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Nil Desperandum – Verzweifle nicht
Schön, wie du schläfst, meine Hübsche. Wie eine echte Prinzessin. Mit einem Gesicht, das man küssen möchte. Immer wieder nur küssen. Bis auf der ganzen Welt keine Küsse mehr sind. So lange und keine Sekunde weniger.
Hörst du, wie das Holz singt? Es ist sehr altes Holz. Stell dir vor, wie viele Nächte lang und für wie viele Träume dieses Holz schon gesungen haben muss. Spürst du, wie sich das Schiff zum Gesang des Holzes langsam, fast zärtlich in den Wellen wiegt?
Spürst du, wie das Schiff auf dem großen Wellenkamm schneller wird und dann von dem nächsten Wellenberg sanft gebremst? Das liegt an dem Kurs, den wir fahren. Raumschot heißt er. Das ist der schnellste Kurs, den ein Segelboot fahren kann. Aber wir sind ganz sicher.
Es ist zwei Uhr nachts auf dem Ijsselmeer, ich stehe vor deiner Koje und du schläfst. Nichts wird dir passieren. Nichts.
Atme, meine Hübsche, atme. Merkst du, wie ich langsam und vorsichtig deine Decke wegziehe? Spürst du meine Blicke auf deinem Hals, auf deinen Schultern, deinem Rücken und deinem Hintern? Nein, du spürst nichts, du schläfst tief und fest. Meine Blicke saugen sich in deine Haut, kriechen zu deinen Hüften und dann langsam an den Außenseiten deiner Schenkel herunter. Von dort wieder nach oben, bis ich zu deinen weißen Brüsten komme. Die umkreise ich so lange, bis mir schwindelt. Spürst du das, meine Hübsche? Spürst du, wie mir schwindelt auf deinen weißen Brüsten?
Nur ruhig. Kannst du mich spüren? Man sagt, dass Hände Funken sprühen können. Merkst du, wie ich meine rechte Hand ganz knapp über deine Brüste halte? Wie ich langsam und ganz nah über deinen Körper nach oben streiche bis zu deinem Hals? Ich sehe deine Halsschlagader pulsieren. Spürst du meine Hand? Spürst du mich Funken sprühen?
Träume, meine Hübsche, träume. Von Dingen, die an deinem Leben zu schnell vorbeizogen, als dass du sie hättest festhalten können. Von Landschaften aus Sanftheit und von Menschen aus purer Freude. Träume von deinem Hafen. Ich wäre jetzt gerne in deinem Kopf. Entblättern würde ich mich und dann mit dir in deinen Hafen fahren. Stell dir das vor. Ja, stell dir das doch einmal vor.
Spürst du meine Hand an deiner Schulter? Komm jetzt langsam aus dir zurück. Tauch auf, ganz langsam und genieße die flüchtigen Sekunden zwischen hier und dort. Dann öffne die Augen. Ruhig meine Hübsche, ich bin es nur. Reibe dir deinen Hafen aus den Augen und aus dem Sinn. Ja, hier, meine Hand. Halte dich fest, so wie ich dich festhalte, das Boot schaukelt ein wenig. Nimm das Sommerkleid dort vom Haken und ziehe es an. Wir gehen an Deck und es könnte dich frösteln.
Nein. Frage jetzt nichts. Diese Nacht hat keine Antworten. Still. Öffne die Tür deiner Kajüte. Leise, dass uns auch keiner hört, den langen Gang hinunter bis zur hinteren Luke. Jetzt kannst auch du das Holz singen hören. Stell dir vor, es singt nur für uns beide in dieser Nacht. Da ist die Leiter. Steig hinauf. Ich bin direkt hinter dir. Kannst du fühlen, wie sich meine Nase in deinen Rücken drückt? Wie mein Atem in dein Mark dringt und versucht, dich zu verzaubern?
Öffne jetzt die Luke über dir. Stell dir vor, der kühle Wind der ruhigsten Stunde streichelt dein langes Haar. Ich höre dein Sommerkleid leise im Wind flattern. Alle Götter sind jetzt mit uns. Sieh hoch. Die Sterne. Ja, strecke deine Arme nach oben, greif nach den Sternen. Es wird ein bisschen dauern, aber gleich wird der Zauber wirken. Greif nach den Träumen.
