Sie sind hier: >>> Literatur >>> Geschichten
Swenja
Der Sommer näherte sich langsam seinem Ende. Durch den Verkauf einiger Fotos an einen Verlag war endlich wieder ein wenig Geld in meine Kasse geflossen. Und nachdem meine Freundin und ich uns schon lange keinen richtigen Urlaub mehr hatten leisten können, beschlossen wir, zumindest noch eine Woche zum Zelten ans Meer zu fahren, um einfach mal raus zu kommen und Sonne zu tanken. Wir packten also kurz entschlossen unser kleines Zelt, in dem man zu zweit gemütlich nebeneinander liegen kann und dabei noch Platz für ein wenig Gepäck hat, mit ein wenig Proviant und meiner unverzichtbaren Fotoausrüstung ins Auto und fuhren los. Zuerst dachte ich an die Ost- oder Nordseeküste. Aber Selina schlug Holland vor. Und dagegen hatte ich auch gar nichts einzuwenden. Die Entfernung war nicht größer und Holland hatte als Ausland trotzdem den Effekt, dass man mehr das Gefühl hatte, Urlaub zu machen, als das in Deutschland möglich gewesen wäre.
Selina lotste mich bis Lauwersoog. Dort erklärte sie mir, dass wir das Auto stehen lassen müssten. Mit unseren Rucksäcken bepackt bestiegen wir die Fähre nach Schiermonnikoog, der kleinsten der westfriesischen Inseln. Dort wanderten wir an der Nordküste sehr weit nach Osten, wo nur noch wenige sonnenhungrige Nudisten-Touristen den breitesten Strand Europas bevölkerten. Ein wenig abseits vom Strand in den Dünen bauten wir unser Zelt auf. Und als das erledigt war, war das erste, was wir taten, dass wir uns sofort auszogen und splitterfasernackt ins Meer liefen. Der Spätsommer war noch sehr warm und die Strandwanderung mit dem Gepäck hatte uns beide ins schwitzen gebracht. Jetzt wirkte das kühle Wasser des Meeres sehr wohltuend und belebend. Ich genoss die Bewegung der Wellen auf meinem Körper und beobachtete Selina, die neben mir schwamm und ausgelassen planschte. Wir umkreisten uns im Wasser, nahmen uns in die Arme und tobten wie verliebte Teenager herum. Es war etwas anderes, Selinas Haut im salzigen und lebendigen Meerwasser auf meiner Haut zu spüren, als zuhause. Ich nahm sie viel bewusster wahr und berauschte mich am Anblick ihrer großen, vollen Brüste, die in der Bewegung des Wassers wogten und im Übermut der ausgelassenen Lebensfreude hüpften. In Selinas Augen konnte ich deutlich sehen, dass sie glücklich war. Sie strahlte mich an, ließ sich fallen und vertraute darauf, dass ich sie auffangen würde. Und das tat ich auch. Ich trug sie auf meinen Armen, beobachtete, wie das Wasser um die Rundungen ihrer Brüste spielte und bedeckte diese mit zarten und leidenschaftlichen Küssen, die nach Salz und Liebe schmeckten. Selina schlang ihre Arme um meinen Hals und flüsterte mir ins Ohr: „Ich liebe Dich!“
Die Sonne stand schon tief und spiegelte sich in Selinas Augen, während ich in ihnen die Bestätigung dieser Worte las. „Ich liebe Dich!“ sagte auch ich, nur laut genug, um damit das Gurgeln des Wassers, das unsere nackten und ausgehungerten Körper umspielte, zu übertönen. Ganz langsam näherten sich unsere Lippen einander. Als sie sich trafen, war es ein Gefühl, als wenn es unser erster Kuss gewesen wäre. Es war ein völlig neues Entdecken, eine neu erwachte, zarte Flamme der Neugier, die man nicht mit zu viel Ungestüm ersticken will. Wir ließen all unsere Routine hinter uns; all die Routine, die es im Alltag so schwer macht, sich jeden Tag neu zu entdecken, obwohl jeder neue Tag einen verändert. Erst die äußerliche Veränderung des Urlaubs machte es uns (oder vielleicht auch nur mir – wahrscheinlich nur mir) möglich, auch die innere Veränderung von Selina, von uns und auch von mir selbst wahrzunehmen. In diesem einen Moment, in dem ich Selina nackt auf meinen Armen trug, während das belebende Wasser des Meeres uns umschmeichelte und liebkoste, und in dem unsere Lippen sich so sanft und zärtlich berührten, als könnten sie sich gegenseitig weh tun, wenn sie auch nur ein kleines bisschen mehr Druck erzeugen würden, wurde mir klar, dass jeder neue Tag ein Geschenk ist, ein Geschenk, das anzunehmen ich viel zu oft nicht in der Lage gewesen war, weil ich es nicht einmal wahrnehmen konnte. Ich dankte der Sonne, dem Meer, der warmen, salzigen Luft, die die Wellen kräuselte, und einem Gott, von dem ich schon so lange geglaubt hatte, dass er mich verlassen hat, für diese Erkenntnis, die mich mit so viel neuer Lebenskraft erfüllte, dass ich am liebsten die ganze Welt umarmt hätte.
Ich trug Selina auf meinen Armen, drehte mich mit ihr langsam, gegen den Widerstand des Wassers, um mich selbst und genoss das Gefühl, ihren schlanken, nackten Körper an mich gepresst zu fühlen. Es war wie ein Tanz, ein ganz langsamer Tanz, so wie frisch Verliebte tanzen. Selina schloss die Augen und ließ ihren Kopf nach hinten fallen. Ihre Haare trieben wie ein Schleier im Wasser hinter ihr her und über uns kreisten ein paar Möwen. In Selinas Mundwinkel zeigte sich ein leichtes, glückliches Lächeln, das auch mein Herz mit Glück und Liebe erfüllte. Ganz behutsam beugte ich mich wieder über sie und bedeckte ihre Lippen mit einem erneuten, sanften Kuss, ohne meinen Tanz zu unterbrechen. Es war nur eine ganz flüchtige Berührung unserer Lippen, ein zartes Tasten, das nichts forderte, sondern nur ein Geschenk an sich selbst war. So sanft, wie unsere Lippen sich berührt hatten, so sanft lösten sie sich auch wieder voneinander. Selina begann leise zu summen. Ich glaube, es war ein altes, irisches Liebeslied. Ich erkannte die Melodie, ohne das Lied zu kennen. Das Summen schwang im Rhythmus des leisen Rauschens der Wellen und des Windes und wurde begleitet von den Schreien der Möwen, die am Himmel über uns kreisten.
Das war eine Freiheit, wie ich sie mir nicht mehr hatte vorstellen können. Nur wenige Stunden zuvor, am Morgen des selben Tages, waren wir noch zuhause gewesen, zuhause in dem selbst geschaffenen Exil, um das ich so hohe Mauern errichtet hatte, bis es zu einem Gefängnis geworden war, aus dem zu befreien mir schon fast nicht mehr möglich gewesen wäre.
Und jetzt tanzte ich mit Selina auf meinen Armen nackt im Meer, während die Sonne den Horizont berührte und uns in ihr warmes, goldenes Licht hüllte. Selina öffnete die Augen wieder und gemeinsam beobachteten wir, wie die Sonne langsam ins Meer tauchte. Millionen kleine Lichter tanzten funkelnd auf den Wellen, bis die Sonne schließlich versunken war und ihre Strahlen nur noch den Himmel in ein tiefes Purpur tauchten.
Plötzlich fröstelte Selina und unwillkürlich klammerte sie sich ein wenig fester an mich. Ganz langsam trug ich sie aus dem Wasser. Die Luft war noch lau und auch der Strand strahlte noch die gespeicherte Wärme des Tages ab. Ich legte Selina behutsam in den warmen Sand und kniete mich neben sie. Auf ihrer Haut perlten Wassertropfen und eine Gänsehaut überzog ihren schlanken Körper. Es war ein erregender Anblick.
„Was ist?“ fragte Selina, die in meinen Augen zu lesen versuchte, woran ich dachte. Ich schüttelte den Kopf, weil ich gar keinen bestimmten Gedanken gehabt, sondern nur den Augenblick und ihren Anblick genossen hatte. Bevor ich das aber formulieren können hätte, stellte ich schon die Gegenfrage: „Wann hab ich Dir eigentlich das letzte Mal gesagt, wie schön Du bist?“ Selina antwortete nicht. Sie sah mich nur an und ich bemerkte, wie sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten. Ich fürchtete, sie irgendwie verletzt zu haben und setzte deshalb zu einer Entschuldigung an. Aber noch bevor ich auch nur einen Ton hatte sagen können, legte Selina mir schnell die Fingerspitzen ihrer ausgestreckten Hand auf die Lippen und bat mich: „Sag jetzt nichts.“ Es fiel mir schwer, in dieser Situation still zu bleiben. Aber ich gehorchte.
Selina hatte ihre Fingerspitzen auf meinen Lippen liegenlassen. Schuldig, wie ich mich fühlte, wagte ich nicht einmal, sie zu küssen. Sie aber zeichneten ganz sanft die Konturen meiner Lippen nach und streichelten dann weiter über meine Wange. Als Selina nach ein paar Minuten, in denen die heraufziehende Dunkelheit ihre Tränen bereits zu verbergen begann, dann endlich sprach, war es wie eine Erlösung aus der Ungewissheit. „Ich bin so glücklich!“ sagte sie ganz leise.
Ich räusperte mich, um die Frage, die mir den Hals zuschnürte, formulieren zu können. „Warum weinst Du dann?“
Selina lag noch immer im Sand und blickte zu mir auf. Auf ihrem noch feuchten Körper reflektierte sich der Schein eines flackernden Lagerfeuers, das von einer Gruppe Jugendlicher ein Stück weiter am Strand entzündet worden war.
„Vor Glück!“ antwortete sie fast flüsternd. Sie setzte sich auf, schlang ihre Arme um mich und presste ihren schlanken Körper an mich. Auch ich umarmte sie und hielt sie ganz fest. Auf ihrem Rücken klebte der Sand auf ihrer nassen Haut. Behutsam strich ich ihn herunter, bis sie wieder halbwegs davon befreit war.
Plötzlich stand Selina auf, gab mir einen schnellen Kuss und sagte: „Ich bin gleich wieder da.“ Im nächsten Moment war sie schon in die Richtung unseres Zeltes gelaufen.
Ich ließ mich auf die Ellenbogen zurückfallen und blickte über die ruhige, dunkle Fläche des Meeres. Tief sog ich die reine, salzige Luft ein. Auf meinem Bauch lag mein Penis. Ich hatte vorher nicht einmal bemerkt, dass ich eine Erektion hatte. Als ich es jetzt registrierte, warf ich schnell einen prüfenden Blick zu der Gruppe am Lagerfeuer. Sie war Gott sei Dank weit genug weg, als dass jemand von ihnen meinen Zustand hätte bemerken können, vor allem, da ich von ihnen aus gesehen von der heraufziehenden Dunkelheit beschützt wurde. Zumindest glaubte ich das.
