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Schweigen des geöffneten Mundes, Das
Sie musste verrückt sein, sich all den Misshandlungen und Demütigungen auszusetzen, die sich Simon immer wieder für sie ausdachte, und auch noch Lust dabei zu empfinden. Kopfschüttelnd dachte Carolin an all das, was sie schon mit ihm und durch ihn erlebt hatte. Irgendwie war sie reif für den Therapeuten. — Sie fühlte sich nicht gut, seelisch nicht, weil sie körperlich angegriffen war, geplagt von einer Erkältung mit Schnupfen, Husten, Gliederschmerzen und allgemeiner Kraftlosigkeit. Es war nichts mit ihr anzufangen. Simon zeigte sich verständnisvoll. Die Regeln, denen sie unterstand, wurden ausgesetzt, er sagte sogar einen Kundentermin ab und brachte ihr heißen Pfefferminztee ans Bett. Es tat ihr gut, von ihm wie ein geliebtes Wesen behandelt zu werden und vielleicht doch etwas anderes für ihn zu sein als nur Sklavin und Einkunftsquelle. Zärtlich strich seine Hand über ihre Stirn. Sie trank einen Schluck Tee und stellte fest, dass ihr Kaffee doch irgendwie lieber gewesen wäre, offenbar befand sie sich nach drei Tagen Unpässlichkeit nun endlich auf dem Weg zur Besserung. Auch die Gedanken verabschiedeten sich allmählich vom Krankenlager. »Wie es Judith wohl geht, ob sie sich ihrem Mann wirklich unterwirft?«
In Simon gab es daran keinen Zweifel. »Natürlich. Sie ist doch jetzt seine 24/7.«
»Seine was?«
»Seine 24/7. Sklavin vierundzwanzig Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche, also immer.«
»Oh. — So wie ich.«
»Ja, so wie du. Falls du nicht gerade krank bist.«
Eine 24/7 also. Sie mochte nicht darüber nachdenken, wie viele verächtliche Bezeichnungen man noch für sie finden konnte, wenn man nur wollte. Obgleich ihr das 24/7 gar nicht verächtlich erschien, sondern einfach nur den Tatsachen entsprechend, was man von allen anderen Begriffen allerdings auch hätte behaupten können. Also doch reif für den Therapeuten. Wenn sie sich nur nicht so zufrieden gefühlt hätte als 24/7 unter Simons Herrschaft. Die Zweifel schwanden, je mehr sie genas; es regte sich insgeheim ein warmes Kribbeln beim Gedanken daran, bald wieder seinen Wünschen zur Verfügung zu stehen.
Am folgenden Tag beschloss sie, ab sofort wieder gesund zu sein, und wurde vom erfreuten Simon zum Essen in ein vornehmes Restaurant eingeladen. Zuvor fuhr sie noch kurz zu ihrer Wohnung, um einige Kleider zu holen. Ohne dass es geplant oder mit Simon besprochen war, zog sie ganz allmählich bei ihm ein oder war bereits eingezogen in dieses Haus, das sich so vorzüglich zur Haltung einer Sklavin eignete. — Und in dem sie sich wohler fühlte als in ihrer Wohnung, in der es die unterschwellige Erwartung und das geheime Bangen nicht gab, die hier anscheinend mit eingebaut waren.
Den nächsten Kundentermin gab es nur wenige Tage später. Hätte sie gewusst, wie sie den Kunden erwarten musste, wäre das vorfreudige Kribbeln um einiges gedämpfter ausgefallen. Sie saß auf einem unbequemen Stuhl mitten in der Folterkammer, an ihren Fußbändern waren die beiden Enden einer metallenen Stange angeschlossen, die ihre Beine weit spreizte, und eine metallene Spange, deren Haltebügel sich in die Wangen gruben, presste mit Bärenkraft Unter- und Oberkiefer auseinander; der weit aufgerissene Mund schien einen andauernden lautlosen Schrei auszustoßen. Ihre Hände waren im Nacken ans metallene Halsband gefesselt, in die Brustwarzen und Schamlippen bissen die Klammern, die Judith am Morgen des Schneetreibens hatte tragen müssen; die Zeit der Schonung war zu Ende. Rote Stöckelschuhe hatte sie an, sonst nichts. Zwei Dingen galt ihre Konzentration, zum einen vermied sie jede Bewegung, um die Ketten, welche die Klammern miteinander verbanden, nicht ins Schwingen zu bringen, zum andern musste sie ruhig atmen, durfte keinesfalls aus dem Rhythmus kommen, damit kein Panikgefühl aufkam. Aber sie war ja geübt darin, wurde von Simon im Training gehalten.
