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Die Lust - Die Illusion der Oper
Ich bin wirklich kein Aufreißer-Typ, ganz bestimmt nicht. Schon als Sechzehnjähriger traute ich mich nie die Mädchen, die mir gefielen anzusprechen. Jedenfalls nicht ohne einen sinnvollen Grund. Und selbst dann ging die Sache eigentlich immer schief. Dementsprechende Situationen ließen mich damals jedes Mal in Selbstzweifel und erfolglosen Vergleichen mit anderen, erfolgreicheren Jungs zurück. Trotzdem werde ich heute, fast zwanzig Jahre älter und reifer, eine unbekannte Frau ansprechen. Einfach so, mitten auf der Straße. Dabei weiß ich außer ihrem Namen, ihrem Alter und der Tatsache, dass sie über ein gewisses Barvermögen verfügt, fast gar nichts über sie. Sie ist mir auch relativ egal, zumindest war sie es bis vor kurzem. Einzig der Auftrag, der mich zu ihr führt, interessiert mich.
Der Auftrag, allein der Begriff und das, wofür er in diesem ganz speziellen Fall steht, hat inzwischen eine ganz andere Bedeutung für mich.
Mein neues Leben begann vor fast einem Jahr. Steve, ein Freund den ich Jahre nicht mehr gesehen hatte, rief mich an und wir verabredeten uns für den folgenden Abend in einer Bar in der Innenstadt. Ich war damals nicht besonders scharf darauf mich zu amüsieren. Nun ja, amüsieren… Hätte mich jemand nach der Bedeutung dieses Wortes gefragt, hätte ich, um ehrlich zu sein, ein Problem gehabt. Elisabeth, meine langjährige Freundin hatte vier Wochen zuvor Schluss gemacht. Sie sagte, sie hätte sich in einen ihrer Arbeitskollegen im Büro verliebt. Und als ob dies noch nicht genug wäre, gestand sie mir, ganz nebenbei, dass die Sache zwischen den beiden schon seit ein paar Monaten lief. Sie verschonte mich zwar mit Details, erklärte aber, dass sie beschlossen hatte mit ihm ein neues Leben anzufangen. Schon am nächsten Tag holte sie all ihre Sachen ab. Mit neuer Frisur und einem Elan, wie ich ihn schon lange nicht mehr bei ihr erlebt hatte.
Ich war, gelinde gesagt, am Boden. Einen schlechteren Zeitpunkt für eine Kneipentour, konnte ich mir nicht vorstellen. Aber ich sagte mir, eigentlich konnte die Ablenkung nur guttun, also traf ich Steve an jenem Abend. Ich hatte Steve, der eigentlich Stefan hieß, seit mehr als drei Jahren nicht mehr gesehen. Und obwohl wir uns ursprünglich von der Uni kannten, drängte sich mir sofort das Bild des Getränkeladens in der Talstraße auf, in dem er damals neben dem Studium jobbte. Vor mir manifestierte sich, ohne dass ich es wollte, Stefans etwas zu füllige Gestalt im weißen Kittel hinter dem Tresen beim Einsammeln der Pfandflaschen. Nach dem Studium war er rüber in die Staaten gegangen und ich hatte mein geregeltes Dasein in einer Kanzlei in der Bockenheimer Landstraße im vierten Stock eines älteren, mehrstöckigen Mietshauses begonnen. War ich an der Uni anfangs beeindruckt von all den ausgeklügelten Gesetzestexten und den antiken Gerichtsgebäuden, nahm mir das Wälzen in den Akten inzwischen oft den Atem. Ich bildete mir manchmal sogar ein, eine Allergie gegen den Staub der Bücher entwickelt zu haben. Auf der anderen Seite des Atlantiks verwirklichte Steve inzwischen dagegen wahrscheinlich erst einmal seine Träume. Man munkelte, dass er mehrere Praktika hinter sich gebracht hatte und schließlich in Kalifornien gelandet war. Nun, ich war gespannt, was davon sich als wahr heraus stellen würde.
Steve, sah aus wie immer. Nur vielleicht ein bisschen besser. Er hatte stark abgenommen, schien sehr durchtrainiert und hatte seine langen blonden Haare, die er früher in einem Pferdeschwanz trug, gegen eine modisch geföhnte Kurzhaarfrisur eingetauscht. Überhaupt sah er aus wie aus einem Modejournal. Allerdings eher im Abenteurer-Camel-Stil.
