Myriams Rettung

I’m sailing, erklang es plötzlich leise aus dem Radiowecker. Es dauerte recht lange bis Myriam bewusst wurde, dass die Musik nicht in ihrem Traum zu hören war, sondern sie ganz real daran erinnerte wach zu werden.
Als ihr dann auch noch einfiel, welch wichtiger Tag heute war, setzte sie sich sehr schnell auf die Bettkante und reckte ihre schön geformten Arme zur Decke.
Auf dem Weg zum Bad streifte sie sich das Oberteil ihres Baumwollpyjamas ab, warf es über die Lehne des Korbstuhls am Telefon und verschwand, fröhlich das Lied von Rod Steward mitpfeifend, im Bad.
Einige Minuten lang ließ sie das heiße Wasser über ihre glatte Haut sprühen, um sich dann mit dem neuen, sündhaft teuren Duschgel einzuseifen. Es duftete herrlich, leicht herb aber doch fraulich - lieblich. Eigentlich war es ihrem Geldbeutel gar nicht gut bekommen doch um den ganzen beruflichen Ärger und Stress etwas abzubauen musste sie sich diese Freude einfach gönnen.
Das Abspülen und Abtrocknen ging dann wieder flotter. Noch schnell die Zähne geputzt und mit dem groben Kamm ein paar Mal durch das lange braune Haar gefahren und schon war sie für diesen Tag gewappnet.

Sie brauchte sich nicht besonders zurechtmachen, denn im Büro war heute sowieso keiner. Dieses war ein Tag der ihre berufliche Zukunft stark verändern konnte, der aber nicht durch ihr Aussehen zu beeinflussen war.

Nachdem Myriam sich den langen schwarzen Wickelrock und die weiße Bluse angezogen hatte, warf sie noch einen prüfenden Blick in den großen Flurspiegel. Sie konnte mit dem was sie sah sehr zufrieden sein.
Die letzten Tage war es immer sehr warm gewesen, deshalb legte sie sich nur eine leichte Wolljacke um die Schultern. Schnappte sich ihre Umhängetasche und den Autoschlüssel und sprang dann beschwingt die Treppe hinunter.

Der alte VW- Polo auf der anderen Straßenseite würde heute mal wieder eine Fahrt machen. Sonst fuhr sie immer mit der Bahn, da es an ihrem Arbeitsplatz in der Lederstraße keinen Parkplatz für sie gab. Nur die Herren von der Geschäftsleitung konnten auf dem Hof ihre Wagen abstellen.
Aber heute am Sonntag war der ganze Parkplatz leer und sie hatte genug Platz.

Als Myriam ihren gelben Polo nun so durch die leeren Straßen fuhr, gingen ihre Gedanken zurück zum Freitag.
Sie arbeitete erst seit kurzer Zeit bei der Firma H. J. Spreyer, einer Firma der Klima- und Lüftungstechnik.
Myriam war dort seit ca. drei Monaten als technische Zeichnerin beschäftigt und hatte vor vierzehn Tagen vom Juniorchef den Auftrag erhalten, die Klimazentrale eines Bürohauses zu zeichnen.
Der Auftrag an sich war nichts Besonderes. Sie hatte in einem Konkurrenzunternehmen gelernt und hatte ihre Prüfung mit „sehr gut“ bestanden, war also in der Lage solche Aufträge selbstständig aufs Papier zu bringen.
Hier aber waren zwei Dinge die Myriam etwas unsicher machten. Zum Einen war da der wahnsinnig kurze Termin, morgen am Montag musste sie die Zeichnungen abgeben.
Die Pläne waren zwar fertig, aber das Beschriften und in Tusche nachzeichnen fehlte noch und gerade das war immer sehr zeitaufwendig.
Und dann hatte der Junior ihr noch angedeutet, wenn sie diese Aufgabe zu seiner Zufriedenheit ausführen würde, könnte ihre Festeinstellung um drei Monate vorgezogen werden.
Mit Feuereifer hatte sie sich an die Arbeit gemacht, denn 300,-- Euro mehr im Monat konnte sie sehr gut gebrauchen. Ihr Auto wollte so manches Mal nicht mehr und auch in der neuen Wohnung fehlte noch so manches Stück.
Als Sie dann am Freitag merkte, dass sie den Termin nicht halten konnte, war sie den Tränen nahe. Fehler häuften sich und ihre Unruhe übertrug sich auch auf ihre Kollegen.
Als dann auch noch der Abteilungsleiter, Herr Runge, sie wegen ihrer heruntergefallenen Schmierzettel anblaffte, konnte sie nicht mehr an sich halten. Den Tuschefüller auf den Schreibtisch knallen, aufspringen und hinauslaufen war alles.
Als sie in der Toilette ankam rollten schon dicke Tränen über ihre Wangen. Myriam schloss sich ein und blieb fast eine halbe Stunde dort drinnen. Sie heulte erst aus lauter Verzweiflung über den verpatzten Termin und dann aus Wut über die Rüge ihres Abteilungsleiters.

Sie kam erst wieder zur Besinnung als draußen jemand an die Tür klopfte.
„Myriam?“ Hörte sie ihre Kollegin Heike. „Bist du OK?“
„Ja, ja.“, schnaufte sie zwischen zwei Schluchzern.
„Myriam, komm raus!“, sagte ihre Kollegin. „Herr Runge hat es doch nicht so gemeint. Er ist ganz ratlos und weiß überhaupt nicht, was er getan hat.“
„Hat ja auch nichts getan!“, murmelte sie vor sich hin und schloss dabei gleichzeitig die Tür auf.
„Er hat nur das Fass zum überlaufen gebracht.“
Heike schaute sie mit großen Augen an und sagte: „Mein Gott wie siehst du aus! Das muss dich ja fürchterlich getroffen haben, was ist denn nur los?“, stieß sie hervor.

„Ich schaffe den Termin nicht mehr bis Montag und überhaupt ist mir das alles egal. Sollen die doch zusehen wie sie klar kommen, solche kurzen Termine kann man ja auch nicht halten.“
Als sie das sagte drehte sie den Wasserhahn auf, füllte ihre Hände mit Wasser und kühlte ihr gerötetes Gesicht mit dem kühlen Nass.
„Geh man wieder nach vorne, ich komme auch gleich nach.“, sagte sie zu Heike gewandt und trocknete sich dabei das Gesicht ab.
Myriam blieb noch eine kleine weile am geöffneten Fenster stehen bis sie sich wieder in der Gewalt hatte.
Als sie den Zeichensaal betrat hatte sie das Gefühl alle starrten sie an. Doch ein vorsichtiger Blick durch ihre langen, dunklen Wimpern zeigte ihr das alle bis auf Heike emsig am Arbeiten waren.

„Fräulein Ahlers kommen sie doch bitte einmal zu mir!“, hörte sie Herrn Runge rufen.
Innerlich sträubte sich zwar alles dagegen, aber was sollte sie machen, sie musste dieser Aufforderung folge leisten.
Das Büro des Abteilungsleiters war wie immer perfekt aufgeräumt und sauber. Ein Fremder konnte denken Herr Runge sei mehr damit beschäftigt seinen Schreibtisch aufzuräumen, als sich mit seiner eigentlichen Arbeit zu beschäftigen.
Er erhob sich halb von seinem Platz und bat sie mit einer Handbewegung Platz zu nehmen.

„Fräulein Ahlers, was ist los mit ihnen? Sie sind doch sonst nicht so empfindlich.
Wenn ich sie irgendwie beleidigt habe, möchte ich mich dafür entschuldigen, aber ich weiß wirklich nicht, was ich gemacht habe.“
Myriam hob die Hände leicht an und sagte dann: „Herr Runge, sie haben mich nicht beleidigt es war nur...“, und dann erzählte sie ihm alles, was ihre Nerven so strapaziert hatte.
Herr Runge hörte sich Myriams Geschichte sehr aufmerksam an und fragte sie dann ob sie ernstlich daran interessiert sei den Auftrag fertig zu bekommen.
Als Myriam das bejahte sagte er zu ihr: „Ich weiß, dass beide Chefs übers Wochenende auf Segeltour sind. Wenn sie mir versprechen keinem etwas davon zu sagen, dann gebe ich ihnen einen Schlüssel und sie können hier am Sonntag ungestört arbeiten. Wollen sie das?“ Dabei schaute er sie über seine Halbbrille ernst an.
Myriam konnte im ersten Moment nur nicken, beeilte sich dann aber mit einem kräftigen
„Ja, Herr Runge.“, ihre Zustimmung zu bekunden.
Damit hatte sie nicht gerechnet. Herr Runge war eigentlich nicht so beliebt bei den Angestellten. Selten hatte er mal ein Lob übrig und schon gar nicht, dass er mal Hilfe anbot.

Mit diesen Gedanken war Myriam in der Lederstraße angekommen. Schwungvoll parkte sie ihren alten Wagen auf dem großen Parkplatz des Seniorchefs. Der Platz war in sofern gut gewählt, weil er von der Straße nicht einzusehen war.
Mit dem Schlüssel von Herrn Runge bewaffnet, ging sie zur Eingangstür und schloss auf. Etwas eigenartig war ihr schon zu Mute, als sie in das Treppenhaus trat. Das wenige Licht, welches durch die kleinen Scheiben der Tür fiel, reichte nur knapp aus, den Flur zu erhellen.
Licht wollte Myriam nicht machen, also tastete sie sich in dem Halbdunkel ins Hochparterre. In dem großen Zeichensaal machte sie sich sofort an die Arbeit. Die letzte Zeichnung war noch auf dem Zeichenbrett und so konnte sie sofort anfangen.
Nachdem sie eine halbe Stunde intensiv gearbeitet hatte, bemerkte sie die schlechte Luft im Raum. Sie öffnete das eine Fenster und machte gleichzeitig das Radio von ihrer Kollegin Heike an. Leise Musik ließ sie die fast schmerzhafte Stille in dem großen Raum vergessen.
Die Arbeit ging gut voran und nach kurzer Zeit hatte sie die Beschriftung und die Maßketten fertig.
Nun fehlte nur noch das Nachziehen der Linien.
In der Zwischenzeit, es war immerhin schon fast zehn Uhr geworden, war die Sonne hinter den Häusern hervorgekommen und schien recht intensiv durch das Fenster.
Die Reflexion auf dem Transparentpapier war so stark, dass auch durch seitliches Kucken die Linien schlecht zu erkennen waren.
Myriam ging zum Fenster, schloss es um es dann auf Klappstellung wieder zu öffnen. Dann zog sie an der Schnur der Jalousie, um sie herunterzulassen. Wie jeden Tag machte die Jalousie nicht das, was sie sollte.
Auf der einen Seite blieben die Lamellen oben, während sie auf der anderen Seite herunter kamen. Myriam hatte schon des Öfteren mit diesem Mangel gekämpft deshalb wusste sie auch was zu tun war. Sie brauchte nur die beiden Schnüre einzeln zu nehmen um dann die entsprechende Seite hoch bzw. runter zu lassen.
Heute ging es komischer weise sehr schwer. Die Seite, die noch oben war, ließ sich überhaupt nicht bewegen, deshalb zog sie die andere Seite erst mal wieder hoch. Aber auch das ging sehr schwer. Erst als sie die Jalousie fasst wieder oben hatte, konnte sie erkennen, weshalb es nicht ging. Dort wo die Schnüre in der Schiene verschwanden, hatte sich ein Knoten gebildet, der sich trotz gegenseitigen Ziehens nicht lösen ließ.
Sportlich wie Myriam nun mal war, fasste sie den Fenstergriff an und zog sich daran auf die Fensterbank. Mit dem linken Fuß stand sie nun auf der Fensterbank und mit dem rechten auf dem alten gusseisernen Rippenheizkörper.
Stark verdreht nach hinten gebeugt stand sie dort oben und versucht den Knoten zu lösen. Sie zerrte daran, versuchte den Knoten mit den Fingernägeln zu lösen, doch der widerstand allen Versuchen. Gerade wollte sie aufgeben, als die Schnur an der sie gerade kräftig zog plötzlich ein Stück nachgab. Der Ruck kam für Myriam so unerwartet, dass sie, um nicht herunterzufallen, noch kräftiger an der Schnur zog, mit der Folge, dass der Knoten sich vollends löste.
Ihres Haltes nun völlig beraubt rutschte sie mit dem linken Fuß von der schmalen Fensterbank ab und geriet mit dem Fuß zwischen Heizkörper und Außenwand. In dem Moment konnte sie den rechten Fuß, mit dem sie auf dem Heizkörper stand auch nicht mehr halten. Mit einem Aufschrei rutschte sie mit ihrem Bein bis zum Oberschenkel hinter den Heizkörper.