Die Tür wurde geöffnet und ein Mann erschien. Sie kannte ihn, es war Gerhard, der Softwarefirmenchef, der ihren Po entjungfert hatte damals am Anfang ihres Weges, da sie nie und nimmer für möglich gehalten hätte, dass man sie einmal so zurechtgemacht wie jetzt einem »Kunden« ausliefern würde, der für sie bezahlte. Offenbar brauchte er den Beistand Simons, der hinter ihm den Raum betrat. Seltsam, dass er einen Zuschauer duldete, ihr jedenfalls wäre es lieber gewesen, wenn sie wenigstens nicht vor Simons Augen als Spielzeug hätte dienen müssen.
Hingerissen starrte Gerhard sie an. »Sie sieht wirklich scharf aus. Ein solches Bild habe ich in echt noch nie gesehen.« Er kam zu ihr her und seine schwarzen Schuhe schoben die Stange und mit ihr die daran angeschlossenen Füße zurück, damit er ganz nah an sie herankam. Er duftete nach einem edlen Herrenparfüm, sein schwarzer Anzug mit weißen dünnen Nadelstreifen saß maßgeschneidert, die dunkelrote Seidenkrawatte reichte pedantisch genau bis zur Designergürtelschnalle. Wie hatte sie diesen Mann seinerzeit nur für einen kleinen Angestellten halten können? Sanft streichelten seine gepflegten Finger ihre Brüste, griffen dann nach dem Kettchen, hoben es hoch — und ließen es fallen. Wild bissen die Klammern zu, ein Blitz von Schmerz durchzuckte die empfindliche Haut, ihr Seufzen wurde von der Spange nicht gehemmt. Sie hasste die Hilflosigkeit, zu der die Ketten sie zwangen, und hasste auch ihre Seele, die es Simon erlaubte, sie jedem interessierten Mann anzubieten.
Ich bin ein Schwein ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeberin ist Tanja Steinlechner und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"
Gerhard lächelte angeregt und öffnete den Reißverschluss der teuren Hose. Groß und erwartungsvoll ragte der Penis vor ihr auf, ganz dicht vor ihren Augen. Eine Hand legte sich an ihren Hinterkopf, um zu verhindern, dass sie das Gesicht zur Seite drehte, und er schob sich in ihren Mund, als sei das sein gutes Recht. Dass sie die Lippen nicht um ihn schließen konnte, störte ihn nicht, er glitt einfach bis nach hinten zu ihrem Gaumen, zog sich zurück und stieß von Neuem zu wie ein Kolben im zu groß geratenen Zylinder. Ihr Blick schweifte an Gerhard vorbei zu Simon, der wie unbeteiligt einige Schritte entfernt stand, als ginge ihn das alles nichts an. Sie hörte ein tiefes brünstiges Röcheln und ihr Mund wurde von einer klebrigen Flut überschwemmt. Wie das warme, salzig schmeckende Sperma in sie kam, rann es auch wieder hinaus, kroch über die Lippen zum Kinn und tropfte in zähen Fäden auf ihre Brüste. Angestrengt kämpfte sie gegen einen aufkommenden Würgereiz an. Jetzt bloß nicht in Panik geraten. Konzentriert atmete sie durch die Nase.
