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Rückkehr, Die

Jürgen B. Greulich 

Zwei Tage waren seit ihrer Rückkehr aus der Villa beim Schloss vergangen, als Carolin Arm in Arm mit Simon im Wohnzimmer auf dem Sofa saß und dem wunderschönen »Bird Song« der Grateful Dead lauschte. Seine Hand legte sich auf ihren Schenkel, schob sich langsam höher, gelangte zu ihrem Schoß. Überrascht schaute er sie an. »Oh, hast du dich rasiert?« Sie schüttelte den Kopf. »Epiliert. Man tat es gegen meinen Willen.« Er zog ihr das Kleid aus und sie musste ihm erzählen, wie es geschehen war. Seine Empörung über das rücksichtslose Vorgehen der Herren hielt sich sehr in Grenzen. Lieber betrachtete er sie andächtig wie eine wertvolle Skulptur. »Es sieht reizvoll aus ... Sorge dafür, dass es so bleibt, lass dich regelmäßig epilieren.«
»Aber es tut weh.«
Simon lächelte mitfühlend. »Das überstehst du schon.«
Sie seufzte schwer und hatte nur noch ein allerletztes kleines Argument in der Hinterhand: »Aber wo? Ich weiß nicht, wer so etwas macht.«
Gleichgültig zuckte er mit den Achseln. »Probier’s bei einem Schönheitssalon. Kümmere dich morgen drum.«
Die Sorge um das Morgen schwand unter seiner zärtlich streichelnden Hand und wohlig räkelte sie auf dem kühlen Leder mit geschlossenen Augen. Sie wünschte sich, dass er ihr noch näher komme. »Simon, darf ich dich in mir spüren?«
Bedauernd wiegte er den Kopf. »Das geht nicht.« Oh. Sachte glitt ihre Hand über seinen Schoß, spürte die Schwellung unter der Hose, groß und fest. Es ging doch. Wo war das Problem? Zärtlich spielten seine Finger mit ihren steifen Knospen und leise wurde seine Stimme. »Es ist besser, wenn wir deinen Höhepunkt für ganz bestimmte Anlässe reservieren.« Ganz bestimmte Anlässe? Was um Himmels willen hatte das zu bedeuten? Tief tauchte Simon seinen Blick in den ihren. »Kommst du mit der Hoffnung auf einen Orgasmus zu deinen Kunden, werden sie noch mehr Freude an dir finden.«
Was? Konsterniert schob sie seine Hände weg. »Das ist nicht dein Ernst?«
»Doch, das ist es ... Und natürlich darfst du es dir auch nicht mehr selbst besorgen.«
Sie glaubte nicht, was sie da hörte. »Aber Simon ... Soll ich hier etwa wie im Kloster leben?« Sie sah sein lächelndes Verneinen und korrigierte sich: »Kein Kloster also, natürlich nicht. Aber was dann? Willst du mich dauergeil halten? — Simon, ich bin ein Mensch, kein Werkzeug, das nur einem Zweck dient. So kannst du nicht mit mir umgehen!«
Sein Lächeln war verschwunden, seine Miene kühl und hart. »Bislang hat dir mein Umgang mit dir noch immer gutgetan.«
»Jetzt nicht mehr!«
Stirnrunzelnd schaute er zu, wie sie ihr Kleid wieder anzog, doch versuchte er nicht, sie davon abzuhalten. Ratlos schüttelte er den Kopf. »Alles lässt du mit dir machen, nur wenn man dir den Orgasmus vorenthält, gibt es einen Aufstand. Ich wusste nicht, dass du es so sehr nötig hast.«