- * -

Torsten ertappte sich dabei, dass er den Absatz in seinem Buch nun schon zum dritten Mal las ohne den Text bewusst aufzunehmen. Er war unruhig und eigentlich mit sich und seiner Umwelt nicht zufrieden.
Er hörte seine Frau in der Küche hantieren und ihm wurde klar, dass seine Unzufriedenheit sehr viel mit dem Verhalten seiner Frau zu tun hatte.
Die Ehe, die sie führten, war eigentlich schon seit Jahren keine Ehe mehr. Jeder erfüllte seine Aufgaben die zu dieser - Wirtschaftsgemeinschaft - gehörten, so gut er konnte. Menschliche Beziehungen wahren dabei auf der Strecke geblieben. Außer einem flüchtigen Kuss wenn sie von der Arbeit nach Hause kamen, spielte sich in sexueller Hinsicht nichts mehr ab. Ganz schlimm wurde es seit dem ihre Tochter vor zwei Jahren ausgezogen war. Von da an schliefen sie nicht mehr miteinander.
Torsten konnte sich fasst nicht mehr daran erinnern, wie schön es sein konnte, mit einer Frau zu schlafen.
Diese Weichheit und Wärme einer schönen Frau konnte durch nichts ersetzt werden. Eine Zeit lang konnte Torsten diese Abstinenz aushalten, doch irgendwann wurde der Drang so stark, dass keine Ersatzbefriedigung ausreichte, ihn zufriedenzustellen.
Früher war es in solchen Momenten dann doch zum Verkehr mit seiner Frau gekommen, was dann jedes Mal mit einem richtigen Katzenjammer endete. Heute passierte in dieser Richtung überhaupt nichts mehr.
Warum lässt Regina sich nur so gehen, dachte er und blätterte eine Seite weiter, ohne zu wissen, was er gelesen hatte. Den ganzen Vormittag lief sie nun schon im T-Shirt und Slip herum. Als wenn sie ihn damit aufregen könnte.
Plötzlich klappte er entschlossen sein Buch zusammen und stand auf. Ich muss hier raus, sonst drehe ich durch, sagte er zu sich.
Hastig zog er seine Turnschuhe an und sagte zu seiner Frau: „ Ich fahre schnell noch ne’ Runde mit dem Rad, in einer Stunde bin ich wieder hier.“
„OK!“, sagte Regina. „Spätestens um 13:00 Uhr essen wir, sei bitte pünktlich!“

Im Keller, als er sein Fahrrad raus holte, merkte er, dass das Hinterrad sehr wenig Luft hatte. Mit der alten, aber immer noch gut funktionierenden Luftpumpe pumpte er den Reifen schön hart auf und klemmte sie dann in die dafür vorgesehene Halterung.

Ein angenehmer warmer Wind wehte ihm entgegen, als er aus dem Haus kam. Tief sog Torsten die Luft ein und augenblicklich wurde ihm wohler ums Herz.
Der nahe Sommer mit dem Duft von Blüten und frisch gemähtem Gras kündigte sich an.

Unbewusst lenkte Torsten sein Fahrrad in Richtung seiner Arbeitsstelle. Als ihm das auffiel schaute er auf die Uhr, um die Zeit festzuhalten. Schon oft hatte er sich vorgenommen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und dies war nun die beste Gelegenheit zu testen wie lange er brauchen würde.
Die Radwege auf der Strecke waren sehr schlecht das merkte Torsten schon nach kurzer Zeit. Die harten Schläge wenn eine Straßeneinmündung zu überqueren war, machten sich im Rückgrat stark bemerkbar.
Verbissen kämpfte Torsten dagegen an und nach einer Weile nahm er die Schmerzen nicht mehr wahr.
Als er an der großen Autobahnunterführung ankam, stellte er fest, dass es verboten war mit dem Fahrrad dort durchzufahren. Mit dem Auto war es ihm nie aufgefallen.
Nach kurzem Suchen hatte er aber einen Fußgängertunnel gefunden, der in die Lederstraße einmündete.

Jetzt nachdem er fast am Ziel war, es waren höchstens noch zwei Kilometer bis zu seiner Arbeitsstelle, fühlte Torsten sich leicht und beschwingt. Die Muskeln waren warm und schmerzten nicht mehr. Leise summte er eine Melodie vor sich hin von der er nicht sagen konnte, zu welchem Lied sie gehörte, aber das war auch egal.

Die Lederstraße, durch die er gerade fuhr, war eine kleine, nur mit Gewerbebetrieben bebaute Straße. Viele Kleinbetriebe, wie Schlossereien oder Autoverwertungsfirmen hatten hier ihre Betriebshöfe.
Langsam radelte Torsten an den verschiedenen Betrieben vorbei. Interessiert schaute er über die Hecken und Zäune. An einem flachgestreckten Gebäude, das etwas weiter zurücklag als die anderen Häuser, bemerkte er eine Frau am Fenster, die ihm fröhlich zuwinkte.
Überrascht erwiderte Torsten den Gruß, bemerkte dann aber als er langsam weiter fuhr, dass die Armbewegungen der Frau hektischer wurden.
Nachdem ihm die Sicht auf die Frau durch das nächste Haus genommen wurde, machte das ganze auf ihn einen merkwürdigen Eindruck. Nachdenklich geworden hielt er sein Fahrrad an und ließ die Situation noch einmal im Geiste an sich vorüber ziehen.
Ihm wurde klar, dass die Frau nicht gewunken hatte, sondern ihm ein Zeichen geben wollte.
Langsam wendete Torsten sein Fahrrad und schob es bis zu der Einfahrt zurück.



- * -





Seit fast einer Stunde befand sich Myriam in dieser misslichen Lage. Halb verrückt vor schmerzen und einer Ohnmacht nahe, klammerte sie sich an den Gedanken, dass irgendjemand auf der Straße vorbeigehen würde der ihr helfen könnte.
Endlos langsam verging die Zeit. Jede Bewegung, die sie machte bereitete ihr Schmerzen. Nur mit dem rechten Fuß konnte sie sich etwas abstützen. Doch auch da ließen die Kräfte immer mehr nach, weil sie den Fußboden nur mit den Zehenspitzen erreichen konnte.
Was hatte sie nicht alles versucht um an etwas heranzukommen, wo sie ihren rechten Fuß etwas höher platzieren konnte. Aber alles war zu weit weg.
Das Bein fing schon an zu zittern, wegen der ungewohnten Belastung und mit grausen dachte sie an eine dicht bevorstehende Ohnmacht.
Sie hämmerte sich immer wieder ein nur nicht die Besinnung verlieren, wach bleiben und nicht die Hoffnung aufgeben.
Plötzlich war in dem schmalen Stück zwischen dem Buschwerk hinter dem ihr Auto stand und dem Nachbargebäude, ein Radfahrer aufgetaucht.
Myriam konnte ihr Glück kaum fassen. Heftig begann sie zu winken, und versuchte dem Radfahrer ein Zeichen zu geben, als er sie bemerkt hatte. Doch der winkte nur zurück und fuhr einfach weiter.
Myriam glaubte, zu träumen. Das durfte doch nicht wahr sein, er musste doch bemerken, dass sie nicht mit ihm anbändeln wollte, sondern seine Hilfe brauchte.
Sie versuchte trotz großer Schmerzen mit beiden Armen ihr Zeichen deutlicher zu machen, aber da war der Mann auch schon um die Hausecke verschwunden.
Myriams Enttäuschung machte sich in einem lauten hysterischen Schrei luft. Sie lehnte sich an die kalte Fensterscheibe und weinte hemmungslos.
Sie wurde erst wieder aufmerksam als draußen mehrfach jemand, „Hallo!“, rief.
Und langsam wurde ihr bewusst, dass sie mit dem „Hallo!“, gemeint war.
Myriam schaute auf und sah den Mann mit dem Fahrrad draußen stehen. Der Mann, der eben noch vorbei gefahren war, stand unter dem Fenster und schaut zu ihr rauf.
Sie sah, dass sich seine Lippen bewegten, aber erst nach einer ganzen Weile drangen die Worte bis zu Ihrem Gehirn durch.

„Hallo, was ist mit ihnen?“
„Brauchen sie Hilfe?“
Im ersten Moment konnte sie nur mit dem Kopf nicken, doch dann brach es förmlich aus ihr heraus.
„Hilfe, bitte helfen sie mir!“, schluchzte sie.
„Was ist mit ihnen?“, hörte sie den Mann fragen.
Wie konnte er solche Fragen stellen, schoß es Myriam durch den Kopf. Er sah doch, dass sie in Not war und Hilfe brauchte.
Gerade wollte sie ihn zurechtweisen, als ihr bewusst wurde, dass er von da draußen nicht sehen konnte, in welcher misslichen Lage sie sich befand.
„Ich bin hinter dem Heizkörper eingeklemmt und kann mich nicht mehr lange halten!“, schrie sie mehr als das sie sprach, durch das auf Klappe stehende Fenster.
„Und wie kann ich ins Haus kommen?“, fragte der Mann recht sachlich zurück.
Daran hatte Myriam noch gar nicht gedacht. Die Eingangstür konnte von außen nur mit einem Schlüssel geöffnet werden und der lag unerreichbar für sie, auf dem Schreibtisch.
„Ich komme nicht an den Schlüssel, er liegt zu weit weg!“, teilte sie ihm mit.
„Ich weiß auch nicht, wie sie hier rein kommen können.“, presste sie unter Tränen hervor.
Doch nun kam Bewegung in den Fremden.
Zuerst stellte er sein Fahrrad so unter das Fenster, dass er es als eine Art Leiter benutzen konnte. Auf dem Sattel stehend griff er mit einer Hand in das aufgeklappte Fenster und zog sich dann mit Schwung auf die Fensterbank.



