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Die Geliebte des Teufels
Erotisches Märchen, frei nach den Brüdern Grimm
Ich weiß nicht, warum er gerade mich an diesem Tage auserwählte? Waren es meine zarten 22 Jahre, die zaghafte Sinnlichkeit meines Wesens oder die Scheue eines jungen Rehs, die meine bernsteinfarbenen Augen mit Sehnsucht füllte. Die Schüchternheit war wie eine Macht, die jede offene Tür vor meinen Augen wieder ins Schloss fallen ließ. Ich konnte sie nicht abstreifen, sie schmerzte im Fleische wie ein Parasit, der sich vom Blute seines Opfers nährt und während ich unter der Angst immer schwächer wurde, tickte sie wie eine gefährliche Zeitbombe weiter, drang in jede Faser meines Körpers vor und schnürte mir derweilen fast den Atem ab. So quälte ich mich mit dieser Last - bis zu dem Tag, der mein Leben vollkommen veränderte, zum Zeitpunkt, als ich mich in Asrael verliebte.
Er hatte die dunkelsten Augen, in die ich je blickte: Schwarz wie die Nacht, von leicht mandeläugiger Form beschaffen und mit einer diabolischen Lust getränkt – auf mich anziehend wirkend wie ein Magnet. Das erste Mal wurde ich von diesen Augen gefangen, als ich versuchte in der Ruhe des Waldes vor meinem tiefsten Problem zu flüchten – der unerklärlichen Angst in mir! Ich erinnere mich noch: Selbst der Duft der Tanne vermochte mich nicht zu beruhigen, meine Atemzüge waren dabei zu hektisch, von meinen unruhigen Gedanken getrieben. Unweigerlich hätte ich vor Schreck erstarren müssen, wie Wasser, wenn es zu Eis gefriert, als er seine Hand von hinten zart auf meine Schulter legte. Doch ich spürte in mir nichts Eisiges, kein Verlangen nach Flucht - lediglich ein warmes beruhigendes Gefühl. Aus Angst wurde Ruhe. Geborgenheit.
„Fürchte dich nicht, meine Schönste“, hauchten seine schmalen wohlgeformten Lippen derweilen, während er mich beschützend für einen kurzen Moment an sich zog. Obwohl seine Berührung unglaublich sanft war, durchfuhr die Kraft, die von ihm ausging für eine Sekunde wie ein einschlagender Blitz meinen Körper. Auch ohne Worte ließ er mich spüren: Er war der Teufel! Satan, Beelzebub, Deibel, Diabolus, Luzifer – mit welchen Worten man ihn auch bezeichnen wollte! Wie die in den Himmel ragenden Fichten erhob sich seine schlanke hochgewachsene in eine machtvolle Aura gekleidete Silhouette vor mir. Sein Innerstes strahlte betörend, in einem Wechselspiel der Vollkommenheit aus reifer Männlichkeit und ewiger Jugend. Alterslos, unsterblich! Augenblicklich verlor ich jegliches Bewusstsein.
Als ich meine sachten Bernsteinaugen wieder aufschlug, blickte ich auf die purpurfarbene Bettdecke, die darunter meine nackten Kurven bedeckte. Ich schlug die Decke auf und ließ mein Augenspiel über meinen vollen wohlgeformten Busen bis hinab zu der blassen ebenen Haut meiner Scham wandern. Meine schlanken Finger strichen gezwungen vom Schmerz, der mir bis in die Schläfen pochte, über meine hohe Stirn. Ich stand auf, öffnete die Tür des massiven Holzschrankes, die quietschend vor mir zurückwich und mir einen Blick auf ein Meer von Traumkleidern gewährte.
Augenblicklich griffen meine Hände nach einem weißen seidenen Kleid, welches beim Anziehen sich exakt an die Form meines Busens prasste, meine schlanke Taille umschlug und von dort in Glockenform wallte. Bei einem zweiten musternden Blick bemerkte ich mit euphorischer Entzückung, dass ich voller Schönheit in den Spiegel strahlte. Mein tizianbraunes Haar glänzte wie mit Seide umhüllt, der Blick meines braungrünen Augenspiels funkelte in den schönsten Farbnuancen und wurde von perfekten langen Wimpern ummantelt. Ebenso schimmerte meine Haut in einem verführerischen ebenmäßigen Ton wie Schnee und umgab meine Silhouette mit einer neuen unwiderstehlichen Aura. Fasziniert fuhr mein Zeigefinger über meine voller Sinnlichkeit gezeichneten Schmolllippen, dessen exzellente Form mit knisternd rotem Satin-Glanz einen Kussmund auf den Spiegel hauchte. Ich könnte noch so viele Details erwähnen, die mir in der Hölle Vollkommenheit schenkten - wie das kristallene Glitzern meiner perfekt geformten langen Fingernägel.
