Karussell

Karussell

Schon wieder dieser seltsame Traum. Eingehüllt in bunte Lichter und scheppernde Jahrmarktsmusik hocke ich splitterfasernackt auf einem Miniaturkarussell. Die quietschgrünen Pferdchen sind viel zu klein für mich. Aufrichten kann ich mich nicht, weil ich sonst das kunstvoll bemalte Dach aus Papier zerreißen würde. Um das Karussell herum stehen Leute ohne Gesichter. Die Hälfte in Frack und Abendkleid, die anderen nackt. Die Kulisse ähnelt einer italienischen Stadt. Die Sonne geht gerade unter. Ich fühle mich unwohl. Irgendwie fehl am Platz. Bis mir klar wird, was meine Aufgabe ist. Ganz am Rand wartet das überdimensionierte Sparschwein, von dem der Besitzer gesprochen hat. Statt eines einfachen Schlitzes hat es als Einwurf eine Muschi mit wulstigen Schamlippen. Ich krabble darauf zu, verheddere mich in Seilen, es zieht mir die Beine auseinander, ich falle. Plötzlich hänge ich rückwärts frei schwebend aus dem Karussell heraus. Meine spürbar aufgedunsene Möse voran, damit alle sie bewundern können. Aber ich kann nicht sehen, was unter oder hinter mir passiert. Während das Karussell sich langsam dreht, preist mich eine Stimme aus dem Lautsprecher an: »Anfassen 5 Euro; Finger einführen 10 Euro; Schwanz reinstecken 20 Euro; abspritzen 50 Euro.«
Die Gäste des Spektakels beginnen zu murmeln, zu kommentieren, zu lachen. Erste, zaghafte Berührungen auf meiner zur Schau gestellten Haut. Zusammengeknüllte Geldscheine verschwinden in der Spalte des rosigen Schweins. Dann wird meine Furche begutachtet, begrapscht, geknetet, massiert. Zwei Finger bahnen sich ihren Weg an meiner Klit vorbei in mich hinein. Das Sparschwein verschlingt einen Zehn-Euro-Schein nach dem anderen. Vereinzelt auch Zwanziger. Auf einmal, wie auf ein geheimes Zeichen hin, stoppt das Karussell. Eine gepflegte Frauenhand schiebt eine eingerollte, orangefarbene Banknote in die Plastikpussy. Das Gemurmel hört auf, gespannte Ruhe breitet sich aus. Sogar die Drehorgel verstummt. Merkwürdigerweise fühle ich nichts mehr. Erst, als das Karussell wieder anfährt und die Musik einsetzt, merke ich, dass es aus mir heraustropft.
Wie die Nächte zuvor wachte ich um fünf Uhr morgens in der dunklen Stille meines Schlafzimmers auf. Unwillkürlich griff ich zwischen meine Beine. Eindeutig nass erregt. Langsam beunruhigte mich diese ständige Träumerei von dem Karussell wirklich. Während ich auf dem Klo saß und pinkelte, beschloss ich, meine Kollegen um Rat zu fragen. Diesmal konnte ich wenigstens wieder einschlafen.
Um zehn traf sich die gesammelte Mann- und Frauschaft zum zweiten Frühstück. Nur Kai war unterwegs, der Malerinnung das inzwischen dritte Konzept vorzustellen. Wir übrigen fünf unserer Verlagskooperative passten gerade so in die Küche.
»Du Lisa, das musst du einfach positiv sehen«, verlagerte Peter mein Problem gleich auf die praktische Ebene. »Wenn du weiter so kreativ träumst, brauchen wir uns nicht den Kopf zu zerbrechen, um auf neue Ideen zu kommen.«
»Die Umstellung auf die Erotikkalender macht dir scheints zu schaffen. Die Frage ist allerdings, ob moralisch oder biologisch«, diagnostizierte Werner mit vollem Mund. Er hatte während meiner Traumerzählung zwei Semmeln verdrückt und kaute gerade an der dritten. Auch wenn er sonst ein bisschen schüchtern war, beim Essen merkte man davon nichts.
»Übermäßige Stimulierung am Tag und Unterforderung in der Nacht«, spielte Moni auf mein Singledasein an.