- * -



Als Torsten sein Fahrrad nun in die Einfahrt des Firmengeländes schob, konnte er die Frau oben am Fenster gelehnt sehen. Er sah, dass ihre Schultern zuckten, wahrscheinlich weinte sie.
Nachdem er mehrmals gerufen hatte und sie sich nicht rührte, hob er seine Stimme etwas an und rief:
„Hallo, was ist mit ihnen? Brauchen sie Hilfe?“

Langsam hob sie den Kopf. Zwei wunderschöne, dunkle und völlig verzweifelte Augen schauten ihn ungläubig an.
Und dann als sie wahrnahm, dass dort jemand war der helfen konnte, nickte sie mit dem Kopf um dann Augenblicke später herauszupressen:
„Hilfe, bitte helfen sie mir!“ Dabei erstickte ihre Stimme fast in einem Schluchzen.

Da sie anscheinend nicht in der Lage war, einen klaren Gedanken zu fassen. Weil sie auf seine Frage, wie er ins Haus kommen könne, nur ausweichend antwortete, - sie käme nicht an den Schlüssel.- Machte sich Torsten mit der Umgebung vertraut und erkannte sehr schnell, dass der einzige Weg durch das Klappfenster führte.
Das Fahrrad als Leiter benutzend hatte er sich binnen kurzer Zeit am Fenster hochgezogen. Die Frau, die mit dem Rücken zum halb geöffneten Fenster eingeklemmt war, schaute ihn mit weit aufgerissenen Augen über die Schulter an.
Nachdem Torsten mehrfach versucht hatte mit der Hand an den Fenstergriff zu kommen, gab er dieses Unterfangen auf. Sein Arm war einfach zu kurz. Er überlegte, was er nehmen könnte. Ein Stock, irgendetwas stabiles mit dem er drücken konnte.
Da viel ihm plötzlich seine alte Luftpumpe ein, - das könnte gehen - dachte er.
Ohne lange zu überlegen, sprang er von dem Fenstersims nach unten. Hier kam ihm sein wöchentliches Sportprogramm zu Gute. Federnd fing er den Fall ab, um im nächsten Moment schon wieder mit der Luftpumpe bewaffnet auf der Fensterbank zu stehen.
Myriam verfolgte seine akrobatischen Bewegungen und staunte mit welchem Geschick er jetzt daran ging das Fenster zu öffnen.
Ein paar Schläge mit der Pumpe brachten den Griff in eine leichte Schräglage, danach brauchte er den Fenstergriff nur noch herunterzudrücken und das Fenster war auf.
Da das Fenster durch die Klappstellung jetzt nur noch im unteren Scharnier fest war, hatte Torsten Mühe den Fensterflügel festzuhalten und gleichzeitig im Innern auf den Fußboden zu springen. Doch irgendwie gelang es ihm und er konnte das Fenster schließen.
Als er sich zu der jungen Frau umdrehte merkte er, dass sie im Begriff war ohnmächtig zu werden. Mit einem schnellen Schritt war er bei ihr und fing sie auf.
Schwer lastete sie in seinen Armen. Torsten betrachtete ihr Gesicht und stellte überrascht fest, wie schön diese Frau war.
Die Augen, die sie jetzt geschlossen hatte, waren ihm schon aufgefallen als sie ihn durchs Fenster so flehentlich angesehen hatte. Lange Wimpern, die im Farbton genau mit ihrem lockigen Haar und den fein gezeichneten Augenbrauen zusammen passten, ließen die Vermutung aufkommen, dass es ihre Naturfarbe war.
Ihr schmaler Mund, der in der Ohnmacht leicht geöffnet war, ließ eine Reihe strahlend weißer und gleichmäßiger Zähne erkennen.
Torsten überkam, trotz der prekären Situation in der er sich befand, ein Gefühl der Wärme und Zuneigung zu dieser Frau, die sich in dieser misslichen Lage befand und völlig hilflos in seinen Armen lag.

Sie wurde schwer in ihrer Ohnmacht und Torsten hatte große Mühe sie zu halten.
„Hallo junge Frau, aufwachen!“ Dabei streichelte er sachte ihre Wange, doch sie rührte sich nicht.
Suchend wanderte sein Blick durch den Raum. Wie konnte er diese Frau befreien?
Seinen linken Arm hatte er um ihre schlanke Taille gelegt, um sie so abzustützen. Mit der rechten Hand versuchte Torsten nun, ihr linkes Bein hochzuziehen, doch das misslang total.
Ihr Bein war so fest hinter den Heizkörper gerutscht, dass es kaum ohne Verletzung heraus zu bekommen war.
Sein Blick viel auf den alten Ledersessel der ungefähr 2 Meter von ihm entfernt stand. Zwei lose Sitzkissen lagen darauf die zum Abstützen gut geeignet wären, doch wie sollte er an sie ran kommen?
Nach Kurzem überlegen löste er seine Gürtelschnalle und zog den Gürtel aus den Schlaufen der Hose. Vielleicht konnte er mit der Schnalle eines der Kissen herunterschlagen ohne das er die Frau loslassen musste.
Mehrmals hatte er es versucht, doch immer ohne Erfolg. Torsten drehte sich nun so von der Frau weg, dass er sie nur noch mit einer Hand stützte. Mit der rechten Hand ließ er nun den Gürtel mit großem Schwung, auf den Sessel niedersausen.
Dieses Mal hatte er Glück, die Schnalle traf zwar nicht das Kissen wickelt sich dafür aber um das Chromrohr der Armlehne. Langsam, immer in Sorge der Gürtel könnte sich wieder lösen, zog er vorsichtig den Sessel zu sich rann.
Endlich hatte er es geschafft.
Torsten entschied sich für das Kissen der Rücklehne, da es etwas dünner zu sein schien. Als er nun versuchte, es der jungen Frau zwischen die Beine zu schieben, damit die scharfen Kannten des Rippenheizkörpers sie nicht mehr verletzen konnten, bemerkte er das der lange schwarze Rock dieses so nicht zuließ. Er war zwar durch den Sturz hochgerutscht saß aber um ihre Oberschenkel wie eine Hose.
Torsten löste den Verschluss und stellte mit Erstaunen fest, dass der Rock nur wie ein großes Tuch um ihre Hüften geschlungen war. Es war nun ein leichtes, ihn unter ihr raus zu ziehen, um dann anschließend ihr das Sesselkissen unter zu schieben.
Etwas peinlich war es Torsten schon diese hilflose Frau so entblößt zu haben. Nur ihre weiße Bluse verdeckte noch ihren Körper vor seinen Blicken. Aber wie sollte er ihr sonst helfen.
Vorsichtig hob er ihr rechtes Bein etwas an, nachdem er vorher sich ihren Arm um die Schulter gelegt hatte, damit sie einen etwas festeren Halt hatte.
Es war ein schwieriges Unterfangen und kostete Torsten viel Kraft, da er ihr Bein mit dem linken Knie abstützen und gleichzeitig hochdrücken musste, um dann mit einer Hand das Kissen zusammen zu knicken und es dann vorsichtig unter sie zu schieben.
Dabei ließ es sich natürlich nicht vermeiden, sie an ihren intimsten Stellen zu berühren. Deutlich spürte er Feuchtigkeit an ihrem Slip. Torsten vermutete Schweiß, aber auch eine gewisse Erregung.
Die junge Frau hatte trotz ihrer Zartheit, ein beachtliches Gewicht durch die Ohnmacht.
Ob nun durch die Bewegung, zwangsläufig ausgelöst durch das Hochdrücken des ganzen Körpers, oder seiner Berührung, Thorsten wusste es nicht, jedenfalls stöhnte die junge Frau plötzlich leise auf.
Es schien, als ob sie langsam aus der Besinnungslosigkeit erwachen würde.



- * -



Der Druck in ihrem linken Bein wurde immer stärker. Sie kämpfte dagegen an, wollte nicht aufwachen.
Ihr Bewusstsein signalisierte ihr Gefahr und Schmerz, ließ sie aufstöhnen. Dann spürte sie einen anderen Druck an ihrer rechten Seite, angenehm und warm.
Ihr Kopf ruhte in einer weichen Mulde, Vertrauen kam in ihr auf.
Dann spürte sie plötzlich, dass diese – Mulde - lebte und atmete.
Myriam nahm den Duft von After Shave zwar wahr, ihr Unterbewusstsein aber machte daraus einen kleinen Traum.
Sie lag sanft eingebettet im weichen, duftenden Gras und spürte wie der Wind pulsierend durch ihr Haar strich.
Es war schön ...
Doch plötzlich kam der Schmerz.
Er raste durch ihr Bein, breitete sich im Unterleib wie ein Feuersturm aus und erreichte dann ihre Kehle, um sich dann in einem lauten Schrei zu lösen.

Thorsten hatte ihr Aufwachen interessiert beobachtet, zuckte bei ihrem Schmerzensschrei doch zusammen, denn damit hatte er nicht gerechnet.
Unwillkürlich drückte er sie noch fester an sich.
„Ganz ruhig, ich bin ja bei ihnen!“, versuchte er, Myriam zu beruhigen.
Doch sie schaute ihn nur verständnislos an.
Nach einiger Zeit brachte sie dann mühsam hervor: „Was ist passiert, wer sind
sie?“
Gleichzeitig wurde ihr bewusst, dass dieser pulsierende, warme Wind, sein Atem gewesen war.

In ihren wunderschönen Augen konnte er dann aber erkennen wie die Erinnerung wiederkam.
Schrecken und Furcht machte sich in ihrem Gesicht breit, verzweifelt versuchte sie sich aus der Umklammerung seiner Arme, zu lösen. Merkte dann aber sehr schnell, dass jede Bewegung ihr noch mehr Schmerzen bereitete.
Torsten versuchte, ihr die Situation zu erklären, ließ es dann aber und fragte sie stattdessen nach ihrem Namen.
„Myriam!“, kam es gepresst zwischen den Lippen hervor.
„Also gut Myriam, ich möchte dir helfen und dich aus dieser Lage befreien, doch dazu brauche ich deine Mitarbeit.“ Dabei schaute er ihr tief in die Augen und wieder überkam ihn das Gefühl von Zärtlichkeit. Wie gerne würde er diese Frau aus der Umklammerung des Heizkörpers befreien, ohne ihr wehtun zu müssen.