Meine sündhaft schönen Lippen formten die Gedanken zu Fragen: „Wenn er der Teufel war, so war das hier die Hölle? Hätte mich dieses Ambiente nicht bedrückend düster und voller Hässlichkeit empfangen müssen? Was war das für ein Ort, der mich verwandelte, indem er meine Schönheit vollendete?“ Und zu guter Letzt: „War ich jetzt tot?“
„Nein, du bist nicht tot“, lachte er zärtlich, während sein Körper sich dabei elegant an den Türpfosten schmiegte. Unwillkürlich spürte ich seine Energie, die bei seiner Anwesenheit, wie eine leicht entzündliche Flamme in meinem Inneren zu lodern begann. Seine schwarzen ebenholzgleichen Augen lächelten zu mir und schienen mich in einen gefährlichen Bann zu ziehen. Jetzt stand er mir gegenüber, unsere Blicke verschmolzen in einem Spiel der Leidenschaft. Asraels sinnliche Hände wanderten zart über mein Gesicht und seine spitzen Fingernägel kamen mir gefährlich nah, doch verließen meinen hellen Teint mit einem zarten Kratzen unversehrt. Asraels Lippen näherten sich meinem Mund und küssten ihn sanft, während ein knisterndes Feuer auf meinen Lippen brannte, was ich mit dem Atemzug in mich sog. Asrael hauchte mir höllische Leidenschaft ein. Zart und doch fordernd umfasste seine Hand meine, als er mich durch sein Lustschloss führte.
Die Hölle war ein schmuckvoller Palast, mit hohen Stuckdecken, mächtigen Gängen, verzierten Fenstern. All meine Vorstellungen vom Fegerfeuer, von beängstigender Dunkelheit, existierten nicht. Doch dann wurde mein Blick von einem schrecklichen Bild gefangen. „Ängstige dich nicht, meine Prinzessin“, wisperte Asrael, während er die hinter einer Glasscheibe blutrünstigen Kreaturen mit einer Handbewegung und einem Blitz, der dabei aus seiner Handfläche drang, in die Schranken wies. Sie hörten für einen Augenblick auf, sich in diesem Meer voller abgrundtiefer Hässlichkeit weitere Wunden zu zufügen.
„Ist das die Hölle?“, fragte meine zitternde schwache Stimme.
„Es gibt keine Hölle“, lächelte Asrael breit und diabolisch.
„Aber sie …“, brachte ich es gerade nur noch über meine Lippen.
„Die Hölle ist das Gefängnis abgrundtief schlechter minderbemittelter Existenzen, dessen tote Seelen sich gegenseitig Leid und Qual zufügen, Mirja. Die Seelen schaffen sich die Hölle. Der Inbegriff der Hölle ist eine Ironie.“
Die Stille füllte für einen Moment den Raum.
Ich schluckte für einen Augenblick. „Warum sind sie so hässlich?“, fragte ich erneut vom Schreck völlig gelähmt.
„Die äußerliche Hülle wird abgelegt und das Aussehen vom Inneren bestimmt“, entgegnete Asrael weise.
„Aber was ist mit mir?“, fragte ich verwirrt.
„Das gilt auch für dich, Mirja. Deine Seele ist wunderschön – voller Reinheit, das ist der Grund, warum ich dich haben wollte. Ich sehnte mich nach einem makellosen reinen Wesen. Tag für Tag allein zu sein, nur von minderwertigen Existenzen umgeben, wurde für mich unerträglich. Ich spürte Verlangen nach einer reinen erfüllten Seele, nach dem Gespräch, nach Zärtlichkeit. Dann sah ich dich und folgte dir – du bist mir ebenbürtig, ein Gegenstück, nachdem es mir begehrt“, sagte er gedankenversunken mit einem Blick aus seinen schwarzen leidenschaftlichen Augen. Für eine Weile dachte ich, inmitten seiner Augäpfel würden Feuerflammen tanzen. Plötzlich schien es erleichternd, zu erfahren, dass nicht meine Bosheit mich an diesen Ort geführt hatte.