»Verdrängte Lust auf Gangbang?«, stellte Inge lakonisch in den Raum.
»Ihr meint, ich müsste mich bloß richtig durchvögeln lassen, dann wäre die Sache erledigt? Bin ich denn von lauter Machos umgeben?«, protestierte ich halb pikiert, halb belustigt.
»Na ja, so haben wir das…«, begann Moni, einen Rückzieher zu machen, und schwenkte dann mitten im Satz um. »Und du spürst wirklich nichts, wenn dich der wildfremde Mann von hinten fickt?«
»Ich kann ja noch nicht mal sagen, ob es ein Mann ist oder ob nicht die Frau mit dem Fünfziger mir was reinsteckt.«
»Aber dass du hinterher tropfst, das weißt du schon noch?«
»Im Traum bin ich absolut tropfig und samennass, das weiß ich erstaunlicherweise genau. Wies mir nach dem Aufwachen geht, das sage ich lieber nicht.«
»Schade, wo wir doch genau das wissen wollen«, maulte Moni mit leuchtenden Augen.
»Na gut, weil ihr es seid«, gab ich ohne Gegenwehr nach, weil ich ja tatsächlich einen guten Rat von ihnen wollte. »In meinem einsamen Bettchen wache ich immer aufgegeilt wie Sau auf, einfach nur klitschnass.«
»Das wundert mich nicht, mir würde es genauso ergehen«, kam es von Inge, die an der Kaffeemaschine rumhantierte. »Aber komisch, dass du nichts von dem Fick spürst. Also wenn mir einer von hinten reinfährt, das merke ich, keine Frage.«
»Tja, was das angeht, bist du halt besonders sensibel«, plauderte ihr herzallerliebster Beischläfer aus dem Nähkästchen.
»Na, na, na, ihr zwei, heute so indiskret. Welche Details wollt ihr uns denn noch über euer heißes Liebesleben verraten?«
»Untersteht dich, Peter!«
»Keine Angst, mein Ingelein, mehr von unseren Schweinereien kommt nicht über meine Lippen.«
»Mal ganz im Ernst, Lisa«, ergoss sich ein feiner Krümelregen unseres jüngsten Teammitglieds über uns. »Wann genau fühlst du dich unwohl? Nur vorher, wenn du mitten drin hockst und keiner dich sieht? Oder auch, wenn du dich mit nacktem Hintern und offenem Häuschen vor allen Leuten darbietest.«
»Das ist genau der Punkt, Werner. Seit ich von dem Karussell träume, hab ich mich das schon oft gefragt. Was mir Sorgen macht ist ja, dass das unwohle Gefühl auf einmal weg ist, sobald meine Pussy von den Gaffern angestarrt wird. Es macht mir sogar Spaß. Jedes Mal, wenn die anfangen, mich anzutatschen, bin ich unten rum schon glitschig. Ehrlich, ich weiß nicht, was ich damit machen soll. Denn in echt möchte ich das wirklich nicht erleben! Nicht für das ganze Geld, das sie in das Mösenschwein stopfen.«
»Leute, hört langsam auf mit der Traumanalyse, wir haben diese Woche noch drei Kalender zu machen!«, rief Inge uns zur Arbeit.
Pflichtschuldig trollten wir uns an unsere Schreibtische. Moni und ich betreuten gerade einen besonderen Auftrag. Den ersten Erotikkalender speziell für Frauen, der unser Haus verlassen sollte. Normalerweise ist der Kundenkreis für diese unsere Marktnische ja stark männlich geprägt. Wir hatten uns deshalb schier krumm gelacht, als Kai vor ein paar Wochen mit dem Vertrag ankam. Ausgerechnet für alleinstehende Landfrauen. Umso mehr Mühe hatten sich Inge, Peter und Werner bei der Bildauswahl und den Designvorschlägen gegeben. Jetzt fehlten nur noch die Texte für die Sommermonate.
