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Reiner K., der Achselfetischist

Reiner K. war seines Zeichens Gynäkologe mit überproportionalem Einfühlungsvermögen. Er gehörte zu den Berufsleuten, die stets das Gefühl hatten, sich für Ihr Fachgebiet rechtfertigen zu müssen. “Es ist nicht, wie Ihr denkt”, sagte er in offener Gesellschaft immer wieder, “wir stecken oft bis zu den Ellenbogen im Eiter”. Dass er die negativen Seiten seines Berufes immer explizit hervorhob hatte damit zu tun, dass er nicht den Eindruck erwecken wollte, er könne jeden Tag schöne Frauen betrachten und berühren und würde erst noch reich dabei. Reiner K. war nicht reich, aber wohlhabend. Seine Villa am See gönnten ihm aber die meisten, denn es war bekannt, dass er hart arbeitete. Reiner K. war nicht verheiratet, lebte aber seit über zehn Jahren mit einer Kosmetikerin zusammen, die eine Tochter mit in die Beziehung gebracht hatte. Nina war mittlerweile zwölf. Seine Vorliebe für weibliche Achselhöhlen hatte Reiner K. bereits in seiner Pubertät entdeckt. Damals, in den 70er Jahren, rasierten sich die Frauen unter den Armen noch nicht. Diese manchmal recht üppigen Haarbüschel hatten es Reiner K. angetan. Um sich täglich damit zu befassen, hätte er sich allerdings den aufwändigen Bildungsweg bis zum Gynäkologen sparen können. Berufe wie Fotograf, Sportlehrer oder Bademeister hätten ihm die weiblichen Achseln auch erschlossen. Nach dem Staatsexamen hatte er sämtliche denkbaren Disziplinen durchlaufen, von der Orthopädie über die Nephrologie bis hin zur Urologie – und war dann eher durch Zufall bei der Gynäkologie gelandet, weil in der Uniklinik gerade eine Oberarztstelle nicht besetzt war. Dann war Reiner K. über eine meiner Geschichten gestolpert, die ich hier wiedergebe, damit sich der geneigte Leser aufwändige Literaturrecherchen ersparen kann. “Mala, die Wasserträgerin” heisst die Story, die das Leben des Reiner K. für immer verändern sollte. Nicht dass Reiner K. ein expliziter Sex-Surfer war – beileibe nicht. Die Abende verbrachte er mit seiner Vera und deren Tochter, und die raren freien Wochenenden probte er hinter seinem Schlagzeug, das in einem eigens dafür angebauten Kellerraum stand. Dort, hinter der Snare Drum, dem Hi Hat und der Bass Drum, las er in aller Ruhe immer wieder die Erzählung, die ihn so faszinierte:

Mala, die Wasserträgerin – eine Erzählung von Anita IsirisRoberto hatte sich lange im Voraus auf seinen sechsmonatigen Aufenthalt auf den Malediven gefreut. Die Inselgruppe kannte er nur vom Hörensagen; nie hätte er sich träumen lassen, dass er eines Tages mit Hilfe eines Kunststipendiums aufs Mulaku Atoll fliegen würde. Roberto studierte Malerei in einem höheren Semester und war besessen von der Idee, die Farbe menschlicher Haut möglichst authentisch auf die Leinwand zu übertragen – eine Kunst, an der schon andere vor ihm gescheitert waren: Picasso, Klee, Cézanne, Braque. Sie alle hatten irgendwann kapituliert und mit Fremdfarben zu experimentieren begonnen – was ihnen ja auch Ruhm einbrachte. Einen Menschen so zu malen, wie er ist, in diesem schwer zu beschreibenden Hautton, war immer erst der nächsten Künstlergeneration vorbehalten gewesen.
Erwartungsfroh verliess Roberto das Boot, das zwischen dem Atoll und der Hauptstadt Male die einzige Verbindung war und wurde von fünf lachenden Frauen in Empfang genommen. Alle waren sie mit Blumen geschmückt – als hätten sie nur auf ihn gewartet. Roberto verschlug es die Sprache. Eine leichte Brise wehte vom Meer herüber und am Horizont rötete sich der Himmel. Roberto wurde umsorgt, befragt, gehätschelt und verwöhnt – eine ganze Woche lang. Dann erwachte er aus seiner Trance und beschloss zum wiederholten Mal, sich an die Arbeit zu machen. Kontemplativ sass er am Strand und liess den feinen Sand durch seine Finger rinnen. Importierter Hummer, Ananas, Palmwein und Nektar hatten seine Sinne umnebelt und ihn träge gemacht. Sechs Monate hatte er Zeit. Sechs Monate, um dem Geheimnis der Farbe menschlicher Haut näher zu kommen.

