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Kündigung, Die
Kalt und blass hing die Wintersonne über dem hügeligen Land, sehnsüchtig wünschte sich Carolin den weit entfernten Frühling herbei. Und das Ende dieses öden Arbeitstages, der noch nicht einmal zur Hälfte vorüber war. Zu viert saßen sie in ihrem Büro, damit beschäftigt, die Druckmesse des nächsten Herbstes vorzubereiten. Ihr Telefon läutete und Klugwerk war dran, der Geschäftsführer. »Hallo Carolin«, sagte er. »Kommen Sie bitte mal in mein Büro?« Oh, das war seltsam. Noch nie hatte er sie zu sich gerufen. Was er wohl von ihr wollte? Sein Büro befand sich am Ende des Korridors und seine Sekretärin, eine elegante ältere Dame, winkte sie gleich durch. »Der Herr Klugwerk wartet schon.« Er saß an seinem Schreibtisch, sein Gesicht war versteinert wie immer, das Lächeln, das er sich abzuringen versuchte, konnte nur misslingen. Seine blassblauen Augen musterten sie prüfend und er räusperte sich. »Tja, Carolin … Wie ich sehe, haben Sie eine sehr delikate Nebenbeschäftigung.«
Was? Konsterniert folgte sie seinem Wink und trat halb hinter seinen Schreibtisch, gerade so weit, dass ihr Blick auf den Computerbildschirm fiel — der angefüllt war mit ihrem Gesicht, die Lippen um Zacharias’ Penis geschlossen. Oh Gott! Sie wollte vor Scham im Boden versinken.
Erneut versuchte sich Klugwerk an einem Lächeln. Es gelang nicht besser als das erste. »Wirklich sehr anregend … Aber Sie werden verstehen, dass unter diesen Umständen eine Weiterbeschäftigung in unserer Firma nicht möglich ist.« Sein Blick wurde verschwörerisch. »Es sei denn, Sie würden sich mir hin und wieder ein bisschen entgegenkommend zeigen … Dann müsste niemand im Büro von Ihrem Treiben erfahren.« Sich ihm entgegenkommend zeigen? Diesem ewig missmutigen Mann, der wie das personifizierte schlechte Gewissen durch die Büros schlich auf der Suche nach Fehlern seiner Untergebenen und von dem noch niemand ein freundliches Wort gehört hatte? Wie oft würde das hin und wieder sein, einmal pro Woche, zweimal oder öfter? Seine Miene wurde drohend. »Sollten Sie aber reserviert bleiben, sehe ich mich gezwungen, die Kündigung in die Wege zu leiten, was ohne Angabe des Grundes nicht möglich ist, wie Sie ja wissen.«
Das war glatte Erpressung. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er keine Skrupel hatte, sie vor allen Kollegen bloßzustellen. — Sollte er doch! Es würde sie nicht mehr treffen können. Die Entscheidung war gefallen und sie fand den Mut, ihn anzuschauen. »Machen Sie, was Sie wollen.« Ohne sich auf eine weitere Diskussion einzulassen, drehte sie sich um und ging hinaus, nahm in ihrem Büro den Mantel von der Garderobe, winkte den verdutzten Kolleginnen zum Abschied flüchtig zu und flüchtete in ihr Auto. War es richtig, was sie tat? Sie wusste es nicht. Doch blieb ihr wohl keine andere Wahl.