Anscheinend handelte es sich bei der Gruppe nur um Mädchen. Sie tanzten nackt ums Feuer, was meinen Blick sofort fesselte. Ich bedauerte in dem Moment, meine Kamera nicht bei mir zu haben. Aber ich wollte meinen Blick auch nicht von den jungen, nackten Tänzerinnen lösen, um die Kamera aus dem Zelt zu holen. Es war ein faszinierender Anblick, wie sich die nackten Körper im flackernden Feuerschein bewegten, entweder hell beleuchtet, oder, wenn sie vor dem Feuer vorbeitanzten, als dunkle Silhouetten. Der Anblick der nackten Mädchen und die Ästhetik des Tanzes übten eine eigenartige Faszination auf mich aus. Die ganze Szene wirkte wie ein Traumgebilde auf mich und ich fürchtete fast, dass es zerplatzen würde, sobald ich meinen Blick auch nur für einen Augenblick abwenden würde. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch die Ruhe, in der das alles geschah. Trotz der ausgelassenen Lebensfreude, in der dieser Tanz aufgeführt wurde und die sich in ihm widerspiegelte, gab es kein Gekreische nervtötender Teenager. Nur leise tönte eine ruhige, nur ab und zu von silbernem Lachen begleitete Melodie zu mir herüber. Hinter den Tänzerinnen stieg der Mond über den Horizont. Von mir aus gesehen schien er sich direkt aus den Flammen des Feuers zu erheben. Dieser Eindruck wurde nur unterbrochen, wenn eines der Mädchen zwischen Feuer und Mond hindurchtanzte. Trotzdem war es ein magischer Anblick.
Eines der Mädchen blickte während seines Tanzes zu mir herüber und sein Blick blieb trotz der zunehmenden Dunkelheit, die mich einhüllte, auf mir haften. Das Mädchen unterbrach seinen Tanz und für einen Moment schienen unsere Blicke ineinander zu verschmelzen. Ich hatte plötzlich den Eindruck, als ob es keine Distanz mehr zwischen uns gäbe. Das Mädchen schien mir in dem Moment ganz nah zu sein. Ich konnte jedes kleinste Detail seines Gesichtes und Körpers wahrnehmen; die langen, blonden Haare, die leuchtend grünen Augen, in denen die Flammen des Feuers wie kleine Geister tanzten, die kleine, gerade Nase und die vollen, sinnlichen Lippen, und dann dieser jugendliche, eben erst erwachte Körper! Ich wollte mir keine Gedanken darüber machen, wie jung dieses Mädchen noch war.
Plötzlich wurde ich mir wieder meiner anhaltenden Erektion bewusst und setzte mich schnell auf, um sie vor den Blicken des Mädchens zu verbergen. Das Mädchen lud mich mit einer Geste zu sich und seinen Freundinnen an das Feuer ein. Aber ich winkte dankend und verstört ab. Das Mädchen lächelte mich an, winkte noch einmal zurück und tanzte wieder weiter. Damit war der Bann gebrochen, mit dem es mich in seinem Blick gefangen gehalten hatte.
Hinter mir hörte ich ein leises Geräusch. Ich drehte mich um und sah Selina wieder auf mich zukommen. Sie war noch immer nackt und hatte den Picknickkorb in der einen Hand und eine zusammengerollte Decke unter den anderen Arm geklemmt. Sofort stand ich auf und nahm ihr die Decke ab. Selina blieb stehen und blickte fasziniert zu den ums Feuer tanzenden Mädchen, über denen der volle Mond hell und klar wie ein Lampion am Himmel hing. „Was für ein Anblick!“ meinte sie nach ein paar Sekunden, während denen sie dem Schauspiel staunend zugesehen hatte. „Das hat etwas Magisches.“
„Das hat es!“ bestätigte ich und dachte an das intensive Grün der Augen des einen Mädchens, das mich aus schätzungsweise fünfunddreißig bis vierzig Metern Entfernung angesehen hatte. Jetzt hätte ich beim besten Willen keine solchen Details bei den Mädchen ausmachen können. „Das hat es wirklich!“ sagte ich noch einmal in diese Gedanken vertieft zu mir selbst. Aber Selina hatte es natürlich gehört. Sie sah mich fragend an. Ich hatte zwar keine Geheimnisse vor ihr. Aber der Eindruck dieses eigenartigen Erlebnisses war zu tief und noch zu frisch, als dass ich in dem Moment schon darüber hätte sprechen können.
Selina blickte lächelnd auf meinen erigierten Penis. Aber ihre Kombination war falsch. Und deshalb verteidigte ich mich schnell mit den Worten: „Der ist schon so aus dem Wasser gekommen, mein Schatz!“ Selina strahlte mich verliebt an und erwiderte: „Ich weiß, mein Schatz!“
Nach einem Blick von den nackten Tänzerinnen zu meiner Erektion und wieder zurück zu den Tänzerinnen meinte sie dann lakonisch: „Ist ja kein Wunder, dass die so ausflippen, bei dem Anblick!“ Ich musste über diese absurde Idee lachen und gab noch immer lachend zurück: „Was glaubst Du denn, können die da drüben aus der Entfernung …“
Weiter kam ich nicht. Ich spürte wieder den Blick des blonden Mädchens auf mich gerichtet. Seine grünen Augen brannten auf meinem Körper und allein durch diesen auf ihn gerichteten Blick schwoll mein Penis weiter an. Schnell wandte ich mich ab, breitete die Decke in den weichen Sand und setzte mich. Selina stand noch da und blickte staunend auf mich herab. Schweigend setzte sie sich neben mich. „Ich hab sie gespürt!“ flüsterte sie nach einigen Sekunden geheimnisvoll. Ich sah Selina fragend an und sie erklärte, noch immer flüsternd: „Die Magie! Ich hab sie wirklich gespürt.“
Ich wollte so etwas wie ‚Unsinn’ erwidern, weil ich an reale Magie nicht wirklich glaube. Aber da sah ich das Mädchen auf uns zukommen und schwieg. Das Mädchen kam so nackt, wie es getanzt hatte, blieb vor uns stehen und sagte errötend: „Entschuldigen sie bitte. Ich wollte nicht aufdringlich sein und sie so anstarren.“ Aus Anstand wäre ich gern aufgestanden. Aber meine Erektion, die ich mit beiden Händen zu verbergen versuchte, erlaubte mir diese guten Manieren nicht. Auf Augenhöhe hatte ich die kleine, glatt rasierte Spalte vor mir. Ich blickte schnell nach oben, wohlwissend, dass ich mich aus dem Blick des Mädchens nur schwer wieder befreien können würde. Das Grün dieser Augen war unglaublich. Eine so intensive Augenfarbe hatte ich noch nie zuvor gesehen. Im Nachhinein hatte ich überlegt, ob das Mädchen vielleicht Kontaktlinsen getragen hatte. Aber in dem Moment war ich fast erschrocken darüber, dass es wirklich die Farbe hatte, die ich aus der Entfernung schon gesehen hatte. Ich glaube, es hätte mich beruhigt, wenn sich das als Einbildung von mir herausgestellt hätte.
Gerade noch rechtzeitig, bevor die entstandene Pause unangenehm zu werden drohte, erwiderte ich: „Ich fürchte eher, ich muss mich entschuldigen. Ich war so fasziniert vom Anblick eures Tanzes, dass ich meinen Blick nicht abwenden konnte.“ Bei dem Gedanken daran, dass das Mädchen glauben musste, dass meine Erektion daher stammte, dass ich ihm und seinen Freundinnen zugesehen hatte, schoss mir das Blut in die Wangen. Es war eine schrecklich peinliche Situation für mich.
Das Mädchen schüttelte den Kopf und sagte: „Nein, Sie müssen sich wirklich nicht entschuldigen. Wenn man so ums Feuer hüpft, wie wir, dann darf man sich nicht wundern, wenn jemand schaut.“
Was hätte ich darauf antworten sollen? ‚Und wenn man mit so einem hartnäckigem Ständer nackte Mädchen beobachtet, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die Mädchen schauen.’
Ich schwieg und zwang mich zu einem Lächeln. Selina war inzwischen wieder aufgestanden. Nur ich saß noch auf der Decke und konnte meine Hände nicht aus meinem Schoß nehmen.
„Wenn Sie wollen, können sie gerne zu uns ans Feuer kommen“, lud das Mädchen Selina und mich ein. ‚Du siehst doch, dass ich nicht kann!“ antwortete ich in Gedanken, sagte aber: „Danke für die Einladung. Vielleicht ein andermal.“ Das Mädchen erwiderte lächelnd: „Ich komme darauf zurück!“ Dann wünschte es uns „Einen schönen Abend noch!“, nickte zuerst Selina und dann mir zu und wendete sich wieder zum Gehen. In dem Moment hielt Selina es mit der Frage zurück: „Wie heißt Du denn?“ Das Mädchen wandte sich noch einmal zu uns um und antwortete: „Swenja!“
„Junge Kriegerin!“ stellte Selina interessiert fest. Swenja drehte sich uns wieder ganz zu und fragte Selina: „Du kennst Dich mit den Bedeutungen von Namen aus?“
„Ein bisschen“, antwortete Selina.
„Und wie heißt Du?“ fragte Swenja weiter.
„Selina!“ antwortete Selina. Swenja blickte von Selina zum Mond, der über dem Feuer am Himmel thronte und sagte mit einer Art scheuer Bewunderung: „Die Mondgöttin!“
‚Aha’ dachte ich mir und machte mir den Vorwurf, selbst noch nie über die Bedeutung von Selinas Namen nachgedacht zu haben.
Swenja wendete sich mir wieder zu und fragte: „Und wie heißen Sie?“ Jetzt stand ich doch auf, zog dabei aber die Decke mit und hielt sie schützend vor mich. „Also erstens“, begann ich, „wenn sich hier schon alle duzen, dann bitte mich auch. Und ich heiße Josh, was soviel bedeutet wie …“ Hier machte ich eine kleine Kunstpause, bevor ich die Katze aus dem Sack ließ: „Josh!“
„Josh!“ wiederholte Swenja, sichtlich beeindruckt von meiner Erklärung.
Ich nickte, in der Überzeugung, dass mein Name wirklich keine andere Bedeutung hätte, als die, einen Namen zu haben, bei dem man mich rufen konnte, so wie ‚Bring mal den Müll runter, Josh’, oder ,Josh, kannst Du mal ein paar neue Portraits von mir machen?“. Selina erklärte aber sofort: „Die Kurzform von Joshua!“ ‚Okay’, dachte ich mir, ‚das hätte ich mir auch noch selbst zusammenreimen können.’
Dabei ließ es Selina aber noch nicht bewenden. Sie fuhr fort: „Was außer ‚Josh’ noch soviel bedeutet wie ‚Jahwe ist Retter’!“ ‚Aha’, dachte ich mir. ‚Da ist ja doch mehr an mir dran, als ich dachte!’ Im selben Augenblick fragte ich mich aber schon: ‚Aber wen könnte ich schon retten?’
„Eine andere Form von Jesus!“ setzte Swenja noch drauf.