Ich versuchte ihm zu glauben, dass er als Teufel nicht böse sei, was sicherlich paradox erschien. Mein ihm in seiner Raffinesse und Intelligenz unterlegener Geist versuchte Asrael zu vertrauen, dem Teufel selbst! Der dunkle Lord war zu dieser Aufgabe verdammt – ein Seelenhüter, den die Einsamkeit grämte.
„Ich bin nicht böse“, sagte seine Stimme, während die in seinem schmalen Gesicht tiefschwarzen Augen mit Traurigkeit getränkt mein Herz erweichten. Der Teufel war die Schlange im Garten Eden, er war der Verfasser der Lüge, die Ursache des Bösen. Wie konnte ich einem Sinnesbetörer und Schelm, wie ihm so naiv und blauäugig vertrauen? Doch da war dieses tiefe Gefühl in mir von Geborgenheit, von Nähe, das gleiche wie zuvor im Wald. Zwischen all der berauschenden Leidenschaft, der sexuellen Macht und dem emotionalen Rausch ließ mein Feingefühl mich etwas spüren. Es war der Zustand, den man wahre aufrichtige Liebe nennt. Liebe schien selbst dem Teufel vergönnt zu sein.
Vor dem gläsernen Seelengefängnis verfiel ich ihm ein erstes Mal. Ohne eine Handbewegung vermochte seine magische Kraft die Vorhänge zu schließen, damit ich den Seelenmutanten während meiner Hingabe nicht in ihre gequälten blutroten Augen blicken musste.
Stattdessen ließ Asrael ein Himmelbett aus dem Boden wachsen, auf dem mein Körper erfüllt von Lust und innerlicher Hitze niedersank. Um uns herum entzündeten sich tausende von Kerzen für einen sinnlichen unvergesslichen Moment. Unsere Küsse verschmolzen im Augenblick, wie Metall, das über einer Flamme ineinanderfließt. Zart wie von Zauberhand löste er das weiße Kleid von meinen Kurven. Ich rekelte meine schöne weibliche Silhouette auf der flammroten feuergefährlichen Seide. Mein Körper schien wie besessen von ihm sowie von der hitzigen wollüstigen Wallung, die allein seine Anwesenheit in mir hervorrief. Asraels Hände fassten in mein ausgebreitetes Haar und formten es neben mir wie einen fließenden Stoff in lange unerschöpfliche Wellen.
Wir liebten uns jede Nacht. Solche Art von Leidenschaft war mir im Leben auf Erden nicht vergönnt. Unter seinem Körper wand ich mich dem völligen Lusthunger verfallen. Er füllte mich aus bis in mein Innerstes. Tief in jede Faser meines Körpers drang sein inbrünstiges Feuer, wenn er so innig mit mir verbunden war. Ich wand meinen Körper auf wundervollen Himmelbetten, am Meer, wenn der Sand an meinem Busen haftete und wenn das warme Wasser meinen Körper beim Orgasmus umspülte. Nicht nur meine äußere Schönheit fand in der Hölle Vollendung, auch die Intensität meiner Höhepunkte schien von Tag zu Tag bis ins Unermessliche zu wachsen. Das machte alles einfach vollkommen.
Eine elegante Handbewegung von Asrael reichte und es wurde eine völlig neue Illusion geschaffen. „Was wünscht du dir? Von mir kannst du alles haben?“, sagten seine verführerischen Lippen, als das ozeanblaue Meer meine Zehen wie warmes Badewannenwasser umspülte. Auf meinen wollüstigen Schmolllippen zeichnete sich ein erfülltes Lächeln. Ich hielt seine Hand und blickte gefühlvoll in seine glitzernden schwarzen Feuerbälle, strich durch sein schwarzes grau meliertes Haar und versank in seinem atemerregenden Kuss, während 1000 Schmetterlinge mein Herz zum Fliegen brachten. Die Wellen stiegen plötzlich an und unsere liebestollen Körper versanken in einem Meer, aus prickelnder Lust, knisternder Leidenschaft gepaart mit Emotion. Die nächste Welle ließ unsere nackten Körper aufsteigen, während er mich eng an sich zog und ich sein Herz in kraftvollen starken Schlägen pochen hörte. Ich wollte, dass dieses ewig so bleibt.
