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Suche Liebhaber

Silberstreif 

Ich suche gewiss nicht nach Liebe. Ich will Sex. Genauso steht es in meiner Anzeige:"...zärtlich, romantisch, sauber, diskret...". Ich suche nach einem Liebhaber. Gut soll er sein. Gut im Bett, natürlich. Mehr will ich nicht. Aber auch nicht weniger. Ich will einen "gebundenen" Mann, denn ich weiß, dass die sich mehr Mühe geben, dass die geradezu euphorisch liebenswürdig sind, weil sie das Desinteresse und die Langeweile ja bereits zu Hause haben. Schon allein das Wort "Seitensprung&" an sich ist Garant für die beste Seite der Herren. Sie sind meiner Gunst schließlich ausgeliefert. Sie müssen alles tun um sie sich zu sichern. Sie bemühen sich sehr. Die Geliebte ist nicht so anrüchig wie eine Prostituierte. Die Geliebte ist jemand, dem man vertrauen, den man vielleicht sogar ein wenig lieben könnte. Man muss mir vertrauen.
Ich könnte die Männer in ernsthafte Schwierigkeiten bringen, wenn ich nur wollte.
Doch ich will nicht. Ich will überhaupt keine Probleme. Ich will jemanden zum vögeln. Natürlich bin ich nicht von der passiven Sorte, von der Sorte die nur die Beine breit macht und gefälligst einen Orgasmus zu bekommen hat.
Davon haben die Männer in ihren Ehen genug - deshalb suchen sie ja nach jemandem wie mir. Nein - Sex macht mir richtig Spaß. Und nicht nur das - das Reden über Sex macht mir genauso viel Spaß. Auf diese Art son­diere ich und suche den geeigneten Kandidaten. Ich habe ihn noch nicht gefunden. "Welches ist deine größte, unerfüllte, erotische Fantasie?"
Das ist meistens mein Einstiegssatz in das Thema. Und der Einstieg in die Stotterei der Männer. Sowas ist noch keiner gefragt worden - schon gar nicht bei einem ersten Treffen, von einer wildfremden Frau. Einer Frau, von der man hofft, sie flachlegen zu können, klar. Da ist dieser Einstieg gerade recht. So kann man gleich sondieren, wozu sie gegebenenfalls bereit wäre.
Doch mit wirklich außergewöhnlichen Fantasien konnte bislang keiner aufwarten. Es läuft geradezu standardisiert ab. Diese Männer, die auf meine Anzeige antworten, sind von einer durchschaubaren, langweiligen Schüchternheit.
"Einmal mit zwei Frauen ist statistisch gesehen, die häufigste Fantasie der Männer".
"Nein, das kann ich mir nicht vorstellen".
"Kannst du es dir für dich nicht vorstellen, oder grundsätzlich?"
"Für mich".
"Wieso nicht?"
"Na ja....."
"Wärst du überfordert?"
"Mir reicht eine Frau".
"Du hast doch eine - zu Hause".
"Ja, aber da ist der Sex langweilig".
"Was ist denn für dich aufregender Sex?"
"Na wenn es Spaß macht".
"Und was macht dir Spaß?"
"Ich weiß nicht. Wenn die Frau mitmacht".
"Wobei?"
"Na ja, wenn sie es gut findet, wenn ich sie verwöhne..."
"Und deine Frau findet das nicht gut?"
"Nicht so..."
"Und willst du auch verwöhnt werden?"
"Ja, natürlich".
"Wie?"
"Das ergibt sich..."
"Und wenn es sich nicht ergibt? Bist du fähig, deine Wünsche zu äußern?"
"Ja, klar".
"Wann hast du zum letzten Mal einen Wunsch deiner Frau gegenüber geäußert?"
"Bei der geht das nicht".
"Wieso nicht?"
"Weil wir zu Hause über sowas nicht reden. Ich habe es immer wieder versucht, aber da kam nichts. Da habe ich es dann aufgegeben".
"Aber mir gegenüber könntest du deine Wünsche äußern?"
"Ja, schon".
"Also?"
"Also was?"
"Was sind deine Wünsche?"
"Wie jetzt? Soll ich jetzt, hier...?"
"Ja, natürlich".
"Also...... mir würde schon gefallen, wenn ich dich mit meiner Zunge verwöhnen könnte."
"Aha..."
"Ja".
"Und sonst nichts?"
"Doch, natürlich".
"Dann weiter, bitte".