Ich nahm an, die beiden wollten mich durch irgendeine geheime Absprache, von der ich natürlich nichts wissen konnte, auf den Arm nehmen. Daher sagte ich ärgerlich: „Jetzt ist’s aber genug!“
Die beiden sahen mich verständnislos an und Selina fragte mich verwundert: „Du weißt wirklich nicht, was Dein Name bedeutet, Josh?“ Ich musste mir selbst eingestehen, dass es so war. Ich hatte mich selbst nie gefragt, warum ich so hieß wie ich hieß und ob der Name ‚Josh’ irgendeine Bedeutung haben könnte. Also schüttelte ich den Kopf und antwortete, irgendwie traurig über meine Erkenntnis: „Namen sind nur Schall und Rauch!“
„Wer weiß das schon?“ erwiderte Swenja und wollte sich wieder zum Gehen umwenden, wurde aber noch einmal von Selina zurückgehalten. „Willst Du Dich ein wenig zu uns setzen, Swenja?“ fragte sie. „Vielleicht ein andermal“, antwortete diesmal Swenja. Dann sagte sie: „Gute Nacht Selina, gute Nacht Josh!“
„Gute Nacht Swenja!“ wünschten auch wir. Dann sahen wir der schlanken, nackten Gestalt zu, wie sie zurück zu dem inzwischen schon weit runtergebrannten Feuer ging. Die anderen Mädchen tanzten nicht mehr und erwarteten sie bereits. Sie sprachen kurz miteinander. Dann rannten sie gemeinsam vergnügt ins Meer.
Ich breitete die Decke wieder aus und Selina und ich setzten uns. Ein paar Minuten schwiegen wir. Bis das Schweigen unangenehm wurde und ich fragte: „Was ist? Erwartest Du, dass jetzt eines der Mädchen um Hilfe schreit und ich es vor dem Ertrinken rette?“ Die Frage riss Selina aus ihren Gedanken. Sie sah mich an, schüttelte den Kopf und antwortete: „Wenn nur immer alles so einfach wäre!“
„So einfach?“ fragte ich. “Ich stürze mich todesmutig in die tosende Brandung, um die holde Jungfrau ihrem grausamen Schicksal zu entreißen und Du meinst, das wäre einfach?“
„Ist das jetzt Sarkasmus oder Zynismus, Josh?“ fragte Selina, lächelte mich dabei aber an und legte mir wieder ihre Fingerspitzen auf die Lippen, um eine Antwort auf diese Frage zu verhindern. Sie sah mir lange und tief in die Augen und sagte dann ganz leise: „Du hast doch längst mich gerettet!“
Ich überlegte lange, bevor ich fragte: „Wann sollte ich das getan haben? Und wie?“
„Indem Du immer für mich da warst, wenn ich Dich gebraucht habe, egal wie groß Deine eigenen Probleme waren!“ antwortete Selina.
Ich schüttelte den Kopf und widersprach: „Du warst doch immer für mich da!“ Ich wollte mein Plädoyer noch weiter ausführen. Aber Selina kürzte es einfach ab, indem sie sagte: „Also gut, sagen wir, wir sind füreinander da!“ Damit war ich einverstanden.
Selina öffnete den Picknickkorb, zündete eine Kerze an und reichte mir eine Weinflasche um sie zu entkorken. Während ich den Korken aus der Flasche zog und die beiden Gläser voller goss, als vornehme Menschen es tun, breitete Selina vor uns ein liebevoll bereitetes Nachtmahl aus, Schnittchen mit Käse, Schinken und Thunfisch und dazu Zwiebelringe, Knoblauch, Gurken und Tomaten. Wir hatten heute den ganzen Tag noch nichts gegessen und nur Wasser getrunken. Die lange Autofahrt, die Strandwanderung, das Toben im Meer und die frische Luft hatten Appetit gemacht. Und so aßen wir mit Heißhunger und genossen den schweren, französischen Wein.
Lange saßen wir noch so.
Die Mädchen kamen vollzählig und gesund aus dem Meer zurück, setzten sich an ihr fast erloschenes Feuer und legten ein wenig Holz nach, so dass die Flammen wieder etwas höher loderten und die nassen Körper beleuchteten. Noch einmal trafen sich die Blicke von Swenja und mir. Ich fühlte mich unwohl dabei, weil mir die Anziehungskraft dieser Augen, der ich mich nicht entziehen konnte, ein schlechtes Gewissen gegenüber Selina bereitete. Selina, der mein Blick nicht entgangen war, verstärkte den Druck ihrer Hand auf meinem Schenkel, wie sie es oft tat, bevor sie etwas Wichtiges sagte. Und dann meinte sie: „Du solltest sie fragen, ob Du sie fotografieren darfst.“ Ich schüttelte den Kopf und erwiderte: „Die ist doch viel zu jung.“ Aber Selina meinte: „Das glaube ich nicht. Frag sie doch einfach.“
Das Essen und der Wein hatten mich müde gemacht. Ich ließ mich nach hinten auf die Decke fallen, blickte in einen strahlenden Sternenhimmel, wie ich ihn seit Jahren nicht mehr gesehen hatte und antwortete: „Vielleicht morgen.“
Selina kuschelte sich an mich. Und während wir gemeinsam die Sterne zählten, und uns dabei unbewusst immer mehr in die Decke einwickelten, breitete sich die Müdigkeit so weit über uns, bis wir in einen wohligen Schlaf fielen.
Ich schlief tief und fest, bis die ersten Strahlen der Sonne die Dunkelheit der Nacht vertrieben. Neben mir schlief noch Selina. Ich erhob mich auf die Ellenbogen und blickte auf das ruhige Meer. Ich liebe die Stille eines Morgens am Strand und genoss daher diese Atmosphäre des Friedens. Langsam und ruhig erhob ich mich, um Selina nicht zu wecken und lief nackt, wie ich war, ins Wasser. Es war kühl, jetzt am Morgen. Aber ich ging trotzdem langsam hinein und genoss das erfrischende und belebende Gefühl. Die Wasseroberfläche war glatt, wie ein Spiegel. Ich tauchte in ihn ein und schwamm am sandigen Grund entlang weit ins Meer hinaus. Erst als ich auftauchte und dabei feststellte, wie weit es bis zur Wasseroberfläche war, wurde mir bewusst, wie weit und tief ich getaucht war. An der Oberfläche atmete ich erst einmal tief ein. Ich genoss die Freiheit, nackt im Meer zu schwimmen.
Als ich zum Strand blickte, um nach Selina zu sehen, sah ich Swenja am Ufer stehen. Auch sie war noch oder wieder nackt. Als sie sah, dass ich sie entdeckt hatte, winkte sie mir zu. Ich winkte zurück. Jetzt im Dämmerlicht des Morgens wagte ich endlich, sie mir genauer anzusehen. Die blonden Locken fielen ihr bis weit auf den Rücken. Ihre kleinen Brüste waren noch kaum entwickelt. Deswegen hatte ich sie für so jung gehalten, für zu jung, um sie zu fotografieren. Aber ich wusste, dass Selina in solchen Dingen ein besseres Gespür hatte als ich und stellte mein Urteil deshalb in Frage.
Swenja kam mir langsam entgegen, während auch ich auf sie zu schwamm, bis ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Das Wasser stieg Zentimeter um Zentimeter an ihrem Körper nach oben, zuerst an ihren schlanken Waden, über die Knie und die Oberschenkel. Als die Wasserlinie die kleine Spalte ihrer Scheide erreichte, blieb mein Blick fasziniert darauf haften. Gebannt beobachtete ich, wie das Wasser die leicht geöffneten, zarten, rosa Hautlappen umspülte und in sanfte Bewegung versetzte. Am letzten Abend hatte ich mit Selina keinen Sex gehabt. Trotz meiner anhaltenden, sexuellen Erregung hatte es sich nicht ergeben. Und jetzt schoss mir das Blut dafür umso schneller wieder in die Lenden. Innerlich fluchte ich, weil ich nicht wusste, wie ich jetzt wieder aus dem Wasser kommen sollte, ohne dass es peinlich würde. Meine pochende Erektion hielt mich im Wasser gefangen. Trotzdem konnte ich meinen Blick nicht von Swenjas Körper abwenden.
Ganz langsam wanderte die Wasserlinie weiter über ihren schlanken, braungebrannten Körper, über ihren Bauch bis unterhalb ihrer kleinen Brüste. „Guten Morgen Josh!“ grüßte sie mich nur so laut, dass ihre Stimme gerade nur bis zu mir drang. Und „Guten Morgen Swenja!“ grüßte ich zurück.
„Liebst Du den Morgen auch so sehr?“ fragte sie mich, während sie mir verdächtig nahe kam. Instinktiv wich ich langsam zurück, während ich antwortete: „Ja!“
Ich sah, wie die Wasserlinie über Swenjas kleine Knospen schwappte. Sofort zogen sie sich zusammen, wurden hart und stellten sich herausfordernd auf. Bei dem Anblick wuchs meine Erektion sofort noch weiter an. Swenja kam mir immer noch näher und hatte mich fast erreicht. Das Wasser war so ruhig und klar, dass es meine Erregung nicht vor ihren Blicken verbergen konnte. Swenja blickte ungeniert nach unten, lächelte und meinte dann zu mir: „Ich nehme das als Kompliment!“
„Ich fürchte“, sagte ich errötend, „Du bekommst einen völlig falschen Eindruck von mir“, wandte mich ab und tauchte von Swenja ein gutes Stück weg. Als ich wieder auftauchte, und zu ihr zurückblickte, rief sie mir zu: „Das hoffe ich nicht!“
Im nächsten Moment tauchte auch sie unter und ich sah ihren schlanken Körper unter der Wasseroberfläche schemenhaft auf mich zu gleiten. Mit nur wenigen, geschmeidigen Zügen hatte sie mich erreicht und umkreiste mich noch immer tauchend. Es war eine eigenartige und zugleich faszinierende Situation für mich. Ich konnte an dieser Stelle gerade noch auf den Zehenspitzen stehen und hielt mit ausgestreckten Armen das Gleichgewicht. Es gab keine Möglichkeit, meine Erektion vor Swenja zu verbergen, solange sie hier um mich herum schwamm. Nachdem sie mich einmal umkreist hatte, hielt sie direkt vor meinem hoch aufgerichteten Penis. Ich wagte nicht, mich zu bewegen. Während Swenja mit den Beinen ruderte, tastete sie mit beiden Händen ganz behutsam nach meinem Penis. Ihre Fingerspitzen berührten nur ganz sanft meine Eichel. Und trotzdem war diese Berührung so intensiv als hätte ich Sex mit einem Zitteraal gehabt. Ich explodierte im selben Augenblick und schoss zuckend einen mächtigen Schwall milchigen Spermas ins Meer.
