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Spiel, Das

Felix Mennen 

Ich hatte gesiegt. Hatte den Endkampf gewonnen, Tork Tarsin, die Burg des dunklen Magiers, in Schutt und Asche gelegt und das Wüstenreich Duna wiedervereinigt. Nun unterstanden alle höchsten Krieger mir, dem mächtigen Tuareg, dem neuen Kaiser von Duna. Mit meinem Gefolge zog ich in den heiligen Palast ein. Bekam Krone, Zepter und – das Wichtigste – den Harem des Herrschers von Duna. Die schönsten Frauen aus dem gesamten Reich waren nun mein. Waren meiner schamlosen und unersättlichen Lust unterworfen: Gelockte Rothaarige mit sommersprossigen Alabasterkörpern, anmutige Orientalinnen mit verführerisch dreinblickenden Mandelaugen, langhaarige Blondinen mit endlosen Beinen, schwarze Amazonen mit Brüsten wie aus Eisen gegossenen, geschmeidige Asiatinnen, biegsamer als Bogenholz, hüftwackelnde Latinas mit drallen Superpos. Sie alle scharten sich nun um mich, zogen mir mit flinken Fingern meine Rüstung aus, entblößten meinen durch unzählige Schlachten gestählten Siegerkörper, um mich dann mit flehenden Armen ins Innere des Harems zu ziehen. Ich verschwand darin. Und damit war das Spiel aus.
Ich saß da, eine Hand am Steuerknüppel der Spielkonsole – die andere Hand an dem Knüppel in meiner Hose – und suchte auf der Spieloberfläche verzweifelt nach einem Eingang in den Harem, sinnlos. Im letzten Level des Fantasy-Spiels „DUNA“, das ich die letzten Tage ohne Unterbrechung gespielt hatte, konnte ich mich auf dem Balkon des Palastes vom Volk bejubeln lassen, konnte meinen Hunger an der üppigen Festtafel stillen, aber eine Fortsetzung meiner erotischen Siegesfeier war der Phantasielosigkeit der Spielentwickler zum Opfer gefallen – oder dem Jugendschutzgesetz.Ich sah auf die Uhr: Eine Minute vor Mitternacht. Um Zwölf machte mein Dealer zu, „Lockes Video&Game Stube“, glücklicherweise gleich im vorderen Souterrain meines Mietshauses gelegen. Ich holte das Spiel aus dem Rechner, steckte die CD in die Spielverpackung, schlüpfte in meine Badelatschen, griff Portemonnaie und Schlüssel, stürzte zu Tür, platschte die Treppen nach unten, kam ins Stolpern, nahm die blöden Latschen in die Hand, tapste die restlichen Stufen barfuss runter, rannte durch den Hinterhof, grüßte im Vorbeilaufen einen jungen Schlacks, der draußen eine rauchte, mich komisch durch seine Nickelbrille anstierte, während ich an ihm vorbei eilte. Im Hintergrund hörte ich bereits die Turmuhr schlagen. Ich stürzte aus der Haustür und erreichte mit dem letzten Gongschlag das Geländer der halben Treppe, die in Lockes kleines Reich im Souterrain nebenan führte.

 

