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Verhör, Das

Jürgen B. Greulich 

Zurück aus Frankreich war das Büro öder denn je, verlorene Zeit, mechanisches Laufen im Hamsterrad. Die Fragen nach ihrem Urlaub beantwortete Carolin ausweichend: »Ganz nett.« Und jedes Mal tauchten die ungeheuerlichen Bilder der Kolonie vor ihr auf und jedes Mal regte sich ein aufregendes Kribbeln. Fast war es, als sei sie dort in den Händen selbstherrlicher fremder Männer besser aufgehoben gewesen als hier bei der belanglosen Arbeit.
Am Freitagabend machte sie sich für das erste Treffen mit Simon seit der Rückkehr hübsch. Es war herbstlich kühl geworden, so zog sie nach der Dusche zarte schwarze Strümpfe über die Beine, das einzig halbwegs Wärmende, das ihr die Anweisungen gestatteten, und befestigte sie an den Strapsen einer neu gekauften dunkelroten Korsage mit halben Körbchen, die ihre Brüste stützten, ohne sie zu verhüllen. Sie hatte Lust, sich Simon reizvoll zu zeigen, freute sich auf seine Nähe und seine Zärtlichkeit, sehnte sich danach, sich in seine Arme zu schmiegen. Neu gekauft waren auch das schwarze knielange und apart dekolletierte Kleid und der lange schwarze Mantel. An Geld herrschte ja neuerdings kein Mangel, tausendfünfhundert Euro hatte ihr Simon bei der Heimfahrt von Frankreich zugesteckt, den Lohn der Sünde. Es war viel für die paar Tage und wenig für das, was man ihr angetan hatte, doch musste sie nicht rechnen, hätte es ja auch ganz ohne Bezahlung mit sich geschehen lassen.
Graue Wolken trieben über die kleine Stadt, von böigem Wind gepeitscht, es wurde schon dunkel, als sie ins Auto stieg und durch feinen Nieselregen zu Simon fuhr. Er empfing sie an der Haustür mit einer liebevollen Umarmung und führte sie in die Diele, half ihr aus dem Mantel. Ihre Lippen verschmolzen zu einem Kuss voller Begehren und sie spürte seine Hände am Rücken nach dem Reißverschluss des Kleides suchen. Er zog ihn herab und packte sie andächtig wie ein wertvolles Geschenk aus, ließ seine Blicke über sie gleiten und küsste ihre steifen Knospen. »Du siehst hinreißend aus. Du bist ein Engel.« Er nahm sie an der Hand und führte sie ins Wohnzimmer. — Dort saß jemand auf dem Sofa! Matthias! Der Mann mit der Gerte, der sie zum ersten Mal in die Welt des Schmerzes getrieben hatte, sie würde es nie vergessen. Er trug einen hellen Anzug und lächelte dünn. »Sie sieht scharf aus.« Unter seinem Besitz ergreifenden Blick wünschte sie sich, etwas weniger Aufreizendes angezogen zu haben. Der Computer war eingeschaltet, in großen roten Lettern war auf dem Bildschirm auf schwarzem Grund »Haus der O« zu lesen, darunter wechselten sich im Fünfsekundentakt die Gesichter junger Frauen ab, dazu wurde in roter Schrift der jeweilige Name eingeblendet. Eine Blonde hieß Konny, die folgende Dunkelhaarige Jaqueline (oder jedenfalls nannten sie sich so oder wurden so genannt, wer konnte das schon wissen).
Ohne jedes Wort legte ihr Simon ein schwarzes Lederhalsband und lederne Armbänder um, als könne es keinen anderen Schmuck für sie geben, und sorgsam zog er die Schnallen stramm. »Matthias interessiert sich sehr für deinen Urlaub, vor allem für deine Erlebnisse in der Kolonie. Doch konnte ich ihm nichts darüber erzählen, da ich von dir nichts erfuhr.« Sie senkte den Blick. Wie hätte sie ihm davon berichten können, wie hätten die Worte klingen sollen, die das Unbeschreibliche zu Bildern formten? Sie musste die Hände auf den Rücken legen und ein Karabinerhaken fesselte ihre Armbänder aneinander. — Was war das? Das war doch ihr Gesicht auf dem Bildschirm, sinnlich verklärt, die Lippen halb geöffnet, und daneben ihr Name? Gleich wurde es durch das Foto einer anderen Frau ersetzt, war verschwunden, so flüchtig wie ein Wimpernschlag. »Simon, was ist das?«