Neben ihm sass Mala, eine junge Frau aus dem Dorf, mit der er sich nur mühselig verständigen konnte. Vertrauensvoll lehnte sie sich an ihn – die Mädchen hier waren ausgesprochen kontaktfreudig – jedoch nicht auf die „nuttige“ Art, sondern herzlich, offen und freundschaftlich. Die Frauen hier hatten alle einen sehr sanften Hautton, der sehr angenehm mit den dunklen, grossen Augen und dem tiefschwarzen, glänzenden Haar kontrastierte. Nackt hatte Roberto bisher keine von ihnen gesehen, aber auch das würde sich ergeben. Mala verstand wenig englisch – genug jedoch, dass sie einfachen Anweisungen folgen konnte, die ein Maler an sein Modell richtete. Nur knapp konnte Roberto sich beherrschen – er konnte die Weichheit und Wärme dieses Mädchens spüren, ihren Duft riechen und war gebannt von ihrem langen, roten Kleid, von dem sie gelegentlich den Sand abschüttelte. In diesen kurzen Momenten konnte er einen Blick auf ihre langen Beine erhaschen, die – und dessen war er sich gewiss – irgendwo zusammenkommen mussten. Mala hatte drei Schwestern und war Wasserträgerin. Jeden Morgen musste sie früh zum Dorfbrunnen und aus der Zisterne Wasser hochpumpen, das dann in Tonkrüge abgefüllt und an die Familien verteilt wurde. Roberto hatte sie mehrmals beobachtet, um sich mit den Gepflogenheiten der Atollbewohner vertraut zu machen. Mala war unwahrscheinlich anmutig, und der Moment, in dem sie sich bückte, um einen Tonkrug hoch zu heben und ihn stolz auf dem Kopf zu balancieren, verschlug Roberto jedes Mal den Atem. Elegant wiegte sie sich in den Hüften und hatte den Gang der stolzen, unnahbaren Naturschönheit, während ihr Kleid die nackten Füsse umspielte.

Besonders aber erregten ihn ihre Achselhaare. Natürlich waren sie schwarz – die Frauen auf den Malediven konnten sich nicht vorstellen, dass Rasur bei europäischen und amerikanischen Frauen jährlich ein Sommerthema war. Malas Achselhaare wirkten aber derart intim, dass Robertos schweres Glied sich jedes Mal versteifte, wenn sie sich aufrichtete und einen Tonkrug auf ihren Kopf setzte.

In seiner Hütte lagen bereits Dutzende von Skizzen mit Malas Portrait, die er an den sonnenreichen Nachmittagen anfertigte. Den Morgen verbrachte er meist lesend in seiner Hängematte; oft schloss er die Augen und dachte nach – über die Farbe menschlicher Haut, über Malas Achselhaare und über die ihm vorenthaltenen Liebestechniken der Atollbewohnerinnen. Dann erhob er sich von seinem bequemen Lager, nahm sich eine Skizze vor und ergänzte Malas Portrait mit einem wundervollen Körper, den er auf sie projizierte. Er liess seiner Fantasie freien Lauf, betonte mal ihre Hüften, dann widmete er sich für längere Zeit dem Bauchnabel oder der Textur ihrer Brustwarzen. Würde er sie je in Natura zu sehen bekommen? Bisher kannte er ja nur ihr Antlitz, ihren langen Hals, die zartgliedrigen Hände und... ihr Achselhaar.



Dann fuhr Roberto aus seinen Tagträumen hoch. Noch immer schmiegte sich Mala an ihn, es herrschte eine leichte Brise. Da kam mit federndem Schritt Joe auf sie zu. Joe war Besitzer der kleinen Bar ausserhalb des Dorfes; Roberto hatte rasch mit ihm Freundschaft geschlossen. Stets wirkte er locker und fröhlich, und in seinem Mund blitzten zwei schneeweisse Zahnreihen. Als hätte Mala ihn eingeladen, setzte er sich an ihre freie Seite. Sie lächelte verlegen, was Roberto einen Stich ins Herz gab. Hatte er sich etwa verliebt in dieses unschuldige Maledivenmädchen?

