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Brücke, Die

Julia. Sie sah aus wie Juliette Binoche, das Gesicht schmaler, die Augen etwas sanfter, aber ebenso tief.

Wir hatten uns zufällig getroffen, sie kam mir auf der Fußgängerbrücke über den Fluß entgegen, abseits des Lärms der Stadt. Der heiße Wind spielte um den Saum ihres weißroten Sommerkleides, hielt sich aber, zu meinem Bedauern, im züchtigen Bereich und zauste etwas in ihrem seidigen kurzen schwarzen Haar. Sie war der Typ Frau, an der man im ersten Moment vielleicht noch vorbei sieht, sie aber unweigerlich wahrnimmt, ihre Aura erfaßt und den zweiten Blick nicht mehr von ihr wenden kann.

Nun standen wir hier und ich hörte kaum, was sie sagte, konnte sie nur ansehen, verlor mich in ihrem Blick. Mühsam suchten meine Augen einen unauffälligen Punkt, um doch nur über ihre makellose Figur zu wandern. Ihre herzliche Wärme ging mir unter die Haut und ich genoß den Augenblick, versuchte ihn auszudehnen, ohne sie merklich aufzuhalten. Doch sie machte es mir leicht und schien ohne Eile. So unterhielten wir uns über Gott und die Welt, gemeinsame Freunde, bevorstehende Urlaube und vergangene Missverständnisse. Mein Körper gab mir zu verstehen, dass mir ihre Augen, ihre Lippen, ihre Hüften gefielen, und er war sich sicher auch — unbekannterweise — ihr Schoß. Und sie alle sprachen zu mir: Küß mich! Berühre mich! Liebe mich!

So standen wir da, an das Geländer gelehnt und sahen auf das Wasser, an den Ufern fast ausschließlich Grün, östlich, vor der Autobrücke, ragte eine Jugendstilvilla mit weitläufiger Dachterrasse aus den Baumwipfeln, westlich ein modernes Appartmenthaus, mit Blick auf Fluß und Park. Dort wohnte Freddy, ihr Freund.

*

Freddy. Er war mein Freund seit Teenagerzeiten, ein nachdenklicher Zuhörer und redseliger Gesprächspartner durchwachter Nächte, in denen wir unsere Jugend feierten und einen Platz im Leben suchten, ein impulsiver Streiter gegen Ungerechtigkeiten und ideologische Festlegungen, einst im Auftreten immer ein Hauch mehr an Macho als man(n) und Frau ihm abnahm, verletzt, dass man ihn nicht ganz ernst nahm, aber allseits beliebt. Studium und Beruf verschlugen ihn in ganz andere Gegenden und Kreise als die meisten von uns und in seiner ehrlichen, offenen Art gewann er stets neue Freunde, wo wir oft nur Bekannte und Kollegen fanden. Er reiste mit leichtem Gepäck und war schnell an neuen Orten zu Hause. In der Liebe war sein Wesen beständiger als ihm vom Leben vergönnt war, wovon ich aber nur in den frühen Jahren wirklich tiefere Kenntnis hatte. Und so nebenbei hatte er die Texte unserer beiden schönsten Lieder geschrieben.

Er war ein Freund, der niemals mit Vorwürfen auftrat, man habe lange nichts von sich hören lassen, tauchte unverhofft alle heiligen Zeiten auf oder man traf ihn tatsächlich zufällig auf einem wenige Stunden dauernden Abstecher in seine Heimatstadt, den er sofort dem spontanen Treffen widmete.

Seit einem halben Jahr arbeitete und wohnte er auch wieder hier, allerdings fast so unerreichbar wie davor, denn seine Arbeitszeiten unterlagen dem Diktat der unvorhersehbaren Umstände sowie seiner eigenen Initiative, eine Mischung, die Beständigkeit oder gar Langeweile zu theoretischen Begriffen aus dem Wörterbuch machten.

Dennoch war es ihm gelungen, gelegentlich Treffen mit dem alten Freundeskreis zu arrangieren und tatsächlich hatte er noch Kontakte zu Leuten, die ich Jahre nicht mehr gesehen hatte, obwohl ich viel näher an ihnen wohnte. Auf einer unserer Zusammenkünfte brachte er Julia mit, die mit ihrer warmen ruhigen Art sofort Sympathien weckte, dazu gehörte, als sei dies immer so gewesen und in der Folge oft vermisst wurde, da sie weiter entfernt ihrem Studium nachging und — leider — nicht ständig anwesend sein konnte. Ich fragte mich, wie diese äußeren Umstände eine dauerhafte Liebesbeziehung zuließen und bald stellte ich Freddy diese Frage.

Leck mich auf
Leck mich auf ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeber ist Martin Jankowski und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"

Freddy hatte Julia, deutlich jünger als er und ich, während seines vorigen Jobs an ihrem Studienort kennen gelernt. Er gestand mir, dass es alles aus einer rein sexuellen Beziehung begonnen hatte. Er sagte dies sehr leise, so als bräche er ihr Vertrauen, aber offenkundig drängte es ihn auch, mit irgend jemandem einmal darüber zu sprechen. Wir hatten in der Vergangenheit nie wie andere diese prahlerischen Erfolgsgeschichten ausgetauscht, sie hatten zu wenig Esprit und so gab es meist nur das vertrauliche Gespräch unter besonders vertrauten Freunden. Ich war im ersten Moment überrascht, da ihr sanfter Ausdruck dies nicht hätte erwarten lassen, doch hatte ich zu diesem Zeitpunkt gerade meine Affäre mit Tina hinter mir und wusste nur zu gut, wie schnell tiefe Liebe daraus erwachsen kann. Bei Freddy verspürte ich zumindest Ähnliches in der Art, wie er über sie gesprochen hatte, er war sichtlich gebannt von ihr, wenngleich ich ihm mehr zutraute, ihr nicht so bedingungs- und wehrlos zu verfallen. Ich sollte noch erfahren, dass ich nicht allzu falsch lag mit meiner Einschätzung.

Julia lud mich ein, heute Abend zum Essen zu kommen, Rikki sei auch da.

