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Feminismus für Männer 2
Nach langen wehenden Schritten, die unbeugsam sich den Weg bahnten, entkam die Fliege dem Glasbehälter und fragte den Wunderheiler, ob er Heilung für sie wisse. Und der Wunderheiler meinte, ihre Flügelschläge wären wieder fruchtbar, wenn sie einen Kopulationspartner fände, der ihr zeigen würde, wie die Fliege fliegt. Gesagt, getan, begab sich die Fliege auf den Weg und riss sich einen Fliegerich auf. Stürmisch ergaben sich die zwei Fleischfliegen in die gefährlichen Mächte der Fortpflanzungstragik.
Die heutige Zeit hat ja immerhin für uns den Vorteil, dass Mann und Frau sich einander hingeben können, ohne unbedingt dabei ein Kind als lästige Falle im Hintergrund auftauchen zu sehen. Die Mittel der Empfängnisverhütung konnten eine neue Sexualmoral kreieren, an die sich selbstverständlich neuerdings keiner mehr zu richten pflegt. Die alten Methoden wurden insgeheim ja nie verwundet. Es war schon eindeutig eruierbar, worum es den Geschlechtern ginge. Der Mann darauf bestrebt, den Höhepunkt ohne wenn und aber zugesprochen zu bekommen; die Frau das Verlangen des Mannes stillend ohne eigene Ansprüche. Wie ich solche Dinge behaupten könne, fragte mich ein dünnes Männchen, dessen Ärmchen nach mir ausschlugen. So sei es wohl nicht, dass der Mann bloß auf eigene Lustbefriedigung schielen würde, während die Frau ihre Lust nie erhalten könne, denn sie wäre fixiert auf die Lustbefriedigung des Partners; also bloß ein hilfreiches Mittel für die Lustbefriedigung des Mannes. Ich antwortete nicht, denn ich wollte mich nicht auf eine sinnlose Diskussion einlassen. Was wollte dieser Wicht bloß, der mich anwiderte? Hatte er nichts besseres zu tun, als dumme Sprüche daherzusagen im Glauben, dass ein Fünkchen Wahrheit darin enthalten sei? Damit kannst du keine Berge versetzen; höchstens verletzen, sprach das Männchen weiter.
Natürlich pauschaliert sich nichts, ehe ein scheinbarer Grund für ein Pauschalgesetz angegeben werden könnte. Und der Löffel war voll Weisheit, der sich mir in den Weg stellte, um mich zur Wahrheit zu animieren.
Also machte ich die Probe auf´s Exempel. Um nachzudenken, fuhr ich ein Stückchen mit dem Rad spazieren. Ich hatte nichts Besonderes vor, außer zu einer Lösung zu kommen. Und wie könnte die Lösung aussehen? Würde sie einfach sein? Ich wusste nicht recht, was tun... Ich trat bloß in die Pedale und bewegte mich vorwärts. Die Frauen werden vergewaltigt und missbraucht seit ewigen Zeiten; sie mögen sich unterordnen und mit ihren Problemchen alleine fertig werden. Und die wahren Frauen sind sowieso zur Seltenheit degeneriert. Weil was zeigt sich vor unserem Blick schon! Nichts, was nicht von vornherein eindeutig einzuordnen wäre. Und ich trat in die Pedale.
Ich langte an einer Stelle an, die von diesen kleinen und großen Wägelchen bevölkert war. Mitten im Hochsommer tummelten sich unweit auf einer Wiese Menschen, um zu grasen. Ich fuhr gemächlich weiter, ohne meinen Blick von der Frau abzuwenden, die sich unmittelbar vor einem roten Alfa Romeo auf einer Strohmatte auf dem Bauch liegend und bloß mit einem kleinen Stückchen Stoff, der als "String" in die Geschichte eingegangen ist, bekleidet war, dem süßen Sonnenbad hingab. Meine Gedanken waren momentan wie eingekeilt. Die Frau gab Signale ab. Ihre Po-Backen schienen Zeichen zu geben. Frauen sind so süß und können so dumm sein. Aber natürlich kann derartiges nicht verallgemeinert werden. Das wäre allzu leicht. Frauen können einem wahrhaftig die Augen wässrig machen. Ein Zauberer gab mir eine Schere, mit der ich dieses unnötige Schnürchen aufschnitt. Das Frauchen hatte etwas verspürt und schrie leise auf. Wie vom wilden Bären gebissen, sprang sie in die Höhe und sah mir direkt in die Augen. Frauen. Frauen. So schön, so dumm, so leicht zu verleiten.
"Was soll das?" Ich ging darauf nicht ein. Stürme brausten in mir auf, die sich ausleben wollten. "Willst du´s zurück, Fräulein?", bemerkte ich.
