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Hotel Regina*
1. Das Vorstellungsgespräch
Evelyne war feuerrot im Gesicht. Das Vorstellungsgespräch in Interlaken wartete auf sie; Evelyne sass mit ihrer Mutter beim Kaffee. Sie hatte sich sorgfältig zurechtgemacht; ihre frisch gewaschenen Haare dufteten; Evelyne hatte zum ersten Mal ihren engen dunklen Jupe an, den ihr Vater ihr eigentlich verboten hatte. Dazu trug sie eine durchsichtige weisse Bluse.
15.00 Uhr. Es war so weit. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie in Begleitung ihrer Mutter vor Herrn Wengers Büro stehenblieb und zaghaft anklopfte. „Herein“, ertönte eine sonore Männerstimme. Scheu betrat Evelyne den grosszügigen Raum und setzte sich auf den breiten Stuhl, den Herr Wenger ihr zuwies. Wie war sie doch froh, dass sie ihre Mami bei sich hatte! Evelyne stammte aus dem Berner Oberland und erhoffte sich durch ihre Ausbildung zur Hotelfachassistentin in Interlaken, der Enge ihres Dorfes endlich zu entkommen. Interlaken war zwar auch nicht gerade der Nabel der Welt, aber immerhin. Hier gab es haufenweise Leute zum Kennenlernen, Touristen aus allen denkbaren Kulturen, Abwechslung. Genau danach sehnte die junge Frau sich brennend.
Das Gespräch dauerte eine knappe Viertelstunde; Herr Wenger gab sich sehr amtlich. Evelynes Mutter entging nicht, dass er immer wieder die Bluse ihrer Tochter (und das, was sich darunter verbarg) fixierte. „Der Mann gefällt mir ganz und gar nicht, Liebes“, sagte sie ihr zum Abschied, „sei vorsichtig, ja?“ Aber Evelyne hörte kaum hin. Sie drückte ihrer Mutter einen flüchtigen Kuss auf die Wange und wandte sich ihrem Gepäck zu. Der Hotelier liess es sich nicht nehmen, der neuen Lehrtochter höchstpersönlich ihr Zimmer zu zeigen. Wie sich bald herausstellte, handelte es sich eher um einen Unterschlupf, direkt unter dem Dach. Der Raum war nahezu dunkel und so schwül, dass es Evelyne erst einmal den Atem verschlug. Diffuses Tageslicht gab es nur dank einer winzigen Lukarne.
„Um 17.00 beginnt Deine Arbeit“, liess der Chef sich vernehmen. „Bis um 4.00 Uhr morgens arbeitest Du im Service. So lernst Du gleich unsere Stammkundschaft kennen – und sie Dich. Er grinste ölig und legte Evelyne eine Hand an die Hüfte. Sie war befremdet ob dieser Geste, liess sich aber nichts anmerken. Sie wollte nicht schon am Anfang Ärger.
„Wo kann ich duschen?“ Herr Wenger drängte sich an ihr vorbei aus dem Raum und wies auf die hinterste Tür im Korridor. „Mach Dich frisch, Kleines. Um 17.00 geht dann die Post ab.“ Mit diesen Worten entfernte er sich.
Evelyne legte sich aufs Bett und starrte zum Dachgiebel. So hatte sie sich Interlaken nicht vorgestellt, ganz und gar nicht.
2. Bei der Arbeit
Erst in diesem Moment entdeckte sie das zweite Bett in ihrem Zimmer. Es war zerwühlt. Würde sie diesen engen Raum mit jemand anderem teilen müssen? Zur Antwort auf diese Frage ging die Tür auf und ein Mädchen trat ein. Sie stellte sich als Sonja vor und war im zweiten Ausbildungsjahr. „Du wirst manches lernen hier“, lächelte sie verheissungsvoll, „eigentlich alles, was eine Frau so braucht zum Überleben. Versuch einfach, es so zu sehen.“ Sonja war Evelyne auf Anhieb sympathisch, sie hatte etwas erfrischend Direktes und Ehrliches an sich. Zudem duftete sie nach „L’Air du Temps“. Evelyne liebte dieses Parfum über alles. Ohne Hemmungen zog Sonja sich aus und Evelyne stellte mit einem scheuen Blick fest, dass sie mit Ausnahme eines dünnen Schamhaarstreifens rasiert war. Sonja legte sich splitternackt ins Bett und zog das Leintuch bis zum Kinn hoch. „Ich arbeite zurzeit in der Wäscherei“, erklärte sie, seufzte wohlig und drehte sich zur Wand. „Die Lingerie befindet sich direkt hinter dem Hotel. Wir schuften da bei 40 Grad. Der Verputz bröckelt ab. Im oberen Stock wohnen – bei ähnlichen Bedingungen – die Reinigungsfrauen. Im selben Gebäude hält sich der Hotelbesitzer ein Vivarium mit Giftschlangen.“ Auf leisen Sohlen stahl Evelyne sich aus dem winzigen Zimmer und ging nach unten. Sie war froh, dass sie sich vorher zurechtgemacht hatte. Duschen mochte sie nicht. In der Küche wartete schon Herr Wenger auf sie. „Das ist Evelyne“, wandte er sich erklärend ans vorwiegend männliche Personal, „dann lasst das Küken mal flügge werden“. Frech versetzte er Evelyne einen Klaps auf den Hintern und empfahl sich. „Na, dann wollen wir mal sehen“, wandte sich ein feister Kerl an sie, dessen Mundgeruch sie beinahe umhaute, „wasch den Salat. Wenn ich danach auch nur ein einziges Sandkorn darin finde, dann setzt’s was.“ Machtspiele waren hier wohl an der Tagesordnung; Evelyne war aber froh um den geschützten Rahmen, den diese Küche ihr bot – vor dem Kontakt mit den Gästen an der Bar hatte sie jetzt schon Lampenfieber. Die Jungs waren einigermassen anständig zu ihr; natürlich wurde sie hie und da betatscht, sie schrieb das aber ihrem engen Rock zu. Hätte sie doch auf ihren Vater gehört. Vermutlich waren ihre festen, runden Pobacken wirklich eine Provokation.