Eine halbe Stunde starrte ich sinnierend und ideenlos auf eine mehr oder weniger nackte, melkende Bäuerin in den Bergen. Dazu wäre mir vielleicht etwas eingefallen. Aber nicht zu dem stattlichen Burschen, dessen Prachtschwanz weit aus der Lederhosenluke herauswuchs. Das war nach meinem Geschmack eindeutig zu dick aufgetragen, auch wenn die Landfrauen gemeint hatten, dass ein bisschen Selbstironie nicht schaden könnte. Ich wollte schon bei unseren Grafikleuten protestieren, von wegen Vorurteilen und so, da brach meine Partnerin zuerst in leichtes Glucksen, dann in helles Gekicher aus.
Neugierig ging ich rüber. Auf ihrem Bildschirm beleuchtete eine untergehende Sonne ein eindeutig intimes Paar, das sich auf einer Schafweide herumwälzte. Als Text prangte darauf: „Meine Feige platzt stöhnend in schimmerndem Rot.“
»Klasse, Moni!«, gab ich ihr ein Freudenküsschen. »Das spricht für deine reichhaltige und tiefe Orgasmuserfahrung. Davon werden sich die Damen Landwirtinnen bestimmt anstecken lassen.«
»Reichhaltig und vielseitig ja, aber leider schon historisch bis prähistorisch«, knurrte sie.
Ich beschloss, den Hinweis auf ihre chronischen Entzugserscheinungen zu ignorieren: »Wenn du schon so erotisch inspiriert bist, dann schau doch auch gleich meines an. Ich komm nicht weiter. Ich hab irgendwie an Holz gedacht, wegen dem alten Melkschemel, bin aber nicht weitergekommen.«
»Kuh?«, grübelte sie vor meinem Computer vor sich hin. »Nein. Euter? Nein, zu blöd. Holz? Ja, warum nicht. Holz, harter Schwanz?«
»Ich habs!«, unterbrach ich sie. »„Gedrechseltem Hartholz gebricht es selten an Kraft!“ Nicht ganz so gut wie dein Spruch, aber nicht schlecht, oder?«
»Gar nicht schlecht«, kicherte sie schon wieder und erwiderte mein Küsschen von vorhin mit einer ihrer festen Umarmungen, bis ich fast keine Luft mehr bekam.
Den Rest des Vormittags verbrachten wir einträchtig nebeneinander bei der Ideensammlung zu einem beschürzten, aber ansonsten textilbefreiten Mann, der am Herd stand und in einem Kochtopf rührte. Alles, was uns zu Rühren und Topf einfiel, kam uns zu seicht vor. Resigniert und hungrig einigten wir uns irgendwann darauf, dass der Typ bestimmt Spaghetti kochte. Von dort zum gesuchten Septemberspruch war es dann nicht mehr weit: „Meine Lieblingsnudel spitzt stocksteif die Ohren.“
»Das ist zwar etwas schief, aber vielleicht akzeptieren es die anderen trotzdem«, meinte Moni und schaute nochmal seufzend auf das Bild. »Schade, dass er sich nicht vorbeugt oder breitbeinig in den Seilen hängt wie du im Traum. Bis auf seinen tollen Arsch sieht man ja nichts von ihm.«
»Aber der Arsch ist wirklich toll, da hast du recht. Fast so gut wie der von Werner.«
»Stimmt, der Werner hat einen guten Hintern. Obwohl er so viel frisst, macht er noch eine ganz gute Figur. Du magst ihn, oder?«
»Jaa, schoon«, zog ich meine Antwort in die Länge, denn mir war ein gewisser Unterton bei Moni aufgefallen. »Du auch, oder?«
»Jaa, schoon. Er ist ja zum Anbeißen, wenn er so schüchtern zu uns rüberkommt und dich dann mit seinen Blicken auszieht.«