„Ich müsste dich kurz loslassen um mir irgendein Werkzeug zu holen, damit ich den Heizkörper lösen kann, könntest du das schaffen?“ Myriam sah Torsten verständnislos an.
„Schau, ich habe dir schon ein Kissen untergeschoben damit es nicht mehr so weh tut und wenn du dich einen Augenblick am Fenstergriff festhältst, könnte ich etwas holen, womit ich die Schrauben lösen kann.“
Noch immer gab Myriam keine Antwort, doch als Zeichen dass sie ihn verstanden hatte griff sie zum Fenster und hielt sich fest.
Vorsichtig nahm er ihren rechten Arm, der noch immer auf seinen Schultern lag, hoch und zog den Kopf darunter hervor.
Mit beiden Händen griff er ihr unter die Achseln, stützte sie so lange bis sie sich unter Kontrolle hatte.
„Wird es gehen?“ Myriam nickte nur.
Langsam ließ Torsten sie los, immer bereit sofort wieder hinzuspringen, um sie aufzufangen.
„Bitte ruf mich sofort, wenn du nicht mehr kannst, ja?“ Wieder kam nur ein Nicken.

Torsten eilte zum Flur in der Hoffnung, dass sich dort eine Teeküche oder etwas ähnliches befand. Er hatte Glück denn gleich hinter der ersten Tür war das was er suchte. In einer der Schubladen fand er zwar keinen Schraubendreher, dafür aber diverse Messer die für seinen Zweck gut geeignet schienen.
Er suchte zwei mit relativ breitem Griff aus, um eine gute Kraftübertragung zu haben. Außerdem waren sie nicht so spitz, sodass er damit rechnen konnte die Schrauben auch lösen zu können. Im Stillen hoffte er, dass die Maler, die den Heizkörper das Letzte mal gestrichen hatten, nicht so üppig mit der Farbe umgegangen waren. Sonst konnten die Schrauben mit diesem einfachen Werkzeug sicherlich nicht gelöst werden.
Als Torsten wieder zurück in den Zeichensaal kam, sah er wie Myriam mühe hatte sich zu halten. Schnell war er bei ihr und stützte sie.
Nachdem sie sich wieder etwas erholt hatte, machte er sich daran, die erste Schraube zu lösen. Mit einiger Kraftanstrengung gelang es ihm. Nun war noch die Halterung unterhalb von Myriam nach, die er bewusst zuletzt gewählt hatte, da er nicht wusste, ob der Heizkörper nachgeben würde.
Aber wie sehr er sich auch abmühte die Schraube rührte sich nicht. Wahrscheinlich war der Druck, den Myriam mit ihrem Bein ausübte, zu groß.
Was sollte er nur machen?
Vorerst stützte er Myriam noch mal ab und überlegte dabei welche Möglichkeiten er hatte.
Plötzlich viel ihm aus seiner aktiven Zeit am Bau ein, dass manchmal der Knebel, der den Heizkörper hält, nicht so fest war. Mit einem schmalen Gegenstand konnte man ihn dann wegschlagen.
Wieder munterte er Myriam auf noch etwas Geduld zu haben und machte sich dann daran den Knebel mit dem Messer zu bearbeiten.
Nach den ersten Schlägen war keine Veränderung zu erkennen. Schon wollte er enttäuscht aufgeben. Dann kam ihm die Idee, wegen der größeren Ausholbewegung, von unten zu schlagen. Gleichzeitig drehte er das Messer um und konnte so mit dem schwereren Metallgriff härter zuschlagen.
Der Erfolg stellte sich schon nach dem ersten Schlag ein. Nach vier, fünf weiteren Schlägen passierte genau das was er vorausgesehen hatte, der Heizkörper gab nach und Myriam hatte mühe nicht noch tiefer zu rutschen.
Sie stöhnte laut auf, weil die Kraftanstrengung fast zuviel für sie war. Sofort war Torsten wieder an ihrer Seite und hielt sie fest in seinen Armen.
Der Heizkörper war jetzt zwar lose und man konnte ihn von der Wand weg drücken aber durch die Versorgungsrohre wurde er immer wieder zurückgedrückt.
Nachdem Myriam sich wieder etwas erholt hatte, nahm Torsten das Sitzkissen vom Ledersessel und stopfte es vorsichtig hinter die Heizung, immer darauf bedacht Myriam nicht wehzutun.
Nun war das Bein frei und er konnte daran gehen sie herauszuheben.
Er umfasste ihre Taille mit dem linken Arm. Mit dem rechten Arm hob er ihr rechtes Bein an und schob den Arm soweit hindurch, bis er den Oberschenkel des linken Beines berührte.
Er nahm all seine Kraft zusammen, holte noch einmal tief Luft und dann ....
Er hatte sie im Arm, sie war frei, er konnte es fast nicht glauben so leicht war es gewesen.
Erst jetzt bemerkte Torsten wie Myriam zitterte, sie weinte, ihre Tränen tropften auf seinen Hals.
„Nicht weinen es ist ja alles vorbei.“, versuchte er sie zu trösten, dabei dachte er:
-Weine nur ruhig das macht es für dich leichter.-
Vorsichtig trug er sie ins Nebenzimmer, dort hatte er beim suchen nach den Messern flüchtig eine Couch gesehen.
Ganz sachte legte er sie hin und nachdem er ihr noch ein Kissen unter den Kopf geschoben hatte, fand er endlich Zeit, sich ihr Bein anzusehen.
Offene Verletzungen waren nicht sichtbar, ein paar rote Striemen, die wohl von den Rippen des Heizkörpers herrührten, mehr konnte Torsten oberflächlich nicht erkennen. Es hatte nicht den Anschein, dass etwas gebrochen oder sonst eine innere Verletzung vorlag.
Ganz leicht strich er mit seiner Hand über die roten Streifen, die sich etwas erhaben anfühlten.

-*-



Myriam hatte die Augen geschlossen, der Schmerz war fasst weg, sie wollte nur noch ausruhen, schlafen und alles vergessen.
Dann spürte sie wie etwas ganz sanft über ihr Bein strich, angenehm warm und schmerzlindernd. Immer wieder von unten nach oben und wieder zurück. Die Bewegung war so zart, als wenn überhaupt keine Berührung stattfand. Es war Wärme, wohltuende Wärme, die ihr Bein zu durchdringen schien, jeglicher Schmerz war auf einmal fort. Dieses Gefühl durfte nicht aufhören, nie wieder!
Und es hörte nicht auf. Im Gegenteil, es breitete sich aus, erfasste ihren gesamten Unterkörper, zog von dort in ihr rechtes Bein und in wohligen Wellen überflutete es ihren ganzen Körper.
Ganz tief in ihrem Unterbewusstsein sagte eine Stimme, das kann nur der Mann mit dem Fahrrad sein der dich streichelt. Aber Myriam verdrängte die Stimme, sie wollte dieses Gefühl genießen, das ihr so guttat. Sie wollte mehr davon und Angst kam in ihr auf, dass der Fremde aufhören würde.

-*-

Torsten hatte Myriam beobachtet, als er anfing, ihr Bein zu streicheln. Zuerst hatte er nur die Absicht ihre Verletzung zu überprüfen, doch dann schien Myriam dieses Streicheln als angenehm zu empfinden.
Fasst unmerklich kam sie ihm entgegen. Wenn sie eine Katze wäre, würde sie jetzt schnurren, dachte Torsten, zumindest hatte er den Eindruck.
Ein eigenartiges Gefühl beschlich ihn, diese junge, schöne Frau, die ihm völlig fremd war und halb nackt vor ihm lag, verlangte indirekt von ihm, gestreichelt zu werden.
Es war ihm keineswegs unangenehm, sie hatte, bis auf die Striemen von der Heizung, eine wunderbar glatte Haut und herrlich geformte Beine.
Sie lag noch fasst so wie er sie hingelegt hatte, die Arme etwas angewinkelt. Die eine Hand lag auf ihrem flachen Bauch, ihre Finger waren lang, mit sehr gepflegten Fingernägeln. Die Bluse klaffte am unteren Ende auf, sodass ihr weißer Slip zu sehen war.
Torsten konnte sich von diesem bezaubernden Anblick nicht losreißen, immer wieder wanderte sein Blick mit seiner streichelnden Hand mit und verweilte oft auf ihrem Gesicht, das jetzt so entspannt war.
Er fühlte Erregung in sich hochkommen als Myriam leise anfing, schneller zu atmen. Jedes Mal wenn seine Hand an der Innenseite ihres Schenkels bis in die Nähe ihres Slips kam, hielt sie kurz den Atem an, um dann etwas später gepresst auszuatmen.
Torsten hatte den Eindruck, als wenn Myriam ihre Umgebung nicht mehr wahrnahm. So als sei sie in Trance und nur das Streicheln bedeutete ihr etwas, weil es ihr die Schmerzen nahm.

Als Torsten unabsichtlich, mit seiner Hand, ihren Slip berührte, ging ein Schauer durch ihren Körper.
Er wollte augenblicklich aufhören. Er konnte unter diesen Umständen unmöglich weiter machen.
Doch ein Blick in ihr Gesicht machte ihm deutlich, dass er nicht aufhören durfte. Sie schien zu strahlen, ihre Augen waren einen kleinen Spalt geöffnet, ohne dass sie ihn ansah. Ihre weißen Zähne die zwischen den schmalen Lippen etwas hervorblitzen, verliehen ihrem Gesicht ein Lächeln voller Glück und Zufriedenheit.
Alle Not der letzten Stunde war vergessen. Jetzt brauchte sie Entspannung, sie würde sich belohnen. Der Schmerz war weg und keiner durfte ihr dieses Wohlgefühl vorenthalten.

Und Torsten machte weiter. Anfangs versuchte er zu vermeiden sie dort oben zu berühren. Doch immer wenn er in die Nähe kam, hatte er den Eindruck sie würde sich seiner Hand entgegen winden, ohne dass er allerdings eine Bewegung wahrnehmen konnte.

-*-

Für Myriam war die Umgebung nicht vorhanden. Sie spürte nur noch ihren Körper und die Hand, die diese Gefühlsstürme in ihr hervorriefen. Je näher diese Hand dem Zentrum ihrer Lust kam, um so mehr spannten sich ihre Nerven. Die Spannung wurde immer größer, weil die Hand immer kurz vorher wieder umkehrte.
Und wieder spürte sie die Welle an ihrem Bein langsam empor wandern. Sie wartete auf den Moment wo die Welle wieder umkehren würde, doch dieses mal ging sie etwas weiter. Als die Hand sie berührte schien ein Stromstoß durch ihren Körper zu rasen.
Myriam erschauerte, sie konnte nicht mehr, warum blieb die Hand nicht dort?
Die Berührung war so zart und kurz, doch Myriam hatte das Gefühl, als wenn elektrische Ströme versuchten, die Hand festzuhalten, sie förmlich anzuziehen. Doch es gelang ihnen nicht.