Spätabends ging es dann hoch zu und her. Die Gäste, vorwiegend Deutsche, Schweizer und Oesterreicher, begannen zu johlen, schütteten sich gegenseitig Bier in die Kehle und riefen immer wieder nach dem „Fräulein“. Wie Evelyne diese Bezeichnung hasste! Sie war doch eine Frau... aber in der Hotellerie war „Fräulein“ noch immer die offizielle Berufsbezeichnung. Sie waren zu zweit; ihre Kollegin hiess Sandra und war eine Vollblutitalienerin. Immer deftiger zogen die Männer über Sandra her – wohl weil sie glaubten, dass sie nicht jedes Wort verstand. Gegen 1.00 Uhr, als sie sich kurz bückte um etwas Kleingeld aufzuheben, war sofort einer zur Stelle, der ihren Rock hochhob. Sandras rosa Höschen war zu sehen; die Besoffenen brüllten vor Vergnügen. „Strip-tease, Strip-tease“, skandierten sie. Sandra schämte sich zu Tode. Als Evelyne sich zum Einkassieren an den runden Tisch stellte, geschah es. Sie fühlte, wie sich eine verschwitzte Männerhand ihrem Oberschenkel entlang zu ihrer Körpermitte tastete. Die Hand gehörte einem blonden Hünen mit stahlblauen Augen. Evelyne erstarrte. „Will doch nur... bezahlen“, nuschelte er, „nur bezahlen.“ Er zog am Elastband von Evelynes crèmefarbenem Sloggi-Slip und schob ihr eine Hunderternote darunter. Der Tisch grölte. „Gekauft! Er hat sie gekauft! Jetzt wird das Fräulein für uns tanzen!“ Das war das Stichwort für Evelynes Chef, der sich jetzt aus dem Schatten löste, die völlig verwirrte Evelyne am Ellbogen ergriff und sie hinter die Theke führte. „Du musst jetzt etwas tun, das Du noch nie getan hast, verstanden? Die Männer drehen sonst durch. Es sind wertvolle Stammkunden. Du musst ihnen jetzt Deine Brüste zeigen, Evelyne. Ich will das so.“ Evelyne realisierte, dass sie ausgeliefert war. Sandra hatte sich mittlerweile in die Küche zurückgezogen; Evelyne war jetzt die einzige Frau im Raum. Unter dem immensen Druck und der angestauten Spannung trat sie hinter dem Tresen hervor, ging auf die Männer zu, die sie gierig anstarrten und knöpfte langsam ihre Bluse auf. Sie kam sich vor wie auf einem Schiff, inmitten ausgehungerter Matrosen. Der Boden unter ihr schwankte. „Los, los, zeig, was Du hast!“ liess sich ein Oesterreicher vernehmen. Evelyne streifte ihre Bluse ab und kam sich fremd vor. Vor kurzem noch im Bergdorf... und jetzt das. Hätte sie das frühmorgens beim Aufstehen gedacht? „Komm, ich helf Dir“, rief einer hinter ihr – und ehe sie reagieren konnte, machte er sich an den Ösen des BH-Verschlusses zu schaffen. „Wow – die hat ja Hängetitten!“ Die Männer lehnten sich zurück und grinsten breit. Wieder wurde Evelyne feuerrot im Gesicht, und an ihrem Ausschnitt zeigten sich rote Flecken. Niemals, niemals hatte bisher jemand ihren Busen gesehen, ausser sie selbst. Sogar vor ihren Schulkolleginnen schämte sie sich, weil die Schwerkraft es zu gut mit ihr gemeint hatte. „Hey, die hat ja Nippel wie Schattenmorellen!“ „Das sind ja richtige Kuheuter! Wolln wer se melken?“ Als der erste Biertrinker die
Hand ausstreckte, um Evelynes schwere Brüste zu betasten, griff Herr Wenger, ihr Chef, ein. „Das reicht für heute, Jungs. Ich glaube, wir haben genug gesehen. Lasst die Kleine in Frieden, sonst läuft sie uns noch davon.“
3. Das erste Mal
Evelyne bückte sich und hob ihre Bluse vom Boden auf. Den BH hatte wohl jemand als Fetisch eingesteckt. Zutiefst gedemütigt schlich sie sich hinter die Theke. Sie wollte vergessen, nur noch vergessen... und machte sich an diversen Flaschen zu schaffen. Wahllos leckte sie hier an einem Flaschenhals, nippte dort aus einem Gläschen, schüttete sich Gin in die Kehle. Eine Zeitlang sahen die Männer ihr dabei zu, dann torkelten sie, einer nach dem andern, nach Hause. Herr Wenger trat zu ihr. „Nimm das nicht so tragisch, Kleines, wird schon werden.“ Dabei legte er ihr genüsslich die Hand an den Hintern. Evelyne war mittlerweile alles egal. Es war 3.30 Uhr, und sie wollte nur noch schlafen. Ihr Chef verfügte über eine grosse Erfahrung und merkte, dass Evelynes Grenze erreicht war. „Geh nach oben und leg Dich schlafen“, sagte er heiser, „ich erledige hier den Kleinkram für Dich.“ Die Geste war untypisch – und verdächtig.
