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Felix Mennen 

...die beste Erotik-Kurzgeschichte! Gewinner erhält 6.666,66 Euro Preisgeld! Insgesamt 11.111,11 Euro Preisgelder!“ Glaubst du nicht? Steht aber so im Netz: „Ausschreibung zum 1. erotischen Literaturwettbewerb des INTER-6-SHOP (das weltweit führende Versandunternehmen für Sexartikel aller Art).“ Und schau mal da: „Plus erotische Überraschung für jeden Gewinner!!!“
Halleluja, denkst du, was kann das denn sein: Eine Nacht mit Gina Wild? Oder bloß so’n dreieckiger Polyesterfetzen mit drei Riemen dran im Tigerdesign? Oder wahlweise ein Vibratorset, falls ne Frau gewinnt oder auch für den schwulen Mann oder doch den Hetero, der sich auch gerne mal hinten was reinschiebt, ohne gleich schwul zu sein, oder doch schwul ist, es aber nur nicht weiß, oder sich nicht eingestehen will, oder seinem Umfeld.
Wie auch immer. Wenn du die Wahl hättest, würdest du dich auf alle Fälle fürs Vibratorset entscheiden, anstatt für so nen billigen Riemenslip. So was kannste ja nicht mal bei ebay zu Kohle machen – es sei denn du schreibst „benutzt“ dazu.
Aber vielleicht gibt’s ja auch ne schicke Gummipuppe, denkst du und liest schon ganz aufgeregt das Kleingedruckte, ob’s da irgendwelche Vorgaben gibt, zum Beispiel, dass du bestimmte Produkte aus diesem INTER-6-SHOP in deine Story einbauen musst. So als Product-Placement.
Zum Beispiel für SIE den nagelneuen vibrierenden Vorbinde-Penis aus von der NASA getesteten weltraumtauglichen extrem dehnbaren Fieberglas, mit eingebauter Spritz- und Sprachfunktion („Ich komme!“) bei Druck auf den Gummieiersack – auf Wunsch auch mehrsprachig!
Oder für IHN den extravaganten Superstring mit dehnbaren Penis-Schlauch und Guckloch, aus dem deine Schwanzkuppe rausschauen kann, wenn dir im Penis-Schlauch eine Latte wächst – und ne ordentliche Latte sollte schon drin sein, wenn’s um ne Erotikstory geht. Allerdings fragst du dich: Was machst du bloß mit ner Latte im Penis-Schlauch? Das ist doch ziemlich unpraktisch.
Für DICH wär dann wohl auch so’n vibrierender Vorbinde-Penis besser. Also zum Überstülpen über deinen eigenen Schwanz, mit dem du die Partnerin in deiner Story vibrierend penetrieren kannst, oder sie dich („I’m coming!“), oder du ihn oder ne Gummipuppe, oder die Puppe sie und du guckst zu, oder du lässt das Ding einfach so lange auf deinem Schwanz vibrieren, bis es dir von ganz alleine in allen Sprachen kommt – oder dir die Batterien ausgehen.
Aber da steht da nix von, also von irgendwelchen einzubauenden Sexgerätschaften aus dem INTER-6-SHOP. Nur dass die Länge auf exakt 22.222 Zeichen begrenzt ist, mit Leerzeichen. Und das nehmen die ganz genau: „Überschreitungen der Länge führen zur Rücksendung des Manuskripts.“ O-ha, denkst du, das ist aber anders wie im Leben: Hier musst du aufpassen, dass du NICHT ZU SPÄT KOMMST! Zum Glück gibt’s oben in der Leiste bei den Extras die Funktion Wörter zählen. Klickst du drauf – und zack: 2.905 – hoppla, so schnell sind die Dinger futsch. Und jetzt sind’s schon 2.978. Da musst du dir aber genau überlegen, was du schreibst.