„Philipp, lass dich ansehen“, begrüßte er mich ungestüm, packte etwas zu fest meine Hand und sah mich mit seinen strahlend blauen Augen an. Vielleicht täuschte ich mich, aber für einen kurzen Augenblick hatte ich den Eindruck, er taxiere mein Äußeres vom Scheitel bis zur Sohle. Ich lächelte, wie ich es meist tue wenn ich mich unsicher fühle. Wir bestellten Bier und Steve sprudelte sofort mit seinen Erlebnissen jenseits des großen Teiches heraus. Nach seiner scheinbar endlosen Praktikums-Rundreise hatte er in San Franzisco bei einem kleinen Rechtsanwalt gejobbt.
„Und jetzt arbeite ich wieder hier“, erzählte er mit einem schnellen Seitenblick und zog die Augenbrauen vielsagend hoch. „Für eine Firma, die Events arrangiert.“
„Als Rechtsberater?“
Er lachte gespielt. „Nein, um Gottes Willen. Nichts Langweiliges.“
Ich registrierte natürlich, dass er auf meine Tätigkeit in der Kanzlei anspielte, ließ mir aber nichts anmerken. Wir lachten noch über ein paar Anekdoten aus unserer gemeinsamen Zeit an der Uni, dann wurde er unerwartet ernst.
„Und du?“, wollte er wissen. „Wie läuft´s mit Lissi? Schon Kinder in Sicht?“
Ich hatte keine Lust mir die Blöße zu geben und zuckte nur mit den Schultern. „Nö, eigentlich nichts Neues. Du weißt ja wie das ist. Die Zeit vergeht …“ Etwas Schlaueres als dieses nichtssagende Gestammel fiel mir einfach nicht ein.
Steve sah mich prüfend von der Seite an und grinste dann. „Du meinst ihr macht immer noch das Gleiche wie immer. Arbeiten, Wochenende dann wieder arbeiten und zwischendurch ein bisschen Sex. Falls man das noch so nennen kann.“ Er sah mich halb mitleidig halb belustigt an. Dann setzte er noch ein desinteressiert klingendes „Klingt ja Super!“ nach.
Ja, natürlich wusste ich was er meinte. Immer die gleichen Stellungen, ohne Phantasie, die gleichen Bewegungen in wechselnder Bettwäsche. Aber selbst dafür hätte ich im Moment wahrscheinlich meine rechte Hand gegeben. Seit Lissi gegangen war, beschränkte sich der Begriff Erotik für mich auf verstaubte Porno-DVDs und feuchte Träume. Ich bestellte per Handzeichen zwei Whiskey und nickte resigniert.
Anscheinend sprach meine Mienenspiel Bände, denn Steve beugte sich vertraulich über den Tisch und ich sah einen Glanz in seinen Augen.
„Du glaubst mir wahrscheinlich kein Wort, aber seit ich diesen neuen Job habe schlafe ich mit den interessantesten und attraktivsten Frauen der Stadt. Ach, was sag ich, der ganzen Welt.“Seine Stimme war in ein vertrauliches Raunen übergegangen.
Ich schenkte ihm einen ungläubigen Blick. „Steve, das behauptest du seit ich dich kenne.“
„Nein, es stimmt!“, behauptete er hartnäckig. „Und ich bekomme Geld dafür. Viel Geld. Du glaubst nicht was reiche Frauen bereit sind zu zahlen, wenn du ihre verrückten Wünsche erfüllst.“
Schweigend ließen wir der Information Zeit, sich zu setzen.
Dann fand ich Worte für das, was mir durch den Kopf ging. „Du willst mir also sagen, du bist eine männliche Nutte. Sie buchen dich und du besorgst es ihnen nach Strich und Faden.“
Steve sah mich an, als hätte ich seine Mutter beleidigt. „Nein, natürlich nicht so. Wir verstehen uns als seriös und durchaus kreativ.“
Steve war immer schon dafür bekannt sich seine Welt schön zu reden. Ich sagte: “Also irre ich mich, wenn ich denke, dass du dich für Sexspielchen benutzen lässt?“
Er winkte ab. „Ach Phil, es ist anders, ganz anders.“
Jetzt war er es, der mit den Augen auf dem Tisch wandernd, die passenden Worte suchte. „Da steckt so viel Phantasie in ihnen. Richtige kleine Sphären. Und sie laden mich ein und lassen mich erleben, was sich in ihren hübschen Köpfen abspielt. Es ist irre.“
Obwohl ich Steve schon lange kenne, war ich nach diesen Worten doch recht verblüfft darüber, wie sehr sich sein bisher eher oberflächliches Bild von Frauen anscheinend geändert hatte.
Steve wirkte tatsächlich nachdenklich.