erotische Kunst von Ed Hicks 

Die Tür war offen. Hinterm Tresen stand wie immer Regana, eine taubstumme Schönheit mit Kleopatra-Frisur, blasser Haut, kirschroten Lippen und großen braunen Augen – der einzige Grund, warum ich überhaupt zu Locke ging. Abgesehen davon, dass es so nah war. Regana sah an mir runter, lächelte. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich nichts weiter als eine Boxershorts anhatte. Solche Details sollten einen darauf aufmerksam machen, dass man eventuell ein kleines Suchtproblem hatte. Aber wenigstens waren sie schwarz, die Boxershorts, denn als weiteres Indiz meiner Spielsucht fiel mir ein, dass ich seit Tagen nicht mehr geduscht hatte. „Das“, räusperte ich mich, „wollte ich noch abgeben.“ Ich hielt Regana meine Badelatschen über den Tresen.
Regana blickte auf die Latschen und fing lautlos an zu lachen.
„Oh“, grinste ich dämlich und reichte ihr die Spielverpackung in der anderen Hand. Während Regana die CDs kontrollierte, schlüpfte ich schnell in meine Badelatschen.
„Du bist spät dran, Nachbar.“
Ich drehte mich um. Locke, der Besitzer, stand vor mir, hielt mir seinen vernarbten roten Zinken ins Gesicht, der unter dem Pony seiner nikotinblonden dauergewellten Vokuhila-Matte herausragte – musste man nicht lange raten, woher er seinen Spitznamen hatte.
„Hey, Locke.“ Ich reichte ihm meine Hand. Er schüttelte sie ausgiebig.
„Brauchst du noch was für die Nacht, mein Freund?“, fragte Locke mit rasselnder, kehlkopfkrebsiger Stimme. Sein saurer Bieratem strömte mir aus seinem grinsenden Mund entgegen, ein Wirrwarr aus braunen Reststumpen, Goldplomben und Zahnlücken.
Ich ließ Lockes Hand los, wich einen Schritt nach hinten, sah an Locke vorbei in den hinteren Raum, aus dem er gekommen sein musste. Dort saß wie üblich an einem runden weißen Plastikgartentisch in einem weißen Plastikgartenstuhl gequetscht die Dicke, trank Dosenbier, rauchte und starrte wie immer debil grinsend auf den Fernseher, der dort irgendwo im toten Winkel unter der Decke angebracht sein musste. Sie trug dieselbe Vokuhila-Minipli-Matte in nikotinblond wie Locke. Vermutlich war sie seine Frau oder seine Mutter oder beides zusammen – so genau wollte ich mich da nicht festlegen. Dieser hintere Raum war auf alle Fälle komplett weiß verkachelt. Vermutlich war hier früher mal eine Metzgerei drin gewesen. Und die Dicke und Locke – wenn er keine Kunden bediente – saßen dort immer und tranken Bier aus bunt bedruckten Dosen. Sie waren die einzige Menschen, die ich kannte, die überhaupt noch Dosenbier tranken. Keine Ahnung, woher sie die buntbedruckten Dosen hatten – vermutlich irgendwo aus Fernost, vom Container gefallen, gegen harte Pornos unterm Ladentisch getauscht oder so. Und immer lief der Fernseher im toten Winkel, flimmerte in den einsehbaren Teil des Raumes, untermalt von einem leisen Klangteppich aus Musik, Soundeffekten und Dialogen in einer nicht zu identifizierenden fremden Sprache – vermutlich irgendein Spartenkanal aus Fernost, den es gratis zum Dosenbier gab, oder umgekehrt. Und ab und an entfuhr der Dicken ein freudig krächzendes Wiehern über das, was sie da in der Flimmerkiste sah, während sie genüsslich an ihrem Dosenbier schlürfte und eine Zigarette nach der anderen qualmte, die mit Sicherheit ebenfalls vom Laster gefallen waren.
„Hast du...“ Ich räusperte mich, hielt mir eine Hand vor den Mund, als ob ich rohe Zwiebeln gegessen hätte, damit die bezaubernde Regana hinterm Tresen nicht meine Lippen lesen konnte. „Habt ihr hier eigentlich auch erotische Fantasy-Spiele?“
Lockes glasige Augen hinter dem Vokuhila-Pony blitzten kurz auf, dann nickte er vielsagend. „Ich glaube, ich habe, was du suchst.“ Er wandte sich an Regana: „Einmal das Spiel“, sagte er.
Regana zuckte mit den Augen, aus dem hinteren Raum hört ich ein unangenehmes Quietschen: Plastikgartenstuhl auf Kachelboden. Ich wandte den Kopf, sah gerade noch, wie die Dicke sich mit der Zunge über die Lippen leckend lüstern zu uns herüber schaute, eine Hand an ihrem dicken Busen, die andere im Schritt unterm Tisch... Oder hatte ich mir das nur eingebildet? Denn jetzt starrte sie bereits wieder debil an ihrem Bier schlürfend auf das Geflimmer aus dem toten Winkel. Ich sah wieder zum Tresen. Dort tauchte Regana mit einem quadratischen Karton in den Händen auf, buntbedruckt mit irgendwelchen asiatischen Schriftzeichen. Lockes Fernost-Connection hatte offensichtlich noch mehr zu bieten als Dosenbier, Schwarzmarkt-Zigaretten und Spartenkanäle.
Regana stellte den Karton auf den Tresen, und ich fragte mich zum wiederholten Male, warum um alles in der Welt diese bildhübsche Kleopatra-Kopie für diese beiden halbwahnsinnigen in der abgefucktesten aller Videotheken arbeitete. War sie auch in dem Fernost-Paket enthalten?
Locke überreichte mir feierlich den buntbedruckten Karton. „Erklärt sich alles wie von selbst“, meinte er.
Ich wiegte den Karton in den Händen, er war ziemlich leicht. „Und was kostet der Spaß?“
Locke zeigte mir grinsend seinen Zahnfriedhof: „Die erste Runde geht aufs Haus.“ Locke gab mir einen Klaps auf die Schulter. „Aber: Wiedersehen macht Freude.“ Er machte mit Daumen und Zeigefinger eine Pistole, richtete sie auf mich: „Ich weiß ja, wo du wohnst, Nachbar.“
„Ist klar, Locke“, nickte ich. Wollte gehen – da hörte ich wieder dieses Quietschen: Plastikgartenstuhl auf Kachelboden.
„Eins noch“, meinte Locke und sah mich mit seinen glasigen Augen durch die nikotingelben Miniplis ernst an: „Wenn du einmal im Spiel bist, dann brech auf keinen Fall mittendrin ab. Egal, wie groß die Versuchung ist. Warte immer, bis du das nächste Level erreicht hast. Verstanden, Nachbar?“Ich blickte unauffällig an ihm vorbei in den hinteren Raum: Die Dicke saß dort unverändert debil dreinblickend in ihren Plastikgartenstuhl gequetscht, schlürfte an ihrem bunten Dosenbier. „Ist klar, Locke“, nickte ich und drehte mich endgültig um.

 

MitteMörderMystery ist ein Berlin-Roman von Felix Mennen aus unserem Verlag.

