war er in Gedanken zwar schon seinen Bekanntenkreis durchgegangen, doch mit den Männern, die er näher kannte, hatte er neben beruflichen Kontakten, höchstens noch in der Kneipe oder beim Sport zu tun. Über Beziehungsprobleme wurde nie gesprochen und das sollte eigentlich auch so bleiben. Schließlich ging es hier ja wohl nur um Sabina und ihn. Außerdem konnte keiner von ihm erwarten, dass er eine andere Person in seine intimsten Probleme einweihte. Was würde passieren, wenn er sich als kompletter Idiot blamierte, da würde ihm ein Freund gerade noch fehlen. Dieser Therapeutin war einiges zuzutrauen, sie schien unberechenbar. Also saß er am nächsten Abend zur angegebenen Zeit allein im Wagen, als ihm sein Navi, nach einer Fahrt durch einen heruntergekommenen Vorort mit teilnahmsloser Stimme verkündete: „Sie haben ihr Ziel erreicht!“
Das Haus, vor dem er stand, hatte seine besten Zeiten schon lange hinter sich. Die beiden großen Schwingtüren am Eingang in der Mitte stammten wohl noch aus den 70er Jahren, das Lack am Holz platzte ab und auf den Eisenbeschlägen hatte sich Rost breit gemacht. Es war unschwer zu erkennen, dass das alte Kino wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten keiner Besucher gehabt hatte. Hinter den blinden, zerbrochenen Scheiben hingen noch alte, vergilbte Zettel und der Platz vor dem Gebäude war mit Unkraut überwuchert. Hier waren die Zeiten vom weißen Hai und King Kong konserviert. Dies sollte ihr Treffpunkt sein? Unsicher sah sich Vincent nach beiden Seiten um, doch das Kino lag am Ortsausgang und das Haus daneben schied als biederes Einfamilienhaus mit Rutsche und Schaukel im Vorgarten aus. Außerdem stimmte die Adresse genau, Erlenweg 33. Vincent versuchte gerade an der Front des Gebäudes einen Hinweis, als neben ihm am Straßenrand ein weiteres Auto hielt. Ein Paar stieg aus, ging an ihm vorbei und verschwand neben dem verlassenen Kino. Es war noch nicht dunkel und als Vincent ihnen folgte, fand er einen Plattengang, der ihn unter einer uralten Lampe in einer Nische zu einem Nebeneingang führte. Eine Metalltür, wie man sie für Heizungsräume benutzt, lehnte leicht geöffnet an. Wahrscheinlich hatte er den früheren Notausgang gefunden, überlegte er und drückte gegen das Metall. Er betrat einen langen, fensterlosen Gang, der nur spärlich mit kleinen Spots an der Decke ausgekleidet war. Die Wände waren mit rotem Samt ausgekleidet und obwohl er in diesem alten Kino eher einen muffigen Geruch erwartet hatte, wehte ihm ein leckerer Duft von frisch geröstetem Brot vom Gang her entgegen. Vincent ging zwei Biegungen und erwartete jederzeit den ehemaligen Kinosaal zu betreten, als plötzlich Carla Hegemann vor ihm stand.
Sie war in ein langes, schulterfreies Kleid aus weichfließend glänzendem schwarzem Stoff gekleidet und lächelte ihn an. In ihren passenden Sandalen mit den hohen Absätzen kam sie ihm viel größer vor, als bei ihrem letzten Treffen. Vince starrte auf ihren pinkfarbenen Mund.
„Vincent, haben Sie es doch noch gefunden? Das ist schön. Ich hatte schon befürchtet, Sie kommen nicht“, sagte sie und gab ihm die Hand. Sie sah sich gespielt neugierig um. „Wo ist denn Ihr Freund?“
Vincent hatte damit gerechnet, dass sie fragen würde und sich eine Antwort überlegt. Er machte ein ungeduldiges Gesicht „Wozu brauche ich einen Freund, ich kann auch alleine für mich sprechen. Außerdem …, was ist hier eigentlich los. Was soll dieser ganze Quatsch mit diesem alten Haus, ich dachte wir hätten eine Verabredung mit Sabina. Und wo ist sie jetzt, ich will jetzt dieses Treffen!“