Alles in Evelynes Kopf drehte sich, als sie die knarrende Holztreppe hochstieg. Aber was war das? Aus ihrem Zimmer drangen Geräusche. Da war ein helles Keuchen zu hören „hhh...hhhhh...“ und ein dunkles Brummen „mmmm...“
Evelyne drückte die Tür auf und erstarrte. Auf Sonjas Bett sass, den Rücken an die Wand gelehnt, der deutsche Hüne von vorhin. Ihre Zimmernachbarin sass rittlings auf ihm und bewegte rhythmisch ihr Becken. Zwischen Sonjas glockenförmigen Pobacken sah Evelyne den riesigen Schwengel dieses Typen, der hinaus und hinein glitt, hinaus und hinein... und ihr dieses Keuchen entlockte. Sonjas blonde Locken flogen in alle Richtungen; der Mann benutzte sie wie einen Spielball. Evelyne wollte wegrennen, fühlte sich aber zugleich magisch angezogen von diesem Schauspiel. War es der Alkohol? Sie schloss die Tür hinter sich, machte sich an ihrem Koffer zu schaffen und fand nach längerem Suchen ihr Nachthemd. Weder der Hüne noch Sonja beachteten sie, als sie die Tür abermals öffnete und sich mit nackten Füssen in Richtung Dusche davonstahl. Das kalte Wasser tat ihr gut; sie fühlte die prickelnde Frische auf ihrer Haut – indes, die innere Hitze blieb, eine Hitze, die sie zuvor nie gekannt hatte. Sie kauerte auf den Boden der Duschwanne, spreizte die Beine und öffnete sich dem lauwarmen Duschstrahl. Sie schloss die Augen und bewegte den Duschkopf langsam hin und her, hin
und her. Evelyne atmete schwer und stellte sich nochmals das Bild vor, das sich ihr in ihrem kleinen Zimmer soeben geboten hatte. Die splitternackte Sonja mit ihren pumpenden Bewegungen, vor allem aber das grosse, steife Glied des Deutschen. Dann stand sie auf, drehte den Duschhahn zu und trocknete sich ab. Sie schlüpfte in ihr hellblaues Baumwollnachthemd, knöpfte es vorne zu, liess die obersten drei Knöpfe aber offen. Mit noch nassen Haaren ging sie leichtfüssig auf ihr Zimmer zu. Evelyne war bereit. Bereit für Sonja, bereit für den Deutschen und bereit für alle, die folgen sollten.
4. In der Küche
Als Evelyne zaghaft die Tür zu ihrer Dachkammer öffnete, war sie erstaunt. Das Zimmer war leer. Nur die zerwühlten Decken auf Sonjas Bett zeugten vom Liebesabenteuer, das kurz zuvor hier stattgefunden hatte. Mit einem erschöpften Seufzer legte sich Evelyne aufs Bett und betrachtete den Mond, der in einer seltsam schmutziggelben Farbe vor ihrer Dachluke schwebte und sie bewachte. Sie verfiel in traumlosen Schlaf und wurde erst durch die unerträgliche Hitze geweckt, die am folgenden Mittag ihre kleine Unterkunft zur Hölle machte. Das Nachthemd klebte an ihrem Körper und sie konnte kaum glauben, dass sie frühmorgens geduscht hatte. Sie stand auf, streckte sich und entledigte sich der klitschnassen Baumwolle. So nackt in einem fremden Raum... es überkam sie ein unbehagliches Gefühl, und sie sehnte sich nach ihrem kleinen Heimatdorf. Dort wurde sie geliebt und respektiert, dort kannte sie Leute, denen sie vertrauen konnte.
Dann schaute sie auf die Uhr. In einer halben Stunde begann ihr Küchendienst. Nach einer kurzen Dusche stand sie grübelnd vor ihrem Koffer und wusste nicht, was sie anziehen sollte. Sie entschied sich für einen dunklen Jupe und ein knallbuntes T-Shirt. Dann eilte Evelyne zum Dienst. Sie wurde schon vom Küchenpersonal – fünf Männern - erwartet, die vielsagende Blicke tauschten. Evelyne fühlte sich mit einemmal splitternackt. Der feiste Kerl vom Vortag begrüsste sie mit einem klebrigen Grinsen und zeigte auf eine Reihe Maiskolben. „Die sind alle für Dich, Mädchen.“ Intuitiv machte sich Evelyne daran, den Mais im Spülbecken zu reinigen und schrubbte vorsichtig und gewissenhaft die Kolben. Die Typen liessen sie eine Zeitlang arbeiten und tuschelten hinter ihrem Rücken. Dann trat ein junger Tamile neben sie und ergriff einen Kolben. Er betrachtete ihn prüfend und blickte zwischendurch auf Evelyne, deren Pobacken sich verlockend unter dem Jupe abzeichneten. Er nahm das Gemüse in die rechte Hand und begann mit der linken,
langsam daran zu reiben, so, als würde er jemandem einen runterholen. Es war schwül im Raum.