Den quadratischen bunten Karton wie einen Schatz in meinen Händen schlappte ich in meinen Badelatschen eilig die Treppe zu meiner Wohnung nach oben. In meinen Eiern kribbelte es bereits vor Vorfreude. Ich kam mir vor wie ein verdammter Junkie, der gerade ne Kofferraumladung voll Crack gefunden hat. Meine Freundin hatte wohl Recht gehabt, als sie meinte, ich wäre süchtig nach diesen Scheiß-Computerspielen. Und deswegen ausgezogen war, vor ein paar Tagen. Oder war das bereits Wochen her? Auf alle Fälle war sie seitdem meine Ex-Freundin.
Ein wenig aus der Puste kam ich vor meiner Tür im dritten Stock an, wollte gerade aufschließen, da ging gegenüber die Tür auf. Sylvie trat heraus, meine junge blonde Nachbarin, eine Jurastudentin. Eigentlich ganz hübsch, wenn sie nicht immer diesen strengen Zopf und diese fürchterliche Zahnspange tragen würde, mit abwechselnd grünen und gelben Brackets – damit ihre Zähne später bei den Plädoyers gerade standen. Das hatte sie so niemanden gesagt, sondern meiner Freundin, vielmehr meiner Ex-Freundin, mal von Frau zu Frau erklärt, dass sie einen angeborenen starken Überbiss hätte. Und dann noch als Kleinkind zu lange am Daumen gelutscht hatte – nein, das hatte sie auch niemanden erzählt. Das hatte ich recherchiert, im Internet, und in Erfahrung gebracht, dass auch zu langes Daumenlutschen zu einem Vorbiss führen konnte. Und so ein langes Daumentlutschen wiederum, hatte ich ergooglet, war oftmals Resultat eines frühkindlichen Traumas. Man musste sich ja informieren über seine Nachbarschaft. Wenn man ihr zum Beispiel nachts im Hausflur begegnete, mit einem buntbedruckten quadratischen Karton in den Händen, in Badelatschen und Boxershorts, und sie auf die Idee käme, mich auf mein Outfit anzusprechen. „Du hast wohl als Kind zu lange am Daumen gelutscht“, könnte ich dann erwidern. Doch Sylvie warf mir nur ein knappes „Hi!“ entgegen, was ich mit einem ebenso knappen „Gleichfalls“ erwiderte und eilig in meiner Wohnung verschwand.

 

erotische Kunst von Ed Hicks 

Im Wohnzimmer streifte ich meine Badelatschen ab und öffnete gierig den Karton. Darin lag eine bunte Skibrille: knatschgrüner Rahmen, rot getönte Sichtfenster und lila Gummiband, auf dem wieder alle möglichen fernöstlichen Hieroglyphen standen. Sonst nichts. Keine Spielkonsole, keine CDs, nur eine knallbunte Skibrille. Wollte dieser Blödmann mich verarschen? Ein kleiner Spaß unter Nachbarn? Locke glaubte doch nicht im Ernst, dass ich mir jetzt dieses Dinge aufsetzten würde. Ich war doch nicht bescheuert! Und schon hatte ich mir die Brille umgeschnallt. Was soll’s? Hier sieht mich ja keiner.
Ich blickte mich mit der Skibrille auf der Nase in meiner Wohnung um. Es war alles in ein puffiges Rot getüncht. Sonst sah alles völlig normal aus. Okay, ich sollte dringend mal wieder aufräumen und saubermachen, aber das war auch ohne Skibrille zu sehen. Ich lief vor den Spiegel, betrachtete mich in meiner schwarzen Boxershorts und der knatschgrünen Skibrille vor den Augen, die Haut krebsrot durch das getönte Visier. Super Spiel, dachte ich und wollte gerade laut loslachen, als es plötzlich an der Tür klingelte.
Auf Zehenspitzen schlich ich durch den Flur, lugte durch den Spion an der Wohnungstür: Sylvie stand davor, das blonde Haar offen, lächelte, einen Daumen im Mund, ohne Zahnspange – und ohne BH! Das einzige, was sie trug, war ein schwarzer Tanga. Was war denn in die gefahren? War sie meinem Modetrend gefolgt? Hatte sie mein Anblick vorhin erregt – oder das frühkindliche Trauma in ihr wieder ausgelöst? Musste ich womöglich einen Krankenwagen rufen?
Ich nahm die Brille ab, öffnete die Tür: Dahinter war niemand. Keine traumatisiert am Daumen nuckelnde Spangen- und BH-lose Sylvie. Ich schnallte mir die Brille vor die Augen. Doch da stand immer noch keine Sylvie vor mir – weder nackt noch angezogen. Ich schloss die Tür. Anscheinend war ich selbst ein Fall für die Klapse, von meiner Spielsucht gebeutelt, litt bereits unter Entzugserscheinungen, weil dieser verwarzte Locke mich gelinkt hatte.
Wütend lief ich zurück ins Wohnzimmer, inspizierte noch mal den leeren Karton, drehte ihn um, schüttelte ihn – da kullerte ein kleines Papierkügelchen heraus. Ich hob es auf, entfaltete es, hielt einen kleinen zerknitterten Zettel in der Hand, auf dem stand: Rette mich! – Regana. Was hatte das nun wieder zu bedeuten: noch so ein blöder Scherz? Hatte Locke gesehen, dass ich scharf auf seine Bedienung war? Ich setzte die Brille auf, um zu sehen, ob man durch die krebsrote Tönung des Sichtfenster vielleicht noch mehr auf dem Zettel entdecken konnte, irgendeine Geheimschrift oder so. In dem Moment klingelte es erneut an der Tür. Ich schlich mich zurück, spinkste durch den Spion, starrte auf Sylvies nackte Brüste.
Ich riss die Tür auf. Sylvie stand noch da, nur im schwarzen Tanga, den Daumen im Mund, lutschte lasziv darauf rum. „Hast du Seife?“, lächelte sie spangenlos und senkte den Blick auf die Ausbeulung in meiner Boxershorts.
„Nee“, sagte ich und schlug erschrocken die Tür wieder zu. Mein Herz raste. Jetzt ist es soweit: Ich dreh durch! Ich verliere den Verstand, eindeutig... Da klingelte es wieder. Ich sah durch den Spion. Sylvie stand immer noch da. Mit großen krebsroten Brüsten... Die Brille, fiel mir plötzlich auf. Ich hatte die Skibrille noch auf! Ich wollte sie abnehmen, da schossen mir Lockes Worte durch den Kopf: „Wenn du einmal im Spiel bist, dann brech auf keinen Fall mittendrin ab.“ War ich jetzt im Spiel? Ich öffnete die Tür. „Hast du Seife?“, wiederholte Sylvie, blickte Daumenlutschend auf meine Hose. Alles klar, dachte ich. Ich war im Spiel. Und zwar in einem Erotik-Fantasy-Spiel, und meine erste Mission hieß: Vernasch deine geile Nachbarin!

