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Dunkle Erinnerungen
Früher schien er mir so strahlend, die Augen so klar und so blau. Doch wenn ich mich erinnere, an den ersten Eindruck, dann denke ich an diesen Mund, und der war tot. Dieses Skelett, dieses morbide, dieses Grausame, das verfolgt mich
heute, wo es vorbei ist und die Erinnerung an ihn ist wie Maden, die in meiner Seele wühlen. Damals war mein Herz weich und voller Glück, die Orte, an denen er mich küsste, heilig. Heute möchte ich mein Inneres, in dem er seinen Samen lies, voller Ekel aus mir reissen. Wie ein böser Fluch wühlt die Erinnerung an ihn in meiner Seele und qualvolle Träume lassen mich nicht schlafen und verfolgen mich in den Tag. Er hinterlässt in mir ein übles Gefühl und alles Schöne an ihn verblasst in dunklen Gedanken.
Die schöne Zeit mit ihm, sie kehrt sich um, ich betrachte sie mit einem anderen Blickwinkel und alles was ich schön fand, das wird nun böse. Wenn ich nun ein Bild von ihm malen könnte, es wäre voller Gewürm im Inneren, und herausragen würden nur die blauen Augen.
Diese Augen, die mich voller Hass in die Ferne schlugen.
Diese Augen, sie drangen in meine Seele ein, ich rief verzweifelt nach ihm in der Nacht.
Heute wecken mich die Träume, und ich bitte, dass er geht.
Unsere Liebe begann zaghaft und zart, leichte Berührungen, die sich näherten, dann wieder Flucht vor Nähe. Und dann das wilde Begehren, unerahnt, wollüstig und entrückt legte es sich über uns und nahm uns den Verstand. Damit begann der Rückzug, Angst vor dem dunklen Ich, Furcht vor dem Unbekannten was da in der Seele lebt und seinen Ausdruck dennoch ins Gesicht gewühlt hat.
Er nahm mich hart und sein Händegriff war wie Metall, er drückte meinen Leib nach unten und bestimmte mich. Er begriff mich nicht, er dachte nur an sich im Bett und wenn er gekommen war und die Ekstase des Orgasmus seinen Körper für Minuten in wilden Zuckungen schüttelte, dann schlief er ein. Ich kam nie. Er kam nur, wenn er es sich selber machte. Seine Lust auf Sex war gering. Er fiel über mich her, wenn ich es nicht erwartete, gerne beim Spaziergang im Wald an einen Baum. Ich hatte immer Lust auf ihn, das machte ihm Angst. Ich brachte ihn dazu mich ins Gesicht zu schlagen, das war mein Triumph.
Beim Sex waren wir ekstatisch, aber jeder nur für sich.
Wenn ich ihn berührte, dann berührte ich totes Fleisch.
Seine Worte dagegen trafen sich mit meinen im Äther. Unsere Gespräche verwoben unsere Seelen und trieben uns in den Himmel. Wenn wir redeten, dann veränderte sich mein Bewusstsein und meine Wahrnehmung beeinflusste das Aussen. Heute vermute ich böse arglistige Manipulation und gewollte Einbrüche in meine Seele, ich habe Angst, dass er dort eine Wanze eingepflanzt hat, die nicht mehr wegzukriegen ist und die sein böses Wesen in mich
implantiert hat. Er ist Anästhesist, das sind die Leute, die andere in die Welten schicken, wo sie nichts mehr spüren. So hat er die totale Kontrolle über den Schlafenden, er bestimmt sein Empfinden, er ist Herr und Meister über die
Wahrnehmung. Wenn er wollte, könnte er die Patienten so narkotisieren, dass sie sich nicht bewegen können, aber dennoch den vollen Schmerz empfinden.
Ist das nicht eine Macht.
Er hat mich sehr wahrgenommen, aber nur die Teile, die er wollte. Da er die anderen Bereiche nicht zum Schlafen bringen konnte, kam er mit mir nicht klar, und dafür, dass er keine Kontrolle über mich hatte, dafür hat er mich gehasst. Im Grunde ist er ein Frauenmörder, aber das würde er sich nicht eingestehen. So geht er nicht bis zum Äussersten, aber verlässt die Frauen auf erbärmlich feige Weise, was ja auch einem Mord gleichkommt. Damit bessert er sein eigenes schwaches Ego auf, und denkt aber trotzdem noch, er sei ein guter Mensch, ein Pazifist.
Er hat seine Ehefrau ständig betrogen und hat mir das auch stolz erzählt. Also habe ich ihn auch von Anfang an betrogen und habe dabei nichts gefunden. Er hat es immer geahnt, aber ich hatte das Gefühl, dass er das toll fand, in der Gewissheit zu leben, dass ich noch einen anderen habe. Er hat mich nie direkt gefragt, hätte er es getan, dann hätte ich es ihm gesagt. Manchmal hatte ich zwei, sogar drei, Liebhaber hintereinander und traf mich dann mit ihm. Es konnte sein, dass der Geruch des anderen noch an mir haftete, doch auch das schien ihn nicht zu stören. Im Gegenteil, das Benutzte an mir steigerte seine perverse Lust. So brauchte ich schliesslich meinen Liebhaber, um seine Lust auf mich zu steigern.
Am Anfang mimte er Grosszügigkeit wo keine war. Am Ende trank er von meinem Bier mit, lieh sich mein Auto ohne zu tanken und brachte erst dann einen Wein zum Essen mit, als ich ihn drum bat. Der war vom Spätkauf, war schlecht und kostete DM 4,99. Er war so geizig, er gab nicht mal seinen Samen.
Das Problem hatte er auch mit seiner Frau, aber die beiden Kinder sind offensichtlich von ihm, also muss es mal geklappt haben. Vielleicht ein Unfall.
Seinen Samen musste er sich selber holen, das war immer ein hartes Stück Arbeit und meistens musste er sich dabei über mich knien. Ich hatte dann immer den Blick auf seinen gewichsten Schwanz. Es dauerte immer ziemlich lange und
ich stöhnte laut, damit es ihm endlich kam.
Und heute habe ich Albträume, dass er mich betrügt. In meinen Träumen lerne ich die Andere kennen und erfahre die Wahrheit. Dann erinnere ich mich, dass er nie bei mir schlafen wollte und denke, vielleicht ist der Traum wahr und vielleicht wollte er deshalb nie. Und deshalb störte ihn auch mein einer, mein zweiter Liebhaber nicht.
Mein Traumbild von ihm stürzt wie ein Kartenhaus zusammen und ich glaube, in einer grossen Illusion gelebt zu haben. Ich frage mich, wann ist es möglich, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Ist es nicht alles nur
ein Schein, ein Konstrukt, wie wir die Welt sehen wollen und wenn ich wollte, dann könnte ich mir jetzt auch einbilden, dass er mich abgöttisch geliebt hat und könnte die Erzählung mit den gleichen Begebenheiten anders erzählen.
Aber das wäre eine Illusion.
Copyright Nana 2003
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