Ein düster dreinblickender älterer Türke, Imam, reichte ihm eine Schale mit Margarine. Der Tamile rieb den Kolben damit ein und hielt den matt glänzenden Mais Evelyne hin. Diese lächelte verlegen. „Wir Dich jetzt einweihen in Kochkunst von Hotel Regina“, sagte er in gebrochenem Deutsch und bedeutete Evelyne, sich auf den grossen Holztisch zu setzen, der sich in der Mitte der Küche befand. Sie zögerte, folgte aber dann seiner Handbewegung. Ein Typ, Japaner, den sie bis jetzt noch gar nicht bemerkt hatte, hielt beim Salatwaschen inne und starrte sie an. Endlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: Sie sollte sich vor all diesen Männern mit dem präparierten Maiskolben befriedigen. Genau das würde sie auf keinen Fall tun – sie war ja Hotelfachassistentin und kein Pornomodell. Irgend etwas an der Szene erregte sie aber auf seltsame Weise – dieselben Gefühle kehrten zurück, die sie schon am frühen Morgen desselben Tages empfunden hatte, als sie vor den Gästen ihren Oberkörper entblösste. Tiefe Scham, ja klar, aber... auch ein wenig Lust zu kokettieren und sich zu zeigen. Evelyne legte sich nach hinten auf den Tisch und zog die Beine an. Die Köche, Hilfsköche und Küchenjungen standen jetzt im Halbkreis vor ihr. Evelynes Höschen war jetzt kein Geheimnis mehr; das, was sich darunter verbarg, aber sehr wohl.
„Du brauchst Deinen Slip nicht auszuziehen“, hörte sie eine Stimme neben sich, „schieb ihn einfach etwas zur Seite“. Erst zögernd, dann etwas bereitwilliger offenbarte sie sich diesen Männern, die offenbar nur schauen wollten. Beobachten, wie sich Evelyne Willener, die Berner Oberländer Hotelfachassistentin in spe, mit einem Maiskolben befriedigte. „Nimm etwas Margarine, Kleine, dann flutscht’s besser“, hörte sie wieder die Stimme neben sich. Als würden ihre Hände an unsichtbaren Fäden geführt, so, als wäre Evelyne eine Marionette, machte sie sich am dargebotenen Margarinetöpfchen zu schaffen und führte die rechte Hand an ihre Schamlippen, die sich jetzt, für jedermann gut sichtbar, am Rand ihres Höschens offenbarten. Mit der Linken zog sie den Slip zur Seite. Dann schloss sie die Augen, stellte sich vor, sie liege unbeobachtet an einem weiten Sandstrand und massierte sich mit Margarinefingern an ihrer empfindlichsten Stelle. Still schauten die Männer zu. Imam, der Türke, hatte eine derart starke Erektion, dass es schmerzte. Sein grosses, schweres Glied drängte gegen die Innenseite seines Reissverschlusses, und er wusste, dass der Anblick, den Evelyne ihm soeben bot, in seinem Land als hochgradig obszön galt. Er schloss
die Augen und stellte sich ein junges Mädchen aus seinem Dorf vor, mit tiefschwarzem, langem Haar und dunklen Augen, die ebenso daliegen würde wie Evelyne. Undenkbar! Und genau dieses Undenkbare erregte ihn. Rechts von Imam stand René, der feiste Typ, der sie begrüsst hatte. Eine Haarsträhne hing ihm ins hochrote Gesicht. Er zitterte am ganzen Körper und starrte Evelyne unentwegt zwischen die Beine, dorthin, wo sich das Unsagbare abspielte. René war ein hoffnungslos einsamer Mann, dessen einzige Freude es war, in dieser Küche, in der vor allem Ausländer arbeiteten, Macht auszuspielen. Macht gegenüber Neuankömmlingen und Lernenden. In Interlaken gab es kaum Bordelle, und er musste Unmengen von angestauter sexueller Energie für sich behalten. Nun lag, direkt vor ihm, dieses hübsche Mädchen und massierte sich mit kreisenden Bewegungen an einer Stelle, die er nur von Fotos kannte. Sarim, der Tamile, gab sich eher cool. Ihn faszinierten vor allem Evelynes Hände. Er liebte feingliedrige Finger. Diese Hände erinnerten ihn an die Frauen in seinem Dorf, die viel zu viel arbeiten mussten. Evelynes Schamlippen schimmerten feucht und es war schwer zu sagen, woher die Feuchtigkeit rührte. War es die Margarine? Oder etwa gar...