 

1. Level

erotische Kunst von Ed Hicks 

Es galt also, die richtige Antwort zu finden. Ich dachte nach: Sylvie wollte Duschen – aber sie hatte keine Seife. Sollte ich ihr meine borgen? Auf keinen Fall. Sie wollte mehr. Sonst würde sie mir nicht auf meine Hose gucken. Ich musste sie also irgendwie in meine Wohnung locken! Ich lächelte. „Sollen wir mal zusammen nachschauen?“
Keine Reaktion. Sylvie hob den Blick, sah mich daumenlutschend an. „Hast du Seife?“, fragte sie erneut. Offensichtlich beantwortete sie keine Fragen.
Ich probierte es auf die direkte Tour. „Komm rein!“ Ich hielt ihr die Tür auf. „Du kannst bei mir Duschen.“
Doch statt einzutreten, riss Sylvie die Augen auf, zog den Daumen aus dem Mund und knallte mir ihre Hand ohne Vorwarnung ins Gesicht, um dann hysterisch nach gegenüber in ihre Wohnung zu stürzen. Die Rückseite ihres Tanga bestand nur aus einem Riemen, stellte ich fest – und dass ich offensichtlich die falsche Antwort gewählt hatte. So leicht war das also nicht. Um so besser.
Ich schloss die Tür. Wartete. Es klingelt. Ich öffnete. „Hast du Seife?“, fragte Sylvie daumenlutschend.
„Ja“, sagte ich und machte vorsichtshalber einen Schritt zurück. Keine Reaktion. Ich machte wieder einen Schritt auf sie zu. Sylvie wiederholte prompt ihre Seifenfrage. Ich sagte noch mal: „Ja.“ Da hob Sylvie lächelnd die Augenbrauen, trat näher, zog den Daumen aus dem Mund, strich mit dem nassgelutschten Finger langsam über meine Brust nach unten über den Bauchnabel, bis zu der Beule in meiner Hose, umfasste sie mit der ganzen Hand, drückte sie fest – aber nicht zu fest. „Sehr gut“, sagte sie, steckte sich wieder den Daumen in den Mund und trat an mir vorbei in die Wohnung. Ich schloss die Tür, folgte Sylvie, glotzte durch das Sichtfenster der Skibrille auf ihre krebsroten Arschbacken, die vor mir den Flur entlang wackelten.
Im Wohnzimmer blieb sie stehen. Ich näherte mich ihr bis auf einen halben Meter. Sylvie nahm den Daumen aus dem Mund, beugte sich vor und fing an, meinen Körper abzuschnüffeln. Schnüffelte sich an meiner Brust runter zu meiner Boxershorts – die Beule darin hatte sich inzwischen verdoppelt. Sie beschnüffelte sie ausgiebig. „Das muss gewaschen werden“, stellte sie fest und steckte den Daumen wieder in den Mund, lutschte lasziv daran rum. Ich grinste. „Du kannst ihn ja sauber lutschen.“ Sylvie zog den Daumen aus dem Mund und klatschte mir erneut ohne Vorwarnung ihre Hand ins Gesicht und rannte hysterisch schreiend in ihre Wohnung zurück.

