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Francesca
An einem Tag im Juli fand ich unter einem der Scheibenwischer an meinem Auto eine Karte - nebst einer dunklen Rosenblüte - mit einem Vers in ungelenkem Deutsch "die ganze Welt ist himmelblau, wenn ich in Deine Augen schau", einer Adaption aus der Operette "Im weissen Rössl am Wolfgangsee". Wer hatte mir das geschrieben? Und das in Italien? In deutsch? Ich wusste es nicht und steckte die Karte an meinen Spiegel.
Einige Zeit später fand ich erneut eine Karte vor, mit dem Hinweis auf eine mittelalterliche Trattoria in Milano und mit der Angabe von Wochentag und Uhrzeit eines geheimnisvollen Treffens. Ich suchte die Strasse im Stadtplan und machte mich auf den Weg. Wer erwartete mich hier?
Die lange Autobahnfahrt regte mich zum Nachdenken an, aber ich konnte mir keinen Reim darauf machen wie die Verbindung zwischen unserem kleinen Dorf und der Weltstadt Mailand herzustellen sei.
Ich betrat schliesslich das Restaurant, in dessen Mitte die alten, wuchtigen Säulen standen, die das Tonnengewölbe aus Ziegelmauerwerk trugen.
Hier hatte ich Neunzehnhundertsiebenundneunzig meinen Geburtstag mit "Maddalena - dem sizilianischen Vulkan", gefeiert.
Ein Kellner fragte mich, ob ich reserviert hätte. Nachdem ich meinen Vornamen nannte, geleitete er mich wortlos zu einem Tisch in der Ecke auf dem in einem eisernen Gestell weisse Kerzen brannten und schön geschliffene Rotwein-Kelche zum Trinken einluden. Eine glutäugige Lady lächelte mich an, und ich begrüsste sie mit Küssen.
Ein Band hielt ihr lockig-dichtes Haar zusammen und ihre dunklen, glutvollen Augen machten Appetit ihr Geheimnis zu ergründen.
Undurchsichtig aber tief ausgeschnitten umspielte ihr schwarzes Kleid ihren vollen, reifen Körper.
Sie sprach das gestelzte Deutsch von Leuten die einige Worte gelernt haben. Wir entschieden uns rasch für Italienisch. Nach den ersten Worten wurde mir klar, dass sie die Freundin von Alleanza war, mit der ich vor etwa zwei Jahren ein wundervolles Wochenende in Firenze verbracht hatte. Alleanza hatte immer davon gesprochen, dass ich unbedingt ihre Freundin Francesca kennenlernen sollte, weil diese dieselben Vorlieben besässe wie ich.
Also sassen wir nun im Romantica, dem alten Ristorante im Mailänder Künstlerviertel mit Namen *Brera*.
Während wir den Wein und das reichhaltige Essen genossen, konnte ich den Blick nicht von ihren faszinierenden dunklen Augen wenden, deren Glut mich und den Tisch zu verschlingen begann. Ihr tiefes Dekolettée lenkte den Blick auf ihre vollen Brüste, die sich wie Aepfel in einem Weidenkorb zum Anbeissen darboten.
Als wir uns wild zu küssen begannen, störte uns das Umfallen der Weingläser nicht, aus denen sich der dunkle Rebensaft über das Tischtuch ergoss.
Engumschlungen bestiegen wir nach dem Mahl ihren Wagen. Ihr Chauffeur kutschierte uns durch die lange, dunkle Nacht zu ihrer Villa, hoch über dem brandenden Meer und in den Hügeln von Portofino gelegen.
Der Mond sandte sein fahles Licht über diese weite dunkle Wasserfläche. Aus den riesigen Dattelpalmen, Zypressen und Fächerpalmen, die das Anwesen umgaben, ergschollen die vielfältigen Geräusche von Nachteulen, Zikaden und anderer Tiere. Ich spürte Francescas Verlangen und bald umspülte uns das warme Wasser ihres riesigen Schwimmbades, von dem wir dem Kräuseln der Wellen auf dem weiten Meer zusehen konnten.
Ihr bronzefarbener Körper, hob sich von dem weissen Marmor des Schwimmbeckens ab. Während ich ihre vollen Lippen küsste, durchflutete das helle Licht aus dem Becken flachen Schirme der Akazien, Pinien und die Fächer der in verzückende Lichtreflexe. Die Zikaden spielten das Nachtkonzert.
Ich hob Francesca hoch, trug sie aus dem Becken hinauf in ihre Villa, dessen grosse Wohn- und Schlafhallen zum Wohlfühlen einluden. Auf dem venezianischen Parkett, mit den eingelegten Marmormustern, stand in der Mitte des Schlafsalons nur das riesige Bett, dessen Endpfosten in Göttinnen-Körper aus Jadestein übergingen, in denen Kerzen brannten. Ihre bronze schimmernde Haut hob sich dunkel vom weissen Samt des Bettes ab.
Die zuckenden Kerzen-Flammen zauberten sanfte Muster auf ihren üppigen Körper. Schwere, liebliche Düfte aus tausend Lavendel- und Rosenblüten zogen sich durch den Salon. Das Licht der Kandelaber tauchte den Raum in warmes Licht.
Sie rollte sich auf den Bauch und ich begann das warme Öl in meinen Händen zu zerreiben und gleichmässig auf ihrer Haut aufzutragen. Von den Schultern beginnend massierte ich das Öl langsam in die Haut ihrer Schultern, strich dann mit einer Hand an ihrer Wirbelsäule entlang und liess mit beiden Händen vom Po nach oben kreiselnde Pirouetten vollführen. Danach nahm ich die Straussenfeder und liess sie sanft über ihre Haut, die Arme, die Rückenpartie, den Po, die Schenkel tänzeln und strich den feinen Flaum dedr Feder zwischen ihre Schenkel. Der Feder folgten meine Hände, die sanft und druckvoll Melodien auf Francescas Haut zu spielen begannen.
Sie seufzte wohlig. Ich bat "dreh dich um" und verwöhnte ihre Vorderseite.
Massierte langsam ihr Gesicht, liess meine Finger die Konturen von Mund, Nase, Stirn entlang fahren, schob die Sorgenfalten beiseite, den Hals, die Arme. Ich nahm mir viel Zeit ihre Brüste zu massieren. Die Straussenfeder lockte mit feinem Kitzeln. Meine Hände folgten den Tälern, Höhen bis zum Zenit ihrer Lust. Danach streute ich Rosenblätter auf ihre Haut.
Ihre Wildheit versprühte die Leidenschaft und während sie sich unter meinen Küssen aufbäumte, löste sich das Band, das ihre schwarze Haarpracht die ganze Zeit gebändigt hatte. Schlangengleich ergossen sich die Haare über ihre Schultern und über die samtweiche Haut ihres Körpers.
Diese Nacht berauschte unsere Sinne. Ich naschte die Erdbeeren aus der Mitte ihrer duftenden Feige und liess meine Zungenspitze sanft an ihren weichen Lippen kosten.
Der Morgen begann mit den sich langsam vortastenden Sonnenfingern die Zentimeter um Zentimeter das Zimmer, das Bett und unserer Körper eroberten !
Nicola, der Butler und Chauffeuer, servierte das Frühstück, das wir statt im Haus lieber auf einem weissen Tuch unter den mächtigen Dattelpalmen einnahmen.
Ihre Küsse schmeckten salzig, als wir uns verabschiedeten.
Ich fuhr beschwingt nach Hause.
Copyright Enzio Guratzsch 2005
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