Swenja tauchte vor mir auf und im selben Moment blitzte hinter ihr der erste Sonnenstrahl über den Horizont, so dass ich geblendet wurde und sie kaum sehen konnte. Ich rang noch schwer nach Atem und hätte gerne irgendetwas gesagt, irgendetwas, das mich selbst davon überzeugt hätte, dass das eben Erlebte ein Produkt meiner Fantasie gewesen war. Aber das konnte ich nicht. Also wartete ich darauf, wieder zu Atem zu kommen, während ich, noch geblendet von der Sonne, in Swenjas Gesicht zu lesen versuchte. Sie schwamm lächelnd aus der Sonne, so dass sie wieder erkennen konnte. Das Grün ihrer Augen funkelte wie Smaragde, als sie sagte: „Du fühlst Dich gut an!“
„Wie alt bist Du, Swenja?“, platzte es jetzt aus mir heraus und meine Bedenken müssen mir deutlich anzusehen gewesen sein, denn Swenja sagte beruhigend: „Keine Sorge Josh, ich bin zwanzig, alt genug um zu wissen, was ich tue und alt genug, um es auch zu dürfen!“
„Zwanzig?“ fragte ich ungläubig, denn ich hätte sie drei bis vier Jahre jünger geschätzt. Swenja lächelte mich an und antwortete: „Ich nehme das wieder als Kompliment. Danke!“
‚Es scheint so, als würde ich heute sehr viele Komplimente machen’, dachte ich mir, blickte an mir hinunter und stellte beruhigt fest, dass zumindest meine Erektion nach dem unerwarteten und dabei so unglaublich intensiven Orgasmus nachzulassen begann.
Ein Blick zum Strand zeigte mir, dass Selina inzwischen wach war. Sie stand am Ufer und winkte uns, als sie bemerkte, dass ich zu ihr hin sah. Ich winkte zurück, sagte zu Swenja „Selina ist wach“ und schwamm im nächsten Moment schon dem Ufer zu. Swenja schwamm neben mir her, als wenn es das Natürlichste der Welt wäre.
Selina lief uns entgegen. Das Wasser spritzte unter ihren Füßen und ihre Brüste hüpften im Takt ihrer Schritte. Ich liebe diesen Anblick und genoss ihn daher auch jetzt. Als Selina bis zur Hüfte im Wasser war, ließ sie sich nach vorne fallen und schwamm uns entgegen. Als sie uns erreichte, fielen wir uns in die Arme und küssten uns. „Guten Morgen, mein Schatz!“ sagte ich und fragte gleich weiter: „Hast Du gut geschlafen?“ „Wie ein Stein“, antwortete sie, wünschte auch uns einen „Guten Morgen!“ und fragte dann Swenja: „Willst Du mit uns frühstücken, Swenja?“ „Danke“, antwortete Swenja, „heute sage ich nicht nein.“
Nachdem Selina und ich unsere Morgentoilette erledigt hatten und uns wieder frisch fühlten, bereiteten wir das Frühstück vor; Kaffe, Tee, Orangensaft und ein paar Brötchen, die ich schnell noch im Ort besorgt hatte, mit Wurst, Käse und ein paar gekochten Eiern. Ich hatte mir zum Einkaufen meine Shorts angezogen und ließ sie jetzt zu meiner eigenen Sicherheit noch an.
Wir bemerkten, dass hinter der nächsten Düne Aufbruchstimmung herrschte. Die zwei großen Igluzelte der nackten Tänzerinnen vom Vorabend wurden abgebaut und ich befürchtete durch diesen Umstand schon, dass Swenja unsere Einladung zum Frühstück doch noch ausschlagen würde. Aber da kam sie über den Kamm der Düne spaziert. Sie war noch immer nackt, was mir sofort wieder einen erregenden Schauer über den Rücken und andere Körperpartien jagte, trug aber einen großen, Rucksack, der viel zu schwer für sie zu sein schien, auf ihrem Rücken. Ich lief ihr entgegen und nahm ihr den Rucksack ab, ohne zu fragen, ob das nötig gewesen wäre. Sie dankte mir mit einem bezaubernden Lächeln.
„Was ist da drüben bei Euch los?“ fragte ich neugierig. „Brecht ihr schon auf?“
„Die anderen, ja“, antwortete Swenja. „Gestern war eigentlich unser letzter Abend. Deswegen haben wir auch so ausgelassen gefeiert und getanzt.“
„Dann wirst Du die Insel heute auch schon verlassen?“ fragte ich besorgter, als es mir selbst bewusst war. Und Selina meinte: „Das wäre schade!“ Aber Swenja erwiderte: „Eigentlich wollte ich heute auch los. Aber ich hab noch ein paar Tage Zeit und habe mich deswegen entschlossen, meinen Urlaub noch ein wenig zu verlängern.“
„Und was sagen Deine Freundinnen dazu?“ erkundigte sich Selina, während sie Swenja mit einer einladenden Geste einen Platz auf unserer Decke vor dem Zelt anbot. Swenja nahm Platz und antwortete nach kurzem Überlegen: „Um ehrlich zu sein, hatten wir eine kleine Auseinandersetzung deswegen.“
„Dann solltest Du vielleicht doch mit ihnen gehen“, beeilte ich mich vorzuschlagen. Ich muss allerdings eingestehen, dass ich innerlich hoffte, dass Swenja nicht auf diesen Vorschlag eingehen würde. Und insofern war ich auch erleichtert, als sie darauf erwiderte: „Ich habe diese Option erwogen, mich aber anders entschieden!“
„Und weshalb, wenn ich fragen darf?“ forschte Selina nach.
Swenja blickte zuerst lange mich an, bevor sie sich an Selina wandte und antwortete: „Wegen der Magie!“
„Tee oder Kaffe?“ fragte Selina völlig ohne Zusammenhang. „Tee bitte“, antwortete Swenja. Selina schenkte ihr ein und meinte dabei: „Dann war das also keine Einbildung gestern Abend!?“
„Sieht nicht so aus!“ erwiderte Swenja und ich verstand eigentlich gar nichts mehr, da mein rationaler Zynismus alles Übernatürliche leugnete und mein Geist eifrig daran arbeitete, all das, was er nicht verstehen konnte, zu verdrängen. Offensichtlich verriet mein Gesichtsausdruck meine Verwirrung. Selina forderte mich daher auf, mich ebenfalls zu setzen und flüsterte mir, nachdem ich dieser Aufforderung nachgekommen war, mit einem Anflug von Sarkasmus ins Ohr: „Und Du bist mal wieder der einzige, der gar nichts versteht!“
Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern. Aber mir fiel beim besten Willen nichts ein, was ich darauf hätte sagen können. Ich verstand wirklich nichts. Was war denn so Besonderes? Am Abend zuvor hatten ein paar nackte Mädchen um ein Feuer getanzt. Und der Anblick hatte mich fasziniert. Da fühlte ich Swenjas Augen auf mich gerichtet und hörte ihre Stimme in meinem Kopf sagen: ‚Ich weiß, dass Du es auch gespürt hast!’
‚Nein!’ leugnete ich in Gedanken, während ich selbst noch überzeugt war, dass mir meine Fantasie einen Streich spielte. Aber da fragte mich Swenjas Stimme schon: ‚Und wieso kannst Du dann meine Gedanken hören?“
„Das kann ich gar nicht!“ platzte ich jetzt heraus. Selina sah mich fragend an und Swenja erwiderte mit einer Stimme, in der sich Neugier mit Euphorie mischten, darauf: „Wie Du siehst, kannst Du es!“ Ich sah sie an und fühlte mich geblendet vom grünen Feuer ihrer Augen, wusste aber nichts zu antworten.
Nach einer Sekunde wendete ich mich Selina zu und erklärte, als ob es die normalste Sache der Welt wäre: „Wir haben uns nur grad per Gedanken unterhalten!“ Ich hätte mit allem gerechnet; damit, dass Selina mich für verrückt erklären oder hysterisch lachen würde (obwohl ich sie noch nie hysterisch erlebt hatte). Aber sie erwiderte nur mit dieser lakonischen Art, die mich manchmal so verunsicherte: „So fängt es meistens an!“
„Aaaaha!“ machte ich und zog das erste A dabei sehr lang. Dabei versuchte ich zwar ein kluges Gesicht zu machen aber eigentlich sagte ich nichts anderes damit, als dass ich immer weniger verstand.
Selina war meine Freundin und ich beabsichtigte nicht, an diesem Zustand etwas zu ändern. Swenja war nur ein Mädchen, das nackt um ein Feuer getanzt war, als ich es zum ersten mal gesehen hatte. Ich konnte nicht leugnen, dass es eine eigenartige Faszination und Anziehungskraft auf mich ausübte. Aber ich wollte dem keine übertriebene Bedeutung beimessen.
Okay, ich hatte letzten Abend ihre Augen aus dreißig oder vierzig Metern Entfernung ganz deutlich gesehen, oder zumindest hatte ich mir das eingebildet. Und gut, sie hatte mir im Wasser mit einer einzigen zarten Berührung ihrer Finger einen unbeschreiblichen Orgasmus beschert. Aber was bedeutete das schon? Abgesehen davon lasse ich mir beim Sex sowieso lieber Zeit! Also gab es gar keinen Grund, irgendetwas Geheimnisvolles oder Übernatürliches in unser Zusammentreffen hinein zu interpretieren. Und für die Sache mit dem Gedankenlesen gab es sicher auch eine plausible Erklärung; ‚So etwas wie überreizte Nerven’, dachte ich mir. Aber da hörte ich schon wieder Swenjas Stimme in meinem Kopf. Und sie sagte: ‚Du wirst schon sehen!’
Ich sah ihr in die Augen, um darin zu lesen. Aber der einzige Effekt, den das hatte, war, dass sich meine Shorts auszubeulen begann. Und als ich meinen Blick dann gewaltsam wieder los riss und er über ihren nackten Körper wanderte, machte es das nicht besser. Ich bemerkte, dass Selinas Blick fasziniert auf die Beule in meiner Hose gerichtet war, sagte errötend „Ich will kein Wort hören!“, trank meinen Kaffe aus und erklärte, während ich schnell aufstand: „Ich geh ein Stück am Strand laufen!“
Laufen war immer gut. Es brachte das Blut in Bewegung und konnte peinliche Blutstaus lösen.
Selina stand ebenfalls auf, gab mir lächelnd einen zärtlichen Kuss und sagte leise: „Du kannst ihr sowieso nicht davonlaufen, zumindest nicht, solange Du nicht weißt, was Du willst.“
Auch Swenja war aufgestanden und sagte schnell: „Ich komme mit!“ Aber Selina hielt sie zurück, indem sie sie bat: „Lass ihn Swenja. Ich glaube, Josh muss erst mal allein sein.“ Weiter hörte ich nichts. Hinter einem Busch zog ich mich schnell aus, lief dann nackt zum Strand und im nassen Sand am Ufer entlang. Mein erigierter Penis wippte dabei wie der Taktstock eines durchgeknallten Dirigenten und klatschte mir bei jedem Schritt gegen den Bauch. Ich beschleunigte meinen Sprint und versuchte dabei, meine Gedanken zu sammeln, ohne dass meine Erektion sich davon beeinflussen ließ.
‚Was ich will?’, fragte ich mich. ‚Ich weiß doch, was ich will!’ dachte ich mir. ‚Ich will ein paar schöne Tage mit Selina am Strand verbringen!’ ‚Aber warum hast Du dann befürchtet, dass Swenja heute abreist?’ ‚Weil, … weil, … na ja, weil Selina hat doch gemeint, ich soll sie fragen, ob ich Fotos von ihr machen darf.’ ‚Oh Du Heuchler!’ ‚Ja, okay, sie gefällt mir!’ ‚Und?’ ‚Und was?’ ‚Was empfindest Du für sie?’