Dies ist meistens der Moment, in dem die Männer sich winden. Sich winden vor Scham, vor Verlegenheit, weil sie sich zwar genau das immer gewünscht, aber nie geahnt hatten, wie es ablaufen könnte.
"Na ja, das ergibt sich eben".
"Bist du sicher? Bei dir zu Hause ergibt sich doch auch nichts. Deswegen bist du ja auf der Suche nach der Erfüllung deiner Wünsche".
"Ja".
"Wenn du sie also nicht äußern kannst, wie sollen sie dir dann erfüllt werden?"
"Na ja - mir würde schon gefallen, wenn du meinen Schwanz in den Mund nehmen könntest und mich auch ein wenig verwöhnen würdest".
Hier werden unterschiedliche Begriffe gewählt, wie "mein Teil", "meinen besten Freund", "meinen Penis"... allerdings ist der Wunsch immer derselbe. Und das Wort "verwöhnen" kommt auch immer.
"Wie sieht für dich ‘verwöhnen’ aus?"
"Wenn man sich gut fühlt, wenn es Spaß macht - beiden Spaß macht, wenn man sich zärtlich streichelt..."
Oh weia. Es wundert mich wirklich nicht, dass der Beischlaf in der Ehe zu einem absolut langweiligen, kaum mehr vorkommenden Akt mutiert ist. Allerdings liegt das sicher nicht immer an den Frauen. Ich muss etwas direkter und bildlicher vorgehen. Mal sehen, was da kommt.
"Was hältst du von anal?"
"Ja, das wäre schon geil. Ich habe es noch nie gemacht".
"Woher weißt du dann, dass es geil ist?"
"Ich kann es mir vorstellen".
Da lächele ich meistens versonnen. Sie sollen ja auch auf ihre Kosten kommen. Doch eigentlich ist es eher ein Grinsen - in mich hinein.
"Und Bondage?"
"Na ja - das schon, doch harten SM will ich nicht".
"Schon mal gemacht?"
"Nein!"
"Wieso lehnst du etwas ab, das du noch nie versucht hast?"
"Also Schmerzen will ich nicht. Das reizt mich überhaupt nicht".
"Mich auch nicht".
Gott sei Dank. Die Erleichterung aus ihren Blicken springt mich geradezu an. Sie sind wirklich süß in ihrer Hilflosigkeit. Sie sehen bereits ihr "Teil" in meiner Möse verschwinden, und genau das ist der Zeitpunkt, sie mit den Unbilden der Realität zu konfrontieren.
"Zu dir könnten wir ja nicht, zu mir auch nicht, also wie stellst du
es dir vor?"
Pause.
"Na ja, vielleicht in einem Hotel...?"
"Kannst du über Nacht von zu Hause weg bleiben?"
"Nicht wirklich. Vielleicht könnte ich es mal einrichten".
"Und dir würde "mal" genügen?"
"Nein, natürlich nicht. Ich suche schon nach einem regelmäßigen Kontakt".
"Aha - wie also stellst du es dir vor, oder kennst du ein Hotel, das seine Zimmer stundenweise vermietet?"
"Nein..."
"Im Auto mache ich es nicht so gern".
"Ich auch nicht".
Das beeilen sie sich immer zu betonen, dabei bin ich mir nicht sicher, ob dies nicht die einzige Möglichkeit ist, die ihnen vorschwebt. Schließlich wollen sie - genau wie ich - nur vögeln. Dabei sind ihnen die Umstände zunächst einmal egal, Geld ausgeben möchte aber auch keiner. Hauptsache ich sage endlich ja.
Doch diesen Gefallen tue ich ihnen nicht.
Ich suche nach einem Liebhaber. Nach einem guten.
Vielleicht sollte ich dies in meiner nächsten Anzeige erwähnen?
Dabei ist es gar nicht schwer, diese Voraussetzung zu erfüllen. Man(n) muss mich nur einmal nach MEINEN Wünschen fragen. Ich wüsste darauf zu antworten...

 

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5 Kommentare

17.02.2011 16:22 Micha L.
Sehr schön auf den Punkt gebracht! Franklin hats halt einfach nicht kapiert!

02.01.2011 23:16 Tapete123
Einfach Klasse!

29.12.2010 13:59 Gina
Hervorragend!!!

27.12.2010 21:23 Jane
Der Text ist gut, keine Sorge. Wie aus dem Leben gegriffen. Weiterschreiben!

17.12.2010 18:13 Franklin
Zu viele Worte - für Nichts!!!


 

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