Sieh die Masten. Es ist nur das Großsegel gesetzt heute Nacht. Schön sieht es aus, das helle Segel im dunklen Nachthimmel. Wie es sich aufbläht in der leichten Brise, sieh nur. Stell dir vor, wie es wäre, jetzt dort oben mit dem Segel zu fliegen. Schwerelos könnten wir uns mit dem Rücken an das schwere Leinen lehnen. Dann würden wir den Wind spüren, den ewigen Wind. Die rechte Hand wie ein Schirm über den Augen, würden wir Ausschau halten. Still, meine Hübsche. Wir müssen jetzt ganz still sein.
Stell dir vor, du stehst am Mast des Großsegels und dein Gesicht lehnt am kühlen, feuchten Holz. Kalifornische Kiefer, sagte der Skipper heute. Weil es das beste Holz ist. Kannst du es riechen? Kalifornische Kiefer riecht nach Erde, fest und schwer. Ja, du kannst es riechen, ich spüre es. Ich nehme deine Hände und lege sie um den Mast. Ein dünnes Fallseil zum Schnüren der Segel lege ich um deine Handgelenke und binde dich an den Mast. Schließe die Augen. Fühle, wie das Schiff langsam mit der Dünung geht, wiege dich in den Wellen, lass das Meer langsam in dich fließen. Hörst du das leise Klatschen der Wellen am Steuerbordbug? Merkst du, wie jede Welle das Schiff bewegt, gleichmäßig und zärtlich? Ja, du kannst es fühlen, du bist ein Teil des Schiffes, ein Teil von Mast und Meer. Nein, sag jetzt nichts, bitte.
Ich stehe jetzt hinter dir. Du hast schöne Schultern. Stolze Schultern. Wie sie zittern in der kühlen Brise. Stell dir vor, wie meine Hände langsam in deine langen Haare greifen, wie sie langsam deinen Hals und deinen Nacken berühren. Spürst du meinen Atem an deinem Ohr? Ja, du spürst ihn und ich höre dein Herz schlagen. Vorsichtig drücke ich dein Gesicht zurück an den kühlen Mast und sehe dich an.
Stell dir vor, wie meine Hände langsam von deinen Schultern über den Rücken bis zu deiner Taille streichen. Schließe die Augen. Meine Hände sind jetzt an deiner Hüfte und ziehen dich langsam zu mir. Spürst du mich in meiner Hose? Ja, bewege dich, drück dich gegen mich, während über uns die Segel leise im Wind schlagen.
Nein, kein Wort jetzt. Die anderen sind unter Deck und schlafen tief. Wir sind alleine. Nur du und ich, deine gefesselten Hände, dein Hintern und die See. Niemand wird uns stören. Schließe deine Augen und stell dir vor, wie ich mich hinter dir bücke und langsam dein Kleid hochziehe. Meine Zunge in deinen Kniekehlen. Langsam hebe ich das Kleid höher. Dein nackter Hintern unter dem von Sternen übersäten Nachthimmel. Der kühle Wind, spürst du den kühlen Wind, wie er zwischen deine Beine streicht? Ja, bewege dich, bewege dich ganz langsam.
Stell dir vor, wie ich dein Kleid hochhebe und es dir von hinten über den Kopf lege. Ich kann nun alles sehen und du nichts. Du bist fleischgewordene Lust, du bist gefesselt, du bist blind, hilflos. Und ich stehe genau hinter dir. Ja, drück dich an den Mast, drück deine weißen, vollen Brüste an den Mast.
Spreize deine Beine und fühl das kühle, feuchte Holz. Reibe dich, meine Hübsche, reibe dich und dann streck mir deinen Hintern entgegen.
Ich ziehe mein T-Shirt aus und werfe es neben mich. Ich knie hinter dir und meine Hände greifen deine Fesseln. Mach die Beine breiter, ja, so ist es gut. Ich will hinter dir knien und dich sehen, im fahlen Licht der Nacht. Langsam streiche ich mit den Händen an der Außenseite deiner Beine nach oben. Mit beiden Händen nehme ich deine Hüfte und drücke dich, erst vorsichtig, dann immer fester an den Mast. Meine Hände gleiten nach oben zu deiner Taille und höher, schieben sich zwischen deine Brüste und den kühlen, feuchten Mast. Deine Brustwarzen sind hart.
Stell dir vor, wie ich sie zwischen Zeigefinger und Daumen massiere, langsam und vorsichtig. Genau so, wie du es gerne hast. Ich kann dich atmen hören, ja ich kann dich jetzt atmen hören. Ich stehe nun direkt hinter dir, spürst du meinen nackten Oberkörper, der sich gegen deinen Rücken drückt? Spürst du mich in meiner Jeans? Nimm deine Arme nach oben, meine Hübsche. Ich fasse deine Brüste jetzt mit beiden Händen. Und drück dich dann wieder an den Mast. Hörst du meinen Atem in deinem Nacken? Spürst du meine Zunge in deinem Nacken?