Ich bin ein Schwein ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeberin ist Tanja Steinlechner und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"
Sie fuhr direkt zu Simon und erzählte ihm von ihrem Erlebnis. Ungerührt zuckte er mit den Achseln. »Sei froh, dass du den Job endlich los bist. Er hat dir ja sowieso nicht gefallen und war miserabel bezahlt.« In seine Arme geschmiegt breitete sich Erleichterung in ihr aus. Ja, er hatte recht. Und es gab ja noch andere Aufgaben für sie, die reizvoller waren und dazu auch noch wesentlich mehr Geld einbrachten …
Eine ihrer »anderen Aufgaben« wartete schon zwei Tage später auf sie; dass sie allerdings Geld einbrachte, war zu bezweifeln, da Simon einen Freund zu sich eingeladen hatte und sie nicht annahm, dass dieser etwas bezahlen musste. Aber egal. Es ging ihr nicht ums Geld. Wer aber war der eingeladene Freund, doch nicht etwa Matthias? Simon, der ihre Furcht vor dessen harter Hand kannte, lächelte beschwichtigend. »Nein, nicht Matthias. Lass dich überraschen.«
Es blieb ihr nichts anderes übrig. Der Tisch der großen Küche war für hiesige Verhältnisse geradezu festlich gedeckt mit einem weißen Tischtuch, roten Servietten und einer langen bauchigen Kerze auf unscheinbarem weißem Keramikhalter, dazu mit Simons abgenutzten Geschirr, das den guten Gesamteindruck etwas trübte. Doch wurde ja nicht die Queen erwartet. Und wenn schon nicht die Queen kam, musste es auch kein Galadiner geben, sondern genügte eine von Simon selbst zubereitete Lasagne, die im Backofen schmorte und nach der das ganze Haus duftete. Carolin machte sich im Bad zurecht, stöckelte dann verlegen vor Simons Augen und wurde wohlwollend von ihm gemustert. Klar, dass sie ihm gefiel in ihren schwarzen hochhackigen Sandaletten, den schwarzen Strapsen und der kleinen weißen spitzenbesetzten Servierschürze, die er im Internet für sie besorgt hatte. Ihren Hals und die Hand- und Fußgelenke umschlossen lederne schwarze Manschetten. »Wir werden eine artige Zofe aus dir machen«, sagte er lächelnd. Eine Zofe, in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes eine »Hinterhertrottende«, eine Dienerin also; es klang wie eine Schmähung und eine Verheißung.
Es läutete und er schickte sie zur Tür. So sollte sie aufmachen? Aber natürlich. Sie öffnete so vorsichtig, als könnte draußen ein GEZ-Schnüffler lauern, doch nein, es war Johann, der hagere Mann mit dem langen braunen Haar, den sie ganz am Anfang ihres Zusammenseins mit Simon auf den Stuhl gefesselt und mit verbundenen Augen als Überraschung empfangen hatte, ihre Premiere sozusagen. Seine Augen weiteten sich, sein ganzes frischrasiertes Gesicht wurde zu einem erfreuten Lächeln und ein bisschen ungelenk stakste er herein. Schnell schloss sie die Tür hinter ihm, um nicht auch noch von einem Nachbarn angestarrt zu werden.
Simon winkte ihm zur Begrüßung beiläufig zu, teilte mit, dass das Essen gleich fertig sei, und wandte sich an Carolin: »Willst du unseren Gast nicht begrüßen?« Begrüßen? Meinte er etwa diese Art von Begrüßung? Mit fragendem Blick vergewisserte sie sich, ihn richtig verstanden zu haben, sah sein aufforderndes Nicken und ging vor dem verdutzten Johann auf die Knie, öffnete den Reißverschluss seiner Jeans und nestelte den groß aufgerichteten Penis hervor, als sei eine solche Begrüßung die natürlichste Sache der Welt. Er duftete nach Moschus. Dabei musste er sie doch gar nicht verführen, da er sich in Simons Segen sonnte; wie von allein schlossen sich ihre Lippen um ihn und lutschten ihn zärtlich. Erregte Seufzer kamen von oben herab und sachte glitten Johanns Hände über ihre nackten Brüste. Falls es seine Absicht gewesen war, sich zurückzuhalten, um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen oder zur Aufbewahrung noch benötigter Kräfte, ging das schief. Heiß quoll sein Sperma in ihren Mund und ohne vor ihm zurückzuweichen schluckte sie es hinunter, weil Simon es so wollte und ihre Fügsamkeit sie mit einem wohlig warmen Kribbeln belohnte. Was ihr Mund nicht fassen konnte, rann über die Unterlippe und tropfte vom Kinn auf den Busen. Als der sprudelnde Strom versiegte, trat Johann einen Schritt zurück und verstaute den noch immer ziemlich großen Penis in der Hose. Verwirrt huschte sein Blick von ihr zu Simon, als könne er nicht begreifen, was ihm hier geschah, und es war ja auch unerklärlich. Nie würde Carolin verstehen, wieso sie das alles tat.