 

erotische Kunst von Tamara Amhoff-Windeler 

So wie früher in der Schule. Bei den Deutschklausuren. Wo du dich vier Stunden über „Iphigenie auf Tauris“ auskotzen solltest. So nem uralten Theaterstück von Goethe. Nee, von Schiller. Oder doch von Goethe? Ist auch egal. Einer von den beiden Super-Dichtern halt. Du hast es eh nicht gelesen. Zum Glück steht’s auf dem Zettel, den der Lehrer ausgeteilt hat: Goethe hat den Mist verzapft. Danke, Herr Lehrer! Und da stehen ja auch die Fragen: Was für’n Versmaß der Dichter im Stück verwendet hat? Und den Einfluss der Aufklärung? Und wo das retardierende Moment liegt? Dabei weißt du nicht mal, was das ist, das retardierende Moment. Und warum’s überhaupt ‚das’ – und nicht ‚der’ heißt. Und du fragst dich, ob dein Lehrer sich vielleicht verschrieben hat? Und willst dich schon melden. Und mal ne schlaue Frage stellen. Lässt es aber. Weil du ja sowieso nicht weißt, was das ist. Und deswegen auch nix finden kannst. Und eh keinen Bock hast, es zu suchen. Und nicht verstehst, warum du deine Jugend überhaupt mit so nem Mist verplempern sollst.
Zumal – wie dir gerade klar wird – das ganze überhaupt nix mit Erotik zu tun hat. Damals wie heute. Oder vielleicht doch?

Denn eigentlich, fällt dir ein, warst du ja während der Deutschklausur mit ganz anderen Dingen beschäftigt: Nämlich damit, dass die emsig schreibende Streberkuh neben dir ganz schön große Titten hat, die im Sportunterricht immer so hysterisch rumwackeln.
Zum Beispiel beim Volleyball, wenn sie am Netz zum Block hochspringt: Und schlimmer noch, wenn du gleichzeitig mit ihr auf der anderen Seite vom Netz hochspringst, um den Ball über ihren Block zu schmettern, und du dann jedes Mal den Ball ins Aus pfefferst. Weil du dich vor ihren großen Titten erschreckst, die dir – wenn ihr beide gleichzeitig hochspringt – auf der anderen Seite entgegen hüpfen. Und du dir dann immer vorstellst, dass ihr gegeneinander stoßt und sich dabei ihre steifen Nippel durchs Netz in deine Brust bohren und du davon einen Ständer in deiner Sporthose kriegst, noch bevor du wieder auf deinen Füßen gelandet bist. Und du tatsächlich allein bei dem Gedanken daran schon so eine Halblatte kriegst. Was daran liegt – also diese manische Phantasie:

 

Steife-Streberkuh-Nippel-durchs-Volleyballnetz-in-deine-Brust-gebohrt = Ständer-in-deiner-Sporthose

 

MitteMörderMystery ist ein Berlin-Roman von Felix Mennen aus unserem Verlag.

Das liegt also daran, dass du ihnen ja schon mal ganz nah warst, diesen großen prallen Strebertitten. Und einen Wahnsinns-Ständer hattest – und nicht nur das!

Und schon bimmelt’s. Und die erste Stunde ist vorbei, also mit der ollen Iphigenie. Und du hast natürlich noch kein Wort geschrieben, sondern nur schon wieder ne halbe Latte in der Hose.
Und draußen laufen die andern Schüler aufm Gang rum. Und machen Lärm. Während die Zeit rennt. Und deine Strebernachbarin mit den großen Titten schreibt und schreibt. Stört sie gar nicht der Lärm aufm Gang. Und du fragst dich, was schreibt die blöde Kuh da eigentlich die ganze Zeit? So viel kann man dazu doch gar nicht schreiben. Aber der fällt ja immer was ein.
Und schon bimmelt’s wieder. Pause vorbei. Wieder fünf Minuten rum. Und jetzt legt die Streberkuh – so ganz zufällig – auch noch ihr Federmäppchen neben ihren Klausurbogen. Wie ne Mauer. Damit du auch ja nicht bei ihr abpinnen kannst.
Dabei hast du das gar nicht vor. Diese Grütze will doch niemand wissen. Außer dem Lehrer. Der gibt ihr dafür ne Eins. Der muss ihr dafür ne Eins geben. Weil steht ja alles drin, was auch in den Reclamheftchen steht. Und die Reclamheftchen haben immer Recht. Außerdem würde das doch voll auffallen: Wenn du plötzlich selbst so ne Reclam-Grütze schreibst. Weiß dein Lehrer doch längst, dass du die gelben Heftchen nie liest. Und überhaupt, du bist mit deinen Gedanken eh ganz woanders! Nämlich da, wo du mal ganz nah dran warst, also an ihren großen Strebertitten.