Und dann blieb die Bewegung aus. Sie konnte die Hand noch spüren, aber sie bewegte sich nicht mehr.
Panik kam in Myriam hoch. Was war passiert?
Tief stieß sie die Luft aus ihrer Lunge und es hörte sich fasst an wie stöhnen.
Ihr Herz raste und sie glaubte es nicht mehr lange auszuhalten zu können, doch da setzte sich die Hand wieder in Bewegung, erst zögernd, doch dann wieder gleichmäßig.
Am Anfang vermied es die Hand, bis zum Ende zu gehen, schon weit vorher kehrte sie um und nahm den Weg zurück.
Myriam spürte aber, dass der Abstand immer geringer wurde und ihre Hoffnung wurde erfüllt.
Ein Finger der Hand strich vorsichtig am Saum ihres Höschens entlang, um dann wieder die Wanderung nach unten aufzunehmen.
Aber eines war Myriam klar geworden, diese Berührung war nicht unabsichtlich, sondern gezielt und das ließ sie hoffen.
Und wieder kam die Hand. Ihr war als zögere sie kurz vorher doch dann strich der Finger äußerst zart über ihren Slip, unter dem ihr Geschlecht verborgen war.

Sie spürte wie sich ihre Lust ins Unermessliche steigerte. Jede Faser ihres Körpers sehnte sich nach der Berührung und trotzdem wurde der Rhythmus von dem Fremden nicht geändert.
Im Gegenteil, es schien ihr als wenn Angst ihn daran hinderte mehr zu tun.
Doch dann wurde ihr klar, dass es keiner Steigerung mehr bedurfte. Sie spürte die Nähe der Entladung, und schon allein dieses Zögern ließ ihre Erregung stärker werden, das Streicheln durfte nur nicht aufhören.

-*-

Torsten war es unsagbar peinlich, was er tat. Doch wie sollte er sich verhalten, nachdem er nun schon so weit gegangen war. Einfach aufhören und sie in ihrer Erregtheit zurücklassen, um dem Schmerz das Feld zu überlassen?
Oder weiter machen und zu hoffen, dass dieses stimulieren sie vom Schmerz befreit und sie für eine gewisse Zeit Glücklich und entspannt macht?
Schon, als er nur am Saum ihres Höschens entlang strich, konnte er das leichte Vibrieren ihrer Haut spüren. Er konnte und durfte jetzt nicht aufhören. Diese Frau brauchte ihn und es schien so, als wenn Myriam ihn nur benutzte. Es war ihr im Moment völlig egal, dass da ein fremder Mann etwas tat, wozu er eigentlich kein Recht hatte, sie holte sich ihre Befriedigung und gab sich dazu in die Hände des Menschen, der sie befreit hatte. Was sollte daran schlecht sein?
Sie vertraute diesem Mann.
Mit diesen Gedanken ließ Torsten seine Hand wieder nach oben wandern und sehr vorsichtig strich er mit dem Finger über die leichte Wölbung ihrer Schamlippen, die sich unter ihrem Slip abzeichnete.
Und wieder zitterte ihr Körper. Der Atem ging stoßweise und ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen.
Als Torsten beim Nächsten mal mit der Oberseite seiner Finger die Innenseite des anderen Schenkels streichelte, öffnete Myriam leicht ihre Beine. Sodass Torsten mit der ganzen Hand über den Slip streichen konnte.
Es schien, als ob er damit einen Schalter umgelegt hätte. Myriam verzog ihr Gesicht und um ihre Mundwinkel begann es zu zucken. Über ihrer Nasenwurzel erschienen zwei steile Falten, so als wenn sie Kopfschmerzen hätte.
Sie hielt die Luft an, als er sich mit seiner Hand wieder dieser Stelle näherte.
Dieses Mal ließ Torsten vorsichtig seine Hand von oben in ihren Slip gleiten. Er legte einen Finger auf ihre Vagina und teilte ihre Schamlippen, um ihre Klitoris zu ertasten.

Ihr Körper erzitterte, als er sie gefunden hatte. Zärtlich streichelte er die kleine Knospe.
Plötzlich zuckte ihr Becken ein übers andere Mal gegen seine Hand. Er streichelte eine Weile weiter, da ihr Atem immer noch stoßweise ging und Torsten bemerkte wie sich eine feuchte Hitze unter seiner Hand ausbreitete.
Nur langsam beruhigte Myriam sich und nach geraumer Zeit bemerkte Torsten durch ihre gleichmäßigen Atemzüge, dass sie eingeschlafen war.
Die ganze Spannung war von ihr genommen. Ihr Gesicht wirkte glatt und ihr Mund zeigte ein zufriedenes, glückliches Lächeln.

Torsten, der seine Hand wieder über ihr Bein wandern ließ, bekämpfte damit eigentlich seine eigene Erregung.
Seine Erektion tat ihm weh und er hatte Mühe sich von dem Erlebten innerlich zu lösen.
Dann stand er leise auf, nahm die Wolldecke die auf einem Hocker neben dem Sofa lag und deckte Myriam damit zu.
Ihr Gesicht war so schön, vorsichtig hauchte er ihr einen Kuss auf die Stirn und verließ dann leise den Raum.

Im Zeichensaal viel ihm die fasst fertige Zeichnung auf, an der Myriam kurz vor ihrem Unfall gearbeitet hatte.
Torsten sah, dass nur noch die Linien mit Tusche nachgezogen werden mussten, die zum Teil schon fertig waren, aber eben nicht vollständig.
Torsten war in der Baubranche tätig und hatte da auch viel mit Zeichnungen zu tun. Metallbau war zwar etwas anders, schon von der Bemaßung her, doch vom Prinzip glich es den Bauzeichnungen.
Es schien so, als wenn Myriam diese Zeichnung unbedingt fertig haben musste, warum sollte sie sonst am Sonntag arbeiten?
Nach ein paar Probestrichen auf einem Schmierzettel, machte er sich über die Zeichnung her und hatte sie binnen kurzer Zeit fertiggestellt. Nur die Unterschrift fehlte noch dann wäre die Zeichnung abgabereif.

Ein Blick auf seine Uhr ließ ihn erschrecken. Schon fasst halb drei, um eins sollte er zum Essen zu Hause sein. Regina würde wieder vor Wut schäumen. Wie sollte er ihr auch diese Verspätung erklären.
Er schaute noch kurz bei Myriam rein. Strich ihr noch einmal zärtlich übers Haar und verließ dann das Haus.



-*-





Nur widerwillig löste sich Myriam aus ihrer Traumwelt. Es waren so schöne und bunte Träume. Sie war so glücklich und unbeschwert gewesen und nun sollte sie wieder in diese böse und feindliche Welt zurückkehren.
Als sie die Augen aufschlug wusste sie im ersten Moment nicht, wo sie war. Es war dunkel, nur mühsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Als sie langsam ihre Umgebung wieder wahrnahm, schien alles sehr fremd und eigenartig zu sein.
Plötzlich setzte die Erinnerung ein und wie ein Film durchlebte sie noch einmal die ganzen Stationen des Unglücks.
Die Zeit, die sie hinter dem Heizkörper eingeklemmt war.
Der Mann, der ihr geholfen hatte.
Der Mann ....?
Abrupt setzte sie sich auf.
Wo war der Mann?
„Hallo?“, rief sie leise, als wenn sie sich vor einer Antwort fürchtete.
„Hallo, ist da jemand?“, etwas lauter.
Es kam keine Antwort.

Vorsichtig stand sie auf, immer in Erwartung eines Schmerzes, doch da war nichts, kein Schmerz war zu spüren.
Im Gegenteil, ihr Bein fühlte sich wunderbar warm und leicht an.
Und dann spürte sie noch etwas.
Etwas angenehm prickelndes in ihrem Schoß.
Ein Prickeln, dass sie schon lange nicht mehr gespürt hatte. Seit, ja seit sie sich von Claus getrennt hatte.
Aber dieses Gefühl in ihrem Schoß war viel intensiver als sie es je bei Claus empfunden hatte.
Bei dem Gedanken an Claus, konnte sie plötzlich wieder die Hand auf ihrem Oberschenkel spüren.

Was war passiert?

Die Erkenntnis traf sie unvermittelt. Der Fremde, was hatte er mit ihr gemacht?

War sie von dem Mann missbraucht worden?
Angst kam in ihr hoch und ihre Hände fingen an, zu zittern.
Im gleichen Augenblick wusste sie aber, dass nichts dergleichen passiert war. Im Gegenteil sie konnte sich noch gut an das Zögern der Hand erinnern, als sie ungewollt in ihren Intimbereich gekommen war.
Myriams Gedanken wanderten zurück und wieder überkam sie dieses wunderbare Gefühl der Zärtlichkeit und Wärme.
Wie die Hand ihr die Schmerzen genommen und sie weiter gestreichelt hatte, weil sie es so wollte. Sehr klar hatte sie gespürt, dass der Fremde nur weiter machte, weil sie es brauchte.
Myriam beruhigte sich wieder, langsam tastete sie sich in der Dunkelheit zum Zeichensaal, immer darauf gefasst plötzlich dem Fremden gegenüber zu stehen.
An der Zeichenplatte angekommen, knipste sie zuerst das Licht an und bemerkte zu ihrem Erstaunen, dass die Zeichnung fertig war.

Myriam wusste genau, dass noch etliche Linien nachgezeichnet werden mussten, doch nun waren alle Linien in der richtigen Strichstärke nachgezogen.
Anhand der sauberen Strichführung konnte sie erkennen, dass hier ein Fachmann am Werk gewesen war. Besser hätte sie es auch nicht gekonnt, stellte sie mit Bewunderung für den Fremden fest.

Warum hatte er sie nur allein gelassen? Sie hätte sich so gern bei ihm bedankt.
Im gleichen Moment spürte sie aber auch wie ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg.
Wie konnte sie diesem Mann gegenüber treten, den sie, unbewusst zwar, aber dennoch veranlasst hatte sie mehr zu streicheln als er es von sich aus getan hätte.
Wahrscheinlich war er deshalb gegangen, um ihr diese Peinlichkeit zu ersparen.
Und wieder überflutete eine nie gekannte Wärme für diesen Mann, ihr Herz.
Ein Mann, der mit seinem Streicheln soviel Zärtlichkeit verströmen konnte, war ihr noch nie begegnet.





-*-



Drei Wochen waren seit dem vergangen.
Für Torsten hatte sich in dieser kurzen Zeit vieles verändert. Regina war aus ihrer gemeinsamen Wohnung ausgezogen und alles, nur weil er zu spät zum Essen gekommen war.
Nein, dieses war nur der Auslöser gewesen. Sie behauptete einfach er hätte eine Freundin und überhaupt würde er sich nicht mehr um sie kümmern und nur noch seinen Interessen nachgehen.
Zwei Tage lang hatten sie sich fürchterlich gestritten und als er am dritten Tag von der Arbeit kam, waren ihre persönlichen Sachen fort.
In einem kurzen Brief teilte sie mit, dass sie die Scheidung einreichen wolle und wo er sie telefonisch erreichen könne.
Torsten hatte anfangs große Schwierigkeiten sich allabendlich mit der leeren Wohnung anzufreunden. Doch nach ein paar Tagen begann es ihm zu gefallen und er entwickelte sich zu einem Kinogänger. Zwei, dreimal in der Woche ins Kino oder auch mal ins Theater ließen ihn die Einsamkeit vergessen.
Ihm wurde bewusst wie viele Sachen er in den letzten Jahren vernachlässigt hatte. Seine Bekleidung erschien ihm mit einem mal spießig und fade.