 

Erotische Kunst von Ralph Haseltine 

Seufzend schloss ich die Wohnungstür hinter ihr, sofort klingelt es wieder. Okay, dachte ich, keine blöden Sprüche mehr. Sylvie wollte die Zügel offensichtlich in der Hand halten. Ich öffnete. Sylvie fragte mich nach Seife, ich bejahte, sie drückte meinen Schwanz, trat ein, ich folgte ihr ins Wohnzimmer, Sylvie beschnüffelte meinen Körper. „Das muss gewaschen werden.“ Sie sah mich Daumen lutschend an.
„Die Seife ist im Bad“, sagte ich und zeigte Richtung Badezimmer. Sylvie nickte, schritt an mir vorbei. Ich folgte ihr. Daumenlutschend stand sie in dem gekachelten Raum. Ich zeigte auf den Wannenrand. „Da liegt die Seife.“ Keine Reaktion. Ich nahm die Seife, hielt sie ihr hin. „Die Seife“, sagte ich.
Sylvie nahm sie lächelnd entgegen. „Sehr gut“, sagte sie, guckte auf meine Boxershorts. Sie nahm den Daumen aus dem Mund: „Zieh dich aus“, befahl sie plötzlich mit tiefer Stimme.
Ich zog die Hose aus.
Sie zeigte auf die Badewanne: „Stell dich da rein“, befahl sie weiter.
Ich stieg in die Wanne.
„Wasser“, sagte Sylvie und zeigte auf den Wasserhahn.
Ich drehte ihn auf.
„Duschkopf“, sagte Sylvie.
Ich machte den Duschkopf los, gab ihn Sylvie.
Sie spritzte mich damit ab. „Umdrehen“, sagte sie.
Ich drehte mich um.
Sylvie spritz meinen Rücken ab. „Waschlappen“, sagte sie.
Ich gab ihr einen Waschlappen.
Sylvie schüttelte den Kopf. „Nass machen.“
Ich machte ihn nass, reichte ihn ihr erneut.
„Sehr gut“, sagte Sylvie, „abdrehen.“
Ich drehte den Wasserhahn ab.
Sie nahm den Waschlappen und fing an, mich von oben bis unten einzuschäumen: Wusch mir die miefenden Achselhöhlen, meinen Hals, die Ohrmuscheln, schrubbte meinen Rücken, meine Brust, meinen Bauch, meinen Hintern, seifte meine Beine ein, meine Füße, reinigte meine Zehen, fuhr mit dem Waschlappen an den Innenschenkeln nach oben, schäumte meine Eier auf, massierte und schäumte sich langsam nach oben, massierte und schäumte mir einen Ständer, massierte und schäumte sich zurück über die Eier in die Poritze, wusch und schäumte und schrubbte mich porentief rein. „Wasser“, sagte sie. „Brausekopf – umdrehen – abdrehen.“
Sie gab mir Seife und Waschlappen zurück und betrachtete am Daumen lutschend stolz ihr Werk, aus dem mein Ständer krebsrot glänzend herausstand. „Austreten“, sagte sie.
Ich stieg aus der Wanne. Sylvie nahm den Daumen aus dem Mund, beugte sich vor und fing erneut an, meinen Körper abzuschnüffeln. Schnüffelte sich von meinen Hals runter zu meiner Brust und durch meine Achselhöhlen nach hinten über meinen Rücken, rieb ihre Brüste dabei an meinem Körper, rieb und schnüffelte sich wieder zurück, über meinen Bauch, steckte ihren Nase in meinen Nabel, schnupperte sich runter zu meinen Eiern und meinen Ständer einmal rauf und wieder runter, schnüffelte sich meine Beine entlang zu meinen Zehen und wieder rauf zu meinem Hintern, rieb ihre Brüsten an meinem Bein und jetzt auch noch den Stoff ihres Tangas, presste ihre Schamlippen an meinen Unterschenkel, während sie mein Hinterteil beschnupperte.
Sie machte mich völlig wahnsinnig damit. Und es juckt mir in den Fingern, die Brille hoch zu lupfen, um zu sehen, was zum Kuckuck das für ein Spiel war: Ob ich mir das tatsächlich alles nur durch das Sichtfenster meiner Skibrille vorgegaukelt wurde – oder meine Jurastudentin von Gegenüber nicht doch gerade ihr frühkindliches Trauma an mir abarbeitete. Doch Lockes Worte im Ohr wagte ich es nicht, mich überhaupt zu bewegen, spürte, wie Sylvies Nase sich an meiner Poritze entlang schnupperte, wie ihre Schamlippen immer heftiger an meinem Unterschenkel rotierten, wie ihre Nasenspitze an meine Öffnung stieß, bohrend daran herumschnüffelte; atemlos sah ich zu, wie Sylvies Hände einen Halt suchend nach meinem Ständer tasteten, während sie sich zuckend an mir rieb, mit ihrer Nasenspitze wie ein Zäpfchen in mich eindrang und meinen Schwanz umklammernd laut aufstöhnte. Sie flutschte mit der Nasenspitze aus meinem Hintern, legte sich in embryonaler Stellung auf den Kachelboden, steckte sich wieder den Daumen in den Mund. „Alles sauber“, lächelte sie. „Du kannst jetzt gehen.“
„Ich wohne hier“, sagte ich.
Sylvie nuckelte an ihrem Daumen. „Du kannst jetzt gehen“, wiederholte sie. Die Mission war anscheinend vorbei. Ich stieg über Sylvie hinweg, schnappte mir meinen Bademantel, zog ihn über, lief aus dem Bad, durch den Flur, stutzte: Die Wohnungstür stand offen. Ich war mir sicher, sie hinter Sylvie zugemacht zu haben. Ich lief hin. Hinter der Türschwelle war es stockduster. Lag dahinter nun das neue Level? Vorsichtig trat ich über die Schwelle und stellte fest, dass die Sicht durch die Skibrille dahinter wie durch ein Nachtsichtgerät war. Abgefahren, dachte ich. Da knallte die Tür hinter mir zu.

