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Im fremden Land
Einen Urlaub hatte Simon organisiert, einige Tage im Südwesten Frankreichs. Sie fuhren mit Carolins Auto, wechselten sich am Steuer ab und kamen nach vielen Stunden Fahrt in einem winzigen Ort auf einer Hochebene der Midi Pyrénées an, parkten auf einem Platz zwischen einer Kirche und kleinen Häusern aus gelblich grauem Stein. In einem von ihnen befand sich ihre Ferienwohnung, sie war größer als erwartet. Das Erdgeschoss wurde von einer Garage eingenommen, die sie nicht benutzten, darüber gab es einen großen Raum mit einer gut ausgestatteten Küche, einem Esstisch für eine Großfamilie, einer Sitzecke mit Sofa, zwei Sesseln und einem Fernseher. Das Bad mit Dusche und Toilette sowie zwei Schlafzimmer befanden sich im Stockwerk darüber. Von der Küche aus schaute man durch ein hohes Fenster in den Garten unten und auf den Friedhof nebenan. Fast jedes der wenigen Gräber war mit frischen Blumen geschmückt, dahinter zog sich das karge Land zum Horizont, braunes Gras und anspruchsloses Nadelgehölz, Landwirtschaft wurde kaum betrieben, es gab nur Schafe, Pferde und Hunde. Das Fenster gegenüber zeigte auf den Marktplatz mit einem hohen metallenen Kreuz auf steinernem Podest und auf eine steinerne Stele mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Dorfbewohner. Einige Autos dösten unter dem dunkel bewölkten Himmel auf dem grauen Schotterplatz. Die Touristensaison war fast vorüber, es war Ende August und schon herbstlich kühl, von südlicher Hitze nichts zu spüren. In der Wohnung aber war es warm, die dicken Steinmauern hatten den Sommer gespeichert.
Sie unternahmen einige Ausflüge in die Schluchten des Tarn, erkundeten die Einkaufsmöglichkeiten in der nächstgelegenen kleinen Stadt, die fünfzehn Kilometer entfernt lag, führten einige Tage lang ein beschauliches Touristenleben. Simon, der überraschend gut Französisch sprach, knüpfte einige Kontakte zu den Einwohnern, stand mit diesem und jenem zusammen, wurde von ihnen als der Deutsche mit der hübschen Geliebten akzeptiert, so berichtete er lächelnd. An einem kühlen Vormittag teilte er ihr mit, dass sie am Abend hohen Besuch erwarteten, nämlich den Bürgermeister des Dorfes. Dieser freue sich sehr auf sie.
So vieldeutig sprach er die Worte aus und so geheimnisvoll war sein Lächeln, dass Carolin ihn argwöhnisch anschaute. »Und worauf genau freut er sich so sehr?«
»Auf deine Weiblichkeit.«
»Aber Simon.«
Er nahm sie in die Arme und schmeichlerisch klang seine Stimme. »Es soll doch ein unvergesslicher Urlaub werden.«
»Und dafür gibt es nur diese eine einzige Möglichkeit?«
»Es ist jedenfalls die reizvollste. Außerdem bessert sie die Urlaubskasse auf.«
»Willst du mich an die ganze Welt verkaufen?«
»Du übertreibst. Dieses Dorf ist nur ein winziger Ausschnitt aus der Welt und der Bürgermeister ein noch winzigerer Bruchteil.«
Carolin gab den Widerstand auf. Warum sollte sie sich in Frankreich gegen das sträuben, was sie daheim zu akzeptieren gelernt hatte, vielleicht gar zu schätzen? In der Tat erhielt dieser Urlaub ganz unvermittelt einen kribbelnden Reiz, der ihn über das Gewöhnliche erhob wie ein edler Wein ein mittelmäßiges Diner. Um sechs Uhr würde der Bürgermeister kommen, eine Stunde vorher stellte sich Carolin unter die Dusche und machte sich für ihn hübsch, so hübsch, wie Simon es verlangte. Sie legte den blauen Strapsgürtel um, den sie auch ohne seine Bitte, die eine Anweisung gewesen war, für die Reise eingepackt hätte, zog schwarze hauchdünne Strümpfe mit üppigem Spitzensaum über die Beine und schlüpfte in schwarze Sandaletten mit hohen Absätzen. Einen Slip hatte sie nicht mitgebracht, durfte ja keinen tragen, aber ein BH war heute erwünscht. Auch er war zartblau, verhüllte ihre Brüste kaum mit seinen transparenten Körbchen. Mit dem blauen Morgenmantel übergestreift ging sie hinunter ins große Zimmer und näherte sich Simon, der in einem der beiden Sessel saß. Er legte seinen Arm um ihre Hüften und schaute lächelnd zu ihr hoch. »Du bist sehr schön. Du wirst unserem Gast gefallen und er wird sich himmlisch fühlen, wenn du ihn begrüßt.«
»Ihn begrüßen? Wie meinst du das?« Scham stieg in ihr auf, da sie ahnte, was von ihr verlangt wurde.