*

Rikki. Sie war ein Typ zum Pferde stehlen, zum Sinnieren, auch zum Phantasieren. Sie war unglücklich und lebensfroh, sie litt und genoß, war provokant und verständnisvoll, verlässlich und unberechenbar zugleich. Ab und zu nahm sie ab und zu und die Phasen ihrer Diäten waren synchron zu denen ihrer Unausstehlichkeit, mit der sie dann eine Begegnung begann, bis sich ihre wesenseigene Gutmütigkeit wieder den Weg an die Oberfläche bahnte. Manche Frauen legen sehr großen Wert auf ihre Erscheinung vor Publikum und passiert Unvorhergesehenes, sei es nur ein Stolpern, so ist die Inszenierung dahin, weil Unvollkommenes nicht hineinpasst. Wenn Rikki stolperte, dann passte das genauso zu ihr wie das souveräne Abschreiten eines vorwiegend mit Männern besetzten Straßencafes. Ich war hingerissen und habe ihr das an genau diesem Beispiel zu erläutern versucht, dachte dies sei ein wunderbares Kompliment. Sie meinte darauf, ich hätte ihr gerade gesagt, sie sei ein Trampel.

Rikki war die Frau meines ersten Mals. Zurückhaltend, von Selbstzweifeln geplagt war ich verhältnismäßig spät dran.Immer hatte mich mein Gewissen geplagt, dass die Mädchen, die sich für mich erwärmten, nicht wussten, worauf sie sich einließen, dies auch zu Recht, wie ich noch erfahren sollte. Nachdenklich, sensibel, rücksichtsvoll, ein guter Zuhörer, das war der Eindruck, den ich auf die Damen machte, aber in erotischer Hinsicht brodelte in mir ein Vulkan, und später im Leben gab es tatsächlich eine Menge Probleme damit, dass Frauen in mir immer den verträumten Softie vermuteten und mit meinem unstillbaren Verlangen, meiner Ausdauer und meinem Ideenreichtum überfordert waren. Was nach meinem Empfinden nur die Kür abseits der Pflicht war, galt manchen meiner Liebhaberinnen als schmutzig, rücksichtslos, abartig usw. Nun bin ich nach eigenem Empfinden weder Chauvinist noch Macho, aber sexuell eben nicht nur kontemplativ veranlagt. Es war ein langer Weg, bis ich die Frau fand, die mit mir harmonierte — und blieb.

Nun, Rikki hatte diese Probleme nicht mit mir. Diese nicht, aber andere. Ich schäme mich heute noch, wenn ich daran zurückdenke, aber ist wahr: ich grabschte. Ich tat dies, ohne dass es mir wirklich bewusst war. Sie war nüchtern betrachtet vielleicht nicht überdurchschnittlich schön, aber das spielte gar keine Rolle, sie machte etwas aus ihrem Typ und war nie gekünstelt, mein Herz empfand sie als Inbegriff der Schönheit und ihre Figur verursachte schlicht und einfach Schmerzen in meinen viel zu engen Jeans. Im Gedränge der Kneipe fand meine Hand wohl so manches Mal seinen Weg dorthin, wo sie nicht hingehörte.

Verdient hätte ich wohl eine Ohrfeige, Rikki aber nahm mich schließlich unauffällig beiseite und erklärte mir sanft, was ich tat und dass sie das nicht möchte. Ich war maßlos beschämt und ob dieser Reaktion dankbar, - und verliebt über beide Ohren. In der Folge von mir definitiv nicht mehr auch nur annähernd belästigt, suchte sie - kaum merklich - zunehmend meine Nähe und einige Wochen später lagen wir uns schließlich in den Armen.

Die Liebe begann unbeschwert, meine mühsam in Zaum gehaltene Zurückhaltung versaute die Schönheit dieser Erfüllung langjähriger Sehnsüchte gründlich, doch sie nahm mich nur liebevoll in den Arm, war bestenfalls amüsiert, jedoch in keinster Weise verärgert. Dem ersten folgten weitere Male, ihre unkomplizierte Art zu genießen entspannte mich sehr schnell und sie ließ sich von meiner Ausdauer und Neugier verwöhnen, liebte lange Akte mit ihren Beinen über meinen Schultern, tiefem Eindringen und harten Stößen, lehnte zu meinem Bedauern den Verkehr von hinten aber bald ab, der mich ihre prächtigen Backen und ihre Taille so schön betrachten ließ und — damals unaussprechliche — Einblicke ermöglicht hatte.

Die Hymne meiner Liebe wurde BAPs „Frau ich freu mich unbeschreiblich auf Dich“, das in Endlosschleife aus den Autolautsprechern wummerte, begleitet von meinem gewiß nicht öffentlichkeitstauglichen Gesang.

*

Ihr entspanntes Genießen hatte aber auch eine Kehrseite: ich hatte sie nicht wirklich entflammt. Tief betrübt verließ sie mich und begab sich weiter auf die Suche nach dem wirklichen Mr Right, dem starken Helden. Sie landete bald bei ihrem Verflossenen, der zwar stark und liebevoll sein wollte, aber doch nur hart sein konnte und es ging — fast erwartungsgemäß – noch einmal schief. Unsere Freundschaft hatte nicht geendet und so kam ich so weit, sie richtiggehend zu bedrängen, fast ein Stalker, nicht ganz, denn durchgedreht war ich dann doch nicht.

Schließlich fand sie den Mann fürs Leben, einen erfolgreichen Unternehmer, ein unerschütterlicher Fels in der Brandung, aktiv, tatkräftig, entscheidungsfreudig, gleichzeitig lernte ich ihn als nachdenklichen Feingeist kennen, der neben einem tiefen Gespür für politische Entwicklungen auch Kunstverstand besaß, so dass ich ihr nur innerlich gratulieren konnte. An ihrer Hochzeit nahm ich tief zufrieden teil, mit den besten Gefühlen, war ich doch nun auch in festen Händen — denen meiner jetzigen Ex, aber damals war das noch ganz in Ordnung.

Was ich nach meiner Trennung erfahren musste: er hatte sie seit der Heirat bereits betrogen, jede ihrer Schwangerschaften exzessiv mit einer anderen Frau genossen und sie schließlich, zusammen mit den gemeinsamen Kindern vor die Tür gesetzt, als die Neue auf Einzug in die Luxusbleibe bestand - heißt: in ein anderes Haus verfrachtet, weit genug entfernt, dass ein häufiger Kontakt schon organisatorisch nicht anlag. Mies hatte er sie behandelt, immer wieder hingehalten und doch immer nur betrogen.

So fühlte sie sich, so sah sie auch aus für einige Zeit, ließ sich gehen, achtete nicht mehr auf sich, verständlich, musste sie sich doch mit dem mageren Unterhalt eines Begüterten auskommen, der sich vor der Steuer arm rechnen ließ. Auf der Hochzeit eines gemeinsamen Freundes erschien sie in einer Art Wollsack, mit strähnigem, ungewaschenem Haar, angesichts der doch fröhlichen Stimmung dieses von Zuversicht in eine Beziehung getragenen Ereignisses mehr angerührt als sie sich wohl vorgestellt hatte, und betrank sich unauffällig, aber zielstrebig. Es nahm ihr niemand übel, waren wir doch alle auch auf ihrer Hochzeit gewesen und erinnerten uns genau wie sie daran.

