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Eignungstest, Der

Jürgen B. Greulich 


Es klappte alles (was dieses »alles« war, das klappen musste, wusste Ca­ro­lin nicht, sie fragte auch nicht danach), jedenfalls wollte der Bürger­meis­ter sie wieder se­hen, dieses Mal aber nicht zu Hause, wie Carolin ihre Fe­rienwohnung in­zwi­schen nann­te, sondern in der größten Stadt der Re­gion, fast drei­ßig Kilo­me­ter entfernt. Tief stand die Sonne über den schroff auf­steigenden Kalkstein­wänden, steil und in vie­len engen Windungen führ­te die Straße ins Tal hin­ab. Simon saß am Steuer ihres Au­tos, fuhr schnell über den holprigen Belag und sagte beiläufig, dass der Bürger­meister noch ei­nen Bekannten mitbrin­ge. Im nächsten Moment fuhr er fast in den Straßengraben, da er einem rasant entgegenkommenden Transporter ausweichen musste. »Das war knapp«, murmelte er und stellte den Fuß wieder aufs Gaspedal. Kurz huschte sein Blick zu ihr herüber. »Heute kann ich leider nicht mit dabei sein. Sie wollen es nicht.«Oh. Wollte er sie wirklich alleine lassen? Das hatte er bei einem solchen Rendez­vous noch nie getan. Ihr wurde noch etwas flauer ums Herz. So vieles hätte es da­gegen einzuwenden gegeben und ihr fiel nur das Banalste von allem ein: »Wie soll ich sie verstehen? Du weißt doch, dass ich kein Französisch spreche.«
Ein Lächeln huschte über seine Miene und sie begriff, wie ungeschickt diese Be­merkung gewesen war, erhielt die nahe liegende Antwort postwendend: »Sie wer­den sich schon verständlich machen und vermutlich mehr Interesse an deinen anderen Französischkenntnissen haben.« Seine Hand legte sich auf ihren Schen­kel, kehrte aber gleich zum Lenkrad zurück. Es war besser so, denn vor ihnen tat sich eine der vielen Spitz­kehren auf, dahinter klaffte ein schaudernd tiefer Ab­grund, von keiner Leit­planke gesichert.
Sie kamen wohlbehalten in der Stadt an, Simon parkte in einer Seitenstraße vor ei­ner Markthalle, erbaut im Stil der Moderne. Eine kleine Gasse führte zu einer beleb­ten Ein­kaufsstraße mit einem kleinen Supermarkt, einem Fotogeschäft, ei­nem La­den für Tabak und Zeitschriften und natürlich ei­ner Boulangerie. Weiter oben gab es einen Kreisverkehr, auf dessen Rondell üppige Staudenrabatten gelb leuch­teten. Carolin wurde zu einem Straßencafé mit runden Tischen und roten Plas­tik­stühlen un­­ter dem dichten Dach ei­ner weit ausladenden Platane geführt. Der Bür­ger­meister war nicht zu ent­decken, offen­bar hatte Simon mit seinem abenteuer­lichen Fahrstil eini­gen Vor­sprung herausgeholt. Sie ließen sich an einem der freien Tische nieder und sie raffte so unauffällig wie möglich den langen schwarzen Rock mit den seit­­lichen ho­hen Schlitzen, zeigte viel Bein, von schwarzen Strümpfen um­hüllt; recht­zeitig war ihr blauer Straps­gürtel trocken geworden, den sie auch heute tragen musste. Si­mon be­stell­te ei­nen Espresso für sie, für sich selbst nichts, denn er konn­te nicht blei­ben. »Bis dann«, sagte er so beiläufig, als ließe er sie für einen Fri­seur­termin alleine. Er strei­­chelte über ihr Haar, wandte sich ab und schlenderte die Straße hinauf, ent­schwand beim Rondell ihren Blicken. Da saß sie wie ein Schaf auf der Opferbank. Aber nein, sie war kein Opfer, sie tat nur, wozu ihr Inneres sie trieb. Wenn schon Schaf, dann eines, das den Weg zur Op­fer­bank selbst gegangen war, weil es keinen besseren für sich kannte. Aber gab es wirklich nichts Besseres, als hier inmitten fremder Menschen, deren Sprache sie nicht verstand, auf zwei fremde Männer zu warten wie eine ¼ ? Sie unterbrach den Gedanken und zupfte den Rock über den Saum der Strümpfe. Aber nein, das durfte sie nicht. Gleich glitt der geschmeidige Stoff wieder herab. Die Knie zu schließen wagte sie ebenfalls nicht, hatte ja ihre An­wei­sungen ¼ Ein äl­teres Paar am Nach­bartisch schaute irritiert her­über und ein junger Mann zwei Ti­sche weiter ver­suchte mit ihr zu flirten; ihr Blick wich vor ihm zur Seite.