Ohne Umschweife machte Joe sich an Malas Kleid zu schaffen und streifte es ihr über die Schultern. Er strahlte Roberto an, so dass dieser unverwandt lachen musste. Allzu ungewohnt und vor allem überraschend war diese Situation. Mala liess sich Joes Aktivität gefallen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, dass ein Mann eine Frau vor einem andern Mann entblösst. Ihre Brustwarzen hatten die Form von Haselnüssen; keck standen sie vom übrigen dunklen Brustgewebe ab. Roberto konnte nicht anders und berührte sanft Malas linken Busen. Gleichzeitig förderte Joe ein Fläschchen mit einem duftenden Öl zutage und begann gemächlich, ihren Oberkörper einzureiben. Besonders viel Zeit liess er sich bei Malas Achseln und forderte sie auf, die Arme hinter ihrem Kopf zu verschränken, was sie lächelnd tat.

Joe bedeutete Mala, sich ans Felsstück hinter ihr zu lehnen und befreite mit ruhigen Bewegungen seinen riesigen Penis aus dem Gefängnis seiner Hose. Dann schob er seine Eichel in ihre rechte Achselhöhle und bedeutete Roberto, es ihm gleich zu tun. Dieser zögerte erst, tat aber dann in der linken Achselhöhle des Mädchens, wie ihm geheissen. Warm schien die Sonne. Mit vorsichtigen, rhythmischen Bewegungen bearbeiteten die beiden Männer Malas Achseln; Roberto hatte das Gefühl, er könne ihre dunklen, erhitzten Haare spüren. Zeitweise drückte sie die Arme etwas fester an ihren nackten Oberkörper und brachte so die beiden Männer zum Stöhnen.

„Enjoy?“ Wollte Joe von Roberto wissen. „She is still a virgin, you know…” fügte er erklärend hinzu und warf dann in einem Anfall innigster Lust den Kopf nach hinten, weil Mala etwas mehr Druck auf seine Eichel gab. Sie steuerte die beiden Männer einem gemeinsamen Orgasmus entgegen – dieser erfolgte mit einer derartigen Präzision, dass der ganze Palmwald von den dunklen, lang gezogenen Schreien widerhallte.

Ruckartig zogen Roberto und Joe ihre Penisse aus Malas Achselhöhlen und spritzten gemeinsam auf ihrem Bauch ab.