Der 19jährige Fernando, ein Spanier, galt im Hotel Regina schlechthin als „Schönheit“. Er war es sich gewohnt, dass sich ihm dekadente Touristinnen an den Hals warfen. Er war bitterarm und schickte das ganze Geld, das er während der Saison sauer verdiente, nach Hause um seine kranke Mutter zu unterstützen. Die Frauen in Interlaken mochten einfach seine stolze Haltung, den Teint, seine blitzenden Zähne und den wohlgeformten Body. Für seinen Waschbrettbauch tat Fernando alles. Im Grund war er, was Sex anging, schon etwas abgebrüht, aber das Mädchen, die auf dem Tisch vor ihm lag, war zuviel für ihn. Er war von Evelynes Gesicht hypnotisiert. Sie hatte die Augen geschlossen und liess sich auf den Wellen der Lust treiben. Wie ihre Brüste wohl aussahen? Die Männer gaben gegenseitig nichts von ihren Gedanken preis. Auch Hiro nicht, der verschlossene Japaner, dem vom Küchenpersonal ständig die Hilfsjobs zugewiesen wurden: Böden schrubben, die Ablagen reinigen, Abfälle sortieren, Gemüse reinigen. Hiro befand sich in einem Zustand äusserster Erregung. Seine Mimik verriet aber nichts; absolut nichts. In seinem Land mochte er diese ganz jungen Mädchen, in weissen Söckchen und glänzenden Lackschuhen, die im Internet als „japanese schoolgirls“ um die Welt gehen. Bisher hatte er sich noch kein Bild davon machen können, wie eine Schweizerin „da unten“ aussah – bestimmt unterschied sich der Schamhaarwuchs gegenüber dem der Japanerinnen deutlich. Hiro mochte Löckchen. Was ihn beinahe durchdrehen liess, war aber die Tatsache, dass Evelyne ihre
Turnschuhe anbehalten hatte. Es handelte sich um ein neueres Nike- Modell. Hiro war Markenfetischist.
Jetzt wurden die Männer etwas unruhig, denn Evelyne begann sich zu winden und gab leise Stöhnlaute von sich. „Die ist bald so weit, verdammt“, liess sich René vernehmen und hielt Evelyne den glänzenden Maiskolben hin. „Ich auch, verdammt“, grinste Imam hinter ihm. Wie in Zeitlupe führte Evelyne das Lustteil, den Natur-Dildo, an ihre Muschi. Das Einführen gelang ihr nicht auf Anhieb; René, Fernando, Sarim, Imam und Hiro hielten den Atem an. Dann, ganz langsam und in kleinen Rucken, suchte der Kolben den Weg in Evelynes Inneres. „Guuut so, guuut“, wurde sie von Imam ermutigt – aber das war gar nicht mehr notwendig: Evelyne verspürte eine tiefe, innere Lust, währenddem sich ihre Scheidenmuskeln wie ein Saugnapf um den Maiskolben festklammerten. Sie konnte ihn kaum mehr hin- und herbewegen. Die Männer hätten jetzt alles mit ihr tun können, liessen es aber bleiben. Evelyne hatte ihnen genug geboten: Das wunderbare Schauspiel einer Frau nämlich, die sich selbst befriedigt. Und das am ersten Arbeitstag!
5. Evelyne und Sonya
Leck mich auf ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeber ist Martin Jankowski und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"
Viele Stunden später machte sich Evelyne todmüde auf den Weg in ihr Dachzimmer. Nicht nur körperlich war sie erschöpft – sie hatte hart arbeiten müssen an diesem Tag – sondern auch psychisch. Die Sache mit dem Maiskolben hatte ihr doch stärker zugesetzt als sie im ersten Augenblick wahrhaben wollte. Worauf hatte sie sich da eingelassen? War sie denn verrückt geworden? Mit den Männern in der Küche würde sie ja täglich zusammenarbeiten müssen – und hatte ihnen ihr intimstes Geheimnis preisgegeben: ihre Körpermitte.
Evelynes Herz klopfte wild und sie beschloss, es den Männern um sie herum in Zukunft nicht mehr so einfach zu machen. Aber da war dieses Spannungsfeld: die Fremde, endlich weg von zuhause, weg von der Enge des kleinen Bauerndorfes und die Freude, einen Beruf erlernen zu können. Da war ihr bisher nie gekannter Reiz, sich zu öffnen und zu zeigen und gleichzeitig eine tief verwurzelte Scham. Erschöpft legte sie sich aufs Bett und beobachtete die vorbeiziehenden Wolken. Da hörte sie ein leises Knarren der Tür: Sonja huschte ins Zimmer und schloss hinter sich ab. „Zur Sicherheit, weißt Du“ wandte sie sich erklärend an ihre Kollegin. Evelyne blickte sie fragend an, Sonja setzte sich zu ihr auf die Bettkante. Mit einer sanften Bewegung strich sie Evelyne eine Haarsträhne aus der Stirn. „Dieses Hotel hat zwei Gesichter –
mindestens“, lächelte sie und schilderte Evelyne die Abgründe der Interlakener Herberge. Sonja lebte schon lange in Interlaken und hasste im Grunde die polierte Oberfläche des Städchens mit all den kitschigen und überteuerten Souvenirs. „Die Japaner kaufen einfach alles, weißt Du. Kuckucksuhren, Sennenkäppis, wertlose Kristalle, Schokolade... und junge Schweizerinnen wie uns. Genau darauf sollen wir hier im Hotel Regina vorbereitet werden: auf dekadente und schwerreiche Diplomaten. Ein Entrinnen ist schwierig, Evelyne... ausser Du kündigst Deinen Lehrvertrag.“ Sonja hatte eine Hand auf Evelynes Knie gelegt und neigte sich zu ihr. „Magst Du mich, Evi? Ich darf doch Evi zu Dir sagen? Wieder begann Evelynes Herz zu klopfen. Sie gab keine Antwort. Mit einemmal spürte sie in sich eine unendliche Zärtlichkeit für dieses Mädchen, das da an ihrem Bettrand sass und leise zu ihr sprach. Wieder streichelte Sonja ihr übers Haar, wieder und wieder. „Schliess die Augen, Evi.“ Sonja duftete diesmal nach einem neuen Fenjalprodukt und hauchte Evelyne einen Kuss auf die Stirn. „Lass Dich einfach gehen und vertrau mir.“ Evelyne atmete tief, als ihr die Zimmerkollegin das T-Shirt etwas hochschob und ihr eine Hand auf den Bauch legte. Bevor sie in irgendeiner Form reagieren konnte, küsste Sonja sie auf den Mund. Evelyne presste die Lippen zusammen. Kurze Zeit versuchte sie so, Sonjas drängende Zunge abzuwehren, dann liess sie es geschehen: Sie wurde weich und öffnete sich für das junge Mädchen, das über Erfahrung zu verfügen schien. Sanft erforschte Sonja mit ihrer Zunge Evelynes Mund und streichelte ihr gleichzeitig den Bauch. Sonja hatte kleine kräftige Hände und feingliedrige Finger, mit denen sie geniesserisch den Körper ihrer neuen Freundin ertastete. Im Hinterkopf hatte sie, für die ahnungslose Evelyne unsichtbar, den Auftrag ihres Chefs abgespeichert. „Mach die Kleine erst mal heiss“, hatte er zu ihr gesagt, „mach sie einfach geil, egal wie. Sie ist völlig neu hier und kennt die Pornobranche höchstens vom Hörensagen. Wir müssen behutsam vorgehen – aber wenn wir sie sorgfältig vorbereiten, bringt sie uns spätestens nach einem Monat unvorstellbar viel Kohle.