Welch eine perfide Interpretation! Wusste er denn nicht, worum es ging? War sie für ihn wirklich nur noch eine Hure, die es bestmöglich zu verkaufen galt? Sie schaute ihn an. Es gab kein Gefühl in ihm (jedenfalls konnte sie keines entdecken), kein Einlenken, nicht den Ansatz einer Entschuldigung, nichts, das ihn auch nur im Geringsten anziehend machte. »Oh Simon, wenn du so über mich denkst, kann ich nicht mit dir leben.« Er schwieg und sie wandte sich ab, ging ins Schlafzimmer, holte einen kleinen Koffer vom Schrank, warf wahllos einige Kleidungsstücke hinein.
Mit den Händen in den Taschen schaute Simon ihr zu. Tonlos klang seine Stimme. »Wohin willst du?«
Wenn sie das nur wüsste ... Ihre eigene Wohnung hatte sie aufgegeben in der Meinung, nur hierher zu Simon zu gehören und nirgendwohin sonst. Wie absurd! Eine Freundin hatte sie nicht mehr. Zurück zu den Eltern? Da war die Gosse noch besser! »Keine Ahnung. Nur weg.« Sie schleppte den Koffer in die Diele, zog eine kurze schwarze Jacke über das blaue Kleid und verließ das Haus, ohne Simon noch einmal anzuschauen. Es war warm draußen, ein schöner Frühsommertag, der ihr wie ein Hohn erschien. Sie setzte sich in ihr Auto und wusste plötzlich, wohin sie zu fahren hatte: zum nächsten Flughafen, etwa hundert Kilometer entfernt.
Die Dämmerung senkt sich übers Land, als sie dort ankam. Wie einfach das Leben doch sein konnte, wenn man eine Kreditkarte und ein gut gefülltes Konto besaß. Sie betrat eines der Reisebüros und wurde nach ihrem Wunsch gefragt. »Weg. Egal wohin. Ich brauche nur sofort einen Flug.« Die Dame hinter dem Schalter schaute sie verständnisvoll an und widmete sich dem Computer, um zu schauen, ob sich etwas machen ließ. Es sprangen ja immer wieder Reisende ab. — Aus dem Flugzeug? — Nein, vom Reisevertrag.
Drei Stunden später flog Carolin in einem Jet in Richtung Türkei und die nächsten Tage verbrachte sie in einem komfortablen Hotel, dessen acht Stockwerke komplett mit deutschen Urlaubern gefüllt waren. In puncto Sprache gab es also kein Verständigungsproblem, nur in fast jeder sonstigen Beziehung. Ein braun gebrannter Animateur versuchte sie ins Unterhaltungsprogramm zu locken, ein seriös aussehender Ehemann mit hübscher Gattin und zwei nervenden Kindern wollte sie beharrlich zu einem Treffen »unter vier Augen« bewegen, ein gut aussehender junger Bursche, der mit seinen Eltern da war, der Ärmste, baggerte sie schüchtern bei jeder Begegnung an. Alle Bemühungen blieben erfolglos. Carolin war die Deutscheste aller Deutschen, da sie nicht einmal in Erwägung zog, das Beste aus der Zeit zu machen. Lieber gab sie sich der Schwermut hin, was aber vielleicht das Beste für sie war. Nicht zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich fehl am Platze. All die Annehmlichkeiten, das gute Essen, die neckischen Spiele am Pool, das Surfen und Tretbootfahren am Strand, das bemüht lockere Geplauder und Geschäker gehörten einer Welt an, die unbegreiflich war und keine Anziehungskraft besaß. Eine Ödnis. Wo ihr Platz war, wurde ihr in jeder Stunde hier am Meer zwischen all den gesellschaftsfähigen Menschen mehr bewusst. Wie hatte sie daran nur zweifeln können?