 

2. Level

Erotische Kunst von Ralph Haseltine 

Ich war ausgesperrt: In Bademantel und Badelatschen und einem als Skibrille getarnten Nachtsichtgerät auf der Nase! Bevor ich mir all zu lang Gedanken darüber machen konnte, hörte ich aus Tiefen des finsteren Hausflurs leise einen Frauenchor sehnsüchtig singen – war das der Gesang der Sirenen, die mich in mein nächstes erotisches Abenteuer locken sollten?
Dem liebreizenden Gesang folgend, lief ich lief Treppen nach unten, gelangte so in den Hof, spähte durch mein Skibrillennachtsichtgerät, entdeckte den jungen Schlacks mit der Nickelbrille, einen hellgrün leuchtenden Stängel im Maul, ich grüßte ihn freundlich, spähte weiter den Hof ab, sah, dass im Seitenflügel die Tür zum Keller offen stand, lief dorthin. Eindeutig: Daraus tönte der verlockende Gesang.
Ich stieg die Stufen in das alte Kellergemäuer wie einst Orpheus in die Unterwelt hinab, folgte dem Sirenen-Chor durch ein schier endloses Labyrinth von Gängen, bis sich vor mir ein Raum öffnete, und ich endlich die Quelle des Gesangs entdeckte: Er drang aus Reganas taubstummen Mund. Hinter dicken Gitterstäben, die den Raum vom Boden bis zur Decke wie ein Löwengehege in der Mitte durchteilten, stand sie den Mund weit offen wie das Abbild der Kleopatra da, in einem hauchdünnen Gewand, durch das ich ihren nackten Körper grünlich durchschimmern sah: die Wölbung ihrer Oberschenkel, ihren kleinen Bauch, der sich darüber sanft abhob, ihre kleinen festen Brüste, auf dessen Gipfeln sich ihre Brustwarzen in den dünnen Stoff bohrten.
Ihr Hilferuf in dem bunten Karton gehörte offensichtlich zum Spiel, dachte ich und wollte zu ihr treten, meine singende Aphrodite befreien. Da sprang wie aus dem Nichts ein Hund vor die Gitterstäbe, er hatte drei Köpfe, einen Schlangenschwanz und ein Dutzend zischende Schlangenköpfe auf dem Rücken.
Reganas Gesang verstummt abrupt. Dafür knurrte mich der Hund böse aus seinen drei triefenden Mäuler an, die Schlangenköpfe auf seinem Rücken zischten giftig dazu. Das konnte nur Zerberus sein, der Höllenhund. Regana trat an die Gittestäbe, zeigte wild mit den Armen fuchtelnd auf meine Füße und dann in Richtung des Ganges, der nach Rechts wieder aus dem Raum führte. Dabei ging ihr schöner Mund aufgeregt auf und zu. Sie konnte zwar wie ein ganzer Frauenchor singen, doch das Sprechen war ihr offensichtlich immer noch versagt. Und ich hatte keine Ahnung, was sie mir sagen wollte, während Zerberus, die säbelzahntigergroßen Zähne seiner drei Mäuler bleckend, langsam näher kam. Orpheus hatte Zerberus auf der Suche nach Eurydike mit seinem Gesang bezaubert, erinnerte ich mich und stimmte krächzend ein „A“ an – da sprang der Höllenhund auf mich los. Ich flüchtete zurück in den Gang, rannte um mein Leben, was sich in den Badelatschen als ziemlich schwierig erwies, die Schleife der Bademantelschnur um meinen Bauch löste sich, ich trat auf die Kordel, fiel hin, erwartete den nahen Spieltod durch Zerberus’ Mäuler. Doch nichts dergleichen passierte. Stattdessen hörte ich wieder den Gesang der Sirenen.

 