Da kam er herangeschlendert, der Bürgermeister, endlich, hätte sie beinahe ge­dacht. Er war gekleidet wie vor zwei Tagen, trug das blaue Sakko, das ihm Wür­de ver­­leihen sollte, begrüßte sie von weitem schon mit einem vor­freu­­digen Grinsen. An seiner Seite schritt ein jüngerer, schlanker Mann, ei­nen Kopf größer als er, dazu ele­ganter in seinem weißen Leinenanzug und dem zartblauen Hemd mit offenem Kra­gen. Seine Erscheinung war städ­tisch, sei­ne Miene wirkte abgeklärt, das Gesicht war glatt und schmal, das Haar dun­kel, fast schwarz, nach hinten gekämmt, schma­le braune Augen be­trachteten sie prüfend. Sie ließen sich rechts und links von ihr am runden Tisch nieder und wechselten einige Worte, aus denen sie nur ih­ren Na­men her­aushörte. Der Fremde musterte sie aufdringlich und kaum verborgen vom herab­hängenden weißen Papiertischtuch schob sich seine Hand zwischen ihre Schen­kel. Wie dreist er doch war. Sie rutschte näher an den Tisch heran, was aber auch nichts daran änderte, dass jeder sehen konnte, was er da tat. Seine Hand zu­rück­zuhalten wagte sie nicht, spürte sie über den Saum der Strümpfe gleiten und an den Strapsen entlang zum nackten Schoß. Sie blieb auch dort, als die Bedienung er­schien, ein pummeliges Mädchen mit rundlichem Gesicht und schulterlangem blon­dem Haar. Ohne sich um ihren ver­störten Blick zu sche­ren, gab er die Be­stel­lung auf — und ein Finger stieß in Ca­ro­lins Schoß. Über­rum­pelt seufzte sie auf. Das Paar neben­an tuschelte auf­­­ge­regt, der junge Mann starr­te entgeistert herüber, die Be­dienung wandte sich abrupt ab wie auf der Flucht. Ca­ro­lin wäre am liebs­ten im Bo­den versunken, sie fühlte Wär­me übers Gesicht krie­chen, lief rot an und spürte, wie sich der Finger in ihr bewegte, versuchte die aufkei­men­de Erregung einzu­däm­men. Endlich zog sich die Hand zu­rück und aufatmend blieb sie ganz ruhig sitzen, während die Bedienung fast furcht­sam die beiden be­stell­ten Pernod brachte und der Schlanke ihr mit großer Geste einige Münzen in die Hand drückte. Die Männer tran­ken in kleinen Schlück­chen und redeten mit ge­dämpf­ten Stimmen wie Ver­schwö­rer mit­ein­ander, tauchten Carolin dabei in verlangende Blicke.