Was Reiner an der weiblichen Axilla derart faszinierte, hätte er nicht zu sagen vermocht. Zerstreut klopfte er einen Takt auf seiner Bass Drum und las die Geschichte nochmals. Axilla-Sex mit Mala, dem Maledivenmädchen. Ob seine Vera vielleicht... Seine Leidenschaft war ihm natürlich peinlich. Er war ein gebildeter Mann; sein Tun und Lassen hatte eine gewisse gesellschaftliche Tragweite erreicht – und es war nicht auszudenken, was passieren würde, wenn sich seine Obsession herumspräche. Er wusste aber, dass er Vera vertrauen konnte. Veras Achselhöhlen waren aber gänzlich unbehaart, und, obwohl in der Mala-Geschichte nicht explizit beschrieben, stellte er sich vor, dass deren Achseln ihrer natürlichen Haarpracht unberaubt waren. Er nahm sich vor, Vera in der kommenden Nacht über seine Leidenschaft ins Bild zu setzen und widmete sich in den folgenden zwei Stunden dem Drumbeat von „down at the doctor´s“. Dr. Feelgood.
Vera war keineswegs prüde. Sie wusste, dass sie es mit einem Mann zu tun hatte, der vielleicht nicht immer ohne weiteres einen hoch kriegte, weil ihn seine Arbeit am weiblichen Körper in all den Jahren womöglich abgestumpft hatte. Um so mehr freute sie sich, behaupten zu können, dass sie beide eigentlich guten Sex hatten, wenn sie ihr Treiben mit den verbitterten Schilderungen ihrer Freundinnen verglich. Vera war eine kleine zierliche Frau mit wundervollen, dichten Locken und tiefbraunen Augen, in denen man ertrinken konnte. Ihr Kapital waren ihre Hände, mit denen sie ihren Kundinnen liebevoll Gurkenmasken auflegte und ihnen teure Lotions in die Haut rieb. In der besagten Nacht trug sie ein kurzes Hemdchen, das ihr Reiner ihr zum Namenstag geschenkt hatte. Ihr Name war darauf gestickt; das Hemdchen bestand aus zartem Nichts und gab den Blick auf ihren Bauchnabel und die Kontur ihrer bescheidenen Brüste frei. Untenrum schlief Vera meist nackt. Das Paar hatte sich angewöhnt, in der Löffelchen-Stellung einzuschlafen, wobei Reiner seine Hand an ihren Bauch legte, den Ring- und den Klein finger abspreizte und damit knapp ihre obere Schamhaargrenze berührte. Sie fand das diskret, zärtlich und geheimnisvoll. Er fand das geil, reizvoll und interessant. „Vera?“ fragte er plötzlich. „Schläfst Du?“ „Hmmm?“ antwortete sie und vermutete, dass er mal wieder ein bisschen Sex wollte. „Ich möchte was Neues ausprobieren, Schätzchen.“ Damit hatte er ihre volle Aufmerksamkeit. Wenn ein Mann nach über zehn Jahren etwas Neues ausprobieren will, hat er entweder eine andere, oder er hat eine andere. Vera war nicht dumm. „Ich hab keine andere“, nahm ihr Reiner den Wind aus den Segeln. „Ich möchte einfach mal... Deine Achseln, weisst Du.“ „Meine was?“ Wie gesagt war Vera eine tolerante Frau und stets an Neuem interessiert. Was ihr Mann ihr beim Abendessen jeweils über Liebesspielzeug erzählte, das der einen oder andern Klientin in die Scheide gerutscht war und von ihm wieder zutage gefördert werden musste, was er ihr punkto Liebespraktiken schilderte, über die seine Patientinnen ihn ins Bild setzten – Vera war sich einiges gewohnt. Aber ihre Achseln? Reiner verschwieg ihr, dass er über eine einschlägige Geschichte zu dem Thema verfügte, und strich über ihre rechte, vom Mond beschienene Schulter. Reiner, sonst ein ausgesprochen eloquenter Mann, wusste nicht, wie er das Gespräch fortsetzen sollte. Da baute ihm Vera eine Brücke. „Mach doch einfach mal“, sagte sie neugierig, „ich sage dann schon, wenn es mir zuviel wird“. Sie spürte Reiners Glied, das sich an ihre Pobacken drängte und drehte sich auf den Rücken. Dann verschränkte sie die Arme hinter dem Kopf. Vera rasierte ihre Achseln nicht; das bisschen heller Flaum war kaum sichtbar und ermöglichte ihr den Luxus, ohne Epilation auszukommen. Ihre Kundinnen enthaarte sie professionell und war im Grunde ganz froh, dass die Natur sie nicht mit dichtem, üppigem Haarwerk ausgestattet hatte. „Könntest Du mal meinen Schwanz einklemmen?“ fragte er. Sie war peinlich berührt, tat aber, worum er sie gebeten hatte. Reiner schloss die Augen, dachte an Mala und begann zu pumpen. Veras graziler Körper, ihre schlanken Oberarme und ihr etwas knochiger Oberkörper vermochten ihm aber nicht das Gefühl zu geben, das er sich erhofft hatte. Nach einer Weile legte er selbst Hand an sich und spritzte auf Veras Schamhaardreieck. Sie liess sich ihre Verwunderung nicht anmerken, duschte sich und betrachtete sich stirnrunzelnd im Badezimmerspiegel. Als sie ins Bett zurückkehrte, war ihr Reiner bereits eingeschlafen.

Ruckartig zogen Roberto und Joe ihre Penisse aus Malas Achselhöhlen und spritzten gemeinsam auf ihrem Bauch ab.

Er träumte von einem sonnenbeschienenen Strand und wusste, was er zu tun hatte. Um in den vollen Umfang des gewünschten Genusses zu kommen, musste ein Kollege her. Axilla-Sex war ein Partnerspiel, das zu dritt gespielt werden musste.