Dennoch kam der Tag, an dem ich mich entscheiden sollte. Ich saß vor dem antiken Schminktisch und beobachtete, wie die zarten Fältchen meinen sinnlichen üppigen Lippen Vollendung schenkten.
„Schau, wie schön du bist, wie vollkommen“, hauchte Asrael mit diesem erotischen Kribbeln in seiner klaren Stimme. Meine sinnlichen Rehaugen beobachteten mein dunkelbraunes Haar, wie es sich glänzend wie flüssige Seide über meine Schulter legte und mein schmales Gesicht dabei, wie ein Bild einrahmte.
„Hier oben kannst du ewig jung sein, für immer makellose Schönheit tragen. Nie wirst du krank werden, nie alt.“
Die Vorstellung von seinen Worten weckte die Sehnsucht nach ewigen Leben in mir und nach einem schönen gar göttlichen Höllendasein an Asraels Seite.
„Du solltest bald unterschreiben“, drängte er.
Er bemerkte augenblicklich die Verwunderung in meinen Augen.
„Deine Zeit ist bald abgelaufen, ich darf dich nicht länger hier behalten. Du musst sterben, um für immer bei mir zu bleiben!“
„Wieso geht das nicht wie zuvor?“, fragte ich, während ich eine dunkelbraune filigrane Braue nach oben zog.
Der Gedanke, dass mein Körper sterben würde, dass ich nie wieder in mein irdisches Leben zurück könnte, löste eine panische Angst in mir aus. Nie mehr würde ich den zarten Milchschaum von einem Latte macchiato auf meiner Zunge zergehen lassen, nie mehr könnte ich im Schlaf genüsslich träumen. Ich sehnte mich nach meinem Lieblingsgericht Spaghetti Tonno und nach dem Gefühl, wenn ein herzhafter Bissen den Rachen hinunter gleitet. Was war mit meinen Eltern? Mein Tod im Wald würde ihnen das Herz zerreißen.
Weil ich ihn liebte, lautete meine Antwort unmittelbar: „Gib mir etwas Zeit!“
Doch Zeit sollte ich bald im Überschuss bekommen, als ich die Schattenseite meines Höllendaseins erkannte. Wo war Asrael? Einsam lief ich durch das große Schloss, während meine schwarzen Pumps über den weißen Marmorboden klackerten. Seit Tagen irrte ich durch diesen exorbitanten Palast, der in der Unendlichkeit zu enden schien. Erschöpft sank ich auf einem Stuhl nieder. Traurigkeit stieg in mir hoch. Wie gerne hatte ich mich in eines der seidenbezogenen Betten schlafen gelegt, bis sein Kuss mich weckt. Der Seelenzustand raubte mir aber zu meinem Missfallen daneben die Möglichkeit der Entspannung.
Unerwartet floss eine Träne über meine gepuderte Wange und tropfte auf das dunkle Ebenholz. Bei ihrem Anblick musste ich vor Glück lächeln, dass noch wenigstens ein kleines Stück Menschlichkeit in mir steckte. Würde auch diese Träne verschwinden, sobald ich meine Seele dem Teufel schenken würde? Wo war mein höllischer Geliebter? Glückseligkeit stieg in mir auf, als ich seine schwarzen Mandelaugen im großen Wandspiegel vor mir erblickte. Dann zeichneten sich wie ein Bild sein Gesicht, sein Mund und der Rest seines Körpers. Asraels Arme legten sich ganz zärtlich um meine Brust und ich beobachtete unsere Gesichter im Spiegel – die eines wunderschönen Paares voller Anmut. Er schilderte mir, dass er meine Einsamkeit bis zur Erde gespürt hätte, so sei er von seinen Geschäften direkt zu mir zurückgekommen. Unter den zarten Küssen, die er auf meine nackte blasse Haut hauchte und bei einem lustvollen Höhepunkt in seinen Armen, verzieh ich ihm diese kleine Unhöflichkeit.