*
Julia also lud mich ein, den Abend mit ihnen zu verbringen und das tat mir wirklich gut. Wir verabschiedeten uns und ich bemühte mich, ihr nicht zu auffällig nachzusehen, um Julias herzliche, freundschaftliche Annäherung nicht unverhofft zu stören durch erkennbares Begehren. Den Blick ihrer dunklen, tiefgründigen Augen und ihr warmes Lächeln zum Abschied konnte ich nicht deuten, wollte es nicht und gab mich unbekümmert unrealistischen Phantasien hin, einfach, weil ich nach einiger Zeit endlich wieder einmal das Gefühl hatte, das Leben ist schön.

*

Es war der Sommer nach jenem meiner Affäre mit Tina und ich war orientierungslos auf der Suche nach einer neuen Liebe. Die sanften Frauen, die meine Nähe suchten, mied ich meist, da ich fürchtete, sie wären sich über meine unbekannten Seiten im Unklaren, und so mancher Versuch endete in ernüchternder Gewissheit. Die wilden Weiber sprangen ohnehin nicht so leicht auf mich an, und wenn, dann war ich ihnen im Alltag zu sanft, unsportlich, häuslich oder schlimmer noch zu nachdenklich. Wenigstens hatte keine mir gegenüber behauptet, ich sei langweilig. Was auch nicht passen mochte, es fügte sich schwerlich und Enttäuschung war schon meine Grundstimmung.

Die Vorstellung, heute den Abend mit diesen Menschen zu verbringen, gab mir einen zuversichtlichen Schwung, den ich geraume Zeit vermisst hatte. Freddy und Julia strahlten eine liebevolle Verbundenheit aus, die ansteckte und hoffnungsvoll machte, und es interessierte mich auch, wie es Rikki zwischenzeitlich ging, die ich seit mehr als einem Jahr nicht gesehen hatte. Was ich vor einiger Zeit gehört hatte, hatte mich schon sehr betroffen gemacht. Die Stimmung dieses anbrechenden Abends ließ mich auch freudig in Erinnerungen an unsere gemeinsame Vergangenheit wühlen ohne an Bitterkeiten hängen zu bleiben.

Aufgewühlt, voller Adrenalin, begab ich mich zur vereinbarten Zeit zu Freddys Wohnung, als sei es eine intime Verabredung mit einer neuen Liebe. So ganz verfehlt war dies auch nicht, denn ich konnte unbefangen Julias Gegenwart genießen ohne irgendwie aufzufallen oder zu stören. Und Rikki zu treffen, konnte zwar eine Auseinandersetzung mit traurigen Tatsachen bedeuten, doch auch dies schreckte mich nicht, war sie mir über Jahre hinweg doch ans Herz gewachsen geblieben.

*

Freddy begrüßte mich freudig und Julia grüßte aus der Küche, was mich durchaus wunderte, denn er war ein bekanntermaßen guter Koch, aber wie sie das untereinander aufteilten, ging mich ja nichts an. Es duftete jedenfalls schon köstlich und der Tisch war ansprechend gedeckt.

Wie ich erwartet hatte, sollte es diese leichte Mittelmeerküche geben, die den Gaumen entzückt, den Magen befriedigt und den Körper gänzlich unbeschwert läßt — stets ein Vorteil, falls ein Abend oder die ihm folgende Nacht noch verheißungsvoll würde. Und der Suchende will stets gewappnet sein, kann doch jede Chance die einzig wahre sein. Nun, ganz so fixiert war ich nicht, aber es war auch nicht einfach Zeitvertreib. Und so fragte ich Freddy, wie es denn Rikki ginge, denn wenn sie in Kürze kommen sollte, wollte ich sie nicht direkt überfallen, es konnte ja sein, dass sie vielleicht einfach mal abschalten wollte. Freddy sagte, er habe eigentlich einen guten Eindruck, ich werde angetan sein. So war es auch.

Rikki hatte sich wieder ausstaffiert mit gutem Gespür. Ein trefflicher Coiffeur hatte ihr eine wallende, kastanienrote Mähne beschert und offenkundig nahm sie gerade nicht ab, was der Stimmung des Abends sicher zuträglich sein würde. Die schlichte helle Bluse und ihre enge dunkle Hose brachten ihre nicht makellose, aber sehr ansprechende Figur gut zur Geltung. Und die Perlenkette passte hervorragend. Die Sorgen, Nöte und Demütigungen hatten Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen, aber das machte sie nur anziehender, eine Frau mitten aus dem prallen Leben, die zu Recht das Haupt erhoben trug. Sie schien halbwegs unbeschwert, zumindest gut gelaunt, und so fragte ich bewusst nicht, wie es gehe, sondern sagte ihr, dass ich mich freue, sie zu sehen. Das verstand sie in jeder Hinsicht richtig, ihr Blick bekam eine nachdenkliche Note, aber ihre Stimmung schien sich deshalb nicht einzutrüben.

Julia und Freddy waren da unbefangener, fragten und fast im Plauderton erfuhr ich so manches über ihre Situation, wie es ihr ging mit dem Verflossenen, dem Verlorenen, wie er sich verhielt zu seinen Kindern und wie vielschichtig dieser Kampf war, weil eine derartige Trennung eben keine vollständige Trennung im Leben sein kann und sie, wider ihre Gefühle, sich bei den Kindern manches Mal zu seinem Anwalt machen musste, damit das Band nicht ganz zerriß — obwohl ihm meiner Meinung nach damit nicht Unrecht geschehen wäre. Auch ich wurde um manche Auskunft gebeten, und Erzählbares gab ich preis.

Das Gespräch suchte sich seine Bahnen in eigener Logik, sprunghaft, angeregt, humorvoll, aber es kam wieder und wieder zum Vorschein, dass unsere Lebensmittelpunkte doch sehr unterschiedlich waren, und dass eine Alleinerziehende mit drei Kindern und Eltern, die für eine Neuorientierung ihrer Tochter wenig Verständnis aufbrachten, aber stets betonen, was sie alles schon immer gewusst hätten, hier eindeutig eingeschränkt war in ihren Entfaltungsmöglichkeiten. Ohne es zu wollen, hatten wir Rikki klar gemacht, was sie selbst ja schmerzlich als Lücke in ihrem Leben verspürte. Dem Wein hatten wir nicht unmäßig, aber doch in gewissem Umfang zugesprochen, das kann ein Gespräch beflügeln, aber er löst auch die Zunge für Dinge, die vielleicht nicht zur Sprache gekommen wären.