"Du hast es kaputt gemacht!", lispelte sie. "Ich werde es meinem Mann sagen!" Ach, ein Männchen hat sie also auch. "Laß´ uns ein bisschen spazieren gehen." Leicht nahm ich sie bei der Hand und führte sie weg von diesen schrecklichen Ungetümen, die sich Kraftfahrzeuge nennen. Ihre Hand zitterte leicht und ständig drehte sie sich nach hinten, ohne dabei meine Hand auszulassen. "Er könnte gleich kommen!", flüsterte sie. "Er ist stark und schlägt dich zu Brei. Er hat mir schon beide Arme gebrochen." Männer, Männer. Aber ich hatte nur Gefühle und Augen für sie. Ich führte sie zu einem kleinen Waldstück; da sah ich ihr an, dass es ihr schlecht ginge. "Was hast du?", fragte ich. Sie streichelte mein Gesicht, ohne etwas zu sagen. "Er hat mich vergewaltigt!" Ich tobte innerlich; ließ es mir jedoch nicht anmerken. So ist das also. "Aber er hat sich entschuldigt. Wir sind ja schon so lange zusammen und da ist das ganz normal. Die Kinder, die Wohnung... Ich kann mich nicht von ihm lösen; ich kann nicht alleine leben." "Du würdest mit deinen Kindern leben. Mach´ einen Schlussstrich."
"Ich weiß! Du findest mich unausstehlich, aber er wollte es. Er wollte, dass ich mich direkt neben dem Auto fast nackt in die pralle Sonne setze. Er wollte mich strafen." Immer, wenn Frauen mich verzaubern, muss ich an die Fliegen denken. "Warum strafen!" "Das Essen ist mir misslungen!"
Wir setzten uns ins Gras. "Und wenn er kommt!", sagte sie wieder. "Er kommt nicht. Er wird nie wieder kommen." Sie zitterte am ganzen Leib, als ich schließlich in sie eindrang. Leise stöhnte sie, als ob sie etwas zu verbergen hätte. Aber ihr Stöhnen wuchs und schließlich kreischte sie. Unsere Körper waren schweißbedeckt, als wir uns voneinander lösten. Die Sexualmoral, dachte ich wieder. Frauen, die wie Gebrauchsgegenstände jongliert werden. "Meine Kinder spielen im Gras", sagte sie. Wir gingen zurück, wo wir hergekommen waren und vor dem Alfa Romeo stand ein dickbäuchiger, unansehlicher Kerl, der uns entgegenlief, als ob er uns begrüßen wollte.
Ich hob meine nackte Freundin auf meine Schultern und ging weiter.
"Mistkerl", schrie er. "Was hast du getan?"
Bei der Strohmatte angelangt hob ich sie von meinen Schultern und kaum, dass der Kerl zu einer Prügelstrafe ansetzen konnte, kamen Kinder angelaufen. Nichts kann ich tun. Nichts. Bloß lieben.
Und solche Geschichten gibt es. Solche Gedanken keimen in den Gehirnzellen. Wenn das Mannesalter erreicht ist, ergibst du dich diesen Schritten. Und kannst nur hoffen, dass du keine Bruchlandung machst. Frauen sind nun einmal die Tragenden, Männer die Beschenkten. Wie ein Kreislauf rotiert es. Unaufhörlich dreht es sich weiter. Jetzt sind die Anschauungen verändert, denn in den Zeiten hatte sich noch nichts ereignet. Werden wir spielen miteinander in der Sandkiste? Werden wir einmal wissen, warum wir gelebt haben? Die Frau ist es, die dafür sorgt, dass die Menschheit nicht ausstirbt. Sie ist das tragende Gewicht im Menschheitsgang. Und sie ist es, die von jeher verkannt wird; sie ist es, die gibt und viel zu oft sich selbst verlustigt geht. Sie allein kann den Schmerz aus der Welt schaffen; sie allein ist die Stütze, auf der die Menschheit steht. Und doch ist sie es, die besonderes zu ertragen hat; die ausbaden muss, was die Eitelkeit und Selbstsucht des Mannes kennzeichnet. Da kann das dünne Männchen noch so sehr den Dialog mit mir suchen. Ich gebe nicht nach.
Die Lust der Frau zu beschreiben; mich ihrer Gefühle und Gedanken anzunähern wurde mir zu einer wichtigen Angelegenheit. So könnte die Lust der Frau aussehen, wenn sie zu ihrem Recht käme und sich so ausbreiten könnte in der Weite der Sexualität, ohne sich zurückzunehmen, um ihr Selbst auf den Mann zu übertragen.
Dünnes Männchen! Das ist es, was ich dir sagen wollte. Und die kleine Geschichte war vielleicht gerade richtig für dich, um verstehen zu können, was ich meine!
Copyright Jürgen Heimlich 2000
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