Carla drehte sich ohne ein weiteres Wort um und Vincent blieb nichts anderes, als ihr zu folgen. Durch eine Seitentür kamen sie in ein kleines Zimmer, in dem ein Sofa, ein Tisch und zwei Stühle standen. Dort drehte sie sich um und sah Vincent gerade mit einem strengen Blick an. „OK, ich denke wir reden jetzt erst einmal darüber, was Sie wollen.“ Ihre Stimme hatte einen scharfen Unterton bekommen.
Vince öffnete den Mund, doch bevor er etwas sagen konnte, kam ihm Frau Hagemann zuvor. „Ich stelle Ihnen Fragen und Sie antworten, so läuft das. Und wenn Sie nicht kooperieren, werden Sie Sabrina sicher nicht mehr wiedersehen. Verstehen Sie mich?“ Ohne eine Antwort abzuwarten setzte sie sich auf einen der Stühle und deutete auf den anderen.
„Sabrina ist heute auch hier. Im Kinosaal findet eine kleine Wiedersehensfeier für Sie beide statt und sie sagt sie freut sich darauf, Sie zu treffen. Es kommt jetzt ganz auf Sie an, ob dieses Wiedersehen schön oder unangenehm wird.“
„Ich finde, das hätte viel schöner werden können. Bei einem Essen oder …“, ihm fiel nichts mehr ein.
Er sah, dass es keinen Zweck hatte. Der Abend würde so werden, wie Sabina es geplant hatte. Wenn er sie haben wollte, musste er mitspielen. Frau Hegemann nahm eine Zigarette aus ihrer Tasche, steckte sie an und nahm einen tiefen Zug. „Sie wissen, dass Ihre Freundin Probleme mit Ihnen hat, oder?“
Er nickte. „Ich bin nur nicht sicher, ob ich verstehe, was genau ihr Problem ist.“
Carla machte ein überraschtes Gesicht und sah ihn amüsiert an. „Vincent, Sie haben doch die Fotos gesehen, da müsste Ihnen doch einiges klar geworden sein.“ Als Vince nicht antwortete, verengten sich ihre Augen. „Dann frage ich Sie, liegt Ihnen noch etwas daran mit Sabina zusammen zu sein?“
Vince musste nicht nachdenken. „Natürlich …“
„Sind Sie bereit alles dafür zu tun.?Wirklich alles? So, wie Sie es in unserem Vertrag festgelegt hatten.“ Den Vertrag hatte er nur überflogen. Doch er nickte.
„Gut. Dann warten Sie bitte hier, ich hole Sie gleich ab.“ Carla wandte sich zum Gehen, doch kurz vor der Tür fiel ihr noch etwas ein. Sie drehte sich zu ihm um. „Haben Sie Ihren Brief dabei?“ Vince kramte das Papier heraus, gab ihn ihr und sie überflog den Text. „Gut, das wird ihr gefallen. Kommen Sie jetzt.“ Sie gingen weiter den Gang entlang und der verführerische Duft nach Essen mischte sich mit Schwaden von Räucherstäbchen. Als sie dann endlich den großen Kinosaal betraten, verschlug es Vincent den Atem. Von seiner ursprünglichen Bestimmung war dem Saal nichts mehr anzusehen. Die Sitzreihen, die hier wohl früher standen waren entfernt worden und kleinen Tischchen und Sessel gewichen. Sie standen rings um eine kleine, noch leere Bühne, die beleuchtet in der Mitte des Saals aufgebaut war. Neben den hellen Scheinwerfern war der Raum in rötlich, schwaches Licht getaucht und an den Wänden beleuchteten Deckenfluter das lange Buffet, an dem sich schon eine Schlange gebildet hatte. Obschon etwa hundert Besucher da waren, wirkte der große Raum nicht überfüllt, alles war sehr intim. Doch trotz der angenehmen Atmosphäre und den gutgelaunten Leuten hatte Vince das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte. Er begann automatisch nach Sabina Ausschau zu halten. Dabei bemerkte er wie unerträglich warm es war. Er fühlte sich sofort unwohl, in seiner langen Jeans und dem Hemd. Und auch den anderen ging es wohl ähnlich, denn die meisten hatten sich schon ihrer Oberbekleidung entledigt und waren in Unterwäsche. Die Sachen lagen über die Sessel verstreut. Als hätte sie seine Gedanken erraten, fragte Carla: “Wollen Sie sich nicht auch ausziehen?"