Und so entfuhr es Rikki unvermittelt: Ich will endlich wieder ficken! Ich brauche keinen Ehemann fürs Leben, das kann ich alles alleine! Aber das sind meine besten Jahre, ich bin geiler als je zuvor, aber eingesperrt wie eine Fünfzehnjährige! Ich pfeif auf meinen Vibrator, ich will endlich wieder einen Mann!

Wir waren nicht betreten ob dieser Äußerung, aber getroffen von ihrer Not, die dem Grunde nach jeder schon hatte durchleben müssen, aber nicht unter diesen schwierigen Bedingungen, die doch für so viele Frauen trauriger Alltag sind.

Ich hätte es nicht gewagt mich in Gegenwart Dritter anzubieten, und noch bevor ich richtig nachdenken konnte, ob dem Abend nicht auch eine wache Nacht folgen könnte, stimmte sie wieder ihre Hymne an: Die Männer sind alle Verbrecher, ihr Herz ist ein finsteres Loch …

Dies hatte ich schon in der Vergangenheit über mich ergehen lassen, wusste, ich war nicht gemeint und am Ende heißt es ja: aber lieb sind sie doch. Das war Rikki pur. Wäre es nicht so traurig gewesen, hätte man losbrüllen können, so wie damals, auf dieser ländlichen Hochzeit, als die Musikanten der verwandtschaftlichen Runde derbe Schlüpfrigkeiten mit deutlich gewalttätigen und Frauen verachtenden Anteilen als anzügliche Unterhaltung anboten, was die frommen Kirchgängerinnen zu Schenkel klatschenden Begeisterungsausbrüchen brachte, uns aber nur anwiderte, stellte sie sich auf den Tisch und schrie: Ich hab’s kommen sehen, sagte die Frau mit Sperma auf der Brille! — Kopfschütteln und betretenes Schweigen bei den Älteren, Gelächter bei uns war die Folge, Rikki stieg vom Tisch und setzte sich zufrieden, wir aber liebten sie.

Mittlerweile beklagte sie sich darüber, dass Frauen, die sexuelle Befriedigung nebenbei suchten, als Schlampen gelten, Männer mit gleichem Anliegen als tolle Hechte. Nun sie hatte schon recht und für sie mit drei Kindern unterschiedlichen Alters war Spontaneität in diesem Bereich auch erschwert, aber sie sollte sich für ihre wenigen Gelegenheiten vielleicht auch nachdenklichere Typen aussuchen, die nicht sofort alles weitererzählen, nicht mit Eroberungen prahlen und sinnliche Frauen nicht dem öffentlichen Urteil preisgeben — sicher nicht alles so leicht durchschaubar, täuscht man sich ja, wie geschehen, auch oft in der Wahl seines Lebenspartners.

*

Die Wohnung war eines dieser typischen Apartments mit Wohn- und Essbereich, in den man schon von Flur und Garderobe aus trat. Ich hatte mich als erster gesetzt, mit dem Rücken zur Glasfront, einerseits um nicht im Weg umzugehen, wohl aber auch um gleich den Blick auf Rikki zu haben, sobald sie die Wohnung betrat. Sie hatte sich dann neben mich gesetzt, und nachdem aufgetragen war, saßen sich Julia und Rikki gegenüber, und ich blickte dem Grunde nach auf Freddy. Wir hatten also nicht die klassische Sitzordnung mit Tischdamen. Die seitliche Sitzposition zur Linken Rikkis gewährte mir durchaus ansprechende, unauffällige Einblicke in ihr Dekollete, sie trug Korsett oder Korsage, schwarz, und ihr Profil war ansprechend, ich konnte sie betrachten, ohne dass ihrem Blick alles offenbar wurde, was meiner anstellte. Diese halb schräg eingenommene Sitzposition hatte aber eine natürliche Ausrichtung auf Julia, und was ich da, scheinbar ins Zuhören versunken, durchleben musste, war eine süße Qual. Sie trug hochgeschlossen, aber schulterfrei und enge Jeans, Pumps, alles schwarz — was für ein Gegensatz zu ihrem mädchenhaften Sommerkleid nachmittags. Unterhalb der Tischkante wurde es buchstäblich eng für mich.

*

Wer einsam ist und leidet, soll in schönen Phantasien schwelgen: Das mag traurig machen, verhindert aber, dass die notgedrungen auf sich selbst beschränkte Liebe in purer Druckabfuhr endet, die ein schales, bitteres Gefühl von Hoffnungslosigkeit hinterlässt. Dem hatte ich Rechnung getragen, indem ich meine Intimrasur pflegte und als neueste Errungenschaft dieses Lederriemengeschirr um Glied und Hoden trug, nicht diese nekrotisierenden Gummi- oder brutalen Metallringe, sondern angenehm anliegend im ruhigen, anregend umfassend im erregten Zustand. Nun litt ich.
*
Da Rikki nicht ernsthaft zugänglich war für aktuelle Lebensberatung, glitten Freddy und ich ab in Erinnerungen an jene wilde Zeit, in der dieser Gesang erstmals erklungen war - mein Leiden im Parterre entspannte sich - und so bemerkte ich nur am Rande, wie Julia sich erhob und herüber kam zu Rikki. Ich verstand nicht, was sie ihr zuflüsterte, es ging mich wohl auch nichts an und die beiden verschwanden vom Flur aus seitlich im Raum nebenan, vermutlich dem Schlafzimmer. Ich konnte von mir aus nicht hineinblicken und betrachtete ja auch nur die Rückansichten der beiden Damen. Ich gebe zu, ich stockte im Gespräch mit Freddy etwas, was dieser aber netterweise nicht thematisierte. Er durchschaute mich wohl, zwang mit aber nicht, mich zu bekennen.

Allein gelassen, wechselten wir zu beruflichen Themen, tauschten Informationen aus, da wir einige wenige Angelegenheiten tatsächlich von verschiedenen Ausgangspunkten aus als gemeinsames Arbeitsfeld hatten. Ich trank zwischendurch und verschluckte mich fast, als Julia und Rikki deutlich leichter bekleidet zusammen ins Badezimmer wechselten, auf das ich geradeaus hin blickte, sich also direkt hinter Freddy wahrhaft nackte Tatsachen zeigten.
Sie ließen die Tür geöffnet, in gerader Linie durch die Tür befand sich die Toilette, links davon das Waschbecken, rechts, schon nicht mehr einsehbar, standen Wanne und Dusche.