»Mich auszieht?«, wunderte ich mich ehrlich. »Das sehe ich aber ganz anders. Jedes Mal, wenn er in der Tür steht und dich anschaut, sitzt du hinterher völlig nackt auf deinem Stuhl. Und er hat einen Steifen in der Hose, dass sich sogar der Ficus schamhaft abwendet. Sag bloß, du merkst das nicht?«
»Dass er mit gebeulter Stärke abzieht, ist ja nicht zu übersehen. Aber glaubst du wirklich, das ist wegen mir? Kürzlich bist du aufgestanden und hast ihm den Rücken zugedreht, da hat er dir förmlich die Jeans runtergezerrt und wahrscheinlich auch noch den Slip zerrissen. Sein Schwanz hat dabei einen richtigen Hochsprung vollführt.«
»Du schaust also zu, wie sein Pimmel wächst, und hast ihn nicht angemacht, weil du glaubst, dass er auf mich...?«
»Und du hast ihm noch nicht den Puls gefühlt, weil du glaubst dass er mich...?«
»Kann es sein, dass er auf uns beide abfährt?«
»Und dass wir beide ihn uns mal vornehmen sollten?«
»Um zu sehen, wohin er tendiert«
»Und wie er sich so schlägt, eingeklemmt zwischen uns beiden.«
»Ich denke, das sollten wir mal ausprobieren. Bei dem Hintern, den er hat, lohnt sich das auf jeden Fall.«
Sie hakte sich bei mir unter, tätschelte meine Sitzmuskeln und fragte süffisant schlüpfrig: »Was macht das übrigens mit dir, mich sozusagen barbusig und barmuschig rumsitzen zu sehen? Wendest du dich auch schamhaft ab?«
So langsam schwante mir, worauf Moni eigentlich hinauswollte. Zu meiner Überraschung kamen irgendwo aus der Gegend zwischen Magen und Leber Signale, die mich bewogen, den Gedanken daran nicht sofort in Bausch und Bogen zu verbannen, sondern langsam reifen zu lassen.
»Mit den Augen von Werner sehe ich dich natürlich nicht. Aber dass du was zu bieten hast, das kann sogar ich durch die Wäsche hindurch erkennen.«
Zufrieden zog sie mich rüber ins andere Büro und verkündete dort lauthals: »Der Mann mit den knackigsten vier Buchstaben darf uns zwei Grazien heute zum Mittagessen begleiten!«
»Vier Buchstaben beim Mann?«, rätselte Peter. »Vielleicht die Eier?«
»Der Sack?«, sekundierte Werner.
»Der Arsch, ihr Ärsche«, klärte Inge sie auf, nicht ohne hinzuzusetzen: »Und den von Peter überlasse ich euch zwei Harpyien bestimmt nicht kampflos. So, wie ihr da drüben geschäkert und euch an den armen Landfrauen und ihrem Kalender aufgegeilt habt.«
»Fünf. Arsch hat fünf Buchstaben, mein liebes Ingelein«, verbesserte der so aus dem Rennen Genommene ungerührt.
»Arsch, Popo, Hinterteil, Allerwertester, egal«, warf ich vor Hunger gequält ein. »Wenn ich nicht gleich etwas Warmes in den Bauch kriege, sterbe ich auf der Stelle.«
»Vorsicht mit solchen Bemerkungen über deinen Bauch«, witzelte Werner, »nicht, dass du dir vor lauter Heißhunger etwas in den falschen Gang schiebst.«
»So hungrig wie wir sind, ist es uns völlig egal, was wie auf welchem Weg in unsere Bäuche kommt«, mischte sich nun auch Moni gekonnt anzüglich ein.
Halb genervt, halb vergnügt drängte uns Inge aus dem Büro: »Geht ihr nur und nehmt Werner mit. Ich werde mir hier mit Peter ein warmes Süppchen anrühren. Ihr könnt euch ruhig Zeit lassen!«
Beim Italiener um die Ecke ging uns eine Weile die Munition für weitergehende Scharmützel aus, bis Werner nach intensivem Studium der Speisekarte das Gespräch wieder in Gang brachte: »Ein schönes Pärchen, Peter und Inge.«
»Ich glaube, sie lieben sich wirklich«, stimmte ich zu.