Simons Hand glitt zu ihrem Po, gab ihr einen zärtlichen Klaps. »Er ist ein Freund von mir, du weißt, was das bedeutet.«
Ja, sie wusste es. Unentrinnbar war sie in Simons fordernden Blick getaucht. Es gab kein Sträuben. Tief im Innern regte sich ein aufregendes, unwiderstehliches Kribbeln, fast unmerklich war ihr Nicken.
»Bist ein gutes Mädchen.« Simons Hand schob sich unter den Morgenmantel und zwischen ihre Beine, streichelte ihren Schoß wie zur Belohnung (oder kalkuliert, um sie in rechte Stimmung zu bringen?). Ein Seufzen perlte von ihren Lippen.
Laut und kräftig pochte es unten an die Haustür. Simons Hand zog sich zurück und er stand vom Sessel auf, ging zur Tür. Doch wartete er mit dem Hinausgehen noch einen Moment, schaute zu, wie sie den Morgenmantel ablegte und sich auf die Knie niederließ mitten im Zimmer, wo eine dunkelbraune Kuhhaut lag, wenig ästhetisch, dafür etwas weniger hart als der steinerne Boden.
Aufmunternd lächelte Simon ihr zu und ging in den Flur. Sie hörte draußen die Stimmen der Männer, verstand die Worte nicht, dann schwang die Tür quietschend auf und sie kamen herein. Der Bürgermeister trug eine dunkle Hose, ein weißes Hemd und ein blaues Sakko, er war untersetzt, sein braun gebranntes Gesicht von vielen Falten durchfurcht, in seiner Miene lag ein hintergründiges Lächeln; wer seit fünfundzwanzig Jahren die Geschicke eines Ortes lenkte, musste über eine gewisse Schläue verfügen. Seine flinken dunklen Augen betrachteten sie wie ein Wunder. Sein Blick huschte zu Simon, als wolle er sich vergewissern, dass das gegebene Versprechen tatsächlich galt. Ein bestätigendes Nicken gab ihm Mut und er trat vor sie hin, ohne sie aus den Augen zu lassen. Sie öffnete den Reißverschluss seiner Hose, als hätte es nie eine andere Aufgabe für sie gegeben, und begrüßte den krummen Penis in einer Sprache, die man überall auf der Welt verstand, küsste ihn mit sanften Lippen und barg ihn in der Wärme ihres Mundes, liebkoste ihn innig, ließ ihn heimisch fühlen. Der Mann murmelte einige unverständliche Worte, streichelte mit beiden Händen über ihr Haar, stöhnte selig und überschwemmte sie mit seiner heißen klebrigen Flut, die ergeben hinunterschluckte wie einen Willkommensgruß des fremden Landes. Zärtlich saugte sie ihn aus, bis er ihre Lippen verließ, und erhob sich, ohne seinen Blick zu erwidern.