Julia trug nun nur noch ein Gespann aus schwarzen Lederriemchen, an den Verbindungen gefaßt mit Metallringen, das alles frei ließ, aber Brüste, Taille, Hüften und wohl auch die Öffnung ihres Schoßes unterstrich, und die Pumps.

Rikki trug tatsächlich eine Korsage, halterlose Strümpfe und blickte amüsiert von mir zu Julia und wieder zurück. Julia setzte sich, fixierte mich mit festem Blick, spreizte ihre Schenkel weit und ließ es laufen. Ich war zu weit weg, um wirklich befriedigend genau etwas sehen zu können, sah lediglich, dass sie bis auf einen schmalen senkrechten Streifen rasiert war, doch ich war viel zu nah, als dass ich mich noch hätte entziehen können.

Mir war heiß, mein Puls schlug hoch bis zum Kopf, ich atmete schwer, vollkommen unsinnige Fluchtgedanken blitzen durch meinen Kopf, die ich nicht mal bei Seite schieben musste, meine Gier musste mir anzusehen gewesen sein, denn ein flüchtiger Blick zur Seite offenbarte mir Freddy freundliches, aber doch sehr breites Grinsen. Er hatte offenkundig noch nicht mal über die Schulter geblickt und wusste dennoch, was ablief. Nachdem unsere Blicke sich getroffen hatten, und er offensichtlich Spaß an meiner Panik hatte, drehte er sich langsam mit seinem Stuhl und um und lehnte sich genüsslich zurück um zu betrachten, wie die Damen es anscheinend gut mit uns meinten, und mit sich wohl auch.

Julia seufzte erleichtert und während sie sich trocknete, sagte sie zu Rikki: Das gefällt den Männern und macht sie heiß. Rikki lachte schallend: Ich weiß! und tat es ihr gleich. Auch sie blickte uns herausfordernd an. Den Urwald von früher hatte sie zumindest auf Bikinizone getrimmt, ebenfalls sehr ansprechend.

Die beiden Damen pflegten sich mit seifengetränkten nassen Tücher zwischen ihren Backen und wiesen sich gegenseitig darauf hin, den ureigenen Duft des Schoßes nicht zu sehr beeinträchtigen, weil das die Männer, ja genau, heiß macht, verrückt nach ihnen, den Frauen, man müsse die Männer dann nicht festbinden, damit sie ihnen zu Willen seien und sie ihre Sexgöttinen — dieser und dergleichen Spott amüsierte sie unbändig und machte deutlich, wer hier das Heft in der Rand hielt, und sie hatten ja so recht. Ich stöhnte laut, wollte sterben, aber bitte erst nachher.

Julia setzte sich auf Freddys Schoß und sie begannen sich zu liebkosen, seine Hände wanderten in ihren Schoß und seine Lippen schlossen sie sich um ihre entblößten, erregten Nippel.

Recht viel mehr sah ich von ihnen nicht, denn Rikki umrundete den Tisch mit ruhigen Schritten, beugte sich zu mir, und fragte nach einem sanften Kuß: Nun, Herr K., wie wär das jetzt mit uns beiden? — fünfzehn Jahre zuvor hatte sie in ganz ähnlicher Weise die Initiative ergriffen. Eine Antwort auf ihre rein rhetorische Frage wartete sie gar nicht ab und setzte sich. Als erfahrene Frau achtete sie darauf, dass es nicht schmerzhafter wurde, als ohnehin schon war.

Ich roch ihre Feuchte, spürte ihre Hitze und in meine Glieder kehrte die Kraft zurück, meine Knie waren nicht mehr weich, ich wusste, sie wollte mich. Ihre Mähne wallte über mich und während wir uns zart und hingebungsvoll küssten, wanderten meine Hände über ihren Rücken, ihre prächtigen Backen, ihre Schenkel, in ihren Schritt.

Was Julia und Freddy anstellten, kann ich nicht in jeder Hinsicht wiedergeben, da hinter Rikki die Welt fast versank. Plötzlich stand Julia bei uns, hielt uns ein Schälchen mit Präservativen hin und sagte lächelnd: Vergesst das nicht und macht es Euch gemütlich mit uns.

So erhoben wir uns vom Stuhl und wechselten zum ausladenden Ecksofa, auf dem sich neben uns auch Julia und Freddy niederließen.

Freddy hatte sich schnell seiner Kleidung entledigt und sank in die Ecke, Julia schob sich über ihn. Ich stand noch einen Moment untätig vor Rikki, die sich schon gesetzt hatte und unverzüglich beanstandete, mein Aufzug entspräche nicht mehr der geltenden Kleiderordnung. Sie öffnete meinen Gürtel und befreite mich aus meiner Enge — und musste sofort schallend lachen angesichts meiner Lederverschnürung: Du trägst ein Pferdehalfter? prustete sie. Ich wurde rot, verlegen, obwohl ich mich bei Julias Ausstaffierung gar nicht mehr so dämlich fühlte, das Gefühl war jedenfalls in Freiheit sehr angenehm. Ich vollendete ihr Werk, da sie in ihrer Erheiterung etwas an Zielstrebigkeit verloren hatte, und schmiegte mich nackt an sie. So ist das Leben: wenn Männer sexy sein wollen, sind sie schnell lächerlich, Frauen sehen in unseren Augen immer toll aus.

Jedenfalls, ihre Heiterkeit tat uns beiden gut, sie war sichtlich unverkrampft, heiß, feucht, verlangend, ihre Freude ein Genuß. Ich berührte sie, in meiner Erregung nicht wirklich sanft, fordernd, nicht wild. Ich umfasste ihre Schenkel, ihre Backen, massierte ihre Brüste, zunächst durch die Spitzen ihrer Korsage, dann zog ich den Stoff nach unten, streichelte, küßte die harten Nippel ihrer eher kleinen Brüste. Sie schmolz dahin, überdeckte meinen Hals und Nacken mit Küssen, umfing mein Glied sanft und massierte mich etwas. Ich bat sie, dies nicht zu intensivieren, um den weiteren Verlauf nicht ungewollt abzukürzen, was ein etwas diabolisches Funkeln in ihre Augen zauberte und plötzlich beugte sie sich nach unten, nahm mich in den Mund und umkreiste den Rand meiner Eichel mit ihrer Zunge, massierte mich mit ihren Lippen. Ich wollte nicht mehr protestieren, doch sie beendete es so unverhofft, wie sie es begonnen hatte.