Erotische Kunst von Ralph Haseltine 

Ich richtete mich auf. Der Höllenhund war verschwunden. Die Badelatschen in der Hand schlich ich langsam den Gang zurück, erblickte Regana wieder singend hinter den Gitterstäben. Mir war klar: Sobald ich den Raum betrat, würde Zerberus sofort wieder zur Stelle sein. Und dann hatte ich nur noch wenige Sekunden, um zu reagieren. Ich musste mir also vorher eine Taktik zurecht legen. Regana hatte auf meine Füße gedeutet und in Richtung des Ganges gezeigt, der aus dem Raum führte. Sollte ich dorthin sprinten? Aber dann musste ich über Zerberus hinwegspringen. Das machte irgendwie keinen Sinn. Ich erinnerte mich: Psyche und Äneas hatten den Zerberus mit Honigkuchen besänftigt. Ich hatte aber keinen Honigkuchen, nur meine Badelatschen. Plötzlich kam mir eine Idee! Vielleicht meinte Regana, ich sollte Zerberus apportieren. Schließlich war auch ein Höllenhund nur ein Hund. Es war ein Versuch Wert.
Ich trat in den Raum, Zerberus sprang aus dem Nichts vor mich. Regana verstummte, machte wieder ihre Scharade hinter den Gittern. Ich wedelte mit meinen Badelatschen vor Zerberus rum. „Hier ist das Stöckchen, Zerbi!“, rief ich. Es schien zu funktionieren: Der Höllenhund wedelte aufgeregt mit dem Schlangenschwanz, die sechs Augen seiner drei Köpfe waren nur noch auf die Badelatsche in meiner Hand gerichtet, selbst die Schlangenköpfe auf seinem Rücken zuckten gebannt hin und her.
Regana, dahinter im Käfig, hüpfte vor Aufregung und Begeisterung auf und ab, klatschte lautlos in die Hände, hielt die Daumen nach oben und zeigte mit weit offen stehendem Mund wieder zu dem Gang, der aus dem Raum führte. Ich zwinkerte ihr zu, dann rief ich: „Fang, Zerbi!“ Und warf die Badelatsche in den dunklen Gang – schlecht gezielt: Der Schlappen prallte vom Türpfosten ab und zurück in den Raum, in Richtung der Gitterstäbe, zappelte kurz zwischen zwei Pfosten hin und her und plumpste dann in den Käfig. Regana stimmte vor Schreck den Chor der Sirenen an, und Zerberus, dessen drei Köpfe wild hin und her zuckend die Flugbahn der Latsche verfolgt hatten, sprang mit einem Satz zum Käfig. Alle drei Köpfe fassten nach dem Schlappen, verhedderten sich dabei in den Gitterstäben, bis der mittlere Kopf die Latsche zu fassen kriegte, was den beiden anderen Köpfen jedoch nicht schmeckte: Sie zerrten von beiden Seiten an dem Schlappen, woraufhin der mittlere Kopf wütend um sich biss, die beiden äußeren bissen zurück, alle drei Köpfe bissen wütend aufeinander ein, auch die Schlangenköpfe auf seinem Rücken fingen an sich gegenseitig zu beißen, und innerhalb weniger Sekunden hatte der Höllenhund sich komplett selbst zerfleischt.

 

Erotische Kunst von Ralph Haseltine 

*/*/*/*/Fassungslos betrat ich den Raum, stierte auf den zerfetzten Zerberus. Die griechische Mythologie musste umgeschrieben werden, dachte ich und bemerkte nun, dass Regana auf der anderen Seite des Käfigs zu mir getreten war. Der Chor in ihrem Mund war verstummt, sie hielt jetzt einen kleinen Schreibblock in der Hand, auf den sie mit einem Kugelschreiber hastig etwas kritzelte, dann riss sie den beschriebenen Zettel ab und reichte ihn mir durch die Gitterstäbe. Ich nahm ihn entgegen. Es war genau so ein Zettel wie der in dem bunten Karton. „Hast du dich gewaschen, Nachbar?“, stand darauf.
Nachbar – wunderte ich mich: Wieso sprach mich Regana in dem Spiel mit Nachbar an, wie dieser verwarzte Locke? Egal.
„Und zwar gründlich“, sagte ich. „Willst du mal riechen?“
Doch Regana antwortete nicht, kritzelte wieder was auf ihren Block, reicht mir den Zettel: „Hast du dich gewaschen, Nachbar?“
„Jawohl“, sagte ich laut und deutlich.
Regana kritzelte wieder etwas auf ihren Block, riss mir den Zettel ab: „Dann streck deine Finger raus, Nachbar.“
Ich zerknüllte das Papier und warf es mit der zweiten Badelatschen beiseite – etwas zu lässig: In hohem Bogen flog der Schlappen in den im dunkeln liegenden Gang, der aus dem Raum führte, und verschwand darin. Ohne aufzuprallen. Anscheinend lag dahinter das neue Level. Gut zu wissen.
Ich hielt Regana meine Finger durch die Gitterstäbe, wie Hänsel der bösen Hexe. Regana inspizierte sie von beiden Seiten, guckte gründlich unter die Fingernägel, dann beugte sie sich vor, leckte wie ein Michelin-Kritiker mit der Zungenspitze testend daran, lies sich den Geschmack auf dem Gaumen zergehen. Es schmeckte ihr offensichtlich, ihre Zunge fuhr erneut über meine Fingerkuppen, leckte sie einzeln ab, nahm sie nacheinander in den Mund, leckte und lutschte mit ihren Lippen daran, leckte über meine Hand, leckte und lutschte sich gierig meinen linken Arme entlang, zog mich dabei näher an die Gitterstäbe, löste die Schnur meines Bademantels, streifte ihn von meinen Schultern, sodass er meinen Rücken entlang zu Boden glitt, während sie sich über meine Brust nach unten leckte, meinen Bauchnabel auslutschte, in die Knie ging, meine Beine einmal runter- und wieder raufleckte, mit ihrer Zunge um meinen Hodensack kreiste, sich langsam meinen steifen, durch das Skibrillennachtsichtgerät auf meiner Nase grün pulsierenden Schwanz entlang nach oben leckte, ihre Lippen über die Kuppel stülpte, meine Arschbacken mit ihren Händen umkrallte, mich an die Gitterstäbe drückte und gierig leckte und schleckte und lutschte und saugte.
„Soll ich dich nicht erst Mal aus deinem Käfig befreien?“, keuchte ich. „Ich meine, was ist mit Hades, dem Herrscher der Unterwelt. Und dem Rest von seinem Gefolge! Schwirren die hier nicht auch noch irgendwo rum? Ich sollte dich doch eigentlich retten...“Regana lies von mir ab, kritzelte wieder was auf ihren Block. Ich las: „Halt die Klappe und besorg’s mir, Nachbar!“ Sie drehte sich um, schob ihr hauchdünnes Gewand hoch, reckte ihr Hinterteil gegen die Gitterstäbe, entblößte ihre grün schimmernde Möse, griff nach meinem Leuchtstab und führte ihn sich ein. Was soll’s, dachte ich, schließlich befand ich mich in einem erotischen Abenteuer – hier war weniger heroische, sondern vielmehr sexuelle Tatkraft gefragt!