„Darf ich?“ Sanft schob Sonja Evelynes Rock etwas höher und beugte sich über ihre nackten Oberschenkel. Noch immer streichelte sie unentwegt Evelynes Bauch und bedeckte die Innenseite ihrer Beine mit kleinen Küssen. „Aaaah, das kitzelt!“ „Ja? Magst Du es, wenn ich Dich kitzle?“ Erneut versenkte Sonja ihren blonden Wuschelkopf zwischen Evelynes Schenkeln und kitzelte gleichzeitig mit flinken Fingern die Gegend um deren Bauchnabel. „Aufhören! Ich kann nicht mehr!“ lachte Evelyne, aber Sonja hörte nicht auf sie. Energisch schob sie ihr das bunte T-Shirt bis über die Brüste hoch und forderte ihre Kollegin auf, das Teil auszuziehen. „Bist Du verrückt? Was...“ aber da hatte ihr Sonja das
Kleidungsstück schon über den Kopf gezogen. „Ich wusste doch, dass Du das magst, wenn ich Dich kitzle“, bestätigte sie ihr Tun und parierte Evelynes Gegenwehr. Dann bekam Evelyne Sonjas linken nackten Fuss zu fassen. Mit einer hauchzarten Bewegung strich sie ihr über die Sohle, und Sonja kreischte. „Nicht, da, bitte nicht“, flehte sie, aber es hatte keinen Sinn. Wie im Schraubstock sass Sonjas Fuss fest und wurde mit feinen, kaum spürbaren Streicheleinheiten versehen.
Unter dem Bett, dessen Federn quietschten, ringelte sich eine junge Boa Constrictor.
6. der Schlangentanz
Sonja ergab sich schliesslich ihrer Kollegin, atmete tief durch und genoss die sinnliche Fussmassage, die Evelyne ihr angedeihen liess. „Schön“, stöhnte sie, „einfach schön, wie Du es mir machst“. Nachdenklich betrachtete Evelyne Sonjas schmale, sorgfältig manikürte Füsse und umkreiste liebevoll die Ferse. Gerade soeben hatte sie sich von ihrer Zimmerkollegin noch bedroht gefühlt; es war ja keine Selbstverständlichkeit für sie, ihre Brüste zu entblössen. Jetzt aber übertrug sich Sonjas Entspannung auf sie, und Evelyne wurde von einer nie gekannten Müdigkeit übermannt. Dann erstarrte sie. Direkt zwischen ihren Füssen zuckte der leuchtend rote Schwanz der Boa. „Was ist, Süsse?“. Sonja lächelte. „D...d...da... was ist das??“ Kalter Horror hatte Evelyne gepackt. „Lea. Ich sag einfach Lea zu ihr, weisst Du“, antwortete Sonja gelassen, zog ihre Füsse aus Evelynes Händen und kauerte aufs Bett. Fenjalduft schtrömte durchs Zimmer. „Wir haben einen Liebestanz einstudiert, die Lea und ich. Möchtest Du zusehen?.“ Diese Sonja hatte einfach den Teufel im Leib. Ohne Evelynes Antwort abzuwarten, entkleidete sie sich bis auf den weissen, blau gepunkteten Slip und fasste beherzt unters Bett. Die Boa war etwa zwei Meter lang und wirkte aggressiv. Ihr Kopf zuckte. „Ist sie giftig?“ Evelyne rang nach Worten. „I woher; das liebste Geschöpf unter der Sonne.“ Mit spitzen Lippen küsste Sonja das brasilianische Tier auf die Schnauze. Dieses quittierte mit einer leichten Drehung des Kopfes. Sonja legte die Boa sorgfältig auf den Boden, griff sich ein Zündholz, entflammte zwei Kerzen und löschte mit geheimnisvollem Lächeln das Licht. Im Halbdunkel kamen ihren vollen Brüste noch besser zur Geltung. Evelynes zärtliche Gefühle kehrten zurück, wenngleich sie die Schlange vor ihr am Boden keine Sekunde aus den Augen liess. Zu einem langsamen Vaya Con Dios- Stück wiegte Sonja sich in den Hüften. „Das beruhigt Lea“, meinte sie erklären zu müssen. „Das beruhigt sie ungemein, weisst Du.“ Sonja