Er lächelte geheimnisvoll. »Man muss das Medium nutzen. Schau!« Seine Hand legte sich auf die Maus und er klickte auf den Link zu den Mädchen. Eine Liste mit Namen tauchte auf, dabei auch der ihre. Ein Klick darauf füllte den Bildschirm mit ihrem Gesicht, es war die Aufnahme, die sie eben in Klein gesehen hatte. Rechts am Rand standen die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl, ihr Geburtsjahr, die Körper- und Körbchengröße — und die »besonderen Eigenschaften«: »Bestens erzogen, fügsam, in jedem Eingang bequem zugänglich, an die Peitsche gewöhnt.« — Oh Gott. Wurde sie auf diese Weise etwa fremden Männern angeboten? Simon klickte auf einen Link, der zu einer »Galerie« führte. Dort gab es die Fotos zu sehen, die mit Zacharias bei ihr zu Hauses entstanden waren, jedes ließ sich auf Bildschirmgröße zoomen. Sie sah sich auf den Lehnen des Sessels knien, direkt von hinten und von der Seite fotografiert, wie obszön diese Stellung doch war, und sah ihr Gesicht in mehreren Großaufnahmen, auf manchen von Sperma besudelt, auf anderen waren ihre Lippen um den Penis geschlossen. Und das im Internet, dargeboten der ganzen weiten Welt, und schlimmer noch, auch der kleinen Welt ihrer Umgebung. Was war, wenn ein Bekannter oder ein Kollege den Weg auf diese Seite fand? »Simon …«
Sein mahnender Blick erstickte ihren Einwand im Keim. »Es sind gute Aufnahmen geworden. — Aber erzähle Matthias jetzt von deinem Urlaub!«
Erschrocken sah sie, dass Matthias eine kurze, gedrungene, kräftige Peitsche mit langem Riemen hinter dem Sofa hervorholte. Dass es eine insgeheime unbegreifliche Sehnsucht nach der Peitsche in ihr gab wie nach einer Droge, die über die Sorgen des Alltags enthob, die Dinge ordnete und die Seele läuterte, hatte sie inzwischen begriffen, doch war sie im Augenblick viel zu nahe, um ersehnt zu werden. Es blieb die Furcht. Warum sollte es keine Worte zur Schilderung ihrer Erlebnisse geben? Alles ließ sich beschreiben. »Es gab einen Platz mit Häusern ringsum, in deren Mauern eiserne Ringe eingelassen waren …« Simons fordernder Blick entriss ihr die nächsten Worte. »Daran waren nackte Frauen gekettet.«
Matthias hob die Augenbrauen, als werde es jetzt interessant, und wies zum blauen Sessel. »Sie soll ihre Geschichte da drauf erzählen, so wie auf den Bildern. Das ist ein guter Platz für sie.«
Nein, das war kein guter Platz, viel zu unbequem, viel zu obszön! Aber sie wehrte sich nicht, ließ sich von den Männerhänden hinaufhelfen und kniete mit weit gespreizten Schenkeln auf den Armlehnen nieder. Hilflos sank ihr Gesicht auf den gepolsterten breiten Abschluss der Rückenlehne. Sie sah Simon vor sich treten und spürte zugleich eine Hand auf dem Hintern. Ein Finger wühlte an ihrem Eingang und durchbrach die Rosette, schob sich in sie. Er verblieb in ihr, während sie ihre Erlebnisse zögernd schilderte, unterbrochen von ihren Seufzern, wenn er sich krümmte oder tiefer stieß. Leise und beschämt berichtete sie, dass die Mädchen vor jedem Mann, der sich ihnen näherte, auf die Knie gehen und ihn im Mund empfangen mussten.