Ich blieb mitten im Laufen plötzlich stehen und stützte mich mit meinen Händen schwer atmend auf meinen Knien auf. Mein Penis stand noch immer hart wie ein Laternenpfahl. „Dich hat keiner gefragt!“ sagte ich, während ich auf ihn hinunterblickte. Ich richtete mich wieder auf und blickte über das Meer, auf dessen Wellenbergen Schaumkämme tanzten. „Was empfinde ich für Swenja?“ fragte ich in den Wind. „Nichts!“ antwortete ich mir nach einigen Augenblicken darauf. „Ich kenne sie doch nicht einmal!“
Ich blickte mich um. Der Strand war fast menschenleer. Nur ganz weit hinten sonnten sich ein paar Leute. Ich atmete tief durch und streckte mich. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, mich nackt und mit zwar ungewollter Erektion, die sich aber trotzdem gut anfühlte, völlig ungezwungen und frei zu bewegen und den salzigen Wind, der vom Meer her wehte, auf meinem Körper zu spüren.
Das wollte ich! Ich wollte mich so frei und ungeniert völlig nackt der Sonne und dem Wind hingeben, ich wollte meine Nacktheit und auch meine Erregung genießen, Sonne und Wind und auch das Meer auf meiner Haut spüren. Ich wollte mich nicht verstecken müssen, weil mein Körper auf äußere Einflüsse vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ansonsten doch völlig normal reagierte. Ich wollte Selina nackt sehen, nicht so, wie zuhause in den eigenen vier Wänden, sondern völlig ungehemmt im Freien, ich wollte die Sonne und das Salz der Luft auf ihrer Haut riechen und mich daran berauschen, ich wollte Selina berühren, sie spüren und unter freiem Himmel lieben.
Aber wie passte Swenja in dieses Bild? Selinas Verhalten ließ keinerlei Eifersucht erkennen. Ich hätte fast vermuten können, sie wollte Swenja und mich verkuppeln, wenn ich ihre Liebe zu mir nicht so deutlich gespürt hätte. Sie hatte am Abend zuvor gesagt, sie hätte die Magie gespürt. Und jetzt, als ich allein am Ufer des Meeres stand und eine Böe feinen Gischtregens mich benetzte, konnte ich auch selbst nicht leugnen, dass da irgendetwas gewesen war. Ich hatte keine Ahnung, was es war, aber es war stark. Und es verband Swenja und mich durch irgendeine geheimnisvolle Macht. Swenja war wunderschön, sah aber verteufelt jung aus. Aber konnte ich leugnen, dass mir das gefiel? Nein, das konnte ich nicht. Und jetzt, wo ich wusste, dass sie älter war, als sie wirkte, war das auch gar kein Problem mehr. Das, was Swenja und mich verband, oder zu verbinden schien, hatte ganz offensichtlich auch Swenjas Interesse an mir geweckt. Aber im Gegensatz zu mir ging sie ganz selbstverständlich mit dieser Situation um, während sich mir der Kopf drehte und mein Penis zur Kompassnadel meiner Begierde mutierte. Aber was wollte Swenja? Was dachte sie selbst über die ‚Magie’? Was dachte sie von mir? Und was erwartete sie? Diese Fragen konnte ich nicht beantworten. Das konnte nur sie selbst. Und ich musste mir über mich klar werden.
Also was wollte ich? Ein Shooting mit Swenja? Aktfotos von ihr am Strand und im Meer machen? Eigenartigerweise empfand ich diesen Wunsch im Moment gar nicht als so vorrangig. Und das war sehr befremdlich für mich, da sich mein ganzes Denken normalerweise nur darum drehte, genau solche Fotos zu machen, natürliche und ästhetische Outdoorakte von hübschen Models. Und jetzt war ich noch dazu an einem traumhaften Strand und das potenzielle Model war von fast überirdischer Schönheit. Aber ich wollte nicht die von der Kamera geschaffene Distanz zwischen mir und ihr haben. Ich wollte sie berühren, wollte jeden Zentimeter ihres Körpers mit meinen Fingerspitzen und meinen Lippen erkunden, ich wollte wissen, wie sie riecht und schmeckt. Das alles wollte ich, ohne dabei aber auf Selina verzichten zu müssen.
Mir fiel der Besuch von Selinas Freundin Rahel zu Beginn des Sommers wieder ein. Auch von Rahel war ich vom ersten Moment an fasziniert gewesen. Und doch hatte ich bei ihr nur daran gedacht, sie zu fotografieren. Bei Swenja war alles anders. Swenja hatte mich schon beim allerersten Blickkontakt in ihren Bann gezogen. Und die Anziehung zwischen uns war absolut eine körperliche.
Welche Magie auch immer Swenja und mich auf dieser Insel zusammengeführt hatte und wohin das ganze auch führen mochte, ich konnte mich dem nicht entziehen. Ich musste mich darauf einlassen, wenn ich mir nicht für den Rest meines Lebens vorwerfen wollte, ein Geschenk des Schicksals zurückgewiesen zu haben, ein Geschenk, wie ich es wohl nie wieder bekommen würde.
Selina hatte gespürt, dass es eine ‚magische’ Verbindung zwischen Swenja und mir gab und sie hatte es akzeptiert. Jetzt musste ich nur noch herausfinden, wie weit ich gehen konnte oder durfte, ohne dass jemand von uns dreien verletzt wurde.
Meine Erektion hatte standhaft meine Gedankenakrobatik überdauert. Und als ich jetzt wieder zu Selina und Swenja zurückspazierte, trug ich sie zwar nicht mit Stolz, aber zumindest doch so selbstverständlich vor mir her, als wenn es die natürlichste Sache der Welt wäre.
Und mal ganz ehrlich: Ist es das nicht auch? Wenn wir Männer bei dem Gedanken an eine nackte Frau und noch viel mehr bei ihrem Anblick keinen mehr hochbekommen würden, wie hätte der Mensch dann überhaupt so lange überleben können, ohne von der Evolution wieder ausgekotzt zu werden? Und jetzt stehen wir da, halten uns für die Krönung der Schöpfung und sind nicht einmal mehr in der Lage, offen über die elementarsten menschlichen Bedürfnisse, Sex und Erotik zu sprechen, ohne sie im selben Atemzug zu verdammen und zu kriminalisieren. Dass es Religion und Politik durch die Verurteilung aller Sinnesfreuden nur um die Festigung ihrer eigenen Macht geht, ist schlimm genug. Aber dass die Menschen dieses scheinheilige Spiel auch noch mitmachen, wird mir immer unbegreiflich bleiben.
Okay, das war jetzt nur eine hypothetische Überlegung, die mit meinen Aufzeichnungen an sich nicht wirklich etwas zu tun hat.
Selina und Swenja waren am Strand, als ich zurück kam. Sie lagen nebeneinander nackt auf unserer Decke und sonnten sich. Während ich, meinen wippenden Schattenspender vor mir hertragend, auf die beiden zu ging, musterte ich sie aufmerksam. Ich ließ meinen Blick neugierig über ihre Gesichter und Körper schweifen. Sie hatten die Augen geschlossen und schienen zu schlafen. Ich sah, wie ihre Brüste sich langsam und gleichmäßig hoben und senkten, Selinas große, volle und Swenjas winzige, flache.
Während ich auf die beiden zu schritt, nahm mein vorher gewonnenes Selbstbewusstsein rapide wieder ab. Selina wäre kein Problem gewesen. Sie kannte mich und sie kannte auch meinen Penis in jeder seiner Launen und Aggregatszustände. Bei Swenja war das etwas anderes. Sie kannte mich nicht … sie kannte mich gut genug, um mir mit einer einzigen Berührung einen unglaublichen Orgasmus zu bescheren. Entschuldigung, wenn ich darauf rumreite, aber irgendwie habe ich dieses Erlebnis noch nicht so ganz verarbeitet.
Das Problem war, dass ich Swenja noch nicht wirklich kannte und sie trotz aller Anziehungskräfte, die zwischen uns herrschten, auch nicht ansatzweise einschätzen konnte. Trotzdem marschierte ich tapfer auf die beiden zu. Und ich wusste, nichts würde so peinlich werden, als wenn ich in dem Moment, in dem Swenja ihre Augen öffnete, versuchen würde, meine Erektion vor ihr zu verbergen. Ich war so weit gegangen. Und jetzt musste ich diesen Weg auch zu Ende gehen, auch wenn alle meine Gedanken und Überlegungen nichts weiter als Hirngespinste und Wunschdenken von mir gewesen sein sollten.
Meine Schritte im weichen Sand waren lautlos. Weder Selina, noch Swenja hörten mich, als ich auf sie zu ging und vor ihnen stehen blieb. Und so blieben mir noch einige Momente, um die beiden aus der Nähe zu mustern.
Selina hatte, so wie auch ich, nicht besonders viel Farbe. Wir waren während des Sommers nicht allzu oft zum Sonnenbaden gekommen. Aber es war auch nicht die vornehme Blässe, die so ungesund nach Heimaterde aus Transsilvanien roch. Es war gerade mal Bräune genug, dass wir nicht beim ersten Sonnenbad sofort einen Sonnenbrand bekamen.
Selina sah wunderschön und sehr verführerisch aus, wie sie so friedlich da lag. Ihr Gesicht war umrahmt von ihren schweren, braunen Locken und um ihre Mundwinkel spielte ein Ausdruck von Sinnlichkeit und Zufriedenheit, wie es mir vorher in dieser Art noch niemals bei ihr aufgefallen war. Langsam ließ ich meinen Blick tiefer wandern. Ich liebte den Anblick der sanften Hügel, die ihre üppigen, vollen Brüste im Liegen bildeten. Selina hatte die Beine etwas gespreizt und ließ sich die Sonne auf ihre leicht geöffneten Schamlippen scheinen. Das Wasser lief mir bei dem Anblick im Mund zusammen und ich spürte ein erregendes Ziehen in meiner vor Begierde pochenden Eichel, während ich mir vorstellte, diese weichen, von der Sonne erwärmten Hautfalten auf meinen Lippen zu spüren und dabei ihren erregenden Duft einzuatmen. Kurz überlegte ich, wann ich Selina zum letzten Mal so lange und aufmerksam betrachtet hatte.
Auf der einen Seite fiel es mir schwer, meinen Blick wieder von Selina zu lösen, auf der anderen Seite wurde er angezogen von der kleinen, zierlichen Gestalt Swenjas.
Swenja war tiefbraun, was einen interessanten Kontrast zu ihren strohblonden Haaren bildete.
Ich konnte mich daran erinnern, dass ich früher selbst im Sommer so braun gewesen war. Während der letzten Jahre hatte ich mir kaum noch Zeit genommen, um mich um mein eigenes Wohlbefinden zu kümmern. Außer meinem täglichen Workout tat ich kaum noch etwas für mich selbst, für meinen Körper und meine Seele. Und doch wusste ich, wie wichtig die Sonne für mich war und genoss es daher jetzt umso mehr, mich nackt unter ihr zu bewegen und Kraft aus ihr zu tanken.