Die beiden Männer setzten sich an den Tisch und sie trug die Lasagne auf, wie es ihrer Rolle entsprach — oder fast so jedenfalls. Als sie neben Johann trat, um ihm Rotwein ins Glas zu schenken, wurde sie von Simons Blick aufgehalten. »Weißt du denn nicht, wie eine guterzogene Zofe so etwas tut?« Sie ahnte, was er meinte, oder wusste es sogar, doch fiel es ihr schwer. Einen Moment lang rang sie mit sich, dann beugte sie in die Blicke der Männer getaucht die Knie zu einem untertänigen Knicks. Auch Simon bekam den Wein mit einem Knicks eingeschenkt und lächelte sie lobend an.
Tatenlos stand sie dann neben dem Tisch und schaute zu, wie sich die beiden über die Lasagne hermachten, die ihnen offensichtlich gut schmeckte. Dass sie nicht mitessen durfte, war kein Problem, denn sie hatte keinen Hunger und konnte zudem von den kribbelnden Gefühlen zehren, die der Rolle der dienenden Zofe innewohnten, jedenfalls wenn ein Mensch mit devoter Ader sie spielte, was jemand ohne solche Neigung aber sowieso nicht tun würde. Allerdings wurde die Glut abgekühlt, als die beiden Männer über Fußball zu reden begannen und über den von ihrer beider Lieblingsmannschaft neu verpflichteten Brasilianer, der bei den momentan herrschenden eisigen Temperaturen auf dem Platz zu erfrieren drohte, anstatt das Spiel mit brasilianischer Fußballkunst zu beleben. Als sie dann noch anfingen, die nächsten Gegner zu analysieren, dachte Carolin, dass man sie nun endgültig vergessen habe und sie sich anderweitig nützlich machen könne. Sie ging zur Spüle hinüber.
Ungläubig erklang Simons Stimme in ihrem Rücken. »Was machst du?«
»Ich räume ein bisschen auf. Ihr braucht mich momentan ja nicht.«
»Komm her!«
Simons unerwartete Strenge ließ einen prickelnden Schauer durch sie hindurchrieseln und zögernd näherte sie sich dem Tisch. Er schüttelte den Kopf, als könne er immer noch nicht glauben, was sie sich da eben erlaubt hatte. »Ob wir dich brauchen, bestimmen wir, nicht du.« Bedrohlich ruhig klang seine Stimme. »Du hast nichts anderes zu tun als zu gehorchen. — Hoch mit der Schürze!« Bezwungen von seiner Entschiedenheit hob sie das bisschen Stoff zögernd hoch und enthüllte ihren nackten Schoß. »Spiel mit dir, mach dich heiß! Wir wollen eine lüsterne Zofe sehen, keine gelangweilte!« Behutsam glitt ihre rechte Hand zwischen die Schenkel, während die linke die Schürze gelüpft hielt. »Oh Mann, du hast sie wirklich gut im Griff«, ließ sich Johann vernehmen. Irgendeine unqualifizierte Bemerkung hatte ja kommen müssen. Sie versuchte sie zu ignorieren, so gut es ging, streichelte sich sanft und befolgte auch Simons nächsten Befehl: Behutsam ließ sie einen Finger in sich gleiten, schob ihn tief hinein und begann ihn aufreizend zu bewegen. Längst schon waren ihre Augen geschlossen und fast hatte sie ihre Zuschauer vergessen, die aber doch nicht ganz aus dem Bewusstsein schwanden und deren fast spürbare Blicke die Erregung noch schürten. Simons Stimme erhob sich in ihre entrückten Seufzer. »Das reicht. Nicht dass es dir noch kommt.« Wäre das so schlimm gewesen? Bedauernd zog sie die Hand von sich zurück und die Schürze durfte hinabsinken.