Der Bürgermeister war zum Essen geladen, das natürlich sie zubereiten sollte, wer sonst. Sie ging zur Küchenzeile, wo alles bereitstand, hörte plötzlich ein vertrautes dumpfes Klacken und schaute erschrocken zu Simon hin. Tatsächlich, er hielt die Liebeskugeln in der Hand, die sie zu verzaubern verstanden und ihr die Gefühle ins Gesicht malten. So wollte er sie dem Bürgermeister vorführen? Ja, das wollte er! Er reichte ihr die Kugeln und sie nahm sie entgegen, als hätte sie keine andere Wahl, drängte sie zögernd, behutsam, um Fassung bemüht in sich. Wellen von Lust durchströmten ihren Körper und angeregt seufzend begann sie mit Töpfen und Pfannen zu hantieren. Wie gebannt starrte der Bürgermeister sie an, konnte kaum den Blick lassen von ihren wiegenden Hüften und schwellenden Brüsten.
Er saß mit Simon am Tisch und sie tranken roten Wein aus der Region, der einen Beigeschmack nach Holz hatte, da er in Eichenfässern lagerte. Zu essen gab es Spaghettiauflauf syrisch, grünen Salat mit Tomaten und dazu Weißbrot. Als sie die heiße Form aus dem Backofen nahm und auf den Tisch stellte, glitt des Bürgermeisters Hand an ihren Schoß und verblieb dort, bis sie die Portionen auf den Tellern verteilt hatte, halb über den Tisch gebeugt mit geöffneten Beinen und untermalt von aufgewühlten Seufzern. Beim Essen war ihr Platz der neben ihrem Gast, draußen schlug die Kirchenglocke achtmal, heller, transparenter Klang, der an die Flüchtigkeit der Zeit erinnerte. Unter dem nackten Po spürte sie das glatte Holz der langen Sitzbank, im Schoß das Glühen der Kugeln, wohlwollend ruhte Simons Blick auf ihr, hatte es ein solches Gesicht, das stets gesuchte Glück? Zumindest glaubte sie, dass es ihm recht ähnlich sähe.
Sie erhielt ein Kompliment für das gelungene Essen und räumte das Geschirr in die Spülmaschine. Einige Worte des Bürgermeisters wurden von Simon übersetzt: »Er will, dass du den BH ablegst.« Sie hakte den Verschluss am Rücken auf, ohne die Männer anzuschauen. Ihr Blick schweifte hinaus zu den Hügelketten, die sich im blauen Abendhimmel zum Horizont wölbten. Der BH sank auf die Sitzbank, der Bürgermeister erhob sich, seine Hände wurden zu Körbchen, wohlig schmiegten sich ihre Brüste hinein. Sein erregter Atem fächelte in ihr Gesicht und mit sanftem Druck schob er sie vor sich her zur Stirnseite des Tischs, legte sie vorsichtig, als sei sie eine zerbrechliche Puppe, rücklings auf das glatte, kühle, wächserne Tuch, bereitete sie zu als sein Dessert. Begleitet von heiseren Worten hob er ihre Beine auf seine Achseln, nestelte die Kugeln aus ihrem Schoß und warf sie auf den Tisch, aufgeregt klackend kullerten sie umher, im nächsten Moment bahnte sich sein zitternder Penis den Weg, erfüllte ihren heißen Schoß, so gut er konnte. Sie sah seine glimmenden Augen über sich, das Gesicht mit den tiefen Falten, jede einzelne in Bewegung, als tobe ein tektonisches Beben im Untergrund. Sie schloss die Augen und hörte sein Keuchen in ihrem Stöhnen; dass ihre Arme wie die Schwingen eines Vogels über den Tisch wischten, merkte sie erst, als sie etwas Kühles berührte, ein Glas, es fiel um, roter Wein beleckte ihre Schulter und ihr Haar. Sie scherte sich nicht darum, presste die Waden um den Hals des Mannes, spürte ihn wühlen in der Tiefe ihres Schoßes, vergaß die ungewohnte Umgebung, interessierte sich nicht für die unverständlichen Laute aus der fremden Kehle, nahm auch Simon nicht mehr wahr, wurde eins mit ihren Gefühlen. Klebrige Nässe breitete sich in ihr aus, kroch über die Haut zwischen ihren Beinen, der Pfahl aus Fleisch zog sich zurück, keuchend lag sie auf dem Tisch, weit entfernt von der Welt. Simons Hand streichelte ihr Haar, um ihr den Trost zu geben, dessen sie nicht bedurfte.