Auch Swenja hatte die Augen geschlossen. Ich verschlang ihre Schönheit mit einem einzigen, zugleich gierigen, wie auch ehrfürchtigen Blick. Die winzigen, dunklen Knospen auf ihren kleinen Brüsten schienen trotz der entspannenden Wirkung der Sonnenwärme erregt zu sein, denn sie waren zusammengezogen und standen deutlich ab. Der Anblick hatte etwas Hypnotisierendes.
Das Ziehen in meiner Eichel nahm noch zu und ich spürte, dass sie weiter anschwoll. Sie war so prall, dass es schon fast schmerzte. Aber es war ein unglaublich erregender Schmerz, der nicht nach Linderung, sondern nach immer mehr schrie.
Auch Swenjas Beine waren leicht geöffnet. Und auch von ihr konnte ich die winzigen, leicht geöffneten Schamlippen sehen, an denen am Morgen im Meer schon im mein Blick hängen geblieben war.
Selina öffnete zuerst die Augen und blinzelte mich gegen die Sonne an. Lächelnd wanderte ihr Blick von meinem Gesicht an meinem Körper hinunter und blieb in der Mitte hängen.
„Was denn“, fragte sie, „ist es schon so spät?“ Ich verstand nicht, was sie meinte, da ich kaum eine halbe Stunde unterwegs gewesen war. Swenja öffnete bei Selinas Worten ebenfalls die Augen. Das Licht der Sonne loderte im Grün ihres auf mich gerichteten Blickes.
Wann immer ich bis zu diesem Moment gesehen hatte, dass sich eine Frau über die Lippen leckt, hatte das auf mich billig und unerotisch gewirkt. Swenja war sich dieser Handlung glaube ich gar nicht bewusst. Sie befeuchtete sich mit so ungespielter Natürlichkeit mit der Zunge die Lippen, dass mir bei diesem Anblick zum ersten Mal überhaupt bewusst wurde, wie verführerisch diese Geste wirken kann.
Meine Erektion schien an einem neuen persönlichen Rekord zu arbeiten. Und Swenja schien den Anblick ganz offensichtlich zu genießen. Ich sah deutlich, wie sie schluckte, während ihre Augen meinen Penis verschlangen. Zwischen ihren Lippen und meiner Eichel entstand eine ungeheuere Anziehungskraft, die mich fast nach vorne umkippen lassen hätte. Ich sehnte mich danach, ihre Lippen auf meiner ziehenden und pochenden Eichel zu spüren, wagte aber nicht, auch nur einen einzigen weiteren Schritt auf sie zu zu machen.
„Wie spät?“ fragte ich verwirrt und völlig aus der Fassung gebracht, Selina. Mit einem angedeuteten Nicken in die Richtung meiner Erektion antwortete sie aufreizend schmunzelnd: „Laut dem Zeiger Deiner Sonnenuhr, hast Du Dich entschlossen, die Magie zu akzeptieren!“ Ich nickte, blickte Swenja an und fragte sie unsicher: „Und Du?“
„Ich hab sie doch längst angenommen!“ antwortete sie, während sie sich hinkniete.
„Und Du?“ fragte ich auch noch, und bereits schwer atmend, Selina. Selina kniete sich ebenfalls hin und antwortete: „Ich bin in dem Fall nur unbeteiligter Zeuge!“ Ich schüttelte den Kopf und entgegnete entschieden darauf: „Das wirst Du niemals sein. Du bist ein Teil meines Lebens, ein Teil von mir!“
Selina lächelte mich dankbar und verliebt an und lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf Swenja, deren Gesicht ganz dicht vor meinem hoch aufgerichteten Penis war. Ich konnte ihren Atem und ihren brennenden Blick auf meiner Eichel spüren, an dessen Spitze ein Lusttropfen in der Sonne glänzte. Ohne dass Swenjas Lippen meine Eichel berührten, spürte ich, wie sich mit der Aufladung eines heraufziehenden Gewitters ein gewaltiger Orgasmus anbahnte. So etwas Intensives hatte ich in meinem Leben noch niemals erlebt und ich hätte es mir auch nicht vorstellen können. Ich spürte, wie meine Knie weich wurden, während Swenja anscheinend nur die Pheromone meines Penis in sich einsog. Ich begann immer mehr zu zittern, Schweiß trat mir auf die Stirn und meine Eichel blähte sich wie ein sterbender Planet vor seinem Tod zu ungekannter Größe auf. Und plötzlich entlud sich mein Orgasmus mit solcher Gewalt, als hätte ich seit Jahren keinen Sex mehr gehabt. In vielen stoßartigen Schwallen schoss mein Sperma aus mir heraus und überzog Swenjas Gesicht.
Am Ende meiner Kräfte sank ich ebenfalls auf die Knie. Swenja hatte die Augen geschlossen. Ihr Gesicht, von dem mein Samen auf ihre Brüste und in den Sand tropfte, wirkte ganz entspannt, obwohl auch ihr Atem schwer ging.
Ich wünschte, ich könnte nur ansatzweise verstehen, welche Macht Swenja über meinen Körper besaß. Selina hatte dem Schauspiel fasziniert und schweigend zugesehen. Auch jetzt durchbrach sie die Ruhe, in der nur mein Atem zu hören war, mit keinem Wort.
Als ich nach einigen Minuten wieder soweit zu Kräften gekommen war, dass ich mir zutrauen konnte, sicher auf meinen Beinen stehen zu können, hob ich Swenja hoch und trug sie ins Meer. Die Berührung unserer Körper baute trotz meiner Erschöpfung sofort wieder eine sexuelle Erregung bei mir auf. Und ich bemerkte, dass auch Swenja in meinen Armen unruhig wurde und ihr schmales Becken zu zucken begann. Im flachen, von der Sonne erwärmten Wasser legte ich sie vorsichtig ab und wusch ihr behutsam die Spuren meines Ergusses aus Gesicht und Haaren. Erst als ich damit fertig war, öffnete sie ihre Augen wieder.
Lange sahen wir uns nur schweigend an. Weder sprachen wir, noch versuchten wir, uns durch unsere neu entdeckten telepathischen Fähigkeiten etwas zu sagen. Wir sahen uns nur in die Augen und ließen zu, dass unsere Seelen ineinander flossen und miteinander verschmolzen. Weder forderten wir, noch verweigerten wir uns. Wir ließen dem Fluss der Energie und der Magie, der uns durchströmte, ungehindert seinen Lauf, ohne uns dagegen zu wehren. Ich weiß nicht, wie lange ich so über Swenja gebeugt war und die Welt außerhalb von uns aufgehört hatte zu existieren. Als das leise Rauschen der kleinen, sich kräuselnden Wellen, die am Strand ausliefen, langsam begann, wieder in mein Bewusstsein zu dringen, hob Swenja ihre rechte Hand an meine Wange, strich zärtlich in meine Haare und zog meinen Kopf ganz behutsam zu sich hinunter, bis unsere Lippen sich so sanft wie zwei Schmetterlingsflügel berührten. Swenjas Lippen waren weich und fest zugleich, straff und geschmeidig und unendlich zärtlich. Während wir uns küssten und gegenseitig unseren Atem tranken, entrückte ich wieder vollkommen der Welt, die mich umgab. Swenjas Finger spielten in meinen Haaren. Ich war auf meine linke Hand gestützt und ließ die Fingerspitzen meiner rechten Hand so sanft wie eine Feder über Swenjas Wange und ihren Hals bis auf ihre Schulter wandern. Am Beben ihrer Lippen spürte ich, wie sie erschauderte. Sie griff auch mit der zweiten Hand in meine Haare und schob meinen Kopf ganz behutsam über ihre Brüste. Die kleinen, dunklen Brustwarzen streckten sich mir erwartungsvoll entgegen. Ich bedeckte die winzigen, harten Knospen mit sanften Küssen. Sie fühlten sich unendlich gut auf und zwischen meinen Lippen an. Swenjas Haut schien nur aus Pheromonen zu bestehen. Ihr Geschmack und ihr Geruch waren unbeschreiblich erregend und berauschend. Swenja bäumte sich unter der leidenschaftlichen Zärtlichkeit meiner Küsse auf. Ihre Finger verkrallten sich in meinen Haaren und in einem nur aus diesen Küssen resultierenden Orgasmus, der das Wasser um uns herum zum Kochen brachte und Milch aus ihren jungfräulichen Brüsten tropfen ließ, presste sie sich an mich. Sie hielt meinen Kopf mit beiden Händen umklammert und presste ihre bebenden Brüste gegen mein Gesicht. Auch ich schlang meine Arme um Swenja und hielt sie ganz fest, bis sie langsam wieder ruhig wurde. Es dauerte lange, bis der Orgasmus, der ihren Körper so stark zum Beben gebracht hatte und ihn noch immer gefangen hielt, wieder abflaute und bis das wilde Pochen ihres Herzens, das ich in ihrer Brust spürte, wieder nachließ. Als der Griff ihrer Arme sich dann langsam lockerte, war sie völlig erschöpft. Ihr Atem ging noch immer stoßweise. Wie aus Angst, dass sie mir wehgetan haben könnte, während sie sich an mich geklammert hatte, begann sie, mir zärtlich über die Haare zu streicheln. Ich hielt sie noch in meinen Armen und streichelte ihr ebenso sanft über den Rücken.
Swenja hatte die Augen geschlossen und als auch ihr Atem sich beruhigt hatte und wieder langsam und gleichmäßig ging, hörte ich ihre weiche Stimme ganz leise in meinem Kopf fragen: ‚Was hast Du gemacht?’ Ja, was hatte ich gemacht? Das fragte ich mich selbst. Ich hatte ihre kleinen, zarten Brustwarzen geküsst. Ich hatte Swenja begehrt und ich hatte sie geliebt. Das war es; ich liebte sie! Ohne dass ich bewusst auf Swenjas Frage geantwortet hatte, hatte sie meine Gedanken anscheinend wahrgenommen, denn ich hörte ihre Antwort darauf in meinem Kopf. ‚Ich liebe Dich auch, Josh’, flüsterte ihre Stimme mir zu, während ihr Mund schwieg.