Sie streicht langsam über deinen Rücken nach unten, zarte, feuchte Löwenbisse zwischen deine Schulterblätter. Dann langsam herunter zu deinem Hintern. Ja, mach die Beine breiter meine Hübsche, dass ich mich unter dich setzen kann, mit dem Rücken zum Mast. Mein Kopf zwischen deinen Beinen, mein Mund ist jetzt genau unter dir, meine Hände auf deinem Hintern. Bewege dich, ja bewege dich. Es ist dunkel. Spürst du meine Zunge?
Sie liegt schwer und feucht auf dir. Ja, lass deine Hüften kreisen, ganz langsam, reibe dich an meiner Zunge. Spürst du, wie sie jetzt langsam in dich eindringt? Ja, meine Hübsche, ja. Verbanne nun alles aus deinem Kopf, was nicht Sex ist und bewege dich mit dem Wind, den Wellen und meiner Zunge.
Ich stehe wieder hinter dir, so dicht, dass du meinen heißen Atem in deinem Nacken spürst. Ich lege meine Lippen auf deinen Hals, spürst du, wie feucht sie sind? Das bist du, nur du. Ich knöpfe mein Hose auf, ich weiß, du kannst es hören. Knopf für Knopf, Plopp, Plopp. Langsam streife ich Jeans und Shorts nach unten. Ja, streck mir deinen Hintern entgegen, deinen wundervollen Hintern. Ich spüre jede Faser deines Körpers, pure Lust, nacktes, bedingungsloses Verlangen. Wortlose Gier.
Stell dir vor, du spürst mich, wie ich langsam an deinem Hintern nach unten gleite und zwischen deinen geöffneten Schenkeln verschwinde. Ich bin jetzt ganz bei dir, bewege dich nicht, meine Hübsche, lass uns warten, auf den Wind und die Wellen.
Da, eine zarte Windbö. Du bist offen, du bist weich und ich drücke dich langsam an den Mast. Tiefer, immer tiefer. Dein bebender Rücken an meiner nackten Brust.
Spürst du mich in dir? Spüre mich ein letztes Mal. Dann verlasse alles, was hier und jetzt ist. Verlasse selbst mich, der ich in dir bin.
Ich stehe hinter dir, fasse deine Schultern und bewege mich langsam in dir. Du bist weit weg, ganz weit weg. Ich kann spüren, dass du jetzt dort bist, wo du sein willst. Dein Kopf lehnt am kühlen Mast, deine Augen sind geschlossen und du atmest schwer die feuchte, salzige Luft. Sekunden vergehen in deinen Atemzügen und meinen Bewegungen. Verschwende jetzt keinen Gedanken an mich. Nimm, was du brauchst.
Stell dir vor, wie du zu mir zurückkommst, wie wir wieder eins werden und du nur mich, den Wind und die Wellen spürst. Öffne die Augen und sieh dich um. Immer noch die See, der Wind und die Wellen. Und ich. Spürst du, wie sich meine Hände erst zärtlich, dann immer fester in deine Brüste verkrallen? Wie ich dich an mich und gegen den Mast drücke? Ja, meine Hübsche, öffne den Mund, ich will dich hören. Was sagst du? Ich soll dich losbinden? Was bekomme ich dafür? Sag mir, was ich dafür bekomme. Nichts ist umsonst in dieser Nacht, nichts.
Dreh dich um und zeig mir deine Augen. Du hast himmlische Augen. Voller Glanz, Lust und Frühling. Halt still und schließe sie. Küss mich zart und langsam. Spürst du meine Zunge, wie sie sanft zwischen deine Lippen streicht und versucht einzudringen? Nein, öffne deinen Mund nicht. Noch nicht.
Spürst du meine Lippen, wie sie deine Lippen berühren? Ganz zärtlich und flüchtig, wie die erste Berührung frisch Verliebter. Mein heißer Atem an deinen Lippen, an deinen Wangen, an deinen geschlossenen Augen, meine Zunge an deinen Ohren. Spürst du, wie sie langsam kreist und immer tiefer geht. Immer tiefer. Ich kann dich atmen hören.