„OK“, begann er, “ ich erzähle dir mal was. Natürlich nur, damit du verstehst, was ich meine. Letzte Woche, ein Date in der City.“ Er nahm seinen Motoradschlüssel vom Tisch und rieb nervös den BMW-Anhänger zwischen seinen Fingern. „Nur mal als Beispiel dafür, wie kompliziert sie manchmal sind. Selma, eine Amerikanerin. Sie kommt regelmäßig nach Frankfurt und bucht öfters Mal bei uns einen Begleiter für einen Abend. Diesmal hatte ich das Vergnügen. Sie wünschte sich zuerst die Oper, Così fan tutte. Danach war geplant in ihr Hotel zu gehen und, na ja, mal sehen wie sich der Abend noch entwickeln würde. In der Oper saßen wir oben im ersten Rang, ganz rechts außen.“
Steve lachte. „Natürlich wurden vorher im Foyer ein paar Gläschen Schampus gekippt, so zum Kennenlernen und Auflockern. Sie hatte ein langes, glänzend rotes Kleid an. Vorne kurz bis über dem Knie und hinten lang bis auf den Boden. Ein tiefes Dekolleté, man konnte ohne Probleme die Ansätze ihrer festen Brüste sehen. Langes, schwarzes Haar und rotgeschminkte Lippen, wirklich wunderschön. Das parfümierte, glänzende Haar duftete verboten gut. Irgendwann ging´s dann los und der Vorhang zum ersten Akt lüftete sich. Es war stockdunkel, nur von der Bühne kam ein ganz schwacher Lichtschein bis zu uns hoch in den ersten Rang. Wie selbstverständlich legte sie mir ihre Hand in den Schoß, spielte mit meinen Fingern, steckte ihre schmale Hand in meinen Ärmel, rieb die Haut auf meinem Arm. Dann flüsterte sie mir Fragen zu, zur Handlung, ob ich denn überhaupt wüsste, worum es in den Stück geht. Ich hatte zwar keine Ahnung, improvisierte aber ein bisschen, ließ mich vom Bühnenaufbau inspirieren. Das muss ihr ziemlich gefallen haben, obwohl ich wirklich wirres Zeug geredet habe.“ Er schmunzelte. „Ich hab von einer historischen Frauen-WG gesprochen, von lesbischer Liebe und sowas. Sie ist ganz still geworden, lauschte auf mein Flüstern und wollte immer mehr hören. Ich dachte schon das war´s, mehr ist nicht drin, da nahm sie plötzlich meine Hand und schob sie langsam unter ihren bauschigen Rock, auf ihre warmen Schenkel. Ich wollte sie streicheln, vielleicht bisschen heiß machen, ihren Venushügel erkunden, da merkte ich, dass sie unter ihrem Kleid keinen Slip trug. Nur nackte, glatt rasierte Haut. Außerdem muss sie sich mit einem Öl eingerieben haben, so weich und glitschig wie sie dort war. Den ganzen ersten Akt ging das so.“
Steve machte eine bedeutungsschwangere Pause und sah nicht so aus, als wollte er weiterreden. Ahnte er, dass ich ihm das, was nun kam nicht so leicht glauben würde?
„Und?“, versuchte ich ihm auf die Sprünge zu helfen, „du hast sie dann im Hotel …“, doch er fiel mir ins Wort.
„Nein, verdammt. Das hatte ich auch erwartet. Ein sinnlicher Fick im Hotelbett und dann Abchillen an der Bar. “
Ich bemerkte, dass mich das Gespräch zunehmend packte. Eigentlich hatte ich nur einen ruhigen Abend mit Steve in einer Kneipe verbringen wollen. Ein bisschen erzählen, lachen, feiern – Ablenkung eben. Jetzt saß ich ihm gegenüber, spürte diese Enge in meiner Hose und wusste, dass ich ohne das Ende der Story sicher nicht gut würde einschlafen können. Ich konnte mir in die Situation förmlich hinein denken, so plastisch sah ich sie vor mir. Die Frau, das Gebäude der Alten Oper, die Bühne. Dazu ihre festen Brüste, ihre glänzenden, erwartungsvollen Augen und die weiche Haut ihrer Schenkel. Vor allem ihren Duft konnte ich mir gut vorstellen. Die Mischung aus teurem Parfum und der tierische Dunst ihrer körpereigenen Chemikalien, der sie umgab. Und all das in dieser barocken, überladenen Umgebung aus Plüsch und Samt. Ich musste einfach wissen, wie es weiter ging.
„Hey, jetzt mach es nicht so spannend“, versuchte ich es deshalb nochmal. Steve wurde gerade sein zweiter Whiskey gebracht und er nahm einen kräftigen Schluck. Die Eiswürfel klimperten.