»Zumindest scheinen sie es zu treiben, wann und wo es sie überkommt.«
»Oh ja! Gestern haben sie sogar am helllichten Tag bei uns auf dem Frauenklo gevögelt.«
»Tatsächlich, das habe ich gar nicht gemerkt.«
»So um drei, ich musste mal für kleine Mädchen, da hab ich sie gehört. Bei mir wars so dringend, dass ich zu euch ins Männerklo gegangen bin. Ich hab noch nicht mal die Ohren an die Wand zu pressen brauchen, um alles mitzukriegen. Sie treiben es reichlich wüst.«
»Ach deshalb! Ich hab dich rauskommen sehen und schon gedacht, wer weiß was die Lisa in unserem ureigensten maskulinen Refugium macht.«
»So so, du spioniert mir also bei meinen Pinkelgängen nach. Aber keine Angst, aus freien Stücken setz ich mich nicht bei euch auf den Topf. Es sei denn…«
»Es sei denn?«
»Es sei denn, es bietet mir jemand was an.«
»Zum Beispiel was für den Bauch?«
»Zum Beispiel.«
»Egal, wie du es verdrückst?«
»Egal. Auch wenn ich Präferenzen hab.«
»Zum Beispiel?«
Nun mischte sich auch Moni wieder ein, die bis dahin seltsam abwesend zugehört hatte: »Zum Beispiel die, die sie geträumt hat.«
»Woher weißt du das? Weibliche Intuition?«
»Gemeinsame weibliche Interessen.«
»Das Interesse, öffentlich deine Muschi zur Schau zu stellen, oder dich ordentlich ficken zu lassen?«, fragte Werner vorsichtshalber bei Moni nach.
»Ich lass mich gern anschauen, aber natürlich nur von Eingeweihten, und die weihe ich dann gern auch etwas tiefer ein.«
»Ich würde sagen, lieber vögeln als vögeln lassen«, stellte ich meine Vorlieben klar. »Und natürlich darf die Muschi sich offen zeigen, ich bin ja stolz auf sie. Gern auch zum Lutschen und Schlecken auf der Basis von Gegenseitigkeit. Aber nicht unbedingt auf dem Marktplatz.«
»Und was ist mit der Frau, die den Fünfziger spendiert hat, dürfte die hinschauen?«, hakte Moni nach.
»Na ja, ich weiß nicht«, druckste ich ein bisschen verlegen rum. Der langsame Reifungsprozess in mir hatte zwar schon einige Regionen des Unterleibs erfasst, so etwa um die Eierstöcke und die Gebärmutter herum, war aber noch lange nicht zum Abschluss gelangt. Geschweige denn hatte er mein Gehirn außer Gefecht gesetzt. Deshalb lenkte ich ab. »Sollten wir nicht aufhören, alles Mögliche aus meinem blöden Traum herauszulesen?«
In dem Moment retteten mich die Nudeln und Pizzen. Werner war erstmal beschäftigt. Moni und ich schauten uns aber beim Essen zwischendurch immer wieder tief in die Augen. Und ich staunte vor mich hin, was ich da losgetreten hatte. Das war nicht mehr das unverbindliche Gelabere über Sex, das mit den Erotikkalendern bei uns im Verlag Einzug gehalten hatte. Ganz tief unten spürte ich ein Rumoren, das ich bis dahin noch nicht gekannt hatte.
Nach zehn Minuten schob Werner seinen blitzblanken Teller von sich und spülte kräftig nach. »Wart ihr schon mal in so einer Erotikshow?«, fragte er unbedarft interessiert, ohne zu ahnen, welches emotionale Chaos der Tag bei Moni und mir angerichtet hatte.
»Warst du schon mal?«, antwortete ich kauend mit einer Gegenfrage.
»Nö.«
»Würdest du gern?«
»Dafür sind mir die Gewinnmargen unserer Kalender eigentlich zu klein.«
»Aber so im Prinzip?«
»Ehrlich gesagt, eher nicht, auch wenn…«
»Ein paarmal hat mich ein Ex zu sowas geschleppt«, unterbrach ihn Moni. »Richtig toll war es nie. Wenn die Vorstellung nichts taugt, und die meisten sind nicht gut, dann ist es langweilig. Und wenn sie gut ist, bist du nass und er steif, aber bis du heimkommst, ist der Effekt vorbei.«
»Es sei denn, du bumst gleich bei der Präsentation«, schloss ich messerscharf.
»Es sei denn, das Bumsen gehört zur Präsentation«, stimmte sie zu.
Inzwischen hatte auch Werner gespannt, dass da unter der Oberfläche des Rumgeplänkels etwas ablief, von dem er nicht wusste, ob es ihn betraf oder nicht. »Hab ich was verpasst?«, fragte er fast hilflos mit einer schier unwiderstehlichen Denkfalte auf der Stirn.