Schon vor längerer Zeit hatte er ein Auge auf Sabine, eine junge, etwas dralle Hebamme geworfen. Im Rahmen eines Dekontaminationsprogramms, das den Spitälern während der Euro 08 vorschrieb, wie sie allenfalls durch einen Anschlag virenverseuchte Patienten zu „entkeimen“ hatten, war ihm das Glück vergönnt gewesen, Sabine beim Duschen zu beobachten. Danach mussten die Mitarbeiter durch eine Schleuse treten und sich in eine Art Astronautenanzug hüllen, der sie vor allfälliger Ansteckung schützen sollte. Sabines Körper war völlig anders als der von Vera. Sie hatte Hängebrüste, einen kleinen Bauch und massive Oberschenkel, die in kräftigen runden Pobacken mündeten. Das Erregendste für Rainer war gewesen, als Sabine für die Haarwäsche ihre Arme anhob und unfreiwillig ihr dichtes, schwarzes Achselhaar zeigte. Er war lange genug Angehöriger seines Berufs um zu wissen, dass sich von der Augenbrauenfarbe oder der des Achselhaars auf die Intimbewaldung schliessen liess. Sabine hatte eine dicht behaarte Muschi, die allerdings von einer grünen Badehose verhüllt war. Nach der Dekontaminationsübung wusste Reiner, dass er, koste es was es wolle, eines Tages in Sabines Achselhaar abspritzen würde.
Auch wenn heilige Schriften uns etwas anderes weiszumachen versuchen: Wir sind und bleiben Tiere. Tiere, die auf visuelle Reize, geometrische Formen, Geruch und Geschmack reagieren. Rainer ahnte, dass Sabines Achselduft ihn anmachen würde. Wir reden hier nicht von abgestandenem Schweiss, nicht von zersetzter Drüsenflüssigkeit, Buttersäure, für die sich allenfalls Zecken interessieren. Wir denken an frischen Schweiss, wie er zum Beispiel beim Liebemachen entsteht. Veras Liebesschweiss duftete süsslich und schmeckte salzig. Rainer wusste, dass Sabine ihn mochte. Sie hatte ihm ihre Zuneigung mehrmals signalisiert und ihn sogar einmal zum Kaffee eingeladen. Ein Oberarzt erlebte das selten, lebte das Leben des einsamen Wolfes und sah sich stets mit der Erwartungshaltung von Patienten, Kollegen und Untergebenen konfrontiert. Sabine aber war keine Untergebene, beileibe nicht. Sie war eine selbstbewusste, praktisch denkende Frau, deren Energie kaum je versiegte. Sie mochte so an die dreissig Jahre alt sein und war partnerlos, wie Reiner an einem Frühstücksgespräch mitbekommen hatte. Die Schwierigkeit bestand wohl kaum darin, sie zu einem kleinen, harmlosen Liebesspiel zu bewegen. Die Schwierigkeit war die Dreierkombination, die gemäss Malas Geschichte notwendig war, um zum Höchsten der Gefühle zu gelangen.

Dann hatte Reiner die zündende Idee. Wie viele Angehörige seiner Zunft war er Mitglied in einem Literaturzirkel. Man las, debattierte, philosophierte und erörterte Kant, Hegel, Proust, aber auch zeitgenössische Literatur. Der Männerclub traf sich ein Mal im Monat, und immer wieder wurden auch literarische Eigenkreationen dargeboten, die die Bezeichnung „Literatur“ aber nur in den allerwenigsten Fällen verdienten. Auch Erotisches hatte durchaus seinen Platz, allerdings nicht in der Härte eines Charles Bukowski oder der etwas abstossenden Detailtreue einer Charlotte Roche. Literarisch Verbrämtes war gefragt, und Reiner beschloss, einen Versuch zu wagen. Auch Gäste, vor allem weibliche, waren stets willkommen, und es bereitete der akademischen Männerschar eine gewisse Freude zu beobachten, wie Frauen auf derbe Textpassagen reagierten.

Sabine sagte rascher zu als Reiner das erwartet hatte. An einem lauen Juniabend erwartete er sie am Bahnhof, im offenen Cabrio, und freute sich über ihr wehendes Haar während der Fahrt. Sabine und er unterhielten sich über Belangloses. Man kannte sich ja schon lange, war durch manches hindurchgegangen, hatte auch Tragödien geteilt. Im Grunde stehen sich Berufspersonen oft näher als Ehepartner. Sie sehen sich öfter, die Erlebnisdichte ist höher und der Kanon einer gemeinsamen Sprache, gemeinsamer Interessen ist intensiver. Die schlecht beleuchtete Seitenstrasse, in der das Literaturclublokal sich befand, war am andern Ende der Stadt. Beinahe hätte Reiner eine Ampel übersehen und einen Unfall gebaut, in dem Augenblick nämlich, in dem Sabine, die ein elegantes Trägerkleid trug, ihre Arme hinter dem Kopf verschränkte und ihr dichtes Achselhaar zeigte. Während des ganzen Abends konnte Reiner an nichts anderes mehr denken als an diese kurze Seqenz zwischen zwei belebten Strassenkreuzungen. Sein Berufskollege Lorenz nahm ebenfalls an jenem Abend teil, und Reiner überlegte sich ein letztes Mal, ob er „Mala, die Wasserträgerin“ wirklich als eigene Story deklarieren und vorlesen sollte. Was aber, wenn jemand die ursprüngliche Autorin kannte? Die Wahrscheinlichkeit war eher klein, aber dennoch...