Matthias war beeindruckt. »Man weiß dort mit Weibern umzugehen.«
Auch von den Abenden musste sie erzählen, an denen sich jeweils drei oder vier der Herren an ihr wie auch an den anderen Mädchen vergnügt hatten (oder vergangen, ganz wie man es sehen wollte). Der Finger zog sich aus ihr zurück und harte Hände packten ihre Hüften, zerrten ihren Unterleib empor. Ein dicker Pfahl bohrte sich in ihren Hintern, spießte sie auf, machte ihr das Sprechen schier unmöglich. Doch musste sie reden, presste die Worte mühsam hervor, zuckte bei jeder Bewegung des Eindringlings zusammen und erzählte keuchend von den Käfigen, in denen die Mädchen schliefen. Dass sie sich in einer der Nächte im Käfig selbst befriedigt hatte, behielt sie allerdings für sich, ebenso das abendliche Essen aus dem Napf und das Wasserlassen am Bordstein, denn das, ja das war zu entwürdigend, um es preiszugeben.
Sanft streichelte Simons Hand über ihr Haar. »Fehlt nicht noch etwas?«
Woher wusste er das? Konnte er etwa in ihre Seele schauen? Flehend hob sie den Blick zu ihm hoch. Vielleicht war er so rücksichtsvoll, ihr diese Geheimnisse zu belassen. Seine Hand zog sich zurück und zugleich glitt auch der Pfahl aus ihr heraus. Sie ahnte, was das zu bedeuten hatte, wollte es verhindern. »Ich erzähle ja schon alles …« — Ein wildes Tier biss ihren Hintern, Feuer entflammte, schluchzend bäumte sie sich auf und ihre Hände legten sich auf den Po, um ihn vor dem nächsten Hieb zu schützen. Matthias’ Stimme erklang. »So geht’s nicht.« Simon war schon auf dem Weg zur Kommode. »Das haben wir gleich.« Er kam mit einer kurzen Kette zurück, schloss sie an Carolins Handfessel und am hinteren Ring des Halsbandes an, so kurz, dass die Arme hoch bis fast zum Schulterblatt gebogen wurden. Wieder biss die Peitsche zu und Simons Penis schob sich in Carolins Mund, um die Schreie zu ersticken. »Wehe, wenn du beißt!« Eine berechtigte Sorge, denn nahe war sie dran, unter dem wütenden Schmerz die Zähne ins zuckende Fleisch zu graben. Immer und immer wieder klatschte die Peitsche auf sie herab, um das Geheimnis aus ihr herauszutreiben und vor allem wohl, um Matthias’ Lust an ihrer Qual zu stillen. Ein salzig warmer Schwall überschwemmte ihren Mund und endlich, endlich, blieb der nächste Hieb aus. Wie von weither klang Simons Stimme an ihr Ohr. »Also, was war noch?«
Es gab kein Geheimnis mehr, das es wert war, geschützt zu werden, wenn nur das Feuer nicht neu geschürt wurde … Wimmernd erzählte sie vom Essen aus dem Napf, vom Kauern am Bordstein und vom Verlangen im Käfig, dem ihre Hände nachgegeben hatten …
Etwas Dickes, Festes drängte zwischen ihre Beine, der Peitschengriff, und heiser klang Matthias’ Stimme: »Sie ist ein wirklich scharfes Stück.« Grob bahnte sich das lederumwickelte Holz den Weg in ihren Schoß, trieb ihren Hintern hoch und wurde wie eine Strebe auf die Sitzfläche des Sessels geklemmt. Wieder drängte Matthias’ Penis in ihren Po, drohte sie zu sprengen. Überall in ihr dicke Fülle, alles war zum Bersten gedehnt, überall kräftige Hände und loderndes Feuer, die Erde bebte, sie brauchte kein Geheimnis mehr, sollten alle alles wissen und alle sie im Internet sehen, es spielte keine Rolle, es gab keine Augen mehr, die sahen, keine Ohren, die hörten, keine Stimmen, die ihr Urteil sprachen, es gab nur Gefühl, nichts als Lust und Schmerz, die das Gleiche waren …