Ich weiß nicht, warum er mich immer öfter in der Hölle allein ließ? Anscheinend, die Geschäfte, wie er stets betonte. Vielleicht tat ich ihm Unrecht und auch der Teufel war nur ein Workaholic? Wie gerne wäre ich mitgegangen … wenn er zurückkam, schliefen wir zusammen - stets voller Verlangen. Doch dazwischen plätscherten an mir einsame Jahre, Jahrhundert, Jahrtausende vorbei. Im körperlosen Zustand war mir jegliches Zeitgefühl abhandengekommen und die Langeweile zehrte an mir. Die Einsamkeit schien mich derweilen um den Verstand zu bringen.
Die Kerzenflamme flackerte, meine Hände strichen über das alte Stück Papier und versuchten den Zeilen des verstaubten Kitschromans zu folgen. Als ich meinen Blick in den Spiegel richtete, starrte mich ein Augenpaar durchdringend an. Diesmal waren es nicht Asraels lusterfüllte brennende Augen, die mich musterten. „Seelenmutanten!“, stieg der Gedanken in mir vor. Als ich mich umschaute, wimmelte es hinter meinem Rücken nur so von den bösen Körperlosen. Ich war mir sicher, die ausgebrochenen Geister könnten mir nichts anhaben, aber alleinig ihre Anwesenheit und die hässlichen Fratzen, die sie schnitten, lösten in mir Unbehagen aus. Wutentbrannt verließ ich meinen Stuhl und schlug die massive verzierte Holztür mit einem kräftigen Stoß ins Schloss „Asrael?“, rief meine Seele. „Wann kommst du?“ Wieso tat gerade Asrael mir das an, ausgerechnet er, der zuvor über seine Einsamkeit in der Hölle geklagt hatte. Nur der Höllenfürst selbst vermochte diese Dämonen zu bannen. Hilflos stand ich inmitten einer Gruppe mich umschwebender Schreckgespenster. Die Fratzen lachten breitgezogen und diabolisch, durch die Blicke ihrer hässlichen Glubschaugen strömten ihre negativen Energien auf mich ein und lösten in meinem Innersten ein Gefühl der Beengung aus.
Flucht war mein Gedanke. Die spitzen Absätze meiner Pumps klackerten über den weißen Marmorboden, mein perlfarbenes Flatterkleid wallte im Wind, der aus dem großen Schlosstor wehte. Wind aus einer Tür, die zu meiner Verwunderung offen war. Unmittelbar übte die verbotene Tür einen ganz besonderen Reiz auf mich aus, obwohl ich wusste, wenn ich einmal die Tür zum Höllenreich verließe, dann könnte ich nie wieder hierher zurückkehren. Ich dachte daran, wie Asraels zärtliche Finger über meinen Busen bis zu meinen Schenkeln herab glitten, wie meine Knospen sich vor Lust spitzten und wie sein warmer aufregender Körper mich lüsterhaft an sich zog.
Zuweilen befreite ich mich aus dem Geisternebel und rannte in Windeseile durch die im Sturm auf und zu schlagende schwere Holztür. Der Wind wütete wie ein Tornado, der um meinen Körper drosch, bei jeder Bemühung sich von der Stelle zu bewegen. Mühsam drückte ich meine Materie gegen das Unwetter voran und lief den steilen Abhang des Hügels herab, dabei warf ich einen letzten verabschiedenden Blick auf das spitztürmige von seinem Wipfel in den Himmel ragende Seelenschloss. Trotz des massiven Nebels sah ich den Palast Hölle aus diesem Blickwinkel ein allererstes Mal. Der steinige steile Weg war beschwerlich und der Wind zog mich immer wieder wie ein Sog zu ihm zurück. Meine bernsteinfarbenen kraftlosen Augen zählten, um mich innerlich zu stärken, jede wogende Baumkrone, die ich auf meinem Weg hinter mir ließ. Meine Hände rissen derweilen die hohen Hackenschuhe von meinen müden schmerzenden Füßen und die Kälte ließ meinen sommerlich bekleideten Körper frieren.