Irritiert fragte Gerhard bei Simon nach, weshalb sie es nicht schlucke, und als er hörte, dass es mit der Spange nicht möglich sei, ließ er den Blick wie zum Trost über die weißlichen Rinnsale schweifen, die über ihre Lippen, das Kinn und die Brüste krochen. »So ist es ja auch ganz hübsch.«
Ihre Zunge, die noch halbwegs brauchbar war, musste den Penis rundum sauber lecken. In die Hose zurückpacken konnte sie ihn nicht, das tat der Mann selbst. Zufrieden ging er zum runden Tisch, schenkte Rotwein in zwei bereitstehende große Gläser und ließ sich auf einem der beiden Korbstühle nieder, zwischen denen auf dem Boden ein Edelstahlnapf stand, gefüllt mit Wasser. Simon nahm ihr die Spange aus dem Mund. Endlich. Doch gab es keinen wirklichen Grund zur Erleichterung. Er half ihr vom Stuhl, zwang sie mit sanftem Druck auf die Knie und beugte ihren Oberkörper hinab, schloss am hinteren Ring ihres Halsbandes eine Hundeleine an und führte sie zum Tisch hinüber. Sehr langsam musste er gehen, denn nur mühsam konnte sie sich vorwärtskämpfen auf den Knien und den Ellbogen, die sich kaum bewegen ließen. Keuchend vor Anstrengung erreichte sie den Napf, der als ihr Ziel bestimmt war, wie nicht anders zu erwarten.
Simon setzte sich auf den freien Stuhl und die beiden Männer ließen die Gläser aneinanderklingen. Auch Carolin musste trinken. Sie senkte das Gesicht ins kühle Wasser und schlabberte einige Schlucke heraus, ohne sich darum zu scheren, wie demütigend es wohl aussah. Anerkennend schaute Gerhard zu Simon hinüber. »Du hast sie wirklich gut im Griff.« Sein Blick schweifte über die Peitschen an der Wand. »Züchtigst du sie?«
»Nur wenn es notwendig ist.«
Melancholisch klang Gerhards Stimme. »Leider habe ich es bei meiner Frau versäumt, sie richtig an die Kandare zu nehmen. Aber sie würde das wohl auch nicht mit sich machen lassen.«
Simon nickte bedauernd. »Nicht jede Frau ist dafür geeignet.«
Zaghaft, wie versuchsweise klatschte Gerhards Hand auf Carolins Hintern, versetzte ihr eher einen Klaps als einen Hieb. »Aber auch nicht jeder Mann eignet sich zum gestrengen Erzieher. Ich glaube, ich könnte es nicht.« Er griff zwischen ihre Beine, spielte mit den Klammern, die sich in ihre Schamlippen krallten, schürte Schmerz und Lust, trieb ein aufgewühltes Seufzen von ihren Lippen. »Sie ist feucht da unten, es scheint sie scharf zu machen.« Von ihrem Gesicht perlten Wassertropfen in den Napf zurück und dicht vor sich sah sie seine schwarz glänzenden Schuhe. Ein Bild tauchte vor ihren Augen auf: Judith bei der Begrüßung ihres Gatten. — Und wenn man nun auch von ihr verlangen würde, die Schuhe des Mannes zu lecken? Es wäre Sinnbild tiefster Unterwerfung, doch könnte sie es natürlich nicht verweigern … und die Vorstellung war nicht einmal ohne Reiz.
Gerhard ließ von ihr ab und erhob sich vom Stuhl, ging zum Pranger hinüber, umrundete ihn versonnen. Seine Hand glitt über das schimmernde Metall, das in Höhe seines Bauches auf soliden, im Boden verschraubten Streben ruhte. »Ein interessantes Ding. Darin wäre sie genau in der richtigen Stellung.« Fragend schaute er Simon an, und als dieser zustimmend nickte, winkte er nach Carolin. »Komm her!«
Bangen Herzens kroch sie zu ihm hinüber. Simon, der sich vom Stuhl erhob und sie leicht wie der Wind überholte, öffnete den seitlichen Riegel des Prangers und klappte die schwere obere Schiene empor. Als sie den kilometerlangen Weg endlich bewältigt hatte und keuchend vor ihm kauerte, befreite er ihre Hände vom Halsband und half ihr auf die Beine. Sie musste den Oberkörper tief nach unten beugen und den Hals und die Handgelenke aufs blaue Lederpolster der Aussparungen betten; die Schiene wurde heruntergeklappt und der Pranger verschlossen. Sie konnte sich nicht mehr rühren, nur noch warten auf das, was Gerhard mit ihr vorhatte. Die Spange wollte er an ihr sehen und Simon, sein Handlanger, spannte sie wieder zwischen ihre Kiefer; ihr Mund wurde aufgerissen und sie der Worte beraubt, die es aber sowieso nicht gab.