„Na gut“, erklärte er dann und stellte das Glas ab. „In der folgenden Pause gingen wir wieder runter ins Foyer. Wir nahmen noch ein oder zwei Sekt, dann läutete es zum zweiten Akt.“ Steve schmunzelte vielsagend. „Selma sah mich die ganze Zeit über mit so einem Blick an, den ich als nur als `Unter Strom ´ interpretieren konnte. Ich wusste ja schon, dass ich neben der Konversation vor allem zum Ficken engagiert war, das ist eben der Job. Deshalb versuchte ich ihr andeutungsvolles Mienenspiel aufzugreifen und scannte mit meinen Augen gierig ihren Körper ab. Ihr Dekolleté, ihre langen Beine und ihren hübschen Hals, kurz gesagt, ich kam langsam in Fahrt. Ich flüsterte ihr geile Sachen ins Ohr, machte schmutzige Andeutungen.“
Falsch, schoss mir ein Gedanke blitzartig durch den Kopf. Sie wollte dass du cool bleibst, den Überblick behältst. Das Letzte was sie wollte war ein geiler Gockel, der sie in Gedanken erniedrigt. Damit hast du alles kaputt gemacht.
Steve erzählte unbeirrt weiter. „Na ja, wir mussten wieder nach Oben. Auf der Treppe legte ich meinen Arm um ihre Hüfte und presste sie leicht an mich, ich dachte, es gefällt ihr, immerhin waren ihre Signale ja eindeutig. Aber sie wandte sich ab.“
„Sie wollte nicht so weitermachen, fühlte sich unwohl, stimmt’s?“
Er nickte. „Ja, kann man vielleicht so sagen. Bisher lief alles super, ich hatte sogar das Gefühl, es dauert nicht mehr lange, und sie ist zu allem bereit. Aber den gesamten zweiten Akt saßen wir nebeneinander wie Fremde. Sie tat so, als kenne sie mich nicht.“
„Und der Abend war damit gelaufen?“, fragte ich mehr aus Höflichkeit als aus Interesse. Dass sich diese Frau nun nicht mehr vorstellen wollte mit Steve zu schlafen, schien mir plötzlich sonnenklar. Er war für sie so attraktiv geworden wie ein Wäscheständer.
„Na ja, fast. Wir verließen die Oper vorzeitig. Selma war scheinbar weder an der Musik noch an mir interessiert, ließ mich hinter ihr herlaufen wie ein Hündchen. Dann telefonierte sie dauernd mit ihrem winzigen, goldenen Handy und ich machte mir schon Gedanken darüber, was ich in der Agentur erzählen sollte. Dort hat man es nicht so gerne, wenn jemand ein Date mit einer Stammkundin versiebt.“
„Kann ich verstehen“, gab ich zu. „Immerhin steckt wahrscheinlich ziemlich viel Geld in der Sache.“
Obwohl diese Geschichte offensichtlich kein Happy-End für Steve hatte, registrierte ich in seinem Blick einen gewissen Triumpf.
Porno Royal ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeberin ist Tanja Steinlechner und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"
„Du hast mir aber noch nicht alles erzählt?“, hakte ich also nach und er lächelte geheimnisvoll.
„Nein. Ich wollte sie mit dem Mercedes im Hotel absetzen und eigentlich war ich froh, dass der Abend vorüber war, so verpatzt wie er war. Da holte sie eine CD aus ihrer Krokoledertasche und schob sie in den Player. Es war Heavy Metal der extremsten Form. Zwischen uns war schon seit bestimmt zwanzig Minuten kein Wort gefallen, aber jetzt wies sie mich mit ein paar Worten an durchs Bahnhofsviertel zu fahren. Sie kannte sich anscheinend aus und hatte eine bestimmte Stelle im Kopf, dirigierte mich herum. An einer Ecke musste ich halten und den Wagen parken. Ich fragte sie, was sie vorhatte, aber sie meinte nur, dass sie noch etwas mit mir trinken wollte und wir betraten eins der unscheinbaren Häuser. Es war ein Bordell, das sah man auf den ersten Blick. Phil, was für ein Gegenprogramm. Ich dachte nur - wie kann das sein, erst die Oper, mit Klassik und Chic. Dann dieser Schuppen.“
Ich schüttelte innerlich mit dem Kopf. So, wie er mich ansah, wunderte er sich offensichtlich jetzt noch, doch für mich war eigentlich alles klar. Seine Lady wollte den missglückten Abend retten, wenigstens eine kleine Gegenleistung haben für ihr Geld. Es war Zeit Steve etwas zu erklären, auch wenn er mich wahrscheinlich nicht verstand.