»Elle est miraculeux lascif«, hörte sie den Bürgermeister sagen, während sie sich mit Simons Hilfe erhob und er dem Bürgermeister beipflichtete: Sie sei wunderbar lüstern. Wie eine gute Hausfrau wischte sie den Rotwein auf und trocknete die Kugeln ab, die darin gebadet hatten, legte sie wieder weg und musste sich in einen Sessel setzen, wobei sich ihre Knie von ganz alleine öffneten, einer Hausfrau gar nicht angemessen. Sie roch nach Wein, war besudelt, das Haar zerzaust, die beiden Männer aber, die ebenfalls Platz genommen hatten, betrachteten sie andächtig, als sei sie eine marmorne Madonna. Wie viel sie wohl hier im fremden Land wert war, was er für sie bezahlte? Sie fragte Simon danach, als wäre es wichtig. Lächelnd antwortete er, dass der Preis ebenso hoch war wie zu Hause. Der Bürgermeister richtete einige Worte an ihn, die fragend klangen, und bei der Antwort erblühte in seiner Miene ein Lächeln, ebenso verschmitzt und nachsichtig wie das von Simon, ganz offenbar war ihm ihre Frage übersetzt worden. Es wurde dunkel, Simon ließ die Jalousien per Knopfdruck herab und knipste eine der vielen Lampen an. Als seien die beiden Männer auf eine Idee gekommen, sprachen sie geschäftlich angeregt miteinander, der Bürgermeister wiegte bedenklich das Haupt, sah dann wieder zuversichtlich aus, nickte einverständig. Was heckten die beiden nur aus? Der »maire«, wie Simon ihn anredete, bekam Wein nachgeschenkt, trank einen Schluck und winkte Carolin zu sich, dirigierte sie auf seinen Schoß, den Rücken ihm zugewandt. Seine Hand lenkte die ihre zu seinem Schoß, alles weitere tat sie allein wie gut dressiert. Sie zog den Reißverschluss seiner Hose herab, spürte den Penis zwischen ihren Fingern wachsen, rückte sich zurecht und wies ihm den Weg, glatt und leicht glitt er hinein, von ihrer Muschi freudig empfangen. Ihr Blick wurde von Simon aufgesogen, der sie betrachtete wie ein Gott sein Geschöpf, das er für die Lust geschaffen hatte zum Zwecke seines eigenen Wohlbehagens, zum Vergnügen anderer Männer und, ganz nebenbei, auch zu ihrer Freude. Mühelos führte der fremde Mann sie zum Verzücken, ließ sie stöhnen und sich aalen vor Simons funkelndem Blick. Ob Simon sie verachtete, da sie so bedenkenlos geschehen ließ, was er von ihr verlangte? Das aber wäre perfide gewesen, da doch nur sein Wille geschah. In der wilden Lust zerstoben die Zweifel, wurde sie eins mit seinen Wünschen, ihren Gefühlen und dem Begehren des keuchenden Mannes, alles war richtig, alles war gut, alles war so, wie es nicht anders sein konnte.
Als sie wieder im Sessel saß mit geöffneten Knien, trank der Bürgermeister sein Glas leer und rüstete zum Aufbruch. Er schenkte ihr bei der Tür einen bedauernden Blick, als werde er aus dem Paradies vertrieben, und wechselte mit Simon noch einige Worte. Carolin ging nach oben, nahm eine Dusche, zog den Morgenmantel über und wusch die fleckig gewordenen Strapse im Waschbecken, hängte sie dann in der Garage zum Trocknen an die Leine. Im großen Zimmer schenkte Simon ihr Rotwein ein und schloss sie in die Arme. »Wenn alles klappt, will der Bürgermeister dich übermorgen wieder sehen. Du hast ihm gut gefallen.«
Durfte sie sich geschmeichelt fühlen? Wenn, dann nur ein kleines bisschen.
Copyright Jürgen B. Greulich 2005
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