Mein Zunge wieder an deinen Lippen. Öffne deinen Mund. Nur ein bisschen, dass meine Zunge mutig wird. Spürst du, wie meine Zunge zärtlich mit deinem leicht geöffneten Mund spielt? Ich kann die Spitze deiner Zunge spüren, wie sie zwischen deinen Lippen hervorblitzt. Öffne deinen Mund, gib mir deine feuchte Zunge, deinen heißen Atem, hörst du das wilde Klappern wenn sich unsere Zähne aneinander reiben?
Dein Atem wird zu Stößen. Jeder Stoß ein Kontrollverlust, jeder Stoß ein Ja, jeder Stoß ist ein Nichtaufhörenwollen. Mit jedem Atemstoß manövrierst du uns in tiefere Gewässer. Bitte, lass uns nie wieder zurückkehren in den Tag.
Bleib hier auf meinem Mund. Geh nicht, nicht jetzt. Was machst du? Mein Hals, ich kann dich an meinem Hals spüren. Wie du mit heißem Atem nach unten gleitest. Deine Zunge an meinen Brustwarzen. Was machst du? Zähne, sind das deine Zähne, die sich in meinen Lenden verbeißen? Meine Hände in deinen Haaren. Himmel, was machst du da?
Deine Fingernägel in meinem Fleisch. Ist das deine Zunge? Mein Kopf wird warm. Spüre den kalten Mast hinter mir. Mein Kopf an diesem kalten Mast. Dein Mund. Ich kann deine Lippen spüren, wie sie mich küssen. Zähne. Das sind deine Zähne.
Vor mir das Meer. Wind frischt auf. Immer wieder graue Gischt auf den Wellenbergen. Deine Zunge. Meine Hände in deinen Haaren, sie bewegen sich immer schneller. Atem, was ist mit meinem Atem? Heißer Feuersturm. Über mir flattern die Segel. Deine Haare, immer schneller, meine Hände in deinen Haaren. Die Gischt, sieh doch, die Gischt auf den Wellenbergen.
Ist das ein Sturm? Feuersturm in meinem Kopf, brennt alles weg, was war. Nur noch Lust und Gier. Kühler Stamm an meinem Kopf. Deine Lippen, deine Haare, die Sterne über mir, Segel flattern. Jetzt sind überall Sterne.
Tausend kleine Blitze in meinem Kopf. Kann nichts mehr hören. Will nur noch an dem kühlen, feuchten Holz lehnen und atmen. Spüre deine Haare, jetzt sind sie ganz ruhig. Ich schließe die Augen und sehe ein Feuerwerk aus tausend kleinen Blitzen, fühle mich voll und satt. Will mich nie mehr bewegen, will nie wieder zurück.
Bin das ich an dir, meine Hübsche? An deinem Mund, an deinen Wangen, an deinem Hals und auf deiner Brust. Deine Zunge, deine salzige Zunge. Küss mich ein letztes Mal. Lange und tief. Dann dreh dich um, meine Hübsche, dreh dich um. Wir werden diesen Mast zu Fall bringen. Kalifornische Kiefer hin oder her.
Hinter dem Bullauge über deiner Koje beginnt der Tag. Hellgraue Schimmer streichen über deine Schultern, deinen Rücken und deine Beine. Meine Beine schmerzen. Ich kann kaum noch aufrecht stehen. Aber ich kenne keinen Schmerz, so lange ich nur bei dir sein darf.
Bald geht die Sonne auf und ich muss jetzt gehen. Spürst du, wie meine Hände ein letztes Mal Funken sprühen und meine Augen ein letztes Mal deine Haut aufwühlen? Wie ich dir die Decke wieder bis zu den Schultern hochziehe? Ich würde alles dafür geben, wenn du es spüren könntest, meine Hübsche. Nur einmal. Mein Leben würde ich dafür geben, mein Leben und mehr.
Heute, später am Tag werde ich wieder die Nacht in deinen Augen suchen, wenn sich unsere Blicke zufällig treffen. Wie ich jeden Tag die vergangene Nacht in deinen Augen suche. Vielleicht ist sie heute zu sehen.
Ich muss jetzt gehen, sonst entdecken sie mich, wenn ich zurück hinter die Kombüse schleiche. Und das wäre nicht gut. Nein, das wäre gar nicht gut. Morgen Nacht werde ich wiederkommen.
Schön, wie du schläfst, meine Hübsche. Wie eine echte Prinzessin. Mit einem Gesicht, dass man küssen möchte. Immer wieder nur küssen. Bis auf der ganzen Welt keine Küsse mehr sind. So lange und keine Sekunde weniger
Copyright Ralf Kratzert 2003
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