„Sag bloß, du hast darüber nachgedacht und immer noch nicht gemerkt, was sie dort vorhatte?“, fragte ich und sah ihn ungläubig an. „Weißt du wenigstens, was in der Oper schief gelaufen ist?“
Er schürzte die Lippen und zuckte mit den Schultern. Dann zog er ratlos die Brauen zusammen und schüttelte den Kopf. „Mal ehrlich, kein Mensch weiß, was in solchen Frauen vorgeht. Auch du nicht. Welchen Grund kann es geben, mich in diesen Puff zu schleppen?“
Ich überlegte kurz ob es Sinn hatte ihm auf die Sprünge zu helfen, dann versuchte ich es aber doch. „Solche Frauen, wie du sie nennst, haben ein ganz bestimmtes Programm im Kopf. Einen Rahmen, der auf sie persönlich zugeschnitten ist, auf ihre Lust. Und in diesem Fall war es doch ganz einfach. Sie wollte die Oper, was glaubst du wohl warum?“ Ich sah ihn an und wartete dass der Groschen fiel, doch er machte nur weiter dieses furchtbar dumme Gesicht. Es war unglaublich.
„Das bedeutet natürlich Gefühle und Liebe“, klärte ich ihn auf. „Die Symbolik war doch nicht zu übersehen. Das Letzte, was sie sich wünschte war einfach genommen zu werden, im Gegenteil, sie wollte mit Worten umschmeichelt und letztendlich erobert werden. Keine einfache Nummer. Deine Rolle war der starke Mann, der sie liebte und umwarb. Auch wenn du eigentlich dafür bezahlt wurdest. Es war eine Illusion, die sie wollte, mehr nicht. Und dass sie dich letztendlich dorthin brachte, wo ihr dann gelandet seid, ist doch auch leicht zu verstehen. Es ist genau der Ort, an dem sie sich einen Abend mit dir noch vorstellen konnte. Wahrscheinlich Sex ohne große Worte oder Gefühle. Der Plan B sozusagen. Ich bin gespannt, was sie dort mit dir angestellt hat.“
Steve gab sich ganz verschnupft. „Ja, schon klar. So oder so ähnlich hab ich mir das später auch zusammengereimt.“
Ich erwiderte nichts, war mir aber sicher, dass er vor heute Abend noch nicht darüber nachgedacht hatte. Und für einen Augenblick sah es tatsächlich so aus, als grüble er mit verlorenem Blick, was er falsch gemacht haben könnte. Dann lächelte er aber doch. „Sie war aber noch durchtriebener, als du es dir vorstellen kannst. Es sah so aus, als ob sie den Besitzer des Etablissements kannte, wir bekamen ein wirklich großes und hübsches Zimmer. Es war sehr warm und ich freute mich schon. Aber als wir es betraten, saß auf dem riesengroßen Bett in der Mitte ein Fremder. Er saß dort einfach wie abgestellt auf der Bettkante.“ Steve breitete die Arme anschaulich aus. „Ein Hüne von einem Mann. Er war kahlköpfig und hatte nichts Besonderes an sich, trug Jeans und ein Shirt, passte gar nicht ins Ambiente. Ich versuchte ihm die Hand zu geben aber er ignorierte mich, behandelte mich wie Luft. Er hatte nur Augen für Selma. Sie kannten sich anscheinend, verstanden sich auch ohne Worte. Der Riese war unglaublich. Insgeheim nenne ich ihn den Coach, denn ganz ohne weitere Erklärung wies er mich gleich barsch an mich auszuziehen, splitternackt. Selma sah mir genüsslich zu. Dann zog auch sie ihr rotes Kleid aus. Sie trug einen roten Spitzen-BH und, wie schon erwähnt, keinen Slip. So standen wir uns gegenüber, fremd und nackt. Dann, als ich schon anfangen wollte sie zu streicheln, bellte der Fremde einen scharfen Befehl, ich fuhr vor Schreck regelrecht zusammen.
`Los, wichs deinen Schwanz hart ´, oder sowas.