Schon sah sich Reiner am kleinen runden Tisch, ein Glas mit Mineralwasser vor sich, und die erwartungsvollen Blicke der Literaturzirkelteilnehmer auf sich. Sabine wurde von einem kleinen Scheinwerfer beleuchtet. Ihr üppiger Busen spannte den Stoff des schwarzen Abendkleides, und erst jetzt fielen ihm ihre rot geschminkten Lippen auf. Lippen, die sich lustvoll öffnen würden, wenn er erst einmal in ihrer Achselhöhle war. Mit bebender Stimme trug Reiner „Mala, die Wasserträgerin“ vor. Zwischendurch beobachtete er Sabines Reaktion. Sie wirkte angespannt. Seinem Kollegen Lorenz, der neben Sabine sass, schien es nicht anders zu gehen. In der Pause hatte Reiner ihn über sein Vorhaben orientiert. Lorenz war Spässen nie abgeneigt, und bereits vor Jahren hatten sich die beiden Berufskollegen in einem Swinger-Club getroffen um die Ex von Lorenz durchzunudeln. Das hatte Spass gemacht damals, dieses Verbotene, hochgradig Obszöne. Die beiden Gynäkologen hatten sich über eine Stunde mit Tanja vergnügt, diese wiederum hatte alles gegeben, um den Abend zu etwas Wundervollem gedeihen zu lassen. Als Reiner zur Stelle kam, an der sich Joe an Malas Kleid zu schaffen machte, sah er, wie Lorenz Sabine etwas ins Ohr flüsterte. Diese warf lachend den Kopf nach hinten und wirkte mit einem Mal sehr ausgelassen. Der Applaus nahm kein Ende, und mit einem Mal schämte Reiner sich, weil er sich ja mit fremden Federn schmückte. Gelesen hatte er allerdings gut. Deutlich, mit gebotenen Pausen, kein Verhaspeln, kein Stottern, nichts. „Mala, die Wasserträgerin“ war sehr gut angekommen. Reiner stellte fest, dass die Plätze von Sabine und Lorenz leer waren. „Was zum Teufel...“ dachte er und verfluchte sich innerlich. Er konnte ja nach diesem Erfolg nicht einfach so verschwinden und musste seine Rolle wahren. Einen Gang zur Toilette würde ihm allerdings niemand verwehren können. Dort traf er sie dann, „seine“ Sabine und seinen Kollegen Lorenz, auf der blitzblanken Männertoilette, vor der Spiegelreihe, in einem Zungenkuss vereint. „He...“ sagte er nur. Sie hatten genau zehn Minuten Zeit. Dann würde die Lesereihe abgeschlossen sein und auch andere Clubmitglieder würden sich respektive ihre volle Blase erleichtern wollen. Lächelnd setzte sich Sabine auf einen Toilettendeckel und tat nichts anderes, als die Arme hinter dem Kopf zu verschränken. Reiner und Lorenz machten sich an ihren Beinkleidern zu schaffen und befreiten ihre Penisse. Reiner, ein ausgesprochener Geniesser, stippte mit der Eichel an Sabines Achselhaarspitzen. Wonneschauer durchjagten seinen Körper. Lorenz tat es ihm gleich. Dann klemmte Sabine die Schwänze der beiden Ärzte unter ihre Arme und die drei gaben sich hemmungslos dem Axillär-Sex hin, einer Praktik, die bis heute in der Fachliteratur kaum beschrieben ist. Man wird davon nicht schwanger, zudem ist diese Praktik ausgesprochen intim. Frau kann den Orgasmus des Partners (oder von mehreren Partnern) steuern – durch sanften Druck der Arme gegen den Oberkörper. Zudem hat das Liebesspiel etwas atavistisches, urtümliches. Die Spielart wurde vermutlich von einem Naturstamm erfunden und nie wirklich in unserer westlichen Zivilisation verbreitet.

Reiner und Lorenz hatten jedenfalls sehr intensive Orgasmen und Sabine schüttelte sich vor Lachen. Dann ging die Tür auf und vier Clubmitglieder betraten nichtsahnend den Raum, um ihre Notdurft zu verrichten.

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