Monate vergingen.
Für Torsten eine Zeit mit vielen kurzen Bekanntschaften, die näher betrachtet, ihm nicht unter die Haut gingen, aber dazu führten, dass er sich ab und zu einsam fühlte.
Mit Regina hatte er sich gütlich geeinigt, da sie sehr erfolgreich in ihrem Job als Designerin war, stellte sie keine Unterhaltsforderungen.
Nach dem obligatorischen Trennungsjahr würde die Scheidung ohne große Probleme vollzogen werden.
Torsten hatte sich mehr um seinen Beruf gekümmert, was dazu führte abends häufig länger zu arbeiten.
Die Anforderungen wurden immer größer und oft war er froh, wenn er abends sich auf sein Fahrrad schwingen konnte, um nach Hause zu fahren.
Es war ihm seit dieser schicksalhaften Begegnung in der Lederstraße, zur lieben Gewohnheit geworden möglichst oft mit dem Rad zu fahren.
Die frische Luft und die Bewegung taten ihm gut, und im Stillen keimte in ihm immer die Hoffnung dieser schönen, jungen Frau noch einmal zu begegnen.

Ihm war sehr bewusst, wie groß der Altersunterschied zwischen ihnen sein musste, aber die Gedanken ließen sich einfach nicht verdrängen. Immer wieder erschienen die Bilder vor seinem inneren Auge und er erlebte diese sinnlichen Momente aufs Neue.

Der Tag fing schön an. Dass heißt nach all den verregneten letzten Tagen war es heute trocken und die Wolkendecke zeigte einige blaue Flecken.
Die Luft war weich und warm und duftete leicht nach dem öligen Wasser vom Hafen.
Fernweh keimt in ihm auf,
Genau das war es, was er brauchte, Urlaub!
Sofort nach der Ankunft im Büro ließ er sich einen Termin beim Chef geben.
Als dieser von seinen Urlaubswünschen hörte, war er nicht gerade begeistert, doch einsichtig genug, um zuzustimmen.

-*-



„Nein, ich möchte auch Heute nicht mit ihnen ausgehen!“, sagte Myriam zu dem neben ihr am Frühstücksbüffet stehenden jungen Mann.
„Lassen sie mich gefälligst in Ruhe, ich möchte mich erholen und habe keine Lust auf irgendwelche Bekanntschaften.“
Seit drei Tagen wurde sie nun schon von dem blöden Kerl belagert und nur, weil sie am ersten Tag freundlich zu ihm war.
Im Grunde sah er sehr gut aus und jede andere Frau hätte sich geschmeichelt gefühlt, doch Myriam konnte diese selbstgefällige Art nicht leiden. Der Mann war so von sich eingenommen, dass noch nicht mal diese schroffe Abfuhr ihn daran hindern konnte ihr weiter hinterher zu laufen.
Als er sich dann auch noch unaufgefordert mit an ihren Tisch setzte, war es um ihre Geduld geschehen.
Wütend erhob sie sich von ihrem Stuhl, sodass er fast umkippte.
„Blödmann!“, vor sich hin murmelnd verließ sie den Speisesaal, ohne etwas gegessen zu haben.
Sie würde sich ihren Roller schnappen und unterwegs etwas zu essen finden.
Auf ihrem Zimmer war die Wut schon fast verflogen.
Schnell hatte sie den kleinen Rucksack gepackt und sich den Fotoapparat umgehängt, als ihr einfiel, dass sie besser auch Sonnenmilch mitnehmen sollte.
Sorgfältig cremte sie die Arme und Beine ein, denn darauf hatte die Reiseleiterin besonders hingewiesen.
„Denkt bitte daran, wenn ihr euch einen Motorroller mietet, cremt euch ein, sonst ist der Urlaub vorbei, bevor er richtig begonnen hat. Durch den kühlen Fahrtwind bemerkt ihr die Sonneneinstrahlung nicht.“
Nachdem sie den Rucksack auf dem Gepäckträger festgezurrt hatte, startete sie den Roller und ließ ihn langsam anrollen.
Plötzlich sah sie aus den Augenwinkeln wie dieser nervige Kerl vom Frühstück, wild gestikulierend, auf sie zu gerannt kam.
„Halt, warten sie, ich komme mit!“, rief er laut hinter ihr.
Myriam tat, als ob sie ihn nicht hören würde, und gab mehr Gas. Als sie an der Hotelausfahrt anhalten musste konnte sie mit einem Blick zurück erkennen, dass er gerade versuchte eine Geländemaschine zu starten.
„Oh, nur das nicht.“, murmelte sie vor sich hin, etwas forsch gab sie Gas und brachte den Roller mit viel Geschick auf die Hauptstraße. Gehetzt blickte sie nach vorne, um irgendeine Möglichkeit zum Verstecken, zu finden. Im Rückspiegel konnte Sie erkennen, dass er schon an der Ausfahrt hielt, aber wegen des starken Verkehrs nicht losfahren konnte.
Die nächste Kurve nahm ihr die Sicht nach hinten, sodass sie sich besser nach einem Versteck umsehen konnte.
An einem Supermarkt bot sich die Gelegenheit. Geschickt durch die parkenden Autos kurvend, konnte sie den Roller hinter einem überdachten Fahrradständer abstellen.
Vorsichtig, verdeckt durch den Unterstand, schaute sie zur Straße und sah zu ihrer Erleichterung den Verfolger vorbei brausen.
Schnell kaufte sie noch ein kleines Weißbrot und eine Cola, verstaute die Sachen in ihrem Rucksack und nahm nun ohne lange zu überlegen, die andere Richtung als Ziel.

Es gab überall verschwiegene Buchten, die man nur zu Fuß oder mit einem Zweirad erreichen konnte.
Myriam war immer noch beunruhigt und schaute deshalb häufig in den Rückspiegel.

- Beach -, konnte sie plötzlich auf einem Schild erkennen, das war die Rettung, sie bog in den Feldweg ein und wurde Augenblicklich ruhiger. Langsam, weil der Weg doch recht uneben und mit vielen Schlaglöchern überseht war, rollte sie in Richtung Meer.
Ein schmaler Weg, der rechts und links vom Hauptweg abging, schien ihr geeignet sich noch besser zu verstecken.
Myriam entschied sich für die rechte Seite und gelangte nach etwa einem Kilometer an eine Wegverbreiterung.
Riesige Felsbrocken umsäumten eine kleine Bucht die wie geschaffen war zum Sonnen, Baden und träumen.
Den Roller konnte sie hinter einem Gebüsch im Schatten abstellen, der aber auch gleichzeitig Sichtschutz für ihren zufällig vorbeikommenden Verfolger bot.
Unterhalb eines der großen Felsen breitete sie ihr großes Handtuch aus. Ihren Bikini hatte schon untergezogen, sodass sie sich sofort in die Sonne legen konnte.

Wohlig dehnte sie ihren schlanken Körper in den wärmenden Sonnenstrahlen, die trotz der Frühe schon eine beachtliche Kraft hatten.
Schnell war der Ärger über ihren aufdringlichen Verehrer verflogen.
Plötzlich schreckte sie auf. Ein Blick zur Uhr sagte ihr, dass sie wohl eingeschlafen sein musste denn es war schon fast eine halbe Stunde vergangen.
Ihre Haut brannte etwas, und sie begann sich erst einmal einzucremen. Hierzu hakte Myriam auch das Bikinioberteil auf, nachdem ein kurzer Blick in die Runde sie davon überzeugt hatte, dass sie allein war.
Langsam schlenderte sie zum Wasser und als die erste Welle ihre Füße umspülte, sprang sie doch erschrocken zurück.
Kalt war das Wasser und es war im Gegensatz zur warmen Luft richtig unangenehm. Da die kleine Bucht auf beiden Seiten von Felsbrocken umsäumt war, beschloss sie sich einen Überblick über den Strand dahinter, zu verschaffen.
Vorsichtig kraxelte Myriam auf den Felsen, der an der linken Seite der Bucht aufragte. Der Stein war nicht sehr hoch, vielleicht zwei bis drei Meter, aber eben zu hoch um über weg schauen zu können.
Oben angekommen richtete sie sich langsam auf und ihr Blick schweifte über den menschenleeren Strand zur rechten Seite der Bucht.
Nun wurde ihr auch bewusst warum der Strand so leer war.
Steine, überall Steine. Ins Wasser konnte man nur, wenn überhaupt, mit Schuhen. Aber auch der Strand bestand überwiegend aus Kies und kleinen Felsbrocken.
Hier würde sich bestimmt kein Urlauber niederlassen.
Als Myriam sich nun zur anderen Seite umdrehte tat sie dieses sehr vorsichtig, da der Fels an der höchsten Stelle auf der sie sich befand, sehr glatt war.
Mit ausgebreiteten Armen und kleinen Trippelschritten drehte sie den Körper.

Der Strand machte einen besseren Eindruck. Gab es hier doch wenigstens ein paar Stellen mit Sand und auch ins Wasser konnten eventuelle Badegäste problemlos kommen.
Gerade wollte Myriam sich wieder auf den Rückweg machen, als sie unter sich, direkt am Fuß des Felsens, einen dunklen Schatten wahrnahm.
Sie erschrak so heftig, dass sie unbewusst einen Schritt rückwärts machte. Etwas Sand unter ihren Füßen verhinderte einen festen Halt, sodass ihr Fuß wegrutschte.
Mit einem spitzen Schrei stürzte sie rücklings von dem Fels. Sie viel so unglücklich und hart auf den Rücken, dass sie keine Luft mehr bekam und ihr augenblicklich schwarz vor Augen wurde.



-*-

Schon sehr früh hatte Torsten sich auf den Weg gemacht. Die ersten Tage war er am Hotel geblieben und hatte dort versucht etwas Ruhe zu finden. Doch dieser ständige morgendliche Kampf um eine Liege, zerrte an seinen Nerven.
Deshalb hatte er am Vorabend beschlossen die Umgebung zu Fuß zu erkunden.
Da er sich an der Rezeption ein Lunchpaket bestellt hatte, konnte er schon vor dem eigentlichen Frühstück aufbrechen und war nun schon eine gute Stunde gewandert.
An einem Felsbrocken, der das Weiterwandern am Strand verhinderte, setzte er sich in den Sand.
Hunger meldete sich und erinnerte ihn daran, dass er noch nicht gefrühstückt hatte. Mal sehen, was die Küche ihm eingepackt hatte.
Zwei Sandwiches mit Käse und einer undefinierbaren Wurst, ein Apfel, eine Banane und ein kleines Getränk waren alles.
Nun, Torsten war nicht wählerisch und außerdem hungrig, deshalb aß er mit gesundem Appetit, trank etwas dazu und ließ nur das Obst zurück, für später.