 

Erotische Kunst von Against all Odds 

Der Pfahl pumpte seine Nässe in ihre Tiefe und zog sich zurück, ein fast zärtlicher Klaps trieb ihren Hintern noch etwas weiter empor und der Peitschengriff entglitt ihrer Muschi, die ihn liebend gern noch länger in sich gespürt hätte. Ihre Hände wurden befreit und sie kletterte vom Sessel, durfte sich sitzend auf ihm niederlassen und rührte sich nicht, damit die brennende Haut nicht auf dem Bezug scheuerte. Sie bekam ein Glas Wein gereicht und trank einen Schluck. Noch immer fühlte es sich an, als seien alle Öffnungen erfüllt, und klebrige Nässe kroch über ihre Lenden; sie würde einen Fleck hinterlassen wie eine undichte Thermoskanne.
Matthias plumpste aufs Sofa und schaute zu Simon hinüber, der sich am Computer zu schaffen machte. »Hat sich schon jemand gemeldet?«
»Einige Scherzkekse, die man im Internet immer findet. Aber auch eine Frau, die es ernst zu meinen scheint. Sie sucht ein williges Mädchen als Geschenk für ihren Mann. Komisch, was es alles gibt.«
Matthias grinste matt. »Wir werden von der Dekadenz beherrscht. Gut für dich, denn so kannst du mit einer solch devoten Dreilochstute ein kleines Vermögen verdienen.«
Carolin trank einen weiteren Schluck, versuchte die Worte zu ignorieren, es gelang ihr nicht. Devote Dreilochstute. Nun also wusste sie, was ein Mann wie Matthias über sie dachte. Vermutlich gab es viele Männer wie ihn. Was wusste er schon von ihr und von ihrer Liebe zu Simon, der ihren Körper in finsterer Gefangenschaft hielt und ihre Seele zum Himmel steigen ließ, wie sollte ein Matthias das verstehen?
Sein Blick schweifte zu ihr herüber und wandte sich gleich wieder ab. »Komm her und blas mir einen!«
Nur einen kleinen Moment währte ihr Zögern, dann folgte sie Simons aufforderndem Blick, erhob sich vom Sessel wie ferngesteuert, ging zu Matthias hin, ließ sich vor ihm auf die Knie nieder und holte den kleinen, schrumpeligen, feuchten Penis aus der Hose, leckte, knabberte, lutschte an ihm, verhalf ihm geduldig zu neuer Kraft und Größe. Eine Hand massierte ihre Brüste und quetschte die anschmiegsamen steifen Knospen. Vom Computer her erklang Simons Stimme: »Da ist die Frau wieder. Ich bin gerade im Chat mit ihr.« Einige salzige Tropen rannen in Carolins Mund, spärliche Reste der Manneskraft, die sie nicht einmal hinunterschlucken musste, da sie sich von ganz allein verflüchtigten. Matthias schob ihren Kopf zurück, als sei sie ihm lästig, und sie durfte sich erheben. Simon schaute vom Computer auf. »Sie ist mit dem Preis einverstanden. Wir treffen uns morgen in einem Café, um die Sache klarzumachen.« Sein Blick richtete sich auf Carolin, die wieder im Sessel Platz nahm. »Es sieht so aus, als hättest du deinen ersten Internetkunden.«
Carolin trank einen Schluck Wein, sah Simons befehlenden Wink und öffnete die Knie etwas weiter. Ihr erster Internetkunde … Was war nur aus ihr geworden und wieso fügte sie sich so klaglos in ihr Schicksal? Noch nie war sie im Innern so zerrissen gewesen und noch nie hatte sie sich so unbegreiflich wohlig im Einklang mit sich gefühlt …

 

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