Julia und Freddy waren etwas herangerückt an uns, Freddy drückte sich an Rikki, küsste sie auf die Wange und fragte, wie ihr gehe. Julia schmiegte sich an seinen Rücken und beobachtete uns interessiert. Rikki seufzte mit verschlossenen Augen, gut gehe es ihr, blickte mich kurz an und sagte: Entschuldigen Sie, Herr K. ich muß nur mal schnell Herrn S. begrüßen, und tauchte in Freddys Schoß, um ihm die selbe Wonne zu bereiten wie mir. Da er keinerlei einschränkende Vorgaben machte, gab sie sich ihrer Lust bereitenden Tätigkeit hin, kniete sich auf das Sofa und mir bot sich in unmittelbarer Nähe ein wunderbarer Einblick, der intensive Duft ihrer Feuchte durchdrang meinen Atem, über ihrer nackten, erregten Spalte lockte ihr makelloser Muskel wie ein Kussmund, dem ich nicht widerstehen konnte.

In dem Moment, in dem die Spitze meiner Zunge ihn berührte, durchzuckte es Rikkis Becken, dann reckte sie sich mir entgegen. Nach ausgiebigen sanft kreisenden und gelegentlichen fordernd drängenden Bewegungen meiner Zunge, hob sie ihr Becken an, streckte ihr Schambein nach unten durch, so dass ihre Klitoris und ihre Vulva höher lagen. Ich leckte ihre Lippen, saugte sanft, wanderte hinab zu ihrer Klitoris und ließ meine Zunge über ihr vibrieren. Sie stöhnte zunehmend und kam mit einem verhaltenen Schrei, ihr Becken zitterte, wand sich, doch ich hielt sie fest und leckte weiter, bis sie ihre Beine durchstreckte und mir ihren Schoß entzog. Geschafft, außer Atem, gewährte sie nun Freddy keine Vollendung seiner Sehnsucht. Als sie sich aufrichtete, setzte sich Julia auf ihn und begann mit langsamen, intensiven, drängenden Bewegungen Ihres Beckens die Vereinigung. Rikki umarmte beide, ließ ihre Mähne sie einen Augenblick bedecken und wandte sich dann mir zu. Die beiden entließen sie aus der Umarmung, schon schwer atmend und mit einem etwas entrückten Gesichtsdruck umschlangen sie sich, und sogar in meiner Erregung bemerkte ich, wie sich ihr Rhythmus beschleunigte.

Rikki griff nach dem Präservativ, und schon wie sie es mir überrollte, war eine Freude an sich. Sie massierte mich wieder sanft und ihre Zunge drang tief in meinen Mund, ihre Lippen saugten leidenschaftlich. Ich erhob mich, drehte sie in unsere Ecke des Sofas, hob ihre Beine in meine Armbeugen, beugte mich über sie und ließ meine hartes, erregtes Glied in sie eindringen, so wie sie es schon viele Jahre zuvor geliebt hatte. Noch durch das Präservativ fühlte ich ihre Hitze, Feuchte, Erregung. Ich schob mich tief in sie, ohne Hast, drückte gegen das Ende ihrer Vagina und sie atmete schwer, ich presste den Schaft meines Gliedes auf ihren Damm, kreiste langsam unter stetem Vor und Zurück, gelegentlich zog ich zurück und stieß schnell und hart in sie, verhaltene Schreie keuchte sie in mein Ohr. Unser Rhythmus steigerte sich und meine harten Stöße drangen nun ohne Verzögerung immer schneller in sie, bis ich mich in einem tiefen Druck in sie ergoß, kurz zurückzog und wieder tief in sie stieß, drei-, viermal, die angespannten Muskel meines Unterleibes pumpten den letzten Tropfen in sie, na ja, nicht direkt in sie. Ich sank erschöpft über ihr zusammen und sie drückte mich fest an sich, ihre nasse Zunge glitt über meine Wangen, meinen Hals. Ich richtete mich auf, um nach der schwindenden Erregung nicht wie ein Sack auf ihr zu lasten, zog mein erschlaffendes Glied aus ihrer Feuchte, Hitze, und setzte mich neben sie.

Ich griff nach einer Packung Taschentücher auf dem seitlichen Couchtisch, um das Präservativ abzuziehen und mich zu trocknen. Neben uns strebte Freddy dem Ziel entgegen, er hatte die Stellung in ähnlicher Weise gewechselt, und ergoß sich im letzten Moment in Julias Mund, fest zog sie mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand einen engen Ring bildend an seinem Glied zurück, das musste nicht er tun und verhinderte ein zu tiefes Eindringen in ihren Mund, mit den Fingern der linken massierte sie seine Hoden. Als auch er erschöpft zurücksank, küßte sie ihn leidenschaftlich auf den Mund und sie schienen diese vermischten Säfte zu lieben, denn in aller Erschöpfung küssten sie ich innig und verlangend.

Julia schien nicht umfassend erschöpft, den sie rutschte an Rikkis Seite und fragte sie, ob sie nicht weiter verwöhnt werden wollte von den beiden Herren da, doch diese lehnte dankend ab. Julia neigte den Kopf und blinzelte Freddy zu, also sie könne durchaus noch etwas intensivere Zuwendung vertragen und erwarte auch eine gewisse Erhärtung der Herren, oder sei sie nicht erregend? Rikki räumte lachend den Platz zwischen Freddy und mir, wir rückten nahe an Julia und während Freddy und ich sie liebkosten, kniete sich Julia zwischen uns und massierte sanft unsere Glieder. Sie beugte sich abwechselnd nach links und rechts, um uns mit ihrer Zunge zu umspielen, Lippen, Brust und Glied zu necken, und dies zeigte auch schon Wirkung. Rikki schmiegte sich an mich und ließ ihre Finger spielen zwischen meinen Beinen, und Julias Energie, Verlangen, Tatendrang übertrug sich auf uns Männer. Ich konnte mein Glück in diesem Rausch nicht fassen, und nahm alles schweigend hin, Freddy strahlte in seinem zufriedenen Schweigen eine Ruhe aus, die vermuten ließ, dass diese abwechslungsreiche Art der Liebe für ihn nicht ungewohnt war.