 

Leck mich auf ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeber ist Martin Jankowski und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"

Als die Woche eingesprungenen Pauschalurlaubs endlich abgesessen war, fiel ihr der Abschied leicht. Voller Erwartung und Bangen flog sie von einem strahlenden Mittelmeertag in einen bewölkten, aber immerhin nicht allzu kühlen Frühsommer zurück. Sie würde Simon doch hoffentlich nicht so sehr vor den Kopf gestoßen haben, dass er nichts mehr von ihr wissen wollte? Je näher sie ihm kam, desto bedrückender wurde die Sorge. Hoffentlich hatte sie nicht den schlimmsten Fehler ihres Lebens begangen. Es war kein Problem, in der verlassenen Straße einen Parkplatz zu finden. Gleich darauf stand sie mit pochendem Herzen vor dem Grundstückstor. Niemand war zu sehen weit und breit in der allmählich sich herabsenkenden Dämmerung.
Sie musste nicht klingeln. Die Haustür wurde geöffnet und Simon stand da, bekleidet mit einer schwarzen Jeans und einem schwarzen Pullover. Er schien nicht überrascht, sie zu sehen, lächelte zurückhaltend, aber unübersehbar erfreut. »Komm rein, Carolin.« Ein Stein fiel ihr vom Herzen und sie versuchte sich ebenfalls an einem Lächeln. »Es tut mir leid, Simon, ich war wohl etwas durcheinander ...«
Er wollte keine Entschuldigung hören, winkte ab, ging mit ihr ins Wohnzimmer. Wäre jetzt nicht der richtige Moment für eine versöhnliche Umarmung gewesen? Zwei Schritte stand er von ihr entfernt und prüfend ruhte sein Blick auf ihr. »Du weißt, dass du jederzeit gehen kannst, wenn du willst. Du hast es ja erlebt. — Doch weißt du ebenso gut, dass du meine Anweisungen und Regeln befolgen musst, sobald du dich hier befindest. Nicht wahr?«
»Ja, Simon.« Sein mahnender Blick sagte ihr, dass er sie sehr gehorsam erleben mochte, und rasch korrigierte sie ihre Bestätigung: »Ja, mein Herr, das weiß ich.«
»Gut. — Denkst du noch an deine Kleiderregel?«
»Ja, natürlich.« Verwundert bemerkte sie, dass sie es tatsächlich für »natürlich« hielt und sich sogar in ihrem seltsamen Urlaub daran gehalten hatte. Aber vielleicht auch nur, weil sich kein Slip in ihrem Gepäck befunden hatte.
»Lass sehen!«
Warum nur überraschte es sie nicht, diesen Befehl jetzt zu hören? Zögernd schob sie ihr weißes knielanges Kleid mit beiden Händen hoch, enthüllte Zentimeter um Zentimeter ihre Schenkel und den nackten Schoß.
Simon lächelte zufrieden. »Bist ein gutes Mädchen.« War sie das wirklich? Obwohl sie ihn eine ganze Woche lang verlassen hatte? Doch sprach er darüber nicht, wollte nicht wissen, wo sie gewesen war und was sie gemacht hatte, tat so, als habe es die vergangenen Tage nie gegeben, und knüpfte nahtlos dort an, wo sie aufgehört hatten: »Morgen besorgst du dir in einem Schönheitssalon einen Termin zum Epilieren, damit du von nun an immer so schön glatt dort unten bist.«
»Ja. Ganz wir Ihr wollt, mein Herr.« Leicht würde ihr das Besorgen eines solchen Termins sicherlich nicht fallen, doch spielte das keine Rolle, natürlich nicht.
Simon erlaubte ihr mit einem beiläufigen Zeichen seines Fingers, das Kleid wieder sinken zu lassen, sagte, dass er später mit ihr ausgehen wolle, und schickte sie in die Dusche. Während das warme Wasser über ihre Haut perlte, hörte sie, wie er ins Badezimmer kam, es gleich wieder verließ und Augenblicke später erneut betrat. Was er da so unruhig trieb, konnte sie nicht erkennen durch das Riffelglas der Duschkabine, das sah sie erst, als sie das Wasser abgedreht und die Schiebetür geöffnet hatte — auf dem Rand des Waschbeckens stand ein schwarzer dicker Plug, daneben eine kleine gläserne Schale mit einem Stückchen Butter. Das also wollte er von ihr! Sie durfte nicht einmal den Blick senken, musste direkt in Simons Augen schauen, während sie gleich nach dem Abtrocknen den eingebutterten Finger in ihren Hintern steckte, um den engen Eingang geschmeidig zu machen. Tiefste Scham, in der kribbelnde Erregung wohnte. Der Finger wurde durch das aufreizend dicke Gummi ersetzt. Behutsam drängte sie es in sich, stöhnte auf, als die dickste Stelle den Eingang dehnte, und seufzte erlöst, als es eingesogen wurde und fest in ihr saß. Jetzt erst durfte sie den Blick von Simon wenden.
An der Tür hing ein rotes Kleid mit miederartigen Oberteil; es war nicht irgendeines, sondern genau jenes Kleid, das sie bei ihrem allerersten Rendezvous mit Simon angehabt hatte und in dem sie zur Carolin seiner Geschichte geworden war. Fast feierlich zog sie es an. Wie fremd ihr damals diese Welt gewesen war, in der sie inzwischen wie selbstverständlich lebte, gedemütigt, geschlagen und vermögenden Herren wie eine Dienstleistung angeboten. Hätte sie das geahnt damals, dann ... Ja dann? Auch dann hätte sie sich in Simons Hände gegeben, da ein solches Leben reizvoller war als alles andere. — In die bereitstehenden roten Stöckelschuhe musste sie noch schlüpfen und war damit fertig angezogen, wie Simon fand. Mit den kleinen Schritten, zu denen der Plug sie zwang, folgte sie ihm aus dem Haus, bemüht darum, die Seufzer einzudämmen, die unaufhaltsam von ihren Lippen perlten. Ein Glück, dass niemand sie sah.