Es dauerte nicht lange, bis sie sich erhoben. Auch Carolin musste aufste­hen, wur­de vom Bürgermeister am Arm gehalten, als fürchte er, dass sie weglaufen wol­le. Wie eine Angeklagte wurde sie von den Blicken der Be­die­nung und der Umsit­zen­den ins Visier genommen. (Weshalb sie, warum nicht der Mann? Er war es doch, der für das Schauspiel gesorgt hatte.) Ver­ge­bens suchte sie sich einzureden, dass es absurde Ge­stal­ten seien, Kom­parsen ei­nes unwirklichen Spiels ohne Bedeu­tung. Doch war es echt. Wie in Trance schlän­gelte sie sich in der Mitte der beiden Män­ner durch den schmalen Strei­fen, den die par­ken­den Au­tos den Fuß­gän­gern auf dem Bürgersteig ließen. Vor ei­­nem hohen al­ten häss­lichen Kas­ten­wagen hielten sie inne. Der Schlanke schloss die Fah­rertür auf und schob Carolin hinein. Durch ei­ne offene Schiebe­tür ge­langte man nach hin­­ten ins Innere des Kastens, der so hoch war, dass Ca­ro­lin aufrecht stehen konn­te. Der Bo­­den und die Decke waren rot ge­pols­tert, es roch nach süß­lichem Par­füm. Was um Himmels willen wur­de mit die­sem Fahrzeug an­ge­lie­­fert, war es et­wa ein rol­len­des Bordell? Der Schlan­ke, der dicht vor ihr stand, musste sich ein bisschen unter dem leicht ge­wölb­ten Dach bü­cken, was ihn nicht zu stören schien. Er lächelte dünn, und fast schien es, als würde er unmerklich mit den Achseln zu­cken, dann griff er nach ihrer Bluse und knöpfte sie mit ruhigen Fingern auf. Angeregt schaute der Bürger­meister zu, der hinter dem Steuer Platz genommen und sich ächzend halb nach hinten gedreht hat­te. Hatten sie denn keine Sorge, dass jemand vorbeikommen und durch die Wind­schutz­schei­be her­ein­schau­en könnte? Reglos hingen Carolins Arme her­ab und atemlos ließ sie den Mann ge­wäh­ren. Er schob die Bluse wie einen Vor­hang auseinander und streif­te sie ihr ab, sanft wie ein Hauch glitten seine Finger über ihre steifen, leise be­ben­den Knos­­pen. Auch ihr Rock wurde aufgeknöpft und sank ergeben zu Bo­den. Der Mann musterte anerkennend ihren nackten Körper und hieß ihr mit seinem Blick, sich hinzusetzen, dann wandte er sich ab und ließ sich auf den Bei­fah­rer­­sitz sinken. Der Motor jaulte wie ein wild gewor­dener Rasenmäher auf, der Wa­gen wur­de aus der Parklücke ran­giert und schau­kelte wie ein Schiff in Seenot durch die Stadt. Ca­ro­lin hielt sich an den Griffen rechts und links des Kopfes fest, um nicht wie eine Puppe um­her­geschleu­dert zu wer­den. Sie konnte durch die offe­ne Schiebetür nach vorn schauen, sah, dass sie die Stadt verließen und in die Dämmerung des Landes fuhren, ei­nige Ser­pentinen hoch, es gab in die­ser Gegend keine geraden Stra­ßen. Der Wa­gen rum­pelte über ei­nen Feldweg und kam zum Stehen, der Motor er­starb. Es war toten­still, nur einige Re­gentropfen platschten dick aufs ble­cher­ne Dach.
Die Männer kletterten von den Sitzen und kamen zu ihr nach hinten, ließen sich rechts und links von ihr nieder. Geflüsterte Worte aus heiseren Keh­len, schlängeln­de Finger überall an ihrem Körper, warme Lippen auf ihrer Haut, Ca­rolin konnte sie nicht zurückweisen, wollte es umso weniger, desto zudring­licher sie wurden. Zu­packende Hände wälz­ten sie auf den Bauch und drängten ihre Beine aus­ein­an­der, aufreizende Fin­ger trieben ihren Unterleib empor, dick und heiß rammte ein Pe­nis in ihren Schoß, gleichzeitig wurde ihr Kopf nach oben ge­zwungen und der harte Schwanz des Bürgermeisters schob sich in ihren Mund. Er hielt sie am Schopf gepackt und murmel­te unverständliche Worte unter den Liebkosungen ihrer Lip­pen. Beide Män­ner pump­­ten ihre Flut in sie hinein, ließen von ihr ab, lehnten sich ans rote Pols­ter und zün­deten schwarze stinkende Zigaretten an. Carolin wurde auf den Rü­cken gerollt, damit man mehr von ihr sehe, sie lauschte dem Re­gen, der nun wü­tend aufs Dach pras­sel­te, und fühlte sich ge­borgen wie in einer warmen dunk­­len Höhle. Das Lä­cheln, das der Bürger­meis­ter herabsandte, fast liebevoll, viel­­leicht mit einer Spur Mit­leid an­ge­rei­chert, erwiderte sie vage. Unter dem Blick seines Begleiters fühl­te sie sich taxiert, als prüfe er ihre Eig­nung für seinen mobilen Puff. Wenn dieser Mann tat­sächlich ein Zuhälter war, was ihm ohne weiteres zu­traute, dann ein seltsamer, denn welcher Zuhälter hat­te es schon nötig, sich weib­liche Gunst zu kaufen? Aber vielleicht, so be­schwich­tig­te sie sich, reizte ihn einfach nur mal eine Ausländerin.