Ich sah noch, wie Selma kurz schmunzelte, dann versuchte ich es. Er war schwierig, mit diesem Tier im Hintergrund. Aber sie hat wirklich schöne Brüste und der Anblick ihres rasierten, ölig glänzenden Schlitzes löste das Problem. Ich stellte mir vor, wie sie für mich die Beine öffnete, ganz langsam, mit geilem Blick. Ein Blick der sagte: `Los, besorg´s mir endlich´ Dann, als ich schon fast so weit war und ich sie in meiner Phantasie schon kräftig durchfickte, passierte es. Dieser Klotz von einem klobigen Kerl war plötzlich an meiner Seite, nahm mir wie selbstverständlich meinen Schwanz aus der Hand und wichste mich. Er machte das ganz konzentriert, immer fester und gleichzeitig fast zärtlich. Wow, es war unglaublich, er konnte das besser als jede Frau. Ich sah wie gebannt nach Unten, darauf, wie gekonnt er mich scharf machte und wusste doch, dass die Bilder, die ich sah, in meinem Hirn nicht zusammen passten. Also schloss ich die Augen und gab mich völlig dieser irren Wichsmaschine hin und mein Schwanz wurde härter und härter.“
Ich muss zugeben, dass mich Steves Geschichte packte. Die Sache mit der Oper war nichts Aufregendes aber seit er mich praktisch mitgenommen hatte in dieses surreale Bordellzimmer wurde es in meiner Hose immer enger und mein Mund immer trockener. Und ich musste zugeben, dass er ein guter Erzähler war. Auch wenn er, was die Wünsche seiner Kundinnen betrifft, nicht ganz den perfekten Riecher hatte.
Steve sah mich kurz forschend an und grinste dann. „Das macht dich an, stimmt’s? Die ganze Story schärft dich.“
Eine Stimme in mir sagte nein, du spinnst wohl. Aber ich nickte nur. Fasste mir sogar an den Schritt und rutschte auf meinem Stuhl unruhig in eine bequemere Position während Steve mich immer belustigter ansah.
„Hey, du wirst ja richtig geil.“
Tja, ich musste zugeben, dass er verdammt Recht hatte. In meinem Kopf baute ich mir tatsächlich schon das nächste Kapitel in Steves Geschichte zusammen. „Sie hat es dir nicht leicht gemacht, hab ich Recht?“, sagte ich schnell, „ wollte es maßgeschneidert.“
Steve nippte kurz an seinem Glas und genoss immer noch sichtlich mein Interesse. „Na ja, sagen wir´s mal so: mir kam das so vor, als brauchte sie einen Kerl, den sie benutzen konnte. Der Typ, dieser grobkantige Kerl, zog mich an meinem Harten bis zu ihr und rieb mein bestes Stück am Bauch der Kleinen, ganz sanft. Über ihre Arme, die Hände entlang. Es war komisch seine kräftige Hand zu sehen, den männlich kräftigen Druck an meiner empfindlichsten Stelle zu spüren. Aber es machte mich scharf wie sonst was. Und dass auch sie langsam in Fahrt kam, sah ich an ihrem Gesicht, an ihren flatternden Lidern und sie stöhnte leise, pffff.“
Steve blies einen die Luft zischend durch seine Lippen.
„Ihre langen Beine öffneten sich wie als Zeichen und auch der Hüne hatte es wohl bemerkt. Sofort kam brummend das nächste Kommando. Anfassen. Das klang nicht irgendwie nett oder auch nur neutral, nee, richtig unfreundlich und bissig. Dabei sah er mich scharf und drohend von der Seite an. Ich wollte ihr gerade zwischen die Beine greifen, die kleinen rosa Lippen berühren, als sie sich aufs Bett setzte. Ich hab wohl zu lange gewartet. Also packte mich der Typ an den Schultern. Ohne eine Minute zu verlieren stieß er mich hart vor sich her. Los, du Sau. Jetzt mach schon.
Ich dachte ich spinne. Fing an zu schwitzen. Also in diesem Augenblick kamen mir Zweifel, ob ich den Job noch hinkriegen würde. Dann verlangte er noch, dass ich mich auf den flauschigen Teppich vor sie kniete. Sie lag inzwischen schon breitbeinig vor mir und hatte einen Finger an ihrer Muschi. Es war unglaublich, wie schnell sie sich rieb.