Ganz sanft wiegte ich dieses zarte und so zerbrechlich wirkende Wesen in meinen Armen. Ich blickte über sie hinweg zum Strand und sah dort noch immer Selina auf unserer Decke knien. Ich hatte ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen, obwohl sie mich in gewisser Weise fast dazu gedrängt, nein, nicht gedrängt, motiviert hatte, mich auf die Magie und die Anziehungskraft, die auf unerklärliche Weise zwischen Swenja und mir herrschte, einzulassen. Ich wünschte mir, sie jetzt ebenfalls bei mir zu haben. Aber ich wollte die friedliche Stille der Erschöpfung nicht dadurch unterbrechen, dass ich Selina gerufen hätte. Und leider fehlte mir die Gabe, mich mit ihr ebenfalls auf telepathische Weise verständigen zu können. Für Swenja waren meine Gedanken wie ein offenes Buch. Ohne ihre Augen zu öffnen, flüsterte sie: „Rufe sie Josh. Selina liebt Dich so sehr! Das Geschenk, das sie uns macht, ist so groß und selbstlos, wie es nur jemand machen kann, der wahrhaftig liebt!“
Ich war noch immer völlig verwirrt und weiß nicht, worüber ich mich am meisten wunderte; darüber dass Swenja einfach meine Gedanken las, oder darüber, wie sie sprach. Das waren nicht die Worte einer zwanzig Jahre alten Frau, in der ich noch immer ein jüngeres Mädchen sah. Es klang für mich wie die Stimme eines Engels. Swenja, die ‚junge Kriegerin’ hatte alle meine Mauern niedergerissen und mein Herz im Sturm erobert. Und doch war sie eine reine Seele, die trotz der erotischen Anziehungskraft, die zwischen uns herrschte, nur aus Licht zu bestehen schien. Obwohl sie sich dieser Kraft ebenso wenig entziehen konnte wie ich, wollte auch sie nicht, dass jemand verletzt wurde. ‚Mach keine Heilige aus mir, Josh’ erwiderte Swenja jetzt wieder stumm auf meine Gedanken und forderte mich zum zweiten mal auf, Selina zu rufen. Um ihre Lippen spielte dabei ein leises Lächeln und sie öffnete matt ihre Augen, deren grünes Feuer mich sofort wieder versengte. Die Situation war aber nicht die, in der ich einen lauten Ton von mir hätte geben wollen oder können. Die Mattigkeit der eben erlebten Ekstase …
Kann man das Ekstase nennen? Meinen Orgasmus, der ohne jede Berührung erfolgt war und Swenjas Orgasmus, den sie nur durch meine Küsse auf ihren Brüsten erlebt hatte!? Wir waren beide auf so ungewöhnliche und wie ich eingestehen muss, unglaubliche Art zu so intensiven sexuellen Höhepunkten gelangt, wie man sie vielleicht nur einmal im Leben erlebt. Ja, ich glaube, das kann man Ekstase nennen.
Die Mattigkeit dieser eben erst erlebten Ekstase lag noch wie ein schwerer Mantel des Glücks über uns gebreitet. Ein lauter Ruf hätte diesen Mantel zerschnitten, wie der kalte Wind einer sibirischen Winternacht in die nackte Haut schneiden würde. Ganz behutsam hob ich Swenja wieder hoch und trug sie zurück zur Decke, auf der ich sie ebenso behutsam wieder ablegte.
Mein Blick suchte Selinas Augen, vor denen ich in gewisser Weise ganz offen Sex mit Swenja gehabt hatte. Ich befürchtete, in ihnen so etwas wie Traurigkeit oder Schmerz zu entdecken. Aber Selinas Blick zeigte nichts dergleichen. Ich las in ihm eine eigenartige Faszination und Anteilnahme an den Geschehnissen.
„Ich liebe Dich!“ flüsterte ich, nahm Selinas Kopf zärtlich in meine Hände und bedeckte ihre Lippen mit einem langen, innigen Kuss. Selina erwiderte den Kuss voller Hingabe. Diese innige und vertraute Liebe und Hingabe waren es, die es mir beinahe unbegreiflich erscheinen ließen, dass ich eine andere Frau überhaupt begehren konnte. Aber zu behaupten, dass ich in dieser Hinsicht besser wäre, als irgendein anderer Mann, wäre zu heuchlerisch, als dass ich den Versuch überhaupt wagen möchte. Seit ich mit Selina zusammen war, hatte es tatsächlich keine andere Frau für mich gegeben. Ich hatte die Frauen immer nur durch den Sucher meiner Kamera begehrt. Nur einmal hatte Selina mir eine Nacht geschenkt, in der sie mich zusammen mit einer anderen Frau verwöhnt hatte. Ich glaube zwar, sicher zu wissen, wer diese Frau gewesen war, doch meine Augen waren während dieser Nacht verbunden gewesen und ich hatte sie deshalb nicht sehen können. Und um das Geheimnisvolle dieser Nacht nicht zu zerstören, haben wir auch später niemals darüber gesprochen.
Vielleicht hatte ich vor dieser Nacht meine eigene Untreue einfach nur durch das Objektiv meiner Kamera gefiltert. Nach dieser Nacht war mir wieder bewusst geworden, dass auch andere Frauen sich gut anfühlen, riechen und schmecken konnten. Trotzdem war ich in meiner Treue zu Selina weiterhin unerschütterlich geblieben – bis jetzt! Und jetzt, wo zwischen Swenja und mir mit der Gewalt eines Orkans etwas entstanden war, das ich nicht einmal annähernd begreifen konnte, da war das noch nicht einmal ein Fremdgehen, denn Selina tolerierte es nicht nur, sondern sie selbst war die treibende Kraft dabei gewesen, dass ich mich meinen Gefühlen stellte.
Während Selina und ich uns noch in diesem unendlich liebevollen Kuss vereinigten, spürte ich Swenjas kleine Hände zärtlich meinen Rücken berühren. Sie streichelte ganz sanft von meiner Hüfte aufwärts bis zu meinen Schultern und dann unter meinen Armen hindurch, umarmte mich und schmiegte sich an mich. Ich spürte, wie ihre kleinen Brüste sich gegen meinen Rücken pressten und ihre Lippen meinen Nacken küssten. Dann löste sie sich wieder von mir.
Als ich mich nach einigen Augenblicken zu ihr umwandte, sah ich, dass sie am Ufer des Meeres stand und in die Ferne blickte, während die am Strand auslaufenden Wellen ihre Füße umspülten.
„Geh zu ihr!“ forderte Selina mich auf. Ich war hin- und her gerissen zwischen den beiden, wollte bei jeder sein, ohne mich dabei aber von einer von ihnen entfernen zu wollen. Irgendwie spürte ich in dem Moment, dass ich der Situation nicht gewachsen war. Vielleicht hätte ich eine Frau lieben können und eine andere begehren; aber zwei Frauen gleichzeitig zu lieben und auch zu begehren, damit wusste ich einfach nicht umzugehen.
„Warum“, fragte ich Selina, während ich ihr so tief in die Augen blickte, dass ich im Grunde ihrer Seele schon die Antwort auf die Frage zu finden hoffte, „Warum tust Du das alles?“ Selinas Ausdruck wurde sehr nachdenklich und fast träumerisch. Ihr Blick wanderte an mir vorbei und suchte die kleine, nackte Gestalt von Swenja, die so einsam und verloren auf dem riesigen, fast menschenleeren Strand wirkte. Swenja wandte sich zu uns um und winkte uns lächelnd zu.
„Was ist die Essenz der Liebe?“ fragte Selina in Gedanken versunken. Ich zuckte unbewusst mit den Schultern. Ich wusste keine Antwort auf diese Frage, die auch keine Antwort auf meine Frage gewesen war. Selina blickt mir wieder in die Augen und fragte weiter: „Wenn Du Dich zwischen Swenja und mir entscheiden müsstest, …?“ Sie vollendete den Satz nicht und ließ die Frage unausgesprochen. Ich nahm ihr Hände, zog sie an meine Lippen und küsste sie, bevor ich als Antwort noch einmal die Frage stellte: „Warum tust Du das?“ „Weil“, begann Selina ganz leise, „ich Dich liebe!“ Ich schüttelte verständnislos den Kopf, weil die Antwort meine Frage nicht zu beantworten schien. Selina schenkte mir ein ermutigendes Lächeln und erklärte: „Ich habe noch nie eine so starke Kraft gespürt, eine solche Magie und Energie, wie sie zwischen Swenja und Dir besteht. Dem kann ich mich nicht entgegenstellen. Und ich will es auch nicht. Alles, was ich will, ist, dass Du glücklich bist!“
„Ich bin glücklich mit Dir!“ versicherte ich und drückte Selinas Hände wieder an meine Lippen. „Und ich bin glücklich mit Dir!“ erwiderte Selina und zog nun ihrerseits meine Hände an ihre Lippen.
„Und was soll ich jetzt tun?“ fragte ich, da ich nun überzeugt war, dass Selina doch unter der Situation litt. Selina lächelte mich wieder an und antwortete: „Hab ich doch gesagt; Geh zu ihr!“
Es gibt Momente, in denen ich überzeugt davon bin, dass Männer und Frauen einfach nicht die selbe Sprache sprechen. Das war einer dieser Momente!
Natürlich, ich wollte zu Swenja gehen. Ich wollte sie nicht so verlassen und einsam stehen lassen. Aber ich wollte auch Selina nicht verlassen, um zu Swenja zu gehen. Meine Gedanken purzelten wie ein einstürzendes Kartenhaus durcheinander, ohne dass ich in der Lage gewesen wäre, auch nur einen einzigen von ihnen festzuhalten. Kurz entschlossen und ohne dass ich hätte erklären können, warum, nahm ich Selina bei der Hand, sagte „Komm mit!“ und zog sie sanft mit mir mit zu Swenja.
Neben Swenja blieb ich stehen, schob Selina behutsam vor mich und legte zärtlich meine Arme um ihren Körper. Mehrere Minuten blickten wir schweigend aufs Meer hinaus. Ich versuchte, meine Gedanken so weit zu ordnen, um in dieser Situation irgendetwas Sinnvolles sagen zu können. Aber es gelang mir nicht. Ich genoss das vertraute und erregende Gefühl von Selinas nacktem Körper in meinen Armen und spürte trotzdem diese Anziehungskraft, die von Swenja ausging und der ich mich nicht entziehen konnte.
‚Hast Du Angst vor mir?’ hörte ich plötzlich Swenjas Stimme in meinem Kopf fragen. Ich sah sie an, sog den Anblick ihrer Schönheit in mich auf und antwortete so, dass auch Selina es hören konnte: „Ich hab Angst vor meinen eigenen Gefühlen.“ Swenja sah mir tief in die Augen und ihr Blick durchdrang meinen ganzen Körper und ließ mich vor Sehnsucht und Begierde erschaudern.
„Ihr beiden liebt Euch so sehr!“ sagte Swenja mit leiser, sanfter Stimme.
„Und ihr beiden liebt euch mindestens ebenso sehr!“ erwiderte Selina genauso leise darauf.
„Ich habe so eine Macht noch niemals gespürt!“ bestätigte Swenja, erklärte dann aber trotzdem: „Aber wenn Josh sich zwischen uns beiden entscheiden müsste, dann würde er sich für Dich entscheiden. Ihr seid über Jahre zusammengewachsen.“
Da ich Swenja wirklich auch liebte und sie nicht aufgeben wollte, versuchte ich, eine andere Lösung für den Fall zu finden, dass ich mich wirklich hätte entscheiden müssen. Aber irgendwo tief in meinem Innern wusste ich, dass Swenja Recht hatte. Selina war ein Teil von mir geworden, den ich mir niemals hätte herausreißen können.
„Du musst Dich aber nicht entscheiden!“ wandte sich Swenja jetzt an mich. Ich starrte sie voller verzweifelter Panik an. Die Konsequenz dessen, was sie gesagt hatte, schnürte mir den Hals zu. Als es mir schließlich gelang, mich endlich wieder zu artikulieren, fragte ich nur: „Du willst gehen?“
Swenja schüttelte den Kopf und ich sah Tränen in ihren Augen schimmern, als sie fast flüsternd antwortete: „Nein!“
Ich beobachtete eine Träne, die über ihre Wange rann und auf ihre rechte Brustwarze tropfte, wo sie in tausende kleine Kristalle zersprang.