Beim Bluestanzen war das. Zwei Jahre zuvor. Auf ner Kellerparty. Dir wuchsen gerade die ersten Haare am Sack. Und die blöde Kuh war schon voll ausgereift. Weil Mädchen in der Entwicklung halt schneller sind. Das ist so. Und deswegen wollen die halt auch schon früher Bluestanzen mit den Jungs, und weil die Jungs nicht wollen, haben die Mädchen euch Lose ziehen lassen, also wer mit wem tanzt. Und da wurdest du ausgerechnet mit der blöden Streberkuh zum Bluestanzen ausgelost. „Careless Whisper“ lief, von George Michael. Und dein Kopf hing in ihren großen Titten. Weich und warm waren die. Und dir wuchs ne Latte. Unaufhaltsam. Beim Bluestanzen mit der blöden Kuh. Obwohl du überhaupt nicht auf sie stehst. Nie auf sie gestanden hast. War einfach so ne Art chemische Reaktion. Weil die blöde Kuh damals ja schon voll ausgereift war. Und nen ganzen Kopf größer als du. Und du deswegen mit deinem Kopf zwischen ihren Titten hingst! Wie in einem Schraubstock darin eingeklemmt warst...

 

erotische Kunst von Tamara Amhoff-Windeler 

Und Bumms, bimmelt’s schon das nächste Mal: Große Pause. Und wieder Lärm aufm Gang. Und dann von draußen durch die Fenster. Das Geplärre der Unterklässler, die aufm Hof fangen spielen. Oder mit nem Tennisball kicken.
Hast du früher auch gemacht. In der Unterstufe. Aber jetzt stehst du ja nur noch in der Raucherecke. Mit noch so’n paar Außenseitern. Und findest dich voll cool – und alles andre doof: Die Lehrer, deine Eltern, und den Rest der Welt. Wie alles so abläuft. Voll ungerecht. Die ganze Scheiße, halt. Die blöde Streberkuh neben dir siehst du natürlich nie in der Raucherecke. Keine Ahnung, was die in der Pause treibt. Lernt vermutlich Reclamheftchen auswendig. Und kaut dabei auf ihren Graubrotstullen, während du dir noch eine ansteckst.
Würdest du jetzt auch gern machen. Eine Rauchen. Und dir schnell einen Runterholen. Auf die Strebertitten. Aber geht ja nicht. Niemand darf das Klassenzimmer verlassen. Nur zum Pinkeln. Aber nicht während der Pause. Könnte ja draußen jemand mit nem Reclamheftchen stehen. Und dir Tips geben. So’n Schwachsinn! Und schon ist die große Pause vorbei. Und du hast immer noch kein Wort geschrieben. Weil du die ganze Zeit George Michaels ‚leichtsinniges Geflüster’ ihm Ohr hast und nicht aufhören kannst daran zu denken, wie du mit dem Kopf damals zwischen den Rieseneutern der blöden Kuh hingst. Und du nur gehofft hast, dass sie nicht merkt, dass dir ne Latte wächst. Immer größer und größer. Ohne dass du was dagegen tun konntest. Und du Angst hattest, dass sie dir gleich aus der Hose kriecht! Und es jeder sehen kann! Dir ist ganz heiß geworden. Und du wolltest nur, dass der Schnulli endlich aufhört zu singen. Aber die hatten ja auch noch die Maxi-Version aufgelegt. Neun Minuten und 30 Sekunden zu diesem Scheiß-Geseire mit deinem Kopf in ihrem Tittenschwitzkasten!

 

Should've known better than to cheat a friend
and waste the chance that I've been given
so I'm never gonna dance again
the way I danced with you…

 

erotische Kunst von Tamara Amhoff-Windeler 

Junge, dir wurde ganz schwindelig! Musstest dich an der blöden Kuh festhalten. Deine glühende Wange in das mollig warme Gewebe drücken. Hinter der kratzigen Polyester-Bluse. Und ihren süßlich-säuerlichen Geruch inhalieren.
Dir blieb fast die Luft weg. Du wusstest gar nicht mehr, wo du bist. Und bist ihr auf die Füße gelatscht. Hast „Entschuldigung“ gestammelt. Und überlegt, ob die am Ende noch denkt, dass du dich für den Steifen in deiner Hose entschuldigst. Und heimlich hast du nach unten geschielt, ob deine Schwanzkuppe schon rausguckt. Und gleich bist du ihr noch mal auf die Füße gelatscht. Und alles hat sich gedreht. Du hast dich an sie gekrallt. Und deinen Kopf noch tiefer in ihre heißen weichen Titten gedrückt.