Los, lecken, kam es dann wieder bissig von der Seite.“ Steve schnaubt kurz auf, seine Erinnerung war wohl sehr plastisch. „Der Typ war wirklich schräg drauf, sowas erlebt man nicht oft. Aber den Job hinschmeißen ist wirklich der letzte Ausweg. Ich ging also auf die Knie, schob meine Zunge zwischen ihre Finger und die weiche Haut und lutschte sie so gut ich konnte. Der Kerl stellte sich direkt neben mich und beobachtete alles genau. Wie ein verdammter Wachhund! Dabei sah es ganz so aus, als ob er nichts empfand, sein Gesichtsausdruck blieb völlig unbeteiligt, wie ein Tier. Dass es hier nur um Selma ging war mir schon klar. Deshalb wunderte ich mich fast schon, als sie sich plötzlich aufsetzte, mir bedeutete mich hinzustellen und anfing meinen Schwanz hart zu lutschen. Der Koloss ging neben uns in die Knie und kam mit seinem Gesicht ganz nahe, fast als wollte er überprüfen, wie gut sie das konnte. Und sie konnte es tatsächlich. Ich sag dir, und wie sie das konnte. Zuerst kam die Zunge. Sie lutschte, saugte vorsichtig, fast ängstlich und scheu. Wie ein Mädchen, das sowas zum ersten Mal macht. Ich dachte schon die hat noch nie einen Schwanz gehabt. Dann, ohne Vorwarnung, umschloss sie mein Ding mit dem ganzen Mund und saugte sich an mir fest. Ihr Kopf schob sich dabei wichsend vor und zurück, wie eine verdammte Pumpe. Es explodierte fast in meinem Hirn und ich bekam Angst davor, den point of no retrun nicht rechtzeitig zu bemerken.“
Na ja, dachte ich und empfand für einen Augenblick ein bisschen Anerkennung für Steve. Immerhin wusste er noch was er zu tun hatte und was nicht. „Die Kleine wollte noch ficken, hab ich Recht?“, fragte ich.
Steve grinste. „Natürlich, es ging um ihren Spaß, nicht um mich. Aber du kannst mir glauben, es fiel echt schwer sich zurück zu halten, bei diesem Lutschmund. Ich musste ja noch Reserven für den eigentlichen Akt haben. Aber kaum, dass sich dieser Gedanke in meinem Kopf realisierte, da hatte mich der Riese auch am Bauch und schob mich hart von ihr weg. Mit einem saftigen Geräusch flutschte mein Schwanz aus ihrem rotgeschminkten Mund. Selma leckte sich noch einmal über die Lippen, genoss wahrscheinlich schon die ersten Tropfen. Dann sah sie mich an und schüttelte lächelnd den Kopf. Ich sollte nicht kommen, hieß das wohl. Na gut, sie hatte ja auch bezahlt, also war das nur Recht und billig. Sie wand sich auf dem Bett, räkelte sich und rieb sich wieder. Mit endlos gespreizten Beinen, man konnte alles sehen. Ein schönes Bild, eine Hübsche, die sich in Stimmung bringt. Mir blieb aber nicht lange Zeit darüber nachzudenken; mein kräftiger Coach ließ keine Zweifel.
Er deutete zur Wand, neben das Bett. Los, da rüber.
Leck mich auf ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeber ist Martin Jankowski und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"
Langsam ging der mir wirklich auf die Nerven. Aber ich tat, was er verlangte. So, wie sie da lag war sie wunderschön. Die schwarzen Haare ausgebreitet und die langen Beine weit gespreizt. Ein Traum. Ich hätte sie am liebsten sofort gefickt. Hätte es auch fast getan, aber er stoppte mich in letzter Minute.
Vergiss Hündchen, gab er mir zu verstehen, fast als hätte er meine Gedanken erraten. Setz dich, los. Er wies auf einen Sessel mit den gepolsterten Armlehnen, der neben dem Bett stand. So ein weiches, riesiges Ding mit rotem Bezug. Kaum hatte ich mich gesetzt, da kam noch ein knappes Da, nimm und er warf mir ein Päckchen Gummis zu. Verdammt, ich wusste echt nicht, was das sollte. Selma rieb sich weiter, hatte mich auf dem Sessel und den Riesen anscheinend völlig vergessen. Da brauchte ich doch wohl keine Gummis. Ich sah von ihm zu ihr, wartete auf ein Zeichen. Dann aber rollte sie sich doch langsam vom Bett und kam zu mir rüber. Mein Schwanz hatte ziemlich an Härte eingebüßt, lag schlaff auf meinem Oberschenkel. Ein Blick des Bullen reichte aber und ich verstand ihn auch ohne Worte. Ich wichste also wieder, beeilte mich sogar und Selmas Anblick machte es mir zugegebenermaßen nicht schwer. Sie stand wie eine Fee vor mir, bewegte sich summend zu einer Musik, die wohl nur sie hören konnte. Ja, ich musste sogar zurück an die Oper denken und wie sich ihr Schlitz angefühlt hatte, da oben auf den Rängen.“
Sicher, ging es mir durch den Kopf. Wahrscheinlich war das den ganzen Abend ihr eigentlicher Traum: einen Orgasmus mit den unvergleichlichen Klängen von Mozarts Oper. „Ich bin gespannt, wie sie das noch hingekriegt hat“, entfuhr es mir und mir wurde sofort bewusst, dass Steve nichts davon verstand. „Ich meine, ihr habt doch noch miteinander …“, setzte ich nach, und Steves Mund verzog sich zu einem Lächeln.