Selina hatte sich aus meinen Armen befreit, ohne dass ich mir dessen bewusst geworden war. Jetzt schob sie mich zu Swenja, die ich sofort an mich zog. Ich wünschte, ich hätte sie trösten können, oder zumindest mich selbst. Aber die Macht der Gefühle war stärker als wir.
„Ich habe noch zwei Tage!“ erklärte Swenja. „Dann muss ich gehen!“
„Und dann?“ fragte ich verzweifelt. „Werden wir uns wieder sehen?“
„Ich weiß es nicht.“ antwortete Swenja. Und ihre Stimme war jetzt so schwach, dass ich sie mehr mit dem Herzen, als mit den Ohren hörte. Ihre Tränen brannten auf meiner Brust, während sie leise schluchzte.
Warum, fragte ich mich, ist immer alles so kompliziert? Diesmal bekam ich keine Antwort von Swenja. Ich hielt sie ganz fest und bedeckte ihre Stirn, ihre Augen, aus denen noch die Tränen rannen und ihre Lippen mit sanften Küssen, die Trost spenden sollten und dabei nur eine Leidenschaft entfachten, die wir beide nicht kontrollieren konnten. Und jetzt hatten wir begonnen, diese Leidenschaft zu fürchten. Swenja klammerte sich an mich. Ihr geschmeidiger, junger Körper schmiegte sich verzweifelt an meinen und unsere Herzen schlugen laut und im selben Takt.
Was unternimmt man zwei Tage lang im Paradies, wenn man weiß, dass man nach Ablauf dieser Frist sterben muss, dass der Himmel über einem zusammenstürzt und einem das Herz aus der Brust gerissen wird? Lebt man diese zwei Tage so intensiv, wie man noch keinen Tag zuvor gelebt hat und genießt man jeden verbleibenden Augenblick mit jeder Faser seines Körpers und jedem Schlag seines Herzens, glücklich und von Dankbarkeit erfüllt für das Geschenk dieser zwei Tage? Oder verbringt man diese Zeit in tiefster Verzweiflung, fühlt, wie sich der Strick um den Hals des eigenen Glücks unaufhörlich weiter zuzieht, hadert mit dem Schicksal und verflucht alle Götter für das grausame Spiel, das sie mit den Menschen treiben?
Ich tendierte mehr zu Zweiterem und zürnte den Göttern dafür, dass sie mich eine Liebe kosten ließen, nur um sie mir dann wieder wegzunehmen. Ich wäre zu jedem Handel bereit gewesen und hätte meine Seele dem Meistbietenden dafür überlassen, dass ich den Rest meines Lebens glücklich mit Selina und Swenja hätte verbringen dürfen. Aber die Götter verhandeln nicht mit den Menschen. Und nicht einmal der Teufel ließ sich auf den Deal ein.
„Sei nicht traurig, Josh!“ flüsterte Swenja mit tränenerstickter Stimme. Sie wollte mich trösten, obwohl ihr eigenes Herz zerbrach.
Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass, was immer auch mit Swenja und mir geschah, nicht von Dauer sein konnte. Ich wollte Selina die Schuld dafür geben, dass sie mich dazu gedrängt hatte, mich meinen Gefühlen zu stellen, als ich noch geglaubt hatte, mich dagegen wehren zu können. Aber das konnte ich nicht. Ich konnte Selina nicht für ihre selbstlose und grenzenlose Liebe zu mir verurteilen.
„Was sollen wir jetzt tun?“ fragte ich Swenja, während ich ihr tröstend über die Haare strich.
Es dauerte noch einige Minuten, bis Swenjas Tränen versiegt waren. Dann hob sie den Kopf und blickte mich zärtlich an. Das Grün ihrer Augen war durch ihre Tränen ganz dunkel geworden und erinnerte mich an die Farben eines tropischen Regenwaldes, als sie mir antwortete: „Lass uns das Geschenk annehmen, Josh. Und sei nicht böse auf das Schicksal, denn es hat uns hier zusammengeführt.“
„Aber …“ wollte ich anfangen zu klagen. Swenja schnitt meine Worte mit einem zärtlichen Kuss ab. Als ihre Lippen meine berührten, konnte ich nur noch das Glück dieses Augenblicks fühlen und alle negativen Gedanken und Gefühle fielen von mir ab.
Obwohl wir wussten, dass unser Glück nur von begrenzter Dauer war, konnten wir es festhalten und genießen, solange die Zeit uns dafür blieb. Selina, Swenja und ich verbrachten die Tage voller Liebe und Harmonie. Wir trugen in dieser Zeit nicht eine Sekunde lang Kleidung, verbrachten die Tage am Strand und rutschten in den Nächten im Zelt ganz dicht aneinander. Wir versteckten unsere gegenseitige Begierde nicht voreinander, berührten uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit und Swenja und ich schafften es sogar, uns mehr und ausgiebiger zu berühren und dabei unsere Orgasmen immer länger hinauszuzögern. Auf diese Weise lernte ich immer neue Stufen der Lust und der Erregung kennen, und auch eine vom sexuellen Aspekt völlig unabhängige, tief verwurzelte Liebe, die älter zu sein schien, als unser Leben selbst.
In dieser Zeit erfuhr ich auch, dass Swenja keine Kontaktlinsen trug und das intensive Grün ihrer Augen tatsächlich echt war.
Obwohl Selina und, wie ich annehme, auch Swenja absolut heterosexuell waren, sah ich am letzten Abend, wie Swenja hinter Selina kniete und ihr einen Zopf flocht. Dabei sprach Swenja lange, ernst und leise zu Selina, die ihr still und ebenso ernst zuhörte, ohne sie zu unterbrechen. Als Swenja mit dem Zopf fertig war, küsste sie ganz zärtlich Selinas Nacken. Und Selina schloss dabei die Augen und genoss den Kuss sichtbar. Dann drehte sie sich zu Swenja um und umarmte ihre ‚kleine Schwester’, wie sie sich angewöhnt hatte, Swenja zu nennen. Lange lagen sich die beiden so in den Armen. Und obwohl diese Geste nichts Erotisches an sich hatte, war es ein erregender Anblick, zu sehen, wie sich ihre Brüste sanft aneinander schmiegten.
In der Nacht, bevor Swenja abreisen musste, befürchtete ich, kein Auge zu zu bekommen. Aber eigenartigerweise schlief ich wie ein Toter. Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, in dieser Nacht etwas geträumt zu haben.
Als ich am Morgen aufwachte, war Swenja weg. Selina schlief noch neben mir, wachte aber durch meine Bewegung ebenfalls auf. Voller böser Vorahnungen lief ich aus dem Zelt. Swenja war verschwunden. Sie hatte mir und auch sich selbst den Schmerz eines Abschieds erspart und war aufgebrochen, als ich noch friedlich schlummerte. In den weichen Sand des Strandes war ein riesiges Herz gemalt, in dem der Wind die Worte ‚Ich liebe Dich Josh – für immer – Swenja’ bereits zu verwischen begann.
Ich fiel mitten in dem Herz auf Swenjas Liebeserklärung auf die Knie, ließ den Sand über meinen Kopf rieseln und – ich gebe es zu – Ich begann zu weinen! Zuerst liefen lautlos meine Tränen und meine Trauer lähmte mich, doch dann begann ich lauthals zu schluchzen.
Nach wenigen Augenblicken legten sich Selinas Arme von hinten um mich, hielten mich und gaben mir Halt. „Ich bin da, Josh!“ flüsterte sie zärtlich und wiegte mich wie ein kleines Kind in ihren Armen, bis ich mich wieder beruhigt hatte.
Selina war für mich da und ich weiß, sie wird immer für mich da sein, so wie ich für sie da bin.
Ich drehte mich zu ihr um und wir umarmten uns mit all unserer Liebe.
Die Trauer über meinen Verlust ließ mich die uns verbleibenden Tage unseres Urlaubs nicht mehr so recht genießen und der Strand auf der Insel Schiermonnikoog wurde mir plötzlich unerträglich. Selina spürte es. Und bis der Wind die letzten Spuren von Swenjas Botschaft an mich vom Strand geweht hatte, hatte sie bereits unser Zelt abgebaut und unsere Sachen gepackt. Die letzten Tage unseres Urlaubs kutschierten wir durch Holland, sahen uns viele Orte und Sehenswürdigkeiten an und gönnten uns sogar, ein paar mal auszugehen.
Selina tat alles, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Und ich rechnete es ihr hoch an, dass sie nie von mir erwartete, dass ich ihr Fröhlichkeit vorspielte.
In gewisser Weise mag ich solche Urlaube, in denen man immer unterwegs ist, im Auto schläft und Land und Leute kennen lernt. Ich mag sie sogar lieber, als reine Urlaube am Strand. Selina und ich verstanden uns in diesen Tagen fast wortlos, was nicht nur an meiner Schweigsamkeit lag. Wir spürten diese innige Verbundenheit und das Zusammengehörigkeitsgefühl, das uns über die Jahre unserer Beziehung immer fester zusammengeschweißt hatte.
Selina ist die große Liebe meines Lebens!
Und doch werde ich niemals Swenja vergessen können. Und ich werde niemals die Liebe leugnen, die mich auch mit ihr verbunden hat und immer verbinden wird! Oft wenn ich träume, fühle ich das Feuer ihrer grünen Augen auf mich gerichtet. Und nicht selten erwache ich dann nicht nur mit einer Erektion, sondern durch einen intensiv erlebten Orgasmus.
Jedes Mal wenn Selina davon erwacht, sagt sie mir: „Swenja war wieder bei Dir! Ich hab die Magie gespürt.“ Ich weiß, dass es die Wahrheit ist, wenn sie das sagt, denn auch ich kann die Magie spüren.
Und ich wehre mich nicht mehr gegen sie.
Im Nachhinein bereue ich nur eines, und zwar, dass ich kein einziges Foto von Swenja geschossen habe. Aber vielleicht führt das Schicksal oder ein gütiger Gott, der mir meine lästerlichen Gedanken vergeben kann, uns noch einmal zusammen...
Teilen
Wie hat Ihnen diese Geschichte gefallen?
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Bitte bewerten Sie diese Seite durch Klick auf die Symbole.
Schreiben Sie Ihre Meinung zu der Geschichte.
2 Kommentare
31.12.2011
16:19
René Hasler
Das ist bis jetzt die beste Geschichte, die ich in dieser Sparte bis heute genossen habe. Einfach toll.
Erstaunlich ist die Tatsache, dass ich änliche Erfahrungen machen durfte.
Diese Geschichte ist keine blosse Fantasie!
Ich hoffe nun auf weitere Geschichten mit eben diesem Format.
21.10.2011
14:25
Thomas Dick
eine sehr rührende und emotionale Geschichte über unerfüllte Träume und Sehnsüchte, leider mit einem traurigen Ende. Wäre ich an Joshs Stelle gewesen, so hätte ich das Mädchen nicht ziehen lassen, ohne von ihr eine Addresse oder Telefonnummer zu bekommen. Ein Kompliment an den Autor für diese schöne Story, bei der auch mir als männlichem Leser einige Tränen der Rührung gekommen sind. Hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung, in der Josh, Selina und Swenja wieder zusammenkommen.
Leser heute: 11 - gesamt: 11370.