Du bist nie wieder auf so ne doofe Kellerparty gegangen. Hast dir die Haare rot gefärbt. Und dir ein „A“ auf deine Militärtasche gemalt. Mit nem Kreis drum. Für Anarchie. Und nen Fuckfinger. Und hast das Rauchen angefangen. Und das Kiffen. Und das Trinken. Und einen auf Punk gemacht. Und dir ne kleine Punk-Freundin gesucht. Und jetzt wollt ihr grade das erste Mal miteinander schlafen.
Und das ist – abgesehen von den Strebertitten neben dir oder eben bedingt dadurch – das einzige, was dich im Moment interessiert. Wie sich das anfühlt: Dein Schwanz in der Möse deiner kleinen Punk-Freundin! Und doch nicht diese doofe Iphigenie.
Ina, heißt sie, deine Freundin. Und riecht so süß. Und lächelt so süß. Und hat so einen kleinen süßen blaugefärbten Irokesenkamm auf ihrer Glatze. Und so süße kleine Titten, mit Ringen durch die Nippel. Nicht solche Rieseneuter wie die blöde Kuh neben dir. Dafür jede Menge Pickel im Gesicht. Aber das stört dich nicht. Du hast ja auch welche. Und gemeinsam seid ihr schließlich stark. Und wollt niemals so werden wir eure Eltern. Die echt gar nix kapieren. Oder wie die blöde Kuh neben dir. Die jetzt schon so ist.
Und jetzt streckt die blöde Kuh auch noch wie zufällig ihren Arm aus. Und legt sich da mit dem Kopf drauf. Damit du aber auch ja nicht bei ihr abpinnst. Und dabei müffelt sie nach Schweiß. Weil sie sich so anstrengt. Und auch nix kapiert. Dass dich das doch gar nicht interessiert, was für eine Grütze die da schreibt. Sondern du nur auf ihre blöden Rieseneuter geglotzt hast.

Und schon bimmelt’s wieder. Die dritte Stunde ist vorbei. Und dein Blatt immer noch leer. Dafür nen Steifen in der Hose. Und wieder Lärm aufm Gang. Und die blöde Kuh neben dir schreibt und schreibt. Halb überm Tisch liegend. Und müffelt dabei. Als ob’s um ihr Leben geht.
Sie hat in jedem Fach nur Einsen. Einmal hat sie nur ne zwei Plus bekommen. Da hat sie tatsächlich geflennt. Sie will zwar am liebsten Schriftstellerin werden, aber da das nix Handfestes ist, will sie erst Mal Medizin studieren, hat sie gesagt. Und dafür braucht man Super-Noten, hat sie gesagt.
Du hast keinen Plan, was du später mal werden willst. Und kaum siehst du dich um. Da sind zwanzig Jahre vergangen. Und du sitzt am Schreibtisch. Und willst ne geile Story schreiben für diesen erotischen Literaturwettbewerb des INTER-6-SHOP. Und kriegst nicht mal das hin. Kommst einfach nicht in Fahrt!
Und nachher sitzt da irgendwo noch die blöde Streberkuh. Und nimmt auch am Wettbewerb teil. Eigentlich ist sie längst ne erfolgreiche Ärztin, aber heimlich träumt sie immer noch von der Schriftstellerin. Und sitzt zu Hause an ihrem Schreibtisch. Hinter ner Mauer von Reclamheftchen zum Thema erotischer Literatur. Spickt damit ihren Text, wie ne Weihnachtsgans. Und brät das dann bei 200 Grad in ihrer Strebergrütze langsam knusprig, um es dann ganz fein auf dem Teller der erotischen Weltliteratur zu zerlegen. So hübsch garniert, mit ein paar einschneidenden sinnlichen Erlebnissen...