Dann legte er sich zurück, genoss die Ruhe und die Wärme der Sonne. Da die Sonne etwas blendete schloss er die Augen, um sie einen Moment später wieder aufzureißen, weil er einen Schrei und kurz darauf einen dumpfen Aufschlag hörte.
Erschrocken richtete er sich auf.
Was war das?
Mit wenigen Schritten war er die Böschung hochgerannt, um auf die andere Seite des Felsens zu kommen. Von oben konnte er schon erkennen, dass unten eine Frau lag, die anscheinend besinnungslos war.
Mit zwei, drei Sätzen war er unten und kniete sich neben sie nieder und erschrak als er in ihr Gesicht sah.
Sie war es!
Diese junge Frau, die hinter der Heizung eingeklemmt war und nach der er schon so lange gesucht hatte.
Sekundenlang stockte ihm der Atem, bis ihm plötzlich bewusst wurde, dass sie seine Hilfe brauchte.
Vorsichtig tastete er nach ihrem Puls um gleichzeitig festzustellen, dass sie fast nackt vor ihm lag.
Der Puls raste und ihr Atem ging ganz flach aber sonst schien sie unverletzt zu sein.
Wahrscheinlich war sie bei dem Sturz vom Felsen hart auf dem Rücken aufgeschlagen. Bei so einem Sturz konnte einem schon die Luft wegbleiben.
Vorsichtig bettete er ihren Kopf auf seinem Schoß, strich ihr die braunen Locken aus dem Gesicht und sagte mehrmals zärtlich ihren Namen.
„Myriam!“, tief holte er Luft und nochmals: „Myriam!
Torsten konnte sich nicht sattsehen an diesem zauberhaften Gesicht und er sah, dass langsam wieder die Farbe in ihr blasses Gesicht zurückkehrte.


-*-


Myriam träumte.
Er war zurückgekehrt. Sie spürte ganz deutlich die zärtlichen Hände in ihrem Gesicht und dies wunderbare weiche Stimme, die eine fast hypnotische Wirkung auf sie hatte.
Langsam öffnete Myriam die Augen und sah in sein Gesicht. Instinktiv hob sie die Hand und zog seinen Kopf etwas runter und küsste ihn zart auf den Mund. Erst als er den Kuss erwiderte und seine Hand sacht über ihren Nacken streichelte, merkte sie, dass dieses kein Traum war.
Sie spürte seine Liebe. Myriam wurde von Gefühlen überflutet, die man nicht in Worte fassen konnte. So musste man sich im Himmel fühlen.
Die Sehnsucht nach zärtlicher Berührung durch ihn wurde übermächtig und als sie sich langsam von ihm löste, kamen die Worte,
„Ich liebe dich!“, wie von selbst über ihre Lippen.
Vorsichtig drehte er sie zu sich um und schaute ihr, tief in die Augen.
„Ist das Wahr?“, fragte er.

Myriam nickte nur.

„Ich suche dich schon so lange und konnte dich nicht finden.“, sagte er leise zu ihr.

Als sie sich dann erneut küssten und er ihre nackten Brüste auf seiner Haut spürte, konnte er seine Erregung nicht mehr zügeln. Zu lange hatte er nur von ihr geträumt.
Sanft glitt seine Hand an ihrer Taille hinunter. Als seine Lippen sich von ihrem Mund lösten und über den Hals zu ihrer linken Brust wanderten, spürte er wie sich ihr Körper ihm entgegen spannte.
Unter der Liebkosung seiner Zunge wurde die Knospe hart und richtete sich auf. Leises stöhnen entrang sich Myriams Kehle und indem sie ihre Hand in seinen Nacken legte, steuerte sie seinen Kopf dahin wo es für sie am schönsten war.
Die Empfindungen von damals, im Büro, kehrten zurück. Sie konnte wieder diese zärtlichen Hände spüren, die über ihre Haut streichelten.
Abermals begann dieses angenehme Kribbeln im Zentrum ihrer Lust, um sich von dort über den ganzen Körper auszubreiten.
Plötzlich richtete sich Torsten auf, hob sie mit seinen kräftigen Armen hoch und trug sie zu ihrem ausgebreiteten Badetuch.
Vorsichtig legte er sie nieder.
Während sie in einem langen, intensiven Kuss versanken und ihre Umwelt vergaßen, wanderten seine Hände unaufhörlich über ihren Körper.
Als Torsten dann versuchte, mit einer Hand ihr Bikinihöschen abzustreifen, bekam er von Myriam unerwartet Hilfe. Leicht hob sie ihren Unterkörper an und half mit das Höschen auszuziehen.
Und wieder glitten seine Hände rastlos über ihren Körper, wobei Torsten darauf achtete nicht ihre Scham zu berühren. Gleichzeitig liebkoste er mit seinem Mund ihre hoch aufgerichteten Knospen, die sie ihm entgegen streckte.
Langsam wanderte er küssend über die zarte Haut ihres Rippenbogens hinunter zum Bauchnabel, der mit der Zunge ausgiebig erforscht wurde.
Torsten spürte Myriams Erregung an den kurzen, tiefen Atemzügen und ihren fordernden Händen in seinem Nacken und auf dem Rücken.
Als Myriams Hand plötzlich die starke Ausbuchtung seiner Badehose ertastete und nun unwiderstehlich darüber hinstrich. Hatte auch Torsten mit seinem Mund das weiche Polster zwischen ihren Beinen erreicht.
Der laute Schrei einer Möwe, die über ihnen hinweg flog, brachte Torsten zur Besinnung. Langsam richtete er sich auf, streichelte Myriams Wange und als sie die Augen aufschlug, sagte er zu ihr:
„Ich würde gerne diese schönen Momente in einem Zimmer mit dir erleben. An einem Ort wo ich dir meine ganze Liebe zeigen kann und wo uns keine Möwe oder sonst wer stören kann.“

Bei Myriam war durch den plötzlichen Abbruch der Zärtlichkeiten die Erregung stark zurückgegangen. Doch nun, bei der Aussicht diese Liebesbeweise noch intensiver und länger erleben zu dürfen, spürte sie das Verlangen nach diesem Mann noch stärker als vorher.

„Ja!“, hauchte sie und schlang ihre Arme um ihn.
„Schenk mir deine Liebe.“

In Windeseile zogen sie sich an, jeder auf seiner Seite des Felsens.
Torsten stand schon fertig angezogen oben, als sie mühsam den schmalen Weg empor kletterte.

„Wo wollen wir uns treffen?“, fragte er. ich bin zu Fuß hier, mein Hotel liegt ungefähr zwei Kilometer von hier entfernt.“

„Ich habe meinen Roller mit. Wenn du magst und keine Angst vor meinen Fahrkünsten hast kann ich dich mitnehmen!“

„Gerne!“, sagte Torsten knapp. Nahm ihren Rucksack und hängte ihn sich über die Schulter.

Anfangs noch etwas wackelig aber dann immer sicherer werdend fuhr Myriam den Feldweg zurück, den sie vorher auf der Flucht vor einem Mann genommen hatte.
Torsten schmiegte sich eng an Myriam. Er hatte seine Arme um ihre Taille gelegt und gab sich ganz dem wunderbaren Gefühl der Nähe hin.
War es der unebene Weg und dem damit verbundenen Scheuern, durch die enge Berührung. Torsten spürte jedenfalls eine Erektion kommen.
Im ersten Moment rückte er etwas von Myriam ab, weil es ihm peinlich war. Doch dann sagte er sich, warum? – sollte sie doch spüren wie erregt er war und das er sie begehrte.
Kurz vor der Einmündung in die Hauptstraße fühlte sie die wunderbare Erscheinung und als sie an der Ecke anhalten musste, tastete ihre Hand danach und drückte ihn zärtlich.
Ihr ganzer Körper vibrierte vor Erregung und als eine etwas größere Lücke zwischen den vorbei fahrenden Autos entstand, fuhr sie so forsch an, dass das Antriebsrad durchdrehte.
Der Fahrtwind ließ ihr T-Shirt flattern und da sie es bei dem hastigen Anziehen nicht mehr in die Hose gesteckt hatte, ergab sich für Torsten die schöne Gelegenheit, ihren nackten Bauch anzufassen und zu streicheln.
Unter ihrem Shirt wanderte seine Hand langsam zur Brust hinauf und umfasste sie sanft.
Als Myriam von außen ihre Hand auf seine legte, flüsterte er ihr ins Ohr:
„Bitte beide Hände an den Lenker, du willst doch dein Glück sicher ins Hotel bringen, oder?“
Gehorsam fasste sie wieder den Lenker an und spürte gleichzeitig wie eine Sonne zwischen ihren Beinen aufging. Eine Hitzewelle stieg in ihr hoch, sodass sie Mühe hatte gerade auf der Straße zu bleiben.
Mühsam und etwas außer Atem drehte sie den Kopf zur Seite und fragte ihn:
„Wo soll ich hinfahren, zu dir oder zu mir ins Hotel?“

„Mein Hotel ist gleich da vorne!“, dabei zeigte er auf eine imposante Hotelanlage.

„Oder ist deines näher?“

„Nein!“, sagte Myriam kurz und bog schon in die Zufahrt seines Hotels ab.