schien fiebrig erregt; ihre Stimme zitterte leicht. Einem Penis gleich schnellte der Schwanz der Boa in die Höhe. Geschickt wich Sonja ihr aus und lachte. Die Kontur ihrer hervorstehenden Hüftknochen wirkte wie ein Gemälde. Sie legte eine Hand auf ihren Bauch und kreiste die Hüften. „Sexy, nicht?“ kicherte sie. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Evelyne auf die Schlange. Diese kroch auf Sonja zu. Innert Sekunden packte diese die Rotschwanzboa, wie sie auch genannt wird, direkt hinter dem Kopf und führte diesen zwischen ihre Brüste. „Ich mach das hie und da für meinen Chef“, lächelte sie versonnen. Evelyne erstarrte abermals. Der Schwanz der Boa verschwand in Sonjas Sloggi Slip. „Ahhh, geiles Viech“, lachte diese und vollführte aus der Hüfte heraus Kippbewegungen. Die Szenerie oszillierte zwischen grauslich und obszön. Vermutlich hätte sogar Alice Cooper hingeguckt. Tatsächlich schien es jetzt, als reibe die Boa Constricor sich zwischen Sonjas Beinen. „Nackt auf nackt. Mein Chef steht auf so was“, sagte Sonja und entledigte sich ihres Höschens. Wie schlank sie im Kerzenlicht wirkte, gertenschlank, einer Schlange gleich... Mit einem Blick stellte Evelyne fest, dass ihre Kollegin totalrasiert war. Die Schlange glitt zwischen Sonjas endlos langen Beinen durch und umkringelte ihre Füsse. Einer Hobby-Shakira gleich bewegte Sonja unentwegt die Hüften und drückte ihre Brüste zusammen. „Mein Chef liiiiebt es, an meinen Nippeln zu nuckeln“, sagte sie leise und blickte Evelyne nachdenklich an. „Du musst wohl noch viel lernen, Liebes.“ Dann wandte sie Evelyne ihren Hintern zu und bückte sich. Der Blick auf Sonjas glattrasiertes Pfläumchen begann Evelyne gegen deren Willen zu erregen. In diesem Moment schoss die Boa hoch, umwand Sonjas Körper und näherte sich mit dem Kopf deren Hals. Für einen Sekundenbruchteil dachte Evelyne, das sei ein Element der Show, möglicherweise deren Höhepunkt. Dann hörte sie Sonjas Keuchen und beobachtete, vor Schreck paralysiert, die Befreiungsversuche ihrer Kollegin. Die Schlinge um Sonjas Hals zog sich zu. Die Todesschlinge von Lea, der Boa.
7. die Befreiung
„Hhhh...hhhh...“ keuchte die völlig wehrlose Sonja und zuckte verzweifelt mit dem ganzen Körper. Da schreckte Evelyne aus ihrer Starre hoch und schoss auf die Truhe zu. Genau zwischen den beiden Kerzen hatte Sonja mit Lea virtuos ihr erotisches Schauspiel gegeben. Elegant hatte sie die beiden Flammen gemieden – ebenso die Schlange, die eine natürliche Scheu vor Feuer hatte und irritiert war. Aus diesem Grund wohl hatte sie ihre Beherrscherin angegriffen und sich mit aller Kraft um sie geschlungen. Evelyne handelte sofort. Beherzt ergriff sie einen der
Kerzenständer und hielt die Flamme an Leas Schwanzspitze. Mit einem kehligen Zischen liess das Tier von Sonja ab und schoss in eine Zimmerecke, wo sie unter einem Möbel verschwand. Es herrschte höchste Gefahr; die Schlange war jetzt äusserst unberechenbar. Sonja war bewusstlos, atmete aber sichtbar. Evelyne beugte sich über sie. Da schlug ihre risikofreudige Zimmernachbarin die Augen auf. „Du hast mir das Leben gere...“ aber sie kam nicht zum Ausreden. Unter dem kleinen Wandschrank bewegte sich der dreieckige Kopf der Boa hin und her. Man musste keine Verhaltensforscherin sein um herauszufinden, dass sie sich auf einen tödlichen Angriff vorbereitete. Vom penetranten Gestank nach verbrannter Hornhaut, der sich im Zimmer breitgemacht hatte, wurde den beiden Frauen übel. Ohne zu überlegen zog Evelyne Sonja hinter sich her aus dem Raum. Sie rechnete nicht damit, dass sie im Korridor jemandem begegnen könnten mit der splitternackten Sonja im Schlepptau wäre ihr das peinlich gewesen. Endlich war die rettende Dusche erreicht; Evelyne riegelte sofort hinter sich zu. Erst jetzt realisierte sie, dass sie ja nur ihren Rock anhatte und obenrum nackt war. Egal; vor Sonja machte ihr das nichts aus. Diese wirkte sehr erschöpft und setzte sich auf den Duschstuhl. Eigentlich war der Raum für zwei Personen zu eng, aber in dieser Situation...