Himmel, Arsch und Zwirn, denkst du: Am Ende schreibt die noch was über ihr erstes Blues-Tanz-Erlebnis mit dem Klassenloser! Dessen Schwanz – nee, das schreibt die nicht – die schreibt: Dessen erigiertes Glied sie damals an ihrem Bein hat wispern hören. So analog zum George – so nennt die den, so ganz vertraulich. Und wie die dich dann neun Minuten und 30 Sekunden lang an ihrer Brust gestillt hat. Also, so symbolisch.
Und wie du ihr später bei den Deutschklausuren immer auf ihre ‚reife Brust’ geglotzt hast. Und beim Volleyball die Bälle immer ins Aus gedroschen hast. So, als Folge von all dem. Und du sie für ne doofe Streberin gehalten hast, die dich nicht abpinnen lässt. Dabei wusste sie genau, dass du immer nur auf ihre fetten Euter (so würde die das schreiben, wie du die Dinger nennst, weil’s ja realistisch sein soll) gegafft hast. Nee, das hat sie so gespürt. Oder was auch immer. Auf alle Fälle ist sie bestimmt längst fertig mit ihrer Grütze. Während du dir hier voll einen abbrichst. Und dich fragst, warum du deine Zeit überhaupt mit diesem Mist verplemperst. Ach ja, wegen der Kohle! Die jetzt die blöde Kuh kassiert. 6.666,66 Euro – wie viele Reclam-Heftchen gibt’s da wohl für?

 

erotische Kunst von Tamara Amhoff-Windeler 

Und weil dir nix mehr einfällt, zählst du noch mal die Wörter: 14.756. Shit, da sind ja schon zwei Drittel futsch! Und du bist immer noch nicht so richtig in Fahrt. Wie soll das jetzt noch funktionieren?
Verzweifelt denkst du wieder an Ina, deine kleine süße Punk-Freundin. Als ihr es endlich das erste Mal getrieben habt. War für euch beide das erste Mal. Und du überlegst, ob da was rauszuholen ist, aus diesem einschneidenden Erlebnis. Kannst dich aber nicht mehr richtig erinnern. Du warst betrunken. Und bekifft. Und sie auch...
Und dann fällt dir ein, dass du sie ja vor kurzem mal auf der Straße getroffen hast, die Ina. Sie trägt immer noch einen Iro, ist aber sonst ganz schick gekleidet. Ihre Kunden stehen darauf, hat sie dir erzählt, also auf den Iro. Sie arbeitet nämlich seit einigen Jahren in einem Domina-Studio, hat sie dir erzählt. Peitscht Männer aus für Geld. Und du fragst dich, ob das damals schon abzusehen war: Hat sie dir nicht auch gerne mal beim Sex auf den Arsch geklopft, damit du mehr Gas gibst?
Und fieberhaft überlegst du, ob da als Story was zu holen ist, also aus dem wilden Sex deiner Jugend mit der in beiden Brustnippel gepiercten blaugefärbten Irokesen-Ina? Da ließe sich doch auch sicher gut so ein weltraumtauglicher vibrierender Vorbinde-Penis mit mehrsprachigem Gummieiersack einbauen. Also, wenn sie dich damit völlig schwerelos von hinten nimmt und dabei mit einer Rute deine Arschbacken auspeitscht. Und du ihr befehlen musst, Gas zu geben. Und du dabei so rumflennst, dass du bestraft werden möchtest.
Dabei fällt dir plötzlich ein, dass die Ina damals ganz schön rumgeflennt hat, als du sie von einem Tag auf den anderen verlassen hast. Einfach so, weil du jung warst und es noch so viele andere Mädchen gab. Ist Ina am Ende deswegen eine Domina geworden? Um sich stellvertretend für dich an der Männerwelt zu rächen? Du weißt es nicht. Und möchtest es auch gar nicht wissen. Und merkst bloß, dass das mit Ina ein Irrweg ist, für die Story – und überhaupt. Und ärgerst dich über weitere EINTAUSENDNEUNHUNDERTZWEINDSECHZIG VERPLEMPERTE ZEICHEN!!!