Er sah an sich herunter und wollte sich auf einen der freien Sessel setzten, doch Carla hielt ihn fest.
„Warten Sie, es ist wohl am besten, wenn ich Sie erst einmal mit den Spielregeln vertraut mache“, sagte sie und zog ihn in eine Ecke. „Wenn wir diesen Saal betreten, müssen Sie sich daran halten.“
Mit schon geöffnetem Hemd und nackter Brust sah er sie verständnislos an. „Spielregeln … Was meinen Sie damit? Ich möchte kein Spiel, ich will Sabina sehen.“
„Ja ja, ich weiß schon“, winkte sie ab. „Hier findet ein sogenannter Abend der Junggesellinnen statt. Das heißt nicht, dass alle Frauen hier ledig sind“, Carla lächelte, „bestimmt nicht. Das hat sich nur irgendein findiger Typ ausgedacht. Am besten ziehen Sie das erst mal an, ich erkläre Ihnen inzwischen das Weitere.“ Sie hielt Vince ein kleines Stück schwarzen Stoff hin. Als er es auseinander zog sah er, dass es eine knappe Unterhose war. „Keine Angst“, lachte sie als sie seine abschätzend zusammen gezogenen Augenbrauen sah, „alles frisch gewaschen. Sabina hat sich diesen Abend gewünscht. Sie sagte er erklärt viel besser, was sie meint, wenn sie von Problemen mit Ihnen spricht.“ Vince hatte inzwischen die knappe Short angezogen und erschrak. Statt einem Eingriff, hatten die Shorts einen offenen Spalt. Sofort kam er sich nackter als nackt vor, denn sein schlaffes Glied hing wie auf einer schwarzen Leinwand von ihm weg. Carla achtete nicht darauf, sie musterte die Menge. „Da Sabina noch nicht hier ist, wie ich sehe, bin ich vorerst ihre Tischdame.“ Sie sah interessiert an ihm herunter. „Ich hoffe das stört Sie nicht. Ich kenne Ihren Schwanz ja sowieso schon.“ Vince presste die Lippen aufeinander und bemerkte erst jetzt, dass auch die anderen Männer die gleichen Hosen trugen. „Ich denke ich habe keine Wahl. Aber das ist doch noch nicht alles, Sie haben mir noch nicht alles erzählt, hab ich Recht?“ Sie lachte. „Stimmt genau. Ich sehe, Sie kennen mich schon ganz gut. Ja, das schöne an diesem Abend ist, dass sich die Männer nach den Wünschen der Frauen richten müssen. Und damit sind nicht nur ihre eigenen Frauen gemeint, die Regel gilt für alle Frauen.“
„Ich muss tun, was irgendeine Frau von mir verlangt?“ Vince schüttelte verständnislos den Kopf. „Ist das nicht ein bisschen viel verlangt?“
„Sehen Sie sich um. Jeder dieser Männer richtet sich heute Abend nach dieser Regel. Außerdem muss ihre Partnerin einverstanden sein. Also, haben Sie ruhig ein bisschen Vertrauen in Sabina. Und vorerst in mich. Kommen Sie!“ Carla verließ die Ecke, in der sie gestanden hatte und Vince folgte ihr. Er musste ständig nach Unten auf seinen aus der Hose heraushängenden Penis sehen. Beim Gehen schwang er wie ein Fremdkörper grotesk nach beiden Seiten. Carla setzte sich so selbstverständlich, als sei er für sie reserviert, an einen der Tische in der Nähe der Bühne.

 

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3 Kommentare

30.03.2010 00:28 Carlo
eine auf mehr Lust machende Geschichte!

29.03.2010 10:08 A.
Ich fühle mich beim Lesen im Wechselbad der Gefühle, da ich ähnliche Situationen erlebt habe und bin daher auf den Fortgang der Geschichte sehr gespannt.

25.03.2010 23:00 websurfer2005
Klasse Geschichte ich bin auf teil 2 richtig gespannt


 

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