 

Porno Royal ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeberin ist Tanja Steinlechner und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"

Sie musste sich ans Steuer ihres Autos setzen und wurde zum kleinen Park dirigiert, in den sie auch damals beim ersten Rendezvous gegangen waren. Einsam lag die Rasenfläche unter dem dunklen nächtlichen Himmel und fast hätte man meinen können, dass die Bank unterm Fliederstrauch schon auf sie gewartet habe. Längst schon brauchte sie keine Aufforderung mehr, um sich so hinzusetzen, wie er es ihr an jenem ersten Abend schon beigebracht hatte. Sie lüpfte das Kleid hinten hoch, ließ sich auf den nackten Po sinken und öffnete die Schenkel, um Fassung ringend, da sich das Gummi noch tiefer in sie bohrte. Unwiderstehlich angezogen beugte sie sich nach vorne und hauchte einen Kuss an seinen Schoß.
Wohlwollend wuschelte seine Hand über ihr Haar. »Schön, dich so lüstern zu erleben. — Du hast doch bestimmt nicht vergessen, dass du ohne meine Erlaubnis keinen Orgasmus mehr haben darfst, und hältst dich hoffentlich daran?«
Da stand sie nun also wieder an der Kreuzung der vergangenen Woche. Einen alternativen Weg gab es jetzt nicht mehr. Sie führten ja doch alle ins Leere. »Ja, ich werde mich daran halten.« Es war ein sehr schwergewichtiges Versprechen, das sie da gab. Sicherlich würde der Moment kommen, in dem die Einhaltung zur Qual wurde, und vermutlich würde Simons Kalkül aufgehen und sie irgendwann nach Kundenterminen lechzen wie manch katholischer Priester nach einem Knaben. Sie versuchte sich an einem flauen Scherz. »Gar so nötig habe ich es ja nicht.«
Ein Lächeln schwang in seinen Worten mit. »Bist ein tapferes Mädchen. — Aber auch wenn du es nicht nötig hast, ist dir jetzt ein Orgasmus erlaubt.« Erlaubt? Das bedeutete jetzt in diesem Augenblick und hier an diesem Ort wohl eher befohlen. Sollte sie wirklich? Sein aufforderndes Nicken war Antwort genug. Sachte glitt ihre Hand unter das Kleid und scheu begann sie sich zu streicheln. Allmählich schwand die Geniertheit, herausfordernder wurde das Spiel ihrer Finger, kaum noch versuchte sie ihre Seufzer einzudämmen und von ganz alleine schlossen sich ihre Augen. Schwellend und zitternd drängte Simons Penis zwischen ihre halb geöffneten Lippen und gerne ließ sie ihn herein, liebkoste ihn voller Hingabe, konnte nicht genug von ihm bekommen und empfing sein Sperma wie eine wohlschmeckende Medizin, die tiefes Glück schenkte und von allen Sorgen heilte ...
Wie Schafe, die sich verstreut hatten in einem zerklüfteten Land, kehrten die Sinne nach und nach zurück; unerbittlich verließ der Penis ihren Mund und reglos verblieben ihre beiden Finger noch im brennenden Schoß, um ihr den Nachklang der Wonne zu erhalten. Sie öffnete die Augen — und bereute es sogleich. Etwa zwanzig Schritte entfernt schlich im Zuckeltempo wie mit kaputtem Mechanismus ein mittelalterliches Paar vorbei und starrte mit halb verdrehten Köpfen zu ihr herüber. Rasch richtete sie den Blick auf Simons Bauch, als würde sie dadurch unsichtbar werden. Ihre Finger mussten den Schoß verlassen, da sie gebraucht wurden, um den kraftlos gewordenen Penis wieder in die Hose zu packen.
Ob Simon die beiden auch bemerkt hatte? Wenn, dann ließ er sich nichts anmerken. Seine Hand legte sich unter ihr Kinn und sie schaute zu ihm hinauf, konnte sein Lächeln mehr ahnen als sehen, da sein Gesicht im Schatten lag. Samten klang seine Stimme. »Willst du dich nicht bedanken?«
Bedanken? Aber natürlich. Die Demütigung, die in seinem Ansinnen mit eingebettet war, schürte neue wohlige Glut. Zum Hauch dämpfte sie die Stimme, damit nur er sie hören konnte und niemand sonst. »Ich danke Euch, mein Herr.«
»Und wofür?«
»Dafür, dass ich einen Höhepunkt haben durfte. Und dafür, dass du mir erlaubt hast, dich zu trinken.« Die förmliche Herrschaftsanrede erschien ihr in diesem Moment nicht angemessen, da sie sich ihm sehr nahe fühlte. »Und dafür, dass ich deine Sklavin sein darf.« Seine Sklavin aber konnte sie nur sein, wenn er die entsprechende Macht über sie hatte, weshalb es folgerichtig war, dass er ebenso wie über alles andere auch über ihren Orgasmus bestimmte. Warum hatte sie das nicht gleich begriffen? Das Paar war aus dem Lichtschein der Laterne verschwunden, Stille lag über dem verwunschenen Park, der nichts anderes war als ihr ganz privates Paradies, geschaffen von Simons Geist, um ihre tiefsten Wünsche zu offenbaren ... Und zu erfüllen. Sie liebte ihn ...

 

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