Während sich die blöde Streberkuh hinter ihrer Mauer aus Reclamheftchen bestimmt vollkommen zielstrebig auf dem Weg zum Höhepunkt befindet. Vermutlich schreibt sie gerade, wie sie gespürt hat, wie du dich damals beim Bluestanzen an sie gekrallt hast. Wie sie deinen heißen schwitzenden aus deinem kratzigen Polyester-Hemd-Kragen – Achtung, Product-Placement! – wie die erigierte Schwanzkuppe aus dem Penis-Schlauch des neuen extravaganten INTER-6-SHOP-Slips herausstarrenden Kopf...
Nein, nein, nein! So etwas schreibt die nicht. Die schreibt, wie sie dein fiebriges Haupt an ihrer üppig reifenden Brust gespürt hat und sich dabei zum ersten Mal als Frau gefühlt hat, so als Mutter Erde, die bereit ist dich aufzunehmen – im Klartext: Deine pubertierende Latte, die sie NATÜRLICH DIE GANZE ZEIT AN IHREM OBERSCHENKEL GESPÜRT HAT!!! Was denkst denn du?
Und sie schreibt, wie sie plötzlich ein ganz heftiges Verlangen gespürt hat, ihn in sich zu spüren, ihn Wurzeln schlagen zu lassen, in ihrer Mutter Erde – also so was in der Art halt, würde die wohl schreiben.

Und du stellst dir vor, wie sie das jetzt total und ganz banal einfach nur geil macht. Also ihre Erinnerung an ihr erstes erotisches Erlebnis. Während sie da zu Hause sitzt, Jahre später, als erwachsene Frau, erfolgreiche Ärztin, die immer noch von der Schriftstellerin träumt und hinter ihrer Mauer aus Reclamheftchen an ihrem Schreibtisch hockt und schreibt, was sie damals gefühlt hat – und gleichzeitig fühlt, was sie schreibt.
Genauso wie du fühlst, was du schreibst und wieder eine Latte kriegst, wie damals auf der Tanzfläche, deinen heißen Kopf in ihrem Tittenschwitzkasten. Und einer ihrer Nippel sich durch die kratzige Polyester-Bluse in dein Ohr gebohrt hat, heißt und steif!
Und bei dem Gedanken daran fasst du dir mit einer Hand in die Hose, an deinen wie das Resultat einer chemischen Reaktion sich unaufhaltsam aufrichtenden Schwanz, den du nun anfängst zu kneten, während du gleichzeitig mit einer Hand weitertippst – wie so ein virtuoser Jazzpianist – und dir dabei vorstellst, wie sie das gleiche tut, hinter ihrer Reclamheftchen-Festung: Mit einer Hand tippt und die andere Hand in der Hose, den Mittelfinger an ihrer pulsierenden – sich erinnernden – Klitoris, George Michaels leichtsinniges Gewisper im Ohr, der sie wie der Teufel verführt, und die Klassenstreberin in eine lüsterne Hexe verwandelt.
An deren Busen du immer noch klebst. Im Partykeller deiner Jugend. Und ihren süß-saueren Geruch einsaugst. Während sie deine Latte an ihrem Oberschenkel spürt – heiß und steif – spürt, wie ein Zittern durch deinen auf der Schwelle zum Mann sich sehnenden Körper geht, das sich auf ihren Köper überträgt: Und sie dem Ruf der Mutter Erde folgt. Spürt, wie ein verlangendes Beben ihren Körper in Mark und Bein erschüttert – damals wie heute.
Sie fegt die verdammten Reclamheftchen vom Tisch, und rollte – zwei oder drei Finger in der Möse – immer schneller auf ihrem Schreibtischstuhl hin und her. Bis das Beben sich endlich entlädt – im selben Moment, als du den Atem anhältst, an Milch denkst und dir einen Fleck in deine Hose machst. Damals wie heute.

Erleichtert zählst du noch mal die Wörter: 19.961. Ist ja gerade noch mal gut gegangen. Anders wie mit der ollen Iphigenie seinerzeit: Die vierte Stunde ist bald rum. Und dein Blatt immer noch leer. Du malst nen Fuckfinger darauf. Wegen der Latte in deiner Hose. So, als Phallussymbol halt. Und stehst auf. Und gibst das so ab. Sollen die dich doch alle mal am Arsch lecken! Du willst jetzt nur eins: Dir auf Toilette einen Runterholen. Und dann eine Rauchen. Weil irgendwie hast du ja auch schon damals geahnt, dass der blöde George Recht hatte:

So I’m never gonna dance again
the way I danced with you...

 

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