Das Erste war ein Ast, der unter meinem Schulterblatt schmerzte, als ich die Augen aufschlug. Ich zog das drückende Stück Baum unter mir hervor, um mich auf dem Waldboden Wirbel für Wirbel aufzurichten. Meine Hände zupften die Blätter aus meinem im Sonnenschein rot reflektierendem Haar. Erlöst atmete ich den Tannenduft ganz tief in meine Lunge, es war anfänglich wie eine Erleichterung, das Höllengefängnis hinter mir gelassen zu haben. Alles schien, als sei ich aus einem Albtraum erwacht, doch ich wusste, dass mein Erlebnis so real war, wie der erdige Boden unter meinen Füßen, wie das durch das Geäst fröhlich hüpfende Reh und wie die Angst, der ich zuvor hier entkommen wollte.
Die Angst? Ich spürte sie nicht mehr, sie war wie aus meinem Gedächtnis ausradiert. Ich hatte die Wahrheit über die Hölle erfahren, konnte erst in meinem überirdischen Bewusstsein begreifen, dass die Hölle etwas ist, das Menschen selbst in ihrem Inneren erzeugen. Jahrelang hatte ich mir meine Hölle auf Erden geschaffen, weil ich der Angst in meinem Leben Platz gemacht und sie Tag für Tag mit meinen Sorgen groß und stark gefüttert hatte. Endlich schien meine Panik in der Hölle, im Fegefeuer, dass es nun nicht gab, zu Asche verbrannt zu sein. Zeit hatte mich meine Erkenntnis nicht gekostet, denn nun erwachte ich hier am selben Tag, genau zur gleichen Uhrzeit, nachdem ich Asrael in dieser irdischen Dimension begegnet war – so, als sei alles nie passiert.
Nun stürzte ich mich wenige Wochen später beschwingt in ein völlig neues Leben, in dem ich meine Träume verwirklichte, in dem es fortan keine geschlossenen Türen mehr gab. Die einzige Ausnahme blieb für mich die Pforte zur Hölle – die Tür zu Asrael. Ich gebar eine Tochter mit dem Namen Lilith, der ich meine ganze Liebe schenkte. Dennoch ließ Asrael mein Herz, was er in der Hölle mit dem Feuer der Liebe beseelt hatte, auch hier zurück in mein sterbliches Leben gekehrt, nie mehr richtig los. So durchschritt ich mein Leben ohne einen Partner, weil meine unsterbliche Liebe zu Asrael mir die Möglichkeit jemand anderen zu lieben nahm.
Oft sitze ich da und träume, schaue wie trunken in den Himmel und verliere meinen Blick in den vorbeiziehenden Wolken. Er hat nichts unternommen, ließ mich in mein irdisches Leben flüchten. Trotzdem meine ich immer wieder, seine Anwesenheit im Raum zu spüren – selbst nach 20 Jahren noch, ist da seine Hand, die zart im Schlaf mein Gesicht streichelt. Wirklich große Liebe gibt es nur einmal, ich habe mich damals gegen meine entschieden. Während bei dem Gedanken eine Träne durch die zarte Rille meines Augenfältchen fließt, weiß ich, dass nicht einzig die erfüllten Gefühle, die ganz große Liebe sind. Liebe kann man sich nicht aussuchen, auch dann nicht, wenn sie hoffnungslos ist und schmerzt.
Copyright Melina Mar 2009
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6 Kommentare
23.02.2010
14:21
Jane
Bitte weiterschreiben. Die Geschichte ist wirklich gelungen. Vielen Dank!
07.01.2010
19:55
Marc
Für meinen Geschmack zu viele Adjektiven und Adverben. Gekürzt wäre der Text bestimmt stärker.
31.12.2009
12:33
Claus-Rainer
Für Mämmer immer wieder verwirrend, wenn Frauen erotische Phantasien beschreiben, von denen sie vorher keine Ahnung hatten. Sonst wird immer ein ehrlicher, humorvoller und in allen Lagen zuverlässiger Partner gesucht. Beim Sex reitet sie dann plötzlich doch der Teufel?
28.12.2009
15:47
Angellica
Einfach faszinierend, man wird gefangen in einem Traum.
19.12.2009
13:36
Mikki
Eine wirklich schöne Geschichte!
19.12.2009
12:46
Frieder
Geschmacklos.
Leser heute: 1 - gesamt: 31672.