Moni schaute mich an, ich schaute sie an. Da war mir klar, dass sie das Heft in die Hand nehmen würde. Ich hörte und fühlte nochmal in mich hinein. Meine merklich aufgeregte Muschi erklärte mich reif für das, was da kommen sollte. Also schloss ich zustimmend die Augen. Resolut legte meine Partnerin Messer und Gabel auf den halbvollen Teller.
»Mein lieber Werner«, begann sie. »Du frisst zwar wie ein Schwein. Aber das ist auch der einzige Negativposten, den ich bisher an dir entdeckt habe. Lisa und ich haben heute befunden, dass du den knackigsten Hintern weit und breit hast. Du bist nett, umgänglich, lustig, erotisch aufgeschlossen und solo. Keine Ahnung, warum Lisa und ich dich nicht schon längst vernascht haben. Ich schätze, weil wir das Gleichgewicht der Kräfte nicht durcheinander bringen wollten. Was du verpasst hast, fragst du? Die Tatsache, dass ich rollig wie eine Katze bin und dass der Lisa, so wie sie da sitzt, die Lust wahrscheinlich schon zwischen den Beinen rausläuft. Lang ihr ruhig mal rein, dann wirst du es schon merken. Bei mir darfst du auch, nicht dass du glaubst, wir veräppeln dich. Wenn du willst, können wir schnell mal im Klo verschwinden. Auf jeden Fall ist bei uns Sturmflut hoch zwei angesagt. Hoffentlich steht dein Mast richtig.«
Werner kam gar nicht mehr nach, sich zu wundern, so schnell setzte Moni eins aufs andere. Ich selbst konnte nach jedem Satz von ihr nur nicken. Ihren Redefluss zu unterbrechen, kam mir gar nicht in den Sinn.
»Was du außerdem noch verpasst hast? Dass ich gern die Frau mit dem Fünfziger aus Lisas Traum wäre, wenn ihr zwei vögelt, bis sich die Balken biegen. Aber ich würde ganz bestimmt nicht ruhig danebenstehen. Ich würde da mitmachen. Lisas Spalte ausschlürfen, deinen Schniedel in Form blasen, ihn eine Weile in meiner Furche vorglühen, was immer du willst. Und wenn ich Lisas Blicke richtig gedeutet habe, dann geht es ihr ganz genauso. Und weil du noch nie bei mir daheim warst, weißt du auch nicht, dass ich einen runden Esstisch habe, der sich perfekt für jede Art von Inszenierung eignet. Ein rosa Sparschwein mit Plastikmuschi habe ich allerdings nicht. Aber ich stelle mich persönlich zur Verfügung, um euch als Ersatz dafür eine würdige und echte und, mein lieber Werner, sauhungrige Mumu zu präsentieren. So das musste jetzt mal raus! Lisa, sag, hab ich recht?«
Unser schüchternes Opfer rutschte zwar nervös auf seinem Stuhl hin und her, aus seinem Gesicht war aber der zweifelnde Schatten verschwunden, der am Anfang von Monis Geständnis seine Denkfalte verdrängt hatte. Stattdessen versuchte sich ein schüchternes Lächeln in seinen Augen- und Mundwinkeln festzusetzen. Bevor ich antworten konnte, fragte er neugierig: »Habt ihr beiden schon mal zusammen?«
Nachdem ich mich rückversichert hatte, dass die Leute an den Nachbartischen nicht lauschten, übernahm ich. »Nein, haben wir nicht. Aber ein gewisser Kollege mit knackigem Hintern pflegt uns beide mit seinen Augen ja immer bis auf die blanke Haut und weit darüber hinaus beziehungsweise tiefer hinein auszuziehen, wenn er zu uns ins Büro schneit.«
Dass Werner mich dabei reichlich irritiert anschaute und wohl absolut nichts verstand, focht mich nicht an. Ich war in Fahrt und nicht geneigt, großartig Erklärungen über Monis und meine Mutmaßungen abzugeben.