„Tja, irgendwie schon.“
„Irgendwie?“ Ich platzte fast vor Neugier.
„Sie hat sich wieder aufs Bett gekniet, quer von einer Seite zur anderen. Ihr Hintern war einladend rausgestreckt, die Beine gespreizt. Ich musste mich nur noch hinter sie stellen und ihn reinstecken. Und als ich sie so ficke und sie immer lauter stöhnt, steht plötzlich der andere vor ihr. Direkt vor ihrem Gesicht. Und aus seiner Jeans steht ein Riesending von ihm ab.“
„Der Hüne?“
„Ja sicher. Und du glaubst nicht wie schnell sie ihn im Mund hatte, als ob sie nur darauf gewartet hätte. Mich von Hinten und seinen Steifen mit den Lippen. Ich konnte sie schmatzen hören. Und jedes Mal, wenn der Riese in ihren Mund stieß, spürte ich den mächtigen Stoß wie eine Welle durch ihren Körper. Irgendwie fickte ich sie dadurch alle beide. Er hat sie beschimpft, sie Nutte genannt, unersättlich. Dabei konnte er es aber nicht lassen ihre Haare zu streicheln und starrte auf den Punkt, an dem mein Schwanz in ihr steckte. Sein Blick wurde richtig weich, er brummte wie ein Bär. Ok, das macht ihn an, dachte ich mir. Also rammte ich sie richtig hart, so dass auch er mich spüren konnte.
Unser Rhythmus war anscheinend ziemlich synchron, jedenfalls kamen wir fast gleichzeitig. Als sie sich umdrehte und aufs Bett fallen ließ, lief ein Schleier Sperma über ihr Gesicht.“
Es wurde still zwischen uns. Noch völlig weg von der Erinnerung sah mich Steve an. „Und das war´s dann. Ende.“
„Toller Job“, gab ich zu und musste, ohne es zu wollen, kurz an mein verstaubtes Büro denken. „Bis auf den Coach vielleicht.“ Wir lachten.
„Na ja, das war ihr Mann.“ Steve sagte das mit einem Lächeln auf den Lippen. „Ja, wir haben danach noch was getrunken und er hat mir erzählt, dass er es geil findet sie so zu sehen.“
Ich hatte Stefan von früher eigentlich eher als phantasielos und einfach gestrickt in Erinnerung. Für einfach gestrickt hielt ich ihn immer noch. Aber dass er diesen Job an Land gezogen hatte, dafür gebührte ihm wirklich Achtung.
„Wie oft bist du denn so im Einsatz?“, fragte ich. „Ich meine, doch bestimmt nicht jede Woche oder so?“
Er zuckte mit den Schultern. „Kommt ganz darauf an. Es gibt keine festen Termine. Wenn´s bei den Ladies kribbelt, ist es eben wieder soweit.“
„Und dann bekommst du einen Anruf.“
Er nickte. „Die haben alle ihre Eigenarten, jede für sich. Das gilt auch für die Abstände, die sie sich gönnen.“ Steve kippte noch den letzten Schluck Whiskey runter, dann sah er mich an, als ginge ihm ein Licht auf. Die Mundwinkel bewegten sich nach Oben. „Du hast doch nicht Interesse, oder was?“
Ja, ich hätte tatsächlich nicht sagen können, was in den letzten Jahren mein Interesse mehr geweckt hätte. Aber das musste ich Steve ja nicht unbedingt aufs Auge drücken. Ich hob also die Augenbrauen und machte ein nachdenkliches Gesicht. „Ich weiß nicht. Im Moment habe ich ziemlich viel um die Ohren in der Kanzlei.“
„Ach Quatsch, ab und zu ein Date wirst du doch wohl verkraften können. Pass auf.“ Er nahm einen Bierdeckel und schrieb eine Handynummer darauf. „Das ist die Agentur. Ruf mal dort an, rede mit ihnen.“
Dieser Abend mit Steve ist jetzt knapp ein Jahr her.
Wie sehr sich seit dem mein Leben ändern würde, hatte ich damals noch nicht geahnt.
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3 Kommentare
24.09.2011
18:11
Resch
Autorin schafft immer wieder knisternde erotische Spannung. Sehr weibliche Erotik.
18.09.2011
15:57
r.fellini
Tolle Geschichte!
18.09.2011
00:45
Sehr interessant die Geschichte!
Aber da fehlt auf jeden Fall eine Fortsetzung!
Leser heute: 4 - gesamt: 10998.