Ihre Disziplinierung war damit aber noch nicht zu Ende. Während sich ihre Sinne allmählich wieder sammelten, hakte Simon die Karabinerhaken ihrer Fußbänder ineinander und kettete ihre Hände eng ans Halsband. Eine Erklärung gab es auch dazu: »Damit du nicht noch einmal vergisst, was du hier bist.«
Die Männer zogen ins Wohnzimmer um und sie musste ihnen mit ihren beschämend winzigen Schritten die Gläser hinterhertragen. Unvermeidlich büßte ihr Knicks mit den eng aneinandergezwungenen Füßen einiges an Eleganz ein, darauf verzichten durfte sie aber nicht. Simon legte eine CD in den Player und kühler Jazz erklang, genau der, den sie schon bei der ersten Begegnung mit Johann gehört hatte. In seliger Erinnerung musste Johann aber nicht schwelgen, da die Gegenwart mindestens genauso selig war. Angeregt schaute er zu, wie sie in die Küche trippelte, um eine neue Weinflasche zu holen, sich dann beim niedrigen Tisch auf die Knie niederließ und tief über das Glas gebeugt einschenkte — was ja nicht gutgehen konnte mit den gefesselten Händen und seinen aufdringlichen Fingern zwischen den Beinen. Ein Schwall des roten Weins verfehlte das Glas und platschte auf die gläserne Platte des niedrigen Tisches. Mist. Konnte sie denn nicht aufpassen? Sie wollte sich erheben, um einen Lappen aus der Küche zu holen, doch wurde sie von Simon aufgehalten: »Mach es so weg, wie es sich für eine artige Zofe gehört!« Was meinte er damit? Es dauerte einen Moment, bis sie begriff. Das verlangte er, eine solche Demütigung? Sein Blick ließ keinen Zweifel an seinem Befehl. Zögernd beugte sie den Kopf hinab und leckte die rote Lache vom Tisch. Kräftig packte Johanns Hand zu und ihr aufgewühltes Stöhnen füllte das Zimmer. »Sie ist unglaublich geil«, stellte er fest. Sie fand ihre Lüsternheit ja selbst schrecklich und versuchte sie zu zügeln, was aber nicht gelang. Was konnte sie dafür, wenn man sie derart erniedrigte, dass alles in ihr zu Sinnlichkeit wurde?
Als der Tisch gereinigt war, musste sie zwischen Johanns Beine kriechen und sich tief über seinen Schoß beugen, um seine Hose zu öffnen. Lustvoll lutschte sie am längst schon wieder prall gewordenen Penis, bis sein Sperma aus ihm hervorquoll und sich in ihrem Mund mit dem Geschmack des Weins vermengte, und gierig saugte sie ihn aus, als dürfe ihr nicht der kleinste Tropfen entgehen. Sanft schob er ihren Kopf zurück und rücksichtsvoll befreite Simon sie von den Fesseln. Sie durfte sich im freien Sessel niederlassen und lauschte klaglos und ohne zwischendurch die Küche aufzuräumen der Unterhaltung der Männer, die sich wieder um Fußball drehte. Abstiegssorgen? In ihre wohligen Gefühle verstrickt gab es in ihr für eine solch düstere Stimmung glücklicherweise keinen Raum.
Weit nach Mitternacht brach Johann auf. Noch einmal sank sie vor ihm auf die Knie, empfing ihn zum dritten Mal im Mund, geleitete ihn dann zur Tür und verabschiedete mit einem artigen Knicks. Erschöpft, aber beseelt (und leicht angetrunken) verließ er die Wohnung und rasch schloss sie die Tür hinter ihm.
Lächelnd schaute Simon sie an. »Du machst dich gut als Zofe.«
»Ich bin es gern«, flüsterte sie und schmiegte sich in seine Arme. Für einen Moment schweiften ihre undisziplinierten Gedanken zu Klugwerk, bei dem sie doch eigentlich nichts verloren hatten. Vermutlich hatte er in seiner Frustration schon das ganze Büro über »ihr Treiben« informiert und brütete grollend über einem anklagenden Kündigungsschreiben. Aber egal, dieses Kapitel war zu Ende. Die leise im Hintergrund nagende Sorge, nun auch den letzten Halt losgelassen und das bürgerliche Leben unwiderruflich verlassen zu haben, ließ sich leicht verscheuchen. Es ging ihr gut, sie fühlte sich wohl, es gab keinen Grund, dem endlich entronnen Büroleben nachzutrauern. Erregt schmiegten sich ihre Brüste in Simons warme Hände …
Copyright Jürgen B. Greulich 2007
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1 Kommentar
20.06.2010
02:29
konrad
...hab wirklich schon besseres von Greulich gelesen!!
Leser heute: 2 - gesamt: 11012.