»Und dann meint dieser Kollege, der uns, bildlich gesprochen, entblättert hat, er könnte uns seine fette Made vorenthalten und uns einfach so pudelnackt und feucht und halb aufgegeilt rumsitzen lassen. Es würde mich nicht wundern, wenn dieses schändliche Vorgehen der wahre Grund für meinen Traum wäre. Und jetzt haben wir eben beschlossen, dass du die Verantwortung für dein Tun übernehmen musst.«
Das Gesicht von Werner war göttlich. Er hatte offensichtlich keinen Schimmer, von was ich da redete, war aber genauso offensichtlich äußerst interessiert, wie das ausgehen würde. Da gab es zwei Möglichkeiten. Herzhaft über ihn und über uns lachen, oder weitermachen. Ich machte weiter.
»Wie viele Pornobilder hast du in dem halben Jahr bei uns im Verlag schon zusammenkopiert und katalogisiert. 10.000, 20.000? Bestimmt, oder? Na, dann weißt du ja, wies geht und was dir bevorsteht. Wie die Pussy von Moni aussieht, wenn sie richtig aufdreht, weiß ich nicht. Meine jedenfalls wird dann dick und feist und rot und rutschig und gefährlich. Meine schlüpfrige Goldmine wird ganz bestimmt darauf bestehen, die erste zu sein, die auf Monis Esstisch ausgestellt wird. Und wehe, sie wird dann nicht sofort gehegt und gepflegt. Dann wird sie nämlich bissig und sucht sich den nächstbesten Schwanz aus, um ihn sich ganz unfreundlich reinzuziehn. Aber wenn sie gestreichelt und abgelutscht und mit der Zunge massiert wird, und wenn ein paar Finger sie von innen liebkosen, und wenn gleichzeitig ein paar Lippen um meine Brustwarzen, meinen Hals und meinen Nacken herumschleichen, dann fängt meine Wonneritze an zu maunzen. Dann wartet sie auch, bis ich einen drallen, harten Schwanz hege und pflege und mit der Zunge massiere, bis der freiwillig bei ihr Unterschlupf sucht und ihr den letzten Tropfen Lust rausvögelt. Und wenn eine zweite Pussy dabei ist, dann wartet sie bestimmt, bis die auch umsorgt und massiert und aufgeschwollen und pitschnass ist und vor lauter Sex und Verlangen riecht und schreit. Und dann werden wir sehen, was du im Umgang mit deinen Bildchen gelernt hast. Denn dann liegt es an dir, dass unsere beiden Schnecken zufrieden bleiben und nicht wieder gefährlich werden. Denn sonst Gnade Gott deinem Pimmel, der hoffentlich so dick und seifig ist, wie ich ihn mir vorstelle. Jetzt siehst du, was du mit deinen Besuchen in unserem Büro angerichtet hast. Traust du dich, dazu zu stehen?«
Moni hatte irgendwann, als ich im Redeschwall meine Muschi sozusagen nach außen gestülpt hatte, nach meiner Hand gegriffen und hielt sie nun fest. Ihr fiel nichts anderes mehr ein als zu fragen: »Sofort oder heute Abend?«
Wie zwei Teenies beim Auftritt eines großen Stars himmelten wir Werner an und hingen an seinen Lippen, als ob sein Spruch über unser Leben entscheiden würde.
»Ich habe zwar höchstens die Hälfte von dem kapiert, was ihr da geschwafelt habt. Aber dass ihr mich durchvögeln wollt, das habe ich kapiert. Wenn das wirklich so ist, dann sollten wir sofort loslegen«, brachte er, immer noch etwas verwirrt, aber mit glänzenden Augen heraus.
Wir schleppten ihn ab, bevor er es sich anders überlegen konnte. Dabei achteten wir pingelig darauf, dass er mein kariertes Halstuch betont lässig vor die große Beule in seiner Hose hielt.
Als wir kurz vor Feierabend ins Büro kamen, sprudelten Moni und ich über vor Kreativität. Werner hingegen machte einen eher erschlafften Eindruck. Peter und Inge waren gerade beschäftigt, aber wir riefen ihnen durch die verrammelte Tür des Frauenklos zu: »Die Aufarbeitung des Karusselltraumas hat begonnen!« Bei dem Krach, den sie machten, stand aber nicht zu erwarten, dass sie es überhaupt hörten.

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