Um ihrem Anblick in der Spiegelwand zu entgehen, schloss sie die Augen und lauschte unvermeidlich ihren Gefühlen, dem ziehenden Schmerz im Biss der Klammern und der Erregung, die tief in ihrer Muschi glühte. Etwas Kühles, Glitschiges berührte ihren Po, der sich schamlos dem fremden Mann entgegenreckte. Gleitcreme. Behutsam drängte ein Finger in den engen Eingang, schob sich tiefer, trieb ein Seufzen aus ihrem offenen Mund. Verträumt betrachtete sich Gerhard, wie ihr verräterischer Körper den Bewegungen seines Fingers folgte. »Sie ist wirklich geil. Schade, dass mir kein Flittchen über den Weg gelaufen ist, mit dem man alles machen kann.« Echter Kummer, dazu Lust an ihrer Schmähung vereinten sich in seinen Worten, die sich in ihre Ohren brannten. War sie das: ein Flittchen? Na ja, es gab für diesen Mann sicherlich keinen Grund, irgendetwas anderes in ihr zu sehen.
Der Finger zog sich aus ihr zurück und hart wurde sie an den Hüften gepackt. Dick und warm drängte der Penis an ihren Po, fand fast mühelos den Weg in ihre Enge, bohrte sich in sie, spießte sie auf, brachte die Welt zum Beben. Tief und ausdauernd kamen seine Stöße, ihr Hals und ihre Handgelenke scheuerten am eng umspannenden Leder, rhythmisch schwangen die Ketten und zerrten an den Klammern, ihr Stöhnen füllte den Raum, ihr Körper glühte vor Schmerz und Lust. Würde er doch nur … würde dieser dicke pulsierende Pfahl doch nur in ihre Muschi kommen, um sie vollends in die Sphären der Lust zu bringen für den flüchtigen Moment der Ekstase, der die Ewigkeit war … Kraftvoll pressten die Hände ihren Unterleib noch enger an den Mann, ein Grunzen brach von seinen Lippen, er wurde stocksteif und pumpte sein Sperma in sie hinein wie in eine exotische Vase, die er für viel Geld kaufte, um sie dann zu seinem Vergnügen auf den Boden zu werfen.
Der Pfahl zog sich aus ihr zurück und seufzend aalte sie sich am Pranger; es fühlte sich an, als sei sie noch immer zum Bersten gefüllt. Gerhard ließ sich auf seinen Stuhl sinken, griff nach seinem Glas und trank einen Schluck. Auf die Idee, sie aus ihrer unbequemen Lage zu befreien, kam Simon nicht. Unendlich lange Zeit noch stand sie tief vornübergebeugt da mit der Einladung, die ihr Hintern war, und versunken in die schmelzende Glut, die ihren Schoß erwärmte und fast alleiniger Mittelpunkt ihrer Sinne war. Kein zweites Mal wurde die Einladung angenommen. Sie hörte, wie sich Stefan erhob, doch näherte er sich nicht, wie sie einen Moment gedacht, befürchtet und tief im Innern vielleicht ersehnt hatte. Er ging zur Tür und kaum war sein Murmeln zu verstehen. »Sie lässt sich wirklich prima ficken.« Es nicht verstanden zu haben wäre kein Verlust gewesen. Sachte wurde die Tür ins Schloss gezogen und allein blieb sie zurück. Klebrige Feuchtigkeit kroch über ihre Schenkel, schmerzhaft bissen die Klammern. Ein Flittchen? Nein, nur eine Sklavin. In ihren Gefühlen gefangen. Wäre es möglich gewesen mit dem aufgerissenen Mund, hätte sie gelächelt …
Copyright Jürgen B. Greulich 2010
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