 

Erotische Kunst von Ronald Putzker 

Langsam bewegte ich mich vor und zurück, denn durch die Gitterstäbe zwischen uns konnte ich nur halb in sie eindringen. Regana fing ungeduldig an zu zappeln, schrieb etwas auf ihren Block: „Schneller, Nachbar!“
Ich umfasste Reganas Hintern presste ihre Arschbacken gegen die Stäbe, beschleunigte vorsichtig. Regana, hinter den Gitterstäben, dankte es mir mit einem kehligen Grunzen. Ich kam allmählich auf Touren, wie eine Dampflok, zog meinen grünen Leuchtstab jedes Mal einen Millimeter weiter aus ihr raus, bis ich mit jedem Stoß aufs Neue in sie Eindrang. Immer schneller. Und mit der zunehmenden Taktzahl meiner Stöße verdichtete sich Reganas Gegrunze zu einem rhythmisch ächzenden Sägegeräusch.
Da flutschte ich aus ihr raus. Kurz vorm Höhepunkt. „Nicht aufhören, Nachbar!“, krächzte Regana plötzlich. Sie konnte also doch sprechen? Und mit was für einer widerlich perversen Stimme! Sie griff durch die Gitterstäbe nach meinem Leuchtstab, führte ihn gierig wieder ein. Doch ich stockte. Irgendwoher kannte ich diese Stimme... „Mach weiter, Nachbar!“, krächzte Regana. Jetzt wusste ich es: Das war Locke! Seine Stimme sprach wie der Teufel aus ihr – so wie in „Der Exorzist“ aus dem jungen Mädchen. Wie hieß die noch: Reagan oder Regan... War Locke im Spiel der Teufel, der in Regana steckte?!

Lockes Warnung zum Trotz schob ich die Skibrille ein Stück nach unten und lugte über den Rand. Gleißendes Licht blendete mich. Es drang durch eine riesige milchige Scheibe vor mir. Vermutlich so eine Art Hightech-Bluescreen, dachte ich, als meine Augen sich allmählich an das helle Licht gewöhnten.
Verschwommen erkannte ich eine große weiße Halle, in die ich, wie von einem Aussichtsturm, von oben herab durch die Scheibenfront blickte. Die Halle war komplett mit großen weißen Fließen verkachelt. In der hinteren Ecke saß an einem großen weißen runden Tisch in einen großen weißen Stuhl gequetscht ein unförmiger fetter Riese mit einer großen buntbedruckten Dose in der Hand, in der anderen Hand qualmte eine fette Zigarette, auf dem Kopf trug er eine blond gelockte Vokuhila-Perücke.
Und dieser Riese stand jetzt auf, lief auf die Scheibe zu, wurde immer größer, bis er mit seinem fetten Gesicht die gesamte Fläche ausfüllte – und jetzt erkannte ich ihn auch: Das war Lockes Frau, oder seine Mutter oder beides: „Er kann uns sehen!“, hörte ich ihre Stimme gedämpfte durch das dicke Glas rufen. Und jetzt sah ich, dass das, worin mein Schwanz steckte, gar nicht Regana, sondern Lockes behaarter, pickliger Arsch war, dessen Besitzer mit verdrehten Augen vor mir kniete.
„Los, fick mich, Nachbar!“, herrschte er mich kehlkopfkrebsiger Stimme an, während seine Mutter oder seine Frau oder beides mit der bunten Bierdose ihn ihrer Hand gegen das Glas klopfte – Schaum spritzte über die Scheibenfront.
„Er kann uns sehen, du Idiot!“, rief sie und wischte mit der brennenden Kippe zwischen ihren dicken Fingern den Schaum von der Scheibe.
Ich sprang von Locke ab. Und rannte schreiend davon – und in den Gang, der aus dem Raum führte, folgte meiner Badelatsche ins nächste Level. Und fiel ins Nichts.

***

Das Licht ging an. Ich saß mit Leandra, meiner Freundin, und den beiden anderen Pärchen im Kreis. Wir zogen unsere Cyberbrillen ab, stöpselten uns aus der großen runden Spielkonsole in der Mitte, verabschiedeten uns von unseren Mitspielern: Steffi mit der Zahnspange im Mund, dem schlaksigen Lukas an ihrer Seite, dem blondgelockten Hannes und seiner Zwillingsschwester Greta.
„Und, wie fandest du’s?“, fragte mich Leandra auf dem Heimweg.
„Ich weiß nicht“, sagte ich. „Vielleicht sollten wir es mal wieder mit richtigem Sex probieren.“

 

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1 Kommentar

05.06.2011 10:00 Cyraxis
Ich finde die Idee an sich schon einfach genial...NIchtsdestotrotz denke ich, dass ihr das Ende sehr viel Potential genommen hat. Schade, denn ich hätte gerne den Endboss gesehen^^


 

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