Herr Wenger keuchte die Treppe zum Dachstock hoch. „Dieses verdammte Luder...“ brummte er vor sich hin, „diese arrogante Fotze!“. Sonja hatte einen Termin verpasst; den Termin bei einem reichen japanischen Touristen. Er war ein „vegetable lover“ und hätte Sonjas sämtliche Öffnungen mit Bananen, Gurken und Karotten traktieren wollen – dies für 10’000 Schweizer Franken die Stunde. Ein gutes Geschäft für Herrn Wenger, das jetzt wohl wie eine Seifenblase zerplatzte: Der Kunde stand kurz vor der Rückreise nach Tokyo. Wütend riss Wenger die Tür zur Dachkammer auf – der Hornhautgestank schlug ihn zurück. Aber da war noch etwas, etwas Unheimliches, Unberechenbares. Herr Wenger spürte dies intuitiv – und bekam es gleich physich zu fühlen. Ein langes, schweres Etwas schleuderte sich ihm entgegen und umzwang seinen Körper in Sekundenschnelle. Man hörte das Knacken von brechenden Knochen, ein Röcheln. Ein gewiefter Filmregisseur hätte jetzt auf Wengers hervortretende Augen gezoomt; vielleicht auch auf den dreieckigen Schlangenkopf. In rasender Geschwindigkeit zog Stefan Wengers Leben nochmals an ihm vorbei: Die früh verstorbene Mutter. Die Schlägereien in der Grundschule. Mädchenkleider. Sein ehemaliger Chef. das erste Motorrad. Das Zischen seiner Zigaretten auf der Haut junger Frauen. sein Büro. Die Physiognomie japanischer Geschäftsmänner... und, nicht zuletzt, seine über 30 begangenen Vergewaltigungen in den letzten Jahren. Sein Terrarium. Das erhitzte und erschöpfte Reinigungspersonal. Interlakens Ausgehmeile. Berge, die er über alles liebte. Seine alte Cessna, die er
mal geflogen war. Sonjas unwiderstehliche Schamlippen, die er, wie alles, das er innig liebte, immer wieder den Wurstfingern fremder Männer zugänglich gemacht hatte. Ja, Sonja war seine Geliebte gewesen – wenn auch nicht nur seine. Viel Geld hatte er mit ihr verdient und sie zu seiner Komplizin gemacht. Bilder von ihr waren überall im Internet zu finden; es gab Kurzfilme mit ihr... Sonja war unter seiner Ägide zur öffentlichen Frau geworden, zur Frau ohne Geheimnisse. Zum Liebestanz mit der Boa hatte er sie erst zwingen müssen; dann hatte sie angefangen, Reptilien zu lieben und diese Liebe immer wieder in der Kellerbar des Hotels voyeuistischen Touristen für viel Geld zur Schau gestellt. Wenger selbst hatte sich jeweils kaum beherrschen können, wenn „seine“ Sonja auf der eigens hergerichteten Drehbühne erschien, nur mit einem Gürtel aus Perlen bekleidet, und Lea, die Boa Constrictor, an sich arbeiten liess. Nochmals zogen die Details an ihm vorbei – und die leise geflüsterten obszönen Bemerkungen der reichen Klientel. Sonja war zum willenlosen Spielball in seinen Händen geworden – und keine noch so abgründige Perversion war ihr fremd. Kalt wie eine Schlange liess sie es zu, dass minderjährige Mädchen ins Hotel gebracht wurden. Unberechenbar wie eine Schlage führte Sonja das Doppelleben zwischen blondem Naivchen, als das sie auch Evelyne allmählich in die Pornoszene mit hineinzog – und geldgierigem Vamp, als den sie sich von lüsternen Männern fotografieren, vögeln und sonstwie behandeln liess. Sonja war selbst zur Schlange geworden – nicht nur mit ihrem wendigen Körper, sondern auch in ihrem berechnenden Geist.
Dann traktierte die Boa Constrictor Stefan Wengers vierten Halswirbel und brach ihm das Genick. Interlaken hatte seinen wichtigsten Pornostrategen verloren. Sonja hatte sich in der Dusche inzwischen unter Evelynes Liebkosungen erholt. Diese hatte sich ganz ausgezogen und gab sich den tastenden Fingern ihrer Freundin hin. „Mach mit mir, was Du willst“, flüsterte sie und fühlte Sonjas Finger tief in sich. Der wärmende Duschstrahl tat beiden gut, und sie begannen, sich gegenseitig sanft zu massieren, Busen an Busen, Hüfte an Hüfte, Knie an Knie. „Bald hab ich Dich so weit, Du Nutte“, dachte Sonja bei sich.
Es ist schwer zu sagen, wie lange die beiden so verweilten. Aufgeschreckt wurden sie durch ein lärmendes Geräusch im Korridor – das Geräusch einer grösseren Menschenansammlung. Dann war da diese sonore Stimme: „Raus hier, Mädchen, ich weiss, dass Ihr da drin seid.“ Da waren überall Medienleute, Polizisten, Hotelpersonal, Kameras. Irgendwann würden sich die Linsen dieser Kameras genüsslich an Evelynes Brüsten festsaugen – und dem hintersten Bergdorf im Berner Oberland würde mitgeteilt werden, welch ein Luder
sie doch war. Sie trieb es lesbisch in der Dusche. Sie hatte eine Würgeschlange auf ihren Chef angesetzt. Sie hatte in der Küche unschuldiges Personal verführt. Und sie hatte Sonja, wie diese den Presseleuten bereitwillig erklärte, dazu gezwungen, mit ihr zu duschen.
Nun fehlt dieser vielschichtigen Story ein Plot. Hast Du Vorschläge, lieber Leser?
Copyright Anita Isiris 2001/2010
Anmerkung
(*Name geändert)
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