Rikki rollte mir ein weiteres Präservativ über, massierte mich sanft und ich wartete einfach, wusste ich doch nicht, wie es weitergehen sollte. In Julia einzudringen, sie zu halten, ohne hier irgendeine Eifersucht zu wecken, war eine jedenfalls Erwartung, die ungeahnte Erregung hervorrief. Julia blickte Freddy fest in die Augen, er schmunzelte, und sie wandte sich mir zu. Sie umarmte mich, küsste mich fordernd, ihre Zunge, noch voll des Geschmacks ihres vergangenen Aktes, drückte sich an mich. Ich berührte ihre Brüste, ihre Taille, ihren Po, streichelte ihren After, ihre Scham. Sie kniete sich über mich, Rikki führte mein Glied in Richtung ihrer Spalte und Julia setzte sich auf mich, drückte mir ihr Becken entgegen, bewegte sich zielstrebig, fordernd, küsste mich, biß mich.

Der zweite Akt beginnt nicht mehr mit dem unglaublichen Gefühl des Eindringens in das Herz der Glückseligkeit, denn der vorhergegangene Höhepunkt der Erregung hat seinen Preis. Auch wenn die Erektion wiederkehrt, so ist das Glied doch nicht so empfindlich wie beim ersten Mal und die Sinne sind offener für die vielfältigen weiteren Reize der Frau. Ich liebkoste die Nippel ihrer fülligen Brüste, hielt ihre Taille umfangen, stimulierte in ihrem nun schon wilderen Ritt ihren Anus und ließ sie einfach gewähren, mühte mich nicht, in dieser Stellung selbst noch aktiver zu sein. Freddy hatte sich anfangs nur als Zuschauer zurückgelehnt, ohne jedoch an Härte zu verlieren und ich dachte auch nur einen Moment darüber nach, was wohl in ihm vorgehen mochte, aber in seinem Blick lag eindeutig Erregung — die auch sonst eindeutig erkennbar war —‚ so dass ich nicht weiter darüber nachdachte. Julia richtete ihren Oberkörper plötzlich gerade auf und sah Freddy mit festem Blick in die Augen. Er stand auf und sie befeuchtete ihn reichlich mit ihrem Mund, dann trat er hinter sie, beugte seine Knie, umfasste ihre Taille und drang in sie ein. Er war rücksichtsvoll, aber ihrer Kehle stieg ein tiefes, lang gezogenes, gutturales Stöhnen.

Homoerotische Gefühle waren mir immer fremd, aber als sein Glied ihren Muskel durchdrang, wurde ich durch ihn mehr stimuliert als durch die vorigen kreisenden Bewegungen ihres Beckens. Vorsichtig drang er tiefer in sie und unsere Glieder waren nur durch die dünne Wand zwischen Vagina und Rektum getrennt. Julia hielt mich fest umfangen und drückte ihren Kopf an meinen, wimmerte leise, keuchte mit jeder von Freddys sanften Bewegungen. Rikkis Mähne bewies, dass sie neugierig geworden war und das doch etwas genauer sehen wollte, und irgendwie spürte ich ihre Hände, die Freddy wohl zusätzlich anregten sollten.

Julia war ganz an mich geklammert, in ihrer Lust grub sie ihre Nägel fest in mein Fleisch, aber in diesem Rausch empfand ich keinen Schmerz, wurde massiert von einem anderen Mann, wie ich es mir nie vorgestellt hatte. Ich spürte, dass sie in Wirklichkeit nur bei ihm war und ich nur der Verstärkung ihrer gemeinsamen Lust diente. Seine Bewegungen wurden heftiger, aber er schien darauf zu achten, ihr keinen Schmerz zuzufügen, und wenige Momente später kam er tief in ihr. Zwei, drei härtere Stöße, dann spürten wir, wie er entschwand. Ich war noch so erregt, drehte sie auf den Rücken, stieß sie heftig und kam mit dem wenigen, das noch in mir war. Wir lösten uns, drückten uns aneinander, doch augenscheinlich zog es sie in Freddy Arme. Rikki machte sich mit einem: Meine Herren, ich bin beeindruckt! bemerkbar und wir mussten lachen. Sie befreite mich von dem Präservativ und ich kuschelte mich an ihre Brust.

Tatsächlich war ich eingenickt, und als ich wieder erwachte, merkte ich, dass es Rikki genauso gegangen war. Freddy und Julia hatten sich offenbar ins Bett zurückgezogen. Rikki schreckte hoch und fragte, wie spät es sei. Nach 2.30 Uhr saß ihr Babysitter wohl schon auf Kohlen, sie zog sich schnell an, bat mich, ein Taxi zu rufen und notierte auf einen Zettel, den sie auf dem Esstisch platzierte, sie bedanke sich für diesen wunderbaren Abend. Auch ich hatte mich angezogen, unterschrieb die Nachricht ebenfalls und verließ mit ihr leise die Wohnung.
*

Rikki sah mich auf dem Parkplatz bedrückt an und sagte, sie wisse, dass ich in Erwägung ziehe, wieder bei ihr anzuklopfen nach dieser außergewöhnlichen Nacht, aber sie habe sich nicht wirklich verändert, ihre Erfahrungen hätten ihre Sehnsüchte nicht absterben lassen und sie werde weiter auf der Suche bleiben.

Sie legte den Arm um meinen Hals, drückte mir einen zarten Kuß auf die Lippen, stieg mit einem kurzen: Tut mir leid! ins Taxi und verließ mich.

*

Rikki hatte mich vorab entmutigt, eine neue Geschichte sollte es zwischen uns nicht geben.

Zwar kam es später noch nach verabredet oder zufällig gemeinsam verbrachten Abenden wie Geburtstagen gemeinsamer Freunde oder Konzertbesuchen zu Aufforderungen der berichteten Art — „Na, Herr K….“ — und wir hatten entspannte One-Night-Stands, in denen wir uns ganz der Lust hingeben konnten, weil wir nichts mehr im Hinterkopf regeln, durchdenken, abwägen mussten. Ich versuchte daraus nicht mehr eine Beziehung anzubahnen, denn ich wusste, ich war nur ihr lieber Freund. Für mich war es mehr, denn ich konnte keine meiner vergangenen Lieben aus meinem Herzen verbannen, aber es macht einen Unterschied, ob das Herz drängt, gestalten will, Nähe zu schaffen sucht oder nur wohlwollend wahrnimmt und erinnert.