Sich fröhlich neckend strebten sie, nachdem sie den Roller abgestellt hatte, dem Haupteingang zu. Nur mühsam konnte sie Torsten daran hindern unter ihr T-Shirt zu fassen, das war ihr dann doch etwas peinlich. Erst als sie auf die Ausbuchtung seiner Hose zeigte, gab er verschämt auf und versuchte nun diese verräterische Stelle, mit ihrem Rucksack zu verdecken.
Die Hotelhalle war leer und auch hinter dem Tresen der Rezeption war um diese Zeit keiner zu sehen.
Torsten hatte seinen Schlüssel morgens nicht abgegeben, weil er nach dem Frühstück eigentlich noch auf das Zimmer gehen wollte und es sich dann aber anders überlegt hatte.
Etwas verlegen standen sie sich nun, nachdem Torsten die Tür geschlossen hatte, gegenüber.
Beiden wurde ihr tun bewusst. Eigentlich waren sie zwei Fremde, die sich nicht kannten. Doch dann übernahm Myriam die Initiative. Mit noch etwas linkischen Bewegungen fing sie an die ersten Knöpfe von seinem Hemd zu öffnen. Als sie so nah vor ihm stehend hochschaute, küsste sie ihn innig und spürte wie das Verlangen fast übermächtig von ihr Besitz ergriff.
Torsten nutzte eine kurze Pause zwischen zwei Küssen ihr das T-Shirt über den Kopf zu ziehen. Aber auch die Knöpfe waren mittlerweile offen und das Hemd wurde von Myriam förmlich von den Schultern gezerrt und schon lagen sie sich wieder in den Armen.
Wie zwei Verdurstende küssten sie sich. Die ganze verlorene Zeit legten sie in die Zärtlichkeiten.
Myriams Mund wanderte an seinem Hals hinunter. Bohrte für einen kurzen Moment ihre Zunge in sein Ohr, um sich dann an seiner Brustwarze festzusaugen.
Torsten versucht sie wieder aufzurichten doch Myriam rutschte noch weiter runter und kniete nun vor ihm. Mit beiden Händen umfasste sie seine Taille und dann begann sie, seine Jeans aufzuknöpfen.
Es ging schwer, da Torsten diese modernen, ohne Reisverschluss trug, die nur zu knöpfen waren. Und nicht zuletzt durch seine starke Erektion.
Doch irgendwie schaffte sie es. Leichtfüßig stieg Torsten aus den Hosenbeinen als Myriam sie runter zog. Die Badehose bereitete weniger Schwierigkeiten. Mit einer geschmeidigen Bewegung zog sie die Hose von seinem hoch aufgerichteten Penis, der ihr förmlich entgegen sprang.
Die purpurn glänzende Spitze war so verlockend und schön, dass Myriam nicht umhinkonnte sie zu küssen. Mit der rechten Hand umfasste sie ihn und umspielte nun mit ihrer Zunge die zarte Haut der Spitze. Geräuschvoll zischend sog Torsten die Luft durch die Zähne ein, so übermächtig schön war dieses Gefühl.
Nach einer gewissen Zeit, als er merkte das er langsam die Kontrolle über sich verlor, nahm er zärtlich ihren Kopf in beide Hände und zog sie hoch.
Als er ihr dabei tief in die Augen blickte, bemerkte er plötzlich eine Veränderung bei ihr.

„Sag mal, das kann ja wohl nicht wahr sein?“, murmelte sie vor sich hin.

„Da will ich mit jemanden ins Bett gehen und weiß noch nicht, mal wie er heißt!“, leicht empört stieß sie ihm die Hände vor die Brust, sodass er sie erschrocken losließ.

„Sag mal, wie heißt du eigentlich?“, stieß sie hervor und dabei blitzten ihre Augen.
„Torsten!“, brachte er kleinlaut hervor.
„Aber wie sollte ich mich auch vorstellen, du warst doch die meiste Zeit gar nicht ansprechbar!“, fügte er erklärend hinzu.

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Torsten?“, kam es weich über ihre Lippen, „ich liebe dich!“
Und wieder fanden sie sich zu einem langen Kuss.

„Du, weißt du was ich mir wünsche?“

„Nein?“

Etwas verschämt schaute sie ihn an.

„Ich möchte noch mal so von dir gestreichelt werden, wie damals als du mich aus meiner misslichen Lage befreit hattest. Ich habe noch nie in meinem Leben so etwas Schönes erlebt. Könntest du das irgendwann wiederholen?“

Torsten bückte sich, hob sie hoch und trug sie zum Bett.
Nachdem er sie hingelegt hatte, zog er ihr die Shorts aus, ließ ihren Slip aber an. Doch Myriam reagierte schnell. Als er sich umdrehte um die Hose ordentlich auf dem Stuhl neben dem Bett abzulegen, hatte sie auch den Slip ausgezogen und war unter die Bettdecke geschlüpft.

„Du möchtest so gestreichelt werden wie damals auf deiner Arbeitsstelle, aber dort warst du angezogen!“, tadelte er sie ein wenig.

„Ja das stimmt, aber jetzt möchte ich dich ganz tief in mir spüren und das schnell, sonst werde ich noch verrückt.“ Dabei lüftete sie die Bettdecke und zog ihn zu sich.

Ihr Körper war heiß und als Torsten nicht gleich den Eingang in ihre feuchte Höhle fand, steuerte sie ihn mit ihren Händen in die richtige Richtung.
Dieses lange Vorspiel und das Träumen von dem Anderen hatte sie beide so erregt, dass das langsame Eindringen fast schon genügte um sie zum Orgasmus zu bringen.
Doch Torsten verharrte bewegungslos als die Vereinigung vollkommen war.
Tief war sein Glied eingedrungen und wurde nun fest von den warmen, feuchten Wänden umspannt.

Myriam versuchte Anfangs durch zurückziehen ihrer Beine, ihn noch tiefer eindringen zu lassen, doch Torsten flüsterte ihr ins Ohr:
„Nicht bewegen, lass uns diesen Moment genießen!“

Sein Atem streichelte ihre Wange und leise sagte er,

„Ich liebe dich!“

War es ihr eigener Herzschlag oder von Torsten, Myriam wusste es nicht. Sie spürte in ihrem tiefsten Innern ein Zucken und pochen.
Myriam konzentrierte ihr Empfinden ganz auf diese winzigen Bewegungen, die in regelmäßigen Abständen wiederkehrten. Sie hatte große Mühe sich zu beherrschen um durch eigene Bewegung diese Gefühle stärker und schneller werden zu lassen.
Sie hatte ihren Kopf an Torstens Hals gekuschelt. Ihre Lippen berührten seine Haut und plötzlich konnte sie deutlich seinen Puls fühlen. Im gleichen Moment wusste sie woher dieses Zucken tief in ihr kam und Torsten genau dieses wollte.
Viele kleine Wellenkreise, wie sie entstehen, wenn ein Stein ins Wasser geworfen wird, strebten von diesem Punkt durch ihren Körper.
Manchmal, wenn das Zucken etwas kräftiger ausfiel, kam sie sich vor wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch.
Wie ist es nur möglich, dass ein Mensch fähig war derartig schöne Gefühle zu erzeugen.
Myriam spürte den Ausbruch kommen. Er machte sich bemerkbar durch leichtes Zusammenziehen ihrer Muskulatur im Unterkörper.
Die Kontraktionen kamen in immer kürzeren Abständen und jedes Mal gab ihre Kehle einen Seufzer von sich.
Urplötzlich zog Torsten sich aus ihr zurück um dann wieder unendlich langsam tief in sie zu gleiten.
Myriam Sinne spielten verrückt. Konvulsivisch zuckte ihr Körper, wie ein Schraubstock umklammerten ihn ihre Arme so, als wenn sie ihn noch tiefer in sich haben wollte. Als dann die Wellen endlich über ihr zusammen schlugen, schrie sie laut auf.

Torsten hatte die ganze Zeit mühe sich zu beherrschen. Als die Umklammerung von Myriam immer fester wurde und ihr Körper zu zittern anfing, konnte er seine Zurückhaltung aufgeben.
Nur wenige, langsame Stöße genügten um seinen Orgasmus einzuleiten.
Weil dieses alles sehr behutsam geschah, konnte er spüren wie sein Glied anschwoll. Der Kontakt wurde noch intensiver und als er sich entlud, hatte er das Gefühl, als wenn der Strom nicht enden wollte.

Lange lagen sie so eng umschlungen auf dem Bett und beide spürten, dass die Spannung noch lange nicht abgeklungen war. Nein, im Gegenteil, als Torsten anfing ihren Hals zu küssen und langsam an ihrem Körper hinunter wanderte, spürte Myriam erneut dieses Prickeln und Summen.

Leise flüsterte sie:
„Nicht aufhören, bitte nicht aufhören es ist so schön!“

Als Torsten neben ihr liegend nun ihre steil aufgerichteten Knospen zart mit der Zunge streichelte, stöhnte sie leise auf.





-*-



Tage voller Glück, Zärtlichkeit, Spaziergängen und abendlichen Essen in den romantischen Restaurants der Umgebung vergingen.
Torsten sprühte vor Übermut und fühlte sich zurückversetzt in seine Jugend.
Doch heute war ihm nicht nach Fröhlichkeit zu Mute, sondern eher zum Heulen.
Seit Stunden zermarterte er sich den Kopf, wie er Myriam schonend das Ende seines Urlaubs mitteilen konnte.
Sie war so glücklich gewesen in diesen Tagen. Hatte von ihrer gemeinsamen Zukunft geschwärmt, hatte Pläne geschmiedet wie ihre Wohnung aussehen sollte, dachte dabei keinen Moment daran, dass auch diese schöne Zeit einmal zu Ende gehen würde.

„Torsten?“

„Was ist mit dir? Du hörst mir ja gar nicht zu!“

Etwas verwirrt schreckte er auf und sah den Moment gekommen, es ihr zu sagen.

„Doch!“, kam es zögernd über seine Lippen.

„Ich habe nur über etwas nachgedacht, was mir auf der Seele brennt!“

Vorsichtig seine Worte abwägend sagte er:
„Ich muss wieder nach Hause, mein Urlaub geht zu Ende!“
Dabei blickte er auf seine Fußspitzen, als wenn er dort eine Lösung für ihr Problem finden könnte.

„Ich möchte dich aber auch nicht verlassen!“, führte er schnell fort, als er merkte, dass Myriam zu einer Antwort ansetzte.

„Wann musst du fort?“, fragte sie nur kurz.

„Mein Flieger geht morgen Nachmittag um 16:30 Uhr.“, sagte er sehr kleinlaut und wagte nicht sie dabei anzusehen.
Myriam reagierte völlig anders als er erwartet hatte.

Mit beiden Händen umfasste sie sein Gesicht. Küsste ihn zart auf den Mund und sagte:

„Wo liegt das Problem,... du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass ich dich einfach so gehen lasse, kaum das ich dich wiedergefunden habe.“, sprudelte es aus ihr heraus.
„Ich habe schon gestern auf der Info-Tafel deinen Abreisetermin gesehen und habe dann sofort bei meiner Reiseleiterin angefragt ob in dem Flugzeug noch ein Platz frei wäre. Nach einigen Telefonaten hat sie dann meinen Flug umbuchen können und du hast nun das Pech mit mir in einem Flugzeug sitzen zu müssen.“ Dabei schaute sie ihn etwas spöttisch von der Seite an.

„Aber dein Urlaub dauert doch noch eine Woche, du verschenkst doch viel Geld.“, versuchte er einzuwenden.

„Nein, nein!“, warf sie schnell ein!“, ich habe ein kleines Bisschen gelogen.

„Ich habe der Reiseleiterin erzählt, dass mein Verlobter aus beruflichen Gründen dringend nach Hause muss und ich so verliebt bin, dass ich keine Sekunde ohne ihn Leben kann und deshalb einfach mit muss.“

„Ich hoffe, du verzeihst mir diese kleine Notlüge?“ Mit viel Sehnsucht in ihren großen Augen blickte sie ihn an.

Torsten schaute sie ernst an, nahm sie in die Arme und flüsterte ihr leise ins Ohr:
„Dein Verlobter ist unheimlich gerührt über diesen versteckten Heiratsantrag.“ Nachdem er ihr zärtliche Küsse auf den Hals gehaucht hatte, fragte er leise: „Kommst du mit auf mein Zimmer?“

Die Nacht verging viel zu schnell, aber die Zukunft lag noch vor ihnen.

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