Natürlich begnügten sich die Männer nicht mit dem ei­nen Mal. Für weitere Taten aber wurde ihre Hilfe benötigt. Es war der Schlanke, der sie am Haar packte und ihren Kopf zu seinem Schoß dirigierte. Füg­sam schlossen sich ihre Lippen um den kraftlosen Penis. Ihre Lust, längst erwacht, vom Pfahl in ihrem Schoß vorhin nicht gestillt und von hilfreichen Fingern an ih­ren Brüsten und zwischen den Bei­nen jetzt weiter geschürt, machte ihr die Aufgabe an­genehm. Sie liebkoste auch den Schwanz des Bürgermeisters, weckte neue Ener­gie mit der Zärtlichkeit ihres Mun­des, die sich die beiden Männer brüderlich teilten. Mit stolz aufgerichtetem Penis wälz­­te sich der Bürgermeister schließlich auf den Rücken und sie folgte seinen aus­ge­streck­ten Händen, kniete über ihn mit ge­spreiz­ten Beinen, wur­de erfüllt von sei­nem neu er­stark­ten Geschlecht, ritt auf ihm. Seine Arme schlan­gen sich um ihren Na­­cken, zo­gen ihren Kopf zu sich hinab, er keuchte ihr seinen schlechten Atem ins Gesicht und brachten sie in ge­eignete Position für den Schlanken, der hinter sie knie­te, ihre Hüf­ten packte, sie an sich presste. Was tat er denn, das ging doch nicht! Doch, es ging. Dick bohrte sich sein Penis in ihren Po, wild schluchz­te sie auf, dop­pelt gepfählt, sie glaubte zu zer­­springen. Beide drangen noch tiefer mit behutsamen Stö­ßen, un­erbitt­lich aufein­an­der abgestimmt. Nie zuvor war sie so zum Bersten ge­füllt ge­we­sen. Ihr Stöhnen, ihr Schluchzen, ihre erstickten Schreie dran­gen durchs Blech des Wa­­­gens hinaus in den Regen, wäre drau­ßen jemand gewesen, hätte er ge­glaubt, sie wür­de schrecklich ge­quält, und das wurde sie ja auch. Des Denkens be­raubt verlor sie sich im Reich der Sinnlichkeit ¼ Tief atmend blieb sie auf dem Bo­den lie­gen, als sich die Männer in sie ergossen hatten und ihrer überdrüssig waren. Schwei­gend zogen sie sich an und lie­ßen sich auf die Sitze sinken, das Auto fuhr los. Carolin streif­te Rock und Bluse wäh­­rend der Fahrt über und versuchte sich in einen halbwegs ge­­ordneten Zustand zu bringen, was kaum ge­lang. Noch immer wühlten die Ge­fühle in ihr wie mit glü­hen­den Fingern. Wie abgeschnitten hörte der Regen plötzlich auf.
Nach erstaunlich kurzer Zeit, wie ihr schien, erreichte das Auto die Stadt und hielt direkt vor dem Straßencafé an. Simon stand unter der Platane und nahm Caro­lin zur Begrüßung in den Arm, unterhielt sich noch kurz mit den beiden Männern. Das Ge­spräch nicht zu verstehen war für Carolin vermutlich besser. Sie roch nach ih­nen, fühlte ihre Spuren in sich und auf ihrer Haut. Der Strapsgürtel und die Strümp­­fe waren schon wieder reif für die Wäsche. Mit heu­len­dem Motor fuhr der Lie­fer­wagen davon und sie ging in Simons Arm zu ihrem Auto, fröstelte, denn es war kühl geworden. Simon schal­tete die Heizung ein und sagte während der Fahrt durch das dunkle Land: »Der Be­kannte des Bürgermeisters ist sehr zufrie­den mit dir.«
»Und du?« Fragend huschte sein Blick herüber und sie wurde konkreter: »Bist du zufrieden, wenn er zufrieden mit mir ist?«
»Es könnte ungeahnte Möglichkeiten eröffnen.«
Das war es nicht, was sie hatte hören wollen, doch beantwortete es ihre Frage trotz­­dem. Es schien keine Eifersucht in Simon zu geben, auch dann nicht, wenn er ih­rer Schändung nicht zuschauen konnte. Er war stolz auf sein Geschöpf, die Kom­plimente der Freier schmeichelten auch ihm. »Was für Möglichkeiten?«, fragte sie bang.
»Genaues weiß ich noch nicht. Wir werden sehen«

Copyright Jürgen B. Greulich 2005

 

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