Sie war angenehm unkompliziert, an Abwechslung interessierter als in jungen Jahren, aber sie konnte Experimente immer noch dankend ablehnen ohne mir das Gefühl der Zurückweisung zu geben. So verwöhnten wir uns in klassischer Manier mit Lippen, Zungen, Händen, Fingern, liebten uns durch die Wohnung, umfingen uns stehend, liegend, sitzend von hinten oder von Angesicht zu Angesicht und da sie den langen Akt liebte, durfte ich sie endlos genießen, in ihrer feuchten Enge verweilen, jedes tiefe Vordringen in ihren Augen, in ihrem Atem wahrnehmen. Alle Lust will Ewigkeit, das schien sich mit ihr zu erfüllen. Etwas Wehmut war stets in mir und manches Mal stellte ich mir vor, sie bekäme ein Kind von mir. Doch für sie dieses Thema abgeschlossen und so blieb auch dies für mich nur ein Traum. Wenn sie die Tür hinter sich schloß, hinterließ sie stets nur bittersüße Melancholie.

*

Das Erlebnis mit Freddy und Julia hatte mich mehr aus der Bahn geworfen als ich zunächst wahrhaben wollte. Ständig musste ich an diese Nacht denken, die kurze innige Wiederannäherung mit Rikki und ihre für mich traurige Klarstellung, die wirklich intime Begegnung mit Julia — und Freddy —, die als einzigartiges Ereignis von meinen Gefühlen nicht richtig eingeordnet werden konnte.

Ich dachte an die beiden, wusste aber nicht, wie ich ihnen so ohne weiteres gegenübertreten sollte, meine Gefühle offenbaren oder besser für mich behalten sollte. Und so trat gerade durch dieses liebevolle Erlebnis etwas zwischen uns.

Nun, die Entscheidung wurde mir abgenommen. Wir trafen uns bald darauf zufällig in unserer früheren Stammkneipe, die wir immer wieder mal auf der Suche nach alten Bekannten besuchten.

Julia und Freddy durchschauten mich wohl relativ schnell, wir sprachen aber zunächst nur über Rikki und mich, und dass sie ohne das Gefühl, bei Mr Right angekommen zu sein, keinen Versuch mehr wagen würde. Was mich sonst noch bewegte, behielt ich für mich, aber Julia sagte mit etwas verruchtem Unterton zu Freddy: Ich glaube, wir sollten ihn ein bisschen trösten.

Ich wollte abwehren, aber Freddy sagte nur, ich solle einfach mitkommen. Wir verließen das Lokal und spazierten ohne Hast durch den Park, über den Fluß zum Ort ungeahnter Lüste.

Es folgte eine klassische menage a trois. Julia ließ sich umfassend verwöhnen von uns beiden, und ich konnte mich nun wahrlich nicht beschweren in diesem weiteren tiefen Erlebnis. Aber ich empfand diesen schönen Sehnsuchtsschmerz, ich war — und das war ja letztlich auch gut so — nur angenehme, anregende Ergänzung ihrer tiefen Leidenschaft, die sich ja aus dem Feuer nährte, das aus ihrer beider Liebe füreinander brannte, nicht aus einer Liebe, die mich in gleicher Weise einschloß. Wir unterhielten uns danach noch lange, und ein wenig Bitterkeit lag in unserem Abschied, ich wusste, ein weitere Zusammenkunft dieser Art würde es nicht geben, zu viele meiner Gefühle passten nicht in diese Konstellation, die nur von Unbeschwertheit hätte leben können.

*

Wenig später wechselte Freddy wieder in entfernte Gegenden und ich hörte längere Zeit nichts von ihm. Zu meiner Hochzeit erschien er mit Julia als strahlendes Paar. Meine Frau war mein neuer Stern, bei der ich nicht lange gezögert hatte, und die folgenden Jahre hatten mir bestätigt, dass man der Stimme des Herzens unbedenklich folgen darf. Freddy traf ich nur auf Massenveranstaltungen wie sporadischen Klassentreffen oder runden Geburtstagen alter Freunde, was manchen Austausch zuließ, aber, da er unbeschwert auftrat wie immer, fragte ich nicht nach seinem Liebesleben und auch deshalb nicht nach Julia, da ich selbst nicht mehr der Erinnerung an sie nachhing, hatte ich doch meine Liebste gefunden. Es hatte sich alles gefügt.

So war ich, und meine Frau mit mir, sehr überrascht, als die Einladung zur Hochzeit von Freddy und Regina in unserem Briefkasten lag. Bis heute konnte ich nicht erfahren, was mit der Liebe von Freddy und Julia geschehen war, denn Julia war mit ihrem Mann auf der Hochzeit und Freddy traf ich nur noch im Doppelpack. Aber es schien gut zu sein für uns alle und es bleibt die Erinnerung an eine wunderbare menschliche Begegnung.

Nur Rikki wartet immer noch auf den Falschen. Ich kann nichts dafür, sie hatte ihre Chancen, und dies sage ich nur mit Bedauern, ohne jegliche Häme. Doch wahrscheinlich hatte sie ja recht, denn beide müssen füreinander entflammen, nur dann hat die Liebe Aussicht darauf, zu wachsen und zu bestehen.

*

Ich überquere die Brücke jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und wieder nach Hause. Und wenn die Sonne so steht wie damals, dann bleibe ich stehen und denke zurück an die drei, vor allem aber an Julia, der ich nah gewesen war in innigster Weise und der es doch nie zu prüfen galt, ob es nicht eine eigene Geschichte zwischen uns hätte geben können.

*
Epilog

Der Akt an sich ist banal, und es kommt nur zum Teil darauf an, wie der andere Mensch Dich berührt, wie seine – ihre – Eure Bewegungen zusammenspielen und die Strenge der Prüfung anatomischer Verhältnisse ist eine Last, die der Entdeckung der Wege wahrer Lust abträglich ist.



Wer gefangen ist in der Enge der Eintönigkeit, wird die Fremde empfangen wie eine Befreierin und nach dem Fremden dürsten wie nach Wasser in der Wüste. Ich war zu lange verloren in der Weite meiner Einsamkeit, die plötzliche Nähe einer Fremden hat mich so manches Mal verstört, nicht stark gemacht in Geborgenheit. Die unverhoffte Nähe lieber Menschen ließ mich eine Begegnung erleben, die ich mit Fremden nicht geteilt hätte, und zwischen uns Fremdheit verschwinden, wo sie bestand und wir sie nicht wahrnehmen konnten. Nur diese außergewöhnliche Begegnung war geeignet, uns füreinander zu öffnen.



Das Wesen der Begegnung ist, dass sie vorübergehender Natur ist, auch wenn wir im Augenblick der Verschmelzung dies nicht spüren können und wollen, denn: all unsere Lust will Ewigkeit.

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